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Kundenrezensionen

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am 29. April 2015
Sylvia Plath klingt majestätisch, ja, sogar ein bisschen wie die englische Königin wenn sie ihre Gedichte rezitiert. Während sie vom emotionalen Mord am Vater berichtet oder von der Kunst des Sterbens erzählt, macht ihre Stimme nicht einen einzigen zittrigen Schlenker. Es scheint als verhöhne ihr würdevolles Vibrato die Intimität ihrer sehr persönlichen Texte.
In Wirklichkeit schafft sie Distanz zu ihrer Lyrik, die zwar immer von eigenen Erfahrungen handelt, aber gleichzeitig in einem engen metrischen Korsett steckt. Ganz genau wie ihre Stimme.
Anfang der 1960er Jahre hat sich Sylvia Plath längst einen Namen als Dichterin gemacht und lebt gemeinsam mit dem Autor Ted Hughes zusammen. Nach vielen gescheiterten Versuchen ihren ersten Roman zu schreiben, gelingt es ihr 1962 endlich „Die Glasglocke“ fertig zu stellen. Auch hier dient – wie sollte es anders sein – ihr eigenes Leben als Inspiration.
Es ist der Sommer des Jahres 1953 als die junge Collegestudentin Esther Greenwood die ländliche Idylle ihrer Heimat hinter sich lässt und nach New York geht. Zuvor hatte sie bei einem Schreibwettbewerb einer Modezeitschrift gewonnen und wurde mit elf anderen Mädchen eingeladen, einen Monat lang in der Redaktion zu hospitieren. Was sich anfangs wie die antiquierte Variante einer Sex and the city-Kolumne liest – es geht um Glamour, Männer und, ein bisschen gediegener, um Sex – entpuppt sich Seite für Seite als ironische Entzauberung des Luxus-Mythos und der Existenzkrise einer jungen Frau, die eigentlich alles hat um glücklich zu sein. Oder zumindest erfolgreich. Der Bruch folgt jedoch keineswegs abrupt, die Tragik der Ich-Erzählerin Esther Greenwood offenbart sich nur in beinahe hilflosen selbstreflexiven Momenten, und wird in den meisten Fällen mit viel Humor verschleiert. Erst nach der Rückkehr aus New York in das Haus ihrer Mutter und der nun drängenden Zukunftsfrage werden die psychischen Abgründe durchsichtiger. Esther ist sich nun bewusst, dass sie sich weder an ihre gesellschaftliche Rolle anpassen kann, noch ihre selbstgesteckten Ziele verfolgen will. Was Sylvia Plath besonders gut beherrscht, ist die schonungslose Thematisierung eines menschlichen Phänomens, das heute und auch in Zukunft noch von Bedeutung ist: Zugehörigkeit. Oder aber Anders-Sein. Die große Depression all jener, die von innerer Leere und Überfülle geplagt sind, den Ambivalenten, die sich zu beiden Polen hingezogen fühlen. Die Protagonistin Esther erklärt ihren Zustand anhand der Titelmetapher, einem Leben „unter der Glasglocke in meinem eigenen sauren Dunst“. Ihre Umwelt wird immer bedeutungsloser, die Gedanken kreisen nur noch um die Sinnlosigkeit ihres Daseins und gipfeln schließlich in einem Suizidversuch. Was darauf folgt, ist ein mühsamer Kampf mit den eigenen Dämonen und die Einweisung in eine psychiatrische Klinik. Besonders hier, in den düsteren Momenten, während auch die Ironie versagt, beweist Plath ihr außergewöhnliches Schreibtalent mittels atemberaubenden Metaphern und einer gleichsam ehrlichen wie angsteinflößenden Fragilität.
Der Tod im Allgemeinen ist ein wiederkehrendes Motiv von Sylvia Plath, ein Stigma ihrer Arbeit – und auch das ihres Lebens. Für ihre Titelfigur entwarf sie ein hoffnungsvolles Ende, das zu den wenigen fiktionalen Elementen ihres Werkes gehört. Sie selbst beendete ihr Leben wenige Wochen nach Veröffentlichung ihres Romans. Den großen und anhaltenden Erfolg verdankt die Glasglocke der Frauenbewegung in den 70er Jahren, dank der Plath posthum zu einer Ikone aufstieg. Trotz der teils feministisch geprägten Haltung einer Frau in den biederen 50er Jahren, ist die „Glasglocke“ vielmehr eine manchmal witzige, oft traurige, aber immer brillant verfasste Charakterstudie. Sylvia Plath selbst beschrieb den Roman gern als „Brotarbeit“ und „nur zur Übung“. Dabei hatte sie ihre Stimme bestimmt völlig unter Kontrolle. Wie immer also, wenn sie unter ihrer Glasglocke saß und mit den Außenstehenden sprach.
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am 3. Februar 2005
Schleichend gerät das Empfinden, Wahrnehmen und Denken der neunzehnjährigen Esther Greenwood in den Bann einer schweren Depression. Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch wird sie in eine Nervenheilanstalt eingewiesen.
In "Die Glasglocke" erforscht Sylvia Plath nicht die Ursachen der Depression, sondern sie beschreibt den Krankheitsverlauf, und zwar auf eine außergewöhnlich anschauliche und beklemmende Weise, in einer eleganten Sprache mit zahlreichen gelungenen Vergleichen und Metaphern. Ungeachtet des bedrückenden Inhalts sind einige der Szenen komisch, aber das wirkt nicht humorvoll, sondern sarkastisch.
Mit diesem Roman beweist Sylvia Plath, dass sie nicht nur eine bedeutende Lyrikerin ist, sondern auch eine geniale Erzählerin. Bedauerlicherweise hat die amerikanische Schriftstellerin nur diesen einzigen Roman geschrieben.
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am 5. April 2010
Manche Bücher sind ein etwas schwierig zu rezensieren, weil sie einem viel abverlangen, oder weil man durch sie mehr von sich preisgeben könnte, als man eigentlich möchte. "Die Glasglocke" ist ein solches Buch. Ich versuche es dennoch.

