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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ausgezeichneter Einstieg in die Welt des Thomas Bernhard, 9. Dezember 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der Stimmenimitator (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Ursprünglich nannte Thomas Bernhard seine Sammlung kurzer Prosatexte, die heute den Titel »Der Stimmenimitator« trägt, »Wahrscheinliches – Unwahrscheinliches«. Der Originaltitel beschreibt ziemlich genau das, was das Wesen der Veröffentlichung kennzeichnet: Es handelt sich um rund einhundert Texte im Stil lokaler Pressenachrichten, die ebenso wahrscheinlich wie unwahrscheinlich klingen.

Sachlich wird berichtet von denkbaren und undenkbaren, von möglichen und unmöglichen Ereignissen, die der Autor blitzlichtartig aufnimmt und wiedergibt. Fast immer münden die Kurzberichte im Unglück, und die Trennwand zwischen Komödie und Tragödie ist hauchdünn.

Bernhards Hauptfiguren sind Höhlenforscher, Professoren, Bürgermeister, Feuerwehrleute, Dompteure, Schauspieler, Wahrsager, Postboten, Chorknaben, Bankangestellte und Präsidenten. Es sind recht unterschiedliche Gestalten. Manche Berichte lesen sich wie Anekdoten, manche werden zur Parabel für die Zeit, in der wir leben. Immer aber scheinen die Ereignisse eindringlich und unausweichlich auf ein Ende zuzustreben, das zufällige Unglück wird notwendig, der Tod unumgänglich.

Ein Schauspieler verkörpert die Rolle des bösen Zauberers in einem Kinderstück so überzeugend, dass die kleinen Zuschauer die Bühne stürmen und ihn zu Tode trampeln. Zwei Herren füttern im Tierpark Schönbrunn die Affen, bis die Tiere die Futterreste sammeln und es den Zoobesuchern durch das Gitter hinaus reichen, die darauf entsetzt dem Tiergarten entfliehen. Höhlenforscher kehren aus einer unerschlossenen Höhle nicht zurück, Rettungsmannschaften werden ausgeschickt, bleiben aber ebenfalls verschollen, worauf die Behörde den Höhleneingang zumauern lässt. Ein Denker tauscht mit dem Wirt eines vorzüglichen Gasthauses die Rollen, worauf naturgemäß weder Wirt noch Denker in ihren neuen Rollen funktionieren. Die Bürgermeister von Pisa und Venedig landen in ihren jeweiligen städtischen Irrenhäusern, weil sie, um die Touristen vor den Kopf zu stoßen, heimlich den schiefen Turm von Pisa mit dem Kampanile von Venedig tauschen wollen.

Zum engen Wechselspiel von Tragödie und Komödie sagt Bernhard selbst: »Man kann in Verzweiflung, sage ich, gleich, wo man ist, gleich, wo man sich aufhalten muss in dieser Welt, von einem Augenblick auf den anderen aus der Tragödie (in der man ist) in das Lustspiel eintreten (in dem man ist), umgekehrt jederzeit aus dem Lustspiel (in dem man ist) in die Tragödie (in der man ist).«

Die feine Textsammlung eignet sich vorzüglich, um in die Gedankenwelt Bernhards einzusteigen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Nichtexistenz als Voraussetzung der Existenz, 8. Dezember 2010
Von 
Th. Leibfried "TL" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Stimmenimitator (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Thomas Bernhard, zeitlebens ein Grantler, Menschenfeind, Hypochonder und Pessimist, starb 1989, drei Tage nach seinem 58. Geburtstag. Er hinterließ ein umfangreiches Werk aus Stücken, Romanen und Texten.

Das dominante und verbindende Element in den im "Stimmenimitator" gesammelten Texten, mehr als einhundert an der Zahl, die sich lesen wie kurze Berichte in einer oberösterreichischen Tageszeitung, ist der Tod. Der freiwillige und der unfreiwillige, der tragische und der absonderliche Tod. Für Bernhard gehört der Tod zum Leben, er ist elementarer Bestandteil seiner Existenz. Für die meisten Menschen ist klar, dass es ohne Leben keinen Tod gibt. Für Bernhard gibt es ohne Tod kein Leben. Die Nichtexistenz wird zur Voraussetzung der Existenz.

Auch wenn Bernhards Misanthropie in vielen anderen seiner und von mir gelesenen Werke weitaus deutlicher zu Tage tritt, so beschäftigt er sich doch nirgends so ausschließlich mit dem Tod. In diesem Punkt nimmt die Textsammlung "Der Stimmenimitator" eine besondere Rolle ein.

Wer mehr von Thomas Bernhard lesen möchte, ohne sich gleich das gesamte Werk vorzunehmen, dem seien vor allem folgende Romane empfohlen: "Ja" (1978), "Holzfällen" (1984) und "Auslöschung" (1986). Lesern, die Bernhard schon kennen und mehr erfahren wollen, kann ich sowohl das Tagebuch "Ein Jahr mit Thomas Bernhard" von Karl Ignaz Hennetmair und den "Briefwechsel" zwischen Bernhard und seinem Verleger vom Suhrkamp-Verlag, Siegfried Unseld, ans Herz legen.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gesellschaftskritik in Kurzform, 27. August 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Stimmenimitator (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
"Der Stimmenimitator" ist mein erstes Buch von Thomas Bernhard und ich bin begeistert. Die stilistische Form der Kürzestgeschichte war mir neu. Dem Autor gelingt es in wenigen Sätzen Gesellschaftskritisches zu formulieren und dabei zu klingen wie der Polizeiberichterstatter einer Provinzzeitung. Die Themen seiner Kurzgeschichten erschließen die Gräuel, die Skurilitäten und den Wahnsinn des österreichischen Alltags. Das Buch ist durchaus empfehlenswert und macht mir Lust auf einen "anderen" Thomas Bernhard.
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Skurile Kurzkomödien, 8. Oktober 2003
Rezension bezieht sich auf: Der Stimmenimitator (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Der Stimmenimidator ist eine Ansammlung von sehr kurzen Geschichten, die jeweils nur 1 bis 2 Seiten umfassen. Es sind insgesamt über 100 Geschichten. Die Themen sind meist Staat, oder der kleinbürgerliche Wahnsinn. Der Staat wird immer wieder angegriffen, als Mörder, Verantwortlicher für alle möglichen Missstände. In einem Beispiel wir ein Bergwerk nach mehrfacher erfolgloser Suche der Verschollenen, im Auftrag des Landes Salzburg zugemauert, geschüttet. Der kleinbürgerliche (ganz normale) Wahnsinn äussert sich durch Menschen die plötzlich ihre Kinder umbringen weil sie ihnen plötzlich „zuviel geworden sind".
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5 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Stimmenimitator, 22. September 2002
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Stimmenimitator (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Das Buch „Der Stimmenimitator" von Thomas Bernhard ist zwar nicht einfach zu lesen aber sehr interessant zu interpretieren und analysieren. Thomas Bernhard achtet sehr auf die Form von seinen Texten. Er verschachtelt viele Relativsätze ineinander, unterbricht den Hauptsatz immer wieder durch Nebensätze und schreibt zu Beginn immer lange und unverständlich. Erst am Ende des Textes gibt es dann eine einfache Auflösung, einen klaren Satz.
Thomas Bernhard beschreibt Dinge und Orte nicht, er nennt sie lediglich beim Namen, bezieht sich also bloß auf Tatsachen.
Thomas Bernhard versteht es aber sehr gut in kurzen prägnanten Sätzen das auszudrücken wofür andere Autoren ganze Bücher brauchen. Immer wieder findet man interessante Geschichten die einem bekannt vorkommen, banale Dinge, die einem aber erst beim Lesen bewußt werden.
Mit einer metapherreichen Sprache nähert er sich zum Beispiel dem Konflikt jung-alt, oder dem Thema Rufmord.
Außerdem finde ich den Titel durchaus interessant, denn ein Mensch der Stimmen imitiert nimmt ja die Klangebene anderer Persönlichkeiten an und gibt sein eigenes Wesen auf.
Ich fand zwar zu Beginn keinen direkten Zusammenhang zwischen den einzelnen Texten im Buch, erst gegen Schluß hin wurde mir klar, dass alle irgendwie miteinander verbunden sind. Es gibt einen roten Faden der sich überall durchschlängelt, aber den muß wohl jeder für sich selbst finden!
Für alle, die Thomas Bernhard gerne lesen, ist das sicher ein neues Erlebnis, da es zum Beispiel im Vergleich zu Der Keller, Die Ursache... nicht in einem derart pessimistischen Ton verfaßt ist, der mir eigentlich sehr mißfiel.
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Der Stimmenimitator (suhrkamp taschenbuch)
Der Stimmenimitator (suhrkamp taschenbuch) von Thomas Bernhard (Taschenbuch - 24. November 1987)
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