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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht heil geblieben, 13. September 2003
Rezension bezieht sich auf: Kurz vor dem Gewitter: Gedichte (Gebundene Ausgabe)
Es gibt Zeitgenossen, die schaffen ein Vielfaches an Arbeitspensum anderer Menschen, werden deshalb bewundert, beneidet, angegriffen, und es drängt sich die Frage auf, wie sie es schaffen, mehrere Leben auf einmal zu leben.
Zu ihnen zählt mit Sicherheit auch Michael Krüger, der Leiter des renommierten Hanser Verlags und gleichzeitig Herausgeber von Anthologien und der Literaturzeitschrift „Akzente", Verfasser von Romanen, Novellen und Erzählungen, Essayist und Lyriker. 1943 in Sachsen geboren, war er Buchhändler und Buchdrucker sowie Gasthörer an der Universität Berlin, bevor er 1968 ins Verlagsgeschäft einstieg. Bereits mit seinem ersten Gedichtband „Reginapoly" hatte er einen eigenständigen Tonfall gefunden, eine Mischung aus Lakonie und hoch poetischer Metaphorik, aus Sinnlichkeit und Intellektualität. Jetzt liegt sein jüngster Gedichtband vor - „Kurz vor dem Gewitter" -, der seinen Ruf als wichtige, nicht nur lyrische Stimme festigen wird.
„Ich kannte einen, der kannte nichts / Dunkleres als das Licht...", so beginnt er seinen Gedichtband und endet den ersten von vier Zyklen mit: „Nur eine schmale Brücke, die das Dunkel / mit dem Dunkel verbindet." - Das Sehen, das Wahr-Nehmen der Dinge und der Welt ist eines von Krügers Hauptthemen (deshalb nehmen viele Gedichte bei scheinbar Nebensächlichem oder Alltäglichem ihren Ausgangspunkt), was aber immer bei ihm umschlägt in Reflexion und Nach-Denklichkeit (so dass ein elegischer, oft trauriger Ton vorherrscht). Doch Krüger ist ein politisch denkender Autor: immer wieder findet man Worte und Begriffe, die den Gedichten jede „Unschuld" rauben und eine Spannung und das Gefühl von Bedrohung erzeugen. So heißt es im Gedicht „Beim flüchtigen Hinsehen": „Im hohen Gras schleichen Gewehre, / Kimme und Korn proben die Entwaffnung / des Lichts. Gegen Abend soll die Erinnerung / gestürmt werden, die letzte Bastion. / Wir sind nicht sicher, / ob wir zum Krieg gehören." Schließlich ist Krüger aber auch ein philosophischer Autor: Er transzendiert das Alltägliche und die Natur (die ein tragendes Element in seinen Gedichten ist) und verbindet persönliche Beobachtung und Erfahrung, Politik, Reflexion und Metaphysik, wie das titelgebende Gedicht zeigt: „Alles noch Sichtbare erinnert sich / an das Unsichtbare, das immer und ewig / unsichtbar bleibt, wenn das Gewitter / hereinbricht."
Krügers jüngster Gedichtband ist ein gutes Beispiel für moderne Poesie, die auf traditionelle Elemente wie Reim und Versmaß verzichtet, aber mittels eines Netzes an Motiven und eines großen Anspielungsreichtums die Texte untereinander verknüpft und den Leser durch eine bilderreiche Sprache und dichte Atmosphäre unmittelbar anzusprechen vermag.
Krügers Gedichte lassen den Leser nicht kalt, zwingen ihn, immer wieder inne zu halten und nachzulesen, und unversehens findet er sich gleichermaßen bereichert und verschreckt wieder - wie die Menschen in seinem Gedicht „Nächtliche Einkehr": „Wenn ich mich nicht irre, / sind wir nicht heil geblieben."
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großereignis, 22. Oktober 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Kurz vor dem Gewitter: Gedichte (Gebundene Ausgabe)
Michael Krüger hat mit „Kurz vor dem Gewitter" einen sehr guten Gedichtband verfasst. In „Schatten und Licht", dem ersten Gedicht, fasst er die positive Feindschaft zwischen Erkennendem und Erkanntem auf eine derart nahe liegende Weise in Worte, dass man schnell, begierig, sorglos zu einem der nächsten Gedichte, zum Beispiel „Rede des Reisenden", blättert, in dem die charmante Unverbindlichkeit, die allen (Vorüber)reisenden anhaftet, in leichte, jedem zugängliche Worte eingefangen ist. Hier im ersten von vier Buchkapiteln dreht sich alles um Reisen, also Reisende, Hotels, Bahnhöfe, Ankommen, Weiterkommen, Besuche und Abschiednehmen. Die einzigen Zeilen, über die ich mir auf den insgesamt 111 Seiten nicht klar wurde, stehen auch hier; „Zwei rote Fische, ein schwarzer" heißen sie, und in ihnen geht Krüger etwas zu sehr ins Bildhafte, die zu vielen Ideen, die einem zu diesem Gedicht kommen, stehen sich im Wege. Im zweiten Kapitel Schönes (!), zugleich Solides und dezent Gewaltiges zu Nacht, Tod, Vergehen, im „Englischen Garten" wird in unaufdringlicher Dynamik dem Übergang von Sommer zu Herbst nachempfunden, ähnliches in „Ende des Sommers". Erleichternderweise spielt Krüger in seinen Gedichten nicht den soziologischen Übervater, er beanstandet und bemängelt keine gesellschaftlichen Zustände, nein, seine Gedichte sind berührende Ich- und nicht hohle Man-zeugnisse. In der „Umfrage" stellt eine Zeitung dem Gedicht-Ich die Frage, ob es seine Stadt liebe, und anstatt über Man-zustände brütend sitzen zu bleiben, geht es los in den Park, achtet auf die Bücher, die auf den Tischen der Schlafenden liegen, postiert sich auf einer Brücke, um deren Vibrieren bei der nächsten Zugdurchfahrt abzuwarten; Stadtgefühle, Stadtmomente; und „unter der Obhut des Dunkels schlich ich zurück in mein Zimmer, wo ein Urteil erlaubt ist.". Das nächste Kapitel versammelt eine Reihe persönlicher, meist gewidmeter Gedichte. Nachrufe, mal sehr persönlich, mal weniger persönlich, stehen im vierten und letzten Kapitel. Die Anordnung der Kapitel überzeugt, es geht sukzessive von Unternehmungen und Reisen über Jahreswechsel und Heimkehr zu Dunkelheit und Mystik bis schließlich zum Gedenken an Geliebtes. Michael Krüger lebt als Verleger, Herausgeber einer Literaturzeitschrift und Autor in München; bei Suhrkamp erschien bereits der Gedichtband „Archive des Zweifels"; „Kurz vor dem Gewitter" ist eines der stillen Literatur-Großereignisse des Jahres 2003.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lesen!, 30. August 2003
Von 
Claude Reiles (Ettelbruck Luxembourg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Kurz vor dem Gewitter: Gedichte (Gebundene Ausgabe)
Zu diesem Band sollen keine 1000 Wörter geschrieben werden. Ich begrenze mich auf einen Satz: Lyrik-Interessenten, die diesen Band nicht kaufen, sind selbst schuld.
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Kurz vor dem Gewitter: Gedichte
Kurz vor dem Gewitter: Gedichte von Michael Krüger (Gebundene Ausgabe - 18. August 2003)
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