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29 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Informativ, interessant, intelligent!, 10. April 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Tagebuch 1946-1949 (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Nachdem ich das Tagebuch von Max Frisch nun innerhalb weniger Tage gelesen habe, gehört es ganz sicher zu den Büchern, die ich immer wieder mal zur Hand nehmen werde, um bestimmte Auszüge noch einmal zu lesen und vielleicht sogar noch neue Aspekte zu entdecken. Auf Max Frisch bin ich erst dadurch aufmerksam geworden, dass wir im Deutsch - Leistungskurs seinen modernen Roman "Homo faber" besprochen haben, dessen wirklich aktuelle Thematik der Identitäts - und Bildnisproblematik für mich von Beginn an sehr ansprechend war. Nachdem wir auch einzelne Auszüge aus Frischs Tagebuch im Unterricht besprochen haben, beschloss ich, mir dieses Buch zu kaufen, da mich die erwähnten Auszüge unwahrscheinlich faszinierten, weil sie einfach so viel Wahrheit beinhalteten. Hier ein Auszug, der mich besonders beeindruckt hat: "Unsere meinung, dass wir das andere kennen, ist das Ende der Liebe, jedesmal, aber Ursache und Wirkung liegen vielleicht anders, als wir anzunehmen versucht sind - nicht weil wir das andere kennen, geht unsere Liebe zu Ende, sondern umgekehrt: weil unsere Liebe zuende geht, weil ihre Kraft sich erschöpft hat, darum ist der Mensch fertig für uns. Er muss es sein. Wir können nicht mehr! Wir künden ihm die Bereitschaft, auf weitere Verwandlungen einzugehen. Wir verweigern ihm den Anspruch alles Lebendigen, das unfassbar bleibt, und zugleich sind wir verwundert und enttäuscht, dass unser Verhältnis nicht mehr lebendig sei. 'Du bist nicht', sagt der Enttäuschte oder die Enttäuschte, 'wofür ich dich gehalten habe.' Und wofür hat man sich denn gehalten? Für ein Geheimnis, das der Mensch ja immerhin ist, ein erregendes Rätsel, das auszuhalten wir müde geworden sind. Man macht sich ein Bildnis. Das ist das Lieblose, der Verrat." - Einfach wunderbar wahr! Zahlreiche solcher Gedanken, die die Identitätsproblematik und die Problematik unserer Gesellschaft betreffen und oft Bezüge zu den Gedanken des großen Sozialphilosophen und -psychologen Erich Fromm aufweisen, finden sich in Frischs Tagebuch und regen sowohl zum Nachdenken an als sie auch wirklich tiefe Erkenntnisse und Aha-Erlebnisse vermitteln. Dennoch möchte ich das Buch trotz dieser beeindruckenden Inhalte nicht mit fünf Sternen bewerten, da es mitunter auch eher langweilig zu lesen war, weil mich manche Themen die Frisch anschnitt und manche Ereignisse von denen er erzählte, kaum interessierten. Im Großen und Ganzen halte ich diese wirklich abwechslungsreiche Sammlung philosophisch - psychlogischer sowie gesellschaftskritischer Gedanken und Ausführungen welche auch zu großen teilen die Vorüberlegungen Frischs bekanntesten Werke wie beispielsweise "Andorra" beinhalten auf jeden Fall für empfehlenswert für solche Leser, die sich für Max Frisch, seine Werke und deren Hauptthematik - die Bildnis- und Identitätsproblematik - interessieren und begeistern und sich gerne in ihren Gedanken über das Leben, die Gesellschaft und die Menschen neu anregen lassen sowie mehr über Max Frisch selbst erfahren möchten (wenn das Tagebuch auch keine privaten Bekenntnisse beinhaltet).
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geistreiche Bestandsaufnahme -- und mehr, 4. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Tagebuch 1946-1949 (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Der Titel "Tagebuch" täuscht -- Einblicke in das Privatleben des Autors gewährt dieses Buch zwar, aber nur höchst indirekt; Max Frisch nimmt hier sein Recht auf ein Privatleben in Anspruch. Unpersönlich sind diese Aufzeichnungen -- zu Recht werden sie oft als Bestandsaufnahme bezeichnet -- aber keineswegs.
Wie das ebenso lohnende "Tagebuch 1966-1971" ist auch dieses Tagebuch aus der unmittelbaren Nachkriegszeit streng durchkomponiert; man hält bestimmt keine unmittelbaren Aufzeichnungen des Autors in Händen. Frisch nimmt dem Leser kommentarlos diese Illusion, bevor sie überhaupt entstehen kann. Dies muss aber kein Nachteil sein; im Gegenteil!
Das "Tagebuch 1946-1949" ist nämlich mehr eine Bestandsaufnahme vom Europa der unmittelbaren Nachkriegszeit -- Frisch, der den Zweiten Weltkrieg von der neutralen Schweiz aus beobachtet hatte, bereist nun die Ruinenlandschaften Mitteleuropas, beobachtet KZ-Überlebende, Trümmerfrauen, Bettler, "Frauleins", das feiernde Paris am Nationalfeiertag: Sieger und Besiegte, Verbrecher und Opfer. Und er liefert Stimmungsbilder aus einem Europa, dessen Schicksal zum Zeitpunkt der Niederschrift in der Schwebe lag. Man wusste nicht, wie es weitergehen würde -- Berlin-Blockade und die sich abzeichnende deutsche Teilung, der dubiose Selbstmord Jan Masaryks und ähnliche Ereignisse drohten, den beginnenden Kalten Krieg jederzeit wieder heiß aufflammen zu lassen. Die Eindrücke sind noch frisch, und die Gespräche, die Frisch mal detailliert, mal skizzenhaft wiedergibt, wirken trotz der erkennbaren "Nachbearbeitung" durch den Autor unmittelbarer und authentischer als manch eine zeitgenössische Reportage.
Gleichzeitig finden sich in diesem "Tagebuch" viele Reflexionen über die zeitgenössische Literatur, übers Theater im allgemeinen, die Besonderheiten von Brechts Lyrik usw. Hier liest man freilich kein Evangelium, sondern "nur" Frischs Meinung, aber in diese Stellungnahmen gingen dieselben Überlegungen ein, auf denen auch Frischs literarisches Schaffen beruht.
Allein deswegen wäre dieses Tagebuch schon eine lohnende Lektüre, aber es ist noch viel mehr als ein biographisches Dokument, viel mehr als eine historische Quelle: Das "Tagebuch 1946-1949" enthält nämlich mehr oder weniger ausgearbeitete Entwürfe von einigen Dramen und Erzählungen, deren Entstehungsgeschichte man hier ein wenig nachverfolgen kann; nicht nur der "Graf Öderland" ist hier bereits vertreten.
"Tagebuch 1946-1949" ist sicher kein Tagebuch im landläufigen Sinne, aber dafür ein anregender Einstieg in Frischs Denken, ein unmittelbar wirkendes Stimmungsbild aus dem Nachkriegs-Europa, auch eine Sammlung geistreicher Essays -- es gibt wahrlich schlechtere Bücher!
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen FRISCH-haltebemühung - eine Hommage zum 100sten., 13. Mai 2011
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
"Es ist nicht die Zeit für Ich-Geschichten. Und doch vollzieht sich das
menschliche Leben oder erfüllt sich am einzelnen Ich, nirgends sonst."
(Max Frisch)

