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5.0 von 5 Sternen Zerstörung des Kulturellen
Thomas Bernhard beschließt mit "Alte Meister" die 'Trilogie der Künste', die mit "Der Untergeher" ihren Anfang und durch "Holzfällen" fulminant fortgesetzt wurde. Auf zweithundert Seiten erstreckt sich ein gigantisches Panorama an literarischen, musikalischen und kunsthistorischen Bezügen, die durch bitterböse Analyse und Kritik demontiert und...
Veröffentlicht am 31. Juli 2011 von Spaddl

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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein zwiespältiger "Bernhard"
Die Handlung von "Alte Meister" orientiert sich an einem Bericht der Romanfigur Atzbacher. Hauptfigur ist jedoch der 82jährige Reger, ein äußerst kunstbeflissener und nicht weniger pedantischer Kolumnist der Times, der jeden zweiten Tag außer Montag das Kunsthistorische Museum in Wien besucht und es sich dort seit Jahrzehnten, auch über den Tod...
Veröffentlicht am 1. Juli 2011 von MM1981


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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zerstörung des Kulturellen, 31. Juli 2011
Von 
Spaddl "spaddl" (SH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Thomas Bernhard beschließt mit "Alte Meister" die 'Trilogie der Künste', die mit "Der Untergeher" ihren Anfang und durch "Holzfällen" fulminant fortgesetzt wurde. Auf zweithundert Seiten erstreckt sich ein gigantisches Panorama an literarischen, musikalischen und kunsthistorischen Bezügen, die durch bitterböse Analyse und Kritik demontiert und verunglimpft werden.
Thomas Bernhard "erzählt" die Geschichte von zwei alternden Herren, die sich alle zwei Tage im kunsthistorischen Museum treffen, um dort vor Tintorettos Gemälde "Weißbärtiger Mann" zu sitzen und über Kunst und Literatur, das Leben und das Sterben zu reden.

Dabei unterteilt sich der bernhardsche Monolog in zwei Abschnitte: der Ich-Erzähler Atzbacher begibt sich eine Stunde vor dem eigentlichen verabredeten Zeitpunkt ins Museum und beobachtet seine "Verabredung" Reger und reflektiert; seien es Gesprächsinhalte, Meinungen oder geäußerte Kritiken: der Leser erhält ein glänzendes Bild der scharfzüngigen Dialoge. Dabei verliert sich Reger stellenweise zwar in (un)geahnte Hasstiraden, das Miterleben derselbigen macht jedoch - typisch Bernhard - sehr viel Freude. In der zweiten Hälfte treffen die beiden alten Männer (oder Meister?) aufeinander, setzen sich vor Tintorettos Gemälde und unterhalten sich.

Wie es der Leser von Thomas Bernhard gewohnt ist, sind die zweihundert Seiten (in der Suhrkamp Werkausgaben-Edition) absatzlos und durchgängig geschrieben. Dem Leser wird keine Zeit gegeben, sich auszuruhen, sich von den philosophischen, zynischen Exkursen in die klassische Musik, die klassische Literatur oder klassische Kunst zu erholen. Das Mitdenken, teilweise sogar eine Internetrecherche werden vorausgesetzt, insofern man die benannten Stücke, Gemälde oder literarischen Texte nicht kennt - sprechen die beiden nämlich über ein bestimmtes Kunstwerk und der Leser kennt es bereits oder hat es auf seinem heimischen Bildschirm wird aus dem Sezieren, dem Zerstückeln und Demontieren seitens Reger ein visuelles Geschehen. Aber nicht nur die Künstler und Dichter bekommen die intellektuelle Bratpfanne über den Hinterkopf geschlagen, nein, auch Lehrer, Haushälterinnen und Ärzte (und viele mehr) bekommen einen kräftigen Schlag versetzt.

