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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der späte Frisch
Max Frischs Erzählung "Blaubart" erschien erstmals 1982 und wurde zu einem der letzten literarischen Beiträge des großen schweizerischen Autors. Zum Charakter des Spätwerks von Max Frisch zählt eine auf das Elementarste reduzierte, weitgehend ebenmäßige Handlung sowie eine starke und unmittelbare Innenansicht der Figuren. Die Isolation...
Veröffentlicht am 23. Dezember 2006 von A. Wolf

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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Wie lebt einer damit?
Der interessierte Leser kann es nachblättern auf Seite 108 des Buches „Max Frisch" von Marcel Reich-Ranicki (Ammann Verlag AG, Zürich, 1991). Deutschlands bekanntester Literaturkritiker war enttäuscht, nachgerade entsetzt über „Blaubart" von Max Frisch. Umso größer war die Enttäuschung als das der Buchveröffentlichung...
Veröffentlicht am 17. Mai 2005 von F. Martin


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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der späte Frisch, 23. Dezember 2006
Von 
A. Wolf (Wiesbaden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Blaubart: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Max Frischs Erzählung "Blaubart" erschien erstmals 1982 und wurde zu einem der letzten literarischen Beiträge des großen schweizerischen Autors. Zum Charakter des Spätwerks von Max Frisch zählt eine auf das Elementarste reduzierte, weitgehend ebenmäßige Handlung sowie eine starke und unmittelbare Innenansicht der Figuren. Die Isolation und der Tod rücken thematisch stark in den Vordergrund. All dies verbindet "Blaubart" mit dem drei Jahre zuvor erschienenen "Der Mensch erscheint im Holozän". Doch während letztere Erzählung noch einmal einen echten Höhepunkt im Schaffen Frischs darstellt, weist "Blaubart" einige Schwächen auf.

Im Wesentlichen geht es in "Blaubart" um die Präsentierung der Gedanken des Mediziners Dr. Schaad. Dieser schildert Eindrücke seiner Gerichtsverhandlung, da er des Mordes an einer seiner insgesamt sieben Ehefrauen angeklagt, jedoch freigesprochen wurde. Während der Reflexion über die Gerichtsverhandlung erkennt Dr. Schaad jedoch, dass er - wenn auch nicht in juristischem Sinne schuldig - in seinem Leben dennoch versagt hat. "Es gibt kein gemeinsames Gedächtnis", reflektiert er über die bisherigen Gattinen; seiner Melancholie versucht er zu entfliehen, erkennt jedoch: "Was auch nicht hilft: Alkohol".

"Blaubart" liest sich aufgrund der stets schlicht-poetischen Sprache und der Struktur erlebter Rede und innerer Monologe, die sich mit Schilderungen des Gerichtsverfahrens abwechseln, und somit Gegenwart und Vergangenheit in ein sehr kurzweiliges Wechselspiel bringen, sehr flott durch. Das Ganze ist jedoch alles andere als eine Kriminalgeschichte, von daher darf man fragen, was den Klappentexter des Suhrkamp-Verlags geritten hat, Hans Mayer zu zitieren, der einen Vergleich mit Agatha Chrisie und Simeon anstellt.

Neben der erwähnten Kurzweil, hat der Leser die ganze Zeit über das Gefühl, Frisch möchte einem etwas sagen, aber letztlich tut er es doch nicht. Schaad erkennt, seit seinem 14. Lebensjahr sich nicht mehr unschuldig zu fühlen - ein Grund wird nicht genannt. Man darf vermuten, dass diese Schuld mit dem generellen Menschsein zu tun hat, doch ein solcher Diskurs bleibt im dicken Nebel verborgen.

