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Kundenrezensionen

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am 4. September 2006
Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie sich, während Sie die ersten Sätze eines Romans gelesen haben, einfach sagen: Das muss ich lesen? Oftmals entpuppt sich so etwas bedauerlicherweise als Mogelpackung, aber hier sei einmal ein Beispiel im positiven Sinne genannt, die ersten Sätze aus Max Frischs "Stiller":

"Ich bin nicht Stiller! - Tag für Tag seit meiner Einlieferung in dieses Gefängnis, das noch zu beschreiben sein wird, sage ich es, schwöre ich es und fordere Whisky, ansonst ich jede weitere Aussage verweigere. Denn ohne Whisky, ich hab's ja erfahren, bin ich nicht ich selbst, sondern neige dazu, allen möglichen guten Einflüssen zu erliegen und eine Rolle zu spielen, die ihnen so passen möchte, aber nichts mit mir zu tun hat..."

Wohl kaum ein Roman verrät so schnell das eigene ihm zugrunde liegende poetologische Konzept - ein Rollensiel, ein Verwirrspiel um das eigene Ich. Ist der Erzählinstanz zu trauen? Wer ist sie tatsächlich? Das wird sich auf den folgenden Seiten entblättern.
Im Kern geht es um die Selbstfindung des Bildhauers Stiller, der vergeblich versucht, ein anderer sein.

Frisch ist ein Vorreiter der literarischen Verarbeitung vom Konzept des modernen Menschen gewesen. Der an nichts glaubende Techniker Walter Faber erlag der Unberechenbarkeit dieser Welt; ähnlich verhandelt auch Frisch in "Stiller" die Identität des Menschen. In besonderer Weise kommt hier die für Frischs Schaffen typische "Bildnisproblematik" zum tragen. Denn der Mensch dürfe sich, so Frisch, kein Bild von anderen Menschen oder von sich selbst machen. Ein Bildnis führt zu einer Rollenhaftigkeit - sei sie selbst gewählt oder von außen übergestülp, entsprechend handelt ein Großteil des Schaffens von Max Frisch eben von der Befreiung von Rollen und Bildnissen.

"Stiller" ist große Prosa in schlichter, bisweilen üppiger Eleganz.
Das einzig Bedauernswerte an "Stiller" ist, dass man ihn en masse auf Mittel- und Oberstufenklassen loslässt. Wer sich da gequält fühlt, hat meine vollste Sympathie - wer interessiert sich schließlich zwischen 16 und 19 Jahren für grundlegende philosophische Fragen, die man sich erst in einem solchen Text erschließen muss bzw. soll. Allen anderen sei dieser Roman drigend empfohlen! - Ein Lesegenuss auf hohem Niveau!
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am 16. Februar 1999
"Ich bin nicht Stiller! - Tag fuer Tag, seit meiner Einlieferung in dieses Gefaengnis, das noch zu beschreiben sein wird, sage ich es und fordere Whisky, ansonsten ich jede weitere Aussage verweigere!". Das sind die Einleitungssaetze von Max Frisch's bestem Roman "Stiller", in welchem die Indentitaets-Verleugnung des Protagonisten Stiller das Hauptthema des Meisterwerks ist. Max Frisch beherrscht die Faehigkeit, die auf den ersten Blick grotesk erscheinenden Sinnkrisen und Lebenswerte eines Menschen namens Stiller darzustellen, dem die sozialen Zwaenge einer modernen Gesellschaft eine Identitaet verschafft, mit der er sich nicht abfinden will. Er verleugnet seine eigene Identitaet und versucht dabei, seinem sozialen Umfeld seine neukreierte Identitaet zu verkaufen, was aber fehlschlaegt. Er wird mit seiner neuerworbenen Rolle, seiner neuen selbsterschaffenen Identitaet, weder wahrgenommen noch akzeptiert. M. Frisch versteht es meisterhaft, die existenzielle Einzelerfahrung eines isoliertem und von sich selbst enttaeuschtem Menschen als Kollektiv-Erlebnis einer modernen anonymen Gesellschaft in einer grandiosen lyrischen Versprachlichung zu manifestieren. Der Rezipient dieses Buches wird auf jeder Seite sein peroenliches Aha-Erlebnis erfahren, welches immer auch ein gesamtgesellschaftliches Phaenomen bleibt und somit sehr vielen Menschen nicht nur ein Gefuehl der genauen "Nachvollziebarkeit" bietet, sondern ebenfalls ein Gefuehl der Dankbarkeit verleiht - "endlich einer, der aehnliche Gedanken hegt und sogar aufschrieb, die mir immer schon durch den Kopf gingen...!". Das macht dieses Buch so einzigartig und wichtig, und Max Frisch zu einem der bedeutendsten Schriftsteller des Jahrhunderts!
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am 26. August 2014
Mit dem Roman «Stiller» gelang dem Schriftsteller Max Frisch 1954 der literarische Durchbruch. Im Prosawerk des Schweizer Autors ist die Identitätssuche des selbstentfremdeten modernen Menschen das zentrale Thema, es findet sich auch in den späteren Romanen «Homo faber» und «Mein Name sei Gantenbein» wieder, die ebenfalls seinem epischen Hauptwerk zuzuordnen sind. Und so wird denn der vorliegende Roman von dem Versuch seines Protagonisten Stiller beherrscht, der Determiniertheit seiner Handlungsweise zu entkommen, die Triebkräfte seines Inneren zu verstehen. Schon Georg Büchner hat in «Dantons Tod» seinem Helden ja die Frage in den Mund gelegt: »Was ist das, was in uns lügt, hurt, stiehlt und mordet»? Hier nun geht der Held den Weg der Selbstverleugnung, indem er einfach seine Identität wechselt, aus dem Schweizer Anatol Ludwig Stiller wird James Larkin White, ein US-Amerikaner.

