Fashion Sale Öle & Betriebsstoffe für Ihr Auto calendarGirl Prime Photos Erste Wahl Learn More madamet Bauknecht Kühl-Gefrier-Kombination A+++ Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Lego Summer Sale 16

Kundenrezensionen

4,5 von 5 Sternen44
4,5 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:8,00 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 27. September 2009
"Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser,
es warnt dich schon beim Eintritt."
(Michel de Montaigne)

"So bin ich selbst der einzige Inhalt des Buches", führt Montaigne fort und Max Frisch (1911-1991) hat im Jahre 1975 erstmals diese Montaigne Zeilen vorangestellt seiner Ich-Erzählung, die aus dem Alltag des Lebens hinführt in eine Oase des Wochenendes, wie es die New Yorker tatsächlich tun, nämlich von Manhattan aus ins nördlichste Long Island zu fahren, nach Montauk. Auch dieses erzählerische Wochenende findet dort statt, am 11.und 12.5.1974, ein Wochenende der Erinnerung und der Erfahrungen. Ein Wochenende der Liebe und ihrer Vergänglichkeit, ein Wochenende des Todes und der Angst davor. Ein "Overlook", wie das Schild verhieß, an dem man stoppt für eine Aussicht über die Insel. Doch hier ein Re-View über das Leben in einer Offenheit, die fast 40 Jahre später normal erscheint, doch am Ende der siebziger eine neue Moral offenbarte, die in einen Veränderungswillen ohne Predigt mündete. Zeitkritik aus dem persönlichsten Inneren, Frisch Liebe zu Ingeborg Bachmann in einem Wochenend-Rahmen mit Lynn auf Long Island, wo dem 63jährigen die Erinnerungen eines Männerlebens, "schreibend unter Kunstzwang", zur Liebesbilanz werden. Frisch sagte über sich, er schreibe, um die Welt zu ertragen. Hier stellt er sich nahezu bloß, als ob er schreibe, um sich zu ertragen. Nämlich als Dichter, der die Verantwortung zur Welt in sich trägt, der den Mut zeigt, zu zweifeln und auf der Suche nach einem persönlichen Urteil eine lange Wegstrecke zu gehen hatte. Montauk ist Beispiel einer Reflektion über sich und über ein Leben als Mann zum vermeintlich offensichtlichen Wohle aller. Frisch sah dieses Ansinnen für sich möglich als Schriftsteller; wie es geht, liest man also hier. Daher ist heute vielleicht gerade dieses Werk eine persönliche Annäherung an sein literarisches Werk.

"... alles, was ich einsehe, erscheint auch durchführbar, ich muss es nur nicht aussprechen, sondern tun." So einfach, wie es anmutet, war Frischs Leben nicht. Vielmehr verharrte er in der Unentschlossenheit, ein Pendel zwischen Licht und Schatten. "Wenn Leute in den Schatten gingen, so verschwanden sie". So auch Lynn, "Bye, kußlos, dann ein zweites Mal mit erhobener Hand".

"Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser" wiederholt Frisch in grossen Lettern und fragt: "was verschweigt es und warum? In den Tagebüchern, drei Jahre zuvor in 1971, schrieb er über Berzona (Tessin). Alles, was er in New York u.a. Städten noch zu tun hatte, war in Berzona geschehen, schreibt Frisch dort im Rückblick und spricht hier von der "Umweltverschmutzung durch Gefühle, die nicht mehr zu brauchen sind". So vollzieht sich das wunderlichste Leben oder verfehlt sich am einzelnen Ich, nirgends sonst. Das ist die Zeit für brillante Ich-Geschichten, wie es diese eine ist.
~~
0Kommentar|18 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 29. Juli 2010
Es gibt wenige Schriftsteller, die mit sich und dem Leser, bedingunglos aufrichtig umgehen, Max Frisch ist einer davon. Er selbst, schreibt an einer Stelle "Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser." Ein Stück Literatur, das autobiographisch und sehr persönlich gehalten ist. Er schreibt: "Er (MF) ist kein Schriftsteller mit grosser Fantasie, das stimmt schon."