Die "Geschichte" (eigentlich ist es in großen Teilen eine Autobiographie) spielt im spießigen Amerika der 50er Jahre, das unserer Zeit an manchen Stellen allerdings erschreckend ähnlich ist, und handelt von der Studentin Esther Greenwood, die ein Stipendium an einem angesehenen College hat. Zu Beginn des Buches weilt sie in New York und arbeitet dort für eine Zeitung. Als sie für den Sommer zurück nach Hause kommt, erwartet sie dort ein Brief; sie wurde für einen Sommerkurs nicht angenommen. Kurze Zeit später versucht sie sich das Leben zu nehmen und kommt in die Psychiatrie.

Esthers Lebensweg scheint vorherbestimmt: College, nebenbei Steno und Maschineschreiben lernen, damit sie als Sekretärin arbeiten kann und dann ein Leben als brave Hausfrau und Mutter. Doch sie kann sich damit nicht anfreunden, überhaupt geht sie eher teilnahmslos durchs Leben. Sie schildert ihre Zeit in New York kühl und distanziert bis angeekelt. Die Partys, die anderen Mädchen mit denen sie von einem gesellschaftlichen Ereignis zum nächsten gejagt wird, all das ist nicht ihre Welt, all das erfüllt sie nicht. Die Frage was sie eigentlich will stellt sich häufiger, die Antwort findet sich eher zwischen den Zeilen. Sie will Wahlfreiheit, sie will sich nicht entscheiden müssen und sie will selbstbestimmt leben, auch wenn das bedeutet eben keine eindeutige Entscheidung zu treffen. Ihre Wahl ist die Nicht-Wahl, das gleichzeitige Nutzen zweier Alternativen. Buddy Willard, der Medizinstudent und All-American-Boy, der ihr Mann werden sollte, nannte sie deswegen neurotisch. Esther gab dies bereitwillig zu, einer der wenigen Moment im Buch, in denen ein bisschen Emotion durch ihre Fassade zu erkennen war.

