Kundenrezensionen


10 Rezensionen
5 Sterne:
 (1)
4 Sterne:
 (7)
3 Sterne:
 (2)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Michael Kohlhaas des Gebrauchtwagen-Handels
Bei Kleist handelt Michael Kohlhaas mit Pferden, Christoph Hein's Held Willenbrock mit Gebrauchtwagen in Ost-Berlin. Sein Geschäft floriert, besonders die Verkäufe in den Osten. Mit seiner kinderlosen Ehe kann er zufrieden sein. Seiner Frau finanziert er zur Selbstverwirklichng eine Boutique. Aber die Glücksträhne des einstigen DDR-Ingenieurs geht...
Am 20. Juli 2001 veröffentlicht

versus
1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nach Recht und Gesetz
Das Auto als Statussymbol in den alten Bundesländern, als Objekt der Begierde, als ersehnte Wohlstandsikone in den neuen Bundesländern - jetzt ist es auch zur Ehre literarischer Altäre aufgestiegen. Christoph Hein hat einen Gebrauchtwagenhändler, in DDR-Zeiten ein Ingenieur, zum Helden seines Romans "Willenbrock" werden lassen und am...
Veröffentlicht am 11. Oktober 2009 von Günter Nawe "Herodot"


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Michael Kohlhaas des Gebrauchtwagen-Handels, 20. Juli 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Willenbrock: Roman (Gebundene Ausgabe)
Bei Kleist handelt Michael Kohlhaas mit Pferden, Christoph Hein's Held Willenbrock mit Gebrauchtwagen in Ost-Berlin. Sein Geschäft floriert, besonders die Verkäufe in den Osten. Mit seiner kinderlosen Ehe kann er zufrieden sein. Seiner Frau finanziert er zur Selbstverwirklichng eine Boutique. Aber die Glücksträhne des einstigen DDR-Ingenieurs geht langsam dem Ende entgegen:
Autos verschwinden von seinem Hof, der Nachtwächter wird überfallen, sein Hund getötet, schließlich kommt Willenbrock beim Einbruch in sein Ferienhaus bei Usedom nur mit Not lebendig davon. Für ihn unbegreiflich werden die Täter, zwei junge Russen, kaum daß sie gefaßt sind, nach Osten abgeschoben. Willenbrock ist empört über die Laschheit des neudeutschen Rechtsstaats. So etwas wäre früher, jenseits der Mauer, nicht passiert oder anders geregelt worden. Bei Dr. Krylow aus Moskau, seinem besten Kunden, besorgt er sich einen Revolver. Beim nächsten Einbruch, in seinem Haus in Berlin, ist er gewappnet: Er überrascht den Täter, der mit einer Eisenstange auf ihn einschlagen will, und schießt. Nach dem Motto "Hilf dir selbst" hat Willenbrock das Recht in seine Hände genommen. Offen bleibt, wie stark der flüchtende Täter verletzt wurde.
Mit diesem vagen Ausgang endet ein Roman, in dem -wie bei Kleist- eine mittelgroße Störung des Normalen bei einem Durchschnittsbürger einen Prozeß in Gang setzt, der alle Kontrollen des Gewissens und der Vernunft außer Kraft setzt.
Man kann dem Roman sicher eine gewisse, vom Autor wohl gewollte Langatmigkeit und einen etwas spröden, bürokratischen Stil vorwerfen. Manches wie die Baufortschritte der Ausstellungshalle oder die Modenschau in der Boutique sollte man schnell überlesen. Angenehm ist, daß uns der Autor keinen weiteren Verlierer aus der einstigen DDR vorführt, sondern einen erfolgreichen Selfmade-Man, der trotz seiner Erfolge in der Marktwirtschaft dennoch immer wieder von den alten Zeiten eingeholt wird. Ein durchaus spannender und lesenswerter Roman.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bildnis eines bürgerlichen Menschen, 6. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Willenbrock: Roman (Gebundene Ausgabe)
Bernd Willenbrock hat die Wende gut überstanden und nutzt die neu in Ost-Berlin eingezogene Marktwirtschaft durch einen Gebrauchtwarenhandel, der vor allem von Geschäften mit Osteuropa profitiert. Sein Büro liegt in einem Wohnwagen, doch am Ende des Romans wird eine eigene Verkaufshalle auf dem Grundstück stehen. Der Pole Jurek und nach einem nächtlichen Autodiebstahl auch ein Nachtwächter arbeiten für ihn, seine Frau Susanne betrügt der kinderlose Schwerenöter mit Margot, Rita oder Barbara, jungen Dingern, meist ehemaligen Kundinnen; mit der Studentin Margot fährt er unter dem Vorwand einer Schulungsfahrt in deren neuem Auto für ein Wochenende in sein Landhaus in Bugewitz, um sie zu verführen, in der Stadt hat er für seine Gespielinnen ein Hotelzimmer; seine Frau Susanne führt auf seine Kosten eine Boutique, die sich nicht rentiert: Bildnis eines bürgerlichen Menschen.