Ein Autor der zum Einen aus der Ich-Perspektive, sein Leben betrachtet und wahrnimmt, zum Anderen dann wiederum in die dritte Person geht, als wäre er ein anderer, vielleicht braucht es ja die Distanz, um besser über sich selbst schreiben zu können. Max Frisch schreibt Sätze, die einen als Leser am richtigen Ort treffen und man geneigt ist, sich einen Moment Zeit zu nehmen und nachzuspüren, anzuhalten, womit uns dieser bemerkenswerte Autor zu treffen vermag. Eine Sprache, die zu treffen und berühren vermag, klasse gemacht.

Der Autor, schreibt über Gott und die Welt, geradeso, wie es ihm in den Sinn kommt, keinen Anspruch an Chronologie stellt, im Gegenteil, eine innere Suche, der bewussten Wahrnehmung, von dem was da gerade gelebt und wahrgenommen wird. Im Zentrum steht dabei die Amerikanerin Lynn, die er dort an jenem Wochenende trifft und mit ihr eine intime Annäherung erlebt. Lynn steht für Alice Locke-Carey, einer Verlagsmitarbeiterin, die Frisch während einer Leserreise in den Staaten kennenlernt. Sie verbringen ein Wochenende, 100 Milen östlich von New York, von Long Island, einem Ort namens Montauk.

Der Autor reflektiert dabei stets sich selbst in berührender Aufrichtigkeit. Eine autobiographische Selbstreflexion, die es mehr als ehrlich meint und keinen Anspruch hegt, gefallen oder entsprechen zu wollen. "Es sind nicht die Frauen, die mich hinters Licht führen, das tue ich selber." Eine Literatur, die sich selbst genügt...Doch geht es nicht nur über jene Liebesbeziehung, nein, Frisch reflektiert sein Leben, sein Mann-Sein, seine Berühmheit, seine Rolle, seinen Erfolg, sein Älterwerden, seine Freunde, seine Literatur, seine Familie, seinen Werdegang, seine Beziehungen zu Frauen und schliesslich seine Liebe zu Lynn, die Anlass gibt in Rückblenden einen Blick auf das eigene Leben zu machen. Eine selbstkritische Annäherung an sich selbst. Unverblümt, offen, schnörkelos, intim, schonungslos, autobiographisch, nicht beschönigend, dem eigenen Alleinsein gewidmet.

Fragen, wie wer bin ich für andere, für sich selbst sind dabei ständig beim Lesen präsent. Eine feinfühlig erzählte Annäherung an eine Liebesbeziehung und gleichzeitig auch eine Rückblende, zur früheren Frau Marianne, die immer wieder beim Autor aufzuleuchten scheint. Als ob er sich selbst auf der Spur wäre....ehrlich und aufrichtig. "Ich höre, was mir gesagt wird, und glaube es." Eine Annäherung an das eigene Leben, dessen Wirkung in einer reflektierenden Betrachtungsweise, die es mehr als ehrlich mich sich selbst meint. Ein intimes, ein aufrichtiges ein berührendes Buch, von einem Autor, der es schafft, dass man danach von dem Erzählten und Menschen berührt zurück bleibt und ihnen noch ein wenig nachsieht. Ein Buch das man gerne liest und sich gleichzeitig über den Autor freut...schön dass es Autoren gibt, die sich der Aufrichtigkeit verschrieben haben...eine Qualität, von der es sich lohnt, sich von ihr berühren zu lassen...Nur wenige Schriftsteller lassen Leser so nahe an sich heran kommen, Max Frisch lässt es zu...

