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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Walsers bestes
Es gibt Bücher, die sind so gut, das die entsprechenden Autoren danach immer ein Sternchen weniger bekommen, um die Relativität zu wahren. "Ein fliehendes Pferd" ist meiner Meinung nach das beste von Martin Walser, alles danach habe ich gerne gelesen, aber dieses Level hat er bisher noch nicht wieder erreicht.
Die Geschichte nacherzählt, hört sich...
Veröffentlicht am 14. März 2005 von Berthold Knoche

versus
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wirkung der Menschen nach außen
Inhalt:
Sabine und Helmut machen Urlaub am Bodensee. Sitzen immer zur Nachmittagsstund am See weil Sabine gerne Leute beobachtet. Helmut der notgedrungen dabei sitzt macht sich seine Gedanken über das Leben. Wie oft tat er Dinge nur um nach außen hin ein Anderer zu sein. Ja um den Schein zu wahren. Manches tat er auch weil es ihm gefiel als ein Anderer...
Vor 12 Monaten von B. Lippenberger veröffentlicht


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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Walsers bestes, 14. März 2005
Von 
Berthold Knoche (Waldsolms / Hessen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ein fliehendes Pferd: Novelle (suhrkamp taschenbuch) (Broschiert)
Es gibt Bücher, die sind so gut, das die entsprechenden Autoren danach immer ein Sternchen weniger bekommen, um die Relativität zu wahren. "Ein fliehendes Pferd" ist meiner Meinung nach das beste von Martin Walser, alles danach habe ich gerne gelesen, aber dieses Level hat er bisher noch nicht wieder erreicht.
Die Geschichte nacherzählt, hört sich profan an: Zwei Studienfreunde treffen sich nach Jahren zufällig im Urlaub am Bodensee, beide haben sich total unterschiedlich entwickelt, und beide beneiden heimlich ein bisschen den anderen. Das besondere an diesem Buch: zum einen natürlich Walsers Umgang mit der deutschen Sprache, ich könnte ihm ewig "zuhören", egal, wie die Handlung ist, zum anderen die Einblicke in das Leben dieser 2 Hauptakteure und ihrer Frauen. Dazu ein fulminante Ende, kein Satz zuviel, keiner zuwenig, ein Buch, das man immer mal wieder in die Hand nimmt, Walsers bestes.
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45 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Psychogramm mit Pferd, 24. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Ein fliehendes Pferd: Novelle (suhrkamp taschenbuch) (Broschiert)
Ein ruhiges Urlaubsdomizil am Bodensee. Seit Jahren schon pflegt Oberstudienrat Helmut Halm zusammen mit seiner Frau Sabine hier seinen Urlaub zu verbringen. Es sind diese vier Wochen im Sommer, die es Halm einmal im Jahr erlauben, dem alltäglichen Trott zu entfliehen und mal ganz er selbst zu sein. Und dann steht da plötzlich dieser Klaus Buch vor ihm, dieser ehemalige Schul- und Studienfreund, der so anders ist als Helmut, jung, aktiv, lebensfroh, der von dessen angestammten Urlaubsort so spricht: "Das ist schon ein Scheißsee. (...) Das sei vielleicht was für Opas, in deren Wipfeln Ruh ist. Jetzt schau dich doch einmal um, diese Gegend, eingeschlafen für immer. Ich schwör' dir. Hier geht nichts mehr. Wir sind im Totenreich. Farbloses farblos im Farblosen."

Nicht segeln, nicht schwimmen oder Rad fahren - alles was er sich für diesen Urlaub vorgenommen hat, ist die fünfbändigen Tagebücher des dänischen Philosophen Sören Kierkegaard zu lesen. Auch wenn er letztlich über ein paar Seiten nicht hinauskommt, allein diese Vorstellung von Urlaubsbetätigung sagt viel über Helmut Halm aus, den Lehrer, der nichts mehr vom Leben erwartet. Der, obwohl erst Ende Vierzig, bereits in einem lebensträgen Phlegma gefangen ist. Der in seiner Isolation vor dem Leben in stiller Angst vor jeder Geselligkeit, vor menschlicher Nähe, vor sozialen Kontakten lebt. Der in seiner kühlen, abweisenden Natur den einzigen Weg gefunden hat, von Mitmenschen nicht erkannt und durchschaut zu werden. Ohne nahestehende Freunde oder Bekannten, die ihn, seine Lebensweise und Spleens kennen, muss er nicht fürchten, seelisch entblößt zu werden, muss er nicht fürchten, seine Gefühle preiszugeben, die alleinige Kontrolle über sich selbst zu verlieren. Ein Leben ohne Emotionen - ohne sichtbare Emotionen. Helmut Halm - ein Misanthrop, dem plötzlich aufgezeigt wird, dass seine selbstgewählte Lebensabstinenz keineswegs alternativlos ist, dass doch auch er auf eine leutselige Jugend zurückblicken kann, damals, als er noch der "Ha-Ha" genannt wurde, der Ha-Ha, der jeden Unfug mitmachte. Klaus Buch steht vor ihm.

Klaus Buch? Aufs Verrecken nicht will er sich erinnern an diesen braungebrannten, athletischen Sunnny-Boy, der sein einstiger Kommilitone gewesen sein soll.
Hatte Helmut anfangs nur skeptisches Kopfschütteln für den zwanghaft trendigen Habitus Klaus' übrig gehabt, so entwickelt sich der zufällige Urlaubstreff zunehmend zu einem Wettkampf zweier Charaktertypen: In Gestalt von Klaus Buch steht dem introvertierten, menschenscheuen Helmut der personifizierte Widerspruch gegenüber: lebensfreudig, aufgeschlossen, jovial, attraktiv, vollschlanke Freundin im Arm.
Während er sich die ersten gemeinsamen Urlaubsaktivitäten über gänzlich unberührt zeigte von der Dynamik, vom Aktivitätendrang und der körperlichen Fitness seines Pendants, lässt ein Ereignis Helmut aufzeigen, dass diese Koinzidenz am Bodensee immer mehr zur Wachablösung einer Lebenseinstellung wird: Ein fliehendes Pferd, das selbst der Besitzer nicht zu bändigen weiß, kommt auf die Wandergruppe zugeschossen. Während Helmut hastig zurückweicht und gar Mühe hat, seine Spanielhündin zurückzuhalten, nähert sich Klaus, scheinbar in seiner Manneskraft herausgefordert, dem Tier, als dieses am Wiesenrand rastet.
Indem er blitzartig auf dessen Rücken springt, trotz heftigem Widerstreben des Pferdes dessen Herr bleibt und, nach wildem Ritt triumphal zurückkehrend, das Tier seinem Besitzer demonstrativ übergeben kann, hält Klaus seinem gleichaltrigen Schulfreund den Spiegel vor: Klaus' Leben in seinem offenkundigen Erfolg, seiner Unbekümmertheit und ausgelassenen Heiterkeit konterkariert eindringlich die halmsche Einsiedelei, und auch Helmut wird bewusst, dass ihm, dem routinierten und in dieser Routine erschlaffenden Biedermann, unwillkürlich der Staffelstab aus der Hand genommen wird vom Abenteuer, der Nonchalance und Lebensfreude seines Schulfreunds. Dennoch wird der Wunsch nach Veränderung in Helmut erst - und auch da nur latent - hervorgerufen, als dessen Frau Sabine auf die beständige Sexualunlust ihres Mannes hin mürrisch repliziert: "Dann frag ich eben Klaus, ob er mit mir schlafen will."

Martin Walsers Novelle "Ein fliehendes Pferd" ist gleichsam eine Synkrisis zweier Lebenswege, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Indem dem braven, pflichtbewussten Kleinbürger Helmut durch die Konfrontation mit seinem ehemaligen Kommilitonen Klaus aufgezeigt wird, dass auch ein vitales, abenteuerlustiges, leutseliges Leben zu Erfolg und Anerkennung führen kann, wird in ihm schließlich das ungute Gefühl evoziert, etwas verpasst zu haben im Leben. Auch wenn er mit sich selbst, seiner Reserviertheit und Apathie voll zufrieden ist, auch wenn er weder Willen, noch Kraft zur Selbständerung hat, so ruft dieser Klaus in seinem plötzlichen Auftreten und der Penetranz seiner Selbstdarstellung in Helmut die Unruhe hervor, sein Leben derweil verschenkt zu haben und zum "schicksallosen Kleinbürger" geworden zu sein, der nach Klaus' Meinung nichts anderes sei als ein "spießig verwitterndes Harnsäurekonzentrat."
Das Psychogramm zweier Charaktere, das Walser in dieser Novelle zeichnet, ist in seiner schonungslosen Offenheit und seiner Authentizität beeindruckend. Und ebenso warnend: Indem ich Wesenszüge Helmuts so deutlich in mir selbst wiederentdeckt habe - Selbstverschluss, Emotionsleere, Distanz, Abgleiten aus Ruhe in Trägheit -, indem ich fast fatalistisch sicher bin, mal so zu enden, wie Helmut in seiner unberührbaren Lebensweise dargestellt wird, und trotz allem Widerstreben glaube, dies nicht beeinflussen, geschweige denn ändern zu können, hat "Ein fliehendes Pferd" mich endlich mit der Frage konfrontiert, was ich denn selbst von meinem Leben erwarte, wie meine Zukunft aussehen soll, was mir wichtiger ist: Anerkennung oder Spaß? Erfolg oder Freiheit? Ruhe oder Party?
Zumal da ich gerade vor der wichtigen Frage nach der idealen Berufs- und Studienwahl stehe und damit vor meiner kurz- bis mittelfristigen Lebensplanung, diente Walsers Novelle als dankbare Orientierungshilfe, auch wenn sie letztlich keine eindeutige Hilfe gibt:

"Du musst gerettet werden. Du brauchst mich, Helmut, das spür' ich." - Auf dem gemeinsamen Segeltörn, auf dem Klaus das Angebot an Helmut ausspricht, mit ihm auf die Bahamas zu kommen, um dort den Neuanfang eines anderen, aufregenden, forschen Lebens zu setzen, kommt plötzlich ein wütender Sturm auf, der nochmals beide Charaktere in ihren Extremen gegenüberstellt: Während Klaus sich an immer stärker werdenden Böen erfreut, bittet Helmut ängstlich, doch bitte das nächste Ufer anzusteuern. Auf dem Höhepunkt des Unwetters - Klaus frohlockt ob des maritimen Abenteuers - stürzt der Bonvivant (unter unglücklicher Mithilfe Helmuts) von Bord. Helmut erreicht das Ufer. Ohne Klaus.
Was dann geschieht, kehrt die bisherige Konstellation gänzlich um: Während Helene, die wohlgeformte Freundin Klaus Buchs, von ihrer Abstinenzler- und Low-Fat-Trennkost-Linie abkommt, zu trinken, rauchen und gar Kuchen zu essen beginnt, gehen die Halms plötzlich in Aktivitätendrang und Vitalität auf, kaufen Fahrradausrüstung und Sportkleidung.
Und dann steht plötzlich Klaus vor der Tür...
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Folie à quatre, 10. August 2007
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ein fliehendes Pferd: Novelle (suhrkamp taschenbuch) (Broschiert)
Zwei Ehepaare Ende vierzig begegnen sich während ihres Urlaubs am Bodensee. Die beiden Männer sind alte Jugend- und Studienfreunde. Sie könnten gegensätzlicher kaum sein: Während der behäbige Lehrer Helmut vom Leben nichts mehr erwartet und sich nur noch in Ruhe seiner geliebten Lektüre widmen will, hetzt Klaus Buch, der dynamische Journalist, mit seiner jungen Frau Helene von einer Aktivität zur nächsten. Auf der Flucht freilich befinden sie sich alle beide: Der eine flieht vor dem Leben, der andere vor dem Tod. Dann das Unglück: Während einer stürmischen Segelpartie stürzt Klaus ins Wasser. Der Totgeglaubte taucht wenig später zwar wieder auf, doch die Wege der beiden Paare trennen sich, ohne dass man noch miteinander reden würde. Ein fliehendes Pferd ist die Geschichte der Lebenskrisen westdeutscher Mittelschichtler in den 1970er Jahren. Ganz und gar desillusioniert, suchen sie ihr Heil im Weglaufen vor der Realität. Martin Walser zeichnet seine Figuren mit distanzierter, ironischer Sympathie. In knappen, konzisen Sätzen erzählt, ist seine diagnostische Novelle ein bleibendes Lesevergnügen.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles wird in Frage gestellt, 2. April 2006
Von 
Mag Wolfgang Neubacher "wolfgang_neubacher" (A - 5203 Köstendorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ein fliehendes Pferd: Novelle (suhrkamp taschenbuch) (Broschiert)
Die Welt des 46jährigen Studienrates Helmut Halms und seiner Frau Sabine scheint wohlgeordnet. Man leistet sich einen Urlaub am Bodensee und gutes Essen und Trinken - bis plötzlich Klaus Buch, ein ehemaliger Schulkollege Helmuts, zusammen mit seiner Frau Hel auftaucht. Die Welt des Herrn Studienrats gerät plötzlich aus allen Fugen...
Fast 30 Jahre nach ihrem Erscheinen hat diese Novelle nichts von ihrer Frische verloren. Man hat das Gefühl, dass Walser dieses Buch (vielleicht sein bestes) in einem Zug "komponiert" hat. Jeder Satz sitzt und passt; die Konstellation der Figuren zueinander ist klar. Und doch (und das ist das Faszinierende) bleibt am Schluss so einiges offen - vielleicht ein Grund für eine Zweit- (oder Dritt-)Lektüre, bei der man immer wieder neue, interessante Facetten des Werkes entdecken wird!
Summa summarum: Ein auch heute noch mit großem Genuss zu lesendes Buch, das man fast schon als "klassisch" (im besten Sinn des Wortes!) bezeichnen kann!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wirkung der Menschen nach außen, 10. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Ein fliehendes Pferd: Novelle (suhrkamp taschenbuch) (Broschiert)
Inhalt:
Sabine und Helmut machen Urlaub am Bodensee. Sitzen immer zur Nachmittagsstund am See weil Sabine gerne Leute beobachtet. Helmut der notgedrungen dabei sitzt macht sich seine Gedanken über das Leben. Wie oft tat er Dinge nur um nach außen hin ein Anderer zu sein. Ja um den Schein zu wahren. Manches tat er auch weil es ihm gefiel als ein Anderer gesehen zu werden. Er denkt weiter nach über seine Wirkung auf andere Menschen. Bis ein Mann vor ihm stehen bleibt. Als Freund aus der Schulzeit stellt er sich vor. Klaus Buch sei sein Name, doch bei Helmut klingelt nichts, auch nicht bis zum Schluss, bis auf ein paar kleine Erinnerungsfetzen. Helmut will keine Zeit mit diesem Mann verbringen und seiner Frau die er so anziehend findet. Doch er wird gerade zu von Klaus Buch dazu genötigt und das immer wieder. Bis zu einem Segelausflug, sich der Bodensee von seiner rauen Seite zeigt. Ein Sturm kommt auf. Wellen schlagen übers Boot. Klaus Buch geht über Bord.
Fazit:
Ich hatte Schwierigkeiten mit dem Buch klar zu kommen. Ich las es verstand es auch, doch mir ist es wohl zu hoch um den Sinn dahinter zu verstehen. Es war trotz seiner nur 150 Seiten ein langes und quälendes Lesen.Nur die Beschreibungen vom Bodensee nahmen mich in meine Heimat mit und versöhnten mich mit dem Buch.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zufällig, 27. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: Ein fliehendes Pferd: Novelle (suhrkamp taschenbuch) (Broschiert)
Novelle, den Begriff kennt man doch aus der Schulzeit und schon da wußte nicht jeder gleich eine Antwort darauf, was eine Novelle ausmacht. Martin Walsers Geschichte von Helmut und Sabine Halm, Klaus Buch und seiner Frau Helene hat das Verfallsdatum überschritten, in dem deutsche Literatur spätestens zehn Jahre nach dem Erscheinen versinkt. Es werden immer noch Filme danach gedreht, Walser selbst hat die Geschichte in ein Stück verwandelt. Die beiden Männer könnten unterschiedlicher nicht sein in der Präsentation nach außen. Wie viel Neid kommt da bei Halm in Bezug auf Buchs Leben auf? Er selber hegt eher ein Faible für die Vernichtung. Dies vor Augen geführt zu bekommen, kann einen schon aus der Bahn werfen.

Es bedarf eines Unwetters bei einer Segelpartie, um auch Klaus Buchs Existenz in Frage zu stellen. Was bleibt vom Leben, wenn der eine davor flieht und der andere es ausbeutet? Eine wunderschöne Erzählung, die der klassischen Forderung nach dem einen Ereignis im Mittelpunkt nachkommt, und auch nach all den Jahren sehr Deutsch anheimelt, jedoch nicht verblaßt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dürfen wir sein, wer wir sind? Mit dem Anderen (Besseren?) vor Augen?, 10. August 2011
Von 
Timo Brandt "Ways are, there you go" (Quickborn) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ein fliehendes Pferd: Novelle (suhrkamp taschenbuch) (Broschiert)
Es gibt einen sehr einfachen, sehr berühmten Satz von van Gogh: Ich lebe, um zu malen.

So wie von Gogh ging es und geht es wenigen Menschen. Kaum einer weiß dergleichen wirklich, vielleicht wusste es nicht mal van Gogh ganz sicher. Wofür lebt man? Wohin lebt man? Und was kann man tun, um herauszufinden, wer man ist... oder ist man einfach der, der man ist, ganz automatisch?

Ich habe Martin Walsers Novelle schon vor einer Weile gelesen und doch ist mir das Buch noch heute, nicht nur in seiner Geschichte, sondern vor allem in seiner Stimmung präsent. Es ist eines dieser Bücher (à la Der Fremde oder Das Urteil), die einen noch - oder vor allem - nach dem Lesen, nachhaltig beeindrucken und sich wie ein komprimiertes und ausklappbares Gemälde in unserem Geist festsetzen. Ich glaube, ich könnte das Buch, wie die beiden oberen ebenfalls, immer wieder lesen. Und ich würde wohl auch immer wieder überrascht feststellen, dass dies Buch wie ein Gewittersturm ist: Es ist zwar umwerfend, aufwühlend und geradezu übermächtig, doch ist es auch wunderschön und nach der Lektüre wirkt alles etwas geklärter, ruhiger. Und man glaubt man hätte nicht nur ein Buch gelesen, sondern sogar ein bisschen mitgelebt, in diesen Stunden.

Walsers kleines Buch wäre vielleicht eines für die Insel - mit Sicherheit ist es eins, dass man in seinem Leben gelesen haben sollte. Es ist beinah so etwas wie eine moderne Sage, eine moderne Parabel, ein modernes Märchen.

P.S.:
Die Geschichte ist, wie bereits oft gesagt, sehr simpel und es ist auch nicht die Geschichte, sondern die Art wie sie erzählt und dargestellt wird, die dieses Buch lesenswert macht und gerade deswegen sollte sie jeder unvoreingenommen selbst entdecken.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Walsers ewiges zeitloses Meisterwerk, 11. September 2007
Von 
Fabian Osbahr (Bad Segeberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ein fliehendes Pferd: Novelle (suhrkamp taschenbuch) (Broschiert)
Mit dieser Novelle aus den 70er Jahren ist Walser sein insgesamt bestes und makellosestes Buch gelungen. Eine geschliffene Sprache, ein zügiger Lesefluss und eine sehr realistisch geschilderte und lebensnahe Geschichte machen das Buch zu einem wahren Lesevergnügen. Die Charaktere sind brillant, authentisch und in ihrer Tiefendimension sehr plastisch angelegt, die gesellschaftskritische Komponente schwingt während der gesamten Erzählzeit unaufdringlich, aber dennoch präsent mit und gibt dem Leser einen tiefschürfenden Einblick in das Seelenleben insbesondere der Hauptfigur, der Lehrers Halm, der vom Alltag, den gesellschaftlichen Erwartungen und jugendlichem Fitnesswahn angeekelt ist und eine Fassade um sein Leben baut, nicht nur, um sich zu schützen, sondern auch um sein Leben erträglich zu gestalten.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nachdenken, 17. Juni 2004
Von 
Michael Kahnt (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ein fliehendes Pferd: Novelle (suhrkamp taschenbuch) (Broschiert)
... dazu regt diese Buch an. Zum Nachdenken.
Eine merkwürdige Geschichte um 2 Ehepaare, bzw. eigentlich um 2 Schulfreunde, die eigentlich nie Freunde gewesen sein können. 2 völlig entgegengesetzte Menschen, völlig verschiedene Leben. Mit viel Tiefgang erzählt, die Charaktere bis ins kleinste analysiert.
Walsers Stil ist einfach fantastisch aber auch gewöhnungsbedürftig. Das Buch endet wie es beginnt. Was bleibt ist die Frage nach dem richtigen Weg. Gibt es den überhaupt? Soll nicht jeder so leben wie er es für richtig hält? Ist das Leben von anderen schlechter oder besser als andere Leben nur weil es anders ist? Viele Fragen. Ein sehr gutes Buch.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dich turn ich an Mensch, 29. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Ein fliehendes Pferd: Novelle (suhrkamp taschenbuch) (Broschiert)
Es sei höchste Zeit, dass Helmut aufhöre dem Leben auszuweichen meint Klaus Buch während die beiden trotz Sturmwarnung seine Segeljacht manövrieren. "Lucy in the Sky" schreit er und Helmut stösst ihm mit dem Fuss die Pinne aus der Hand. Klaus stürzt rückwärts über Bord.

Zwei ungleiche Ehepaare haben sich in einem Urlaub getroffen. Helmut Halm und Sabine, die Erholung suchen, begegnen Klaus Buch, Jugendfreund und Komilitone Helmuts, und seiner um 18 Jahre jüngeren Frau Hel. Klaus Buch produziert sich als Macher und kontrolliert zunehmend die Aktivitäten der beiden Paare, bis er beim Segeln ins Wasser stürzt. Helmut hatte vorgehabt in der Ferienwohnung Kierkegaard näher zu kommen.
Als Hel und die Halms gemeinsam auf die Suchergebnisse der Wasserschutzpolizei warten zeichnet sich ein gegensätzliches Profil Klaus' ab. Das eines beziehungsunfähigen Selbstdarstelles ohne Publikum, der hinter seiner Maskierung immer hilfloser geworden ist, ein Mann, total am Ende seiner Kräfte, seinem Egoismus ausgeliefert. Hel öffnet den Halms ihr Herz und mitten in dieses Szenario tritt Klaus Buch der seine Ehefrau abholen kommt. "komm jetzt." und "ich gehe jetzt" wiederholt er und Hel meint schliesslich: "Komm, Genie, tapfer gehen wir.". Einem fliehenden Pferd könne man sich nicht in den Weg stellen, es lasse nicht mit sich reden....Wer ist wer, diese Frage bleibt insgeheim offen.

Ganz klar zum Lesen von mir empfohlen.
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Ein fliehendes Pferd: Novelle (suhrkamp taschenbuch)
Ein fliehendes Pferd: Novelle (suhrkamp taschenbuch) von Martin Walser (Broschiert - 4. Mai 1980)
EUR 6,50
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