Fazit: Die großen Texte Frischs stehen deutlich über dem "Blaubart". Weniger als vier Sterne dürfen es aber allein schon wegen der heiter ironischen Sprache und der melancholischen Grundstimmung nicht sein.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nichts als die Wahrheit, 21. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Blaubart: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Freispruch aus Mangel an Beweisen. Ein Freispruch zweiter Klasse setzt einen zwar wieder auf freien Fuß, aber es gilt von da an, mit dem Verdacht zu leben, dass man es womöglich getan hat. Das Leben eines Verdächtigen ändert sich schlagartig, die Patienten bleiben weg und er verfügt plötzlich über eine Menge Zeit für sich. In seine Tage geworfen tauchen Fragen auf, pochen auf Antworten, melden sich Stimmen von Lebenden wie Toten, von Menschen, die im Prozess ausgesagt haben, oder sich über ihn äußern, weil sie ihn seit Jahren kennen. Wie schuldig ist dieser Arzt? Wie unschuldig? Max Frisch setzt ein Fixierbild zusammen, aus dessen Splitter, Meinungen, Lügen die Wahrheit herausgefiltert werden soll. Und obwohl ein Mord eine sehr konkrete Angelegenheit ist, Mörder sich durch Indizien und DNA überführen lassen, zeichnet Max Frisch vor allem ein Bild des Ungefähren, zu dem jeder, der davon erfährt, sich eine eigene Meinung bilden soll. Wer will da nicht gestehen, angesichts des Materials, das über ihn zusammengetragen wird?
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schuld und Unschuld..., 27. Dezember 2012
Von 
Shaun - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Blaubart: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Max Frisch (1911-1991), ausgebildeter Architekt und sicher einer der wichtigsten schweizerischen Schriftsteller veröffentlichte diese letzte Erzählung 1982.

Der Name der Erzählung erinnert an den französischen Klassiker La barbe bleue von Charles Perrault aus dessen Ende des 17. Jhdt. veröffentlichtem Märchenbuch, worin dieser zum Frauenmörder wird. In verschiedenen Abwandlungen dieses Märchens kommt es gar zum Mord an 6-7 früheren Frauen durch Blaubart.

In der Ich-Perspektive räsonniert der ehemalige Gatte der Prostituierten Rosalinde Zogg, der Allgemeinmediziner Felix Schaad, welcher des Mordes an ihr verdächtigt, aber letztlich mangels Beweisen aus der Untersuchungshaft entlassen und freigesprochen wurde, über den Prozeß und die unterschiedlichen Standpunkte der dabei berufenen Zeugen. Der Prozeß hat sich rufschädigend auf ihn ausgewirkt, seine Praxis läuft seitdem nicht mehr, und er verfällt oft in Tagträumerei. Was hier Wahrheit ist und wie sie ermittelt werden soll, darum drehen sich die vielen Dialoge des Richters mit dem Angeklagten und seinen sechs ehemaligen Ehefrauen, den Patienten, Freunden, Handwerkern usw. Schaad erkennt, dass er, wenn auch nicht schuldig gesprochen, dennoch Schuld auf sich geladen hat in seinem Leben – darin zeigen sich sicherlich auch autobiografische Züge zu Max Frischs gescheiterten Ehen.

Der Band ist zwar schnell gelesen, baut aber dabei leider wenig Spannung auf, eine große Schwäche dieser dennoch interessant komponierten Erzählung Max Frischs. (27.12.12)
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nie zuvor war Frisch so packend., 20. November 2002
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Blaubart: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Das Max Frisch ein Großmeister sprachlicher Präzision und Prägnanz ist, steht außer Frage. Doch selten war er zugleich so packend. Ist der Mediziner Felix Schaad der Mörder seiner ehemaligen Frau Rosalinde Zogg? Der Autor trägt Fetzen aus der Gerichtsverhandlung zusamnmen, gewährt dem Leser Einblicke in das Denken des Angeklagten, der mangels Beweisen freigesprochen wird. Wie fühlt er sich angesichts dieses Urteils, wie geht er mit der Situation um, frei aber nicht freigesprochen zu sein? Und vor allen Dingen: Ist er der Mörder oder doch nicht? Der Leser verfolgt gespannt den Prozess der Wahrheitsfindung. Großartig!
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Wie lebt einer damit?, 17. Mai 2005
Von 
Rezension bezieht sich auf: Blaubart: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Der interessierte Leser kann es nachblättern auf Seite 108 des Buches „Max Frisch" von Marcel Reich-Ranicki (Ammann Verlag AG, Zürich, 1991). Deutschlands bekanntester Literaturkritiker war enttäuscht, nachgerade entsetzt über „Blaubart" von Max Frisch. Umso größer war die Enttäuschung als das der Buchveröffentlichung ein launiger Champagnerumtrunk der beiden Herren vorausgegangen war, bei dem der Schriftsteller euphorisch dem Kritiker über sein Buchprojekt berichtet hatte und auch Großartiges ankündigte. Basiert das Buch doch auf einer realen Gerichtsverhandlung in Zürich vor Jahren, bei der Max Frisch nach eigenen Angaben tagein, taugaus als interessierter Zuschauer dabeigewesen sein soll. Marcel Reich-Ranicki verschwieg seinen Ärger über die Erzählung „Blaubart" nicht. Es hagelte einen deftigen Verriss. Durch allerlei Umgestaltungen und Verfremdungen habe Frisch eine durchaus absonderliche und aufregende Geschichte ihre Unmittelbarkeit und Anschaulichkeit genommen, wie es der Literaturpapst seinerzeit formulierte.
Zur Handlung: Dr. med. Felix Schaad steht in Zürich vor Gericht. Er soll seine ehemalige Frau Rosalinde, nach Scheidung Hobby-Dirne, erdrosselt haben. Motiv: Eifersucht (trotz rechtswirksamer Trennung von Tisch und Bett). Es gibt keine Beweise. Und tatsächlich: Freispruch mangels Beweise. Wie lebt einer damit? Billard, Alkohol und Wandern spenden keinen Trost, wie Felix Schaad fortwährend feststellen muss. Die quälende Frage: Kann man als Unschuldiger schuldig sein? Richter, Staatsanwalt, Ex-Frauen und Zeugen sehen es unterschiedlich. Auch der Freigesprochene will und kann sich nicht festlegen. Die Perspektiven wechseln beliebig. Jeder darf - und Max Frisch allein hat noch Interesse an den Aussagen - schnoddrig zu Wort kommen. Den Leser kümmert's wenig. Spannung will nicht aufkommen. Und die ständigen, dabei aber grundsätzlich falschen Geständnisse des Angeklagten langweilen. Er war's ja wirklich nicht.
Schade, Herr Frisch! Dieses Buch verdient tatsächlich nur zwei Sterne. Dabei sei Max Frisch grundsätzlich zur dringenden Lektüre empfohlen. Hier vor allem der Bericht „Homo Faber", die Romane „Mein Name sei Gantenbein" und „Stiller" und natürlich die Erzählung „Montauk". Den 1982 erschienenen „Blaubart" aber vergessen wir lieber ganz schnell. Oder besser: lesen wir erst gar nicht. Sonst bekommt das frisch'sche Literatur-Denkmal noch Risse (und das gilt's zu verhindern).
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8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bitter!, 13. Januar 2002
Rezension bezieht sich auf: Blaubart (Gebundene Ausgabe)
BLAUBART ist Frischs letztes Prosawerk, und es ist das bitterste und abgemagertste Buch, das er je geschrieben hat. Felix Schaad, mutmaßlicher, aber freigesprochener Mörder, trägt nach der zehnmonatigen Gerichtsverhandlung einen Komplex von Schuld mit sich herum, aus dem er nicht entkommt. Bei allem, was er tut, spielt sich in seinem Kopf ein neues Verhör ab, bei dem er selbst vernommen wird oder Leute, denen er eben gegenübersteht, als Zeugen auftreten müssen. Einen subjektiven Erzähler gibt es praktisch nicht. Schilderungen von Schaads Handlungen gehen kaum über zwei Sätze hinaus, der Rest der Erzählung besteht aus Fetzen aus den vorgestellten Verhandlungen.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Über Schuld und Wahrheit - ein Versuch, 5. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Blaubart: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Blaubart ist der Versuch Frischs, den Mechanismen der Wahrheitsfindung nachzuspüren. Dabei interessiert ihn weniger die äussere, juristische Form der Wahrheitsfindung, er sucht den eigentlichen Prozess vielmehr in der Person des Beschuldigten selbst. Beschuldigt ist Dr. Schaad des Mordes an seiner Ex-Gattin Rosalinde Zogg. Wie in zwei übereinander geblendeten Filmstreifen sieht der Leser beständig zwei Wirklichkeitsebenen: Die offizielle Ebene der Zeugenaussagen und der Befragung Schaads durch Staatsanwalt und Rechtsbeistand einerseits, die Reflektion des Beschuldigten als Innensicht andererseits. Scheinen beide Ebenen zunächst zeitsynchron zu sein, bemerkt man bald, dass zwischen ihnen ein erheblicher Zeitabstand bestehen muss: Der Prozess vor Gericht läuft tatsächlich nochmals in Schaads Erinnerung ab, während sich dieser zugleich bemüht, die Lücke im gegen ihn konstruierten Fall zu finden. Denn Schaad ist zwar unschuldig, auch sind die Beweise gegen ihn nicht stichhaltig und er wird endlich freigesprochen. Doch hätten die Beweise stichhatig sein können, es wäre eine mögliche Wahrheit, dass Schaad tatsächlich der Mörder ist. Diese Möglichkeit ist es, die ihn umtreibt. Die Unfähigkeit, seine eigene Unschuld schlüssig darzulegen, nicht einmal vor sich selbst. Schaad zieht sich schliesslich, durch seine zerfleischende Selbsterforschung handlungsunfähig geworden, aus der Welt zurück, versucht sogar, als ob er sich selbst verurteile, sich das Leben zu nehmen.

Die Erzählung ist ein Teppich ineinander verwobener Textfragmente: Aus den Prozessakten entnommene Protokolle der Befragungen von Zeugen vor Gericht stehen neben kurzen Reflektionen Schaads. Gegen Ende, als sich Schaad tief in seine eigene Schuldfrage verstrickt hat, tauchen auch bereits verstorbene auf, löst sich das Textgeflecht immer mehr auf, bis es in den Wahrnehumgsfragmenten Schaads nach seinem Selbstmordversich, zwischen Tod und Leben, endet.

Frischs Versuch, dem Problem der eigenen latenten Schuldverstrickung nachzuforschen, ist wenigstens respektabel. Grosse Sünder, wie der Mörder Raskolnikov in 'Schuld und Sühne', machen in der Hand grosser Autoren grosse Romane. Subtiler ist Frischs Versuch, aus der latenten Schuld, die jeder Mensch mit sich trägt, die Spannkraft für eine Erzählung zu ziehen. Diese Kraft reicht im vorliegenden Fall, meine ich, nicht wirklich aus. In 'Stiller' ist ihm vergleichbares besser gelungen. Dennoch lohnt sich die (kurze) Lektüre dieses Büchleins, schon alleine der collagenhaften Erzähltechnik wegen. Interessant auch die vergleichende Lektüre mit den Tagebüchern oder Montauk (suhrkamp taschenbuch), wo das Thema der Schuld ebenfalls anklingt. Empfohlen sei auch die Hörspielfassung des Werkes, das geradezu für das Medium Radio geschrieben zu sein scheint.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannende Studie eines vertrackten Kriminalfalls, 27. April 2009
Von 
Rezension bezieht sich auf: Blaubart: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Rosalinde Z. wurde mit der Krawatte ihres Gatten Dr. Felix Schaad erdrosselt. Doch war der angesehene Züricher Arzt wirklich der Täter? Und welches Motiv steckt dahinter?

Diesen und weiteren Fragen spürt Max Frisch in seiner Erzählung "Blaubart" nach und zieht den Leser von Anfang an mitten ins Geschehen. Statt einer stringenten Handlung - die quasi nicht stattfindet - wird das ganze Verbrechen anhand von skizzenhaft angeordneten Verhörprotokollen - in denen u.a. nicht nur Schaads noch lebende sechs (Ex-)Gattinnen zu Wort kommen, sondern selbst Rosalinde Z! - abgerollt, die sich mit hin und wieder eingestreuten Kommentaren des Angeklagten Dr. Schaad abwechseln, der neben dem Fall auch über Schwäne, Billard und weitere Ablenkungsmanöver philosophiert, aber auch die ein oder andere dunkle (Kindheits-)Erinnerung einstreut. So gelingt eine eindringliche Studie eines vertrackten Falles, der sehr schnell fesselt und über den Schluss hinaus spannend bleibt, da er etliche Antworten liefert, manches aber auch im Spekulativen und Unklaren lässt.
Im Ganzen gesehen ist Frischs "Blaubart" ein äußerst fesselndes, spannendes Büchlein, das etwa bei einer langen Bahnfahrt mühelos die Zeit verfliegen lässt und das den Leser selbst auffordert, sich ein Urteil über das Geschehene zu bilden. Ein packender Krimi, den man nur empfehlen kann.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schuldig oder unschuldig?, 24. November 2004
Von 
zueribueb (Zürich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Blaubart: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Max Frischs "Blaubart" (1982) dreht sich um den Arzt Dr. Schaad, dem vorgeworfen wird, eine seiner Exfrauen umgebracht zu haben. Schaad ist zwar strafrechtlich betrachtet unschuldig, wird mangels Beweisen freigesprochen, dennoch fragt sich, inwieweit er persönlich bzw. moralisch als schuldig am Tod seiner Exfrau zu betrachten ist. Das kommt in folgender Bemerkung von Schaad zum Ausdruck: "Sie war ja so hilflos. Wie alle meine Gattinnen. Und das ist meine Schuld." Vor allem geht's um Frischs Skeptizismus gegenüber Beziehungen zu Frauen, die seiner Meinung nach schwierig sind und kaum funktionieren können. So verbrauchte Schaad in der Erzählung insgesamt sieben Ehefrauen, die alle vor Gericht auftreten.
Die Geschichte wird in einer verknappten, auf wesentliche reduzierten Sprache erzählt, und besteht vor allem aus Dialogen aus dem Geschworenenprozess, insbesondere Zeugenbefragungen. Dabei zeigt sich eine grosse Sprachlosigkeit. Fragen werden häufig nicht beantwortet und die Leute reden aneinander vorbei. Schliesslich kippt das Ganze ins Irreale und es werden auch verstorbene Personen befragt. Die ermordete Exfrau bleibt dabei allerdings stumm. Auch Max Frisch weiss keine Antworten in Bezug auf Schuld und Frauen.
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0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein lesenswertes Buch !, 1. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Blaubart: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
"Blaubart" bietet neben einer zuerst recht undurchschaubaren Handlung

(undurchschaubar: Ist er nun schuldig oder nicht?)große und vielfältige

Interpretationsmöglichkeiten, "Blaubart" ist eine von Max Frisch klug konzipierte Parabel in der Form eines fortwährenden Gesprächs.

Betrachtet man das Buch absolut, dann wären auch 5 Punkte drin gewesen,

relativ zu den anderen Werken Frischs muss eine Abstufung auf 4 Punkte

erfolgen.

Viel Spaß beim Lesen!
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Blaubart: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch)
Blaubart: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch) von Max Frisch (Taschenbuch - 25. April 1993)
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