Kundenrezensionen


41 Rezensionen
5 Sterne:
 (29)
4 Sterne:
 (9)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:
 (2)
1 Sterne:
 (1)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser, ....
"Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser,
es warnt dich schon beim Eintritt."
(Michel de Montaigne)

"So bin ich selbst der einzige Inhalt des Buches", führt Montaigne fort und Max Frisch (1911-1991) hat im Jahre 1975 erstmals diese Montaigne Zeilen vorangestellt seiner Ich-Erzählung, die aus dem Alltag des Lebens hinführt in eine Oase des...
Veröffentlicht am 27. September 2009 von kpoac

versus
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen "Diese dünne Gegenwart..."
Ein Verdienst hat dieses Buch immerhin: Es hat mich von meinem offenbar übertriebenen Glauben an die literaturkritische Treffsicherheit von Marcel Reich-Ranicki abgebracht. Denn ich kann leider ganz und gar nicht nachvollziehen, was den Herrn Professor bewogen haben mag, dieses Werk in seinen Kanon der 20 ''besten deutschen Romane'' aufzunehmen.

Dieses...
Vor 22 Monaten von Praetorius veröffentlicht


‹ Zurück | 1 25 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser, ...., 27. September 2009
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Montauk. Eine Erzählung (Gebundene Ausgabe)
"Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser,
es warnt dich schon beim Eintritt."
(Michel de Montaigne)

"So bin ich selbst der einzige Inhalt des Buches", führt Montaigne fort und Max Frisch (1911-1991) hat im Jahre 1975 erstmals diese Montaigne Zeilen vorangestellt seiner Ich-Erzählung, die aus dem Alltag des Lebens hinführt in eine Oase des Wochenendes, wie es die New Yorker tatsächlich tun, nämlich von Manhattan aus ins nördlichste Long Island zu fahren, nach Montauk. Auch dieses erzählerische Wochenende findet dort statt, am 11.und 12.5.1974, ein Wochenende der Erinnerung und der Erfahrungen. Ein Wochenende der Liebe und ihrer Vergänglichkeit, ein Wochenende des Todes und der Angst davor. Ein "Overlook", wie das Schild verhieß, an dem man stoppt für eine Aussicht über die Insel. Doch hier ein Re-View über das Leben in einer Offenheit, die fast 40 Jahre später normal erscheint, doch am Ende der siebziger eine neue Moral offenbarte, die in einen Veränderungswillen ohne Predigt mündete. Zeitkritik aus dem persönlichsten Inneren, Frisch Liebe zu Ingeborg Bachmann in einem Wochenend-Rahmen mit Lynn auf Long Island, wo dem 63jährigen die Erinnerungen eines Männerlebens, "schreibend unter Kunstzwang", zur Liebesbilanz werden. Frisch sagte über sich, er schreibe, um die Welt zu ertragen. Hier stellt er sich nahezu bloß, als ob er schreibe, um sich zu ertragen. Nämlich als Dichter, der die Verantwortung zur Welt in sich trägt, der den Mut zeigt, zu zweifeln und auf der Suche nach einem persönlichen Urteil eine lange Wegstrecke zu gehen hatte. Montauk ist Beispiel einer Reflektion über sich und über ein Leben als Mann zum vermeintlich offensichtlichen Wohle aller. Frisch sah dieses Ansinnen für sich möglich als Schriftsteller; wie es geht, liest man also hier. Daher ist heute vielleicht gerade dieses Werk eine persönliche Annäherung an sein literarisches Werk.

"... alles, was ich einsehe, erscheint auch durchführbar, ich muss es nur nicht aussprechen, sondern tun." So einfach, wie es anmutet, war Frischs Leben nicht. Vielmehr verharrte er in der Unentschlossenheit, ein Pendel zwischen Licht und Schatten. "Wenn Leute in den Schatten gingen, so verschwanden sie". So auch Lynn, "Bye, kußlos, dann ein zweites Mal mit erhobener Hand".

"Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser" wiederholt Frisch in grossen Lettern und fragt: "was verschweigt es und warum? In den Tagebüchern, drei Jahre zuvor in 1971, schrieb er über Berzona (Tessin). Alles, was er in New York u.a. Städten noch zu tun hatte, war in Berzona geschehen, schreibt Frisch dort im Rückblick und spricht hier von der "Umweltverschmutzung durch Gefühle, die nicht mehr zu brauchen sind". So vollzieht sich das wunderlichste Leben oder verfehlt sich am einzelnen Ich, nirgends sonst. Das ist die Zeit für brillante Ich-Geschichten, wie es diese eine ist.
~~
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


23 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Max Frischs autobiographisches Werk !, 28. August 2005
Rezension bezieht sich auf: Montauk: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Vor "Montauk" habe ich schon einige Frisch Bücher gelesen - darunter "Homo Faber", sowie "Stiller" - und als frisch gebackener "Fan" machte ich mich sofort daran, diese Geschichte zu lesen. Laut Marcel Reich-Ranicki handelt es sich bei "Montauk" um "Frischs intimstes und zartestes" Buch, und ich war gespannt, was ich über den eigentlichen Max Frisch erfahren konnte, der doch - wie sich in seinen Romanen zeigt - mit dem Leben auskennt und scheinbar schon sehr viel erlebt hat...
Einmal mit dem Buch angefangen, konnte ich es nicht mehr weglegen und war begeistert von Frischs "Leben", seinen eigenen Erinnerungen. In seinem typischen Stil schreibt er über Beziehung, Träume und über sein "Life as a man". Leser, die "Homo Faber", besonders den Protagonisten Walter Faber mochten, werden auch dieses Buch lieben!
Ich selbst habe mir nach "Homo Faber" gedacht: wie lebt ein Mann, der solch ein Buch schreibt und die Antwort auf meine Frage bekam ich in "Montauk".
Mein Ratschlag: Für Frisch "Fans" Pflicht, Einsteiger sollten zuerst "Homo Faber" lesen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen schonungslos ehrlich, aufrichtig..., 29. Juli 2010
Von 
A. Zanker (CH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Montauk: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Es gibt wenige Schriftsteller, die mit sich und dem Leser, bedingunglos aufrichtig umgehen, Max Frisch ist einer davon. Er selbst, schreibt an einer Stelle "Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser." Ein Stück Literatur, das autobiographisch und sehr persönlich gehalten ist. Er schreibt: "Er (MF) ist kein Schriftsteller mit grosser Fantasie, das stimmt schon."

Ein Autor der zum Einen aus der Ich-Perspektive, sein Leben betrachtet und wahrnimmt, zum Anderen dann wiederum in die dritte Person geht, als wäre er ein anderer, vielleicht braucht es ja die Distanz, um besser über sich selbst schreiben zu können. Max Frisch schreibt Sätze, die einen als Leser am richtigen Ort treffen und man geneigt ist, sich einen Moment Zeit zu nehmen und nachzuspüren, anzuhalten, womit uns dieser bemerkenswerte Autor zu treffen vermag. Eine Sprache, die zu treffen und berühren vermag, klasse gemacht.

Der Autor, schreibt über Gott und die Welt, geradeso, wie es ihm in den Sinn kommt, keinen Anspruch an Chronologie stellt, im Gegenteil, eine innere Suche, der bewussten Wahrnehmung, von dem was da gerade gelebt und wahrgenommen wird. Im Zentrum steht dabei die Amerikanerin Lynn, die er dort an jenem Wochenende trifft und mit ihr eine intime Annäherung erlebt. Lynn steht für Alice Locke-Carey, einer Verlagsmitarbeiterin, die Frisch während einer Leserreise in den Staaten kennenlernt. Sie verbringen ein Wochenende, 100 Milen östlich von New York, von Long Island, einem Ort namens Montauk.

Der Autor reflektiert dabei stets sich selbst in berührender Aufrichtigkeit. Eine autobiographische Selbstreflexion, die es mehr als ehrlich meint und keinen Anspruch hegt, gefallen oder entsprechen zu wollen. "Es sind nicht die Frauen, die mich hinters Licht führen, das tue ich selber." Eine Literatur, die sich selbst genügt...Doch geht es nicht nur über jene Liebesbeziehung, nein, Frisch reflektiert sein Leben, sein Mann-Sein, seine Berühmheit, seine Rolle, seinen Erfolg, sein Älterwerden, seine Freunde, seine Literatur, seine Familie, seinen Werdegang, seine Beziehungen zu Frauen und schliesslich seine Liebe zu Lynn, die Anlass gibt in Rückblenden einen Blick auf das eigene Leben zu machen. Eine selbstkritische Annäherung an sich selbst. Unverblümt, offen, schnörkelos, intim, schonungslos, autobiographisch, nicht beschönigend, dem eigenen Alleinsein gewidmet.

Fragen, wie wer bin ich für andere, für sich selbst sind dabei ständig beim Lesen präsent. Eine feinfühlig erzählte Annäherung an eine Liebesbeziehung und gleichzeitig auch eine Rückblende, zur früheren Frau Marianne, die immer wieder beim Autor aufzuleuchten scheint. Als ob er sich selbst auf der Spur wäre....ehrlich und aufrichtig. "Ich höre, was mir gesagt wird, und glaube es." Eine Annäherung an das eigene Leben, dessen Wirkung in einer reflektierenden Betrachtungsweise, die es mehr als ehrlich mich sich selbst meint. Ein intimes, ein aufrichtiges ein berührendes Buch, von einem Autor, der es schafft, dass man danach von dem Erzählten und Menschen berührt zurück bleibt und ihnen noch ein wenig nachsieht. Ein Buch das man gerne liest und sich gleichzeitig über den Autor freut...schön dass es Autoren gibt, die sich der Aufrichtigkeit verschrieben haben...eine Qualität, von der es sich lohnt, sich von ihr berühren zu lassen...Nur wenige Schriftsteller lassen Leser so nahe an sich heran kommen, Max Frisch lässt es zu...

Lesen!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen "Diese dünne Gegenwart...", 12. Juni 2012
Von 
Praetorius (Osnabrück Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Montauk: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Ein Verdienst hat dieses Buch immerhin: Es hat mich von meinem offenbar übertriebenen Glauben an die literaturkritische Treffsicherheit von Marcel Reich-Ranicki abgebracht. Denn ich kann leider ganz und gar nicht nachvollziehen, was den Herrn Professor bewogen haben mag, dieses Werk in seinen Kanon der 20 ''besten deutschen Romane'' aufzunehmen.

Dieses Buch ist keine Erzählung und erst recht kein Roman; es ist allenfalls ein literarisches Experiment - das meiner Meinung nach gründlich daneben gegangen ist.

Die Rahmenhandlung schildert ein Wochenende des Ich-Erzählers (der hier mit dem Autor identisch ist) mit einer amerikanischen Journalistin, mit der er Ehebruch begeht, oder dies zumindest versucht (''mein Körper versagte''). Doch diese ''Lynn'' ist über alle Vorstellung langweilig - so langweilig, dass es mich durchaus nicht interessiert, was sich zwischen ihr und dem Erzähler nun abspielt oder nicht abspielt.

Aber eigentlich dient diese Geschichte lediglich als Rahmenhandlung für häufige Rückblenden auf das Leben des Erzählers, welche den größten Teil des Werkes einnehmen. Für Frisch-Forscher sind diese Einspielungen sicherlich hochinteressant - der normale Leser kann damit jedoch wenig anfangen, da es dem Autor nicht gelingt, das mindeste Interesse daran zu wecken. Auch sind Sprache und Stil des Werkes allenfalls mittelmäßig, das meiste wirkt eher abgehackt-schwerfällig und nachlässig hingeworfen.
Doch es gibt eine Ausnahme: In der Episode, in welcher er die Freundschaft zu einem gewissen ''W.'' erzählt, sowie die spätere Entfremdung zwischen beiden - da ist auf einmal der ganze Max Frisch mit seiner anschaulichen Erzählkunst wieder da (dafür zwei Sterne). Doch leider bleibt diese Erzählung ein Fremdkörper in diesem alles andere als ansprechenden Werk.

