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Kundenrezensionen

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am 31. Juli 2007
Entweder man liebt Thomas Bernhard oder man liebt ihn nicht. Das merkt jeder nach ein paar Seiten. "Holzfällen" ist sein bestes Werk und obwohl es dreihundert Seiten dick ist, sollte man es in einem Zug lesen. Dazu wird man schon gezwungen, weil das Buch weder Absätze, geschweige denn Kapitel enthält. Kommen noch die langen Schachtelsätze dazu, ist man versucht zu sagen, das Buch bestünde aus einem einzigen Satz.

Der autobiographisch gefärbte Erzähler gönnt sich in seinen Gedanken, die er an einem "künstlerischen Abendessen" bei dem verhassten Ehepaar Auersberger in Wien hegt und pflegt, kaum einmal eine Pause. Lediglich bevor der erwartete Burgschauspieler eintrifft, nickt der Erzähler kurz ein. Doch bemerkt das der Leser erst, als der Gast, zu dessen Ehren das Mahl stattfinden soll, bereits angekommen ist.

Die Boshaftigkeiten Bernhards, die seinen Werken eigen sind, erreichen hier einen Höhepunkt. Alle, aber auch wirklich alle kriegen ihr Fett weg. Wiener, Österreicher, Künstler, Schriftsteller usw., niemand ist vor seinem Hohn und Spott sicher. Diese Gemeinheiten, mit denen Bernhard seine Figuren bedeckt, werden noch verstärkt durch Bernhards Sprache der Wiederholungen, Verstärkungen und Modulationen, die der Sprache eine eigentümliche Melodie verleiht. Viele Aussagen werden mehrmals in Variationen wiederholt. Die Boshaftigkeit des Erzählers wird einerseits glaubwürdig gemacht, aber andererseits auch wieder relativiert, dadurch dass sich der Erzähler von einer tiefgreifenden Selbstkritik nicht ausnimmt. Und am Schluss des Buches wägt der Erzähler die eine oder andere Beleidigung wieder ab. Er rennt nach Hause in die Innere Stadt Wiens, die von ihm so gehasste, aber die beste Stadt ...

Das Buch ist zu Recht von MRR in den Kanon der deutschen Romane aufgenommen worden.

P.S. Hat jemand gezählt, wie oft das Wort "Ohrensessel" im Roman vorkommt?
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am 13. Januar 2007
"Holzfällen" ist eines meiner Lieblingsbücher überhaupt. Es ist für mich wie Musik in Romanform "gegossen". Beim mehrmaligen Lesen habe ich mir deshalb immer wieder eine Hörfassung gewünscht und mir überlegt, wie diese sich wohl anhören müsste. Nun gibt es endlich eine vollständige Hörbuch-Fassung auf CD, die offensichtlich schon vor 13 Jahren aufgenommen wurde. Und sie ist, zum Glück, unglaublich gut. Holtzmanns Stimme ist angenehm zu hören, aber nicht beliebig. Sie ist pointiert, aber nicht aggressiv oder überambitioniert. Sie hat den nötigen Schmäh und trifft zudem immer den richtigen Ton zwischen Witz und Tragik - Stimmungen, die im Buch immer wieder von einem zum anderen Halbsatz wechseln. Das Begleit-Booklet enthält zudem interessante Hintergrund-Informationen zu Thomas Bernhard, seinem Werk und speziell zu "Holzfällen", vor allem zu seinen autobiographischen Elementen. Ich werde dieses Hörbuch insgesamt in bester Erinnerung behalten, dachte ich auf dem Ohrensessel.
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Eine große Wohnung im Wien der 80er Jahre an einem Abend im März. Ein wohlhabendes Ehepaar gibt ein Essen zu Ehren eines Burgschauspielers. Während des Wartens auf den Ehrengast sitzt der unschwer als Thomas Bernhard zu erkennende Ich-Erzähler in einem Ohrensessel. Champagner trinkend beobachtet er die anderen Anwesenden und erinnert sich an seine gemeinsame Vergangenheit mit ihnen. In einem inneren Monolog von Buchlänge rechnet der Erzähler in nahezu atemlosen Hasstiraden radikal mit ihren Schwächen, ihrer Vergangenheit und ihrer erbärmlichen Gegenwart ab. Doch die Hölle sind nicht nur die anderen: Der Erzähler nimmt auch sich selbst schonungslos auseinander. Er schwankt dabei zwischen erbarmungsloser Demontage und sentimentaler Hinwendung zu seinen Mitmenschen. Bernhard verwebt seine Themen kunstvoll miteinander und verwendet eine fast musikalische Sprache, er findet immer neue Begriffe für das menschliche Grauen. Trotzdem kein deprimierendes Buch, sondern ein guter, unterhaltsamer Einstieg für Leser, die Bernhard noch nicht kennen.
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am 11. Dezember 2002
Der Wortwitz und das ständige Hinterfragen des eigenen Tuns und das der anderen macht dieses Buch einfach herrlich. Manchmal muß man hellauf lachen. Ich liebe dieses Buch, weil es einen bösen Blick auf die gute Gesellschaft wirft, der jämmerlich ausfällt. Jämmerlich wie Kunst zum Selbstzweck der Vermarktung wird und wie Menschen die Kunst zu ihrer Profilierung mißbrauchen. Ein Lesegenuß!
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am 14. September 2003
Das Buch ist hervorragend lesbar, und das macht es meiner Meinung nach zu einem sehr guten Einstieg für Leute, die noch nichts von Bernhard gelesen haben. Dabei enthält es aber alles, was die Bücher von Bernhard so lesenswert machen: Repetitionen, Zynismus, Polemik und doch einen gewissen Humor.
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Und wieder ein abgrundtief negatives Buch von Thomas Bernhard. Dieses Mal wird mit Künstlern abgerechnet. Alles was am Künstlerleben schlecht, falsch und verlogen ist, wird hier bis zum Erbrechen durchexerziert. Warum sich Bernhard allerdings selbst für ein Künstlerleben entschieden hat, obwohl er es doch so offensichtlich zutiefst haßt, wird ebenfalls deutlich: Bernhard hat die Kunst geliebt! Was er liebte, waren die Inhalte der Kunst, nicht aber der Rest des Kunstbetriebes.
Holzfällen" spielt hauptsächlich auf einer Künstlerparty, zu der Bernhard, trotz großer Bedenken, erschienen ist. Statt sich an den Gesprächen der Gäste zu beteiligen, sitzt er nur in einem Sessel und beobachtet das Geschehen. Statt sich an der Selbstbeweihräucherung der Künstler zu beteiligen, wäre Bernhard dann doch lieber zu Hause und würde in Ruhe allein ein Buch lesen.
Am denkwürdigsten ist die Geschichte der erfolglosen Künstlerin Joana, die den Durchbruch nicht schaffte und sich umbrachte. Bernhard erinnert sich an die Zeit zurück, als sie gemeinsam jung waren und große Träume, von einem Künstlerleben nachhingen. Wenn Bernhard von dieser Frau spricht, ist er nicht mehr der sich selbst bemitleidende, unangenehme Dauergrantler, sondern ein liebenswerter, sympathischer Mensch. Aber diese Stellen sind rar. Überwiegend wieder ein destruktives, ungesundes Bernhard-Werk. Aber durchaus auch eine Warnung an junge Menschen, die sich vom Künstlerleben mehr versprechen, als es ist. Kunst kommt von Können. Und wer Erfolg hat, der muß sich mit Neidern herumschlagen, falls er überhaupt je Erfolg hat. Binsenweisheiten. Schadet aber nicht, daran erinnert zu werden.
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TOP 500 REZENSENTam 27. Dezember 2012
Thomas Bernhards Roman »Holzfällen« war kaum erschienen, das wurde das Buch in Österreich am 29. August 1984 gerichtlich beschlagnahmt und verboten. Der in dem Text angeblich dargestellte Komponist Lampersberg und seine Frau, die Sängerin Maja Lampersberg, meinten sich in dem Werk wieder zu erkennen und hatte die Klage ausgelöst. Erst im Februar 1985 konnte eine außergerichtliche Einigung erzielt werden, die Klage wurde zurückgezogen und der »Schlüsselroman« wieder frei gegeben.
In dem Text beschreibt der Erzähler, der von London nach Wien zurückgekehrt ist, wie er bei einem Spaziergang vom Ehepaar Auersberger angesprochen und zu einem »künstlerischen Abendessen« eingeladen wird. Obwohl er die Auersbergers hasst und überhaupt keine Lust auf eine derartig fragwürdige Geselligkeit hat, sagt er zu und erscheint.

Den Ablauf des Abends schildert Bernhard nun mit dem für seinen Stil typischen Endlossätzen aus der sicheren Perspektive eines Ohrensessels, von dem aus er die Szene beobachtet. Er verflucht sich und seinen Leichtsinn, die Einladung der Auersbergers angenommen zu haben, da sich beide durch extreme Langeweile und Hohlheit auszeichnen. Frau Auersberger ist Sängerin, Herr Auersberger Komponist, ein »armseliger talentierter Spießbürger«, ein »vom Vermögen seiner Frau stumpfsinnig gewordener Gesellschafts-Kopist«.

Die geladenen Gäste, die er sämtlich von früher kennt und seitdem verachtet, seien ursprünglich alle nach Wien gekommen, um dort Karriere zu machen. Allerdings hätten sie es lediglich zu »Künstlerattrappen« gebracht. Die »leben und leben und leben und langweilen sich im Grunde durch ihr ganzes Leben und werden älter und älter und älter und sind nichts als nutzlos«.

Besonders stinkt dem Erzähler das mitternächtliche Erscheinen des Stargastes des Abends, einem selbst gefälligen Schauspieler vom Burgtheater, der an diesem Abend als Ekdal in Ibsens »Wildente« aufgetreten war. Die Figur des unentwegt psalmierenden und fressenden und psalmierenden Schauspielers gibt Bernhard Anlass zu einer giftigen Suada über die Wiener Theaterszene im Allgemeinen und das Burgtheater im Besonderen. Bei dem Stargast des »künstlerischen Abendessen« handele es sich um den »Prototypus des durch und durch fantasielosen und also völlig geistlosen Poltermimen«, gleichwohl das Publikum gebannt an seinen Lippen hänge, welchen Unsinn auch immer aus seinem Munde ströme.

Im Anschluss an das Nachtmahl legt der Burgschauspieler, der mehrere Gläser Wein getrunken hat, ein pathetisches Bekenntnis zur Natur ab: »Wald, Hochwald, Holzfällen, das ist es immer gewesen«, notiert Bernhard, der bald darauf als letzter Gast die Wohnung verlässt. Zuvor belügt er der Auersbergerin noch nach Strich und Faden. Es sei ein ganz besonders gelungener Abend gewesen, er fände den Burgschauspieler ganz einzigartig, und er schätzte ihr künstlerisches Abendessen über alle Maßen, schleimt er, wo die gesamte Veranstaltung ihm doch nichts weniger als abstoßend erschienen war.

»Um uns aus einer Notsituation zu erretten, denke ich, sind wir selbst genauso verlogen wie die, denen wir diese Verlogenheit andauernd vorwerfen und derentwegen wir alle diese Leute fortwährend in den Schmutz ziehen und verachten, das ist die Wahrheit; wir sind überhaupt um nichts besser, als diese Leute, die wir andauernd nur als unerträgliche und widerliche Leute empfinden, als abstoßende Menschen, mit welchen wir möglichst wenig zu tun haben wollen, während wir doch, wenn wir ehrlich sind, andauernd mit ihnen zu tun haben und genauso sind wie sie.«
Angeekelt von sich selbst stürzt er schließlich nach draußen, einzig beseelt von dem Wunsch, sofort alles niederzuschreiben.

Bernhards »Holzfällen« ist ein tosender Sturzbach der Worte, ein endloser Satzschwall, den er erbricht, und der keine Gemeinheit und Niederträchtigkeit auslässt. Der Text ist eine ätzende Kritik an der feinen Wiener Gesellschaft, am Künstlertum, am Theater, an der Schauspielerei. Dem Autor ist die faszinierende Gabe des exakten Beobachtens gegeben, die bis in das sorgfältige Zerlegen eines Satzes beim Löffeln einer Suppe reicht.

Mit »Holzfällen« schleudert Bernhard seinen Hass auf die ihn umgebende Gesellschaft hinaus und macht zugleich deutlich, dass diese Verachtung Selbsthass ist, der ihn treibt. Seine Verachtung wiederholt er in immer wiederkehrendem Rhythmus, der Ravels »Bolero« angepasst ist, der wie als ein deutlicher Hinweis am Laufe des Abends auf den Plattenteller gelegt wird. Entsprechend der Musik schreibt Bernhard im Ostinato, in stetiger Wiederholung, die das Mahlwerk seiner Gedanken hervorbringt.

Dabei, und das macht die eigentliche Virtuosität Bernhards aus, ist es kein Klagegesang eines alten Grantlers, den er vorlegt. Der Text ist vielmehr in jeder Hinsicht komisch, er ist sogar dermaßen grotesk, dass der Leser nicht lächeln, nein, laut lachen muss, folgt er der Schilderung des Abends. »Holzfällen« ist eine gewaltig-geniale Schmähschrift auf den Kunstbetrieb und die Gesellschaft. Das Buch liest sich wie im Rausch, wenn man sich auf den eigenwilligen Stil Bernhards einlässt. Es ist gut nachzuvollziehen, dass die Veröffentlichung des urkomischen Werks diejenigen, die sich erkannten, auf die Palme getrieben hat. In Wien war es jedenfalls lange Jahre Mode, darüber zu spekulieren, wer denn der ein oder andere Protagonist in Wirklichkeit sei
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am 17. April 2012
"Hochwald! Holzfällen!" - Wie öde muss wohl das Gesprächsniveau der Wiener Kulturbürger beim geschilderten "Nachtmahl" gesunken sein, dass diese beiden Begriffe - plötzlich in die Runde gesprochen - den Verkünder zu einem "philosophierenden" Menschen machen?

Doch Vorsicht. Wir haben es hier mit einem Erzähler zu tun, der sein subjektives Empfinden auf die Spitze treibt. Der ohne besondere Veranlassung die komplette Riege seiner lanjährigen Bekannten, ja Freunden und Förderern, in Bausch und Bogen unangespitzt in den Boden rammt. Zumindest gedanklich, "auf dem Ohrensessel sitzend".

Nach dem Motto 'Schadenfreude ist die reinste Freude' läßt sich der Leser gerne in die Endlosschleife einer meisterlich komponierten Beschimpfungs-Partitur ziehen. Und dazu passend natürlich die Einstellung 'der Feind meines Feindes ist mein Freund', wenn der bis gerade eben noch verachtete Burgtheater-Schauspieler des Erzählers Schriftsteller-Konkurrentin auf die Hörner nimmt. ("Ein ganzes langes Nachtmahl sitzen wir mit einem jener Wiener Kunstpopanze zusammen, mit einem dieser perversen Pseudokünstler, wie sie uns in dieser Stadt zu Hunderten immer wieder begegnen ... alle diese wiederwärtigen Wiener Maler und Bildhauer und Schriftsteller und Musikmacher und Schauspieler ... - und machen aufeinmal die Beobachtung, dass sich ein ... auf uns eine abstoßende Wirkung ausübender Mensch, zu einem Interesse erweckenden Philosophierenden macht ... Augenblicksphilosophen ...").

Auch wenn der Bekanntheitsgrad der vom Autor in der Luft zerrissenen Personen und Institutionen längst gegen Null tendieren mag: allein die Vorstellung, sich mit der Vorlage für einen seinerzeitigen Wiener Kulturskandal zu beschäftigen, regt Phantasie und Lesevergnügen an.

Wie zumeist bei Th.Beinhart, so wird auch hier die Hass-Tirade immer wieder durch Einschübe zum Kippen gebracht, in denen er dankbar der einst erfahrenen Zuneigung und Hilfe gedenkt und sich nahezu gramvoll in "mea culpa"-Selbstanklage suhlt. Ja, auch ich bin so ein unwürdiges, mieses Schwein ... - und ein unaufrichtiger A...kriecher obendrein, wie sich nach der Beendigung des Nachtmahls in der Abschiedsszene erweist.

Diese - mit einem ganz eigenen Humor - wohlabgewogene Mischung aus Schwarz und Grau beschreibt die vollkommen neurotisierte Charakterstruktur des karrieregeilen 'Kulturschaffenden' in (wohl auch autobiografisch) entwaffnender Offenheit. Und führt nicht zuletzt auch beim Leser zu peinlicher Selbsterkenntnis. - Die Kehrseite der blindwütigen Eifersucht auf Alle, die es zu etwas (mehr?) gebracht haben.
Menschen, die mit ihrer eingebildeten Genialität am Rande stehen und sich vorgeblich nicht die Hände schmutzig machen wollen, doch einer echten Auseindandersetzung/Konkurrenz nicht im Entferntesten gewachsen wären.

Fazit: Wenn man schon Einiges von Bernhard kennt, vermag sich hier nur in Grenzen seine Originalität zu entfalten. Eine angenehm ermüdende Bettlektüre, die man jederzeit an jeder Stelle wiederaufnehmen kann, ohne den (Handlungs-?)Faden zu verlieren.
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am 28. Juli 2006
...sagt sich der Ich-Erzähler dieses Romans - sicher nicht. Und zwar geht es um eine Einladung zu, wie es sehr oft heißt: "künstlerischen Abendessen". Geschildert werden die Erlebnisse des Erzählers (der Presse konnte man bei Erscheinen des Textes entnehmen, dass es sich wohl um Bernhard handelte), der eigentlich, so steht es schon im 2. oder 3. Satz, diese angenommene Einladung für einen "gravierenden Fehler" gehalten hat. Der Erlebende beobachtet sowohl seine verhassten Gastgeber wie die übrigen Gäste von einer Position, die ihm Beobachtungen ermöglichen, ihn aber andererseits aus dem Geschehen raushalten. Er ist ergrimmt über diese Einladung, die er für eine hinterhältige Boshaftigkeit der Gastgeber ("die Auersbergerischen") hält. Er hasst die Gäste, allesamt Künstler und Intellektuelle Wiens, er hasst Wien und Österreich ("widerwärtiger Staat"); er hält alle Eingeladenen für gescheiterte Existenzen, obschon sie alle gefeierte Künstler und Schrifsteller sind. Und dann ist da noch der Schauspieler vom Burgtheater, der erst 2 Stunden später eintrifft, da er vorher noch "Die Wildente" von Ibsen im Burgtheater geben muß; diesen und das Burgtheater hasst der Erzähler ebenfalls leidenschaftlich. Die einzige, mit der sich der Erzähler aus dieser Gesellschaft gut verstand, war Joanna, die allerdings sich im Suff erhängt hat und am Nachmittag zuvor zu Grabe getragen wurde.

Das Buch ist ein typischer Bernhard: und das heißt, man wird ihn entweder lieben oder nach drei Seiten entnervt das Buch in die Ecke werfen. Es bleibt alles beim alten: Da ist einer alleine und will es bleiben: um ihn herum Feinde, Versager, Selbstmörder. Alles in einem Stil verfasst, den man einfach erleben muss: es gibt nichts vergleichbares an cyclusförmiger Wiederholung, die zwar immer wieder irgendwie zum Ausgangspunkt zurückkehrt aber dabei, sozusagen im Gang, die Charaktere beschreibt; besser die Abneigung des Erzählers rüber bringt. Also kurz und gut: für Berndard-Fans ein weiteres Highlight, was man mit Vergnügen lesen wird. Auch für Einsteiger zu empfehlen: entweder man mag es (ihn) - oder halt nicht - was dem Erzähler dieser Geschichte wahrscheinlich einerlei gewesen wäre...
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am 2. November 2004
Nachdem Holtzmann "Wittgensteins Neffe" ausvorgelesen hatte, stürzte ich sofort zum nächsten Buchladen, um mir "Holzfällen" zu kaufen (auch wenn ich dieses Bernhard-Opus nicht so sehr schätze), weil ich einfach nicht wollte, daß Holtzmann aufhört, mir daheim Bernhard vorzulesen. Mann kann Bernhard anders vortragen, atemloser, "lungenkranker", aber kaum besser. Diese Stimme -- halb Klarinette, halb Fagott -- mit ihrem, wie ich manchmal glaube, vom Sprecher selbst nicht vollkommen beherrschbaren Tremolo ist eine, nur heraus mit dem Wort: Wonne.
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