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5.0 von 5 Sternen Japanische Schiffsbesatzung am russischen Kulturhorizont, 13. September 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Sturm: Roman (Gebundene Ausgabe)
Eine ungeheure Materialfülle wie akribische Recherche sind in dieses faszinierende Buch eingegangen, dessen Bezeichnung 'Roman' allerdings eine arge Untertreibung darstellt. Denn DER STURM von Yasushi Inoue, 1966 im japanischen Original veröffentlicht, ist dazu ein viel zu komplexer Text; er verbindet auf geschickte Weise Elemente von authentischen Reiseberichten und ethnologischen Kommentaren mit denen der Tragödie und einer verhaltenen kulturphilosophischen Meditation, um als facettenreiche Einheit schließlich die wahre Geschichte der Irrfahrt des Kapitäns Kôdayû und seiner Besatzung zu erzählen. Auf einer Handelsfahrt vom japanischen Shiroko nach Edo 1782 in einen Sturm geraten, landen die 17 Seefahrer nach achtmonatigem Herumtreiben auf der Aleuteninsel Amtschitka, von wo aus sie erst nach vier Jahren auf einem mit russischen Pelzhändlern gemeinsam gebauten Schiff die Weiterreise bis nach Ochotsk antreten, um langsam bis in Herz Sibiriens nach Irkutsk zu gelangen. Immer weiter von der Heimat entfernt, hofft die ständig an Mitgliedern schwindende Truppe jahrelang vergeblich, Antwort auf ihr wiederholt eingereichtes Gesuch um Rückkehrerlaubnis zu erhalten. Erst der unermüdliche Einsatz des Wissenschaftlers Kiril Laxman bewirkt, daß Kôdayû selbst 1791 nach St. Petersburg und schießlich in die Sommerresidenz der Zarin nach Zarskoje Selo reist, wo die erstaunte Katharina II. die Rücksendung anordnet. Während die beiden zum russischen Glauben konvertierten Seefahrer Shinzô und Shôzô in Irkutsk bleiben müssen - und das nicht gänzlich gegen ihren Willen - um die japanische Sprache zu unterrichten, erreichen schließlich Kôdayû und sein jüngerer alter ego, Isokichi, 1792 wieder die Heimat.
Doch spätestens mit eben jener so sehr ersehnten Rückkehr nach Japan verwandeln sich für Kôdayû wie auch Isokichi endgültig die Konzepte von Heimat und Ferne, vom Eigenen und Fremden. Ihre Odyssee - zunächst als Schicksalsschlag begriffen, dann zunehmend als bestmöglich zu überbrückende Zeit des Anschauens - entpuppt sich rückblickend als Bildungs- und Entwicklungsreise, an deren Ausgang die beiden zwar keine Russen geworden, aber längst keine Japaner mehr sind. Vielmehr repräsentieren sie zwei für ihre Zeit ungewöhnliche Menschen, die im aufgeschlossenen Eintauchen in eine zunächst unbekannte Kultur aus dem Korsett der heimatlichen Mentalitätsstarre herauswachsen konnten und ihr erneutes Leben auf dieser Insel stagnierenden Denkens plötzlich als pures Gefangenendasein empfinden müssen. Es ist dem Japaner Inoue hoch anzurechnen, wie er diese Identitätsproblematik einerseits auf profundem Faktenreichtum grundiert und dabei historische Dokumente geschickt sprechen läßt, andererseits seine authentischen Figuren aus einer kunstvollen Distanz und mit stetem Blick für verborgene Zusammenhänge so skizziert, daß sie dem Leser plastisch nachvollziehbar einen Teil ihres Innenlebens offenbaren. Dabei spiegelt der weltoffene Inoue im wissensdurstigen, integren und alles gewissenhaft seinem Tagebuch anvertrauenden Protagonisten Kôdayû auch etwas von sich selbst, und deutet darüber hinaus eine Reihe von Parallelen zwischen Homers literarischem Odysseus und dem tatsächlichen japanischen Irrfahrer an, etwa die zehnjährige Abwesenheit oder der die Rückkehr einleitende Besuch beim König der Phaiaken bzw. bei der russischen Zarin. In Verbindung mit der Tatsache, daß angesichts der gegenwärtig so populären 'Interkulturalität' Inoues unaufdringliche, dafür jedoch umso wirkungsvollere Thematisierung von Eigen- und Fremdwahrnehmung im Kontext früher interkultureller 'Begegnungen' seiner Zeit um einiges voraus war, ergibt sich insgesamt ein viel zu seltener Effekt: DER STURM ist eines jener Bücher, die am Ende mehr als die Summe ihrer Einzelteile ergeben. Wen es nach dessen Lektüre in eine wie auch immer geartete Ferne verschlagen mag, wird möglicherweise umso deutlicher empfinden, wie nah oder eigen plötzlich das Fremde, und wie unendlich weit weg anschließend das zuvor so Vertraute sein kann ... (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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5.0 von 5 Sternen Lebensprägend ..., 5. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Sturm: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Wenn es einen Roman von Inoue gibt, den man als Europäer gelesen haben sollte, dann ist dies zweifelsohne "Der Sturm".

Kaum ein anderes literarisches Werk hat es geschafft, die mittelalterliche kulturelle und wirtschaftliche Isolation Japans, die unendliche Weite Russlands und die Geduld eines Menschen im Glauben an sein eigenes Schicksal in einem einzigen, vollendeten Roman so geschickt zu komponieren.

Wenn im Frühling das mächtige Eis auf der Ankara bricht und für ein weiteres Jahr Europa und Asien getrennt werden, dann bekommt man ein überwältigendes Gefühl für die Menschen, ihre Nöte und Hoffnungen in dieser Zeit der Shogune, Kaiser und Zar(inn)en.

Neben den vielen beachteten Kurzgeschichten und kürzeren Romanen von Inoue (Das Jagdgewehr, Die Berg-Azaleen, Schwarze Flut) ist dies sicherlich die "globalste" und umfangreich recherchierteste Erzählung in seinem Œuvre !
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4.0 von 5 Sternen Sehr interessant, 1. Mai 2013
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Rezension bezieht sich auf: Der Sturm: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dieser Roman hat meine Kenntnisse über Japan doch um einiges erweitert. Es ist ein spannendes, sehr gut geschriebenes Abenteuerbuch - auch bestens geeignet, wenn man mal ein Geschenk für einen männlichen Leser sucht. Habe es im Laufe der letzten Jahre schon etliche Male so weitergegeben.
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4.0 von 5 Sternen Schicksale gefangener Japaner, 11. Dezember 2012
Von 
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Rezension bezieht sich auf: Der Sturm: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Inoues Sprache fesselt auch bei genauester Situationsbeschreibung. Japanische Kultur trifft auf russische des Zarenreiches. Etwas langatmig aber trotzdem sehr interessant.
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4.0 von 5 Sternen Desillusionierende Odyssee, 29. Juni 2011
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Sturm: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Ende des 18. Jahrhunderts. Ein japanisches Handelsschiff gerät in einen Sturm und kommt vom Kurs ab. Nach sieben Monaten auf See ist endlich Land in Sicht, aber die Odyssee beginnt erst jetzt.

Die Erzählung Inoues, die vom Stil her eher an einen Reisebericht als an einen Roman erinnert und auf Tatsachen beruht (die Quellen werden immer wieder genannt), erinnert zunächst an die Irrfahrt Shackletons in das Ewige Eis. Aber spätestens nach der Landung der ursprünglich 17-köpfigen Mannschaft auf einer Russland vorgelagerten abgeschiedenen Insel -es gbt dort nur ein paar Ureinwohner und eine Gruppe russischer Robbenjäger- muss sich die Mannschaft ebenso wie der Leser in Geduld üben. Unsere heutigen Vorstellungen von zeitlichen Dimensionen galten damals nicht: Ein Schiff, das die Inselbewohner auf das russische Festland bringen soll, fährt erst in drei Jahren.

Auch diese Fahrt findet nicht planmäßig statt. Es beginnt eine Odysse der Japaner, deren Zahl sich durch Todesfälle permanent reduziert, durch das gesamte russische Reich...

Ein Buch, das uns viel über das Russland und Japan des ausgehenden 18. Jahrhunderts verrät, das demütig macht und um Verständnis ringt, das von Hoffnungen, Enttäuschungen und Beharrlichkeit lebt und das letztendlich die Rückkehr der Überlebenden nach Japan schildern darf. Allerdings wartet hier die nächste Überraschung.

Ein wertvolles Buch, das Erwartungen relativiert, Weltbilder in Frage stellt und Horizonte erweitert.
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Der Sturm: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Der Sturm: Roman (suhrkamp taschenbuch) von Yasushi Inoue (Taschenbuch - 25. Februar 1997)
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