«Ich bin nicht Stiller!» lautet denn auch der erste Satz, der laut Edgar Allen Poe ja oft schon die ganze Geschichte enthalte. Der bei seiner Einreise Festgenommne leugnet beharrlich, der jahrelang spurlos verschwundene Bildhauer Stiller zu sein, und er setzt auch alles daran, diese Identität nicht annehmen zu müssen, allen Fakten zum Trotz. Seine zunächst ziemlich kafkaesk anmutende Untersuchungshaft bildet den Hauptteil des Romans, in sieben Heften unter dem Titel «Stillers Aufzeichnungen im Gefängnis» protokolliert er, auf Wunsch seines Verteidigers, das Geschehen aus persönlicher Sicht und kommentiert es. «Die Beziehung zwischen der schönen Julika und dem verschollenen Stiller begann mit der Nussknacker-Suite von Tschaikowsky» schreibt er, eine Musik, die Stiller verächtlich als «virtuose Impotenz» bezeichnete. Er heiratete die grazile Balletteuse ein Jahr später, ihre Ehe aber machte Beide nicht glücklich, ihre Probleme miteinander sind ein zweites Hauptthema des Romans. Und so kommt es zu einer Affäre mit Sibylle, einer verheirateten Frau, die ihren Mann Rolf sehr selbstbewusst darüber informiert. Stiller flieht aus dieser Beziehung und lässt auch seine kranke Frau im Stich, er fährt auf einem Frachter als blinder Passagier in die USA. Der Staatsanwalt, der sich mehr als sechs Jahre später mit seinem Fall zu beschäftigen hat, ist jener Rolf, der nun wieder mit seiner Sibylle zusammenlebt. Er ist es auch, der nach Stillers Verurteilung sein Freund wurde und ein «Nachwort des Staatsanwaltes» schreibt zu den sieben Heften, die er von ihm erhalten hat, wodurch wir Leser den Helden nun noch eine Weile lang begleiten in seiner wahren Identität.

Es ist eine äußerst komplexe Geschichte, in der Max Frisch seine philosophische Thematik, das zu hinterfragende «Ich» also, aufarbeitet. Mit dem Kunstgriff des fingierten «Ichs» in Person von White, aus dessen Perspektive über den Versager Stiller distanziert berichtet werden kann, obwohl die Beiden ja identisch sind, gelingt es ihm, aus einer singulärer Identität auszubrechen und ein zweites, verdecktes «Ich» zu etablieren. Der Ich-Erzähler White berichtet also in der Er-Form über Stiller, aus dieser Position nachdrücklich eine Einheit Stiller/White ausschließend, was dem Text einen gewissen Verfremdungseffekt verleiht und darüber hinaus auch seine Glaubwürdigkeit in Frage stellt. Trotz dieser komplizierten Erzählsituation ist die Geschichte flüssig zu lesen, häufig sogar wird es auch amüsant, so zum Beispiel in den drei gleichnishaften Geschichten, die der Inhaftierte seinem naiven Wärter erzählt, von diesem immer wieder mit einem erstaunten «Tonnerwetter» begleitet. Zum Schmunzeln fand ich ferner die Beschreibungen des Volkscharakters seiner Schweizer Landsleute wie auch der Amerikaner, ebenso köstlich sind die bissigen Anmerkungen zur Architektur in seiner Heimat. Max Frisch erweist sich als ein großartiger, detailversessener Beobachter, seine sprachliche Könnerschaft liegt in der absoluten Treffsicherheit bei der Wortwahl.

