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63 von 79 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Wunschkinder - interessanter Roman von uninteressaanten Menschen, 19. April 2006
Die zwischen 1965 und 1975 Geborenen, also die Dreißig- bis Vierzigjährigen, sind das Thema dieses „Romans wie Valium"(kulturnews.de), der zur Zeit auf Platz 1 der Bestenliste des Südwestfunks steht(,bei der es ernsthaft um die besten, nicht die meistverkauften Romane geht, so daß man sich natürlich mit dem Gefühl, etwas Verwerfliches, wenn nicht gar Verbotenes zu tun, daran macht, etwas Gewöhnliches wie eine Kunden-Rezension zu schreiben,).
Um die heute mittelalte Generation geht es also, die schon von Geburt an begünstigt gewesen sein soll - sie waren die ersten trotz Pillenknick Geborenen, beneidenswerte Wunschkinder, die mitten hinein geboren wurden in die von anderen geschaffene Wohlstandsgesellschaft, als es noch nicht die heutigen Probleme gab, ja man noch nichts von ihnen ahnte. Terroristische Ereignisse sollen diese behüteten Menschen völlig fassungslos gemacht haben, ahnungslos, wie sie offenbar durch die Weltgeschichte gelaufen sind, erst recht natürlich Kriege vor der eigenen Haustür - sie hatten noch nicht einmal um die Anerkennung als Wehrdienstverweigerer kämpfen müssen, sondern konnten frei wählen zwischen dem Dienst an der Waffe oder am Krankenbett. Später waren manche dann noch froh, beim Bund unterzukommen, bis der Kosovo auch sie aus ihren Träumen riß.
Es scheint ihnen alles zuzufliegen: Jakob hat zuerst einen Job in Berlin, dann wechselt er in eine Londoner Anwaltskanzlei, wo er die Nachfolge eines Kollegen antritt, der am 11.9.2001 in New York umgekommen ist. Isabelle geht mit ihm, sie kann ihre Berliner Grafikagentur von London genau so gut betreiben. Die beiden waren als Studenten zusammen und haben sich kürzlich wieder getroffen und „wieder" ineinander verliebt, auch wenn so recht niemand, insbesondere der Leser nicht, es mitbekommen hat. Vor dem Umzug, wie praktisch, heiraten sie.
Es wird das Bild zweier Menschen entworfen, denen es, wie es überall heißt, an nichts fehlt, was ein junges Paar braucht. Wirklich? Von ihrem Wohlstand einmal abgesehen, scheinen sie auf jeden Fall über alle Möglichkeiten und Handlungsfreiheiten zu verfügen. Alles ist selbstverständlich, und die Folge ist eine gewaltige Leere.
Sie stehen also im Zentrum des Geschehens, und das ist die Crux dieses Romans: Sie sind langweilige Menschen, es interessiert einen kaum, wie sie leben, was sie denken, womit sie ihren Tag verbringen. Sie haben nichts von dem, was eine Romanfigur braucht. Man verliebt sich halt so, wieso wird nicht wirklich klar, von großen Emotionen merkt man jedenfalls nichts, und wenn man nach London geht, na ja, dann kann man auch heiraten. Nicht einmal prickelnden Sex oder gar etwas wie Erotik scheinen sie zu kennen(„doch war sie diese Nacht bei ihm geblieben, in seinem Bett, schlief noch, als er aufstand, sich hinausschlich, um zum Bahnhof zu fahren"). Sie gewinnen nichts, sie scheinen auch nichts zu verlieren, sie haben keine Kämpfe, also auch keine Siege, keine Niederlagen, aus denen sie gewinnen können, sie haben keine Träume, keine Sehnsüchte, sie haben - nichts, der bissige Titel ist wirklich klasse! Sieht man von ihrem Wohlstand ab, und man merkt, wie unwichtig und banal dieser selbstverständliche Wohlstand ist, wenn er allein steht, fehlt ihnen alles, was ein Leben ausmacht, sogar Trauer, wie man anläßlich eines Sterbefalles beobachten kann. Ratlos und schnell verzweifelt sehen sie zu, wie ihr Leben aus den Fugen gerät. Sie können nicht für sich oder andere sorgen, sie können nicht leben. (Übrigens haben sie alle auch keine Kinder, aber das wäre auch des Lebensinhalts entschieden zuviel gewesen.)
Es macht noch nicht einmal Spaß, ihnen ihre Brieftasche zu klauen, so nachlässig, wie sie sie einstecken, stellt Jim, der Dealer, fest, dessen Geschichte neben der von ein paar anderen glücklicherweise von vornherein eingeflochten wird. Jakob und Isabelle wohnen nämlich nicht standesgemäß in London, was zur Konfrontation mit anderen Teilen der Gesellschaft führt, als die große Langeweile bereits begonnen hat, die Isabelle ziellos - eine Metapher, die sich durch den Roman zieht und für ihr ganzes Leben zu steht - durch London streifen läßt. Es ist die Konfrontation der Teilnahmslosigkeit und Selbstverständlichkeit mit der ganzen Härte der Realität.
Isabelle lernt also Jim kennen, dessen Ausstrahlung sie fasziniert, die direkte Art, seine Muskeln unter dem T-Shirt, auch die Gewalttätigkeit, die er ausstrahlt (und auch ausübt). „Die Art, wie er sie ausfragte, war beinahe rüde", und „einen Moment fürchtete sie, er würde ihr befehlen, sich auszuziehen". Das brauchen die Mädels, was. Sie bekommt die Gewalttätigkeiten in einer benachbarten Familie mit, die ihr Kind Sara schwer mißhandeln, und unternimmt nichts. Sie weiß auch nicht umzugehen mit dem vom Leben gebeutelten Jim, den sie sogar durch eine mitleidlose Denunziation Saras aufhorchen läßt. Sie versagt entsetzlich angesichts des Elends dieses Kindes.
Jakob lernt Claire kennen, für die nichts selbstverständlich ist. Er ist begeistert von ihrer Hoffnung - und verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Beruflich zu tun hat er mit Bentham, einem 66jährigen homosexuellen Juden, der Nazideutschland verlassen mußte, sich in London eine glänzende Kanzlei aufgebaut hat als Anwalt und dessen Ruf als Spezialist für diejenigen Vermögensfragen, die im Deutschland nach der Wende so gefragt waren, bis Berlin bekannt ist, und der aber in erster Linie ein spannendes Leben führt - wie lebt ein Schwuler mit 66 so, da wird sogar Jakob neugierig, wie hält er es mit der Liebe. Tja, das ist eine Biographie, kein Wunder also, daß Jakob Bentham bewundert für sein Leben, der sich dabei einen kritischen Abstand zu seinen Mandanten, die aus ihrer Rechtsverfolgung einen Selbstzweck machen, bewahrt hat und sie brillant durchschaut. Es seien die wohlhabenden Leute, die sich um ihren Besitz sorgen, sie wollen keinen Vergleich, keine Entschädigung, einsame Leute oft, und die Verfahren ziehen sich hin, um die es ihnen augenscheinlich nur vordergründig geht - sicher einer der Hauptgründe für die sich häufenden Verfahren vor deutschen Gerichten. Besitz ist ein Modus des Verlustes, wir tun nur so, als verliehe er uns Stabilität und Dauer, sagt er.
