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am 2. Oktober 2008
Alice Miller macht in ihrem Buch "Dein gerettetes Leben" etwas, was ihre Aussagen für jedermann auf natürliche Weise begreifbar macht. Sie erzählt von schrecklichen Erfahrungen, die die meisten Menschen in ihrer frühen Kindheit durch die eigenen Eltern erleiden müssen. Sie erzählt von den zwangsläufigen psychischen und somatischen Folgen für die betroffenen Menschen, die diesen schrecklichen Erfahrungen unterworfen waren. Sie erzählt auch davon, welche Auswirkungen diese schrecklichen Erfahrungen auf unsere gesamte Gesellschaft haben. Am Schluss ihres Buches erzählt sie von einer Mutter, die über ihr Verhalten gegenüber ihrer Tochter ehrlich nachdenkt. Sie erlangt das notwendige Mitgefühl wieder, indem sie wahrnimmt, was sie ihrer Tochter durch ihr schreckliches Verhalten angetan hat.

Alice Miller hat sich bei ihren Erzählungen völlig von ihrem angelernten unbrauchbaren theoretischen Ballast befreit und verlässt die ihm innewohnenden Abstraktionen, die den Menschen nur zum Objekt von empathielosen, schwachsinnigen Analysen machen. Ursache und Wirkung bekommen in ihren Erzählungen ihren natürlichen Zusammenhang.

Mich hat "Dein gerettetes Leben" zutiefst berührt, weil ein fühlender Mensch ehrlich von Dingen erzählt, die den Alltag der Menschheit ausmachen. Dieser Alltag ist oft von bestialischen Grausamkeiten geprägt. Die schrecklichen Erfahrungen, die die Kinder durch ihre Eltern erdulden müssen, macht sie selbst später zu schrecklichen Eltern, es sei denn, sie haben dank der Beziehungen zu fühlenden Menschen die Möglichkeit, in ihr eigenes schreckliches Schicksal einzufühlen und dank ihrer erwachten Gefühle die Fähigkeit, die Wertungen vorzunehmen, was ihnen gut tut und was nicht. Wenn die ehemals geschundenen Kinder ihre genuinen Gefühle wiedererlangen, dann werden sie sich von allen destruktiven Beziehungen und Handlungen befreien, weil es ihnen eben nicht gut tut, von ihnen gefangen zu sein.

Es könnte kein Leben auf unserer Welt existieren, wenn in ihm von Beginn an lebensvernichtende Triebe herrschen würden. Daher ist jede Form der Destruktivität niemals biologisch angelegt, sondern immer erlernt. Dass ausgerechnet die geliebten Eltern unsere einstigen Dämonen waren, stellt eine groteske und grauenvolle Tatsache dar. Die dämonischen Eltern heuchelten zudem, ihr grausames Verhalten sei zu unserem Besten. All das bewirkt, dass die elterlichen Grausamkeiten von uns nicht mehr als solche wahrgenommen und später gedankenlos auf die eigenen Kinder oder auf andere Sündenböcke übertragen werden.

Wir müssen die Ursachen der Gewalt erkennen, um uns von ihnen befreien zu können. Die Gewalt nährt sich von zubetonierten Gefühlen und der Botschaft, dass Gewalt etwas Gutes sei, soweit sie vom Stärkeren gegenüber dem Schwächeren ausgeübt werde.

Dagegen erschaffen fühlende Menschen eine Welt, in der es Spaß und Freude macht zu leben.

Alice Miller präsentiert der Menschheit mit ihrem Buch "Dein gerettetes Leben" eine lebensbejahende Botschaft!
(Warum weint die Welt durch die Augen der Kinder?)
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am 12. Dezember 2009
Jeder mündige Mensch müsste dieses Buch in die Hände bekommen, um sich selbst besser verstehen zu können. Ich kannte die "Vorbücher" von Frau Miller nicht. Dieses Buch erschütterte mich zutiefst, weil es nicht anklagend ist, sondern klarlegend.... sich selbst besser verstehen zu lernen... denn nur dadurch ist eine eigene Veränderung im Verhalten möglich. Dem kleinen Kind in sich selbst volle Empathie entgegenbringen und nicht wieder und wieder - wie als Kind indoktriniert - sich selbst belügen müssen, um "nicht abzudrehen" in Aggression gegenüber anderen (aus nicht verarbeitetem inneren Schmerz) oder in eine Depression. - Absolut empfehlenswert für Menschen, die bereit sind zurückzublicken, um besser weitergehen zu können auf ihrem Lebensweg.
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am 4. November 2007
Danke auch für den Titel, der die Hoffnung ausdrückt, dass wir merken dürfen und dass es Rettung gibt!

