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105 von 128 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Valium für den Leser, 29. Juli 2006
Die Autorin hat in Freiburg und Jerusalem Philosophie und Juristik studiert, sie hat mittlerweile eine ganze Reihe Bücher veröffentlicht u.a. "Tel Aviv"(1997), "Morpheus oder Der Schnabelschuh"(1998) "Der Bademeister"(2000) und "Eine Art Liebe"(2005). Ihr neustes Buch "Die Habenichtse" titelt mit einem Wort, das aus unserem alltäglichen Sprachgebrauch eigentlich verschwunden ist.
Zum Plot: Das Buch fängt mit dem 11. September 2001 an,wirklich kein diskreter Anfang für einen Roman, aber vielleicht eine doch dienliche Zuspitzung. Dabei gelingt es der Autorin recht gut, Tatsachen zumindest teilweise möglichst einfach und klar zu machen. Aber an diesem Tag treffen sich Isabelle und Jakob auf einer Party in einer Kneipe namens "Würgeengel". in Berlin wieder. Sie haben sich vor vielen Jahren in Freiburg kennen gelernt. Sie verlieben sich, heiraten bald darauf, mit dem Argument "es sei so passend", ziehen nach London, nicht unbedingt in eine feine Gegend, sondern in eine sozial schwierige Gegend und kommen dort relativ schnell mit tatsächlicher und physischer Gewalttätigkeit in Kontakt. Die Gefühle werden zur Routine, das spüren sie erst als sie in der unmittelbaren Nachbarschaft auf Menschen aus ganz anderen Verhältnissen treffen.
Doch zunächst erhält der Jurist Jakob eine Stelle in einer Anwaltskanzlei. Zufällig ist dieser Posten frei geworden, weil der bisherige Bewerber bei dem Anschlag auf das World Trade Center ums Leben gekommen ist.
Isabelle, von Beruf Grafikerin, arbeitet zunächst weiter für die Agentur in Berlin. Beide genießen vor dem politischen Hintergrund des drohenden Irak Krieges ihr Leben in London. Eigentlich könnten sie ein glückliches Leben führen, doch dann sehen sie voller Ratlosigkeit und verzweifelter Sehnsucht, wie ihr Leben aus der Bahn geworfen wird. Sie treffen auf die beiden anderen Protagonisten des Buches, den Drogendealer Jim und die "zurückgebliebene", misshandelte Sara, ein Mädchen aus einer "Under Class" Alkoholiker Familie.
Isabelle beobachtet dieses Nachbarhaus, sieht das ganze Elend das dort stattfindet, sie spürt es, hört es, tut aber nichts. Sie schaut sich das alles an wie einen Film und dann verliebt sie sich in den Dealer Jim, der eher zu den gewalttätigen Menschen zu rechnen ist.
Katharina Hacker erzählt in beeindruckender Weise von diesen Mittdreißigern, die den Ruf zu haben scheinen, durch Wohlstand und Frieden so gesättigt zu sein, dass sie in perverser Weise Sehnsucht nach Gewalt nicht nur am Bildschirm, sondern auch am Alltag haben. Wie sonst erklärt sich das merkwürdige Verhalten von Isabelle, die bei einem nächtlichen Überfall, ihren Angreifer umarmen möchte?
Wirkliche Familie kommt in dem Buch mehr als Utopie vor und da, und wo noch am ehesten Familien ähnliche Szenarien stattfinden, da tut sich ein großer Abgrund auf. Die geschilderte englische Familie ist einfach eine einzige Katastrophe, Unglück, Schmerz und unendlicher Kummer und das Nachbarskind Sara, ständig von ihrem Vater denunziert, wird das Opfer.
Ein trauriges Buch, dessen Titel nicht sehr subtil ist. Im Grunde sind alle vier Protagonisten in irgendeiner Weise Habenichtse". Die einen sind arm im Geist oder an Seelenleben und Gemüt, oder an Zivilisation, oder ganz einfach auch an menschlicher Wesensart und Empfindsamkeit, die anderen sind materiell arm. Und ein Symptom in unserer globalisierten Welt wird zu einem speziellen Kennzeichen dieser Schicht oder dieser Generation, der die Protagonisten angehören, nämlich die quälende Ortlosigkeit.