Lesen!
0Kommentar|5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 28. August 2005
Vor "Montauk" habe ich schon einige Frisch Bücher gelesen - darunter "Homo Faber", sowie "Stiller" - und als frisch gebackener "Fan" machte ich mich sofort daran, diese Geschichte zu lesen. Laut Marcel Reich-Ranicki handelt es sich bei "Montauk" um "Frischs intimstes und zartestes" Buch, und ich war gespannt, was ich über den eigentlichen Max Frisch erfahren konnte, der doch - wie sich in seinen Romanen zeigt - mit dem Leben auskennt und scheinbar schon sehr viel erlebt hat...
Einmal mit dem Buch angefangen, konnte ich es nicht mehr weglegen und war begeistert von Frischs "Leben", seinen eigenen Erinnerungen. In seinem typischen Stil schreibt er über Beziehung, Träume und über sein "Life as a man". Leser, die "Homo Faber", besonders den Protagonisten Walter Faber mochten, werden auch dieses Buch lieben!
Ich selbst habe mir nach "Homo Faber" gedacht: wie lebt ein Mann, der solch ein Buch schreibt und die Antwort auf meine Frage bekam ich in "Montauk".
Mein Ratschlag: Für Frisch "Fans" Pflicht, Einsteiger sollten zuerst "Homo Faber" lesen.
0Kommentar|28 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 1. März 2012
Max Frischs Erzählung 'Montauk' wurde 1975 veröffentlicht. Hauptthema ist kein geringerer als Max Frisch selbst. Frisch gibt auf sehr persönliche Art und Weise Einblicke in sein Leben und schriftstellerisches Schaffen und verquickt Erlebtes teilweise auch mit Passagen aus seinen Werken, die dem Text wie mosaikartige Versatzstücke eine ganz eigene Prägung geben. Resümierend spiegelt Frisch in der Erzählung seinen Werdegang, das Scheitern seines familiären Lebens, Begegnungen mit Schriftstellerkollegen und seine Beziehungen zu Frauen. Dabei wählt Frisch einen im Wesentlichen nicht chronologischen Aufbau, der in viele Absätze zersplittert ist und Einzelereignisse, Stimmungen oder Gedanken Frischs wiedergibt. Der rote Faden der Erzählung allerdings ist Frischs Beziehung mit der amerikanischen Journalistin Lynn, die er in New York kennen lernt und mit der er einen Ausflug an die Küste macht. Bemerkenswert und berührend an 'Montauk' ist der sehr persönliche Duktus, in dem Frisch dem Leser begegnet. Es ist die Erzählung eines Menschen, der im Leben großen beruflichen Erfolg gehabt hat, sich selbst aber gerade im Hinblick auf das Scheitern seines Familienlebens kritisch sieht und seine Fehler erkennt. Auch ist er sich seines Alterns bewusst und bilanziert sein bisheriges Leben. Zu keinem Zeitpunkt stellt sich das Gefühl ein, dass es sich um bloße Konfessionsprosa handelt, die nur Schreiben für die Nachwelt sein soll. Im Gegenteil gelingt ihm ein berührend-aufrichtiges Werk, in dem die eigene Unvollkommenheit und Hinfälligkeit ihren Ausdruck findet. 'Montauk' kann meines Erachtens auch ohne Vorkenntnisse von Frischs Leben für sich gesehen als Erzählung gelesen werden. Nicht zuletzt ist 'Montauk' gerade auch wegen seiner originellen Form sehr lesenswert.
0Kommentar|4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 6. Oktober 2009
"Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser,
es warnt dich schon beim Eintritt."
(Michel de Montaigne)

"So bin ich selbst der einzige Inhalt des Buches", führt Montaigne fort und Max Frisch (1911-1991) hat im Jahre 1975 erstmals diese Montaigne Zeilen vorangestellt seiner Ich-Erzählung, die aus dem Alltag des Lebens hinführt in eine Oase des Wochenendes, wie es die New Yorker tatsächlich tun, nämlich von Manhattan aus ins nördlichste Long Island zu fahren, nach Montauk. Auch dieses erzählerische Wochenende findet dort statt, am 11.und 12.5.1974, ein Wochenende der Erinnerung und der Erfahrungen. Ein Wochenende der Liebe und ihrer Vergänglichkeit, ein Wochenende des Todes und der Angst davor. Ein "Overlook", wie das Schild verhieß, an dem man stoppt für eine Aussicht über die Insel. Doch hier ein Re-View über das Leben in einer Offenheit, die fast 40 Jahre später normal erscheint, doch am Ende der siebziger eine neue Moral offenbarte, die in einen Veränderungswillen ohne Predigt mündete. Zeitkritik aus dem persönlichsten Inneren, Frisch Liebe zu Ingeborg Bachmann in einem Wochenend-Rahmen mit Lynn auf Long Island, wo dem 63jährigen die Erinnerungen eines Männerlebens, "schreibend unter Kunstzwang", zur Liebesbilanz werden. Frisch sagte über sich, er schreibe, um die Welt zu ertragen. Hier stellt er sich nahezu bloß, als ob er schreibe, um sich zu ertragen. Nämlich als Dichter, der die Verantwortung zur Welt in sich trägt, der den Mut zeigt, zu zweifeln und auf der Suche nach einem persönlichen Urteil eine lange Wegstrecke zu gehen hatte. Montauk ist Beispiel einer Reflektion über sich und über ein Leben als Mann zum vermeintlich offensichtlichen Wohle aller. Frisch sah dieses Ansinnen für sich möglich als Schriftsteller; wie es geht, liest man also hier. Daher ist heute vielleicht gerade dieses Werk eine persönliche Annäherung an sein literarisches Werk.