Man muss es Max Frisch zugute halten, dass er dem Buch die Warnung Montaignes vorangestellt hat: ''Es ist nicht billig, dass du deine Muße auf einen so eitlen und geringfügigen Gegenstand verwendest.'' Recht hat er!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Literarisierung des Lebens, 1. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Montauk: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Max Frischs Erzählung 'Montauk' wurde 1975 veröffentlicht. Hauptthema ist kein geringerer als Max Frisch selbst. Frisch gibt auf sehr persönliche Art und Weise Einblicke in sein Leben und schriftstellerisches Schaffen und verquickt Erlebtes teilweise auch mit Passagen aus seinen Werken, die dem Text wie mosaikartige Versatzstücke eine ganz eigene Prägung geben. Resümierend spiegelt Frisch in der Erzählung seinen Werdegang, das Scheitern seines familiären Lebens, Begegnungen mit Schriftstellerkollegen und seine Beziehungen zu Frauen. Dabei wählt Frisch einen im Wesentlichen nicht chronologischen Aufbau, der in viele Absätze zersplittert ist und Einzelereignisse, Stimmungen oder Gedanken Frischs wiedergibt. Der rote Faden der Erzählung allerdings ist Frischs Beziehung mit der amerikanischen Journalistin Lynn, die er in New York kennen lernt und mit der er einen Ausflug an die Küste macht. Bemerkenswert und berührend an 'Montauk' ist der sehr persönliche Duktus, in dem Frisch dem Leser begegnet. Es ist die Erzählung eines Menschen, der im Leben großen beruflichen Erfolg gehabt hat, sich selbst aber gerade im Hinblick auf das Scheitern seines Familienlebens kritisch sieht und seine Fehler erkennt. Auch ist er sich seines Alterns bewusst und bilanziert sein bisheriges Leben. Zu keinem Zeitpunkt stellt sich das Gefühl ein, dass es sich um bloße Konfessionsprosa handelt, die nur Schreiben für die Nachwelt sein soll. Im Gegenteil gelingt ihm ein berührend-aufrichtiges Werk, in dem die eigene Unvollkommenheit und Hinfälligkeit ihren Ausdruck findet. 'Montauk' kann meines Erachtens auch ohne Vorkenntnisse von Frischs Leben für sich gesehen als Erzählung gelesen werden. Nicht zuletzt ist 'Montauk' gerade auch wegen seiner originellen Form sehr lesenswert.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


20 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "My life as a man", 21. April 2005
Von 
zueribueb (Zürich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Montauk: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Max Frischs Erzählung "Montauk" ist autobiographisch geprägt. Sämtliche Personen und Ereignisse haben eine reale Entsprechung. Man kann die Erzählung allerdings auch ohne Kenntnis von Frischs Biografie lesen, denn "Montauk" ist ein Stück grossartige Literatur. Etwas augenzwinkernd hält Frisch am Ende denn auch Folgendes fest: "Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser - und was verschweigt es und warum?".
"Montauk" ist blendend durchkomponiert. Die Leitgeschichte handelt vom 63-jährigen Frisch, der mit der viel jüngeren Lynn in Montauk bei New York ein Wochenende verbringt. Dazwischen berichet Frisch liebevoll aus seinem Leben und von seinen verschiedenen Frauen. Rührend ist auch, wie er das schwierige Verhältnis (Abhängigkeit) zu seinem Jugendfreund Wener Coninx beschreibt, der aus der wohlhabenden Tagesanzeiger-Verlegerfamilie stammt. Für mich ist "Montauk" eine Art Fortsetzung von "Homo Faber". Die Beziehung von Frisch zu Lynn entspricht der von Walter Faber zu Ivy. Auch greift Frisch nochmals die Geschichte der Jüdin Hanna auf, die richtig Käte Rubensohn hiess.
Die Erzählperspektive ist glänzend gesetzt. Frisch berichtet als Ich-Erzähler, aber die Geschichte zwischen ihm und der viel jüngeren Lynn erzählt er aus der dritten Person (er), einer distanzierten Beobachteroptik, obwohl es eigentlich um ihn (ich) selbst geht. Das ist manchmal verwirrend, wenn er im gleichen Satz von der Er- in die Ich-Position wechselt. Die Perspektivwechsel illustrieren die Brüche im Leben und seine eigene innere Zerissenheit. Erst am Schluss gibt er die Er-Erzählposition auf und distanziert sich nicht mehr von sich selbst. So verabschiedet er sich als Ich-Erzähler Max Frisch von seiner Geliebten Lynn.
Frisch thematisiert einmal mehr seine ureigene Skepsis gegenüber der Beziehung zu Frauen. Zudem legt er schonungslos seine eigene Hörigkeit offen. Er rennt Frauen hinterher, kann aber trotzdem nicht mit ihnen. Es geht aber auch um das Abschiednehmen (von Partnerinnen, von der Sexualtität, vom Leben), verbunden mit einer selbstkritischen Rückschau und Erinnerung. Die Bilanzierung seines Lebens führt zu Selbsterkenntnis. Trotz seines Skepzissismus' schreibt Frisch rührende Liebeserklärungen an seine ehemaligen Partnerinnen, insbesondere die ergreifende Hommage an Ingeborg Bachmann, die 1973 gestorben ist. Und schliesslich überzeugt auch Frischs klare, aufs Wesentliche reduzierte Sprache, womit er eine poetische Leichtigkeit erzeugt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


20 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen zutiefst berührt, 13. Januar 2003
Von 
Nicole Giegerich (Mömlingen, Bayern Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Montauk: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Ich weiß nicht mehr in welcher klasse genau, aber mich traf fast der schlag, als AUSGELOST wurde welcher schüler über welchen autor ein referat zu halten hat. und mich traf MAX FRISCH, dessen namen ich bis zu diesem zeitpunkt nicht ein einziges mal gehört hatte.
augesrochen lustlos machte ich mich daran mir informationsmaterial über diesen mann zu suchen und stolperte gleich zu beginn über eins der "dünnsten" bücher die er geschrieben hat was mir damals gerade recht kam, denn wer will schon ein buch lesen, dessen story ihn nicht interessiert geschrieben von einer person die er nicht kennt und zu deren erforschung er gezwungen wird?
jedenfalls habe ich dann begonnen MONTAUK zu lesen und war gleich zu beginn fasziniert von diesem buch. das hin und her zwischen der ich-erzählung und der erzählung aus der sicht eines zuschauers, das letztendlich nur zeigt, wie "zerrissen" max frisch innerlich war, hatte mich gleich gefangengenommen. vielleicht lag es auch daran, dass ich ganz ohne irgendwelches vorwissen an das buch herangetreten bin, dass ich nciht mehr davon lassen konnte, aber dieses schritt-für-schritt kennenlernen der person MAX FRISCH durch das lesen seines wohl persönlichsten buches hat mich so etwas wie sympathie für einen wohl schwierigen und unberechenbaren menschen empfinden lassen, den ich nie gekannt habe und niemals kennenlernen werde.
Einen Mann, der dermaßen gefestigt nach aussen gewirkt haben soll, der aber selbst von zweifeln und vorwürfen geplagt war die ihn bis zu seinem tod wohl nicht verlassen haben.
"(...)Zerreisse ich mein Hemd, so meine ich meine Haut(...)"
Vergleiche mit diversen biographien haben immer mehr einzelheiten über sein leben und über die wahrheit die in MONTAUK steckt aufgedeckt, denn schreibt er beispielsweise von "ihr" in montauk und seinen gefühlen "ihr" gegenüber, so erkennt man beim lesen einer biografie, dass es sich bei "ihr" um ingeborg bachmann handelte, die über jahre seine lebensgefährtin war.
Seither habe ich dieses Referat immer weiter ausgebaut und insgesamt 3 mal zu diversen gelegenheiten gehalten. Neben dem HOMOFABER und einer Analyse über das buch MONTAUK habe ich in dieser zeit auch MEIN NAME SEI GANTENBEIN und anderes gelesen, doch nichts davon blieb dermaßen hängen, wie MONTAUK.
ich bin der meinung, dass dieses buch unerlässlich dafür ist, wenn man über den autor selbst berichten oder erfahren möchte, denn nichts geht tiefer, nichts ist persönlicher und mehr er selbst als Montauk, auch wenn es (zumindest ohne Vorwissen) sich erst mit der zeit erschließt, dass es wirklich er selbst ist, über den er da schreibt, dieses buch geht unter die Haut.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom Gelingen eines Scheiterns, 19. Dezember 2008
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Montauk (Audio CD)
Viel ist über das Buch geschrieben worden - man lese dazu auch die umfassende Einleitung zum Suhrkamp Taschenbuch.

Konzentrieren wir uns also hier auf die neue Hörbuchedition des Hessischen Rundfunks aus dem Jahre 2008, die von Felix von Manteuffel vollständig (!) auf fünf CDs und 338 Minuten vorgelesen wird.

Da die Lektüre dieses (Hör-) Buches anspruchsvoll ist, hat der Hörverlag etwa alle fünf Minuten einen Track gesetzt, um den Wiedereinstieg zu erleichtern - eine gute Idee!

Felix von Manteuffel ist hinreichend als subtiler und erfolgreicher Schauspieler an großen Theatern und im TV bekannt. Das Buch trägt er versiert und glasklar vor.

Ob ein schweizer Vorleser dem Hörbuch besser getan hätte oder ob die besseren Englischkenntnisse (Aussprache der englischen Fragmente) eines anderen Vorlesers akzeptabler gewesen wären, sei dahin gestellt - vielleicht entspricht das so gar dem englischen Sprachniveau Frischs besser.