Max Frisch (1911-1991) würde am 15.Mai 2011 genau 100 Jahre. So alt hätte er nur zahlenmäßig werden können, war doch sein Leben an Reisen und an Jugend gekoppelt. Betracht man all seine Werke, dann entdeckt man den jungen "Homo faber" mit seinen Ländern und Geliebten, dann weiss man um Geiser, der stellvertretend im Holozän erscheint und seine Erinnerungen schrieb, man weiß um Frisch selbst, der nicht er selbst war, wie auch "Stiller" nicht Stiller sein wollte, aber immer auf dem Weg zum Ich. Man begegnet ihm mehr oder weniger privat in "Montauk" , weiß dann um seine "Brook-lynn" auf der Insel und erkennt sein Streben nach sich selbst im wohl geheimnisvollsten Roman, der die "Antwort aus der Stille" gab.

Wenn man gerade von dem Menschen, der uns nahe ist, nichts weiß, dann ist man mitten in den Tagebüchern aus der Nachkriegszeit. "Du sollst Dir kein Bildnis machen" ist diese wunderbare Geschichte, in der das Lieben genügt wie an anderer Stelle das Glauben. Der Mensch als Geheimnis und damit auch Frisch selbst als Geheimnis und doch scheinen seine Bücher von dieser Offenbarung ewiger Jugend, die er sich verspricht. Nicht ankommen, kein Ende eines Traumes, alles "verzweifelte Notwehr" auf Kosten der Wahrhaftigkeit. "Was wichtig ist: das Unsagbare, das Weiße zwischen den Wortern", weil dort das steht, was wir meinen. Wenn wir es sagten, so Frisch, dann entfernen wir uns, "alles, was einmal zum Wort wird, einer gewissen Leere anheim fällt". Was ist das Leben?, so die immer währende Frage dieses Autors und weil er fragt in der Zeit des Nachkriegs und immer wieder sucht, bleibt er jung, Zeitgenosse unserer Welt und doch Berichterstatter vom Erbe der Vergangenheit. All seine Werke sind eine Suche nach einem bedeutenden Leben oder nach dem, was dem Leben Bedeutung geben kann. Aber wie? Als wenn "es genügte, wenn man den Mut hätte, jene Art von Hoffnung abzuwerfen, die nur Aufschub bedeutet" führt er doch seine Protagonisten als große Menschen in den Ring, eine Sehnsucht nach männlicher Tat ihnen eigen, wie Iris Radisch schrieb, und immer mit der Frage, die am Berg gestellt war: "Wie wollen wir leben?"

Auch bemerkt Frisch dieses: "wenn wir zuweilen die Geduld verlieren, unsere Meinung einfach auf den Tisch werfen und dabei bemerken, dass der andere zusammen zuckt, berufen wir uns mit Vorliebe darauf, dass wir ehrlich sind." Offen gestanden! ist eben jene Redewendung, die die Ungeduld in Zufriedenheit wenden soll. Oder - so Frisch - es bleibt nur die Artistik für das Unbequeme, damit der andere dem Zorn nicht entgegnen kann.

"Wer eine Überzeugung hat, wird mit allem fertig. Überzeugungen sind der beste Schutz vor dem Lebendig-Wahren." Eben. Frisch ist Moralist ohne Prediger zu sein, er ist Reisender ohne Ankunft, er ist Lebender ohne Alter, er ist Utopist ohne Realität. Ein ewig junger eben, voller Sentimentalität und Ironie, voller Abriss und Neubau, voller Liebe und Leid, voller Stirb und Werde mit der Einsicht, ein unvollendeter Mensch zu sein. Aus diesem Grunde lesen wir die Hundertjährigen, weil es so ist mit den Toten: man redet mit ihnen, aber sie denken nicht um.

Fazit: Eine Reihe von klugen Gedanken, Ideen und Anregungen sind hier zu lesen. Gleichzeitig gibt er ein Zeitbild für die Zeit des Neuanfangs nach dem Krieg. Und manche kurzen Gedanken, Lebensspotts, die wie eingestreut wirken, ergänzen das Bild. Längere Passagen sind beginnende Szenen zu den diesem Tagebuch folgenden Werken. Ein erster frischer Frisch zum Kennenlernen.
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5.0 von 5 Sternen Zeitgeschichte aus subjektivem Blickwinkel, 10. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tagebuch 1946-1949 (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Max Frisch beobachtet, analysiert, macht sich seine Gedanken. Für mich besonders interessant: der Blick eines Schweizers auf das Deutschland dieser Zeit. Für Interessierte nach wie vor absolut lesenswert.
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Tagebuch 1946-1949 (suhrkamp taschenbuch)
Tagebuch 1946-1949 (suhrkamp taschenbuch) von Max Frisch (Taschenbuch - 23. April 1985)
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