«Ohne Mitwirkung des Lesers ist der Stiller weder zu lesen noch zu begreifen» hat Friedrich Dürrenmatt resümiert. Dem kann ich nur zustimmen, möchte aber ergänzen: Der Mühe wert ist es allemal!
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am 28. Januar 2006
Ein Mann – doch wie viele Identitäten
„Ich bin nicht Stiller“ sagt Mr. White nach seiner Verhaftung bei dem Versuch, die Schweizer Grenze zu überqueren. Doch alle Indizien sprechen gegen ihn. Selbst Stillers Frau, dessen Verwandte, Bekannte, Freunde und Kollegen kommen alle zum selben Urteil: Der Mann, der dort in der Zelle sitzt, ist Ludwig Anatol Stiller. Doch Mr. Jim Larkin White beharrt auf seiner Aussage. Bis zweifelsfrei geklärt werden kann, wer den nun in der Zelle einsitzt, weigern sich die Schweizer Behörden, den Gefängnisinsassen zu entlassen.
In Max Frisch Roman „Stiller“, der bereits 1954 erschien, möchte ein Mann nicht der sein, von dem alle glauben, das er es wäre. Objektiv betrachtet ein mäßig erfolgreicher Maler, der mit einer kränkelnden Prima Ballerina verheiratet ist, krankt Stiller daran, an einem entscheidenden Augenblick in seinem Leben versagt zu haben; zumindest in seinen Augen. Als Freiwilliger während des Kampfes der Kommunisten gegen die Franco-Faschisten in Spanien brachte er es nicht über sich, drei feindliche Soldaten zu erschießen. Diese Geschichte, die Stiller förmlich traumatisiert hat, wird im Laufe des Romans in verschiedenen Variationen erzählt, so dass bis fast zum Ende des Romans unklar bleibt, was wirklich damals in Spanien geschah.
Kleiner Feigling
Seit dieser inneren Niederlage versuchte Stiller, auf anderen Wegen seine Unerschrockenheit und Männlichkeit zu beweisen. Doch statt wie ein Hemingwayscher Held den Stier bei den Hörnern zu packen, fand er nie den Mut, den begonnenen Weg konsequent zu Ende zu gehen. So versagt er auch in seiner Ehe mit der Prima Ballerina Julika. Von allen umworben und umschwärmt, erliegt diese dem Werben Stillers, weil sie diesen für einen außerordentlich einfühlsamen, rücksichtsvollen und künstlerischen Menschen hält. Doch schon kurz nach der Eheschließung muss Julika erkennen, dass sie sich in Stiller getäuscht hat und dieser ein kleingeistiger Spießer ist, der vor Selbstzweifeln, Selbsthass und Auto-aggressionspotential nicht in der Lage ist, objektive Realität von falscher Selbstwahrnehmung zu unterscheiden. Stiller stellt sich jedoch auch hier nicht den tatsächlichen Gegebenheiten. Statt die Scheidung einzuleiten zieht er lieber in sein Bildhauer-Atelier und beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit einer verheirateten Frau, die er zu lieben glaubt. Doch selbst jetzt schafft er es nicht, seine Frau zu verlassen und sich zu seiner Geliebten zu bekennen. Als er sich zwischen den beiden Frauen entscheiden soll, flieht er nach Amerika. Doch auch hier findet er keinen Frieden und weiß letztendlich keinen anderen Ausweg mehr, als sich das Leben zu nehmen.
Rollenspiel
Ein Großteil des Romans ist in einer Art Tagebuch geschrieben, welches von White in seiner Zelle verfasst wird. Dort trägt er alles ein, was er über Stiller erfährt und kommentiert gleichzeitig voller Ironie und Sarkasmus seine Erkenntnisse über den Kontrahenten. White ist genau so, wie Stiller gerne gewesen wäre. Unabhängig, erfolgreich, zupackend und männlich hat White seinen goldenen Weg in Amerika gemacht. So muss ein Mann sich die Welt unterwerfen. So sieht sich White und so besteht für ihn keine Motivation, sich zu Identität zu bekennen, die er nur verachten kann. Doch schon schleichen sich Zweifel ein, denn White ist der einzige Zeuge für die Abenteuer von White, wohin gegen diejenigen, die bezeugen, dass White und Stiller identisch sind, deutlich in der Überzahl und glaubwürdig sind. Ist White nur eine Tabula Rasa, ein Pseudonym, ein Alias, ein Gedankenkonstrukt von Stiller? White kann nicht Stiller sein, den Stiller würde sich selber im Weg stehen bei dem Versuch, sein Leben von Grund auf zu ändern. Über dem Grübeln, wie er gerne sein würde und was ihm alles verwehrt ist, vergisst Stiller, auch nur einen einzigen Schritt in irgendeine Richtung zu tun. Bewegungslos im Zentrum seiner Unfähigkeit verharrend bejammert er sich und bemerkt dabei nicht, dass nur seine Untätigkeit dazu führt, dass keine Änderung in seinem Leben eintritt.
Ätzend verletzend
Ulrich Matthes versteht es, genau diese Zerrissenheit, dass schizophrene in Whites Charakter zum Ausdruck zu bringen. Wie Säure in das nackte Fleisch schneidet seine vor Sarkasmus triefende Stimme, wenn er Stillers Versagen kommentiert. Vor innerlichem Vergnügen glitzern Whites Augen, wenn er den Gefängniswächter mit seinen imaginären Verbrechen konfrontiert und auch das versteht Ulrich Matthes audiophil beim Hörer zu imaginieren. Doch auch White ist nicht gefühllos. In den wenigen Augenblicken, wenn bei ihm Zweifel hinsichtlich seiner Identität aufflackern, schürt auch Ulrich Matthes dieses züngeln der Unsicherheit beim Hörer. Zu keiner Zeit verliert er die Kontrolle über den Roman, drängt sich dabei erfreulicherweise nicht durch unnötige Stimmsperenzien in den Vordergrund, sondern projiziert die innere Zerrissenheit der Protagonisten durch Portierung der Wirklichkeits- und Zeitebenen in akustisch von einander unterscheidbaren Sprachduktus.
Fazit: Identitätssuche und – Verleugnung auf hohem literarischen Niveau. Die Lesung von Ulrich Matthes ist unbeschreiblich und nahezu perfekt.
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am 24. April 2002
Zum ersten Mal kam ich mit dem Werk von Max Frisch in der 11. Klasse in Berührung. Mit dem Werk als Schullektüre konnte ich micht nicht anfreunden.
Doch nun habe ich den "Stiller" ein zweites Mal gelesen und muss sagen, dass sich meine Meinung darüber um 180 Grad gewandelt hat.
Kein Zweifel, der "Stiller" ist nicht leicht zu lesen. Man muss sich ernsthaft mit der Person des Stiller/White auseinandersetzen, um ihn und seine Taten zu verstehen.
Anfangs sträubt er sich gegen die unbefriedigende Vergangenheit als Anatol Ludwig Stiller, er beharrt auf seiner Existenz als White.
Doch später beginnt er, sich für die Person des Stiller zu interssieren, bis er zwischen zwei verschiedenen Existenzen gefangen ist. Gerade die Suche nach dem eigenen "Ich" ist zentrales Thema des Werkes.
Hier liegt auch die Wirkung des Werkes begraben:
Der "Stiller" polarisiert und weckt Emotionen.
Die einen werden das Werk hassen und verachten.
Die anderen werden es lieben und als eines der großartigsten deutschsprachigen Bücher des 20. Jahrhunderts erkennen.
In jedem Fall wird man die Figur des Stiller nicht vergessen, seine Individualität macht ihn zum unvergesslichen Charakter.
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am 6. September 2015
Zunächst: Ich höre gerne Hörbücher, und zwar "vollständige Lesung(en)".
Eine Ausnahme war der "Zauberberg" - wegen dem grandiosen Gert Westphal habe ich die Kürzungen in Kauf genommen.
Zur "Stiller"-Lesung:
Den Sprecher, U. Matthes, fand ich bei der Lesung von "Die Vermessung der Welt" ganz passend. Bei "Stiller": eine Qual. Das Timbre ist unpassend. Alles klingt zäh. Spontaner Eindruck: Das ist keine große Literatur. Sollte ich Frisch unrecht tun?
Daher griff ich zum Buch.
Die Kürzungen sind teilweise sehr umfangreich, aber die fehlenden Stellen verleihen dem Werk mehr Tiefe.
Auf der CD erscheint die Davos-Episode wie ein Abarbeiten Frischs an Manns "Zauberberg" [so ein Zufall ;) ]: lungenkranke Frau; Jesuitenzögling; Balkon und Oberarzt... Im Buch ist der Charakter Julika wesentlich vielschichtiger.