Fazit: Ein zeitloses Meisterwerk durchaus passabel wiedergegeben.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser"..., 1. November 2012
Von 
Shaun - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Montauk (Broschiert)
Max Frisch (1911-1991), ausgebildeter Architekt und sicher einer der wichtigsten schweizerischen Schriftsteller veröffentlichte diese sehr persönliche Erzählung 1975. In diesem Werk will er sich, anders als in den sonstigen Werken, sehr persönlich und rückhaltlos offen seinem Leser präsentieren.

Er bekennt darin: "Ich habe mir mein Leben verschwiegen. Ich habe irgendeine Öffentlichkeit bedient mit Geschichten". Im April 1974 hatte Frisch auf einer Lesetour in den USA eine Affäre mit der 32 Jahre jüngeren Amerikanerin Alice Locke-Carey in Montauk. Die junge Amerikanerin heißt im Buch Lynn, die er gegen Ende des Aufenthaltes auch wieder verliert. Er zieht betrachtende Parallelen zu seinen Ehen (der Architektin Gertrude Anna Constanze von Meyenburg und der 28 Jahre jüngeren Germanistik- und Romanistik-Studentin Marianne Oellers, mit der er während der Affaire der Lesetour ja noch liiert ist!) sowie zu seiner jahrelangen Liaison mit der Dichterin Ingeborg Bachmann in Rom, die seine erste Ehe ablöste. Schonungslos kommt dabei auch Schuld zur Sprache: "Was er alles nicht beschrieben hat: Vier Abtreibungen bei drei Frauen, die ich geliebt habe. Drei Mal ohne Zweifel, dass es richtig sei. Nie ohne Schrecken. Die Rolle des Mannes dabei, der dann den Arzt bezahlt." 1979 wird auch die Ehe mit Marianne Oellers geschieden werden, u.a. wegen dieser rückhaltlos offenen, das Private in die Öffentlichkeit zerrenden Erzählweise von Montauk, die die beiden Eheleute zunehmend entfremdete. Auch depressive Anwandlungen und mitunter erlebte Selbstmordgedanken werden von Frisch ehrlich angesprochen.

Fazit mit den Worten Frischs: "Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser – und was verschweigt es und warum?" (29.10.12)
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein strahlender Held ist er nicht dieser Max Frisch nicht..., 19. August 2011
Von 
Tom Kadi (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Montauk: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Vieles ist einfach meisterhaft in dieser autobiografischen Erzählung. Max Frisch ist "geschäftlich" in Amerika. Bei den Terminen mit seinem Verleger lernt der Anfang-60jährige die halb so alte Lynn kennen. Sie haben eine Affaire. Beiden ist klar, dass mit der kurz bevorstehenden Abreise des Dichters die Geschichte ihr Ende findet. (Was übrigens nicht stimmt. Denn Frisch hat Lynn später wieder getroffen.) Erzählt wird das letzte Wochenende des Paars, das es in einem kleinen Hotel an der Atlantikküste - in Montauk - verbringt. Frisch nutzt dieses Rahmen, um sich an seine früheren Ehen und Beziehungen zu erinnern. Gerüche, Geräusche, Bemerkungen lassen ihn in die Vergangenheit zurückkehren - für den Leser zunächst irritierend wird es aber zunehmend spannend, ihm bei diesen Sprüngen zwischen den verschiedenen Zeitebenen zu folgen. Was mich gestört hat: Frisch stellt sich als einen zutiefst beziehungsunfähigen, wenig empathischen Mann dar. Sehr bedrückend etwa diese Episode von einer ehemaligen Schulfreundin, einer Kinderliebe, die in der Wohnung über ihm wohnt und bei der er nicht in der Lage ist, als Besucher an ihr Bett zu treten. Sympathisch ist dieser Mann also nicht und so bleibt es unerklärlich, was z.B. Lynn an ihm reizvoll findet. Weil er berühmt ist? An diesem Punkt ist er nicht so schonungslos offen, wie er vorgibt und lässt einen dann doch nicht an sein Innerstes heran. Aber gleichwohl - allein wegen der aphoristischen Perlen, die immer wieder in den Text eingestreut sind ("es ist ein Unterschied, ob man in einer Fremdsprache oder in der eigenen Sprache schweigt." oder "Es braucht eine Ehe, eine lange, uim ein Monster zu werden.") immer noch und immer wieder lesenswert!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 25 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst
ARRAY(0xac27d384)

Dieses Produkt

Montauk: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch)
Montauk: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch) von Max Frisch (Taschenbuch - 22. November 2011)
EUR 8,00
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen