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TOP 500 REZENSENTam 20. Dezember 2012
Die Moderne hat ihre Probleme mit den Institutionen. Institutionen sind geronnene Verhaltensvorschriften, sie strukturieren das soziale Leben, begrenzen es aber auch. Einer Epoche der Spontaneität und Freiheit sind die Institutionen deswegen ein Gräuel: Staat, Schule, Betrieb, alles unfrei, Murks, menschenunwürdig.
Reinald Goetz hat mit seinem Erstlingsroman "Irre" sich die unfreieste Institution vorgenommen, die man sich nur vorstellen kann: Eine Nervenheilanstalt, traditionell auch als Irrenhaus" bezeichnet. In einer Nervenheilanstalt sind die Menschen doppelt unfrei: sie sind unfrei aufgrund ihrer zwanghaften oder depressiven Thematik, und sie sind unfrei aufgrund des Reglements, dem sie während ihres Anstaltsaufenthaltes unterworfen werden. Von dieser Unfreiheit der Kranken, aber auch der Unfreiheit der behandelnden Ärzte und Pfleger schreibt Reinald Goetz, der selbst Medizin studiert hat und recht genau weiß, wovon er berichtet.
Goetz präsentiert seinen Roman in drei formal recht unterschiedlichen Teilen. Im ersten Teil "Sich entfernen" liest man Fragmente aus wechselnden Innenperspektiven, von denen man erst nach und nach entdeckt, dass es sich um die Innenansichten von Kranken und eines Arztes handelt. Dieser Arzt tritt dann im zweiten Teil ("Drinnen") in den Mittelpunkt der Geschichte. Erzählt wird nun fortlaufend und chronologisch die Geschichte des jungen Dr. Raspe und seinem Berufseinstieg in eine Münchener Nervenklinik. Der dritte Teil des Romans "Die Ordnung" vollzieht dann wieder den Wandel in die Innenperspektive - über einhundert Seiten lang werden vollkommen ungeordnet Gedankenfetzen, Notizen, Reflexionen, Schimpfkanonaden dargestellt, in denen es um nichts weiter geht als um eine literarische Darstellung einer eskalierenden zyklothymen Störung. Inwieweit dies wirklich gelungen ist, mag jeder selbst beurteilen Ich meine, dass niemanden etwas entgeht, der diese letzten einhundert Seiten nur noch kursorisch liest.
In Wahrheit lohnt die Romanlektüre vor allem wegen des zweiten Teiles. Auf gut 120 Seiten beschreibt Goetz eindringlich und informativ den Berufseinstieg eines jungen und idealistischen Psychiaters, der sich fest vorgenommen hatte, jeden Patienten ernst zu nehmen. Die linke Kulturrevolution der Siebziger Jahre bebt noch nach und postuliert in der ihr eigenen Plattheit den Wahnsinn" als eine Folge gesellschaftlicher Repression und die Krankheiten der Patienten als eine kreative Form des Rückzuges aus den Unterdrückungszusammenhängen des Kapitalismus. So einfach macht es sich Dr. Raspe allerdings nicht, obwohl ihm seit Freund Wolfgang tagaus tagein den Kopf mit diesem "Schrott" volllabert. Dass es aber so bleiben kann, wie es ist, glaubt er aber auch nicht. So kommt es, wie es kommen muss - bald sitzt er zwischen allen Stühlen - denen seiner linksradikalen Freunde, seiner insgesamt wohlmeinenden, aber erfolglosen Arztkollegen und seiner Patienten, deren individuelles Leid ihn überfordert. Neben dem aalglatten Klinikdirektor Reiter, dem umtriebigen Kollegen Bögl, gegenüber dem reaktionären Professor Schlüssler, in Abgrenzung zum adventistischen elektroschockeuphorischen Professor Meien, im Angesicht kotbeschmierter Patienten, überforderter Pfleger und jammernden Angehörigen sucht der junge Raspe vergeblich nach einem Weg zwischen medikamentöser Stillstellung und naiver Antipsychiatrie. "Und während die Visite sich routiniert und wie von selbst abspulte, türmten sich in Raspe Überdruss und Lustlosigkeit, alles sinnlos, all dieser kraftzehrende Einsatz. Alles noch so gutwillige Gerede, alles Geschwätz war nichts gegen die Macht der Psychose."(S.197) In seiner zunehmenden Orientierungslosigkeit durchlebt er Nächte voller Tanz- Alkohol- und Gewaltexzesse, um am Ende selbst zum Fall zu werden. "Und ihm war, als sähe er sich selbst, aus dem Raumschiff gestoßen, torkelnd, mit Armen und Beinen in der Leere Halt suchend, sähe er sich so immer weiter fort rasen, immer kleiner werden, winzig, ein Punkt Stern zwischen Sternen im Schwarz, ein Nichts im All." (S.221) Man sieht, die Sprache ist geradeheraus, packend, zum Teil poetisch. Vom Schimpf- und Volltrottelduktus des späteren Goetz ist dieser Roman noch weit entfernt.