Der Untertitel "Komödie" ist dabei wörtlich zu nehmen, denn zu keinem Zeitpunkt hat Thomas Bernhard so viel Spaß gemacht wie in "Alte Meister". Die Unbändigkeit, die Stringenz der Boshaftigkeiten und Kritik lassen einen durchweg schmunzeln - und das Schöne ist, dass ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl hatte, dass Bernhard sich wiederholt und Altbekanntes erneut verwendet. Die eingebaute, tragische Liebesgeschichte erhält zwar keine solch durchdringende Intensität wie die Familiengeschichte in "Korrektur", dennoch wissen auch diese Sequenzen zu überzeugen.
Der Satz "Der denkende Mensch ist von Natur aus ein unglücklicher Mensch" (S. 68) steht dabei jedoch stellvertretend für die Thematik des ganzen Romans, denn die ständige Analyse und das daraus resultierende fehlende Können, ein Buch oder Gemälde wirklich genießen zu können, machen aus den alten Männern traurige, bemitleidenswerte Gestalten, die außer ihren sich wiederholenden Treffen nichts mehr besitzen, dass ihnen Glück verspricht.

Die Ausgabe vom Suhrkamp-Verlag ist erneut ein bibliophiler Hochgenuss. Der schöne Einband, das Lesebändchen und das spannende sowie interessante Nachwort runden das - ohne Zweifel - brillante Werk Thomas Bernhards gekonnt ab. Durch den hohen Preis ist diese Ausgabe unter Umständen aber eher etwas für Bernhard-Fans oder für Sammler toller Werkausgaben.

Abschließend zitiere ich erneut das 'enfant terrible' der deutschsprachigen Literatur:
"Wir können anschauen, was wir wollen, wir können hingehen, wo wir wollen, wir schauen nur in Bosheit und Niedertracht und in Verrat und Lüge und in Heuchelei und immer nur in nichts als in absolute Niedrigkeit hinein, gleich was wir anschauen, gleich, wo wir hingehen, wir sind mit Bosheit und mit Lüge und Heuchelei konfrontiert." (S. 131f.)
In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen.
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32 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Reger, Atzbacher und Irrsigler; das Trio mit dem weißbärtigen Mann, 30. Juni 2008
Der Musikphilosoph Reger, der seit 36 Jahren jeden zweiten Vormittag (ausser montags) ins Wiener Kunsthistorische Museum geht (der Nachmittag wird im Ambassador verbracht), um dort im Bordone Saal gegenüber Tintorettos Bild "Der weißbärtige Mann" über den Sinn des Lebens, die Kunst, Politik und viele andere Themen zu sinnieren. Der Platz auf der Sitzbank im Bordone Saal wird Reger seit Jahrzehnten vom treuen Saaldiener Irrsigler (der den Job nur gewählt hat, weil er, nachdem er bei der Polizei wegen physischer Schwächen ausgemustert wurde, sich zugunsten der Uniform, aus rein praktischen Gründen, entschieden hat) quasi reserviert. Der 82-jährige Reger bittet Atzbacher (ein Schriftsteller, der sich dem Veröffentlichtwerden verweigert- ein Alter Ego Thomas Bernhards) ausnahmsweise an einem darauffolgenden Tag (noch dazu ein Samstag, ein Tag an dem Horden von lauten russischen, italienischen und anderen Touristen durchs Museum geschleift werden) um 11.30 zu einem Treffen. Das Buch beginnt damit, dass Atzbacher Reger aus einem benachbarten Saal heraus beobachtet, da er sicherheitshalber zu früh gekommen ist, um dann pünktlich um 11.30 vor Reger erscheinen zu können. Den Grund für diese Inkonsequenz Regers erfahren wir erst am Schluss. Vor der Erklärung lesen wir Regers Gedanken und Schimpftiraden, bei denen u.a. die österreichische Politik, Adalbert Stifter, Anton Bruckner, Staatskünstler, Burgenländer, Haushälterinnen, Kirchendiener (ja sogar der Papst) und die Toiletten in den Wiener Kaffeehäusern schlecht aussteigen. "Alte Meister" ist wahrscheinlich auf den ersten Blick das heiterste Buch Thomas Bernhards, wobei diese Heiterkeit an der Oberfläche bleibt, wie in jeder doppelbödigen Komödie ist das Heitere eigentlich das Traurige und vize versa. Irgendwie ist dieses Buch aber auch das einzige Buch Thomas Bernhards, das so etwas wie eine Liebesgeschichte in sich birgt. Regers Liebe zu seiner verstorbenen Frau ist für mich der emotionelle Mittelpunkt in diesem als Komödie betitelten Prosawerk. Der Schluss ist überraschend und arabesk heiter.
