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5.0 von 5 Sternen "Wen die Götter lieben, den lassen sie jung werden." (Wilde), 1. August 2007
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Das Bildnis des Dorian Gray (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
"Auf dieser Welt spielen sich nur zwei Tragödien ab:
in der einen bekommt man nicht, was man will, in der anderen bekommt man es.
Erstere ist schmerzlicher, letztere die wahre Tragödie."
(Oscar Wilde)

Dorian Gray ist eines der bekanntesten und meistgelesenen Romane der englischen Literatur und zudem ein Steinbruch der Aphorismen. 1891 hat Wilde (1854-1900) seine letzte Fassung als Buch veröffentlicht. Als Grund für dieses Buch werden unterschiedliche Thesen herangezogen, sei es nun Laune, Wette oder einfach nur eine Antwort auf Huysmans "A rebours", die Gründe scheinen ziemlich belanglos ob des prophetischen biographischen Inhalts, der mehr als besticht.

Was macht aber dieses Buch für das Heute so interessant? Einmal ist es sehr aktuell, weil das Prinzip der ewigen Jugend im Zeitalter von Anti-Aging weiterhin verführerisch ist. Dann gelingt es Wilde, die Charaktere dieser Erzählung als Spiegel der widersprüchlichen und sich doch ergänzenden Momente der eigenen Person darzustellen. Dieses Paradoxon ist selbst- wie fremdbezüglich, gelingt es ihm doch, gemäß der Zeit, die Kunst als natürlich darzustellen, so, als übernähme die Kunst die Natur, im Bildnis ihn selbst, wie der Inhalt der Geschichte belegt.

Was ist gemeint? Dorian verliebt sich narzisstisch in sein Bild, gemalt von Basil, der ihn sehr verehrt. Um ewig so schön zu bleiben, bittet er als Gebet, sein Bild möge an Stelle seiner altern. Dieses passiert tatsächlich und gibt der Geschichte den äußeren Rahmen. In diesem Rahmen lebt er gemäß der die Natur überwindenden Dekadenz, seine Arbeit ist rein aristokratisch und besticht durch gepflegtes Nichtstun. Sein Habitus entspricht den gesellschaftlichen Vorstellungen, die in unterschiedlicher Umgebung angepasst sich offenbart. So wie seine Leidenschaft seiner eigenen Schönheit und sich selbst gegenüber erst in der Lebensphilosophie des Lord Henry aufblühen kann, so gewinnt er mit seinen Freunden Basil, der Maler, Lord Henry, der Lebensphilosoph erst ein Korrektiv. Basil repräsentiert die Kontrollinstanz, die er selbst als Dorian Gray dringend benötigt. Er gibt sich dem Triebleben ungehindert hin, während Lord Henry seine gesellschaftliche Maske repräsentiert. So wie Mephisto erhitzt Lord Henry das Innere des Getriebenen, der wie Faust, sich an keinem Augenblick verweilen möchte. Ewig jung scheint Dorian auf diese Weise zu bleiben und doch erschrickt er vor dem alternden Bildnis. Das Artifizielle übernimmt das Natürliche, das Bild übernimmt seinen Lebensprozess, wie er es erlebt bei der geliebten Schauspielerin Sibyl, die in der gespielten Liebe ihm alles zu geben scheint aber in der realen Welt der Liebe an ihm klanglos scheitert. Wie Gretchen geht sie in den Tod, einziges Mittel, der gescheiterten Realität durch ein letztes Schaustück zu entfliehen.

Zwanzig Kapitel umfasst Wildes Werk, Kap. 11 ist ein Umbruch, Dorian rekapituliert seine letzten 18 Jahre des Lebens. Dieses Kapitel ist nahezu ein Selbstgespräch, kein Dialog ist zu finden. Er berichtet von einem Buch, ein Geschenk von Lord Henry, das ihn vergiftet hat. Huysmans Werk ist gemeint.

Dorians Episode endet nicht weniger tragisch als die derjenigen, die ihm begegneten. "Wer die Schönheit angeschaut mit Augen, / Ist dem Tode schon anheim gegeben" dichtete August von Platen und Wilde sah mit Dorian diese Wahrheit. Die Romantik hatte Wilde bereits hinter sich gelassen und doch spürt er sie begierig nochmals auf, als er Dorian auf Aufforderung Lord Henrys Chopin spielen lässt, die Nocturnes ein letztes Mal und genau in dem Zusammenhang, wo Dorian Besserung seines dekadenten und ausschweifenden Lebens verspricht. Er spürt, dass seine Gewalt gegenüber seinen Widersachern nichts bringt, der Mord an Basil erst recht in ihm ein Gewissen erzeugt. Der Doppelgänger zweier Leben, real und in der ins Leben geholten Phantasie, erkennt die Endlichkeit des Teufelspaktes erst im eigenen Leid. Das gealterte Bildnis ist ein Fluch und er ersticht sich selbst in diesem und mit diesem Tod des Bildes erstrahlt es wie neu und schön. Dorian selbst ist tot, die Runzeln des Bildes sind nun bei ihm, die Natur hat die Kunst besiegt.

Basils hingebungsvolle Liebe gegenüber Dorian ist bereits der prophetische Hinweis auf die spätere Liebe zwischen Oscar Wilde und Lord Alfred Douglas, die sich erst im Jahr der Buchveröffentlichung kennenlernten. Wilde erkennt mit Dorian Gray am Ende, dass diese Hoffnung auf ein vita nouva eine einzige schlüssige Diagnose fordert: die Diagnose des Scheiterns. "Kultur und Verderbnis ... Von beiden habe ich kennengelernt. Es erscheint mir jetzt schrecklich, dass man sie zusammen finden sollte".

Und doch schmerzt sein Geheimnis. Homosexualität ist ein Makel. Er möchte der Gesellschaft jedoch noch direkter diesen Irrsinn aufzeigen. "Teleny" erscheint vier Jahre später und wird zur ungehemmten Offenbarung.
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Das Bildnis des Dorian Gray (suhrkamp taschenbuch)
Das Bildnis des Dorian Gray (suhrkamp taschenbuch) von Oscar Wilde (Taschenbuch - 26. August 1997)
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