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34 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gelungene Hörspielfassung zu Hesses Meisterwerk
Emil Sinclair ist in "Demian" Ich-Erzähler, und dies ist zugleich der Name, unter dem Hesse den Roman 1917 veröffentlicht hat. Die Geschichte befasst sich mit der Frage, wie ein Mensch zu dem wird, was er ist. Entscheidend ist dabei, dass jeder Mensch auch eine dunkle Seite mit dunklen Gedanken hat. Dem jungen Emil Sinclair war der Zugang zu dieser Seite...
Veröffentlicht am 9. April 2003 von Don Quichotte

versus
29 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein eindrückliches Buch
Hermann Hesse: Demian (1919)
Dieser Roman wurde von Hermann Hesse während des Ersten Weltkrieges geschrieben. Er befand sich in dieser Zeit, vom Krieg und von einer unheilvollen familiären Situation gezeichnet, in einer tiefen persönlichen Krise. Hesse setzte sich mit den Lehren C.G. Jungs und Sigmund Freuds sowie mit den Konflikten seiner Kindheit...
Am 3. April 2001 veröffentlicht


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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die mühsame Suche nach sich selbst, 22. Februar 2005
Von 
Christian von Montfort (Barcelona, Katalonien) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
In "Demian" aus dem Jahr 1919 zeigt sich ein autobiografischer Leitgedanke, der sich auch durch viele andere Werke von Hesse zieht: der vom Leiden des Erwachsenwerdens (siehe auch: "Unterm Rad", "Peter Camenzind" und letztlich auch der "Steppenwolf"). Hesse selbst hatte eine schwere Kindheit und fühlte sich in das gesellschaftliche Schema regelrecht hineingepresst. Als er dagegen aufbegehrte, fühlte er seinen Willen mit drastischen Maßnahmen gezielt gebrochen, u.a. steckten ihn seine Eltern zeitweise in eine psychiatrische Anstalt. Hesse beklagt, dass dem Mensch oft die Möglichkeit genommen wird, sich frei zu entwickeln.
Auch der junge Emil Sinclair erlebt in der Schulzeit Angst und Unterdrückung, sowohl durch die Erpressung seitens Franz Kromers als auch durch seine autoritären Eltern, an die er sich in seiner Verzweiflung nicht wenden kann. Als er Max Demian kennen lernt, ist Sinclair durch dessen Reife und Ruhe beeindruckt - er findet einen Freund, der ihm hilft, ihm Halt gibt und mit ihm gedankliche Ansätze zum Leben diskutiert. Einige der zentralen Sätze fand ich "Es ist immer schwer, geboren zu werden", "Der Vogel hat Mühe, aus dem Ei zu kommen" und "Es ist etwas in uns, das uns genau so macht, wie wir sind".
Gerade die letzte Aussage zeigt das Bauchgefühl, die Seele des Menschen, die leben und sich entfalten können muss. Der Mensch leidet, wenn er sie unterdrücken muss. Die Wege von Demian und Sinclair trennen sich später. Doch in einer Szene findet Sinclair nach einer durchzechten Nacht im Vollrausch, mit dem er erstmals ein persönliches Tabu übertritt, das Lachen wieder "wie ein Blinder wieder sieht". Das Lachen - Ausdruck der Unabhängigkeit und Lebensfreude - ist auch im "Steppenwolf" (der Höhepunkt in Hesses Schaffenswerk) ein wichtiges Element im Prozess der Selbstfindung.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Famoses Philosophieren über Sein und Schein, 16. März 2007
Bisher war Hermann Hesse weniger mein Fall. Ich kann nicht einmal genau sagen, wieso, seine Bücher hatten schlicht keinen Reiz für mich. Bis mir Demian in die Hände fiel....

Demian erzählt dem Leser von der Jugend des Emil Sinclair, einem Namen, den Hesse kurzzeitig als Pseudonym benutzte. Sinclair ist hin und hergerissen zwischen zwei Welten, der Warmen, Lichten seines Elternhauses und der bösen, dunklen, realen Welt, die ihn gleichermaßen anzieht und abschreckt. Mitten in diesem inneren Konflikt lernt er Damian kennen, der neu in seiner Heimatstadt ist und der ihn für eine Welt, ein Leben jenseits des von ihm geschaffenen Tellerrandes empfänglich macht.

In gewisser Weise hat das Buch autobiographischen Charakter. Auch Hesse litt in seiner Jugend unter starken Depressionen. Er zeigt Sinclair als sensibles, fast unschuldiges Individuum, das von der grausamen, harten Welt im Zeitraum vor und während dem Ersten Weltkrieg von seiner Umbebung korrumpiert und verdorben wird. In seinem Leben existiert nur eine Person, die ihn stets zurück in's Licht führt: Demian, ein Junge, über dessen Motive sich der Leser bis zum Ende nicht klar wird. Ist Demian Mensch, Engel, Teufel, etwas von allen dreien? So variabel die Geschichte des Emil Sinclair auch interpretierbar ist, ihre Großartigkeit ist unbestreitbar.

Demian ist definitiv ein Werk der Weltliteratur. Hesse schuf mit seinem 'Zeugnis' der Sinclair'schen Selbstfindung einen Roman, der gleichermaßen unterhält wie zum Nachdenken anregt, mit einem überraschenden Schluss. Ein Muss für jeden leidenschaftlichen Leser!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Suche des Menschen nach seiner Seele., 17. Oktober 2010
Wie viele meiner Vorschreiber, schließe ich mich der Begeisterung über dieses Buch an. Auch für mich ist es das beste Buch von Hesse. Obwohl er den Literaturpreis für den "Steppenwolf" bekam, hätte er ihn meiner Meinung nach für dieses Werk bekommen müssen. Der "Steppenwolf" ist in meinen Augen viel zu deprimierend; dieses Buch hingegen besitzt viel Dynamik. Obwohl es äußerlich betrachtet nicht viel Handlung besitzt, zieht es den Leser durch die authentische Beschreibung des Inneren eines jungen Menschen in seinen Bann.

Ich glaube, der Schlüssel zum Verständnis, warum dieses Buch auf so eine große Resonanz stößt, ist, dass jeder geneigte Leser sich zumindestens ein wenig mit Sinclair identifiziert - und so ist es auch mir ergangen. Denn dieses Buch setzt sich mit Fragen und Themen auseinander, die so alt sind wie die Menschheit selbst - Wer bin ich? Was ist der Mensch? Nach welchen Gesetzen ist die Welt beschaffen? Emil Sinclair und seine Freunde bezeichnen sich selbst als "Gekennzeichnete" und sie sind auf der Suche nach sich selbst und einer neuen Religion, die die Welt Welt umformen soll. Das ganze Streben des jungen Protagonisten richtet sich danach, tiefer in sich hineinzudringen und sich selbst zu begreifen - in einer so rührenden Weise, dass man es nicht anders als "Die Suche des Menschen nach seiner Seele" bezeichnen kann.

Hesse hat dieses Werk vor dem Hintergrund des ersten Weltkriegs geschrieben, in einer Zeit, in der, wie er selbst im Vorwort deutlich macht, der Mensch mit großer Missachtung behandelt wurde. Daher ist dieses Buch auch heute äußerst aktuell. In einer immer mehr materialistisch werdenden Welt, wo der Mensch nur auf seinen Körper und seinen Besitz reduziert wird und geistige Werte immer mehr missachtet werden, ist es wie ein Fels in der Brandung. Es hinterläßt im Leser - zumindest ist es mir so ergangen - Hoffnung und einen Einblick in eine andere Welt. Nicht umsonst schreibt Hesse in seinem grandiosen Vorwort: "Wären wir nicht noch mehr als einmalige Menschen, könnte man jeden von uns wirklich mit einer Flintenkugel ganz und gar aus der Welt schaffen, so hätte es keinen Sinn mehr, Geschichten zu erzählen."

In diesem Sinne schließe ich mich der Überzeugung von H. Hesse ganz an.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ..., 30. Mai 2010
Von 
P. Husfeldt (Schleswig-Holstein) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
...Jeder von uns befindet sich vor dem Lesen dieses Buches in einem Ei. Und genau dieses Buch wird das Instrument sein, sich aus diesem Ei zu befreien, denn jeder wird nach dem Lesen eine andere Sicht auf die Welt haben. Einfach klasse.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein immer aktuelles Thema: Erwachsen-Werden, 5. April 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es ist hier schon viel geschrieben worden zu diesem eindringlichen Werk von Hermann Hesse.
Vieles ist von den Rezensenten auch so gut und deutlich herausgearbeitet worden, daß es keiner weiteren Worte bedarf.
Ich fühlte mich zurückversetzt in die schwierige Zeit der Pubertät, in der man auf das behütete Elternhaus" gepfiffen hat, sich - zu Recht oder zu Unrecht - eingeengt fühlte und jede Gelegenheit nutzte, seine Flügel zu spannen, auszubreiten und davon zu fliegen.
All diese Gefühle klingen hier an, und es tröstet auch, aber nicht nur , daß ein Hermann Hesse genau so empfunden und gelitten hat. Dieser Roman ist ein wichtiges Buch für Jugendliche, die in die Phase der Selbstfindung eintreten, kann ihnen wichtiger Begleiter sein.
Er sollte Pflichtlektüre für die Oberstufe sein - schon wegen der hervorragenden deutschen Sprache des Literatur-Nobelpreisträgers Hermann Hesse, der seines Gleichen sucht.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nur wenige leben ihre Ideale aber viele sterben dafür, 29. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Demian: Die Geschichte von Emil Sinclairs Jugend (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Hesses primäre Absicht ist, die innere Entwicklung von Emil Sinclair möglichst genau zu beschreiben. So versucht er keine störenden handlungs- oder spannungsfördernden Elemente einzubauen, sondern alles, was sich ereignet, geht von Sinclair selbst aus. Es sind Gefühle, die im Vordergrund stehen, nicht die Handlung. Man kann noch weiter gehen und alle Situationen, die im Buch vorkommen, auf Emil zurückführen. So ist beispielsweise die Begegnung mit Franz Kromer eine allgemeine Auseinandersetzung mit dem Bösen, das in Emil existiert und ihn sofort überwältigt. Andererseits ist Demian Sinclairs Retter, der allwissende erwachsene und reife Typ, der Sinclair mehrere Male hilft, mit seinen Problemen umzugehen. Obwohl Demian wahrscheinlich eine reale Person darstellt, ist auch er Teil von Sinclair.

Demian ist bereits zu Beginn ein vollkommenes Individuum, das sein Bewusstsein mit dem Unbewussten vereinigt hat. Nach Freud würde er als eine ICH-starke Person bezeichnet werden. Er ist das große Vorbild von Sinclair und erscheint anfangs wie gerufen, wenn dieser mit seinen Überlegungen nicht mehr weiter kommt. Zwischendurch wird diese wegweisende Funktion von Pistorius abgelöst. So durchläuft der anfangs kindliche und unüberlegte junge Sinclair eine ganze Reihe von Stufen der Reflexionen und Selbstwerdung, bis er sich schließlich von Demian lösen bzw. mit ihm vereinen kann und sich selber als seinen eigenen Führer sieht.
Abschließend ausgedrückt, beschreibt das Werk das Werden der Persönlichkeit, was der einzige, oft schwierige Weg zu einem höheren, wertvolleren Leben ist. Der große Feind dieses Prozesses ist die Konvention, die Trägheit und das Flüchten in die Gesellschaft. Hesse betont mit diesem Werk, wie viel sinnvoller es sei, sich mit allen Teufeln und Dämonen zu schlagen, als den Gott der Konventionen anzunehmen."
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr schöne Geschichte!, 26. März 2009
"Demian" war das erste Werk, das ich von Hermann Hesse las. Es hat mich sehr beeindruckt! Ich konnte das Buch nur schwer wieder weglegen, und was ich während dem Lesen verspürte, war eine Art Zauber. Ja, so seltsam das auch klingen mag, es hat eine besondere Wirkung auf mich gehabt und ich bereue diesen Kauf keineswegs. "Demian" bleibt dem Leser sicherlich lange in Erinnerung!
5 Sterne und mein Tipp an alle, die dieses Buch nicht kennen!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wahrheit, 1. April 2008
Von 
Moses (Land in dem Milch und Honig fließen) - Alle meine Rezensionen ansehen
Dieses Buch ist bisher eines der genialsten Werke, das ich je gelesen habe. Dank der zahlreichen Rezensionen, ist es wohl nicht mehr notwendig auf den Inhalt oder dergleichen einzugehen. Ich möchte "Demian" einfach jedem empfehlen, der sich annähernd für die menschliche Psyche, sein eigenes Seelenleben, Symbole oder Träume interessiert. Für mich ist dieses Werk ein wunderbarer Seelenspiegel... ein literarischer Leckerbissen ... Wahrheit.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Seelische Entwicklung, 16. März 2006
Rezension bezieht sich auf: Demian: Die Geschichte von Emil Sinclairs Jugend (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Die Hauptperson Emil Sinclair symbolisiert in diesem Buch den verwirrten und unsicheren Pupertierenden, der durch die Führung des älteren und weisen Freundes Demian zu einer eigenen Persönlichkeit heranreift. Demian erscheint dabei als eine Art Seelenführer, der den jungen Sinclair nach und nach sich selber finden läßt und ihm zeigt, dass sich Gutes und Böses zu einer harmonischen Einheit vereinigen lassen und sich nicht nur fremd gegenüberstehen.
Hesse hebt hier besonders den individuellen Entfaltungsprozess hervor und sprach zum Zeitpunkt der Bucherscheinung 1919 vor allem die jungen Männer der Kriegsgeneration an, die das anonyme, unpersönliche Massensterben an der Front miterleben mussten und das Gefühl hatten, dass das einzelne Leben nichts wert sei.
Mich persönlich hat das Buch sehr gefesselt, da es sich vor allem auf innere, seelische Konflikte konzentriert und damit zum Nachdenken und Psychologisieren anregt.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Meisterwerk (voller [Jugend-]Psychologie und "Lebensphilosophie"), 21. August 2008
"Der Vogel kämpft sich aus dem Ei. Das Ei ist die Welt. Wer geboren werden will, muss eine Welt zerstören. Der Vogel fliegt zu Gott. Der Gott heisst Abraxas."

Mit keinem anderen Buch konnte ich mich bislang derart identifizieren als mit diesem. Und ich bin wohl nicht der einzige, der so fühlt. Hermann Hesses "Demian", kurz nach dem Ende des ersten Weltkrieges 1919 erschienen, blickt auf eine geniale Weise in die Psyche eines jungen Menschen und verfolgt dessen Entwicklung vom vorpubertären Schuljungen bis zum Studenten. Trotzdem dass es in der wilhelminischen Zeit spielt, ist das Buch meiner Meinung nach äusserst aktuell; ich, 1988 geboren, fand darin zahllose Parallelen zu meinem Leben und meiner Psyche.

Dieser Junge, Emil Sinclair, wirkt in der Rolle des Ich-Erzählers besonders authentisch. Wie er selbst (quasi als fiktiver Schriftsteller) am Anfang sagt, ist die Erzählung die Suche nach "sich selbst", nach einer Identität; dementsprechend verläuft der rote Faden durch das Buch und kaum einmal weicht Hesse von diesem Thema ab. Jedoch treten die Handlungen - besonders gegen Ende des Buches - gegenüber Sinclairs Gedanken, psychologischen Selbstinterpretationen bis hin zu deliriumähnlichen Zustandsbeschreibungen zunehmend in den Hintergrund.

Das Stichwort "Lebensphilosophie" - auch im Titel bewusst mit Anführungsstrichen - traue ich mich fast nicht zu verwenden angesichts immer zahlreicherer esoterischer Lebensratgeber - ein Trend, der erst rund fünfzig Jahre nach dem Erscheinen Demians kommt. Damit hat Demian herzlich wenig zu tun. Dennoch hat das Buch einen gewissen philosophischen Inhalt, insofern es auf die Fragen der eigenen Existenz und Identität eingeht. Das Ich zu finden wird demnach nie vollständig gelingen, aber der Weg dazu ist quasi das Ziel. Zentral dabei ist die Anerkennung der "bösen" Seite der Welt, zu der alles Nicht-Bürgerliche, Nicht-Kirchliche, Nicht-Offizielle, auch das Triebhafte und Sexuelle gehört. Der manichäische Gott Abraxas symbolisiert das dualistische Prinzip, das Nebeneinander von der "guten" und der "bösen" Welt.

Das Eindrücklichste am ganzen Buch ist der Punkt, wo der ungefähr achtzehnjährige Sinclair aus der (mit Wein aufgefüllten) Leere, in die er nach dem Zerstören der alten, heilen Kinderwelt geraten ist, - plump gesagt dank Abraxas - einen Weg für sich wiederfindet.

Aus heutiger Sicht gleitet das Buch (im Gegensatz zum Steppenwolf) dann wiederum nicht in Hippie-Sphären und Märchenwelten ab (trotz viel a-realem Text), wenn Demian (Sinclairs Freund und Mentor) z. B. biologische Erklärungen einbringt, in seinem Chemielabor arbeitet (Faust?) oder den reinen Symbolgehalt des Kainszeichens und der dualistischen Religion betont.

Vielleicht ein Buch mit nicht besonders viel literarischem Gehalt, eher schlichter, einfacher Sprache, aber ohne Kitsch, mit umso mehr Nähe zum Leser, mit viel Genie.
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Demian: Die Geschichte von Emil Sinclairs Jugend (suhrkamp taschenbuch)
Demian: Die Geschichte von Emil Sinclairs Jugend (suhrkamp taschenbuch) von Hermann Hesse (Taschenbuch - 1. September 1974)
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