Als sie schließlich über den Sommer zu Hause festsitzt, verschlechtert sich ihr Zustand sehr. Sie kann nicht mehr schlafen, ihre Verweigerungshaltung, die vorher nur in Ansätzen zu erkennen war, ist auf dem Höhepunkt. Sie sucht sich keine anderen Sommerkurse, sie ruft sogar im College an und hört sich selbst sagen, dass sie keine weiteren Kurse belegen wird. Sie versucht einen Roman zu schreiben, kommt aber nicht über die ersten Zeilen hinaus. Ihre Mutter will ihr Stenographie beibringen, doch Esther weiß keinen Beruf den sie ausüben wollte bei dem man das bräuchte. Sie überdenkt alle Möglichkeiten die sie hat und verzweifelt daran dass sie scheinbar nichts kann. In ihre Gedanken mischen sich immer öfter Überlegungen wie sie sich selbst töten kann, sie versucht sich zu ertränken, kauft sich Rasierklingen, schafft den entscheidenden Schritt allerdings erst als sie Schlaftabletten nimmt und sich in einer Nische im Keller versteckt.

Esther kommt schließlich durch ihre Gönnerin in eine private psychiatrische Anstalt, wo sie erstmalig von einer Frau behandelt wird. Die Behandlung durch einen männlichen Psychiater vorher, hatte ihr außer einer traumatischen Elektroschockbehandlung nicht weiterhelfen können.
In der Klinik werden ihre Depressionen langsam weniger, die Glasglocke, die sie von der Außenwelt abtrennt und sie gleichzeitig zum Forschungsobjekt für andere macht, hat sich angehoben und lässt einen "Luftzug" zu ihr herein. So seltsam wie es auch klingen mag, letztendlich erreicht Esther Selbstbestimmung durch Empfängnisverhütung. So kann sie Erfahrungen machen, ohne direkt befürchten zu müssen ein Baby zu bekommen. Sie muss Buddy Willard nicht heiraten, der so bigott ist und von ihr erwartet Jungfrau zu sein, während er selbst jede Menge Erfahrungen gesammelt hat. Sie muss das Bild der Frau als unterstützendes Anhängsel eines Mannes nicht erfüllen, die zu Hause bleibt, während ihr Mann Karriere macht und sich Geliebte hält. Ihr stehen alle Wege offen.
Das mehr oder weniger positive Ende wird allerdings dadurch getrübt, dass sich Esthers reales Alter Ego Sylvia Plath letztendlich doch das Leben genommen hat.

Plaths Glasglocke ist ein wahres Meisterwerk! Sie versteht es mit ihre wunderschönen Sprache Bilder zu malen die eindrücklich sind und gleichzeitig sehr unaufdringlich. Man muss allerdings ebenso zwischen den Zeilen lesen können, denn vieles erschließt sich auch aus dem was sie nicht schreibt. Wer sich jemals in einer emotional ähnlichen Situation befunden hat, wird sicher vieles von Esther in sich wiedererkennen. Es ist eine wirkliche Schande, dass diese Plaths einziger Roman ist, mit ihr ist ein großes Talent verloren gegangen!
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am 7. Januar 2013
Inhalt:
Die 19-jährige Collegestudentin Esther Greenwood , die für ein Praktikum im New York der 50er Jahre wohnt, versucht sich selbst zu finden und gleitet bei dieser Suche in eine schwere Depression ab. Sie will nicht, wie es zu der Zeit Regel war, die nette Ehefrau eines Mannes werden, ihre Karriere hinten anstellen, für Haushalt und Kinder leben. Jedoch fühlt sie sich auch unsicher, eigene feste Schritt zu wagen, wirklich in die andere Richtung zu steuern, ihre innerliche Zerrissenheit, die Ablehnung an einem College und eine tiefe Verlorenheit gipfeln letztlich in einem Selbstmordversuch, der sie in eine Nervenheilanstalt bringt.

Meine Meinung:
Es ist wirklich schwer, einen hochgelobten Klassiker zu kritisieren, aber ich persönlich muss einfach feststellen, dass nichts was ich über das Buch gelesen habe, wirklich zutrifft.

Der Beginn ist, wenn man so sagen möchte, langatmig, allerdings aber auch eine Art ausführliche Einleitung. Man lernt Esther Greenwood und ihre Arbeit in New York kennen. Liest von Parties, zu denen sie sich ihrer Arbeitskolleginnen wegen hinreißen lässt, von Liebe, die von Esthers Seite ziemlich blockiert wird und lebt sich einfach mal in die Welt des Mädchens ein. Mit diesen Schilderung ist die Hälfte des Buches befüllt, die psychische Erkrankung tritt erst in der anderen Hälfte auf.

In Rezensionen las ich von Worten wie: destruktiv, wahnsinnig, bedrückend, niederschmetternd – nicht bei Depressionen zu lesen! Die Worte klingen schön reißerisch, anschließen kann ich mich ihnen nicht. Darin sehe ich nämlich den großen Minuspunkt des Buches – es berührt nicht. Die Gefühle, sie sind irgendwo oberflächlich eingeflechtet und haben bei mir keinerlei emotionale Regung ausgelöst. Sylvia Plath hat, wie viele vielleicht wissen, sich selbst das Leben genommen, weshalb sie vermutlich wusste, worüber sie schrieb, aber alleine durch diesen Aspekt wurden die Worte für mich nicht eindringlicher.

Die Behandlungsmethoden der damaligen Zeit sind furchtbar (Elektroschocks), zu dieser Einsicht kommt der Leser relativ schnell, allerdings ist da eine Distanziertheit und Kühle an Esther, dass ich da nicht mitleiden konnte. Mein Verstand sagte mir: schreckliche Dinge, aber im Herzen, da kam die Botschaft nicht an. Finde auch, dass die Beschreibung der Depression keinen Informationscharakter besitzt. Würde das Buch jetzt niemanden empfehlen, wenn er wissen wollen würde, wie Menschen eine Depression erleben, dafür ist es für mich zu aussagelos.

Für mich der ausdrucksstärkste Satz im ganzen Buch:
Aber als es so weit war, sah die Haut an meinem Handgelenk so weiß und wehrlos aus, daß ich es nicht fertigbrachte. Es kam mir vor, als wäre das, was ich töten wollte, nicht in dieser Haut oder in diesem schwachen blauen Puls, der unter meinem Daumen pochte, sondern woanders, tiefer, versteckter und viel schwerer zu erreichen. (Seite 156)

Sylvia Plath ist eine interessante Persönlichkeit, weshalb ich schon eine Biografie von ihr gelesen und geliebt habe, aber „Die Glasglocke“ ist, wenn ich es so dreist sagen darf, für mich überbewertet. Es ist eine interessante Geschichte, aber ihr fehlt es eindeutig an emotionaler Tiefe, da hat mich das Buch einfach nicht erreichen können. Schriftstellerisch braucht man nicht diskutieren, da ist es ein grundsolides Werk und man merkt, dass die Autorin ihr Handwerk verstand.

Fazit:
Mich hat das Buch leider emotional überhaupt nicht erreicht und ich kann die Faszination gegenüber dem Werk nicht verstehen.
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am 27. Oktober 2013
Es gibt Bücher, in die man sich bereits beim Lesen des ersten Satzes verliebt. Verlieben muss. Auch wenn sie eher bedrücken, diese ersten Worte, als das Herz leichter zu machen. Und das Lieben nachfolgend schwer und schwerer lastet, besonders wenn die Haut zwischen Glasglocke und Leser hauchdünn ist. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb bleiben der erste Satz und all die Beklommenheit der anderen fast verfolgend erhalten. Auch lange danach. Verstehen, was nicht zu verstehen und fühlen, was nicht fühlbar ist. Weil es ja aufhört, das Fühlen. Unter der Glocke. Und doch ist da ein Begreifen. Und das ist die eigentliche Leistung dieses Buches. Abgesehen von einer unaussprechlichen Poesie der Sätze. Die, wie in Stein gemeißelt, nachwirken. Und diese Episoden um das immer sichtbare Ende ohne jeden Anfang. Die so schwer zu verdauen und dabei doch so leicht zu ergründen sind. Meistens jedenfalls. Alles, was man der Heldin am Ende wünschen möchte: Ist ihre Befreiung. Und eine andere Zeit.

"Er würde sich in seinem Sessel zurücklehnen, würde die Fingerspitzen zu einem kleinen Kirchturm zusammenlegen und mir sagen, warum ich nicht schlafen, nicht lesen, nicht essen konnte und warum mir alles, was die Leute taten, so albern vorkam, da sie zuletzt ja doch nur starben. Und dann, so stellte ich mir vor, würde er mir helfen, Schritt für Schritt wieder ich selbst zu werden."
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am 9. April 2009
Ich bedauere aufrichtig, das die "Glasglocke" der einzige Roman von Sylvia Plath ist. Ansonsten würde ich mir sofort weitere zulegen.
Erstmal zum InhDie ehrgeizige und talentierte Literaturstudentin Esther Greenwood hat ein vierwöchiges Volontariat bei einer New Yorker Modezeitschrift gewonnen. Die Metropole rührt sie in vielerlei Hinsicht auf: Das ihr anerzogene Pflichtgefühl passt nicht zu der ungewohnten Freiheit in der Großstadt. Sie sehnt sich nach ersten sexuellen Erfahrungen, möchte aber gleichzeitig die Erwartungen ihrer Mutter und ihres Freundes Buddy nicht enttäuschen.
Bei der Rückkehr aus New York erfährt sie, dass sie nicht zu dem Schriftstellerkurs angenommen wurde, auf den sie sich gefreut hatte. Esthers innere Zerrissenheit und die Langeweile in der Kleinstadt vergrößern die Depression des Mädchens, das schließlich von ihrer Mutter an einen Psychologen verwiesen wird. Er unterzieht sie einer Elektroschocktherapie, worauf Esther verschiedene Selbstmordmethoden ausprobiert. Nach einem Suizidversuch erkennt Esther im Krankenhaus, dass sie sich immer »unter der gleichen Glasglocke« befindet, gleich, ob sie »auf dem Deck eines Schiffes oder in einem Straßencafé in Paris oder Bangkok« saß. Kurz vor der Entlassung »aus der Anstalt« lernt sie Irwin, einen Mathematikprofessor, kennen, der sie defloriert. Durch die sexuelle Erfahrung gestärkt, verkraftet sie den Freitod ihrer Freundin Joan ebenso wie die Trennung von Buddy, der ihr mit Blick auf die Zeit, die Esther in der Nervenheilanstalt verbringen musste, die Frage stellt: »Ich bin gespannt, wer dich jetzt heiratet, Esther.« In diesem Satz kulminiert die gesamte Spießbürgerlichkeit der amerikanischen Gesellschaft, die Esthers Leiden ausgelöst hat.
Dieser Roman ist eine schonungslose Abrechnung an der amerikanischen Gesellschaft, welche keine eigenen, andersartigen Individuen zulässt. Ein Zustand, an dem sich bis heute nicht geändert hat. Und auch, wie Esther an ihrer Selstverwirklichung scheitert. Sie landet in der Anstalt und wird mehr gequält als behandelt. Beim Lesen schwankte ich zwischen Mitgefühl und Wut. Nichts für schwache Nerven, aber unbedingt lesen.
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am 21. November 2007
Ich weiß nicht, wem es gelingen könnte, das Verzweifeln am Leben intensiver und eindrücklicher zu beschreiben als Sylvia Plath.

Dieser Roman ließ mich nicht nur nachdenklich, sondern hochgradig aufgewühlt, bedrückt, zitternd und mit klopfendem Herzen zurück.
Ein geniales Meisterwerk!
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Es gibt so Bücher, die verpasst man, weil man sie nicht kennt. Klingt banal, ist aber ein trauriges Übel. So wurde ich auch auf "Die Glasglocke" von Sylvia Plath erst aufmerksam, als ich von dem Kinofilm über das Leben der (mir bis dato ebenso unbekannten) Dichterin las. Investigativerweise suchte ich im Netz nach Infos und fand unter anderem ihr Gedicht "Daddy", das mich sehr beeindruckte- und von dort war es nur ein kurzer Schritt zu Plaths einzigem Roman. In der "Glasglocke" liest man über ein junges Mädchen, Esther Greenwood (Zufall, dass man den Namen so schnell vergisst?), die erst in New York, dann zu Hause in der Provinz allmählich am Leben erstickt, oder am Nicht-Leben, oder am Verkehrt-Leben oder an Anderem. Die Ursache ist weniger wichtig, Wert legt die Autorin in dem semi-autobiographischen Werk vor allem darauf, Esthers Gefühlszustände auszuarbeiten und durch die Sprache nach außen dringen zu lassen. Und das gelingt ihr- vor allem im zweiten Teil- schmerzhaft gut. Man spürt förmlich die "Glasglocke", die sich über Esther herabsenkt, die Dumpfheit, durch die sie nur noch die Umgebung fühlen kann, die Gleichgültigkeit, in der sie ertränkt und die nur von dem fast automatisierten Bemühen durchbrochen wird, eine sanfte Suizidmethode zu finden. Geradezu beklemmend sind die Stellen, an denen eine solch elementare Hoffnungslosigkeit durchschimmert- wobei dieses Wort fast schon zu aktivisch gewählt ist. Es ist mehr eine Lähmung, die sie befallen hat. Auch wenn Plath ihre Erzählung nicht ganz von Klischees freihalten kann (die verständnislose Mutter, der inkompetente Arzt)- doch sind nicht alle Motive mittlerweile zum Klischee verkommen?- so wirkt ihre Geschichte fast immer authentisch, fühlbar und furchtbar. Hinzu tritt die immense Sprachgewalt der Dichterin, die sie in wunderbaren Bildern ausschöpft.
Auch wenn manches an der "Glasglocke" ein wenig überlebt wirkt- immerhin ist der Roman schon vierzig Jahre alt- so ist doch sein Thema vielleicht gerade heute ungebrochen akut, auch wenn ich das nicht auf die bloße Orientierungslosigkeit einer Generation reduzieren möchte. Hinter diesem Symptom steckt bei Plath und auch im Leben viel mehr, und "Die Glasglocke" bietet eine gute Gelegenheit, sich in diese Welt hineinzufühlen.
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am 19. Juni 2016
Der 1963 kurz vor Plaths Tod erschienene Entwicklungsroman der Esther Greenwood literarisiert die eigenen Erfahrungen der hochbegabten und unglücklichen Autorin aus den 50er Jahren. Von ihr selber als „Brot- und Lehrlingsarbeit“ heruntergespielt, sollte er über die erwiesene Lyrikbegabung hinaus nun ihr schöpferisches Talent auch für Prosa und die Romanform unter Beweis stellen. Er tat es – posthum, und wurde zu einem Schlüsseltext und Bezugspunkt der Frauenbewegung der 70er Jahre. Zunächst aber raubten die ablehnenden Kritiken Sylvia Plath, ohnehin angegriffen durch ihre bipolare Störung und die Trennung von Ted Hughes, den letzten Lebensmut und stärkten ihren Wunsch, aus dem Leben zu scheiden.

Der Roman liest sich flüssig. Der Stil ist elegant und treffsicher, mokant- schnippisch bis sarkastisch. Die begabte und ehrgeizige Esther hat, zusammen mit neunzehn weiteren jungen Frauen aus dem ganzen Land im Schreibwettbewerb einer Modezeitschrift ein Praktikum oder besser eine Hospitation in der Redaktion gewonnen. Die jungen Damen sind in einem „ Frauenhotel“ untergebracht, werden herumgereicht und zu Vorträgen und Gesprächen geladen. Esther ist hin- und hergerissen zwischen ehrfürchtiger Bewunderung der großen Welt und einer frühreif-blasierten, selbstbewußten Ablehnung dieses Jahrmarkts der Eitelkeiten, der wenig überzeugenden Verkleidung platter Interessen und Egoismen. Die eigene Unsicherheit, der abrupte Wechsel zwischen hochfliegenden Träumen von der Schriftstellerkarriere und tiefen Gefühlen des Ungenügens sind der Grund für diese Orientierungslosigkeit. Natürlich ist das Vergleichen und die lauernde Konkurrenz unter den jungen Frauen immer präsent, die hier eine willkommende Bühne haben, ihren erotisch-sexuellen Status zu erproben und zu markieren. Die strategische Vorbereitung der ersten sexuellen Erfahrung bereitet der Protagonistin viel Kopfzerbrechen. Als sie um Erfahrungen reicher, aber doch eher frustriert nach Hause zurückkehrt in den Alltag und die Ödnis der heimatlichen Kleinstadt, eskaliert ihre Depression. Sie macht einen Suicidversuch und wird psychiatrisch behandelt. Elektroschocks bleiben ihr nicht erspart.

Der Roman ist ein blendendes und lesenswertes Portrait der amerikanischen Gesellschaft der 50er und beginnenden 60er Jahre. Des amerikanischen Traums bzw. dessen, was greifbar wird, wenn er Fleisch wird. Natürlich sind uns die Amerikaner nur ein Stück voraus. Es ist genauso unser Thema. Plath dekonstruiert den amerikanischen Mythos, nicht streitbar und erzürnt, sondern mit den der Literatur gegeben Mitteln der Ironie, verblüffender und erfrischender Analogien und Metaphern und manchmal einer vorgeschützten Naivität, die an sokratische Dialoge erinnert. Notwendig ist die Zeichnung einer gesellschaftlichen Realität mit einer Selbstaussage verbunden. Esther sieht und fühlt Ungenügen und Minderwertigkeit, Mutlosigkeit und Zukunftsangst. Hellsichtigkeit und analytischer Blick für ihre Umwelt um den Preis tiefer Selbstunsicherheit und Labilität. Die alte Koinzidens von geschärfter Beobachtung und Reflexivität, aus der nicht zwingend Kreativität erwächst, aber die doch eine notwendige Voraussetzung künstlerischer Produktion ist und selbstquälerischer Depressivität.

Große stilistische Eleganz und ein wohldosierter melancholischer Sarkasmus machen die Lektüre der „Glasglocke“ zu einem Erlebnis.
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am 19. Juli 2005
Für mich ist Sylvia Plath eine unter den wichtigsten Frauenfiguren der Literatur.
Ich habe dieses Buch für die Uni gelesen, ohne Vorwissen. Und war von der ersten Seite an gefesselt!
Ich würde jedem Leser der Glasglocke raten, erst nach der Lektüre des Romans eine Biographie, Monographie über Sylvia Plath zu lesen. Dann wirds unheimlich...
In der Glasglocke schreibt Sylvia Plath (ich darf es andeuten, autobiographisch) über Esther Greenwood, eine fleißige, hübsche Collegestudentin und ihren seelischen und psychischen Zusammenbruch mit 19 Jahren.
Grandios schildert Plath, wie sich der Zustand in der Glasglocke (das Eingesperrt sein, keine Luft zu bekommen, abgeschnitten von der Welt zu sein) langsam in Esthers Leben hineinschleicht.
Als Leser versucht man dahinter zu kommen, wo denn die Wurzeln für dieses Unglück liegen und wird auch bald fündig.
Nach einem Aufenthalt in einer Klinik (mit abstrusen Behandlungen, wie Insulin-Schocks und noch schlimmer Elektro-Schocks!!!!!) wird Esther als geheilt entlassen.
Das ist die spannende Rahmenhandlung. Doch viel mehr interessieren uns Esthers Gefühle, Gedanken, ihre Umgebung, ihre Familie, ihre Freunde.
Wir merken, dass sie ein sehr intelligentes und begabtes Mädchen ist, doch sie hadert mit dem anscheinend vorprogrammierten Frauenschicksal in den 1950er Jahren in den USA.
Scharf kritisiert sie Geschlechterunterschiede, die gesellschaftlich gemacht sind.
Ohne es zu wissen, wird Plath zu einer Feministin nach heutiger Definition.
Auch Esther will leben, lieben wie es ein Mann tut. Sie will studieren, einen Beruf ausüben, lieben, eine Familie haben, aber nicht ihre Identität verlieren.
Dieser Roman ist nicht sehr geeignet für Personen, die keine stabile Psyche haben, bzw. selbst Erfahrungen mit Suizidversuch, Tabletten, Kliniken... haben.
Generell sage ich aber, dass dieser Roman (übrigens Plath einziger) sehr empfehlenswert ist.
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