Thomas Bernhards Prosa ist einzigartig, unvergleichlich und überhaupt nicht spröde, sie ist spritzig, geistreich und fesselnd. Um ein Meisterwerk wie "Alte Meister" wirklich genießen zu können, sollte man vielleicht doch einen ganzen Abend (inkl. Nachmittag...) Zeit haben, oder das Buch maximal auf 2-3 Tranchen aufgeteilt lesen, da es sich nur dann in seiner Schönheit entfalten kann, wenn man Thomas Bernhards Linien so folgen kann, wie er schreibt, also im Prinzip, ohne Absätze und einem Zug.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein zwiespältiger "Bernhard", 1. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Alte Meister: Komödie (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Die Handlung von "Alte Meister" orientiert sich an einem Bericht der Romanfigur Atzbacher. Hauptfigur ist jedoch der 82jährige Reger, ein äußerst kunstbeflissener und nicht weniger pedantischer Kolumnist der Times, der jeden zweiten Tag außer Montag das Kunsthistorische Museum in Wien besucht und es sich dort seit Jahrzehnten, auch über den Tod seiner Frau hinaus, zur Gewohnheit gemacht hat, reglos auf der Bordone-Saal-Sitzbank sitzend das Gemälde "Der weißbärtige Mann" von Tintoretto zu studieren. Reger besitzt die seltsame Eigenschaft, jedem Kunstwerk auch noch der berühmtesten oder wegen ihrer Meisterschaft geschätztesten Künstler bis ins kleinste Detail auf den Grund gehen zu wollen und deren fundamentale Fehler aufzuzeigen. Atzbacher selbst, ebenso Pedant wie Reger, ist Schriftsteller, der bislang noch kein einziges schriftstellerisches Werk vollenden und daher auch nicht veröffentlichen konnte. Reger hat Atzbacher zu einem Treffen ins Museum gebeten, um diesem - wie Atzbacher glaubt - etwas wichtiges mitzuteilen...

Auf den ersten Blick liest sich "Alte Meister" wie ein typischer "Bernhard". Der Text ist wie für Bernhard typisch geradezu musikalisch orchestriert, und der Leser wird gleichsam in die Handlungsstränge des Romans "eingesogen". Die Sprachmelodik der breiten Raum einnehmenden Schimpftiraden der bernhardschen Charakterere erreicht immer wieder in wellenartiger Regelmäßgkeit seine Höhepunkte, was den Roman zu einem echten Leseerlebnis macht. Die gesamte Partitur der zentralen bernhardschen Themen wie die Schmähung Österreichs und seiner Einrichtungen, Menschen- und Massenfeindlichkeit, die Pedanterie und das Außenseitertum der Hauptfigur, das Scheitern an einer Sysiphos-Aufgabe, Anziehung zum und Abstoßung vom Kunstbetrieb sowie elitäre Kunstbetrachtung wird zudem in breitem Unfang bedient. Hiermit könnte man sich vielleicht noch zufrieden geben, wenn nicht inmitten der immer wieder von neuem abgefeuerten und sich über Seiten hinweg ausgebreiteten Schmähtiraden der Verdacht aufkäme, dass das Nörgeln zu einem reinen Selbstzweck geworden ist. Viel zu oft hat man als Leser leider den Eindruck, dass dem Konstrukt des fortwährenden Anprangerns und Verunglimpfens der rechtfertigende Unterbau fehlt. Sicher wird man auch bei vielen anderen Werken Bernhards stellenweise den Eindruck haben, dass das "Warum" des Nörgelns nicht einsichtig wird, bei keinem jedoch zeigt sich dieser Befund so deutlich wie bei "Alte Meister". Nicht zuletzt die - überschaubare - Handlung leidet unter der missglückten Gewichtung der Nörgelpassagen, die für sich gesehen deutlich über die Hälfte des Textes ausmachen. Eine nähere Begründung für all dies wird nicht geliefert. Vielleicht mag Bernhard mit dem Untertitel "Komödie" noch den Gedanken gehabt haben, dieser solle das Ausmaß dieser Fehlgewichtung glattbügeln. Überzeugend ist dies insgesamt dennoch nicht. Schließlich ist bemerkenswert, dass der Roman letztlich mit einer vergleichsweise einfallslosen Botschaft daherkommt. Die alten Meister, so Reger am Ende, seien kein Ersatz für einen geliebten Menschen. Eine Botschaft, die gewiss nur jenen als erhellend erscheint, die sich von der Wirklichkeit längst in den literarischen Elfenbeinturm zurückgezogen haben - am Ende wohl nur Thomas Bernhard selbst.
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36 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es muss gut sein!, 1. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Alte Meister: Komödie (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Ich bin Schülerin und ich habe dieses Buch in der Schule gelesen.
Das sagt denke ich schon einiges über die Qualität des Buches aus, wenn es mir trotzdem gefallen hat. Derweil ist es auch das einzige Buch, dass ich von Thomas Bernhard kenne und gelesen habe und ich fands zum Todlachen.
Was mich jedoch fasziniert hat, war, dass ich eine der wenigen in der Klasse war, der das Buch wirklich gefallen hat. Gut, die Niederösterreicher haben schon gelacht, als Berhard über die Burgenländer hergezogen hat, aber wirklich begeistert waren sie nicht, aber so ist das nunmal, wenn man etwas in der Schule liest. Ich, für meinen Teil, hatte fast das ganze Buch hindurch einen Grinser auf den Lippen (was ich normalerweise nur beim SMS schreiben habe^^) und ich halte Bernard (jetzt von meinem überaus niedrigen literarischen Wissensstand her) für einen der witzigsten österreichischen Autoren ever, obwohl er schon einen kleinen Knall gehabt haben muss (aber welcher Künstler, oder besser noch Mensch, hat das nicht?).
Also auch wenn ich mich jetzt widerhole: Ich habe das in der Schule gelesen und es hat mir trotzdem gefallen. Es muss gut sein!!!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bernhard: ein großer alter Meister, 5. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Alte Meister: Komödie (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
"Alte Meister", eine grandiose Abrechnung mit dem Kunstbetrieb (sowohl der Kunstschaffenden als auch der selbst ernannten so genannten Kunstkritiker). Eine Komödie im Romanformat aus dem Jahr 1985. Jeder (oder fast jeder) bekommt hier sein Fett weg: Stifter, Heidegger, die Kunstkritiker, die Lehrer und vor allem immer wieder Österreich. Bernhard bewegt sich hier wie selten zuvor zwischen anarchischer Polemik und geist- und wortreichem Witz. Es finden sich Sätze und Denkschöpfungen von unendlicher Schönheit in disem Roman (etwa: "...Heidegger:der Denkspießer, ein urdeutscher Philosophiewiederkäuer, eine unablässig trächtige Philosophiekuh, die auf der deutschen Philosophie geweidet und darauf jahrzenhtelang ihre koketten Fladen fallen gelassen hat..."). Der Roman, besser die Komödie, liest sich ungemein geschmeidig, Bernhard, der "Sprachbeherrscher", verführt den Leser zu einer zügigen, dennoch intensiven Lektüre, die als ein guter Einstieg in das Werk des Autoren gelten kann. Pflichtlektüre sollte die Komödie allen Kunstkritikern sein, die glauben vor Genialität zu strotzen, wenn sie, sprachlich verarmt und unausgebildet, einen beliebig austauschbaren deutschen Gegenwartsrunterhaltungsroman zum Meisterwerk der Weltliteratur ernennen oder eine notdürftig zusammengeklebte Ausstellung von Skizzen eines zweitrangigen Provinzmalers als einmalig preisen. Bleibt nur zu sagen, dass derjenige, der den Text ernst nimmt, selber schuld ist.
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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alte Meister, 1. August 2004
Rezension bezieht sich auf: Alte Meister: Komödie (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Thomas Bernhard. Alte Meister. Ein typisches Spätwerk des Autors. Der typische Humor. Das typische Beschimpfen der Welt, insbesondere Österreichs und der katholischen Kirche. Doch eines ist anders als bei den übrigen Werken. Es ist ein Liebesbuch. Wiedergegeben werden in ihm die Gedanken und Wort Regers, eines 82-jährigen "Musikphilosophen". Dieser hat vor ca. einem Jahr seine Frau verloren, mit der er zuvor jahrzehntelang zusammen gelebt hatte. Als diese plötzlich starb, wurde Reger erst bewusst, dass die von ihm sehr geliebte Frau das Höchste war, das er besaß. Die Kunst, von Reger sein Leben lang als das Höchste angesehen, kann ihm die Frau nicht ersetzen. Diese und weitere Gedanken Regers werden von Bernhard auf höchst ergreifende und rührende Weise geschildert. Wie fast sämtliche Werke Bernhards kann ich Alte Meister bedenkenlos empfehlen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der weißbärtige Mann, 27. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Alte Meister: Komödie (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Es gibt schon umfangreiche und teils schöne Rezensionen zu diesem Werk, deshalb möchte ich mich auf einen Hinweis beschränken:
Sollten Sie die Gelegenheit gehabt haben, Tintoretto in diesem Buch von Bernhard durch die Brille von Reger zu begegnen, ist es ein Hochgenuss dieses Bild im Kunsthistorischen Museum zu Wien zu betrachten. Es wird Sie fesseln! Mit einiger Aufmerksamkeit für den weißbärtigen Mann entfaltet sich die ganze Geschichte um Reger nochmals in wundervoller Weise. Es ist Bernhard bis ins kleinste Detail gelungen die Ausstrahlung des weißbärtigen Mannes zu binden, in seiner unvergleichlichen Art seine und die Depression der Menschheit in Worte zu fassen.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Immer außer Montags..., 17. Juni 2007
Von 
Michael Baumann "Michael Baumann" (Uedem, Niederrhein) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Alte Meister: Komödie (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
...gehe Reger ins kunsthistorische Museum in Wien, alle zwei Tage, außer Montags, seit nunmehr länger als 30 Jahren(!) um sich den Weißbärtigen Mann von Tintoretto anzusehen. Es handelt sich um einen alten, 82-jährigen Privatgelehrten, der, wie alle Romanfiguren Bernhards ein absoluter Kauz ist. Er ist mit nur sehr wenigen Fäden mit seiner Umwelt verbunden; es gibt ihn, Atzbacher, offenbar einen Philosophen (der nie zu Wort kommt) und Irrsigler, einem Aufseher des Museums, der eigentlich Polizist werden wollte. Aber nicht etwa, weil er das cool oder so gefunden hätte, sondern weil er einen Beruf ausüben wolle, bei dem man Uniform tragen könne. Bernhard erzählt diese Geschichte, die sich bis zur letzten Seite im kunsthistorischen Museum abspielt in seinem typischen Stil: einhämmernt, bis einem die Worte und Sätze (fast) nicht aus dem Kopf wollen. Und in Bernhards Welt (also dann auch in Regers Welt) gibt es fast nichts, das etwas taugen könnte: die Regierung, die Beamten, die Lehrer, die Komponisten, die Ärtzte, Heidegger, Kant, die Möbel seiner verstorbenen Frau, die Museumsleitung, die katholische Kirche, das Krankenhaus der barmherzigen Brüder, die Bürger Wiens, die Russen, die Engländer, die anderen Künstler, ihre Bilder, die anderen Museumsbesucher und so fort und so fort und so fort: taugt alles nichts. Versager, böswillige Verleumder, Nichtskönner: das ist die Welt, wie sie Reger sieht. Das alles in einem nicht beschreiblichen Stil zu Papier gebracht. Der eine wird wahnsinnig, der andere lacht laut, ein dritter - wie ich - ist wahnsinnig: und lacht. Ein Buch, das ich jedem empfehlen kann; man wird Bernhard danach entweder zu seinem Hausautor machen und in höchsten Tönen über diese Misantrophie sprechen oder aber das Buch entnervt in die Ecke feuern. Einen Versuch sollte man aber auf jeden Fall starten...
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14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Höhepunkt Thomas Bernhards, 20. Juni 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Alte Meister: Komödie (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Was definitiv in Bernhard-Analysen immer zu kurz kommt, ist sein absolut unbeschreiblicher Humor. Dieses Buch ist möglicherweise sein witzigstes, teilweise habe ich Tränen gelacht. Höhepunkt des Buches ist die Stelle, an der Bernhard mit absoluter Bedingungslosigkeit über Stifter und Heidegger herfällt. Das und vieles andere in diesem Buch ist einfach von einer unglaublichen Komik! Unbedingt lesen!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rabenschwarze Komödie, 19. Februar 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Alte Meister: Komödie (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Um alte Meister und große Geister dreht sich Thomas Bernhards rabenschwarze Komödie, ein sich im Sprachwitz dramatisch entfachendes Feuerwerk. Reger, ein extrem negativ eingestellter Musikphilosoph, dessen Artikel in der britischen »Times« erscheinen und folglich in Österreich unbekannt bleiben, bestellt seinen Freund und Verehrer Atzbacher, einen Schriftsteller, der seit 17 Jahren an einem Werk schreibt, ohne auch nur eine Zeile davon veröffentlicht zu haben, ins Kunsthistorische Museum. Dort hockt er in fester Gewohnheit seit dreißig Jahren jeden zweiten Vormittag, um Fehler in den Bildern der alten Meister zu entdecken. Fast immer trifft man ihn im Bordone-Saal vor dem »Bildnis eines weißhaarigen Mannes« von Tintoretto, wo er auch seine Frau kennen lernte, deren Tod er nur durch Pflege seiner regelmäßigen Ticks zu überwinden glaubt. Hier sinniert Reger ungestört und bei stets gleicher Temperatur darüber, was in der Welt, besonders jedoch in Österreich, schlecht ist. Dritter im Bunde ist der Museumsaufseher Irrsigler, ein einfältiger Burgenländer, der sich im Laufe der Jahre Regers Sichtweise angeeignet hat und ihn immer wieder gern zitiert.

Reger philosophiert über die Unerträglichkeit der Staatskunst. Er zerfetzt das literarische Waldesrauschen eines Adalbert Stifters, diesem literarischen Umstandsmaler mit stümperhaftem und verlogenem Stil, als unerträglichen Kitschmeister. Er bezeichnet Anton Bruckner mit seinem religiös-pubertären Notenrausch und stupidem, monumentalen orchestralen Ohrenschmalz als einen Komponisten, der die Musik verwischt habe. Er nimmt den Philosophen Martin Heidegger aufs Korn, diesen lächerlichen nationalsozialistischen Pumphosenspießer und verheerend größenwahnsinnigen Voralpenschwachmatikus, der fremde große Gedanken mit der größten Skrupellosigkeit zu eigenen kleinen Gedanken mache. Lediglich die Toiletten im »Hotel Ambassador«, wo er jeden Nachmittag zu finden ist, haben es ihm wegen ihrer Reinlichkeit angetan.

Bernhard schafft mit seinem aus einem einzigen Gedanken gezogenen Text in Reger die Figur des Anti-Künstlers, eines Menschen, der sich darin versteht, anerkannte »große« Kunstwerke abzuwerten und in Frage zu stellen. Er greift damit direkt den überlebten Geniemythos des 19. Jahrhunderts an und versucht, ihn zu zerstören.
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Alte Meister: Komödie (suhrkamp taschenbuch)
Alte Meister: Komödie (suhrkamp taschenbuch) von Thomas Bernhard (Taschenbuch - 25. Juli 1988)
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