"... alles, was ich einsehe, erscheint auch durchführbar, ich muss es nur nicht aussprechen, sondern tun." So einfach, wie es anmutet, war Frischs Leben nicht. Vielmehr verharrte er in der Unentschlossenheit, ein Pendel zwischen Licht und Schatten. "Wenn Leute in den Schatten gingen, so verschwanden sie". So auch Lynn, "Bye, kußlos, dann ein zweites Mal mit erhobener Hand".

"Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser" wiederholt Frisch in grossen Lettern und fragt: "was verschweigt es und warum? In den Tagebüchern, drei Jahre zuvor in 1971, schrieb er über Berzona (Tessin). Alles, was er in New York u.a. Städten noch zu tun hatte, war in Berzona geschehen, schreibt Frisch dort im Rückblick und spricht hier von der "Umweltverschmutzung durch Gefühle, die nicht mehr zu brauchen sind". So vollzieht sich das wunderlichste Leben oder verfehlt sich am einzelnen Ich, nirgends sonst. Das ist die Zeit für brillante Ich-Geschichten, wie es diese eine ist.
~~
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 1000 REZENSENTam 1. November 2012
Max Frisch (1911-1991), ausgebildeter Architekt und sicher einer der wichtigsten schweizerischen Schriftsteller veröffentlichte diese sehr persönliche Erzählung 1975. In diesem Werk will er sich, anders als in den sonstigen Werken, sehr persönlich und rückhaltlos offen seinem Leser präsentieren.

Er bekennt darin: "Ich habe mir mein Leben verschwiegen. Ich habe irgendeine Öffentlichkeit bedient mit Geschichten". Im April 1974 hatte Frisch auf einer Lesetour in den USA eine Affäre mit der 32 Jahre jüngeren Amerikanerin Alice Locke-Carey in Montauk. Die junge Amerikanerin heißt im Buch Lynn, die er gegen Ende des Aufenthaltes auch wieder verliert. Er zieht betrachtende Parallelen zu seinen Ehen (der Architektin Gertrude Anna Constanze von Meyenburg und der 28 Jahre jüngeren Germanistik- und Romanistik-Studentin Marianne Oellers, mit der er während der Affaire der Lesetour ja noch liiert ist!) sowie zu seiner jahrelangen Liaison mit der Dichterin Ingeborg Bachmann in Rom, die seine erste Ehe ablöste. Schonungslos kommt dabei auch Schuld zur Sprache: "Was er alles nicht beschrieben hat: Vier Abtreibungen bei drei Frauen, die ich geliebt habe. Drei Mal ohne Zweifel, dass es richtig sei. Nie ohne Schrecken. Die Rolle des Mannes dabei, der dann den Arzt bezahlt." 1979 wird auch die Ehe mit Marianne Oellers geschieden werden, u.a. wegen dieser rückhaltlos offenen, das Private in die Öffentlichkeit zerrenden Erzählweise von Montauk, die die beiden Eheleute zunehmend entfremdete. Auch depressive Anwandlungen und mitunter erlebte Selbstmordgedanken werden von Frisch ehrlich angesprochen.

Fazit mit den Worten Frischs: "Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser – und was verschweigt es und warum?" (29.10.12)
0Kommentar|2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Im Mittelpunkt dieser autobiografischen Erzählung steht die Beziehung zwischen Max Frisch und einer jungen Amerikanerin, die er im Buch Lynn nennt, die in Wirklichkeit Alice Locke-Carey hieß und die er 1974 auf einer Lesereise durch die USA kennen lernte. Er selbst war damals 63 und auf Grund seines bewegten und intensiven Lebens, besonders Liebeslebens, versteht es sich, dass er immer wieder auf seine vergangenen Erlebnisse zurückblickt. Auslöser für diese Erinnerungen waren z.B. Orte, die er wieder aufsuchte, oder sie drängten sich ihm einfach auf. Insofern hat diese Mischung aus Gegenwärtigem und Erinnerten etwas durchaus Zwangsläufiges und Nachvollziehbares. Im Laufe des Buches nehmen die Erinnerungen mehr den Charakter von systematischen Statements an, denen man anmerkt, dass er hier für die literarische Öffentlichkeit wohl abgewogen Rechenschaft ablegt über bestimmte Themen, die generell sehr interessieren mussten: etwa seine Beziehung zu seinem reichen Jugendfreund W. (dem späteren Kunstsammler Werner Coninx), zu Ingeborg Bachmann oder zu der jüdischen Studentin, die das Vorbild für Hanna in "Homo Faber" abgab, oder wenn er Rechenschaft ablegt über seine Beziehung zum Reichtum und zum Ruhm oder seine charakterlichen Schwächen darlegt. Zweifellos alles wichtige Aspekte, die für die Kenntnis dieser öffentlichen Person aufschlussreich waren. Wenn ich das Buch allerdings als literarisch einheitliches Werk betrachte, dann wollen mir diese systematischen und offenen persönlichen Darstellungen wie ein Bruch erscheinen zu der im Übrigen sehr virtuosen, scheinbar leicht hingeworfenen Darstellung der Beziehung zu Lynn mit den ständigen Einbrüchen der Vergangenheit. Es handelt sich um einen kunstvollen tagebuchartigen Stil mit skizzenhaften, atmosphärischen Natur-, Stadt- und Situationsschilderungen, mit anspielungsreichen Zitaten aus Dialogen, die überschriftenartig eingestreut werden, oder mit Selbstzitaten aus älteren Werken.

Mich interessiert und bewegt in erster Linie, wie die Beziehung zwischen dem alternden Schriftsteller und Lynn sich gestaltet. Er sieht jetzt "die Welt entrückt in ihre Zukunft ohne mich, und so die Verengung auf das Ich, das sich von der Gemeinsamkeit der Zukunft ausgeschlossen weiß. Es bleibt das irre Bedürfnis nach Gegenwart durch eine Frau." (140). Das klingt fast so, als ob Lynn eher Mittel denn Selbstzweck war. Und in der Tat ist die Beziehung sehr abgeklärt, ohne Leidenschaft. Der Mann konstatiert: "Er sieht sie mit Wohlgefallen.....Er ist nicht verliebt "(105). Immer wieder wird trotz oder wegen der zunehmenden Gedanken an den Tod ein Gefühl von der Leichtigkeit des Seins beschrieben, schließlich nimmt man ohne Schmerzen auch wieder Abschied voneinander (die Biografie weiß dann, dass Frisch diese junge Frau 1980 noch einmal aufsuchte und mit ihr bis 1984 zusammen lebte).- Aus der zeitlichen Distanz berühren mich die Dinge, die die Zeitgenossen vielleicht am meisten sensationiert haben, am wenigsten - was sagt es mir heute, wenn sich ein bis dahin diskreter Mann über gesellschaftliche Tabus hinwegsetzt und über seine Eifersucht und seine Empfindlichkeit spricht oder vorsichtige Statements über brisante, persönliche Themen abgibt? Nichtsdestoweniger: Das Buch wird stets ein wichtiger Bezugspunkt bleiben, wenn von dem Autor und seinem Leben die Rede ist. Sein Vorsatz lautet: "Ich möchte nichts erfinden; ich möchte wissen, was ich wahrnehme und denke, wenn ich nicht an mögliche Leser denke." (138). Man wird sagen müssen, dass ihm dies teils mit großer Meisterschaft gelungen ist, dass andererseits die Rücksichtnahme auf das Publikum auch unverkennbar ist.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Auf der Suche nach Hörstoff für eine längere Autofahrt, stellte ich mit Freude fest, dass eines meiner Lieblingswerke von Max Frisch nun auch ein Stimme fand. Und sogar eine, die mir vom Zauberberg, Nachtzug nach Lissabon und von Moby Dick her bekannt ist. Felix von Manteuffel hat ein gutes Gespür für Zwischentöne, die andere Vorleser gar nicht wahrnehmen. Das ist bei Max Frisch besonders wichtig, ist doch seine Sprache nur vermeintlich einfach. Und würde man über wichtige Präpositionen und Konjunktionen hinweglesen, als stammten sie aus einem Schüleraufsatz, ginge ein wichtiger Teil des speziellen Stils verloren. Zudem versteht es sich von selbst, dass ein so begabter Sprecher wie Felix von Manteuffel auch die Pausen richtig setzt. Kurz: ein lesenwertes Buch fand seinen richtigen Sprecher, um es auch hören zu können. Natürlich ungekürzt.

Zum Roman selber wurde schon so viel geschrieben, dass ich mich auf das absolute Minimum beschränken kann. Im Mittelpunkt dieser stark autobiografisch geprägten Erzählung steht die Liebesgeschichte zwischen einem 63-jährigen Mann und einer sehr viel jüngeren Frau. Er ein intellektueller, aber bodenständig gebliebener Schweizer, sie die nach dem Leben dürstende Amerikanerin. Wie von Frisch nicht anders gewohnt, ist das scheinbar Einfache so durchkomponiert, dass Form und Inhalt eine völlige Einheit bilden. Der Autor spielt mit Perspektivenwechsel, Verzögerungen und Sprüngen um die innere Zerrissenheit des alternden Schriftstellers auch formal zu zeigen. Nicht zufällig wurde Max Frisch einige Male als Kandidat für den Nobelpreis gehandelt. "Montauk" ist für mich auch heute noch eines der ganz großen literarischen Werke deutscher Sprache.

Mein Fazit: Eine Erzählung, die es schon lange verdient hätte, durch einen Hörbuchfassung wieder ins Gespräch zu kommen. Die fünf CDs geben den ungekürzten Text wieder. Und als Sprecher konnte man Felix Manteuffel gewinnen, der dieser Liebesgeschichte die passende Stimme verleiht.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. April 2005
Max Frischs Erzählung "Montauk" ist autobiographisch geprägt. Sämtliche Personen und Ereignisse haben eine reale Entsprechung. Man kann die Erzählung allerdings auch ohne Kenntnis von Frischs Biografie lesen, denn "Montauk" ist ein Stück grossartige Literatur. Etwas augenzwinkernd hält Frisch am Ende denn auch Folgendes fest: "Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser - und was verschweigt es und warum?".
"Montauk" ist blendend durchkomponiert. Die Leitgeschichte handelt vom 63-jährigen Frisch, der mit der viel jüngeren Lynn in Montauk bei New York ein Wochenende verbringt. Dazwischen berichet Frisch liebevoll aus seinem Leben und von seinen verschiedenen Frauen. Rührend ist auch, wie er das schwierige Verhältnis (Abhängigkeit) zu seinem Jugendfreund Wener Coninx beschreibt, der aus der wohlhabenden Tagesanzeiger-Verlegerfamilie stammt. Für mich ist "Montauk" eine Art Fortsetzung von "Homo Faber". Die Beziehung von Frisch zu Lynn entspricht der von Walter Faber zu Ivy. Auch greift Frisch nochmals die Geschichte der Jüdin Hanna auf, die richtig Käte Rubensohn hiess.
Die Erzählperspektive ist glänzend gesetzt. Frisch berichtet als Ich-Erzähler, aber die Geschichte zwischen ihm und der viel jüngeren Lynn erzählt er aus der dritten Person (er), einer distanzierten Beobachteroptik, obwohl es eigentlich um ihn (ich) selbst geht. Das ist manchmal verwirrend, wenn er im gleichen Satz von der Er- in die Ich-Position wechselt. Die Perspektivwechsel illustrieren die Brüche im Leben und seine eigene innere Zerissenheit. Erst am Schluss gibt er die Er-Erzählposition auf und distanziert sich nicht mehr von sich selbst. So verabschiedet er sich als Ich-Erzähler Max Frisch von seiner Geliebten Lynn.