In der Mitte des Buches dann der dramatische Höhe- und Wendepunkt, der das Bild kräftig zum Wackeln bringt: Während eines Wochenendes in ihrem Landhaus, einem restaurierten Bauernhof, wird das Ehepaar Willenbrock von mehreren Russen überfallen. Willenbrock kann, aus dem Schlaf geschreckt, die Einbrecher zwar in die Flucht schlagen, wird dabei aber durch Schläge mit einem Metallstab verletzt. Die Polizei nimmt zwei Verdächtige fest. Wie Willenbrock später erfährt, werden sie trotz dringenden Tatverdachts abgeschoben und der Fall nicht strafrechtlich verfolgt. Willenbrock, bisher genügsam und ausgeglichen, verliert die Balance. Der zwielichtige Russe Krylow, einst in KGB-Diensten, heute ein Wende-Profiteur und Willenbrocks bester Kunde, schenkt ihm einen Revolver samt Munition, den der Geschäftsmann zunächst nur aus Höflichkeit annimmt. Als Willenbrock nachts auf seinem Berliner Grundstück erneut einen Einbrecher ertappt, der sich an seinem Wagen zu schaffen macht, schießt er auf ihn. Der angeschossene Einbrecher kann unerkannt entkommen. Seiner Frau Susanne verschweigt Willenbrock den Vorfall. Ihre Beziehung ist zudem gestört durch den Verdacht, dass sie ebenfalls eine Affäre haben könnte. Die Waffe wird für den Autohändler zur Manie. Da er sie niemandem zeigen kann, trägt er sie ständig in einer Aktentasche mit sich herum. Nach Zeitungsmeldungen über den verletzten Einbrecher sucht er vergeblich. Willenbrocks bürgerliche Existenz setzt sich am Ende fort wie ein Glas mit Sprung, das in den Schrank zurückgestellt wird, aber jederzeit zerbrechen könnte.

Mit diesem etwas unbefriedigenden Schluss endet Christoph Heins kurzer, aber kraftvoller Ausschnitt aus dem Leben eines Unternehmers im wiedervereinigten Deutschland. Die Figur des Bernd Willenbrock, dessen umfassendes Porträt Hein hier gezeichnet hat, ist im wahrsten Sinne des Wortes imposant und vermag zu fesseln. Hein nimmt sich viel Zeit, seinen Charakter zu entfalten, seine Lebenssituation zu schildern. Durch die vielen wie beiläufig eingestreuten Begegnungen mit seinen Beschäftigten, Handballkollegen, Geliebten, Verwandten, den Besuchern einer Mini-Modenschau in Susannes Boutique, einem Ex-Kollegen, der als Stasi-Spitzel entlarvt wurde, und Willenbrocks Umgang mit ihnen entsteht ein ziemlich vollständiges Bild des wendigen Unternehmers, seiner Schwächen und der leicht neurotischen Störung, die die Begegnung mit den Einbrechern auslöst, und deswegen funktioniert auch dieser im Grunde schlicht gestrickte und ganz um die Hauptfigur herum komponierte Roman, addieren sich ernst-dramatische und heiter-ironische Episoden (wie die improvisierte Modenschau mit einem Skandal-Posaunisten) zur durch und durch stimmigen Studie einer bürgerlichen Existenz der Nachwendezeit. Ständig hatte ich, ohne den Film von Andreas Dresen zu kennen, Axel Prahl vor Augen, sicherlich die ideale Besetzung für Willenbrock.

Sprachlich zeigt sich Christoph Hein hier eher als solider Arbeiter denn als brillanter Formulierkünstler. Die Sprache ordnet sich spürbar der Handlung unter, mitunter holpert sie auch: Konjunktive I und II werden in Indirekte-Rede-Passagen ziemlich unsystematisch miteinander vermengt. Ein guter Lektor hätte hier geglättet. Die lamentable Leistung des Lektorats lässt sich auch daran erkennen, dass sich im Buch Dutzende Rechtschreib- und Interpunktionsfehler finden. Mehrfach werden "ss" und "ß" verwechselt, mindestens zweimal stimmen Satzstrukturen nicht. Das darf einem Verlag wie Suhrkamp eigentlich nicht passieren.
Trotz solcher Defizite ein alles in allem empfehlenswerter Nachwenderoman, der allerdings das Niveau von Christoph Heins Landnahme über eine "DDR"-Karriere nicht erreicht.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4.0 von 5 Sternen entwurzelte Menschen, 16. Januar 2008
Wie auch in vielen seiner anderen Bücher beschreibt Christoph Hein hier einen Einzelgänger, einen Menschen, der "relativ" beziehungsarm und entwurzelt durch das Leben geht. Das er am Ende vor dem Scherbenhaufen seines Lebens steht verwundert nicht. Erkenntnisse, die man schon bei Drachenblut, beim Tangospieler oder bei Horns Ende gewinnen konnte. Was interessiert Christoph Hein an solchen Menschen? Sie sind der Spiegel der Gesellschaft! Ein Gesellschaft mit Ellenbogenmentalität, ein Staat, der seine Bürger einsperrt und bespitzelt oder eine Gesellschaft die Menschen zum Selbstmord bringt, dass sind die Themen, die Christoph Hein meisterhaft verarbeitet. Der Film mit Axel Prahl in der Hauptrolle ist auch sehenswert!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4.0 von 5 Sternen Vom pazifistischen Müßiggänger zum Verfechter der Selbstjustiz, 22. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Willenbrock: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Geschichte eines Autohändlers, dessen Welt, nach einem Überfall in seinem Sommerhaus, aus den Fugen gerät. Willenbrock wandelt sich für ihn selbst nahezu unmerklich vom pazifistischen Müßiggänger zum Befürworter der Selbstjustiz. Heins Erzählstil ist auch in diesem Roman von einer Leichtigkeit, die nur große Erzähler ihr eigen nennen können. Trotzdem gelingt es dem Autor nicht immer, auch dem geneigten Leser immer an das Buch zu fesseln, zu behäbig ist zum Teil der Fortgang der Geschichte.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4.0 von 5 Sternen gut, daß man vergleichen kann..., 30. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
...vergleichen mit anderen Autoren. Die nicht gefühlte zwei Drittel ihres Textes mit Alltäglichem füllen, ganz banalen Verrichtungen in detaillierter Beschreibung, um zum eigentlichen Thema, vielleicht zum Anliegen des Romans zu kommen.
Das ist in diesem Fall - zugegeben - sehr interessant. Was würde ein vielleicht ungewollter Angriff auf unser Hab und Gut, auf unser Leben in uns auslösen, wie wehren wir uns, wie verkraften wir das, wir als Person, wir als Familie, was unternehmen wir?
Ich hatte lange Zeit große Mühe, weiter zu lesen, in diesem Fall jeweils am Abend, aber ich dachte mir, zum Einschlafen ist es ganz ok. Am Ende war ich froh, nicht aufgegeben zu haben. Weil ich jetzt darüber nachdenke, welche Konsequenzen ich aus seinen Erlebnissen für mich ziehe.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nach Recht und Gesetz, 11. Oktober 2009
Von 
Günter Nawe "Herodot" (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Das Auto als Statussymbol in den alten Bundesländern, als Objekt der Begierde, als ersehnte Wohlstandsikone in den neuen Bundesländern - jetzt ist es auch zur Ehre literarischer Altäre aufgestiegen. Christoph Hein hat einen Gebrauchtwagenhändler, in DDR-Zeiten ein Ingenieur, zum Helden seines Romans "Willenbrock" werden lassen und am Gebrauchtwagenhandel seine Geschichte festgemacht. Der Autor von "Drachenblut" und "Horns Ende", von "Der Tangospieler" und "Das Napoleonspiel", mit renommierten Literaturpreisen ausgezeichnet, hat es zum Gegenstand einer sehr spannenden Geschichte um Recht und Gerechtigkeit und um die innere Verfassung dieses Landes gemacht.

Eigentlich ist die Welt dieses Bernd Willenbrock in Ordnung. Der Handel floriert, vor allen gen Polen und Russland, woran ein Doktor Krylow als regelmäßiger Großabnehmer einen nicht unerheblichen Anteil hat. Es geht Willenbrock also gut, auch privat. Ein bescheidener Wohlstand, eine Stadtwohnung und ein Häuschen im Grünen, eine funktionierende Ehe mit Susanne, die sich mit einer kleinen Boutique selbständig gemacht har, ab und an ein kleiner Seitensprung - Willenbrock scheint zu den Gewinnern deutscher Einheit zu gehören.

Zwar gibt es da noch einen leise schwelenden Konflikt mit Bruder Peter, der ihm seinerzeit den Traum vom Segelfliegen durch seine Republikflucht vermasselt hat. Mit der Familie seiner Frau liegt er auch etwas überkreuz. Und als alte Seilschaften in Person von ehemals guten Freunden, die sich später als IMs "enttarnten" und mit denen Willenbrock noch eine Rechnung offen hat, auftauchten, kommt noch einmal Vergangenheit auf. Und da hilft auch nicht die gute Absicht, alles zu vergessen. Noch aber ist das alles von untergeordneter Bedeutung für Willenbrock.

Doch plötzlich sieht die Welt ganz anders aus. Erst ist es kleiner Einbruch. Ärgerlich, weniger des Schadens wegen. Vielmehr muss sich Willenbrock künftig eines privaten Wachdienstes bedienen. Ein veritabler Raubüberfall sollte folgen. Der Kleinbürger Willenbrock ist gekränkt, vor allem, weil der Staat, von dem er so sehr viel gar nicht verlangt, als nur Gerechtigkeit, ihm genau diese versagt. Nicht nur in der Strafverfolgung, die ohnehin ohne Erfolg bleibt. Auch in der Erteilung einer Baugenehmigung erweist sich der deutsche Rechtsstaat als nicht gerade hilfreich. Das erinnert Willenbrock plötzlich an vergangene Zeiten, wo man auch immer wegen diesem und jenem gekränkt sein musste ob der Willkür und Schutzlosigkeit.

Es sollte jedenfalls noch schlimmer kommen. Die Willenbrocks werden in ihrem Wochenendhaus überfallen. Die Täter werden zwar gefasst, aber auch umgehend wieder laufen gelassen. Nach Recht und Gesetz. Dazu kommt noch: "Die Beamten hatten ihm das Gefühl vermittelt, der eigentlich Beschuldigte zu sein, der Angeklagte, der nicht mehr wirklich frei, sondern lediglich auf freiem Fuß sei". Nach dem Motto "Hilf dir selbst" besorgt sich Willenbrock eine Pistole, mit der er aus gegebenem Anlass auch losballert - und trifft. Sie schützt ihn aber bestenfalls vor äußerer Gewalt, nicht jedoch vor der inneren Verletztheit, nicht vor dem Vertrauensverlust einer Ordnung gegenüber, die für ihn da sein sollte. An dieser Stelle bekommt Heins Erzählung vom Gebrauchtwagenhändler Willenbrock eine Kleistsche Dimension. Willenbrock-Kohlhaas kann allerdings diese Welt nicht ändern. Und so richtig will er es auch nicht. Es machte ihm sicher irgendwann Spaß, eine richtige Pistole zu besitzen, gegen den Stachel des Staats und seiner Gesetze zu löcken und sich heftig zu erregen, aber...

Also richtet man sich besser ein in einer Welt, die à la Voltaire nicht die beste ist. Auch Willenbrock tut es. Resigniert und zynisch. Er denkt darüber nach, wie man die Einrichtung von Arbeits- und Büroräumen mit moderner Kunst als Betriebsausgaben in der Steuererklärung unterbringen könnte, verschließt endgültig seinen Revolver, freut sich über die Rückkehr seiner Frau und bereitet in der Küche eine Sauerkrautsuppe vor. "Die Obstbäume standen in Blüte, und das Abendlicht verstärkte den zarten Glanz der rosafarbenen Blätter."

Deutsche Befindlichkeiten allenthalben. Christoph Hein hat, ohne zu belehren oder gar den moralisierenden Zeigefinger zu heben, eine beeindruckende Chronik laufender deutscher Ereignisse beschrieben. Über sich selbst redend hat der Schriftsteller Hein einmal formuliert: "Schreiben ist nach meinem Verständnis dem Berichterstatten verpflichtet. Natürlich ist es die Chronik eines Schriftstellers, sie ist nicht objektiv, sondern sehr viel mehr: Sie ist eingreifend und realistisch und phantastisch und magisch, Poesie eben." Von all dem hat dieser meisterliche Roman etwas.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


6 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hilf' Dir selbst !, 12. Oktober 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Willenbrock: Roman (Gebundene Ausgabe)
Christoph Heins Roman WILLENBROCK zeigt einen ehemaligen DDR-Ingenieur mit Namen Bernd Willenbrock, der sein Schicksal selbst in die Hand nimmt. Als kleiner Gebrauchtwagenhändler kauft er sich gegen Ende des Romans einen Revolver um nach der Maxime HILF' DIR SELBST - SONST HILFT DIR KEINER zu handeln.
Der Roman zeigt auch, dass in einem Rechtsstaat auf Einzelschicksale keine Rücksicht genommen werden kann. Tiefgang und Oberflächlichkeit lösen sich in diesem Roman sprachlich wohltuend ab. Ob die nächtlichen Überfälle auf seinem Grundstück oder die kleinen Romanzen mit den Kundinnen seines Gebrauchtwagengeschäfts: Willenbrock lernt im Jahre 10 der deutschen Einheit, dass der Genuß, und die kleinen Freuden des alltäglichen Lebens hart erkämpft werden müssen und an jeder Ecke kleine Schicksalsschläge lauern, die das Kartenhaus der eigenen Biographie schnell zum Einsturz bringen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vermeintlich einfach, 13. Dezember 2006
Erst einmal: "Willenbrock" liest sich einfach. Das ist angenehm. Aber für einfache Deutungen eignet er sich keineswegs.

Hein weckt Mitgefühl für seinen Helden. Wie wurde er zum "Eigentumsverteidiger", der vielleicht sogar zu diesem Zweck mordete? Warum heiratete er seine sensible, kunstsinnige Frau? Welche Sehnsucht lebt er in seinen Affären? Wieso geht der ehemalige Hobbyflieger nicht mehr in die Lüfte? Woher seine plötzliche Unfähigkeit, sich nicht mehr mit den Umständen zu arrangieren? Konnte er es überhaupt jemals? Woher der Zorn gegen einen Spitzel, der ihm zu DDR-Zeiten angeblich doch nicht geschadet hat? Warum die immer mehr eskalierende Gewalt im Leben dieses ehemaligen Fast-Pazifisten? Ist er doch nicht der Meister der Anpassung, für den er sich selbst gerne hält - immer zufrieden mit dem jeweils Gegebenen?
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Buch ist da aber noch nicht gelesen, 3. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Willenbrock: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Geschichte ganz schön harter Tobak! Und da ich gerade so viel Stress habe, lese ich dann doch den Schmöker lieber zuerst. Aber super geschrieben!!! Das kann ich schon nach dem reinschauen sagen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kurzweilige Klischees, 10. Juli 2000
Von 
elmar1703@aol.com (Neukirchen-Vluyn, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Willenbrock: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wir Wessies wussten es doch schon immer. Im Osten tobt das Verbrechen, die Horden aus dem Osten fallen über uns her und nur mit großem Aufwand können wir unser Leben schützen. Hein schildert das Leben eines Autohändlers, der von Kunden aus Russland und Polen lebt. Natürlich verkauft er an den ehemaligen Apparatschnik, der jetzt Mafia-Boss ist. Und sein polnischer Automechaniker ist auch nicht schlecht fürs Geschäft. Doch dann geht es gegen Willenbrock. Er, der keinem etwas will, wird bestohlen und im Landhaus beraubt. Dies ist eine neue Situation für ihn, auf die er sich nicht einzustellen weiß. Dabei nutzt Autor Hein letztlich so viele Klischees, wie wir es ja immer schon wussten. Trotzdem liest sich dann ganze kurzweilig.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Willenbrock: Roman
Willenbrock: Roman von Christoph Hein (Gebundene Ausgabe - 25. Juni 2000)
EUR 20,99
Gewöhnlich versandfertig in 2 bis 3 Tagen.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen