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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Wenn ich korrigiere,... (S. 313), 5. Juli 2011
Von 
Spaddl "spaddl" (SH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
...zerstöre ich, zerstöre ich, vernichte ich, so Roithamer."
Dieser Satz Roithamers, Bernhards Protagonist in seinem vierten Roman "Korrektur", beschreibt die Problematik und den Grundgedanken des Werkes sehr gut.

"Korrektur" erzählt auf 317 Seiten, aufgeteilt in zwei Kapitel, die Geschichte von Roithamer, der für seine Schwester einen Kegel als Behausung baut und über diesen Bauprozess eine Studie schreibt. Nachdem seine Schwester den Kegel gesehen hat, begeht sie Selbstmord, woraufhin Roithamer kurze Zeit später ebenfalls den Freitod wählt. Nun begibt sich sein langjähriger Freund, der (namenlose) Ich-Erzähler, in die "höllersche Dachkammer", sozusagen sein Studierzimmer, und ordnet und sichtet die Unterlagen, die Roithamer selbst für wertlos, schlecht und korrigierungsbedürftig verwirft, so dass er aus 800 Seiten 20 (!) gemacht hat - und mit jeder Korrektur verändert sich alles.

Der Suhrkamp-Verlag hat mit dieser bibliophilen Ausgabe, den vierten Band aus der Werke-Reihe 2005 veröffentlicht und erneut in Bezug auf die Text- und Buchgestaltung den Preis zu rechtfertigen verstanden, denn die bernhardschen Monologe sind optisch leserlich aufgearbeitet, samt Lesebändchen, und mit einem spannenden, knapp 70 Seiten umfassenden Nachwort zur Entstehungs-, Rezeptionsgeschichte und Anmerkungen zur Textgestaltung ausgestattet, so dass sich der stattliche Preis dieser Ausgabe rentiert.

Vergleicht der Leser die vorher publizierten Romane Bernhards ("Frost", "Verstörung" und "Das Kalkwerk") mit "Korrektur", fällt auf, dass Thomas Bernhard einen deutlich strukturierteren und besser zu lesenden Roman geschrieben hat, der dennoch durch seine (typische) sprachliche Brillanz zu überzeugen weiß. "Höllersche Dachkammer", das erste Kapitel, steht für eine erzählerische Exposition des Werkes; der Leser lernt die Charaktere kennen, jedenfalls soweit Thomas Bernhard es möchte, möglich macht und es will, die Situationen werden geschildert, einige Beweggründe aufgegriffen, wieder fallen gelassen, der Leser wird verwirrt und verliert sich mit jedem Satz, mit jeder Seite mehr und mehr in den bernhardschen Textwäldern, an deren Rand der Wahnsinn lauert. Insbesondere im Bereich der Satzstrukturen toppt Bernhard seine bereits veröffentlichten Bücher, denn die meisten Satzgefüge erstrecken sich auf mindestens eine, häufig sogar auf 2-3 Seiten. Mit "Sichten und Ordnen", Kapitel 2, wechselt die Erzählperspektive in die Roithamers und einige Geschehnisse werden erneut dargestellt, zumeist jedoch vertieft und intensiviert. Die Intensität des hier geschriebenen ist fulminant: Roithamers Schilderungen, insbesondere die über seine Kindheit sind tragisch, ergreifend und zu tiefst traurig. In diesen Szenen wird ein Versuch gewagt, die Frage zu beantworten, wieso Menschen sich in einen obsessiven Wahnsinn verlieren (in diesem Fall den Bau eines perfekt auf eine Person abgestimmten Kegels).

Erneut spielt eine Räumlichkeit, nämlich das Zuhause der Kindheit (Altensam), eine entscheidende Rolle, die das Leben eines einzelnen Menschen vollständig zerstören kann. Sei es die "höllersche Dachkammer", Altensam oder der Kegel: Räume, Gebäude, Bauten vernichten Existenzen. Die in einer anderen Rezension monierte fehlende Bissigkeit Bernhards ist definitiv zu bestätigen: die Seitenhiebe, die ausufernden Tiraden und die stetigen Meckereien sind lediglich temporär zu spüren. Natürlich macht es Freude, wenn sich Roithamer über Menschen aufregt, deren Intellekt zu wünschen übrig lässt, aber diese Sequenzen sind der Schilderung der Familienumstände des eigentlichen Protagonisten untergeordnet.
Thomas Bernhards "Korrektur" reiht sich mit seinen tiefschürfenden, treffenden Metaphern, seinem Erzählrhythmus und der Macht der verwendeten Sprache in die Riege des bernhardschen Oeuvres ein und muss sich hinter den großen Romanen nicht verstecken. Ich "arbeite" mich momentan von Band 1 bis 22 durch das Gesamtwerk Bernhards und es ist interessant zu erleben, wie sich ein Schriftsteller kontinuierlich weiterentwickelt und an seinem Stil gearbeitet hat.

"Korrektur" wird Sie sprachlos zurücklassen und Sie berühren, wobei ich Ihnen definitiv sagen muss: nichts ist so wie es anfangs scheint, denn Thomas Bernhard ist in der Lage, mit nur einem einzigen Satz mehr als nur die geschilderte Geschichte zu verändern.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Streben nach Perfektion, 30. März 2013
Thomas Bernhards "Korrektur" erschien 1975. Roithamer hat sich in den Kopf gesetzt, für seine Schwester einen Kegel mitten in einen Wald zu bauen, in dem diese wohnen soll. Die Planung des Baus geschieht in der Dachkammer von dessen Bekannten Höller in dem Ort Altensam, wo er die idealen Bedingungen für ein Werk über Altensam und auch das Großprojekt des Kegelbaus findet. Als seine Schwester den Kegel sieht, bringt sie sich um. Roithamer begeht nach dem Suizid seiner Schwester seinerseits Selbstmord. Nach seinem Tod findet sich der namenlose Ich-Erzähler und Freund Roithamers im höllerschen Haus ein, um das Werk Roithamers über Altensam zu lesen und dessen Nachlass "zu sichten und zu ordnen". Dabei entdeckt er neben Bauplänen und Skizzen auch unzählige persönliche Notizen Roithamers, bei deren Lektüre er an seine Freundschaft zu Roithamer und ihre gemeinsame Zeit zurückdenkt. Er entdeckt, dass Roithamer sein Werk über Altensam immer wieder korrigiert und somit stark verändert hat. Zu guter Letzt nahm er nach dem Tod seiner Schwester auch die letzte notwendige Korrektur vor, den eigenen Selbstmord. Bernhards Roman dreht sich wie so oft um einen geradezu manisch arbeitenden Pedanten, der ein übermenschliches und unbegreifliches Gigantenwerk zu realisieren beabsichtigt, dessen Träume sich ungeachtet dessen aber nicht verwirklichen. "Korrektur" lebt vom Spannungsverhältnis zwischen dem auf die Spitze getriebenen Streben nach Perfektion und dem stets drohenden Abkippen in das Scheitern und die Selbstzerstörung. Der Roman liest sich bereits deutlich strukturierter und aufgeräumter als noch das Debüt "Frost" oder "Das Kalkwerk", Bernhard ist hier schriftstellerisch nochmals merklich gereift. Für mich eines der besten Werke Thomas Bernhards. Zu loben sind auch die lesenswerten Angaben zur Entstehungsgeschichte von "Korrektur", insbesondere die Korrespondenz Bernhards mit Siegfried Unseld, und die schöne Ausfertigung der Leinenausgabe.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sprachvirtuos mit Tiefgang, 24. November 2012
Von 
Sophia (Pasewalk, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Korrektur: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Wer mehr Infos sucht, findet genug im Netz; daher nur als zusätzlicher Hinweis zu den anderen Rezensionen: Die Hauptfigur Roithamer trägt viele Anspielungen auf Ludwig Wittgenstein. Ein Buch also mit vielen philosophischen Zwischentönen.
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10 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen gut, aber es gibt bessere "Bernhards", 1. September 2004
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Korrektur: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Bei Bernhard verbietet es sich ja, sich über den "Inhalt" oder Gegenstand (im Mittelpunkt steht ein Ich-Erzähler, der den wissenschaftlichen Nachlass eines Selbstmörder-Freundes bearbeitet) auszulassen, der auch hier bestenfalls ein "Anlass" für die Bernahrd-typischen Monologe und Wiederholungen ist.
M.E. ist dieser "Roman" aber etwas weniger gelungen (weniger böse und weniger ironisch) und daher zurecht auch nicht so bekannt wie etwa "Die Verstörung", "Frost", "Das Kalkwerk" oder "Holzfällen". Für "Bernhardiner" ist das immer noch mehr als genug; "Einsteiger" würde ich "Korrekur" aber nicht anraten.
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8 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Korrektur, 14. Juli 2004
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Korrektur: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Wer Thomas Bernhard liest, sollte sich einer Tatsache bewusst werden: Hier liegt nicht ein Werk vor, das sich durch eine realistische Handlung auszeichnet, wie z.B. die Schatzinsel von R.L. Stevenson.
Bernhards Texte fügen sich nicht den Maßstäben einer realistischen Ästhetik des Abzubildenden. Seine Texte sollen gerade verhindern, dass die fiktionale Handlung nicht auf die traditionelle Art der Erlebnisästhetik wahrgenommen werden soll. Eine simple realistische Lesart würde diesen Modus aber gerade noch fördern.
So ist auch das vorliegende Werk im Hinblick auf seine Personenkonstellationen, Orte und Motive in das markante Gesamtwerk Bernhards integriert. Man hat freilich nun die Wahl dieses Merkmal Monotonie oder Langeweile zu schimpfen oder es als artistisches Stilmerkmal der (Welt-?)Literatur schätzen lernen.
Eine detaillierte Textanalyse offenbart dann auch das Faktum, dass aus den manisch anmutenden Monologen, die zunächst als ewige Repetition erscheinen, realistische, differenzierte und konturierte Orte und Personen abzeichnen.
Diese dramaturgischen Strukturen offenbaren sich dem Leser aber nur bei intensiver Lektüre, da diese nur sporadisch in den Gesamttext eingestreut sind.
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Korrektur: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Korrektur: Roman (suhrkamp taschenbuch) von Thomas Bernhard (Taschenbuch - 24. Mai 1988)
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