Es ist ein Buch mit sehr vielen unterschiedlichen Beobachtungsebenen, das mit seinen langen hammerhart gesetzten Erkenntnissen dem Leser vollste Aufmerksamkeit abverlangt. Das Buch ist beunruhigend von der ersten bis zur letzten Zeile, denn es zeigt die Verwirrung der jungen Menschen in diesem Leben, in dem es vordergründig um Kommunikation geht, diese Kommunikation aber eigentlich wirklich nicht stattfindet. "Besitz ist ein Modus des Verlustes" heißt es in dem Roman. Katherina Hacker beschreibt eine Generation, der diese Erfahrung bevorsteht. Es ist das Buch der Gegensätze, grandios geschrieben von Katharina Hacker.
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63 von 79 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Wunschkinder - interessanter Roman von uninteressaanten Menschen, 19. April 2006
Die zwischen 1965 und 1975 Geborenen, also die Dreißig- bis Vierzigjährigen, sind das Thema dieses „Romans wie Valium"(kulturnews.de), der zur Zeit auf Platz 1 der Bestenliste des Südwestfunks steht(,bei der es ernsthaft um die besten, nicht die meistverkauften Romane geht, so daß man sich natürlich mit dem Gefühl, etwas Verwerfliches, wenn nicht gar Verbotenes zu tun, daran macht, etwas Gewöhnliches wie eine Kunden-Rezension zu schreiben,).
Um die heute mittelalte Generation geht es also, die schon von Geburt an begünstigt gewesen sein soll - sie waren die ersten trotz Pillenknick Geborenen, beneidenswerte Wunschkinder, die mitten hinein geboren wurden in die von anderen geschaffene Wohlstandsgesellschaft, als es noch nicht die heutigen Probleme gab, ja man noch nichts von ihnen ahnte. Terroristische Ereignisse sollen diese behüteten Menschen völlig fassungslos gemacht haben, ahnungslos, wie sie offenbar durch die Weltgeschichte gelaufen sind, erst recht natürlich Kriege vor der eigenen Haustür - sie hatten noch nicht einmal um die Anerkennung als Wehrdienstverweigerer kämpfen müssen, sondern konnten frei wählen zwischen dem Dienst an der Waffe oder am Krankenbett. Später waren manche dann noch froh, beim Bund unterzukommen, bis der Kosovo auch sie aus ihren Träumen riß.
Es scheint ihnen alles zuzufliegen: Jakob hat zuerst einen Job in Berlin, dann wechselt er in eine Londoner Anwaltskanzlei, wo er die Nachfolge eines Kollegen antritt, der am 11.9.2001 in New York umgekommen ist. Isabelle geht mit ihm, sie kann ihre Berliner Grafikagentur von London genau so gut betreiben. Die beiden waren als Studenten zusammen und haben sich kürzlich wieder getroffen und „wieder" ineinander verliebt, auch wenn so recht niemand, insbesondere der Leser nicht, es mitbekommen hat. Vor dem Umzug, wie praktisch, heiraten sie.
Es wird das Bild zweier Menschen entworfen, denen es, wie es überall heißt, an nichts fehlt, was ein junges Paar braucht. Wirklich? Von ihrem Wohlstand einmal abgesehen, scheinen sie auf jeden Fall über alle Möglichkeiten und Handlungsfreiheiten zu verfügen. Alles ist selbstverständlich, und die Folge ist eine gewaltige Leere.
Sie stehen also im Zentrum des Geschehens, und das ist die Crux dieses Romans: Sie sind langweilige Menschen, es interessiert einen kaum, wie sie leben, was sie denken, womit sie ihren Tag verbringen. Sie haben nichts von dem, was eine Romanfigur braucht. Man verliebt sich halt so, wieso wird nicht wirklich klar, von großen Emotionen merkt man jedenfalls nichts, und wenn man nach London geht, na ja, dann kann man auch heiraten. Nicht einmal prickelnden Sex oder gar etwas wie Erotik scheinen sie zu kennen(„doch war sie diese Nacht bei ihm geblieben, in seinem Bett, schlief noch, als er aufstand, sich hinausschlich, um zum Bahnhof zu fahren"). Sie gewinnen nichts, sie scheinen auch nichts zu verlieren, sie haben keine Kämpfe, also auch keine Siege, keine Niederlagen, aus denen sie gewinnen können, sie haben keine Träume, keine Sehnsüchte, sie haben - nichts, der bissige Titel ist wirklich klasse! Sieht man von ihrem Wohlstand ab, und man merkt, wie unwichtig und banal dieser selbstverständliche Wohlstand ist, wenn er allein steht, fehlt ihnen alles, was ein Leben ausmacht, sogar Trauer, wie man anläßlich eines Sterbefalles beobachten kann. Ratlos und schnell verzweifelt sehen sie zu, wie ihr Leben aus den Fugen gerät. Sie können nicht für sich oder andere sorgen, sie können nicht leben. (Übrigens haben sie alle auch keine Kinder, aber das wäre auch des Lebensinhalts entschieden zuviel gewesen.)
Es macht noch nicht einmal Spaß, ihnen ihre Brieftasche zu klauen, so nachlässig, wie sie sie einstecken, stellt Jim, der Dealer, fest, dessen Geschichte neben der von ein paar anderen glücklicherweise von vornherein eingeflochten wird. Jakob und Isabelle wohnen nämlich nicht standesgemäß in London, was zur Konfrontation mit anderen Teilen der Gesellschaft führt, als die große Langeweile bereits begonnen hat, die Isabelle ziellos - eine Metapher, die sich durch den Roman zieht und für ihr ganzes Leben zu steht - durch London streifen läßt. Es ist die Konfrontation der Teilnahmslosigkeit und Selbstverständlichkeit mit der ganzen Härte der Realität.
Isabelle lernt also Jim kennen, dessen Ausstrahlung sie fasziniert, die direkte Art, seine Muskeln unter dem T-Shirt, auch die Gewalttätigkeit, die er ausstrahlt (und auch ausübt). „Die Art, wie er sie ausfragte, war beinahe rüde", und „einen Moment fürchtete sie, er würde ihr befehlen, sich auszuziehen". Das brauchen die Mädels, was. Sie bekommt die Gewalttätigkeiten in einer benachbarten Familie mit, die ihr Kind Sara schwer mißhandeln, und unternimmt nichts. Sie weiß auch nicht umzugehen mit dem vom Leben gebeutelten Jim, den sie sogar durch eine mitleidlose Denunziation Saras aufhorchen läßt. Sie versagt entsetzlich angesichts des Elends dieses Kindes.
Jakob lernt Claire kennen, für die nichts selbstverständlich ist. Er ist begeistert von ihrer Hoffnung - und verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Beruflich zu tun hat er mit Bentham, einem 66jährigen homosexuellen Juden, der Nazideutschland verlassen mußte, sich in London eine glänzende Kanzlei aufgebaut hat als Anwalt und dessen Ruf als Spezialist für diejenigen Vermögensfragen, die im Deutschland nach der Wende so gefragt waren, bis Berlin bekannt ist, und der aber in erster Linie ein spannendes Leben führt - wie lebt ein Schwuler mit 66 so, da wird sogar Jakob neugierig, wie hält er es mit der Liebe. Tja, das ist eine Biographie, kein Wunder also, daß Jakob Bentham bewundert für sein Leben, der sich dabei einen kritischen Abstand zu seinen Mandanten, die aus ihrer Rechtsverfolgung einen Selbstzweck machen, bewahrt hat und sie brillant durchschaut. Es seien die wohlhabenden Leute, die sich um ihren Besitz sorgen, sie wollen keinen Vergleich, keine Entschädigung, einsame Leute oft, und die Verfahren ziehen sich hin, um die es ihnen augenscheinlich nur vordergründig geht - sicher einer der Hauptgründe für die sich häufenden Verfahren vor deutschen Gerichten. Besitz ist ein Modus des Verlustes, wir tun nur so, als verliehe er uns Stabilität und Dauer, sagt er.
Vielleicht liegt es am spröden, unsinnlichen Stil, den langen, zerhackten Sätzen, daß die Lektüre manchmal etwas zäh ist, aber wer mit der Art der Darstellung und dem Stil klarkommt, wird die Geschichte gespannt bis zum Ende verfolgen und den zur Zeit besten Roman zumindest als Porträt einer bestimmten Gesellschaftsschicht schätzen lernen.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Im Schatten vom 11. September, 4. Oktober 2007
Katharina Hacker stellt hier zwei Welten nebeneinander. Einmal die Welt von Isabelle und Jakob. Sie lernten sich als Studenten kennen, verloren sich aus den Augen und treffen sich ausgerechnet am 11. September 2001 auf einer Party wieder. Weil alles so gut "passt", wird geheiratet und nach London gezogen. Dort nämlich bekommt Jakob, inzwischen Anwalt, einen Job anstelle eines im World Trade Center umgekommenen Kollegen. Isabelle ist Grafikerin und kann von England aus weiter in ihrem alten Job arbeiten. Die beiden scheinen, nach außen hin, alles zu besitzen, was als Grundlage für's Glücklichsein dient. Sie haben Jobs, Geld, Freunde, Interessen und vor allem sich selbst. Doch genau da liegt der Knackpunkt, denn die beiden erscheinen in "Die Habenichtse" nicht wie eigenständige, erwachsene Menschen, die wissen was sie wollen, sondern eher wie Getriebene ohne Ziel. Sie leben einfach so dahin ohne die Dinge groß zu hinterfragen, auch ohne ihre Liebe nur ansatzweise in Frage zu stellen. Man könnte hier vielleicht von einer geistigen oder seelischen Armut sprechen.
Die andere Welt in diesem Buch, ist die Welt der materiellen Armut. Direkt neben den beiden Hauptfiguren lebt nämlich eine Familie, die von Gewalt und Alkohol beherrscht wird. Opfer sind in diesem Fall die beiden Kinder Dave und Sara, wobei das Mädchen noch viel mehr zu ertragen hat. Die Autorin schafft es nun, diese beiden "Welten" immer wieder zu verbinden, zu kreuzen ohne dass es konstruiert wirkt, aber so, dass der Leser die Problematik genaustens vor Augen hat. Sie beschreibt ganz ruhig und lakonisch was passiert, wenn diese Welten sich treffen. Da fühlt Isabelle sich dann plötzlich zu einem Mann hingezogen, der als Dealer unterwegs ist. Ebenso Jakob, der ganz still und heimlich Intersse an seinem Chef entdeckt zu haben scheint. Oder auch die Kunst des Wegschauens, die von beiden Protagonisten perfekt beherrscht wird. Dumpfe Geräusche aus der Nachbarwohnung und ein Mädchen, übersät mit Blutergüssen im heruntergekommenen Garten, werden einfach mal nicht wichtig genommen bzw. gar nicht als Problem erkannt.
Nicht zu vergessen sind hier natürlich auch die viel tiefer und frabenfroher gezeichneten Nebenfiguren, die natürlich auch alle ihre Problemchen haben, mit diesen aber stärker werden und sich nicht in einen Sog hineinziehen lassen. Somit ist die Stärke dieses Buches aber auch schon irgendwie wieder seine Schwäche. Jakob und Isabelle sind kalt und oberflächlich beschrieben, finde ich. Das verstärkt das Bild der beiden, schwächt aber auch den Lesegenuss ein wenig. 5 Sterne kann ich also nicht geben
Dieses Buch hat dennoch aber auf mich eine große Wirkung, ich musste doch etwas warten, bis ich jetzt diese Rezension schreibe. Nachdem ich das Buch weglegte konnte ich erst gar nicht viel sagen. Je länger das nun her ist, umso besser gefällt mir "Die Habenichtse". Es wirft Fragen auf, die der Leser gern den Hauptfiguren stellen möchte und sich diese dann unweigerlich auch selbst stellen wird. Es sei denn er ist den beiden ähnlich. Wie will/soll ich leben? Was ist mir wichtig? Und vor allem auch: Wie und wann soll handeln? Es ist natürlich schon aufgrund der Zeit, in der es spielt auch ein politisches Buch. Desweiteren haben auch historische Fakten, wie der Nationalsozialismus, seinen Platz. Alles in allem bin ich schon begeistert, kann mir aber auch vorstellen, dass es nicht für Jedermann gemacht ist. Dazu ist es vielleicht zu subtil.
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21 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Interessanter Effekt, aber kein Lesegenuss, 9. Dezember 2006
Es werden drei Handlungsstränge nebeneinander entwickelt: 1. Dave, Sara, Polly (die Katze) und ihre gewalttätigen und die Kinder vernachlässigenden Eltern. 2. Isabelle und Jakob, sowie Alistair, Bentham (Kollegen von Jakob in London) und Andras und Peter (Kollegen von Isabelle in Berlin). 3. Jim und Mae sowie seine Komplizen Ben, Hisham, Albert.
Jakob und Isabelle treffen sich nach 10 Jahren in Berlin wieder, heiraten und ziehen (zum heimlichen Bedauern Andras') ohne großes Aufhebens nach London, wo Jakob in einer Kanzlei arbeitet. Sie wohnen neben Sara und ihrer Familie. Isabelle bekommt, da sie zuhause arbeitet einiges von den Gewalttätigkeiten gegen Sara mit, unternimmt aber zunächst nichts. Jakob fühlt sich derweil zu Bentham, seinem Chef, hingezogen und lebt zusammen mit seinem Kollegen Alistar neben Isabelle her. Es wird wenig kommuniziert und wenn dann nicht über persönliche Themen. Isabelle lernt Jim kennen. Jim hat ein tieferes Seelenleben, ist einerseits gewalttätig und sehnt sich andererseits nach seiner verschwundenen Freundin Mae. Er hat als Kind Gewalt gegen sich erfahren und erfährt sie immer noch wenn er sich dem Einfluss Alberts, dem Anführer der Bande entziehen will. Er wohnt auch in der Lady Margaret Road (in der die drei Handlungsstränge zusammenlaufen) und ist von der glatten Oberfläche Isabelles hinter der er einen kühlen und unnahbaren Menschen erkennt, einerseits angezogen aber auch wieder abgestoßen. Als sie sich ihm zuwendet, demütigt er sie.
Das Buch liest sich nicht besonders gut. Auf den ersten etwa 50 Seiten werden mehr als 20 Personen namentlich eingeführt aber zunächst nur oberflächlich dargestellt. Die Handlungsstränge werden in fast jedem der 38 Kapitel gewechselt und man ist bei den ersten Sätzen meist nicht sicher in welchem man sich befindet. Die Sätze enthalten manchmal Nachsätze, bei denen der Leser nur ahnt was sie bedeuten. Die Sprache ist ziemlich trocken. Die Personen bleiben ohne Tiefe. Sie werden von außen beschrieben und wenn sie aus ihrer Perspektive sprechen erkennen sie sich und die anderen nur undeutlich. Es gibt keine tragfähigen Beziehungen zwischen den Protagonisten, alles bleibt oberflächlich, die Protagonisten öffnen sich kaum und haben mit Ausnahme Jims große Hemmungen oder Widerwillen sich mit den Anliegen anderer Menschen zu beschäftigen.
Der Roman erzeugt weniger durch seinen expliziten Inhalt als vielmehr durch die Sprache und die Art der Erzählung beim Leser genau das Gefühl, an dem die Protagonisten des Romans leiden. Wer diesen Effekt erleben will dem sei dieses Buch empfohlen, den anderen würde ich es nicht empfehlen.
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20 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Ein verstörendes Buch, 20. Februar 2007
Soeben habe ich Katharina Hackers Roman "Die Habenichtse" ausgelesen:
1. Fazit - Ein verstörendes Buch.
Nüchtern und präzise beschreibt Katharina Hacker die Geschichte eines jungen Paars, das eigentlich alles hat und dem es trotzdem am Wesentlichen fehlt. Ihr ist eine erschütternde Beschreibung einer gefährdeten Generation gelungen.
Das Buch lässt mich jedoch ein wenig ratlos zurück. Hacker zeigt auf; sie zieht Bilder heran und bringt die aktuellen Themen, ohne eine Antwort zu haben. Die beiden Protagonisten Isabelle und Jakob stehen am Ende mit leeren Händen da. Allenfalls die Randfiguren, so der Jurist Bentham oder Andras, Isabelles Kollege in der Agentur, haben sich irgendwie so arrangiert, dass sie ihre kleinen Häppchen vom Glück abbekommen.
Wenn man mich nach der letzten Seite von "Die Habenichtse" gefragt hätte, was denn nun im Buch passiert sei, hätte ich vermutlich erst mal eine Weile überlegen müssen. Die Stärken des Romans liegen eindeutig in einem anderen Bereich und der zeichnet das Buch wohl aus.
Hacker wählt für ihren Roman eine kühle, distanzierte Sprache, die es nicht immer ganz leicht macht, das Lesen fortzusetzen. Der monotone Erzählstil, eine fast nicht vorhandene Gliederung, fast ohne Absätze und gesprochene Dialoge ohne Anführungszeichen tun ihr übriges
"Die Habenichtse" ist sicher kein Roman, den man gierig verschlingt, aber wenn man sich in den anfangs ungewohnten Schreibstil eingelesen hat, fliest er.
Trotzdem hat er bei mir einen "schalen" Nachgeschmack hinterlassen. Er ist mir zu düster gezeichnet und verbreitet eine gewisse "Endzeitstimmung". Außerdem meine ich, dass man mit dieser Art zu schreiben - was anhand der Rezensionen ersichtlich ist - die meisten Leser eher abschreckt. Thema und Handlung sind sicherlich großartig, die Vermittlung an den Leser jedoch meines Erachtens nicht so gut gelungen.
Am Ende steht für mich die Frage:
Ist ein Buch gut, wenn die message nur eine Hand voll Leute erreicht, den Großteil jedoch mit Unverständnis zurücklässt?
Ich bin ein wenig ratlos...
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
zart, unterbewusst, abgründig, groß, 29. April 2009
sind die Adjektive mit denen ich die Habenichtse in meinem Kopf markiert habe. Jetzt, fast schon ein Jahrzehnt nach dem 11.9. stört die historische Folie unter den faszinierenden und berührenden Paarstrukturen auch nicht mehr so sehr, wahrscheinlich wird sich die wahre Relevanz dieses Buches erst in 5-10 Jahren ganz dem Leser offenbaren. Wie bei allen großen Würfen ist der Einstieg aufgrund der Vielzahl eingeführter Personen und Handlungsstränge nicht leicht. Spätestens aber ab Seite 80 packt dieses Buch einen im Unterbewusstsein und lässt einen auch während den notwendigen Lesepausen nicht los. Ein Buch, das den Blick aufs eigene Leben verschiebt und im besten Sinne zeitgeistig ist. Was kann man mehr von Literatur erwarten? Leider verpufft zum Schluss die ganze große angestaute Unruhe und Anspannung für meinen Geschmack etwas zu profan. Vielleicht ist das aber auch nur wie im richtigen Leben?
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8 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Kalte Welt, 10. Juli 2007
Auch wenn das Buch wenig dazu angetan ist, eine erbauliche Stimmung beim Leser zu erzeugen, kann dem Werk seine literarische Bedeutung nicht abgesprochen werden. Mehr noch, Katharina Hacker hat einerseits zwar ein schwer erträgliches Buch geschrieben, andererseits jedoch nichts weniger als eine erfolgreich aktuelle Adaption der "Angry young men" (Osborne, Wolfe, Albee, Pinter) geschaffen.
Das Buch hat - sicher nicht zufällig - einige Parallelen zu John Osbornes "Look back in anger". Auch in den Habenichtsen gehen die Protagonisten mit großer Verachtung und Brutalität miteinander um - passend dazu die menschenverachtende Kulisse des 11. September.
Die herrschenden gesellschaftlichen Bedingungen haben die handelnden Charaktere um eine Zivilisationsstufe zurückgeworfen. Animalische Instinkte überlagern die errungenen zivilisatorischen Errungenschaften.
Eisige Gefühlskälte allerorten.
Die Zusammenhänge zwischen Faschismus und Terrorismus werden in ihrer menschenverachtenden Perversion deutlich, ihre Auswirkungen auf das Individuum nachvollziehbar.
Erst wenn und als alles in Asche liegt, kann der Phönix neu entstehen. Die Hoffnung siegt. Wir sind verstört und am Ende doch versöhnt.
Fazit: Wer dieses Buch aushält wird am Ende belohnt.
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6 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Verstörend, traurig und gut !, 21. März 2007
Für mich ein berührendes und verstörendes Buch mit einer - zugegben - eher anstregenden Sprache. Bildhaft,verschachtelt, gestückelt - man gewöhnt sich dran und sie passt zur Geschichte. Es geht nicht um die äußeren Ereignisse, sondern um die Spuren, die diese im Verhalten und Empfinden der Personen hinterlassen. Deswegen finde ich den Cover-Text ein wenig missverständlich, denn dort wird vor allem der äußere Handlungsrahmen beschrieben. Isabelle und Jakob, ein junges Ehepaar, und die Menschen, denen sie begegenen, führen keine Beziehungen, sondern ihre Lebensläufe geraten aneinander und verstricken sich dabei auf unglückliche wie zufällige Weise. Die Personen erleben ihre Welt wie hinter einer Nebelwand, nicht dringt wirklich an sie ran. Weder das Entgleiten der eigenen Beziehnung, noch die Kindesmisshandlung in der direkten Nachbarschaft. Alles geschieht einfach irgendwie, keiner steuert, bezieht Position oder schreitet ein. Diese Hiflosigkeit beklemmt, man sucht als Leser einen Schuldigen oder Verantwortlichen für den unglücklichen Handlungsverlauf und findet ihn nicht, denn irgendwie scheint das Verhalten eines jeden in der spezifischen Siutation zumindest verständlich, fast folgerichtig. Jeder wird im Verlauf der Geschehnisse Opfer als auch Täter: sogar die kleine Sara, deren Leid sich irgendwann als Aggression an ihrer einzigen Freundin, der Katze, entlädt. Meiner Meinung nach ein sehr gutes Buch über Orientierungslosigkeit, Entfremdung und die Unfähigkeit, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Erinnert mich von der Grundstimmung an "Der fremde Freund" von Christoph Hein. Auch sehr traurig.
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2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
nichts bleibt mehr übrig, 1. November 2007
hat mich dieses buch deswegen so verstört, weil nüchtern beschrieben wurde, woran alle verzweifeln?
ein großartiges buch. eine großartige sprache.
aber nichts für leser, die unterhalten werden wollen.
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1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Sehr schöne Hörfassung, 13. Januar 2007
Die Stimme von Inga Busch passt sehr gut zur Stimmung des Romans, allerdings kann Sie die englische Ortsbezeichnungen nicht aussprechen, was die London - Welt von Jakob und Isabelle komisch erscheinen läßt, hat mich gestört.
Der Regisseur hat es offensichtlich auch nicht gemerkt.
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Die Habenichtse von Katharina Hacker (Gebundene Ausgabe - 27. Oktober 2006)
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