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17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Absurd, genial: Lem, 20. März 2010
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die vollkommene Leere (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Das Buch enthält sechzehn Rezensionen zu nicht existenten Büchern!

Für alle, die jetzt noch weiter lesen: es ist eine brillante Idee, die kongenial umgesetzt wurde.

Es gelingt Lem auf diese Weise, sechzehn Texte zu verfassen, von dem jeder auf seine Art gelungen ist und zum Nachdenken bringt.

Bemerkenswert dabei ist einmal mehr bei Lem das breite Spektrum der Themen, das zwar sein zentrales Lebensthema - die begrenzte Erkenntnisfähigkeit des Menschen im Kontrast zu seinem Anthropozentrismus - variiert, diesem aber immer neue Facetten abgewinnt.

So enthält das Buch z.B. einen durch groteske Überspitzung ausgeführten Seitenhieb gegen den selbstverliebten Literaturbetrieb ("Gigamesh"), ein lesenswertes Gedankenexperiment über die Auslöschung des Sexualtriebs ("Sexplosion"), einen Text über die wahnhaften Folgen von Zwang und Gruppendynamik ("Gruppenführer Louis XVI."), etwas zu den "Verrenkungen" der Psyche im Angesicht von Leid und Schande ("Der Idiot") und eine absurd-konsequente Betrachtung der Wahrscheinlichkeitsrechnung ("De Impossibilitate Vitae; De Impossibilitate Prognoscendi").

Und das Beste daran: Diese Rezensionen sind in der deutlich Regel amüsanter, als diese Stichworte ahnen lassen ohne dabei jemals albern zu sein.

Einige Ideen sind dem Lem-Leser aus anderen Zusammenhängen bekannt; so meine ich eine deutliche Analogie der Rezension zu "Being Inc." mit den "Memoiren, gefunden in der Badewanne" (s.u.) zu erkennen.

Für mich ist Lem ein Phänomen: Wo viele Menschen vielleicht einmal in Ihrem Leben eine geniale oder zumindest originelle Idee für einen Text (sei es Roman, wissenschaftliche Arbeit, Drehbuch etc.) haben, da hat Lem Dutzende. So viele, dass er es sich leisten kann eine Sammlung von sechzehn Rezensionen über nicht geschriebene Bücher zu verfassen, bei der nicht eine nicht-lesenswert oder trivial wäre.

Jedes seiner Werke, das ich bisher gelesen habe - von den "komischen" um Ijon Tichy, die nicht zuletzt der Zensur im Polen des Kalten Kriegs geschuldet waren, über die Essays und Aufsätze bis zu den in doppelter Bedeutung phantastischen "ernsten" Romanen wie z.B. "Solaris", "Die Stimme des Herrn" ,"Eden" oder "Der Unbesiegbare" - enthält einen so bemerkenswerten Reichtum interessanter Gedankenspiele und tiefer Einsichten über die Natur des Menschen, dass ich mir regelmäßig wie ein Ignorant vorkomme, weil ich mir solche Einsichten nicht selbst erarbeitet habe.

Naturgemäß bestehen deutliche, durch die Textgattung bedingte Unterschiede im Niveau der Schriften: ein eher philosophisches Traktat wie "Also sprach Golem" liest sich deutlich schwerer als ein kurzweiliger - wenngleich ebenfalls tiefsinniger - Roman wie "Der futurologische Kongress".

Auch ist sechzehn Rezensionen über nicht geschriebene Bücher zu schreiben sicherlich nicht bestsellertauglich und das Lesen bereitet eine gewisse Mühe und intellektuelle Anstrengung. Dennoch lohnt es sich, dieses Buch in die Hand zu nehmen, selbst wenn die inzwischen fast vierzig Jahre, die seit seiner Entstehung vergangen sind (!), an einigen Stellen merklich sind und die gelesene Übersetzung von Klaus Staemmler einige unglückliche oder veraltete Formulierungen enthält.

Insgesamt sind die vier Sterne dieser Bewertung daher auch keine Abwertung, sondern der "Essay-Form" und der Abstufung gegenüber den (o.g.) brillanten Romanen Lems geschuldet.

Für alle, die von Büchern (zumindest gelegentlich) auch intellektuell gefordert werden wollen, selbst wenn man dafür ab und zu einen Satz mehrmals lesen muss, ist "Die vollkommene Leere" eine absolute Leseempfehlung.

Hat man gemerkt, dass ich ein Lem-Fan bin?
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geniale Idee, 10. Oktober 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die vollkommene Leere (Taschenbuch)
Eine geniale Idee - Rezensionen schreiben über Bücher, die überhaupt nicht existieren. Ein im wahrsten Sinne des Wortes fabelhaftes Lesevergnügen. Jorge Luis Borges und andere berühmte Autoren hatten auch schon ähnliches ausprobiert. Lems höchst amüsante Anthologie hat übrigens inzwischen weitere Nachahmer gefunden - so z.B. Bernd Wahlbrinck, der in "Nicht zu Fassen" 36 Rezensionen nicht existierender Bücher und das jeweilige imaginäre Buchcover vorstellt. Wikipedia bietet unter dem Eintrag "Imaginäre Bücher" eine gute Übersicht über diese Art von Literatur.
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46 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gigamesch, 11. Januar 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die vollkommene Leere (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Ein Buch voller Rezensionen von Büchern, die es nicht gibt: so etwas Abgefahrenes haben wohl nur wenige Schreiber produziert. Und das Beste daran: Jede einzelne Rezension ist genial, vielfach kommt man aus dem Lachen nicht heraus. Eingeleitet wird das Ganze übrigens von der Rezension von "Die vollkommene Leere" von S.Lem, in der ein gewisser S.Lem das Buch zerreisst ... Meine persönlichen Lieblinge sind "Gigamesh" (in dem der "Höhepunkt literarischen Schaffens" besprochen wird, ein einziger Seitenhieb auf James Joyce) und die Autorezension. Viel Spaß beim Lesen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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Die vollkommene Leere (suhrkamp taschenbuch)
Die vollkommene Leere (suhrkamp taschenbuch) von Stanislaw Lem (Taschenbuch - 3. August 1981)
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