Vielleicht liegt es am spröden, unsinnlichen Stil, den langen, zerhackten Sätzen, daß die Lektüre manchmal etwas zäh ist, aber wer mit der Art der Darstellung und dem Stil klarkommt, wird die Geschichte gespannt bis zum Ende verfolgen und den zur Zeit besten Roman zumindest als Porträt einer bestimmten Gesellschaftsschicht schätzen lernen.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Im Schatten vom 11. September, 4. Oktober 2007
Katharina Hacker stellt hier zwei Welten nebeneinander. Einmal die Welt von Isabelle und Jakob. Sie lernten sich als Studenten kennen, verloren sich aus den Augen und treffen sich ausgerechnet am 11. September 2001 auf einer Party wieder. Weil alles so gut "passt", wird geheiratet und nach London gezogen. Dort nämlich bekommt Jakob, inzwischen Anwalt, einen Job anstelle eines im World Trade Center umgekommenen Kollegen. Isabelle ist Grafikerin und kann von England aus weiter in ihrem alten Job arbeiten. Die beiden scheinen, nach außen hin, alles zu besitzen, was als Grundlage für's Glücklichsein dient. Sie haben Jobs, Geld, Freunde, Interessen und vor allem sich selbst. Doch genau da liegt der Knackpunkt, denn die beiden erscheinen in "Die Habenichtse" nicht wie eigenständige, erwachsene Menschen, die wissen was sie wollen, sondern eher wie Getriebene ohne Ziel. Sie leben einfach so dahin ohne die Dinge groß zu hinterfragen, auch ohne ihre Liebe nur ansatzweise in Frage zu stellen. Man könnte hier vielleicht von einer geistigen oder seelischen Armut sprechen.
Die andere Welt in diesem Buch, ist die Welt der materiellen Armut. Direkt neben den beiden Hauptfiguren lebt nämlich eine Familie, die von Gewalt und Alkohol beherrscht wird. Opfer sind in diesem Fall die beiden Kinder Dave und Sara, wobei das Mädchen noch viel mehr zu ertragen hat. Die Autorin schafft es nun, diese beiden "Welten" immer wieder zu verbinden, zu kreuzen ohne dass es konstruiert wirkt, aber so, dass der Leser die Problematik genaustens vor Augen hat. Sie beschreibt ganz ruhig und lakonisch was passiert, wenn diese Welten sich treffen. Da fühlt Isabelle sich dann plötzlich zu einem Mann hingezogen, der als Dealer unterwegs ist. Ebenso Jakob, der ganz still und heimlich Intersse an seinem Chef entdeckt zu haben scheint. Oder auch die Kunst des Wegschauens, die von beiden Protagonisten perfekt beherrscht wird. Dumpfe Geräusche aus der Nachbarwohnung und ein Mädchen, übersät mit Blutergüssen im heruntergekommenen Garten, werden einfach mal nicht wichtig genommen bzw. gar nicht als Problem erkannt.
Nicht zu vergessen sind hier natürlich auch die viel tiefer und frabenfroher gezeichneten Nebenfiguren, die natürlich auch alle ihre Problemchen haben, mit diesen aber stärker werden und sich nicht in einen Sog hineinziehen lassen. Somit ist die Stärke dieses Buches aber auch schon irgendwie wieder seine Schwäche. Jakob und Isabelle sind kalt und oberflächlich beschrieben, finde ich. Das verstärkt das Bild der beiden, schwächt aber auch den Lesegenuss ein wenig. 5 Sterne kann ich also nicht geben
Dieses Buch hat dennoch aber auf mich eine große Wirkung, ich musste doch etwas warten, bis ich jetzt diese Rezension schreibe. Nachdem ich das Buch weglegte konnte ich erst gar nicht viel sagen. Je länger das nun her ist, umso besser gefällt mir "Die Habenichtse". Es wirft Fragen auf, die der Leser gern den Hauptfiguren stellen möchte und sich diese dann unweigerlich auch selbst stellen wird. Es sei denn er ist den beiden ähnlich. Wie will/soll ich leben? Was ist mir wichtig? Und vor allem auch: Wie und wann soll handeln? Es ist natürlich schon aufgrund der Zeit, in der es spielt auch ein politisches Buch. Desweiteren haben auch historische Fakten, wie der Nationalsozialismus, seinen Platz. Alles in allem bin ich schon begeistert, kann mir aber auch vorstellen, dass es nicht für Jedermann gemacht ist. Dazu ist es vielleicht zu subtil.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
zu sehr verliebt in die Idee, 4. Januar 2007
Begeistert war ich, als mein Mann sich dieses Buch zulegte; so wartete ich auf den Tag, an dem er diesen Roman ausgelesen haben würde ... kam aber nicht, stattdessen: "ah, bin noch nicht durch, kannst Du erstmal lesen". Also las ich erstmal, und zwar bis Seite 150 und dann seitenüberfliegend weiter und intensiv lesend die letzten 15 Seiten. Sorry, aber leider hat die literarische Idee, eine Generation als sich lethargisch um sich selbst kreisend zu skizzieren - eigentlich in schönen ausführlichen Beschreibungen - dazu geführt, dass dieses Buch einfach unendlich zäh zu lesen ist. Einzig die Schilderungen der täglichen Überlebensstrategien der kleinen Sara haben mich sehr angerührt. Die Beschreibungen der Gewaltexzesse und Drogendelikte Jims und seiner Gang habe ich überblättert, einfach öde.
