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17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grundlegende Gedanken zur Ethik der Verantwortung..., 10. April 2006
Von 
Shaun - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Prinzip Verantwortung: Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation (suhrkamp taschenbuch) (Gebundene Ausgabe)
In diesem 1979 erschienenen Hauptwerk des Philosophen und Friedenspreisträgers Hans Jonas geht es um eine Grundlegung der im technischen (und nicht mehr notwendig religiös grundgelegten) Zeitalter geforderten Ethik, die der Autor am Besten mit dem Begriff der „Verantwortung" umreißt.
Nach der Darstellung der Zweck-Lehre wendet er sich im 4. Kapitel der eigentlichen „Theorie der Verantwortung" zu. „Dass es dem Sein um etwas geht, also mindestens um sich selbst, ist das erste, was wir aus der Anwesenheit von Zwecken in ihm über es lernen können..." Aus dem Drang des Lebens zu sich selbst folgert Jonas auch ein Sollen in der sehenden Freiheit des Menschen (anders als das Tier), das Gute (Leben ermöglichende) zu tun, bzw. schuldig zu werden, wenn man es nicht tut. Er wähnt den Menschen aber nicht nur von seiner geistigen, sondern auch von seiner gefühlsmäßigen Seite her der Verantwortung zugetan, wir haben auch ein „Gefühl der Verantwortlichkeit", welches uns erst aktiv macht. Eltern und Staatsmann als wichtige Beispiele für die Übernahme von Verantwortung machen die graue Theorie etwas konkreter: „Das Urbild aller Verantwortung ist die von Menschen für Menschen... Die Ur-Verantwortung der elterlichen Fürsorge hat jeder zuerst an sich selbst erfahren. In diesem Grundparadigma wird die Knüpfung der Verantwortung an Belebtes am überzeugendsten klar... Das nackte ontische Faktum, dass es die Menschheit überhaupt gibt, wir für die darin vorher nicht Befragten zum ontologischen Gebot: dass es sie weiter geben soll." Im letzten Abschnitt dieses Kapitels schreibt er über das Kind als Urgegenstand der Verantwortung: „Man kann auf das Allervertrauteste hinzeigen: das Neugeborene, dessen bloßes Atmen unwidersprechlich ein Soll an die Umwelt richtet, nämlich: sich seiner anzunehmen. Sieh hin und du weißt."
Im folgenden 5. und genauer noch im 6. Kapitel werden die Gefährdungen der heutigen Welt dargestellt, insbesondere die Bedrohtheit durch ein falsch verstandenes Fortschrittsdenken, sei es im Kapitalismus mit Ausbeutung der Naturreserven, sei es aber auch in einer falsch verstandenen Utopie des Marxismus, speziell von Ernst Blochs Ausformung in dessen philosophischem Hauptwerk „Das Prinzip Hoffnung", die eher sogar noch das technologische Fortschrittsdenken um einer vermeintlichen „Befreiung" des Menschen von „entfremdender" Arbeit fördert, indem sie seine Versklavung unter das Diktat der Technik in Kauf nimmt. Jonas rät dringend, von diesem utopischen Ideal Abschied zu nehmen und stattdessen eine nicht-utopische Ethik der Verantwortung zu etablieren, die über den Aufweis einer begründeten Furcht mit ebenso begründeter Hoffnung verantwortlich die Gegenwart gestaltet.
Das Buch ist ein überaus wichtiger Beitrag in einer Welt, in der wir ständig unsere Grenzen weiter stecken wollen, oft zu weit, bedenkt man die noch gar nicht abzusehenden Folgen unseres Handelns zum Beispiel in der Gentechnologie. (10.04.06)
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hochaktueller Klassiker - nach wie vor lesenswert!, 16. März 2007
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Prinzip Verantwortung: Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation (suhrkamp taschenbuch) (Gebundene Ausgabe)
Darf die Menschheit kollektiven Selbstmord begehen? Dass sie technisch dazu in der Lage ist, darüber bestehen bereits seit Jahrzehnten keine Zweifel. Die Philosophie hatte lange Zeit keine Antwort auf diese und andere Probleme des technologischen Zeitalters. Hans Jonas lieferte in seinem Hauptwerk von 1979 die philosophische Theorie zu den Bedrohungen durch die schier unbegrenzte Macht des Fortschritts. In "Das Prinzip Verantwortung" ruft er nach Zügeln, die die Menschheit von der Zerstörung ihrer selbst abhalten. Jonas zeigt auf, wieso die herkömmliche Ethik angesichts der großen Bedrohungen der Zivilisation nicht mehr hinreichend ist. Er kritisiert die Utopie des Marxismus, der genau wie der Kapitalismus auf der Ausbeutung der Natur beruht und die vergebliche Hoffnung auf einen besseren Menschen nährt. Der Philosoph hält diesem irrigen Wunschglauben das hässliche Bild des schlimmstmöglichen Endes entgegen. Nur durch die Furcht vor der Apokalypse könne die Menschheit zur Vernunft gebracht werden. Statt den Menschen mit Ernst Blochs "Prinzip Hoffnung" untergehen zu sehen, nimmt Jonas ihn mit dem "Prinzip Verantwortung" in die Pflicht. Jonas' Verantwortungsethik legte den Grundstein für eine Debatte um die Zukunft der Welt, die bis heute nichts an Aktualität verloren hat.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Von der Weiterwohnlichkeit der Welt., 16. April 2011
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Prinzip Verantwortung: Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation (suhrkamp taschenbuch) (Gebundene Ausgabe)
"Vorläufig "hat" uns die horizontale Dynamik, die wir selbst entfesselt haben."
(Hans Jonas)

Und Jonas fährt fort, dass er die Abschaffung des Transzendenten für den "kolossalsten Irrtum" der Geschichte hält, aber ebenso macht er deutlich, das "derzeit und bis auf weiteres die Verantwortung für das, was einmal im Gange ist und von uns selbst im Gange gehalten wird an erster Stelle kommt".

Es scheint wieder geboten, Hans Jonas zu lesen. Schocks und Hypes, wie Bernd Ulrich in der "DIE ZEIT" es nannte, haben uns in den letzten Monaten begleitet. Ob nun die Frage der Umwelt mit Stuttgart 21 und mit Fukushima, ob die Frage der Revolte von Tunesien bis Libyen, ob die Frage der "Beziehungen" von Sarrazin bis Mixa und ob die Frage nach den Veröffentlichungen von Wikileaks bis Guttenberg jeweils unter dem Primat einer Verantwortungsethik a priori zu beantworten ist oder besser, ob all die Taten unter dem Prinzip Verantwortung begonnen wurden, mag Quintessenz werden nach der Lektüre eines immer wieder aktuellen Buches.

Wenn Jonas feststellt, das "primär die Verantwortung von Menschen für Menschen gilt", dann steckt darin implizit, dass Verantwortung untrennbar zum Sein des Menschen gehört und er damit generell zur Verantwortung fähig ist. Setzt man dieses voraus, dann so Jonas, bedürfe die Pflicht zur Nachkommenschaft keiner Begründung, dann bedürfe auch die Übernahme von Verantwortung keiner weiteren Bekräftigung, die man den Nachkommen im Sinne der Hinterlassenschaft als Pflicht bejaht. Jonas entzieht sich in diesem Sinne keiner umwelt-ethischen Frage. Vielmehr gelingt es ihm, nicht nur die Pflichten gegenüber kommenden Generationen zu verdeutlichen, sondern auch zu einer neuen Deutung der Natur zu kommen. Letzte entspringt einer Ethik, die Metaphysik und Ethik verbindet aus der Deutung der aktuellen Zeit mit Rückblick auf bekannte Gedanken (Kant).

Totalität, Kontinuität und Zukunft sind die drei Merkmale, die Jonas dem Begriff der Verantwortung zuschreibt. Und weiterhin gilt das Prinzip Verantwortung für alles Lebendige: "Nur das Lebendige also in seiner Bedürftigkeit und Bedrohtheit - und im Prinzip alles Lebendige - kann überhaupt Gegenstand der Verantwortung sein." Konnte Platon noch dem Dauerhaften den Tribut zollen, eben jener Ewigkeit, die aus der primären Verantwortung sich des Menschens entledigte und diesen nur zur Teilhabe an den göttlichen Ideen zuließ, nimmt Jonas die Ontologie der Zeit, die das transzendente Sein abgeschafft hat. Nietzsches "souveräne Werden" tritt in den Vordergrund und damit wird im Vergänglichen das Eigentliche gesucht. Mit der zeitlich begrenzten Sichtweise, dem sub specie temporis im Gegensatz zum sub species aeternitas in Spinozas Ethik, kann Verantwortlichkeit des Menschen zum dominierenden Moralprinzip werden. Für Jonas wird dann Verantwortung zum "moralischen Komplement zur ontologischen Verfassung unseres Zeitlichseins".

Mit dem Unglück in Japan tritt vielleicht die Klarheit des Restrisikos in den Vordergrund. Dieses bisher als real-existierende Hypothese klein zu halten, hat nun ein Ende. "Die Zukunft der Menschheit ist die erste Pflicht menschlichen Kollektivverhaltens im Zeitalter der modo negativo >>allmächtig<< gewordenen technischen Zivilisation", schreibt Jonas über die Zukunft von Menschheit und Natur. Hierin enthalten ist die Tatsache, dass der Mensch sich nicht allein schadet, sondern ebenso die Biosphäre, in der er lebt. In der Alternative: Erhaltung oder Zerstörung wird man den politisch strapazierten Begriff "alternativlos" einführen müssen. Jonas verweist jedoch auf die Würde der Natur gegenüber der Willkür in der Macht des Menschen. Folglich bleibt die Utopie des eigentlichen erst kommenden Menschen. Solange diese Utopie schweigt, so Jonas, wende man sich an Nietzsche, der den Übergang zu beschreiben wusste. Wenn wir nun tatsächlich eine Hinwendung zur Verantwortung gegenüber allem Lebendigen im Sinne Jonas als Primat der Zukunft festschreiben, dann könnte man in der Tat mit Nietzsche vom "letzten Menschen" sprechen, der sich diesem von Jonas geforderten "Prinzip Verantwortung" nicht stellte, aber mit dem kommenden (der nicht physisch ist, sondern sich geistig moralisch neu positioniert) eine Zukunft prognostiziert, die dem Prinzip gerecht wird und so die Weiterwohnlichkeit auf dieser Erde garantiert.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Technik und Verantwortung sind untrennbar, 19. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Das Prinzip Verantwortung: Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation (suhrkamp taschenbuch) (Gebundene Ausgabe)
Technikfolgen und die vorangegangene Verantwortung des Menschen umgeben uns täglich. Wahrscheinlich sind sich viele dessen gar nicht bewusst. Nicht nur der Hersteller oder Ingenieur trägt eine Verantwortung auch der Verbraucher. Doch das ist einfacher gesagt als getan. Jonas geht auf die Beziehung des Menschen zur Natur und der Technik auf der Grundlage einer neuen Ethik, einer Technikethik, ein. Diese beschreibt er ausführlich immer in Bezug auf die Verantwortung des Menschen und dessen Moral. Dabei bezieht er sich auch auf bekannte Philosophen, wie Kant oder Marx.
Ein tolles und verständliches Buch.
Ich denke wer sich für Technikfolgenabschätzung interessiert, sollte dieses Buch gelesen haben.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen HANS JONAS Das Prinzip Verantwortung Rez. von Christian Taschl, 26. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Das Prinzip Verantwortung: Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation (suhrkamp taschenbuch) (Gebundene Ausgabe)
Ein Werk, dass das breite Spektrum des Begriffes Verantwortung in sehr kompakter Form bearbeitet und Platz für eigene Gedanken lässt.
Das Buch zeigt ein vielschichtiges Verständnis des Begriffes Verantwortung und führt vor Augen, dass die Diskussion des Themas zu allen Zeiten ein immanentes Anliegen sein sollte.

Empfehlenswert um einen tieferen Einblick in die Thematik Verantwortung und in die Gedankenwelt von Hans Jonas zu erhalten.
Das Prinzip Verantwortung: Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation

Als ideale Ergänzung empfinde ich das Buch: Technik, Medizin und Ethik: Zur Praxis des Prinzip Verantwortung ( von Hans Jonas )
Technik, Medizin und Ethik: Zur Praxis des Prinzips Verantwortung
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