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49 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Scharfsinnige Bestandsaufnahme einer deutschen Großstadt
Bedrohlich ist die Atmosphäre im noch vom 2. Weltkrieg gezeichneten Deutschland. Der Autor zeigt an einem Tag im Leben einer Großstadt, wie die Menschen versuchen, sich mit den schwierigen Gegebenheiten zu arrangieren. 41 Personen begegnen dem Leser im Lauf der Handlung; Junge und alte, Deutsche und Besatzungssoldaten, Männer und Frauen...
Am 8. Juli 1999 veröffentlicht

versus
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wenn man es gelesen hat, ist man froh.
Wie bestimmt viele, musste ich diesen Roman für die Schule lesen und dabei hab ich mich oft gefragt, ob das die Zeit wirklich wert ist.
Im Nachhinein (und nach der Bearbeitung im Unterricht) muss ich sagen, das die Verdrängung nach dem zweiten Weltkrieg wirklich sehr eindrucksvoll dargestellt ist und ich das so noch in keinem anderen Werk gelesen habe. Die...
Veröffentlicht am 21. November 2011 von fiery-falcon


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49 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Scharfsinnige Bestandsaufnahme einer deutschen Großstadt, 8. Juli 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Tauben im Gras: Roman (Taschenbuch)
Bedrohlich ist die Atmosphäre im noch vom 2. Weltkrieg gezeichneten Deutschland. Der Autor zeigt an einem Tag im Leben einer Großstadt, wie die Menschen versuchen, sich mit den schwierigen Gegebenheiten zu arrangieren. 41 Personen begegnen dem Leser im Lauf der Handlung; Junge und alte, Deutsche und Besatzungssoldaten, Männer und Frauen. Vielfältige Beziehungen entspinnen sich, aber oft werden die Fäden gekappt, bevor die Menschen einander wirklich begegnen. Anonymität in der Masse ist eins der großen Themen in diesem Roman. Da sind zum Beispiel Carla und Washington, die von allen Seiten angefeindet werden, weil es sich für eine deutsche Frau nicht gehört, mit einem amerikanischen Soldaten zu leben, erst recht nicht mit einem Schwarzen... Oder Philipp und Emilia, die einander nichts mehr zu sagen haben. Er ist als Schriftsteller gescheitert, sie finanziert ihr gemeinsames Leben, indem sie teure Erbstücke versetzt. Ertragen kann sie die zur Fessel gewordene Ehe nur mit Alkohol, der wiederum Philipp noch weiter von ihr weg treibt. Dann begegnet er Kay, einer jungen Amerikanerin... Fesselnd ist aber nicht nur die Handlung, sondern auch die Sprache. Wie kein anderer Schriftsteller in den frühen 50er Jahren nennt Koeppen Restauration und Verdrängungsmentalität beim Namen, was dem Autor damals harsche Kritik einbrachte. Inzwischen ist die Bedeutung dieses Romans für die deutsche Nachkriegsliteratur offenkundig. Wer die Geschichte dieses Landes ein bißchen besser verstehen möchte, sollte Koeppen lesen. Die Atmosphäre der Stadt wird beklemmend realistisch geschildert. Das bemerkenswerteste an diesem Buch ist zweifellos die Erzählweise. Mit stilistischen Mitteln überwindet Koeppen das strenge Nacheinander des traditionellen Erzählens und schafft simultane Stränge, die sich überlagern. So wird der Leser in das gleiche Chaos hineingestellt wie die Figuren, ein faszinierender Kunstgriff. Es handelt sich hier zwar sicher nicht um leichte Lesekost, aber um eine Delikatesse, die ihresgleichen sucht. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Blick in die Vergangenheit, 27. Februar 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: Tauben im Gras: Roman (Taschenbuch)
Wenn von den Nachkriegsjahren die Rede ist, existieren in meiner Generation (Jahrgang 1969) recht holzschnittartige Vorstellungen: Hunger, amerikanische Befreier, beginnendes Wirtschaftswunder... Koeppen zeichnet ein Bild, das der Realität weit besser entsprechen dürfte. Es sind keine glücklichen, befreiten Menschen, die "Tauben im Gras" bevölkern. Gescheiterte, Hungernde, Suchende, aber auch dekadente Prasser treffen aufeinander. Sie alle teilen die Erfahrung des Kriegs, die sie prägt. Dass eine neue Zeit begonnen haben soll, ein frischer Start in eine freie Gesellschaft spürt man kaum. Die Protagonisten irren durch Trümmerlandschaften und Nobelhotels, ohne zu wissen, was nun eigentlich kommen wird.
Doppelmoral, Rücksichtslosigkeit, jeder ist sich selbst der nächste - ein Schicksalsgemeinschaft, die vereint am Wiederaufbau arbeitet, hat man sich anders vorgestellt. Erhellend die Schilderung der Amerikaner und die Reaktion der Deutschen auf diese. Von "Befreiern" zu sprechen, wie es oft in Sonntagsreden geschieht, ist Heuchelei. Sie werden als Besatzer empfunden.
Der Roman schildert diese Schicksale - wie man so gerne sagt - kaleidoskopartig. Oft genug bedeutet das, dass der Autor nicht in der Lage war, seiner Geschichte einen logischen Aufbau, einen roten Faden zu geben. Hier aber spiegelt die zerrissene, unstete Form nur den Inhalt wider. Wer sich ein Bild über die Nachkriegsjahre in Deutschland machen will, kommt an Koeppens nicht immer ganz einfachem, aber stets lesbarem Werk nicht vorbei.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kaleidoskop innerer und äußerer Welt, 10. Januar 2011
Von 
Timo Brandt "Ways are, there you go" (Quickborn) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Tauben im Gras: Roman (Taschenbuch)
Wolfgang Koeppen ist ein einzigartiger Fall in der Literaturlandschaft. Nicht nur seine schwierig-brillante Prosa, die von Umwelt und Bewusstsein an einem Strang durchzogen wird (nach Art von Joyce Bewusstseinstrom, ein Autor, mit dem man Koeppen ein wenig vergleichen kann, was die Erzählhaltung und -art angeht; Ulysses und Tauben im Gras haben durchaus, wenn Joyce auch das monumentalere, vielgestaltiger Werk geschaffen, Parallelen. Vielfach frönt seine Prosa auch dem Mythenspiel und der beeindruckenden Metapher, ebenso ist da eine tiefmelancholische Sicht auf die Dinge), sondern auch sein Position in der deutschen Literaturgeschichte ist unumstritten groß, wobei gleichzeitig seine Bekanntheit mit den Jahren immer mehr abgenommen hat und sein Name eher im Zusammenhang mit seiner jahrzehntelangen Koeppernikane in Verbindung gebracht wird (Man muss dazu wissen das Koeppen dem Suhrkamp Verlag über Jahre einen neuen Roman versprach, aber bis zu seinem Lebensende nach "Der Tod in Rom" keinen mehr fertig stellte, jedoch noch viele Zahlungen und Vorschüsse von Suhrkamp bezog; dazu auch sehr aufschlussreich ist der vor kurzem erschienene Briefwechsel zwischen dem Verleger Siegfried Unseld und Koeppen.)

In diesem ersten Buch seiner Bonner-Triologie ( 2. Das Treibhaus, 3. Der Tod in Rom) beschäftigt sich Koeppen kaleidoskopartig mit einem Tag im Nachkriegsdeutschland im Jahre 1949. Wechselnde Figuren, die über verschiedenste soziale Grenzen miteinander verknüpft sind und sich im Laufe des Tages hier und dort begegnen, beschreiben die Dinge jeweils aus ihrer eigenen abgeschotteten Welt; der Erzähler bewegt sich dabei wie ein Geist durch die Szenerie, beschreibt was außen vorgeht, um dann ganz plötzlich in eine der Personen zu fahren... und dann wieder in die nächste. Das macht den Roman zu einem intensiven und doch sehr verzerrten Erlebnis, denn wenngleich die Personen an ihren Standpunkten erkennbar sind und sie sich ein wenig herauskristallisieren, bleibt doch jeder Figur die Rolle eines Nebendarstellers beschieden, einer Reflexion der Welt, wie wir alle es sind, was Koeppen sehr gut zeigt; ein wirklicher Protagonist fehlt ebenso wie ein kontinuierlicher Erzähler.

Über die Erzählstränge sollte man sich nicht einzeln auslassen, sie sind auch größtenteils nicht nacherzählbar und in ihrer Dichte nur beim Lesen erfahrbar; bemerkenswert ist Koeppens Gefühl für jede einzelne Geschichte und ihre Fluidum, sowie für die Verknüpfung und Überschneidung der einzelnen Stränge - alles scheint wie von selbst zu geschehen. Auch wenn seine syntaktischen Virtuositäten, ja die Sprachhandhabung allgemein, ihr Tempo, ihre Konzentration, manchen in eine visuelle und geistige Desorientierung stürzen mag, so entsteht an den wirklichen Knackpunkten des Buches gerade durch diese Erzählart ein unverstelltes Erlebnis, eine perfekte Kommunikation zwischen Vorstellung und sprachlicher Aussage; ein wahrer Sturm an Mitteilungs- und Darstellungsmöglichkeiten durchwirkt das ganze Buch.

Marcel Reich-Ranicki lobte Koeppens Buch als einen der herausragenden Romane des 20. Jahrhunderts. Ganz gleich was man von Herrn Ranicki halten mag, mit dieser einfachen Formulierung hat er definitiv ins Schwarze getroffen. Koeppen gehört wie Franz Kafka und Thomas Mann oder auch Thomas Bernhard zu den bedeutenden und gewiss auch schwierigen Literaten des vergangenen Jahrhunderts, die mit ihrer Sprache und ihren Themen einer ganz neuen Form der Daseinsbeschreibung den Weg geebnet haben. Wo, Wo sind ihre Erben hin?
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die große Wahrheit, 9. März 2013
Insgesamt etwa 20 Protagonisten erleben einen Tag in Berlin, begegnen sich, bleiben zusammen oder entfremden und trennen sich wieder. In diesen - teilweise sehr erotischen - Begegnungen gibt es Liebe und Hoffnung, Neugier und Spannung, Haß und Terror. Es ist ein in seiner schriftstellerischen Kraft zeitloses Roadmovie aus dem Berlin der Fünfziger Jahre. Meisterhaft führt Koeppen die zutiefst empfundene Schmach der Niederlage der Deutschen und die zu Unrecht empfundene, vermeintliche "Besatzung", in Wahheit jedoch Befreiung der Deutschen vor sich selbst im halbzerstörten, noch nach Häuserbrand und Verwesung riechenden Berlin dem Leser vor Augen.

Der glühend verehrte, geliebte Führer der Deutschen, der große Adolf Hitler, sowie die anderen Lieblinge des deutschen Volkes (Göring, Himmler u. v. m.) sind verurteilt oder tot, nicht mehr alle haben noch eine "anständige Gesinnung". In den Straßen von Berlin treibt man ziellos seinem Schicksal entgegen, sieht sich gegenübergestellt, beziehungsweise untergeordnet und so gleichsam ausgeliefert den sich lässig und freiheitlich gebenden Siegermächten.

Fast alle haben ihr altes Leben vor und während des Krieges verloren und versuchen, ihr Leben in der Grauzone der frühen Nachkriegsjahre neu zu organisieren. Das mag etwas nach Deutschunterricht und altbacken klingen, ist es aber in keinster Weise. Koeppen schildert eine Hölle, aus der die Personen dieses Buches sich mühsam freizukämpfen versuchen oder für immer untergehen.

Die hierbei stets wiederkehrenden Resentiments und Stimmungsmache gegen das westliche Ausland und die Rückbesinnung auf das Verlorengegange (ideell und materiell) sind heute noch so lebendig wie Anfang der Fünfziger Jahre. Auch heute empfinden die Deutschen die aliierten Streitkräfte als (mittlerweile nach Hause zurückgekehrte) Besatzungsmacht und nicht als diejenigen, die die Deutschen vor sich selbst befreit haben.
Koeppen schildert kühl mit größter Präzision, ähnlich meisterhaft wie Dickens (der war ironischer) oder Bernhard (der war leidenschaftlicher), menschlichen Haß und Ressentiments und deckt in wenigen kurzen Sätzen die sogenannten "menschlichen Abgründe" auf.

Vergleichbare deutschsprachige Lektüre nach 1945 (außer Thomas Bernhard) : Uwe Johnson und Jean Amery - der Rest ist blasses deutsches Mittelmaß und mitunter schrecklich öde und banal.

Absolute Leseempfehlung!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Speziell, 6. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Tauben im Gras. Roman (Taschenbuch)
Dieses Buch ist nicht unbedingt der übliche Roman für den Nachttisch. Er ist sehr speziell, doch das macht in meinen Augen grade seine Qualität aus.

Der Markt ist überflutet von gewöhnlichen Romanen, die austauschbare Geschichten über austauschbare Charaktere darstellen. Manche mögen dabei spannend sein, gebe ich zu, dennoch sind sie in meinen Augen nicht unbedingt lesenswert. Die Zeit ist zu kostbar um sie an drittklassige Literatur zu verschwenden.
Ich wähle meine Lektüre sorgfälltig aus, denke viel über das geschriebene nach, lasse mir Zeit bis der letzte Satz durch mein Bewusstsein wandert. Dadurch hat man weit mehr vom Buch - nur ist es einfach zeitaufwendiger. Leute die so lesen sollten umso sorgfälltiger ihre Lektüre auswählen, und dabei ist dieser Roman sicher eine würdige Wahl (natürlich gibt es keine Garantie, dass das geschriebene ihren Geschmack trifft).

Doch was macht ihn so besonders? Zunächst der Schreibstil. Für viele Leser sicher zu hoch (wie die meisten Schüler des dreizehnten gymnasialen Schuljahres, wodurch die Qualität leider nicht begriffen wird), stellt Koeppen das Buch fast perfekt mit Hilfe der Bewusstseinsstrom - Technik dar (alles wird dirket so formuliert wie es ins Bewusstsein fließt). Möglicherweise hat der Verlag hier zum besseren Verständnis etwas reingepfutscht, aber das ist rein spekulativ. Man will ja niemanden vorschnell verurteilen. Nichts desto trotz ist der Schreibstil eine gelungene Abwechslung.

Desweiteren ist das Buch ein perfekter Einblick in die deutsche Nachkriegsliteratur. Die Atmospähre, die Menschen und ihre Probleme, werden sehr plastisch vorgestellt. Der Bewusstseinsstrom ist hierbei mehr als dienlich, wirkt durch ihn alles doch viel näher.
Wer sich mit der deutschen Nachkriegszeit/literatur befassen möchte, ist hier wirklich gut aufgehoben.
Es wird nicht viel Wert darauf gelegt, eine spannende Geschichte zu erzählen. Es werden viele Einzelschicksale (gewöhnlichen Deutsche, Amerikaner, Kinder, Juden) präsentiert, was dem Zweck des Buches, nämlich einen Einblick in die Nachrkiegszeit zu ermöglichen, auch viel gerechter wird.

Als Fazit würde ich sagen, dass das Buch für jeden etwas sein kann, der sich für die Trümmer- und Kahlschlagliteratur interessiert oder einfach mal etwas Abwechslung beim Lesen sucht. Und natürlich auch für die, die etwas an ihrer Allgemeinbildung tun möchten. Ein weiterer Klassiker ist von der Liste und Wissen über unsere Welt wurde auch noch gesammelt. ;)

Achja, und lassen sie sich bitte nicht von den vielen Negativ - Bewertungen irritieren. Wie schon kurz erwähnt ist das Buch bei Schülern nicht grade beliebt, als Pflichtlektüre wird es dennoch gelesen und der Frust scheint bei einigen durch eine negative Rezension bei Amazon kompensiert zu werden.
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein "moderner" Roman, 12. August 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Tauben im Gras (Gebundene Ausgabe)
In der wissenschaftlichen Diskussion um die Frage „Zufall oder Notwendigkeit" bezieht Koeppen ganz klar Stellung. Der Zufall bestimmt laut Koeppen unser ganzes Leben. Vom Existenzialismus angehaucht, stellt der Autor in seinem Roman die Verstrickungen jedes einzelnen dar, er drückt somit die Totalität des Lebens aus.
Der Roman versucht dadurch die Welt als Ganzes mit all ihrer Dynamik darzustellen.
Die einzelnen Erzählstränge laufen nebeneinander her und kreuzen sich. Diese Kreuzungen zeigen die Verstrickungen zwischen den einzelnen Protagonisten auf.
Wie die Tauben im Gras sind die Menschen zufällig zusammengewürfelt, sie müssen damit etwas anfangen, das beste aus ihrer Geworfenheit zu machen. Auch hier zeigt sich wieder Koeppens Affinität zum Existenzialismus.
Der Schlüsselpunkt des Werkes sind die Überlegungen der amerikanischen Lehrerin Miss Burnett:
„Im Gras hockten Vögel. Wir verstehen nicht mehr als die Vögel von dem was die Wescott quatscht, die Vögel sind rein zufällig hier, wir sind zufällig hier, und vielleicht waren auch die Nazis nur zufällig hier, Hitler war ein Zufall, seine Politik war ein grausamer und dummer Zufall, vielleicht ist die Welt ein grau-samer und dummer Zufall Gottes, keiner weiß warum wir hier sind, die Vögel werden wieder auffliegen und wir werden weitergehen."
Damit wird versucht das Sinnlose und scheinbar Zufällige der menschlichen Existenz bloßzustellen, den Menschen frei von Gott zu schildern, um ihn dann frei im Nichts flattern zu lassen. Sinnlos, wertlos und frei, wie er ist, wird er von Schlingen bedroht und ist auch Gefahren ausgeliefert. Doch der Mensch ist stolz auf die eingebildete, zu nichts als Elend führende Freiheit von Gott. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nachkriegsgesellschaft wie in einem Kaleidoskop gespiegelt, 30. Juli 2002
Rezension bezieht sich auf: Tauben im Gras. Roman (Taschenbuch)
In mehr als 100 kurzen und längeren Abschnitten fängt Wolfgang Koeppen wie mit einer Kamera aus unterschiedlichen Perspektiven Szenen ein, die sich bald nach dem Zweiten Weltkrieg an einem einzigen Tag in einer deutschen Stadt abspielen. Obwohl der Name der Stadt nie genannt wird, gibt es zahlreiche eindeutige Hinweise auf München, und die Handlung spielt möglicherweise am 20. Februar 1951.
Die unheroischen Helden, die Wolfgang Koeppen hier vorstellt, kommen mit der Welt nicht zu Recht. Ihre Wege kreuzen sich, aber sie bleiben einsam. Die Menschen sind aus der Bahn geworfen, jagen einem besseren Leben hinterher, gieren nach Geld und Genuss, suchen Liebe oder Ruhm. Sie sind existenziell verunsichert, hoffnungslos, auf der Flucht vor sich selbst, nicht in der Lage, die Lebensangst zu überwinden, unfähig zur Besinnung. Man spielt ihnen böse mit. Wie "Tauben im Gras" wimmeln sie durcheinander.
Weil es keine zentrale Handlung gibt und man stattdessen -- wie in "Ulysses" von James Joyce -- mit einer Vielzahl von parallelen Geschichten konfrontiert wird, ist die Lektüre der ersten Hälfte des Buches nicht ganz einfach. Erst gegen Ende durchschaut man den geschickten Aufbau.
Dieter Wunderlich, Autor
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der deutsche Nachkriegsroman schlechthin, 4. August 2006
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Tauben im Gras: Roman (Taschenbuch)
Wolfgang Koeppen hat uns nicht besonders viele Bücher hinterlassen. Am berühmtesten ist dieser erste Roman der "Trilogie des Scheiterns", wie sie vom Verlag genannt wurde. "Tauben im Gras" ist vor allem ein Stilexperiment, ein Roman, bei dem Ästhetik und Form mindestens genauso wichtig sind wie der Inhalt. Der Erzähler schildert einen Tag in der Stadt München und lässt den Leser an den Gedanken und Gefühlen von rund 30 Figuren teilhaben. Koeppens Pandämonium hat eine Menge zu bieten: schreibblockierte Poeten, fanatisch religiöse Kindermädchen, eine sexbesessene Schauspielerfrau, einen schwarzen US-Soldaten, der mit einer Deutschen um das Leben des gemeinsamen Kindes kämpft, kleine Dienstleute, alte Nazis, verbohrte Spießer, einen wütenden Mob, einen Nachkriegsfilmstar und eine Rasselbande ehemaliger NS-Pimpfe. Koeppen montiert den Bewusstseinsstrom einer ganzen Metropole mit Reklamesprüchen und Schlagzeilen zusammen. Es ist nicht immer leicht, der Handlung zu folgen; in jedem Fall aber bietet "Tauben im Gras" einen atmosphärisch dichten Blick auf die Straßen und in die Köpfe der Menschen im Nachkriegsdeutschland.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tiefe Einsichten in eine nicht leicht einzusehende Zeit, 23. November 2010
Von 
K. Beck-Ewerhardy "kgbeast" (Moers) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tauben im Gras. Roman (Taschenbuch)
In mehreren Handlungssträngen finden wir einen erfolglosen deutschen Dichter und seine Geliebte, die mit ihrem ärmlichen Status sehr unzufrieden ist und darum nach Besuchen von Pfandleihen dem Alkohol kräftig zuspricht, wir treffen Washington Price, der als Schwarzer in einem kurz zuvor rassistisch regiertem Land eine weiße Geliebte findet, die ihrer beider Situation in dieser Beziehung wesentlich realistischer betrachtet als er selbst ' auch weil sie schon einiges an Erfahrungen hinter sich gebracht hat.

Mit diesen und anderen Figuren zeigt Koeppen, dass die Bevölkerung nach dem Kriegsende zum Teil in einer Art Betäubung verharrte, die aber beim richtigen Auslöser schnell wieder ins völkisch-rassische Denken umschlagen konnte, was unter anderem an einem Abend im Bräuhaus zu komisch-beängstigenden Szenen führt, wenn Altnazis und schwarze GIs auf Wirthausbänken stehend das Röslein im Walde besingen und den Fuchs, der die Gans gestohlen hat.

Elend der Nachkriegszeit und die Entwürdigungen der Beschaffung von Lebensnotwendigen stehen neben dem Versuch neue Leben zu beginnen, sich umzuorientieren und irgendwie die Schrecken der letzten Jahre hinter sich zu lassen. All dies wird in wechselnden personalen Betrachtungen dargestellt, die oft in der Form eines Bewusstseinsstroms daher kommen und das Denken der Leserinnen und Leser durch eine sehr komplexe, anspielungsreiche Bildspra-che herausfordert. Nicht gerade leichter Lesestoff ' sowohl vom Inhalt, wie auch von der Sprache her, aber durchaus glaubhaft in der Darstellung des Denkens und Fühlens der Men-schen der damaligen Zeit.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Menschen wie Tauben im Gras - meisterhaft erzählt!, 25. März 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Tauben im Gras. Roman (Taschenbuch)
Ein Tag in der Nachkriegszeit, in einer deutschen Stadt, deren Name nicht genannt wird, die aber vermutlich München ist, Menschen, die einander begegnen, die aneinander vorbeileben.
Wie Tauben im Gras sind diese Menschen, die Wolfgang Koeppen schildert, „sinnlos, wertlos, frei und von Schlingen bedroht, dem Metzger preisgegeben." Sie hocken im Gras wie Vögel, verstehen nicht mehr als Vögel, sind rein zufällig hier wie Vögel und sie werden weitergehen wie Vögel wieder auffliegen werden.
Wie in einem Film zeigt Wolfgang Koeppen diese unterschiedlichen Menschen. Mit großartiger Erzähltechnik schwenkt er von Schauplatz zu Schauplatz, lässt mit Schnitten die Handlung abreißen, um sie anderenorts wieder fortzuspinnen. In unzählig vielen, kurzen Sequenzen führt er uns einen Tag aus dem Nachkriegsdeutschland vor, dem Betrachter (Leser) macht er es dabei nicht leicht, kaum ist eine neue Figur eingeführt, wird sie schon wieder verlassen, erst mit zunehmender Dauer, wird der Ablauf deutlicher. (Doch so ergeht es dem Betrachter der Tauben im Gras wohl auch, sehen diese manchmal einander zum Verwechseln ähnlich, sind deren Wege manchmal schwerlich differenziert zu erkennen.)
Hier wird Geschichte gezeigt, hier wird der Mensch gezeigt, der mit seinen Enttäuschungen und Verletzungen sehnsüchtig und zugleich hoffungslos herumirrt, jagend nach Anerkennung und Glück, verstrickt in Vorurteile, ängstlich, ohne Halt und Geborgenheit.
Auch wir, die wir den zweiten Weltkrieg nicht miterlebt haben, können uns hineinfühlen in diese Menschen, denen der Krieg das Urvertrauen zerbombt hat. Dennoch glaube ich, dass es auch eine andere Geschichte gibt, dass wir Menschen nicht zwangsläufig dazu verdammt sind, zufällig herumzuirren wie Tauben im Gras.
Wolfgang Koeppens „Tauben im Gras" ist ein meisterhaft erzählter Roman. Es empfiehlt sich beim Lesen anfangs einige Notizen zu machen, um den Überblick über die geschilderten Figuren nicht zu verlieren, wenn man das Buch zwischendrin für einige Tage aus der Hand legen möchte.
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Tauben im Gras. Roman
Tauben im Gras. Roman von Wolfgang Koeppen (Taschenbuch - 6. Januar 1974)
EUR 8,00
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