Fazit: Nie wieder "gekürzte Lesungen"!
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am 17. September 2013
Hab dieses Buch als knapp Zwanzigjähriger gelesen und es hat mich Viellesenden geprägt wie kein Buch davor oder danach.
Die ewige Suche nach sich selbst und die Verzweiflung darüber, dass einen die Umwelt dauernd in irgendwelche Schubladen steckt. Der Schrecken und gleichzeitig die Faszination, dass man eigentlich viele Menschen auf einmal ist, aber immer nur einen auswählen kann... Nie so gut geschrieben wie hier.
Zugegeben, manche Stellen sind etwas zäh und lang... Wie das Leben halt. Dafür hätte ich fast einen Stern abgezogen, aber es gibt so viele wunderbare Stellen, die sechs Sterne verdient hätten!
Hab das Buch mit gut 30 und jetzt mit über 40 wieder gelesen. Mein Leben hat sich mehrmals radikal geändert. Meine Begeisterung für dieses Buch nicht. Es sagt jetzt anderes als damals, prägt jetzt anders, aber immernoch finde ich mich in Stiller wieder.
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am 18. März 2002
Was bin ich? Welche Rolle spiele ich in der Gesellschaft?
Fragen die sich jeder von uns bereits gestellt hat. Auch Stiller, der Protagonist von Max Frischs Roman STILLER, stellt sich dieser Frage. Er ist unzufrieden mit sich selber und fühlt sich von seiner Umwelt in eine ihn verfremdende Rolle gezwängt. Stiller flüchtet aus der ihm so verhassten Schweiz nach Amerika, verlässt seine an Tuberkulose erkrankte Frau und gibt Freunde und die Arbeit als Bildhauer auf. Nach 6 Jahren kehrt er zurück und behauptet er sei nicht Stiller. Er wird in Untersuchungshaft genommen. Dort beginnt er seine Aufzeichnungen; es folgt ein spannendes Protokoll in dem immer wieder das Motiv der Selbstfindung auftaucht. Stiller ist ein gescheiteter Mann, der akzeptieren muss dass man sich nicht von den gesellschaftlichen Zwängen der auferlegten Rollen trennen kann, und dass man sein Idial des eigenen Selbst niemals errreichen kann. Die Suche nach der eigenen Indentität, ein modernes Problen. STILLER- ein Muss für alle die sich die Frage nach dem Sinn des Daseins stellen. Trotz der komplexen Problematik dieses Romanes- ein gut zu lesender und (F)frisch geschriebener Prosatext
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am 3. September 2004
Vorneweg: Der "Stiller" liest sich nicht von selbst. Obwohl viele einzelne Episoden unglaublich gut herausgearbeitet sind verlangt das Werk in der Gesamtheit dem Leser einiges ab. Warum auch nicht? Der eine erklimmt Berge über 300 Meter, der andere begnügt sich mit einfachen Wanderungen. Mit Büchern ist es nicht anders. Der Stiller ist an manchen Stellen unübersichtlich, der Leser befürchtet, den Faden verloren zu haben, aber der Autor führt ihn behutsam zurück auf den Weg. Ich habe die Lektüre dieses umfangreichen Buches genossen und bewundere dieses Werk. Es ist ein Meilenstein der Weltliteratur, grossartig geschrieben, aber nie mit aufgelegter Sprachgewandtheit. Es ist ein Stück Kritik an der Schweizer Spiessigkeit, ein wenig Liebeserklärung an das Amerika der 50er Jahre, jeder Leser wird wahrscheinlich andere Beschreibungen wichtig finden. Das Buch soll nicht in jedem Regal stehen, es sollte - von entsprechend veranlagten Lesren freilich - gelesen werden. Hilfestellungen für die Lösung der Frage "Wer bin ich?" wird man allerdings vergeblich suchen.
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am 15. August 2006
Frisch beschreitet völlig neue Wege, indem er dem Leser aufbürdet, die Aufzeichnungen eines Insassen zu lesen, der sich permanent weigert anzuerkennen, Anatol Stiller zu sein, gleichwohl seine 6 Jahre verschwundene Frau und andere ihn eindeutig identifizieren. Es wird ein Rückblick auf Stillers Leben geworfen, bei dem viele Situationen des Versagens, Zweifelns und persönlichen Misslingens stattgefunden haben, so dass sich für den Leser die Frage stellt, warum dieser Stiller wohl seine eigene Identität verleugnet. Nur an einer einzige Stelle merkt auch der Leser eindeutig, dass es sich wirklich um den eben Genannten handelt. Im Vordergrund des Werkes steht die ständige Menschheitsfrage nach dem wahren Ich, der Indentifikation mit dem, was man im Leben tut und getan hat, und inwiefern man mit seiner Rolle abschließen will, sofern vieles daneben lief. Ein origineller, vielschichtiger, niveauvoller Roman von Weltrang!
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