Doch ich möchte speziell auf das Vorwort eingehen, weil es so viel aussagt:

Um etwas zu verändern, schreibt sie, "müßten die Eltern den Mut finden, dem Kind ihren Fehler einzugestehen" (S. 11). "Diese Informationen der Eltern bedeuten für das Kind keine Offenbarung, denn sein Körper weiß all das seit langem" (S. 12). Ja, m.E. spürt jedes Kind, wenn es verletzt wird, wenn ihm Unrecht angetan wird, wenn es gedemütigt oder nicht wahrgenommen wird, kurz, wenn es nicht geliebt wird; aber es darf all dies nicht äußern, manchmal noch nicht einmal denken. Die Verwirrung ist groß. Doch sein Körper und sein Gehirn (oft im Unbewussten) speichern die Geschehnisse. Sie werden nicht gelöscht, sondern verdrängt. Über die Gewalt wird in den Familien nicht geredet oder diskutiert. So ist das Kind in seiner emotionalen Wahrheit sehr einsam und seine "Isolation (das Alleinsein mit dem Geheimnis)" (S. 11) ist sehr groß. Und nun schreibt die Autorin, um eine Krankheit oder eine Sucht zu verhindern, "bedarf es des Zugangs zu seiner Geschichte" (S. 11). Ja, es bräuchte das Zulassen der Wahrheit, die Fakten, seine emotionale Realität, nichts anderes!

Beim Hinschauen auf diese Wahrheit geht es in erster Linie um die Information über die Vergangenheit und nicht um "eine Entschuldigung seitens der Eltern" (S. 15). Nein, ich denke auch, es geht nicht um eine Ent-Schuldigung der schuldigen Eltern; es geht um das Seelenleben des Kindes! Gewalt in der Erziehung ist nicht entschuldbar, auch wenn die sadistischen, strengen oder zumindest unempathischen Eltern ihre Gründe gehabt haben mögen, die in deren Kindheit liegen. Ein Verständnis für deren Kindheit erklärt die kranken Verhaltensweisen dieser Eltern und könnte zu ihrer Genesung beitragen, sofern sie es wünschen. Allerdings nutzt es dem Kind nicht viel. Jeder muss seine eigene Kindheit ungeschönt so sehen, wie sie war. Hier liegt der Schlüssel zur Heilung jedes einzelnen, der Schlüssel zur Rettung!
Eine Entschuldigung ist sicher nichts Schlechtes, aber Alice Miller meint etwas anderes, weil es jetzt nicht um die Eltern geht. Sie schreibt zu Recht: "Der Fokus liegt beim Kind, bei seinen Gefühlen und legitimen Bedürfnissen. Wenn das Kind merkt, daß die Eltern sich dafür interessieren, wie es ihre Übergriffe empfunden hat, erlebt es eine große Entlastung" (S. 16 f). Dann ist auch der "Aufbau einer neuen Beziehung" (S. 17) möglich.

Leider erlebe ich ein solches elterliches Verhalten in meiner allgemeinärztlichen Praxis äußerst selten. Die meisten Eltern sind mit sich beschäftigt. Selbst wenn sie ihre Taten bedauern, versuchen sie ständig, sich zu entschuldigen; sie hätten es nicht besser gewusst; sie hätten es im Grunde doch nur gut gemeint und wie bedauerlich es ist (für sie selbst), dass sie so vieles falsch gemacht haben.

Dabei ist es so wichtig, die Wahrheit zuzulassen, nichts als die Wahrheit und zu erkennen, was die Gewalt beim Kind angerichtet hat, weshalb das Kind krank wurde oder gewalttätig oder sich selbst verletzt. Es geht um die einfache Tatsache, dass die Eltern die Ursache für das Leiden ihrer Kinder sind, zuerst beim Schlagen und später als Folge in der Krankheit.