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am 27. Oktober 2012
"In einer von falschem Bewusstsein bestimmten Praxis seines durchaus freien Willens hat der Irre den Wahn gewählt, er will also den Wahnsinn, um sich den Geboten von Kapital und Staat fügen zu können, indem er von den Ansprüchen der bürgerlichen Welt auf Tauglichkeit ihrer Mitglieder sich selbst dispensiert." Dieses Zitat aus Rainald Goetz' Roman "Irre" charakterisiert sehr gut die Summe der Erkenntnisse seines jungen Helden Raspe, eines angehenden Psychiaters, der seine Karriere in einer Anstalt beginnt. Raspe zweifelt zunächst stark an seiner richtigen Berufswahl, da er mit den Anstaltsbedingungen und der unwürdigen Behandlung der Patienten, insbesondere durch die bis heute praktizierte und heftig umstrittene Elektroschocktherapie, nicht zurecht kommt. Mit der Zeit fügt er sich jedoch in den Kollegenkreis und sieht über seine anfänglichen Zweifel zugunsten der Förderung seiner medizinischen Karriere hinweg. Als Ventil für die auf Dauer nicht zu verdrängenden seelischen Verschleißerscheinungen bei seiner Tätigkeit feiert und trinkt er immer öfter bis spät in die Nacht, ehe sein Leben im Überdruss seines deprimierenden Tagesablaufs eine plötzliche Wendung erfährt und er die Schwelle zu seinem allmählichen eigenen Wahnsinn überschreitet.

Rainald Goetz Roman bietet eine interessante Polyphonie auf, indem er perspektivisch Stimmen unterschiedlicher Insassen und des Anstaltspersonals imitiert und die oft zynisch-nachsichtige Haltung des Personals gegenüber den Patienten, den Wahnsinn der Patienten selbst sowie die Aussichtslosigkeit zeigt, festgefahrene Zustände in den verkrusteten Machtstrukturen der Anstalt zu beseitigen. "Irre" ist gewitzt, teils mit sarkastischem Unterton und mit guter Beobachtungsgabe geschrieben, aber nicht einfach zu lesen. Auch, wenn Rainald Goetz nach den gut strukturierten ersten zwei Teilen des Buchs dann im dritten Teil mit dem Wahnsinn Raspes für meinen Geschmack ein wenig übertreibt und die teils wirren inneren Monologe und Gedanken Raspes ungeordnet und in immer wieder von Bildern und Fotos durchbrochenen Passagen geballt aneinanderreiht, liefert Goetz mit "Irre" einen lesenswerten Roman ab.
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am 21. Juni 2002
Niemand beschreibt das „Unbehagen in der Kultur" treffender als Rainald Goetz: In den ersten zwei Teilen des Buchs wechseln schmerzhafte autobiographische (?) Berichte von der Arbeit als Arzt in der Psychiatrie (Patientengespräche, Diskussionen mit Kollegen, Selbstreflexion) mit noch viel peinvolleren Beschreibungen vom Innen"leben" der Patienten. Ohne den Betrieb der totalen Institution Psychiatrie platt anzugreifen, ist dieses Buch eine lautstarke Kritik an der Behandlung, die „anders denkende" Menschen erleiden müssen und an einer Gesellschaft, die - um nicht selbst verrückt zu werden -eben jene „anderen" einsperren muss.
Wo Leute wie Foucault mehrere hundert Seiten brauchen, um wissenschaftlich distanziert Entwicklungen in der Geschichte der Medizin nachzuzeichnen und historisch zu begründen, wirkt Goetz' Buch durch seine Distanzlosigkeit wie ein Schlag in die Magengrube und macht betroffen.
Auf einer anderen, persönlichen Ebene, wird der Leser in einen Strudel schon vergessen geglaubter Fragen aus der Adoleszenz gezogen: Wo ist mein Platz in der Gesellschaft? Ist das, was ich mache, richtig? Versteht mich hier überhaupt jemand? Werde ich jemals eine Gewissheit haben? Interessiert sich jemand für meine Nöte?
Nur wenn man sich an diese quälenden Fragen erinnert, kann man Goetz diesen dritten Teil nachsehen: Pubertär oder schon die Grenze zum Irrsinn überschritten? Dem geneigten Leser bleibt die Wertung überlassen.