Katharina Hacker hat dieses Buch so schreiben wollen und ihre Idee in ihrem Sinne klasse umgesetzt. Dass dieses bei einer Leserin wie mir nicht so ankam, war dann wohl Pech.
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62 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Habenichtse, 6. Juli 2006
Habenichtse sind alle, aber sie sind es auf verschiedene Weise. Im Mittelpunkt des neuen Romans "Die Habenichtse" von Katharina Hacker stehen Jakob und Isabelle, Anfang dreißig, er Anwalt, sie Mitinhaberin einer Grafik-Agentur. Als Studenten waren sie ein Paar, haben sich aus den Augen verloren und am Tag der Anschläge des 11. Septembers treffen sie sich auf einer Party in Berlin wieder. Schnell wird geheiratet und nach London umgesiedelt, dies alles scheint keine tiefere Bedeutung zu haben, denn wie Isabelle treffend formuliert, "es ist so passend". Aber schon Jakobs Sicht der Dinge zeigt die Sollbruchstelle, die Hacker hier einfügt: "Er hatte lange genug darauf gewartet, und wie man es drehte und wendete, dieses Warten selbst war ein Anspruch."
In London angekommen, bricht die Beziehung an der gegenseitigen Erwartungslosigkeit von Jakob und Isabelle. Es wird schnell klar, dass beide seelische, menschliche Habenichtse sind. Dazu machen sie sich selber: Unfähig, einander zu begegnen, flüchtet sich jeder in seine eigene Welt. Jakob scheint nur für seine Arbeit zu leben und entwickelt homoerotische Tendenzen. Isabelle schwebt in einer Traumwelt, sie lässt sich auf den Drogendealer Jim ein, als Folge einer sexuellen Begierde. Die Desorientierung ihrer beiden Hauptpersonen zeigt Katharina Hacker auf, indem sie sie für sich selber sprechen lässt und keinerlei Wertung des Geschehens liefert. Dies wirkt oft beängstigend, direkt. Trotzdem zieht der Roman den Leser tief in das Geschehen hinein, beteiligt ihn vor allem indem er ihm die moralische Wertung über Jakob und Isabelle selber überlässt. Beiden bleibt nichts das Hoffen auf eine undefinierte Zukunft: "Es wird jetzt anders, sagte er leise. Ihr Gesicht war fremd und traurig, aber da waren all die Jahre, die er auf sie gewartet hatte."
Und so sind es hauptsächlich die anderen, aus ihren Lebensumständen gewordenen Habenichtse, die Katharina Hacker zum Sprechen über die Wahrheit bringt. In genauen Schilderungen der jeweiligen Milieus arbeiten sich die Figuren, die Jakob und Isabelle begegnen, am Leben ab. Jakobs Chef, vertriebener Jude, alternder Homosexueller und am Unfalltod seines jüngeren Lebensgefährten leidend, schafft es trotz dieser Mängel ein Leben im Einklang mit diesem fehlenden Besitz zu führen. Andras, als Kind aus Ungarn geflüchtet, nie in Deutschland sesshaft geworden, Geschäftspartner von Isabelle und in diese verliebt, schafft es letzten Endes sich von seiner Obsession zu Isabelle zu befreien. Er blickt der Realität ins Auge und bricht in ein neues Leben mit einer neuen Frau auf: "Als wäre, was Isabelle und ihn verband, ebenso ausgedient wie das Sofa, ein Gegenstand, der nicht länger gebraucht wurde, gleichgültig, wie viele Erinnerungen sich damit verknüpften." Dabei entscheidet er sich auch für ein Leben in Berlin und gegen einen Rückzug nach Budapest. Jim bricht am Ende des Romans aus seinem Drogenmilieu aus, in eine ungewisse Zukunft. Aber der Leser ahnt, dass die von ihm inszenierte Spirale aus Exzessen und Gewalt notwendig waren, um diesen Schritt gehen zu können.
Es sind also vor allem die Nebengeschichten, in denen Hacker dem Leser Lösungen anbietet. Diese sind pragmatisch, bitter und vom Leben gezeichnet. Aber genau hier liegt die Stärke des Romans: unverblümt wird die Verarbeitung von Schicksalen geschildert. Dabei ist kein Thema zu groß: Die Anschläge des 11. Septembers, Restitution und die damit verbundene Frage nach Gerechtigkeit, Kindesmissbrauch, Homosexualität.
Katharina Hacker gelingt etwas Großes. Sie reiht sich in die Tradition realistischen Erzählens ein und schafft gleichzeitig einen kritischen Roman über die "Generation Golf" und deren Lebensentfremdung. Die von ihr konstruierte Realität zeigt eine Welt im Zustand der Unruhe, wobei die Unruhe scheinbar äußerlich als Resultat der politischen Ereignisse herrührt: "Erinnerst Du Dich, an diesen Spruch von Bush, nichts ist, wie es war?" fragt Andras Isabelle in einer E-Mail. Die Unruhe der Welt liegt aber in den Personen selber, in ihrer subjektiven, begrenzten Perspektive. "Er (Jakob) dachte an den 11. September vor anderthalb Jahren, an seine hilflose Aufregung, die mit New York nichts zu tun hatte, an Bushs Rede, nichts, wie es war. Nichts hatte sich verändert." Am Ende wird dem Leser klar, dass Katharina Hacker Erfahrungen verkündet und es ihr nicht darum geht, vermeintliche Wahrheiten zur Weltlage zu verkünden. Der Ableich dieser Erfahrungen mit den eigenen macht dieses Buch lesenswert.
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21 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Interessanter Effekt, aber kein Lesegenuss, 9. Dezember 2006
Es werden drei Handlungsstränge nebeneinander entwickelt: 1. Dave, Sara, Polly (die Katze) und ihre gewalttätigen und die Kinder vernachlässigenden Eltern. 2. Isabelle und Jakob, sowie Alistair, Bentham (Kollegen von Jakob in London) und Andras und Peter (Kollegen von Isabelle in Berlin). 3. Jim und Mae sowie seine Komplizen Ben, Hisham, Albert.
Jakob und Isabelle treffen sich nach 10 Jahren in Berlin wieder, heiraten und ziehen (zum heimlichen Bedauern Andras') ohne großes Aufhebens nach London, wo Jakob in einer Kanzlei arbeitet. Sie wohnen neben Sara und ihrer Familie. Isabelle bekommt, da sie zuhause arbeitet einiges von den Gewalttätigkeiten gegen Sara mit, unternimmt aber zunächst nichts. Jakob fühlt sich derweil zu Bentham, seinem Chef, hingezogen und lebt zusammen mit seinem Kollegen Alistar neben Isabelle her. Es wird wenig kommuniziert und wenn dann nicht über persönliche Themen. Isabelle lernt Jim kennen. Jim hat ein tieferes Seelenleben, ist einerseits gewalttätig und sehnt sich andererseits nach seiner verschwundenen Freundin Mae. Er hat als Kind Gewalt gegen sich erfahren und erfährt sie immer noch wenn er sich dem Einfluss Alberts, dem Anführer der Bande entziehen will. Er wohnt auch in der Lady Margaret Road (in der die drei Handlungsstränge zusammenlaufen) und ist von der glatten Oberfläche Isabelles hinter der er einen kühlen und unnahbaren Menschen erkennt, einerseits angezogen aber auch wieder abgestoßen. Als sie sich ihm zuwendet, demütigt er sie.
Das Buch liest sich nicht besonders gut. Auf den ersten etwa 50 Seiten werden mehr als 20 Personen namentlich eingeführt aber zunächst nur oberflächlich dargestellt. Die Handlungsstränge werden in fast jedem der 38 Kapitel gewechselt und man ist bei den ersten Sätzen meist nicht sicher in welchem man sich befindet. Die Sätze enthalten manchmal Nachsätze, bei denen der Leser nur ahnt was sie bedeuten. Die Sprache ist ziemlich trocken. Die Personen bleiben ohne Tiefe. Sie werden von außen beschrieben und wenn sie aus ihrer Perspektive sprechen erkennen sie sich und die anderen nur undeutlich. Es gibt keine tragfähigen Beziehungen zwischen den Protagonisten, alles bleibt oberflächlich, die Protagonisten öffnen sich kaum und haben mit Ausnahme Jims große Hemmungen oder Widerwillen sich mit den Anliegen anderer Menschen zu beschäftigen.
Der Roman erzeugt weniger durch seinen expliziten Inhalt als vielmehr durch die Sprache und die Art der Erzählung beim Leser genau das Gefühl, an dem die Protagonisten des Romans leiden. Wer diesen Effekt erleben will dem sei dieses Buch empfohlen, den anderen würde ich es nicht empfehlen.
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19 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Hat nichts, 13. Februar 2007
Die Habenichtse" Katharina Hacker
Die Qualität des Romans bestehe darin, Fragen in Geschichten aufzulösen, und sich mit den plakativen Antworten von Politik und Medien nicht zufrieden zu geben", so die Begründung der Jury zu ihrer Entscheidung, K. Hacker den deutschen Buchpreis 2006 zu verleihen. Das sollte eigentlich wert genug sein, dieses Buch, auch ohne es selbst gelesen zu haben, zu verschenken. Doch Vorsicht! Wer zum Literaturbetrieb wenig Affinität hat, bzw. wenig liest, und dieses Geschenk bekommt, der wird seinem Wohltäter" in Zukunft anders anblicken, und das nicht positiv. Nein, das Buch ist sogar eher dafür geeignet, die Lust am Lesen zu verringern. Man quält sich förmlich in den Text, der sich alsbald hier und da mit, zugegeben, äußerst wohlfeilen, bildreichen Sätzen schmückt aber alles in allem hohl bleibt. Ist dieses
Hohl" das Gewollte? Gesellschaftliche Entfremdung und Leere? Gut, da weiß ich auch was von, aber warum so unspannend, kalt und sagen wir es mal platt
Durcheinander"? Wieder mal ein von Medien gemachter Bestseller", der in Bücherschränken verstauben wird, und der, wenn überhaupt, bis ca. Seite 60 gelesen wird.
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19 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Keine 300 Seiten notwendig, 30. November 2006
Wir haben das Buch in unserem Literaturclub gelesen und gestern besprochen. Die Meinung war - was selten vorkommt - einstimmig. Es war stinklangweilig. Die Figuren kamen nicht näher und blieben farblos. Entscheidende Aussagen der Darsteller wurden nicht begründet. Warum erwähnt Jakob, dass es ein Fehler war, nach London zu gehen. Seitenweise nichtssagende Beschreibungen, die eher nerven als zur Lektüre anzuhalten. Wir waren alle sehr neugierig, da wir zu der angeblich beschriebenen Generation gehören. Unser Fazit: Das beste am Buch war die Marketingkampagne und wir haben ein weiteres Mal "erlesen", dass ein Buchpreis keinesfalls ein Garant für ein gutes Buch ist.
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Die seelische und emotionale Verarmung der Zivilisation, 13. Oktober 2007
Das Ehepaar Isabell und Jakob ziehen von Berlin nach London, nach dem Jakob dort eine Stelle in einer Anwaltskanzlei angeboten bekommt. Doch nichts wird, ist und bleibt harmonisch, wie man es bei einem jungen verheirateten Paar in einer gesicherten sozialen Stellung erwarten sollte.
Mein erster Eindruck von dem Buch war enttäuschend, denn ich erwartet einen vergleichbaren Roman, wie den ersten, Eine Art Liebe, welchen ich kurz zuvor von derselben Autorin las. Ich wurde mit dem Buch nicht warm, denn die Protagonisten waren mir größtenteils unsympathisch und gleichgültig, mit Ausnahme des Nachbarskindes Sara, dessen seelische und körperliche Misshandlung zutiefst berührt, erschreckt und unendlich wütend und verzweifelt macht.
Erst nachdem ich das Buch beendet hatte, sah ich den wahren Geist des Buches. Es geht weniger um die Beziehung von Isabell und Jakob, als um erschreckende Gleichgültigkeit und Kälte dem Schicksal des einzelnen Mitmenschen gegenüber. Gerade auf Grund der distanzierten Schreibweise und der geradezu mangelnden Beschreibung der Gefühlslage der Protagonisten wird die Aussage verstärkt, wie unmenschlich der Mensch eigentlich ist. Jeder ist sich selbst der Nächste und das Schicksal und die Nöte der anderen, ja der Personen in unmittelbarer Nähe, werden nicht mit Mitgefühl und Empathie aufgenommen, sonder sind eher ärgerliche Störungen des eigenen kleinbürgerlichen Lebens und wenn man ganz ehrlich ist, so findest man sich, so beschämend es auch ist, selbst wieder in diesem ganz und gar nicht schönen Portrait des zivilisierten Menschen. Wer kennt es denn nicht, dass wenn der eigene Mikrokosmos aus den Fugen gerät, das Selbstmitleid ganz schnell Oberhand gewinnt und die Belange der anderen nicht mehr von Interesse sind, denn es gilt als vorrangig, das eigene Leben wieder in den Griff zu bekommen. Man beobachtet, man sieht, man erkennt, aber man mischt sich nicht ein. Ausgerechnet dann, wenn es angebracht ist sich einzumischen, weil ein schwaches Mitglied der Gesellschaft, so alleine da steht, dass es ohne Hilfe von außen einfach untergeht und seelisch krank wird, verkrüppelt oder gar vollends stirbt; und ganz oft sind es die kleinen und schwachen, die zu ihrer eigenen Last auch die Konsequenzen unseres eigenen verkorksten Lebens mit zutragen haben und daran zerbrechen.
Es fängt schon im Kleinen an. Entfremdung von den gewohnten Lebensumständen oder der Bezugspersonen und unausgesprochene Gefühle lassen jeden auf einer einsamen Insel seine Wunden lecken und jegliche Empathie verebben.
Dieses Buch ist eine Warnung an jeden einzelnen, nie den Blick nach außen zu verlieren und sich das erhalten, was eigentlich als menschlich, als human bezeichnet wird, nämlich die Fähigkeit mitzufühlen und einzugreifen wenn Unrecht geschieht.
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Kritik hin oder her, 20. Februar 2007
Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Ein schlechtes Buch, mit einer langweiligen und bisweilen nervtötenden Sprache! Einige helle Momente gab es bei der Lektüre, doch verstehe ich wirklich nicht, wie eine solche lahme Story, die sich nur um sich selbst dreht, einen Literaturpreis bekommen konnte. Zugegeben, die Sprache hat am Anfang schon seinen Reiz, doch der verliert sich auf den ersten 30 Seiten dann ganz schnell! Und das Ende ist wohl eher gewollt, denn organisch entwickelt. Zwar lässt sich über Geschmack wahrlich streiten, doch bei diesem Buch verschlägt es mir einfach die Sprache .
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19 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Durchgefallen!, 14. Februar 2007
Das ist das schlechteste Buch, das ich seit langem gelesen habe! Ich habe mich durchgequält, da ich in der Hoffnung war, dass noch ein interessantes Ende auf den Leser wartet. Aber die Hoffnung hat sich im Laufe des Buches komplett zerschlagen. Das Deutsch ist so schlecht geschrieben, dass ich häufig Sätze oder Passagen nochmal lesen mußte, um zu verstehen, was die Autorin meinen könnte. Ich verstehe auch nicht, was die Message des Buches sowie seiner vielen Details sein soll. Erstaunlich, dass ein solches Buch eine solche Bekanntheit erlangt!
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Die Habenichtse von Katharina Hacker (Gebundene Ausgabe - 27. Oktober 2006)
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