"Kinder[n], die in solchen Gesprächen erlebt haben, daß ihre Verletzungen und ihre Gefühle von ihren Eltern ernst genommen wurden und daß ihre Würde respektiert wird" (S. 16) steht einer Heilung und einer gesunden weiteren Entwicklung nichts im Wege. Ja, nur durch das Aufdecken der Wahrheit ist eine wirkliche Heilung möglich. Alle anderen Therapien wirken nur symptomatisch, lindern hier und da, verändern aber nichts Grundsätzliches und heilen nicht: Antiagressionsprogramme, Verhaltenstherapien etc. All diese Maßnahmen können besser sein als gar keine Therapie, aber nicht viel besser. Sie können aber auch schaden, wenn nämlich nach alten Mustern verfahren wird und z.B. die Schuldzuweisung wieder aufs Kind fällt, was gar nicht so selten ist.

Nicht nur für Kinder, auch für Erwachsene führt der Weg zur Heilung, zum geretteten Leben einzig über das Auffinden der Kindheitsrealität und über die "Geschichte des einst mißhandelten Kindes und dessen verleugnete Schmerzen" (S. 18). Auch ich bin von der heilsamen Wirkung der elterlichen Einsicht ihrer Fehler überzeugt. Wenn die alten Eltern ihrem Kind die ungeschönten Informationen geben könnten über die damaligen Misshandlungen und wenn sie ihr liebloses, oft grausames Handeln ihrem Kind gegenüber eingestehen könnten, bräuchten diese ihre Krankheiten nicht mehr. Verwirrungen könnten sich auflösen. Sie schreibt zu Recht auf S. 50: "Dieses Warten auf Liebe ist keine Liebe." Die Kinder müssen endlich aufhören dürfen, zu warten. Die meisten haben auch als Erwachsene keine liebevollen Eltern, sondern müssen sich diese Erlaubnis selbst geben. "Das Ausmaß der als Kind erfahrenen Misshandlungen lässt sich nicht auf einmal erfassen. Es bedarf eines längeren Prozesses" (S. 62). Ja, es ist ein langer Weg. Viele gehen ihn nicht und manch einer – "mit latentem Haß aufgewachsen" (S. 75) – wird leicht als Terrorist zur Bedrohung unserer Welt, der "einer ,tickenden Bombe' gleicht" (ebd.)
Andererseits gibt es auch "eine ganze Menge von Menschen, die … an ihren Schuldgefühlen verzweifeln, um die Schuld ihrer Eltern nicht zu sehen, weil sie die Strafe für das Sehen befürchten" (S. 144). Ich erlebe in der Praxis häufig, wie diese Menschen krank werden wegen der "latent wirksamen Angst des kleinen Kindes vor seinen gewalttätigen Eltern" (S. 148).

Das letzte Kapitel "Aus dem Tagebuch einer Mutter" zeigt deutlich, wie eine Mutter ihrer Tochter und letztlich auch sich selbst helfen kann, wenn sie die Vergangenheit nicht mehr beschönigt, sondern zulässt, mit all den Schmerzen, die damit verbunden sind. Auslöser war bei ihr der Rückzug ihrer Tochter und die Verweigerung der Tochter, weiterhin die Lasten der Mutter zu tragen (vgl. S. 298). Dadurch, dass die Mutter ihrer Tochter daraufhin die Kenntnis der Wahrheit gönnen und ihre Fehler eingestehen konnte, hatte sie selbst die Chance sich ihrer eigenen Geschichte zu stellen (vgl. S. 316). Damit schließt Alice Miller den Kreis zu Ihrem Vorwort und der Forderung an die Eltern, ihren Kindern die Wahrheit über die frühen Jahre mitzuteilen.

Ein wunderbares Vorwort in einem guten Buch!

Anke Diehlmann
Autorin von "Bitte ... keine Gewalt"
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am 7. Oktober 2007
Alice Miller hat uns in ihren Büchern nicht nur das Leiden des misshandelten und vernachlässigten Kindes nahe gebracht, sondern auch die Konsequenzen, die aus der Verleugnung dieses Leidens für den einzelnen Menschen und die Gesellschaft entstehen. Mit jedem Buch ist sie diesem Kind und der Wahrnehmung der zum Schweigen gebrachten und niemals geäußerten Qualen der Kindheit näher gekommen und mit jedem Buch hat sie sich weiter von der Blindheit der konventionellen Moral entfernt, die von uns verlangt, dass wir der gefährlichen Verleugnung und dem Schweigen treu bleiben, obwohl diese bis heute die Auswirkungen von Kindesmisshandlungen im Bewusstsein der Menschheit unterdrückt.