Frei nach den Einstuerzenden Neubauten: „Ließ mit Schmerzen"
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Irre ist wie ein Horrortrip ohne Ende: So muss es sich anfühlen, wenn einem das eigene Leben entgleist und es im Nirgendwo verschwindet. Für die Menschen in dem Roman ist der Zug abgefahren, egal ob sie zu denen gehören, die in der Klinik festsitzen, oder zu den Ärzten, die so tun, als könnten sie etwas gegen den Irrsinn unternehmen. Alles scheiße, findet der Protagonist, ein Alter Ego des Autors, schmeißt seinen Arztkittel hin und macht kaputt, was ihn kaputt macht. Rainald Goetz verabreicht dem Leser die nackte Wahrheit, und die ist ebenso unappetitlich wie die Arbeit der Pfleger im Buch, die den Kot der Patienten von den Krankenhauswänden kratzen; wohl auch, weil er uns mit seinem irren Sprachrhythmus in die Köpfe der Wahnsinnigen hineinzwingt. Wie gelähmt schaut man aus deren sedierten Gemütern auf die Welt und sieht einen Zug nach dem anderen vorbeirasen. Während Goetz 1983 an den Klagenfurter Literaturtagen aus dem Buch vorlas, ritzte er sich mit einer Rasierklinge die Stirn auf und ließ sein Blut übers Manuskript laufen. Ein medialer Stunt des angehenden Popliteraten, oder die konsequente Umsetzung seines radikalen Literaturverständnisses? Man muss Irre gelesen haben, um diesen Akt als rationale Selbstverletzung in einer verrückten Welt zu verstehen.
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am 24. Mai 2008
Als der Roman erschien, hatte der Autor einen spektakulären Auftritt beim Ingeborg Bachmann-Preis hinter sich, wo er sich vor Augen der Jury die Stirn aufschlitzte, während er aus dem Manuskript vorlas. Was als Werbegag hätte abgetan werden können, bewies sich als Kampfansage für den verstaubten Literaturbetrieb. Im Nachhinein tauchte hier ein Autor auf, der mit gängigen Kriterien nicht abzuurteilen war und sich auch nicht darum scherte. Irre ist ein fulminanter Roman über die Psychiatrie, beschreibt die Arbeit in einer Klinik und stellt die Frage nach einem menschenwürdigen Leben auf beiden Seiten. Stilistisch läßt er einem Leser nicht viel Raum, sich zurückzulehnen und zu goutieren. Wir begegnen einer Melange aus Popmusik, Kneipenleben und Psychiatrie, in der die Nerven allesamt gespannt, die Sucht nach Erfahrung groß ist. Goetz gehört zu den wenigen Autoren, die ein schillerndes Debüt durch spätere Werke bestätigt haben, ohne an Kraft zu verlieren.
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am 30. Dezember 1999
Literatur, die alles sein will, nur nicht Literatur, und die dann doch immer wieder und vor allem wird : Literatur, das ist das scheinbare Paradoxon des Autors Rainald Goetz in seinem ersten Roman "Irre". Eine ziemlich konventionelle Geschichte der Entwicklung wird in einer das grundsätzlich Neue versuchenden Form angelegt : Da tauchen mehr oder weniger offene Pamphlete auf, Ausschnitte aus Donald-Duck-Heften, da werden die Elendsexistenzen der psychiatrischen Station in einer immer wieder unfassbaren Art und Weise offen gelegt. Und da wird vor allem, in einer formal klar durchstrukturierten Art eine deutliche Entwicklung deutlich, wenn dies auch sehr bruckstückhaft, mithin rudimentär dargestellt wird. Ein Buch für angehende Mediziner und / oder Psychologen : Sehr kenntnisreich. Auch sprachlich sehr toll. 5 Sterne, ohne Frage. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 27. Februar 2000
Das erste Drittel: Abgeschlossene Fragmente, zerschundene Biographien, (Selbst-)beschreibungen inneres Ringens mit dem Wahnsinn, unkontrollierbarer Zählzwang. Darunter Passagen, die sich unwiderrruflich ins Gehirn fräsen. Das zweite Drittel: Eine richtige Geschichte. Sprachlich brillant, doch ohne schöne Stellen. Das letzte Drittel: Plastikschrott, Geschreibsel, Notizen mit niedrigem Gebrauchswert. Das hätte er sich sparen können. Trotzdem wird der Wert des Buches durch diesen Sprachmüll nicht gemindert.
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am 4. Oktober 1999
DAS Buch schlechthin für den Herbst, vor allem für alle nicht Psycho Vorbelasteten. Bei aller Sperrigkeit, dieses Buch habe ich in einem Zuge gelesen.
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am 9. Mai 2009
also, dass rainald goetz sein buch mit "irre" betitlt hat wohl so seinen sinn.
denn es ist irre.
aber irre verwirrend.
für jemanden der seinen schreibstil nicht kennt und einen gut gegliederten roman im stile anderer taschenbücher erwartet hatte, wird es eine große überraschung.
man weiß schon nach ein paar seiten nicht mehr, wer da grade was erzählt, um was es geht und wo man sich befindet. direkte rede wird nich in anführungszeichen gesetzt und einen roten faden gibt es auch nicht.
mittlerweile hörte ich,seine bücher seien kunst, und so sind sie wohl auch zu betrachten.
ich habe leider nicht verstanden was er da mitteilen wollte und habe deswegen das buch schon nach ca. 50 seiten beiseite gelegt....
scade, dass ich diesem buch noch nicht gewachsen war, vllt in 10 jahren???
ich weiß allerdings auch nicht wer dieses buch sonst versteht???
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am 2. Februar 2010
das buch Irre ist ein buch für damische. man wird damisch, wenn man es liest. es macht damisch. es ist damisch. damisch. lest!
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