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18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endlich!
"Holzfällen" ist eines meiner Lieblingsbücher überhaupt. Es ist für mich wie Musik in Romanform "gegossen". Beim mehrmaligen Lesen habe ich mir deshalb immer wieder eine Hörfassung gewünscht und mir überlegt, wie diese sich wohl anhören müsste. Nun gibt es endlich eine vollständige Hörbuch-Fassung auf CD, die...
Veröffentlicht am 13. Januar 2007 von Rezensent

versus
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Künstlerleben zum Abgewöhnen
Und wieder ein abgrundtief negatives Buch von Thomas Bernhard. Dieses Mal wird mit Künstlern abgerechnet. Alles was am Künstlerleben schlecht, falsch und verlogen ist, wird hier bis zum Erbrechen durchexerziert. Warum sich Bernhard allerdings selbst für ein Künstlerleben entschieden hat, obwohl er es doch so offensichtlich zutiefst haßt, wird...
Veröffentlicht am 1. Juni 2004 von junior-soprano


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18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endlich!, 13. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Holzfällen: Eine Erregung (Audio CD)
"Holzfällen" ist eines meiner Lieblingsbücher überhaupt. Es ist für mich wie Musik in Romanform "gegossen". Beim mehrmaligen Lesen habe ich mir deshalb immer wieder eine Hörfassung gewünscht und mir überlegt, wie diese sich wohl anhören müsste. Nun gibt es endlich eine vollständige Hörbuch-Fassung auf CD, die offensichtlich schon vor 13 Jahren aufgenommen wurde. Und sie ist, zum Glück, unglaublich gut. Holtzmanns Stimme ist angenehm zu hören, aber nicht beliebig. Sie ist pointiert, aber nicht aggressiv oder überambitioniert. Sie hat den nötigen Schmäh und trifft zudem immer den richtigen Ton zwischen Witz und Tragik - Stimmungen, die im Buch immer wieder von einem zum anderen Halbsatz wechseln. Das Begleit-Booklet enthält zudem interessante Hintergrund-Informationen zu Thomas Bernhard, seinem Werk und speziell zu "Holzfällen", vor allem zu seinen autobiographischen Elementen. Ich werde dieses Hörbuch insgesamt in bester Erinnerung behalten, dachte ich auf dem Ohrensessel.
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bernhard - at his best, 31. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: Holzfällen: Eine Erregung (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Entweder man liebt Thomas Bernhard oder man liebt ihn nicht. Das merkt jeder nach ein paar Seiten. "Holzfällen" ist sein bestes Werk und obwohl es dreihundert Seiten dick ist, sollte man es in einem Zug lesen. Dazu wird man schon gezwungen, weil das Buch weder Absätze, geschweige denn Kapitel enthält. Kommen noch die langen Schachtelsätze dazu, ist man versucht zu sagen, das Buch bestünde aus einem einzigen Satz.

Der autobiographisch gefärbte Erzähler gönnt sich in seinen Gedanken, die er an einem "künstlerischen Abendessen" bei dem verhassten Ehepaar Auersberger in Wien hegt und pflegt, kaum einmal eine Pause. Lediglich bevor der erwartete Burgschauspieler eintrifft, nickt der Erzähler kurz ein. Doch bemerkt das der Leser erst, als der Gast, zu dessen Ehren das Mahl stattfinden soll, bereits angekommen ist.

Die Boshaftigkeiten Bernhards, die seinen Werken eigen sind, erreichen hier einen Höhepunkt. Alle, aber auch wirklich alle kriegen ihr Fett weg. Wiener, Österreicher, Künstler, Schriftsteller usw., niemand ist vor seinem Hohn und Spott sicher. Diese Gemeinheiten, mit denen Bernhard seine Figuren bedeckt, werden noch verstärkt durch Bernhards Sprache der Wiederholungen, Verstärkungen und Modulationen, die der Sprache eine eigentümliche Melodie verleiht. Viele Aussagen werden mehrmals in Variationen wiederholt. Die Boshaftigkeit des Erzählers wird einerseits glaubwürdig gemacht, aber andererseits auch wieder relativiert, dadurch dass sich der Erzähler von einer tiefgreifenden Selbstkritik nicht ausnimmt. Und am Schluss des Buches wägt der Erzähler die eine oder andere Beleidigung wieder ab. Er rennt nach Hause in die Innere Stadt Wiens, die von ihm so gehasste, aber die beste Stadt ...

Das Buch ist zu Recht von MRR in den Kanon der deutschen Romane aufgenommen worden.

P.S. Hat jemand gezählt, wie oft das Wort "Ohrensessel" im Roman vorkommt?
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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Stimme!, 2. November 2004
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Holzfällen: Eine Erregung (Audio CD)
Nachdem Holtzmann "Wittgensteins Neffe" ausvorgelesen hatte, stürzte ich sofort zum nächsten Buchladen, um mir "Holzfällen" zu kaufen (auch wenn ich dieses Bernhard-Opus nicht so sehr schätze), weil ich einfach nicht wollte, daß Holtzmann aufhört, mir daheim Bernhard vorzulesen. Mann kann Bernhard anders vortragen, atemloser, "lungenkranker", aber kaum besser. Diese Stimme -- halb Klarinette, halb Fagott -- mit ihrem, wie ich manchmal glaube, vom Sprecher selbst nicht vollkommen beherrschbaren Tremolo ist eine, nur heraus mit dem Wort: Wonne.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sensationell..., 11. Dezember 2002
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Wortwitz und das ständige Hinterfragen des eigenen Tuns und das der anderen macht dieses Buch einfach herrlich. Manchmal muß man hellauf lachen. Ich liebe dieses Buch, weil es einen bösen Blick auf die gute Gesellschaft wirft, der jämmerlich ausfällt. Jämmerlich wie Kunst zum Selbstzweck der Vermarktung wird und wie Menschen die Kunst zu ihrer Profilierung mißbrauchen. Ein Lesegenuß!
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23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bernhards Abrechnung mit der Wiener Künstlerszene, 24. August 2006
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Holzfällen: Eine Erregung (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Eine große Wohnung im Wien der 80er Jahre an einem Abend im März. Ein wohlhabendes Ehepaar gibt ein Essen zu Ehren eines Burgschauspielers. Während des Wartens auf den Ehrengast sitzt der unschwer als Thomas Bernhard zu erkennende Ich-Erzähler in einem Ohrensessel. Champagner trinkend beobachtet er die anderen Anwesenden und erinnert sich an seine gemeinsame Vergangenheit mit ihnen. In einem inneren Monolog von Buchlänge rechnet der Erzähler in nahezu atemlosen Hasstiraden radikal mit ihren Schwächen, ihrer Vergangenheit und ihrer erbärmlichen Gegenwart ab. Doch die Hölle sind nicht nur die anderen: Der Erzähler nimmt auch sich selbst schonungslos auseinander. Er schwankt dabei zwischen erbarmungsloser Demontage und sentimentaler Hinwendung zu seinen Mitmenschen. Bernhard verwebt seine Themen kunstvoll miteinander und verwendet eine fast musikalische Sprache, er findet immer neue Begriffe für das menschliche Grauen. Trotzdem kein deprimierendes Buch, sondern ein guter, unterhaltsamer Einstieg für Leser, die Bernhard noch nicht kennen.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ideal für Einsteiger, 14. September 2003
Das Buch ist hervorragend lesbar, und das macht es meiner Meinung nach zu einem sehr guten Einstieg für Leute, die noch nichts von Bernhard gelesen haben. Dabei enthält es aber alles, was die Bücher von Bernhard so lesenswert machen: Repetitionen, Zynismus, Polemik und doch einen gewissen Humor.
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Zeit vergeht schnell bei Freunden..., 28. Juli 2006
Von 
Michael Baumann "Michael Baumann" (Uedem, Niederrhein) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Holzfällen: Eine Erregung (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
...sagt sich der Ich-Erzähler dieses Romans - sicher nicht. Und zwar geht es um eine Einladung zu, wie es sehr oft heißt: "künstlerischen Abendessen". Geschildert werden die Erlebnisse des Erzählers (der Presse konnte man bei Erscheinen des Textes entnehmen, dass es sich wohl um Bernhard handelte), der eigentlich, so steht es schon im 2. oder 3. Satz, diese angenommene Einladung für einen "gravierenden Fehler" gehalten hat. Der Erlebende beobachtet sowohl seine verhassten Gastgeber wie die übrigen Gäste von einer Position, die ihm Beobachtungen ermöglichen, ihn aber andererseits aus dem Geschehen raushalten. Er ist ergrimmt über diese Einladung, die er für eine hinterhältige Boshaftigkeit der Gastgeber ("die Auersbergerischen") hält. Er hasst die Gäste, allesamt Künstler und Intellektuelle Wiens, er hasst Wien und Österreich ("widerwärtiger Staat"); er hält alle Eingeladenen für gescheiterte Existenzen, obschon sie alle gefeierte Künstler und Schrifsteller sind. Und dann ist da noch der Schauspieler vom Burgtheater, der erst 2 Stunden später eintrifft, da er vorher noch "Die Wildente" von Ibsen im Burgtheater geben muß; diesen und das Burgtheater hasst der Erzähler ebenfalls leidenschaftlich. Die einzige, mit der sich der Erzähler aus dieser Gesellschaft gut verstand, war Joanna, die allerdings sich im Suff erhängt hat und am Nachmittag zuvor zu Grabe getragen wurde.

Das Buch ist ein typischer Bernhard: und das heißt, man wird ihn entweder lieben oder nach drei Seiten entnervt das Buch in die Ecke werfen. Es bleibt alles beim alten: Da ist einer alleine und will es bleiben: um ihn herum Feinde, Versager, Selbstmörder. Alles in einem Stil verfasst, den man einfach erleben muss: es gibt nichts vergleichbares an cyclusförmiger Wiederholung, die zwar immer wieder irgendwie zum Ausgangspunkt zurückkehrt aber dabei, sozusagen im Gang, die Charaktere beschreibt; besser die Abneigung des Erzählers rüber bringt. Also kurz und gut: für Berndard-Fans ein weiteres Highlight, was man mit Vergnügen lesen wird. Auch für Einsteiger zu empfehlen: entweder man mag es (ihn) - oder halt nicht - was dem Erzähler dieser Geschichte wahrscheinlich einerlei gewesen wäre...
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Künstlerleben zum Abgewöhnen, 1. Juni 2004
Von 
junior-soprano - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Und wieder ein abgrundtief negatives Buch von Thomas Bernhard. Dieses Mal wird mit Künstlern abgerechnet. Alles was am Künstlerleben schlecht, falsch und verlogen ist, wird hier bis zum Erbrechen durchexerziert. Warum sich Bernhard allerdings selbst für ein Künstlerleben entschieden hat, obwohl er es doch so offensichtlich zutiefst haßt, wird ebenfalls deutlich: Bernhard hat die Kunst geliebt! Was er liebte, waren die Inhalte der Kunst, nicht aber der Rest des Kunstbetriebes.
Holzfällen" spielt hauptsächlich auf einer Künstlerparty, zu der Bernhard, trotz großer Bedenken, erschienen ist. Statt sich an den Gesprächen der Gäste zu beteiligen, sitzt er nur in einem Sessel und beobachtet das Geschehen. Statt sich an der Selbstbeweihräucherung der Künstler zu beteiligen, wäre Bernhard dann doch lieber zu Hause und würde in Ruhe allein ein Buch lesen.
Am denkwürdigsten ist die Geschichte der erfolglosen Künstlerin Joana, die den Durchbruch nicht schaffte und sich umbrachte. Bernhard erinnert sich an die Zeit zurück, als sie gemeinsam jung waren und große Träume, von einem Künstlerleben nachhingen. Wenn Bernhard von dieser Frau spricht, ist er nicht mehr der sich selbst bemitleidende, unangenehme Dauergrantler, sondern ein liebenswerter, sympathischer Mensch. Aber diese Stellen sind rar. Überwiegend wieder ein destruktives, ungesundes Bernhard-Werk. Aber durchaus auch eine Warnung an junge Menschen, die sich vom Künstlerleben mehr versprechen, als es ist. Kunst kommt von Können. Und wer Erfolg hat, der muß sich mit Neidern herumschlagen, falls er überhaupt je Erfolg hat. Binsenweisheiten. Schadet aber nicht, daran erinnert zu werden.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Holzfällen- eine Beobachtung, 27. Februar 2002
Rezension bezieht sich auf: Holzfällen: Eine Erregung (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Ein Meisterstück. Die Betrachtungen des "unfreiwilligen" Besuchers, der mit Verächtung und Präzesion gegen die anderen Gäste und Gastgeber, größtenteils im Ohrensessel, gedanklich vorgeht, ohne sich selbst in seiner eigenen "Niedertracht" zu schonen. Bernhard gelingt es kompromisslos mit allen Teilnehmenden des künstlerischen Abendessens hart ins Gericht zu gehen, um sie schlußendlich völlig zu demaskieren. In humorvoller Weise ist dieses Buch sowohl ein tiefer Einblick in die Denkstrukturen Bernards als auch ein Rundumschlag gegen die wiener Kulturszene.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Unterwegs zu Auersberger" oder: Proust in böse, 13. Juli 2011
Von 
Spaddl "spaddl" (SH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Holzfällen - Eine Erregung" ist der bekannteste Roman Bernhards, der durch seinen nach sich gezogenen juristischen Rattenschwanz im deutschsprachigen Roman Mitte der 80er Jahre für Kontroversen sorgte. Der Autor hat sogar veranlassen wollen, dass - aufgrund seiner Wut gegenüber Österreich - seine bereits geschriebenen und zukünftigen Bücher in seinem Heimatland nicht mehr verkauft werden sollen.

Aber wieso provozierte Thomas Bernhard mit diesem Buch so sehr, dass der Autor im Anschluss an die Publikation wegen drei unterschiedlicher Sachverhalte verklagt wurde? Die Handlung in "Holzfällen" wird aus der Sicht eines Ich-Erzählers geschildert, die in einem rasanten Monolog abgefasst, von einem "künstlerischen Abendessen" bei den Auerbergerischen berichtet, der für Künstler und Schriftsteller zu einem Treffpunkt der Künste avanciert. Die Gesellschaft 'wartet' und der Ich-Erzähler urteilt erst abseits von ihr, anschließend gemeinsam mit ihr am Esstisch sitzend mit zynischen, entlarvenden Kommentaren und ergeht sich dabei in seitenlangen Hasstiraden der Extraklasse.
Nachdem der eingeladene und er-'wartete' Burgtheaterschauspieler eingetroffen ist, wird der Ich-Erzähler vom boshaften Beobachter zum aktiven Teilnehmer an der Tafelrunde der Eitelkeiten. Der besagte Burgtheaterschauspieler ergießt sich in Lobhudeleien (über seine eigene Person) und entblößt sich mit seinem Gerede selbst als flacher Un-Intellektueller. Zum Ende verändern sich die Beteiligten, werden aktiver, passiver oder ändern ihre Denk- bzw. Verhaltensweise. Da Thomas Bernhards Romane gänzlich von einer explosiven, spannungsgeladenen Handlung im eigentlichen Sinne befreit sind, lassen sich an dieser Stelle über die bitterböse Auflösung des Abends ebenfalls einige Worte verlieren - ohne eine überraschende Wendung zum Schluss vorwegzunehmen. Schon während der vorherigen Geschehnisse visieren viele Kommentare des Ich-Erzählers sich selbst als Ziel an, so dass der Leser einen selbstkritischen und selbstbewussten (im eigentlichen Sinne des Wortes) Blick auf den Protagonisten erhält. Diese vermeintliche Ehrlichkeit wird durch die letzten Seiten vollständig in Frage gestellt, wobei sich der Ich-Erzähler deswegen zwar hasst, denn durch seine Tiraden hat er vehement versucht, sich von der Abendgesellschaft abzugrenzen, dem Leser wird aber klar: "er ist auch nicht besser als alle anderen!" Das Ende ist so konzipiert, dass der Roman wie ein Kreislauf zu lesen ist - nach Seite 199 kann der Leser direkt wieder auf Seite 7 anfangen - was auch so gedeutet werden kann, dass man machen kann, was man will: dumm gesabbelt wird immer und überall!

Die detaillierte Beobachtung der Persönlichkeiten, vielmehr "Figuren", die Analyse der Gespräche, die die Gesellschaft als oberflächlich, borniert und idiotisch entlarvt, erinnert stark an Marcel Prousts ersten Teil "Unterwegs zu Swann" aus "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit", das ebenfalls ein Sittengemälde einer Gruppe Menschen gezeigt hat, die sich selbst mehr Bedeutung verleiht, als es ihr zusteht. Im Vergleich zu Proust geht Bernhard natürlich wesentlich offensichtlicher, wobei nicht weniger literarisch, zu werke, Bernhard ist jedoch zynischer und stellenweise sogar poetischer.

Der siebte Band der Werkausgabe des Suhrkamp-Verlages ist aufgrund der Hintergrundgeschichte des Romans mit einem 75 (!)-seitigem Nachwort ausgestattet, das sich gewohnt gut lesen lässt und mit vielen fundierten Fakten und Daten aufwartet. Das Lesebändchen, der nussbraune Einband und das qualitativ hochwertige Papier verschönert das Lesenvernügen ungemein, so dass sich der Preis (doch) rechtfertig.

Auf Thomas Bernhard, insbesondere auf "Holzfällen", muss man sich defintiv einlassen wollen: sein konsequenter Monolog, seine wunderbar bösen Hasstiraden und seine wiederholende Schreibweise sind nicht jederlesers Sache. Aufgrund dieses Romans lässt sich das erste Mal deutlich zeigen, dass Bernhard seinen Ruf als "enfant terrible" Österreichs mehr als verdient hat.
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Holzfällen: Eine Erregung (suhrkamp taschenbuch)
Holzfällen: Eine Erregung (suhrkamp taschenbuch) von Thomas Bernhard (Taschenbuch - 28. Januar 2001)
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