In ihrem neuen Buch "Dein gerettetes Leben" wagt Alice Miller einen weiteren Schritt hin zu diesem Kind im Erwachsenen, indem sie ihm das Recht auf seine Stimme gibt, die Erlaubnis, seine Wahrheit zu spüren und sie auszudrücken. Die Angst der in ihrer Kindheit geschlagenen Menschen, lebenslang in den Körpern gespeichert, blockiert den Ausdruck ihrer Wahrheit ? sogar in Therapien, wo wir hoffen, dass uns befreien und unsere Vitalität endlich erobern zu können. In ihrem Buch "Dein gerettetes Leben" setzt sich Alice Miller für dieses Kind ein und öffnet Türen zu Räumen, die von dieser Angst zugesperrt waren. Sie öffnet sie auf unterschiedliche Weise.

In ihrem Vorwort schlägt sie den Kindertherapeuten vor, Eltern zu ermutigen, ihren Kindern deutlich zu sagen, dass es ein Fehler war, sie zu schlagen und sie auf diese Weise zu erniedrigen. In ihren Artikeln entwickelt Alice Miller ein neues Konzept der Therapie, in dem die Empörung, zugelassen und vom Therapeuten ausgedrückt, ein wichtiges Mittel wird, um den Klienten das Erkennen der eigenen Geschichte und der Schäden, die sie erleiden mussten, zu ermöglichen. In ihren Antworten auf Leserbriefe kommuniziert Alice Miller auf ihre einzigartige, starke Weise mit der unterdrückten Wahrheit ihrer Leser. Sie zögert nicht, an die Schrecken ihrer Geschichten zu glauben. Ihre Briefantworten zeigen, dass und wie in einer direkten und klaren Art über das bislang verschwiegene und unverstandene Leiden gesprochen werden kann und was damit erreicht wird. Indem die Fakten hier ohne Umschweife benannt werden, können sich Menschen nach und nach ihrer Wahrheit, das heißt: ihren echten Gefühlen annähern und Partei für das Kind ergreifen, das sie einmal waren und das sie so lange zum Schweigen verdammt haben. Das bringt die Krankheitssymptome zum Verschwinden, weil deren Funktion (der Schutz der Eltern, um der eigenen Angst zu entgehen) nicht mehr benötigt wird. In ihrer Erzählung "Aus dem Tagebuch einer Mutter" erleben wir eine Frau, die durch die mitfühlende Kommunikation mit sich selbst frei wird, ihrer Tochter mitfühlend zu begegnen. Es ist bewegend, wie der Zugang zu und der Respekt für unsere Gefühle und damit für die Gefühle unserer Kinder die Tür zu einer neuen Form der Kommunikation öffnet, die uns von zerstörerischen Konventionen weg hin zu wahrer Menschlichkeit führen.

"Dein gerettetes Leben" stellt eine Art Vermächtnis Alice Millers dar. Es ist vielleicht das wichtigste ihrer Bücher, da es nicht nur ihre Erkenntnisse über die Ursachen und Folgen der Kindesmißhandlungen präsentiert, sondern auch die Möglichkeiten ihrer Bewältigung durch eine veränderte Form der Kommunikation aufzeigt, die sich eindeutig und kompromißlos auf der Seite des Kindes engagiert.
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am 17. November 2009
Für alle,

die sich schon immer nach jemandem gesehnt haben, der bedingungslos zu ihnen hält,

die wissen wollen,

- warum Selbstmitleid sehr wohl einen hohen Nutzen hat,
- worin das Positive von Wut- und Haßgefühlen liegt,
- wie man seine Vitalität steigern kann,
- wo die tieferen Wurzeln des "Bösen in der Welt" und auch der Kriege zu suchen sind,
- wie Kriege zu verhindern sind,
- warum sie sich nicht mehr an ihre eigene Kindheit erinnern können, höchstens daran, dass sie glücklich war,
- welche Folgen das Schlagen und auch schon Klapse bei Kindern haben,
- welche Ursachen Depressionen haben und wie sie sich äußern können,
- wo ihre Herzbeschwerden und viele andere Symptome herkommen können, für die bisher noch keine Ursache gefunden wurde,
- wie sie einen geeigneten Therapeuten finden können, um ihre eigene Kindheit zu erforschen,

erhält dieses Buch meine ausdrückliche Empfehlung, besonders, wenn sie bisher noch kein Buch von Alice Miller gelesen haben.

Obwohl ich die Bücher Alice Millers der 80iger Jahre schon damals gelesen habe und auch jetzt "Die Revolte des Körpers", so bietet "Dein gerettetes Leben" sowohl eine gute Zusammenfassung als auch Ergänzung und weitere Hilfe zu den oben angesprochenen Themen und ich stehe nach wie vor zu meinem Entschluss, dieses Buch gekauft und durchgearbeitet zu haben. Einziger Kritikpunkt ist die Ausführung als gebundenes Buch. Mir hätte eine Taschenbuchausgabe gereicht.

Fazit: Extrem nützlich.

Ein Dankeschön an Alice Miller für ihre Arbeit.

Joachim Mink
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am 17. Juli 2014
Wir alle kommen irgendwie und irgendwo auf diese Welt - die eine in Bangladesh in einem Slum, der andere als Sohn einer Milliardärsfamilie - beides hat seine Licht- und Schattenseiten, und das mag eine Fügung eines nicht konkret greifbaren "Schicksals" zu sein. Aber wir alle erhalten im Laufe unserer Kindheit und Jugend Prägungen - zuallererst durch unsere Eltern oder die Menschen, in deren unmittelbaren Umgebung wir aufwachsen. Später kommen Lehrer hinzu, andere Personen, die entscheidenden Einfluss auf uns nehmen - zunächst ohne das wir in der Lage wären, per kritischem Verstand zu filtern, was von diesen Impulsen wirklich lebensdienlich, was vielleicht religiös oder politisch dogmatisch oder jeweils kulturspezifisch einengend, beschränkend ist.Die ersten Jahre - und ganz besonders die allerersten - formen unsere Persönlichkeit. Da werden ganze "Autobahnen an Überzeugungen, Gewohnheiten, Fremdwerten, etc." in unser System gelöffelt - neben dem Brei und später der festen Nahrung, die wir hoffentlich auch in ausreichender Menge bekommen.

Doch nicht alle diese Überzeugungen sind lebensdienlich, da häuft sich allerhand an, was der Verwirklichung unseres eigenen Potentials eher im Wege steht, und mit mehr oder weniger psychischer oder auch körperlicher Gewalt anerzogen wird.

Auch in unserer heutigen, scheinbar aufgeklärten Zeit ist es immer noch üblich, nicht etwa ein neu auf die Welt kommendes Kleinkind staunend zu begrüßen, und nun zu schauen, was sich denn da verwirklichen will, um es zu schützen und mit einem Mindestmaß an Überlebensregeln dabei zu begleiten, dieses Potential zu entfalten. Stattdessen ist richtig oder falsch, was unsere Eltern und Bezugspersonen dafür halten: Rotgefärbte Haare sind "falsch", eine bestimmte politische oder relogiöse Gesinnung - und sei sie noch so absurd - ist "richtig", "so und so verhält man sich gegenüber Eltern und Erwachsenen", "Du sollst dich nicht wehren!", "Man spricht nicht bei Tisch!" und du sollst Vater und Mutter ehren - egal, was sie vielleicht an Destruktivem anrichten - meist aus der eigenen, unreflektierten Historie heraus ("Mir haben die Schläge damals auch gut getan!").

Angesichts dieser Last an gewaltvoll anerzogenen Fremdwerten verbiegen sich Biographien von gesunden zu kranken Lebensläufen, halten sich lebensfeindliche Prägungen oft über Jahrzehnte, und frühe oder dauerhafte Kränkungen führen zu jahrelangem Leiden, das sich dann seelisch als Destruktiv-Angst, Depression & Co. oder eben in Form körperlicher Symptome zeigt, die von der Schulmedizin immer noch so mechanistisch "behandelt" werden, als sei der Mensch eine Art komplizierte Maschine, wo es eben mal etwas auszuwechseln oder zu reparieren gäbe.

In diesem Sinne schreibt Alice Miller hier ein Werk, dass gerade jungen Erwachsenen von besonderem Wert sein könnte, bekämen sie es in einer Zeit in die Hand, in der eine gesunde Ablösung vom Elternhaus gelingt oder misslingt. Wo die Lebensaufgabe darin besteht, Fremdes von Eigenem unterscheiden zu lernen, und die Lebensnavigation noch einmal neu zu trimmen: Ist das religiöse Konzept, dass man mir vermittelt hat, wirklich mit meinen eigenen Werten im Einklang? Wie sieht es mit den politischen Konzepten aus, der Art und Weise, mit anderen Menschen umzugehen? Was hier abstrakt klingen mag, hat direkte und konkrete Auswirkungen auf das Alltagsleben. Ist Selbstbefriedigung "böse"? Darf ich offen sagen, was ich denke, auch wenn es "Autoritäten" nicht gefällt? Wie verhalte ich mich in Konfliktsituationen - inneren wie äußeren: Passe ich mich unterwürfig an, weil mir die Angst vor strafenden oder liebesentziehenden Eltern noch in den Knochen sitzt, oder wage ich es, meinen Weg zu gehen? Widerhole ich das, was mir als Kind angetan wurde an meinen eigenen Kindern, ja, kriege ich es bei nahezu völlig zerstörtem Selbstwertgefühl überhaupt hin, gesunde, gleichwürdige Beziehungen aufzubauen?

Wer neugierig ist, wie dieser "Reinigungsprozess von übernommenen Fremdwerten" vonstatten gehen kann und wie man sich - entweder in der stillen Selbstreflexion, mithilfe des Aufschreibens eigener Erkenntnisse oder auch mit einem Partner, dernicht zwingend Therapieprofi sein muss, von fremden Anteilen, die eigene Potentiale begrenzen, befreien kann, dem sei dieses Werk ans Herz gelegt.

Risiken und Nebenwirkungen: Es kann sein, dass während dieses Prozesses oder nach dem Abschluß von Teilschritten sich erhebliche Veränderungen ergeben: Veränderte Beziehungen zu Bezugspersonen, Veränderungen bei der beruflichen Orientierung bis hin zur Partnerschaft. Veränderungen, die nicht jedem gefallen werden, die jedoch sehr klar zeigen werden, wer Ihnen wirklich zugewandt ist, und wer nicht. Wer vielleicht durch emotionale Erpressung oder andere Formen der Gewalt versucht, Ihre eigene Form zu verbiegen - und dann ist es ratsam, zugunsten seelischer und körperlicher Gesundheit, siene Beziehungen neu zu ordnen, Schädliches zu trennen, und neue Wege zu gehen - die Alternative lautet: Angst & Depression (falls man es nicht noch weiter treibt und schließlich bei noch schmerzhafteren Formen seelischer und körperlicher Erkrankung landet).

In diesem Sinne: Lesen, Orientieren und: Anpacken: Das vielleicht bedeutendste Projekt Ihres Lebens: Ihr gerettetes Leben!
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am 6. August 2010
Ein unglaublich wichtiges Buch für all jene Menschen, die sich mit ihrer eigenen Geschichte auseinandersetzen, und daraus Verstehen und Erkennen lernen wollen.
Alice Miller ist für mich die Pionierin auf dem Gebiet der "schwarzen Pädagogik" und vermittelt dem Leser das Gefühl, dass dieses Buch nur für sie/ihn geschrieben wurde.
Eine absolute Muss-Lektüre bei der Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte. Und ein Tribut an das Leben in Freiheit.
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am 10. November 2007
Das Lesen hat mich sehr gestärkt. Die Definitionen z.B. über Grausamkeit sind super auf den Punkt gebracht.
Besonders eindringlich war für mich das „Tagebuch einer Mutter“:
Ihr anfängliches Klammern an der Tochter konnte ich kaum ertragen. Sehr toll geschrieben und nachvollziehbar ist dann ihr eigener Bewusstwerdungsprozess. Erleichternd für mich als Leserin dann ihre Erkenntnis, dass sie ihre Tochter in Ruhe lassen kann und sich stattdessen lieber um ihre eigene Kindheitsaufarbeitung kümmert.
Diese Geschichte zeigt, wie sich familiäre Verstrickungen lösen lassen.

Ein gutes Buch für Töchter und Mütter, für Söhne und Väter und vor allem für das Kind in uns allen.
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am 5. Dezember 2007
Mir ging/geht es wie Herrn Schewski: ich habe alle Miller Bücher schon vor Jahren gelesen und bin Frau Miller für diese mutigen Bücher außerordentlich dankbar. Ich hatte von dem neuen Buch jedoch auch mehr Neues erwartet. Leider ging es mir auch so, dass ich schnell merkte, dass der Inhalt überwiegend eine 1:1 Kopie der Artikel von der Website von A.M. sind. Dafür haben sich die 20 Euro nicht gelohnt. Alle diejenigen, die nur wenig von Miller gelesen haben und die Websiteartikel noch nicht kennen können allerdings bedenkenlos zugreifen.
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am 27. Januar 2008
Alice Miller beschreibt in den ersten drei Kapiteln ihres Buches die Tragödie einst schwer mißhandelter bzw. vernachlässigter Kinder, die sich dieser schmerzvollen Wahrheit nicht
bewußt sind.
Die berühmte Schauspielerin Marilyn Monroe und andere namhafte Künstler, deren
Talente, Schönheit und außergewöhnliche Leistungen viel Bewunderung einbrachten ,fanden
jedoch nie das Verständnis und die Empathie, nach der sie sich als Kind und als spätere Erwachsene so sehr gesehnt hatten. Sie wußten nicht was sie brauchten, weil ihnen ihre Kindheitstraumata nicht bewußt waren.
König Ludwig II. von Bayern, dessen Eltern ihn inmitten von Luxus hungern ließen und dieses
hochsensible Kind als dumm empfanden und dessen abstruse Verhaltensweisen als späterer
Erwachsener nur eine Wiederholung der von ihm in der Kindheit erfahrenen perfiden und grausamen Erziehungsmethoden waren, entwickelte eine '"Schizophrenie'" als eine Folge der umfassenden Kindesmißhandlungen, er baute Schlösser in denen er nie residierte und in
deren Bau seine Sehnsucht nach Anerkennung seines Vaters ihren Ausdruck fand.
Mit klarer unbestechlicher Logik und am Fall der so qualvoll verhungerten Jessica zeigt die renommierte Kindheitsforscherin auf, daß Grausamkeit nicht vom Himmel fällt, sondern in
der Kindheit von der Mutter des kleinen Mädchens real erfahren und somit erlernt und später
von ihr selbst nachgeahmt wurde. In den Rachegelüsten und der sadistischen Freude an den
Qualen ihrer kleinen Tochter kommt deutlich der Haß ,der eigentlich ihrer eigenen Mutter gilt,
zum Ausdruck. Es ist ein auf Sündenböcke verschobener Haß, der umso gefährlicher, weil un-
bewußt ist. Dieser klaren Logik kann sich der Leser nicht entziehen und man muß sich fragen,
weshalb Alice Millers Erkenntnisse nicht zu einem radikalen Umdenken zumindest in sogenannten "'Expertenkreisen'" führen.
Der Selbsterkennungsprozess, sehr eindringlich in den Tagebuchaufzeichnungen einer Mutter
dargestellt, zeigt die Dynamik, die eigenen Erwartungen die man an seine Eltern hatte, nun
auf seine eigenen Kinder zu übertragen und somit das Kind für seine eigenen Bedürfnisse ausnutzen.
Diese Erkenntnis der Mutter befreit auch die Tochter von einer ungeheuren Last und macht
eine wirkliche auf authentischen Gefühlen und Respekt beruhende Beziehung möglich.
In ihren Antworten auf Leserbriefe zeigt die renommierte Kindheitsforscherin eindringlich am
eigenen Beispiel , was ein wissender Zeuge zu sein bedeutet. Mitgefühl, Verständnis und die
geäußerte Empörung über die erlittene Grausamkeit sind der Schlüssel zur Heilung und auch
der Grund, warum Menschen aus aller Welt an die Forscherin schreiben. Sie werden auch mit
der Lektüre dieses Buches auf Verständnis und Mitgefühl stoßen und sich in ihrem seelischen
Schmerz bestätigt fühlen.
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