Amazon.de: Kundenrezensionen: Die Habenichtse

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62 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Habenichtse, 6. Juli 2006
Von Anders Adebahr (Frankfurt am Main) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Habenichtse sind alle, aber sie sind es auf verschiedene Weise. Im Mittelpunkt des neuen Romans "Die Habenichtse" von Katharina Hacker stehen Jakob und Isabelle, Anfang dreißig, er Anwalt, sie Mitinhaberin einer Grafik-Agentur. Als Studenten waren sie ein Paar, haben sich aus den Augen verloren und am Tag der Anschläge des 11. Septembers treffen sie sich auf einer Party in Berlin wieder. Schnell wird geheiratet und nach London umgesiedelt, dies alles scheint keine tiefere Bedeutung zu haben, denn wie Isabelle treffend formuliert, "es ist so passend". Aber schon Jakobs Sicht der Dinge zeigt die Sollbruchstelle, die Hacker hier einfügt: "Er hatte lange genug darauf gewartet, und wie man es drehte und wendete, dieses Warten selbst war ein Anspruch."

In London angekommen, bricht die Beziehung an der gegenseitigen Erwartungslosigkeit von Jakob und Isabelle. Es wird schnell klar, dass beide seelische, menschliche Habenichtse sind. Dazu machen sie sich selber: Unfähig, einander zu begegnen, flüchtet sich jeder in seine eigene Welt. Jakob scheint nur für seine Arbeit zu leben und entwickelt homoerotische Tendenzen. Isabelle schwebt in einer Traumwelt, sie lässt sich auf den Drogendealer Jim ein, als Folge einer sexuellen Begierde. Die Desorientierung ihrer beiden Hauptpersonen zeigt Katharina Hacker auf, indem sie sie für sich selber sprechen lässt und keinerlei Wertung des Geschehens liefert. Dies wirkt oft beängstigend, direkt. Trotzdem zieht der Roman den Leser tief in das Geschehen hinein, beteiligt ihn vor allem indem er ihm die moralische Wertung über Jakob und Isabelle selber überlässt. Beiden bleibt nichts das Hoffen auf eine undefinierte Zukunft: "Es wird jetzt anders, sagte er leise. Ihr Gesicht war fremd und traurig, aber da waren all die Jahre, die er auf sie gewartet hatte."

Und so sind es hauptsächlich die anderen, aus ihren Lebensumständen gewordenen Habenichtse, die Katharina Hacker zum Sprechen über die Wahrheit bringt. In genauen Schilderungen der jeweiligen Milieus arbeiten sich die Figuren, die Jakob und Isabelle begegnen, am Leben ab. Jakobs Chef, vertriebener Jude, alternder Homosexueller und am Unfalltod seines jüngeren Lebensgefährten leidend, schafft es trotz dieser Mängel ein Leben im Einklang mit diesem fehlenden Besitz zu führen. Andras, als Kind aus Ungarn geflüchtet, nie in Deutschland sesshaft geworden, Geschäftspartner von Isabelle und in diese verliebt, schafft es letzten Endes sich von seiner Obsession zu Isabelle zu befreien. Er blickt der Realität ins Auge und bricht in ein neues Leben mit einer neuen Frau auf: "Als wäre, was Isabelle und ihn verband, ebenso ausgedient wie das Sofa, ein Gegenstand, der nicht länger gebraucht wurde, gleichgültig, wie viele Erinnerungen sich damit verknüpften." Dabei entscheidet er sich auch für ein Leben in Berlin und gegen einen Rückzug nach Budapest. Jim bricht am Ende des Romans aus seinem Drogenmilieu aus, in eine ungewisse Zukunft. Aber der Leser ahnt, dass die von ihm inszenierte Spirale aus Exzessen und Gewalt notwendig waren, um diesen Schritt gehen zu können.

Es sind also vor allem die Nebengeschichten, in denen Hacker dem Leser Lösungen anbietet. Diese sind pragmatisch, bitter und vom Leben gezeichnet. Aber genau hier liegt die Stärke des Romans: unverblümt wird die Verarbeitung von Schicksalen geschildert. Dabei ist kein Thema zu groß: Die Anschläge des 11. Septembers, Restitution und die damit verbundene Frage nach Gerechtigkeit, Kindesmissbrauch, Homosexualität.

Katharina Hacker gelingt etwas Großes. Sie reiht sich in die Tradition realistischen Erzählens ein und schafft gleichzeitig einen kritischen Roman über die "Generation Golf" und deren Lebensentfremdung. Die von ihr konstruierte Realität zeigt eine Welt im Zustand der Unruhe, wobei die Unruhe scheinbar äußerlich als Resultat der politischen Ereignisse herrührt: "Erinnerst Du Dich, an diesen Spruch von Bush, nichts ist, wie es war?" fragt Andras Isabelle in einer E-Mail. Die Unruhe der Welt liegt aber in den Personen selber, in ihrer subjektiven, begrenzten Perspektive. "Er (Jakob) dachte an den 11. September vor anderthalb Jahren, an seine hilflose Aufregung, die mit New York nichts zu tun hatte, an Bushs Rede, nichts, wie es war. Nichts hatte sich verändert." Am Ende wird dem Leser klar, dass Katharina Hacker Erfahrungen verkündet und es ihr nicht darum geht, vermeintliche Wahrheiten zur Weltlage zu verkünden. Der Ableich dieser Erfahrungen mit den eigenen macht dieses Buch lesenswert.
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Die seelische und emotionale Verarmung der Zivilisation, 13. Oktober 2007
Das Ehepaar Isabell und Jakob ziehen von Berlin nach London, nach dem Jakob dort eine Stelle in einer Anwaltskanzlei angeboten bekommt. Doch nichts wird, ist und bleibt harmonisch, wie man es bei einem jungen verheirateten Paar in einer gesicherten sozialen Stellung erwarten sollte.

Mein erster Eindruck von dem Buch war enttäuschend, denn ich erwartet einen vergleichbaren Roman, wie den ersten, Eine Art Liebe, welchen ich kurz zuvor von derselben Autorin las. Ich wurde mit dem Buch nicht warm, denn die Protagonisten waren mir größtenteils unsympathisch und gleichgültig, mit Ausnahme des Nachbarskindes Sara, dessen seelische und körperliche Misshandlung zutiefst berührt, erschreckt und unendlich wütend und verzweifelt macht.
Erst nachdem ich das Buch beendet hatte, sah ich den wahren Geist des Buches. Es geht weniger um die Beziehung von Isabell und Jakob, als um erschreckende Gleichgültigkeit und Kälte dem Schicksal des einzelnen Mitmenschen gegenüber. Gerade auf Grund der distanzierten Schreibweise und der geradezu mangelnden Beschreibung der Gefühlslage der Protagonisten wird die Aussage verstärkt, wie unmenschlich der Mensch eigentlich ist. Jeder ist sich selbst der Nächste und das Schicksal und die Nöte der anderen, ja der Personen in unmittelbarer Nähe, werden nicht mit Mitgefühl und Empathie aufgenommen, sonder sind eher ärgerliche Störungen des eigenen kleinbürgerlichen Lebens und wenn man ganz ehrlich ist, so findest man sich, so beschämend es auch ist, selbst wieder in diesem ganz und gar nicht schönen Portrait des zivilisierten Menschen. Wer kennt es denn nicht, dass wenn der eigene Mikrokosmos aus den Fugen gerät, das Selbstmitleid ganz schnell Oberhand gewinnt und die Belange der anderen nicht mehr von Interesse sind, denn es gilt als vorrangig, das eigene Leben wieder in den Griff zu bekommen. Man beobachtet, man sieht, man erkennt, aber man mischt sich nicht ein. Ausgerechnet dann, wenn es angebracht ist sich einzumischen, weil ein schwaches Mitglied der Gesellschaft, so alleine da steht, dass es ohne Hilfe von außen einfach untergeht und seelisch krank wird, verkrüppelt oder gar vollends stirbt; und ganz oft sind es die kleinen und schwachen, die zu ihrer eigenen Last auch die Konsequenzen unseres eigenen verkorksten Lebens mit zutragen haben und daran zerbrechen.
Es fängt schon im Kleinen an. Entfremdung von den gewohnten Lebensumständen oder der Bezugspersonen und unausgesprochene Gefühle lassen jeden auf einer einsamen Insel seine Wunden lecken und jegliche Empathie verebben.
Dieses Buch ist eine Warnung an jeden einzelnen, nie den Blick nach außen zu verlieren und sich das erhalten, was eigentlich als menschlich, als human bezeichnet wird, nämlich die Fähigkeit mitzufühlen und einzugreifen wenn Unrecht geschieht.
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12 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Den Spiegel vorgehalten, 23. November 2006
Was am Ende übrigbleibt? Diese Geschichte reduziert sich im Duktus konsequent auf seinen Titel. Seelische Habenichtse sind sie, die Protagonisten. Verloren irren sie herum, hoffen auf irgendeine Erlösung, ob durch einen Drogenhändler, eine Katze oder eine verschwundene Liebe. Sie hoffen, die Gestalten von Katharina Hacker, aber sie sind nicht handlungsfähig. Zwar gehen die Protagonisten von Berlin nach London, aber sie bewegen sich nicht. Sie sind im erschreckendsten Maß "leer".

"Erschreckend" exakt und perfekt auch die Sprache Katharina Hackers. Die Szenerie beschreibt sie zunehmend verschachtelter und düster.

Alles zieht sich wie in einem Sog auf das Ende hin. Und dieses Ende ist traurig, aber nicht so gnadenlos, wie man es beim Lesen erwarten müsste.
Also auch hier: keine Effekthascherei, keine übertrieben dramatischen Szenarios. Dieses Buch treibt gnadenlos und ohne Ausweg in die Erkenntnis, dass unsere Lebensumfelder und unsere Persönlichkeiten sich zunehmend gleichzeitig abschotten und entsinnlichen.
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13 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Auf eigenes Urteil vertrauen, 14. März 2007
Dieses Buch hätte ich wegen der schlechten Rezensionen auf dieser Site fast nicht gelesen. Auch ich misstraue Buchpreisen. Gott sei Dank bin ich nicht auf dieses Klischee - das auch mein eigenes ist - reingefallen und habe das Buch trotzdem gelesen. Es ist großartig.

Die Sprache plätschert nicht, sie fließt in einem wunderbaren Rhythmus. Sie ist überhaupt nicht maniriert, sondern originell. Kostprobe, wie ein Protagonist die Stimme der Frau beschreibt, die er liebt: "eine Stimme, die dahinglitt wie ein kleines Schiffchen aus Zeitungspapier, das plötzlich versank, oder davon stürmte wie der hüpfend aufleuchtende Schulranzen auf dem Rücken eines rennenden Kindes."

Hohl ist nicht die Sprache der Autorin, leer sind ihre Protagonisten, die für viele Vertreter ihrer Generation stehen. Doch ihre Flachheit überträgt sich nicht auf Hackers Buch. Ihr gelingen Szenen, die lange beim Leser verharren. Das vernachlässigte, misshandelte Kind. Die Gespräche Jakobs mit seinem Chef.

Zugegeben, "Die Habenichtse" strozt nicht unbedingt vor Action (wobei in dem Buch durchaus viel geschieht), aber einige der besten Romane der Weltliteratur sind arm an äußeren Ereignissen: "Der Zauberberg", "Der Stechlin", oder, aus jüngeren Zeit, Frantzens "Die Korrekturen". Wer mehr an Handlung als an Strukturen interessiert ist (und bei der Erwähnung der oben angeführten Beispiele anfängt zu gähnen), sollte vielleicht wirklich lieber etwas anderes lesen.

Allen anderen sei versichert: Dieses Buch ist spannend.

P.S.: Habe gerade wieder, anlässlich seines 80. Geburtstags, (leider) Passagen aus dem Werk unseres Großdichters Martin Walser gelesen. Fand vieles nicht annähernd so gelungen wie Hackers Buch!
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14 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Unterlassene Hilfeleistung, 9. Februar 2007
120 Bücher wurden den Verlagen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland ins Rennen um den Deutschen Buchpreis 2006, ein Art Pendant zum englischen Man Booker Prize und dem französischen Prix Goncourt, geschickt. Darunter fanden sich die Werke von literarischen Schwergewichten wie etwa Martin Walser, Ingo Schulze und Thomas Hettche. Durchsetzen konnte sich aber die 39-jährige Katharina Hacker mit ihrem Roman "Die Habenichtse" - und sich über 25.000 Euro freuen.

Die Jury rühmte die "flirrend, atmosphärisch dichten Sprache", mit der Katharina Hacker ihre Helden "Geschichtsräume und in Problemfelder der unmittelbarsten Gegenwart" durchschreiten ließe. "Die Habenichtse" würde "die Geschichte von Haben und Sein neu erzählen", so die Jury weiter. Die Fragen der Autorin seien "unsere Fragen: Wie willst Du leben? Was sind deine Werte? Wie sollst und wie kannst du handeln?".

Die Literaturkritik stimmte begeistert in den Jubelgesang ein. So feierte die "Frankfurter Rundschau" (15.03.06) den jüngsten Roman von Katharina Hacker mit Lobeshymnen und fand "Die Habenichtse" nicht nur "einfach gelungen, intelligent, berührend und bannend", sondern wahrhaft "bedeutungsvoll" und will mit Katharina Hacker einen "Fortschritt in der deutschen Gegenwartsliteratur" erkennen. "Die Zeit" (16.03.06) lobt den Roman als "in all seinen bedrohlichen Nuancen gut ausgeleuchtetes Beziehungs- und Zeitportrait". Die "NNZ² (16.05.06) betont: das richtige Wort für Katharina Hackers Roman sei "Zauber". Nach Beendigung der Buchlektüre kann ich mich den euphorischen Kritiken allerorts nur anschließen - und mich über die bittere Ablehnung des Buches bei manchen Lesern nur wundern.

Zur Handlung: Nach Jahren treffen sich Isabelle und Jakob auf einer Party wieder, es ist der 11. September 2001. Er ist ein aufstrebender Anwalt, sie erfolgreiche Grafikern. Sie verlieben sich und heiraten. Isabelle und Jakob scheinen nach außen hin glücklich: sie haben alles, was sie brauchen. Ein Umzug nach London, Jakob übernimmt eine Stelle in einer Anwaltskanzlei (der eigentlich dafür vorgesehene Kollege ist bei den Anschlägen auf das WTC umgekommen), aber zeigt rasch die Risse in der Beziehung. Jakob ist fasziniert von seinem Chef, Isabelle verfällt dem Drogendealer Jim. Unterschwellige, grundlose Gewalt lauert überall. Ein gequältes Nachbarkind, eine brutal erschlagene Katze, sexuelle Aggressionen - das wohl situierte Leben von Jakob und Isabelle gerät außer Kontrolle. Mitleid können sie nur noch für sich selbst empfinden. Anderes Leid interessiert sie nicht. Das verwahrloste, von den Eltern misshandelte Nachbarkind Sara bedeutet ihnen nichts. Isabelle schaut auch hier weg, will nicht helfen, "Was soll das bringen?". Aber im Strudel von Gewalt und Lethargie verrinnt auch das Leben von Jakob und Isabelle. Menschlich sind sie verarmt. Sie sind Habenichtse.

Katharina Hacker stellt in ihrer nüchtern gestalteten Geschichte, die zugegeben eine grausame Geschichte ist, viele Fragen. Darauf antworten tut sie nicht. Der Leser bleibt sich selbst überlassen. "Die Habenichtse" lassen sich auch als eine minuziöse Darstellung einer gefährdeten Generation lesen. Denn wir rennen der materiellen Sicherheit und der Karriere, will heißen: dem falschen Glück hinterher. Die Deutsche Buchpreis-Trägerin 2006 zeigt anhand ihres Romanpersonals wie es ist, wenn man ein leeres, unbeteiligtes Leben führt. Wussten wir davon auch schon vorher?

Vorrangig schreibt "die begabteste Autorin ihrer Generation" (FAZ, 25.03.06) auch über die ganz großen Themen wie Liebe, Hoffnung und dem Sinn des Lebens. Dass sie die grundlegenden Menschheitsthemen nicht mit Pathos überfrachtet, sondern fast lakonisch behandelt, macht "Die Habenichtse" zu einem großartigen Buch. Und wenn am Ende der stilistisch brillanten Lektüre tatsächlich mehr Fragen als Antworten bleiben, so erkennen wir in Katharina Hackers unglücklichen, da menschlich verarmten Paar Isabelle und Jakob vielleicht uns selbst, auf jeden Fall aber eine traurige Wahrheit: Schuldig werden an sich selbst und an anderen, das kann man auch, indem man gar nichts tut.
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11 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein Buch der Unruhe, 7. November 2006
Von A. Wolf (Wiesbaden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REVIEWER)    (REAL NAME)   
Die am 11. Januar 1967 geborene Autorin erhielt 2006 den Deutschen Buchpreis für "Die Habenichtse". Der "Deutsche Buchpreis" soll die Opposition zum tradierten Büchnerpreis sein und eine Konkurrenz zum englischen Booker-Prize verkörpern; richtig prestigeträchtig eben, aber auch modern, so dass auch mal junge Talente eine Würdigung erfahren können. Nun hat also Katharina Hacker die Trophäe erhalten, und zwar nicht grundlos.

Hackers Roman überzeugt neben einer klugen Erzählkomposition zunächst einmal durch die intelligente und schöne Prosa. Manch einer mag diesen Schreibduktus als "spröde" empfinden, doch dient hier die Sprache dazu, gerade jene fehlende innere Substanz zu verkörpern. Entfremdung und Verlust spiegeln sich in den Sätzen der Autorin, so dass diese handwerklichen Elemente perfekt inszeniert werden.
Was den Roman daneben auszeichnet, ist die Schichtung von Problemherden. Angefangen beim 11. September bis hin zu Antisemitismus, Kindesmissbrauch, Homosexualität und Drogen. Das ist insofern kurios, als es doch letztlich überwiegend um die Lebens- bzw. Leidensgeschichte von Jakob und Isabelle, den Protagonisten, geht. Der Literaturkritiker Denis Scheck stellte trefflich einen Vergleich her zu einem "besonders abgefahrenen Drehbuch der Lindenstraße".

Hacker schildert jedoch weit mehr als die Wirren im Leben der Protagonisten, sind kann den Blick auf die gesamte Gesellschaft lenken. Die grandiosen Machbarkeitsphantasien, die Selbsterfüllung, das Leben nach dem Lustprinzip, all das lässt an anderer Stelle Defizite erkennen. Doch da die Erzählinstanz sich weitgehend zurückhält, bleibt dem Leser selbst überlassen, wie er das alles deuten möchte.

Fazit: Hackers Buch ist eine Herausforderung an den Leser, ohne sich ihm aufzudrängen. Wer sich zum Lesen des Buches entschließt, wird souverän durch die Schattenseiten unseres Zeitgeists geführt und das auf knapp über 300 Seiten. Die zum Lesen dieses absolut gelungenen Werkes aufgewendete Lebenszeit sollte niemandem zu schade sein.
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19 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Realistische Zeitgeschichte, 7. Dezember 2006
Katharina Hacker Die Habenichtse Suhrkamp Verlag

Es handelt sich in diesem Buch um eine düstere und unterschwellig dramatische Geschichte.

Jakob und Isabelle, die zwei Hauptprotagonisten, treffen sich zehn Jahre nach ihrer ersten Begegnung an einer Universität am 11. September 2001 in Berlin, wo beide tätig sind. Er ist Rechtsanwalt und sie Grafikerin. Er ist mit der Rückübertragung von Vermögensangelegenheiten betraut, die sich nach dem Krieg und dem Fall der Mauer ergeben haben.

Der Tag des 9.11. bildet einen Markstein im Fühlen und Denken vieler Bürger der westlichen Hemisphäre.
Eine Art Düsternis liegt seitdem über den Ländern und großen Städten, weil sich tiefe Unsicherheit darüber breit macht, wie wir ohne Angst und Not nun weiterleben werden. Diese Not zeigt sich auch im Verlauf der weiteren Geschichte.

Isabelle und Jakob verlieben sich und heiraten. Die Liebe zwischen den beiden wirkt lau und wenig überzeugend. Es sieht so aus, als ginge es ihnen um Geborgenheit und Zugehörigkeit zu einander mehr als um die große Liebe.

Jakob bekommt eine Stelle in London, da der dafür ausersehene Kollege bei dem Anschlag auf das WTC in New York ums Leben gekommen ist.

Jakob und Isabelle beziehen ein kleines Häuschen in einer nicht ganz so feinen Gegend Londons.

Als Parallelgeschichte dazu figurieren Jim, Ben, Albert und Jims Freundin Mae, die aber verschwunden ist. Diese Personen agieren im kriminellen Milieu in London.


Während Jakob mit seiner Arbeit und seinen Kollegen, die aus dem homosexuellen Milieu stammen, beschäftigt ist, entfernen sich Isabelle und Jakob innerlich sehr weit von einander.
Allmählich gewinnt die Geschichte eine fast surreale Dimension: Isabelle verliert sich an Jim, den Dealer und Kriminellen.
Es wechseln die Orte und die Gesprächspartner. Manche Szenen erscheinen wie ein Traum, in anderen wieder geht es grausam bis realistisch zu.
Die ganze Erzählung hindurch spürt man Trostlosigkeit und Leere. Es scheint so, als lebten die Personen von Augenblick zu Augenblick ohne wirklich langfristige Perspektiven oder Lebensziele.

Das ist m.M. nach die Kunst von Katharina Hacker: sie hat eine Stimmung eingefangen, wie sie sich erst nach dem 11. September mit allen ihren wirtschaftlichen Konsequenzen und allgemeinen Daseinsfragen durch die weltpolitischen Veränderungen zugleich mit dem Ende des kalten Krieges bei vielen Bürgern in unserer westlichen Welt eingestellt hat.
Es gibt keinen festen Halt, es gibt keine sicheren Daseinsformen; wir sind einer Zeit der Unsicherheit ausgesetzt, die neu ist. Traditionen und Familiensicherheiten sind z.T. verloren gegangen.
Ich war fasziniert und abgestoßen zugleich: von einer heilen Welt kann man sich nach diesem Buch endgültig verabschieden. Es ist dennoch ein großartiges Buch, intelligent ausgedacht, scharf in der Beobachtung, in einem wunderbaren Stil geschrieben, anspruchsvoll und absolut überzeugend in der Darstellung unserer heutigen Welt, in der sich die Konturen zwischen den gesellschaftlichen Strukturen verwischen.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Alles wird anders und doch bleibt alles beim Alten, 8. Januar 2009
Diese Rezension stammt von: Die Habenichtse (Broschiert)
In dem Roman `Die Habenichtse` geht es um Gefühle und Begegnungen größtenteils geistig oder materiell veramter Menschen, für welche sich trotz eines `Nine-Eleven`-Lebensgefühles letztlich nicht viel ändert, da sie selbst sich nicht verändern.

Die Hauptdarsteller sind der Anwalt Jacob und die Designerin Isabelle. Anläßlich eines zufälligen Wiedersehens nach zehn Jahren am 11ten September und Jacobs `Beinah-Tod` im WTC beschließen diese Repräsentanten der `Wohlstandkinder-Generation` zu heiraten, indem sie diesen Tag als schicksalhafte1 Zusammenführung interpretieren und damit auf die gefühlte Veränderung im Kontext zeitgenössischen Verunsicherung reagieren.

Das Deutungsmuster ihres neuen Lebensgefühles, das auch unserem Stundenthema den Titel gab, lässt sich wie folgt paraphrasieren: Angesichts einer allgemeinen Bedrohungslage ist nun nichts mehr, wie es mal war. Indem die Figuren sich als Teil eines größeren Geschehens begreifen, kommt ihrem Leben ein Mehr an Bedeutung und Veränderung zu.
So denkt Jacob:
Der 11.September war inzwischen nichts als die Scheidelinie zwischen einem phantasierten, unbeschwerten Vorher und dem ängstlichen, aggressiven Gejammer, das sich immer weiter ausbreitete. Nur für Roberts Eltern, dachte Jakob, hatte sich alles geändert, und für ihn selbst. Er hatte Isabelle gefunden, er würde nach London gehen.2

Und obwohl Jacob und Isabelle dann auch nach London ziehen, wachsen sie nicht als Chraktere, treffen keine Entscheidungen und verändern sich nicht. Vorweggenommen wird ihre Charakterlosigkeit bereits an der Silvester-Feier im Freundeskreis: Der Beginn des Jahres (eine eigentlich festliche Zeitenwende-Feier) startet mit bekannter Unentschlossenheit und einem Verrat an der eigenen Beziehung. Diese wird geführt, weil es gerade so passt: Schon hier wird Isabelles problematische `situative Identität` deutlich:
Um Mitternacht stießen sie auf ein friedliches Jahr an und wußten, daß sie nicht daran glaubten. [...] darauf, daß sie weiterhin verschont bleiben würden. [...]Er küßte sie, da Jacob auf dem Balkon ein Feuerwerk vorbereitete, auf den Mund, und sie, in seine Arme geschmiegt, das junge, hübsche Gesicht zu ihm emporgehoben, erwiderte seinen Kuß.3

Ohne Empathie und Interesse füreinander hoffen die beiden darauf, dass ihnen die Ereignisse und das `spannende Leben` die Entscheidungen abnehmen:
"Es wird jetzt anders, sagte er leise. Ihr Gesicht war fremd und traurig, aber da waren all die Jahre, die er auf sie gewartet hatte." 4

Noch deutlicher wird das Motiv Alles wird anders und doch bleibt alles beim Alten` jedoch nachdem Isabelle knapp einem Flugzeugunglück entgangen ist. Dort heißt es:
Etwas war durchgesickert, irgendeine Aufgeregtheit, er umarte sie heftig, ließ sie nicht mehr los. Dann standen sie ratlos da.5

`Ratlos` stehen sie deshalb da, weil sie in ihrer Biographie keine Lösungsansätze zur Bewältigung einer Lebenskrise kennen lernten. Über das Gefühl hinaus, kurzfristig existenziell bedroht zu sein fehlt ihnen jegliches Emanzipationsprogramm. Also bleibt alles beim Alten.

Das gilt nicht nur für die Sitution nach dem Flugzeugunglück sondern für ihr gesamtes Leben nach `Nine-Eleven`. Charaktere die mit Krisen umgehen und sie meistern können, kommen nur in den Nebenrollen vor. Bentham (und auch Dave) kann mit seinem positiven Lebensgefühl trotz einer erschwerten Biographie (Jude, Leben im Exil und als Homosexueller, Verlust des Patners) als Gegenpol verstanden werden.

Reflektiert wird die Unfähigkeit der Hauptcharaktere, Krisen zu bewältigen und Sinn herzustellen von Alistair. Nicht nur angesichts eines Strassenüberfalles sondern auch angesichts von Sirenen und Anschlägen kommentiert er treffend:
Nun schaut euch an, wie wir hier rumstehen, [...]6

Dieses `rumstehen` kann symbolisch für das gesamte Handeln, bzw. Nichthandlen der Nichtcharaktere verstanden werden. Sie können gar nicht anders, da sie nach Schilderung der Autorin unfähig sind, mitzufühlen, zu kommunizieren und Erbarmen zu haben.

Schon allein die Sprache des Romanes spiegelt die Gleichgültigkeit und Kälte dem Schicksal des Anderen gegenüber wie auch die Substanzlosigkeit von Isabelle und Jacob wieder. In der Welt nach dem 11.ten September ist die Sprache des Romans verstörend (Anders formuliert: Gerade auf den ersten 50 Seiten sehr schwer zu lesen.): Von monoton über fragmentarisch bis hin zu lakonisch spiegelt die Sprache des Romans das Innenleben der Protagonisten. Positiver Gegenpol gegen diese geistige Armut ist der materielle `Habenichts` und Drogendealer Jim.: Er sucht nach seiner großen Liebe Mae, lässt sich letztlich durch nichts davon abbringen und schafft trotz großer Enttäuschung am Ende den Sprung aus seinem Millieu.

Isabelle und Jacob lassen sich wie folgt skizzieren.
 Du mußt dich, sagte Jacob, um nichts kümmern.7
Jacob ermöglicht Isabelle und sich ein Leben, dem es zumindestens materiell an nichts mangelt. Alles ist für Isabelle daher selbstverständlich und die Folge ist eine gewaltige Leere. Eine Leere und eine unerbittliche Ziellosigkeit 8. Die Gefühle anderer Menschen bleiben ihr fremd:
Ja, Andras war traurig gewesen; einen Moment spürte sie es so deutlich, als sei es ihre ei gene Empfindung. Dann ein Riß. Entfernt.9
Selbst Andras, Isabelles bester Freund denkt über sie:
[...]letztlich bleibt Isabelle von ihrem Leben unbehelligt.10

Ihre Substanzlosigkeit geht soweit, dass sie die Eltern nicht zur Hochzeit einlädt.
In ihrer Beziehung versagen sowohl Jacob als auch Isabelle: Die Schale im Hausflur in welche Jacob regelmäßig ihr Haushaltsgeld legt, wird dabei zum Symbol der aufs Oberflächliche reduzierten Kommunikation und Eheführung. Jeder flüchtet in sein eigenes Leben: Während für Jacob die Arbeit zur Obsession wird, streunt sie durch London und keiner nimmt Anteil am Leben des Anderen oder stellt weiterführende Fragen. (Vorweggenommen wird dieses Handlungsmuster durch Jacobs Nicht-Reden über seinen Arbeitgeber nach einem ersten Londonbesuch.) Charakterlos wie sie sind, bleiben selbst Abschiede immer beiläufig und der mütterliche Vorwurf lautet:
Bei euch stehlen sich selbst die Toten unauffällig davon.11
Ratlos sind die beiden, weil ihnen jegliches Immaterielle oder jeglicher Überbau fehlt. Was sie tun sollen, wissen sie nicht und Bedeutung können sie selbst keine herstellen. Daher ist zu lesen:
Das Haus schien leer, die Dinge geben keine Antwort..12 und
Als könne er seinen Körper so überreden, preis zu geben, was er tun sollte.13
Statt einer geistigen Auseinandersetzung wollen sie es leicht haben und tun nur, was ihnen gefällt: Und wie leicht es mit Isabelle war, wo die vorgezeichneten Schritte das Geständnis von Liebe ersetzt hatten.14

Doch die Rechnung eines so lieb-, interessen- und empathielosen Lebens geht in dem Roman nicht auf. Der weitsichtige Alistair spielt das Scheitern der Figuren gedanklich durch, indem er sagt:
Irgendwann wird es uns hier erwischen [...] und warum sollten auch ausgerechnet wir unsere Ruhe haben.15

Praktisch wird die Unmöglichkeit und Gefahr des Lebenskonzeptes von Isabelle und Jacob anhnad des großen `Showdowns der Katzenquäler`16 gegen Ende des Romanes anhand einer Gewalteskalation deutlich:
Isabelles Substanzlosigkeit geht soweit, dass sie noch nicht einmal Erbarmen für das Nachbarsmädchen Sara empfindet, welches als Symbol für eine gequälte Kreatur die Chance zum Helfen oder zumindest Mitleid böte. Sie versagt entsetzlich angesichts des Elends dieses Kindes. Jim wird dabei nur zum Werkzeug, das offenbahrt, zu welcher Grausamkeit sie selbst fähig ist. Ihren `dunklen` Seelenanteil (in Form von Nacktfotos aus der Jugend) hat sie nie reflektiert, aktzeptiert und verarbeitet. Da sie ihn nie ihn ihre Person integriert hat, ist sie Jims boshaften Ideen wie eine Marionette ausgeliefert, während dieser immerhin ganau weiß, was er tut.

In einer boshaften Welt nach `Nine-Eleven` (Interessant ist in diesem Zusammenhang die Symbolik der ausgewanderten Spatzen, einem Symbol der Freiheit17), so lässt sich der Roman deuten, reicht ein `Durchwursteln` und Nicht-Entscheiden und Nicht-Mitfühlen jedoch weder aus, um glücklich zu werden18 noch um sich ethisch korrekt zu verhalten. Durch Unterlassen, so die Botschaft des Romanes kann man auch schuldig werden. Vertreten durch Jacob und Isabelle lässt die Autorin damit auch das hedonistische Lustprinzip scheitern: Tun, wozu man Lust hat und was Spaß macht, führt nicht weiter. Auch in diesem Sinne lässt sich sagen: Durch `Nine-Eleven` ist die Welt (vielleicht) ein stückweit böser geworden, aber die Verantwortung liegt immer noch beim Einzelnen. Insofern hat ist alles beim Alten geblieben.

`Alles wird nur dann anders`, wenn Jemand stirbt19, oder, um mit Kierkegaard zu sprechen, eine ethische Entscheidung trifft: Andras ist Ausdruck des zweiten Lösungsweges aus der Problematik: Er trifft eine Entscheidung und zieht mit Magda zusammen. Den vorläufigen Zustand, in welchem sich auch Jacob und Isabelle trotz Umzugs und Heirat befinden, löst er für sich selbst auf. Symbolträchtig zieht auch auch der Obdachlose Herr Schmid, Ausdruck des provisorischen und unfertigen Lebens, in dem Moment aus, indem er sich entscheidet (und noch gar nicht ausgezogen ist!).
Besonders deutlich wird durch Entscheidungen hergestellte Distanz zwischen den ehemaligen Freunden nach einem Telefonat:
Es wird nichts mehr so sein wie es war, dann legten sie beide auf.20

Über die bisher angerissenen Interpretationsansätze hinaus möchte ich mit folgendem Kommentar schließen: `Nine-Eleven` kann, muss aber nicht, als Anlass genommen werden sich selbst wieder neu zu verorten. Während die Protagonisten sich ihrem Lebensgefühl hingeben und scheinbar durch die gesellschaftlichen Bedingungen um eine Zivilisationsstufe zurück geworfen werden, bietet der Roman in Form vieler Nebenrollen Lösungsansätze für eine Lebensbewältigung trotz zeitgenössischer (`Nine-Eleven`-) Unsicherheit, die über das Lustprinzip hinausgehen. Anhand der Gewalteskalation am Ende des Buches wird deutlich, dass der Mensch auch schuldig an sich selbst und anderen werden kann, wenn er gar nichts tut.
Ich lese den Roman vor diesem Hintergrund als Plädoyer gegen die zunehmende Abschottung und Entsinnlichung unserer Lebensumfelder und Persönlichkeiten.
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7 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Wir sind die Generation Habenichtse, 22. September 2007
In meinen Augen hat Katharina Hacker einen Zusammenhang unserer Zeit erkannt, was Grund für die Auszeichnung des Buches sein dürfte.

Das Buch erzählt von einem Ehepaar, das ohne groß nachzudenken beruflich nach London umzieht. Eigentlich haben sie nicht einmal darüber nachgedacht, ob sie einander wirklich lieben.

Es ist einfach alles da - Geld ist da, Partner ist da, Job ist da, alles soll schön sein --- wären da nicht so einige Kleinigkeiten, an denen zum einen das Paar grundverschieden ist, zum anderen die Umstände nicht glücklich machen. Überhaupt geht es hier ums Glücklichsein - und zeigt (besonders plakativ durch die Asozialenfamilie des anderen Handlungsstrangs), dass Geld-haben und Geld-nicht-haben beides kein Schutz vor Unglück ist.

Grandios erkennt Katharina Hacker, dass jeder seines eigenes Glückes Schmied ist und unabhängig von den Voraussetzungen jeder durch Gleichgültigkeit sich selbst gegenüber unglücklich werden kann.

Das Buch macht glücklich - und ist so unglaublich dicht an uns selber dran, dass es leicht fällt, dies nicht zu bemerken!



PS: Das Buch muss nicht zwangsläufig glücklich machen - es kann auch das Gegenteil bewirken.

PPS: Ich habe gerade einmal ein bisschen in gesammelten Rezensionen quergelesen - derartig uneinheitliche Bewertungen von "Zeitverschwendung" bis "besser als einiges von Martin Walser" sind ein Zeichen für die wahrhaft große Eigenständigkeit dieses Buches. Es hängt wohl von der Perspektive auf das Werk ab, ob es einem gefällt und wie man die Darstellung der gesellschaftlichen Leere einordnet. Deswegen stimme ich zu, dass es nicht jedem gefallen muss, aber kann demjenigen, der sich darauf einläßt ein großartiges Leseerlebnis mit vielen aktuellen gesellschaftlichen Anknüpfungspunkten versprechen.


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2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein zeitkritischer Roman, um die Welt von heute und das eigene Ich, 22. Dezember 2006
Von Thorsten Wiedau (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Diese Rezension stammt von: Die Habenichtse (Audio CD)
Die Welt von heute kreist um den 11. September 2001 - immer noch - dies zeigt auch das Hörbuch von Katharina Hacker auf, indem sie die Protagonisten Isabelle und Jacob immer wieder zurück führt in eine Welt, in der nichts mehr so ist wie vorher seit dem 11. September. DIE HABENICHTS haben alles, außer sich selbst.

Jung, schön, erfolgreich und doch todunglücklich so leben die beiden Protagonisten der Geschichte in London. Sie haben alles doch wahres Glück finden beide nicht und daraus ergibt sich die Katastrophe zu dem ihr Leben mit der Zeit immer mehr wird.

Gelesen von Inga Busch, welche die teils melancholische Stimmung gut einzufangen weiß und diese auf herüber bringt. Man hat das gute Gefühl, Inga Busch ist teil des Buches.

Man wird so hineingeworfen in die Erzählung, welche mit dem Dreh-/ und Angelpunkt des 11. September 2001 einen echten Haltepunkt bekommt. Daraus entwickelt sich das Zusammenleben der Beiden, beruflich erfolgreich und doch arm, gut angezogen aber seelisch abgerissen und jung an Jahren, doch im Herzen alt und grau.

Es steuert alles auf eine unaufhaltsame Katastrophe hin, doch niemand weiß warum, wieso und wann es passiert. Eine sehr düstere Stimmung breitet sich mit zunehmender Intensität des Erzählstoffs aus, welcher auch den Zuhörer in seinen Bann zieht.

Ausgezeichnet mit dem deutschen Buchpreis 2006 spiegelt dieses Hörbuch die treibenden und getriebenen Protagonisten in einem Stück wieder, welches sich immer mehr mit emotionaler Asche auffüllt. Gegenwartsfragen werden sprachlich dicht wiedergeben und zeigen auf was wirklich bewegt: das Leben, die Werte, Handlungsweisen u natürlich wer man ist in dieser Welt, welche sich immer schneller dreht, insbesondere in den Großstädten.

Sehr empfehlenswert!
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Die Habenichtse
Die Habenichtse von Katharina Hacker (Gebundene Ausgabe - 27. Oktober 2006)
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