Frisch thematisiert einmal mehr seine ureigene Skepsis gegenüber der Beziehung zu Frauen. Zudem legt er schonungslos seine eigene Hörigkeit offen. Er rennt Frauen hinterher, kann aber trotzdem nicht mit ihnen. Es geht aber auch um das Abschiednehmen (von Partnerinnen, von der Sexualtität, vom Leben), verbunden mit einer selbstkritischen Rückschau und Erinnerung. Die Bilanzierung seines Lebens führt zu Selbsterkenntnis. Trotz seines Skepzissismus' schreibt Frisch rührende Liebeserklärungen an seine ehemaligen Partnerinnen, insbesondere die ergreifende Hommage an Ingeborg Bachmann, die 1973 gestorben ist. Und schliesslich überzeugt auch Frischs klare, aufs Wesentliche reduzierte Sprache, womit er eine poetische Leichtigkeit erzeugt.
11 Kommentar|20 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 13. Januar 2003
Ich weiß nicht mehr in welcher klasse genau, aber mich traf fast der schlag, als AUSGELOST wurde welcher schüler über welchen autor ein referat zu halten hat. und mich traf MAX FRISCH, dessen namen ich bis zu diesem zeitpunkt nicht ein einziges mal gehört hatte.
augesrochen lustlos machte ich mich daran mir informationsmaterial über diesen mann zu suchen und stolperte gleich zu beginn über eins der "dünnsten" bücher die er geschrieben hat was mir damals gerade recht kam, denn wer will schon ein buch lesen, dessen story ihn nicht interessiert geschrieben von einer person die er nicht kennt und zu deren erforschung er gezwungen wird?
jedenfalls habe ich dann begonnen MONTAUK zu lesen und war gleich zu beginn fasziniert von diesem buch. das hin und her zwischen der ich-erzählung und der erzählung aus der sicht eines zuschauers, das letztendlich nur zeigt, wie "zerrissen" max frisch innerlich war, hatte mich gleich gefangengenommen. vielleicht lag es auch daran, dass ich ganz ohne irgendwelches vorwissen an das buch herangetreten bin, dass ich nciht mehr davon lassen konnte, aber dieses schritt-für-schritt kennenlernen der person MAX FRISCH durch das lesen seines wohl persönlichsten buches hat mich so etwas wie sympathie für einen wohl schwierigen und unberechenbaren menschen empfinden lassen, den ich nie gekannt habe und niemals kennenlernen werde.
Einen Mann, der dermaßen gefestigt nach aussen gewirkt haben soll, der aber selbst von zweifeln und vorwürfen geplagt war die ihn bis zu seinem tod wohl nicht verlassen haben.
"(...)Zerreisse ich mein Hemd, so meine ich meine Haut(...)"
Vergleiche mit diversen biographien haben immer mehr einzelheiten über sein leben und über die wahrheit die in MONTAUK steckt aufgedeckt, denn schreibt er beispielsweise von "ihr" in montauk und seinen gefühlen "ihr" gegenüber, so erkennt man beim lesen einer biografie, dass es sich bei "ihr" um ingeborg bachmann handelte, die über jahre seine lebensgefährtin war.
Seither habe ich dieses Referat immer weiter ausgebaut und insgesamt 3 mal zu diversen gelegenheiten gehalten. Neben dem HOMOFABER und einer Analyse über das buch MONTAUK habe ich in dieser zeit auch MEIN NAME SEI GANTENBEIN und anderes gelesen, doch nichts davon blieb dermaßen hängen, wie MONTAUK.
ich bin der meinung, dass dieses buch unerlässlich dafür ist, wenn man über den autor selbst berichten oder erfahren möchte, denn nichts geht tiefer, nichts ist persönlicher und mehr er selbst als Montauk, auch wenn es (zumindest ohne Vorwissen) sich erst mit der zeit erschließt, dass es wirklich er selbst ist, über den er da schreibt, dieses buch geht unter die Haut.
0Kommentar|20 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden