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40 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht für jedermann
Harry Haller, der sich selbst einen Steppenwolf nennt, leidet unter der Zerrissenheit zweier Persönlichkeiten. Dieser Identitätskonflikt drückt sich darin aus, dass Harry hin- und hergerissen ist zwischen zwei Polen, die er mit Wolf" und Mensch" betitelt.
Mitten in seiner geistigen Krise bezieht er eine kleine Wohnung in einem gutbürgerlichen...
Veröffentlicht am 2. Februar 2011 von Steppenwolf

versus
22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Wirr, wirrer, Steppenwolf
Um es vorweg zu nehmen: mir hat das Buch schon damals nicht gefallen, als ich es im Deutsch LK lesen musste. Inzwischen habe ich jedoch meinen Frieden mit Hesse gemacht, einige Werke gefallen mir sogar außerordentlich gut. Also griff ich 35 Jahre später nochmal zu, als ich das Buch beim Händler im Regal erblickte (vielleicht auch in der rührenden...
Veröffentlicht am 19. August 2010 von Michael Schmidt


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40 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht für jedermann, 2. Februar 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der Steppenwolf (Broschiert)
Harry Haller, der sich selbst einen Steppenwolf nennt, leidet unter der Zerrissenheit zweier Persönlichkeiten. Dieser Identitätskonflikt drückt sich darin aus, dass Harry hin- und hergerissen ist zwischen zwei Polen, die er mit Wolf" und Mensch" betitelt.
Mitten in seiner geistigen Krise bezieht er eine kleine Wohnung in einem gutbürgerlichen Haus. Eines Nachts auf einem Streifzug durch die Stadt stößt er auf einen Reklameschriftzug für ein Magisches Theater". Kurze Zeit später fällt ihm ein Schriftstück zu; in diesem Tractat vom Steppenwolf" sieht er sich als Einzelgänger bestätigt. Zunehmend selbstmordgefährdet, trifft er bald die Prostituierte Hermine, die zusammen mit ihren Freunden, dem Saxofonspieler Pablo und der aufreizenden Maria, Harry in eine Welt von sinnlichen Erfahrungen entführt.
Das Ziel ist die Selbsterkenntnis, welche Harry schonungslos im Magischen Theater" vor Augen geführt wird. Der Weg ist die distanzierte Perspektive des Humors und Harry muss entscheiden welche Lehre er aus dem Erlebten zieht.

Der Steppenwolf" ist eine Kritik der Gesellschaft und eine Persönlichkeitsanalyse gleichermaßen. Harry Haller ist Außenseiter des Bürgertums, das dem Menschen die Individualität aberkennt, Anpassung fordert, aber auf der anderen Seite auch Halt gibt. In Harry spiegelt sich dieser Zwist wider, denn er ist zwar dem Bürgertum gegenüber äußerst kritisch, dennoch fasziniert es ihn auch, er fühlt sich zeitweise wohl in der bürgerlichen Ordnung. Doch immer wieder verhöhnt der Wolf" den Menschen" und Harry fühlt sich plötzlich wieder abgestoßen. Er will die Unabhängigkeit und sucht gleichzeitig nach Schutz.

In drei Handlungsperspektiven bekommt der Leser einen Eindruck von Harrys Zwiespalt. Zunächst wird der Text von dem Vorwort des Herausgebers, eines Außenstehenden eingeleitet. Man erfährt wie der Protagonist auf andere wirkt. Hiernach folgt der erste Teil von Harry Hallers Aufzeichnungen, in denen er alles aus seiner Sicht berichtet. Unterbrochen wird dieser Bericht mit dem Tractat vom Steppenwolf", der die dritte Perspektive darstellt im Stil eines wissenschaftlichen Essays. Im zweiten Teil von Harry Hallers Aufzeichnungen rücken die neuen Freunde in den Vordergrund. Hermine, Maria und Pablo erziehen Harry gewissermaßen und das in eine Richtung, die ihm helfen soll seine Probleme besser handhaben zu können. Er entfernt sich mit der Zeit ein wenig aus seiner bisherigen Existenz als Einzelgänger und versucht Teil einer anderen Welt zu werden, einer Welt der Unterhaltung und des bloßen Zeitvertreibs.

Das Buch ist sicherlich kein einfacher Unterhaltungsroman, aber es ist flüssig geschrieben und sehr bildhaft, was das Lesen sehr angenehm gestaltet. Bemerkenswert finde ich, ist der zeitlose Geist des Buches. Sämtliche Kritikpunkte lassen sich auch auf die Gegenwart übertragen. Die Krise des Hauptcharakters bietet zudem eine Reihe von Identifikationsmöglichkeiten: die Auseinandersetzung mit verdrängten Problemen und der eigenen Persönlichkeit, die Lebenssinnsuche, der Rückzug vor Konfrontation und die Unzufriedenheit mit der Gesellschaft.
Kritisiert werden die politische Lage, die technische Entwicklung, die materialistische Haltung und die oberflächliche Kultur, die nur noch aus stumpfer Unterhaltung zu bestehen scheint.
Im Steppenwolf" gibt es so viel zu entdecken, dass sich mehrmaliges Lesen absolut lohnt. Wer Spannung, Action oder schlicht einfache Unterhaltung sucht ist hier natürlich falsch. Es ist wohl kein Buch für jedermann, eben nur für Verrückte.

Fazit: Ein Trip zwischen Traum und Realität, eine Reise zu einer möglichen Lösung eines Identitätskonflikts und die ungeschminkte Wahrheit, eine Selbsterkenntnis bis in die tiefsten Tiefen der Seele. Mit diesem Werk hat Hesse wahrlich ein Stück Weltliteratur verfasst. Für mich eindeutig das Buch des 20. Jahrhunderts.
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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Meilenstein literarischen Schaffens als kongeniale Hörbuchadaption, 19. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Steppenwolf (Audio CD)
Aus Hermann Hesses "Steppenwolf" ein Hörbuch zu machen ist zweifellos ein gewagtes Unterfangen, das böse hätte ins Auge gehen können. Wie in der Überschrift schon angedeutet, ist es das aber nicht. Statt dessen liegt hier ein eigenständiges Kunstwerk vor, eben wirklich ein "Steppenwolf" für die Ohren.

Handlung, Traktat und musikalische Intermezzi (die manchmal - besonders beim Chello - im Vergleich zu den Stimmen etwas übersteuert wirken) bilden ein homogenes Ganzes, das auf eine eigene eindringliche Weise berührt und aufrüttelt. Auch wer keinen so leichten Zugang zum Lesen findet, kann so doch am tiefgründigen Geschehen um Harry Haller teilhaben und sich selbst im Geschehen um Harry und seine junge Freundin Hermine spiegeln, wenn er das möchte.

Mir selbst stellte sich beim letzten Hören auf einmal die Frage, ob Joanne K. Rowling sich bei der Wahl ihrer beiden Hauptpersonen wohl dezent auf Hesse bezogen haben mag, oder ob es sich bei ihrer Namenswahl tatsächlich um einen Zufall gehandelt haben sollte ?

Durch die wechselnden Perspektiven im Hörspiel - einmal ist der Neffe von Hallers Vermieterin, einmal Harry Haller selbst und einmal der Sprecher des Traktats in der zentralen Position der Szenen - kommt nie Langeweile auf und es wechselt ab zwischen einem schlichten Fortschreiten der Handlung, einer eindringlichen Selbstreflektion von Haller im eigenen Erleben und der philosophischen Überhöhung in den Auszügen aus dem Traktat.

Mit dieser Hörbuchfassung ist eine zeitgemäße Neuinterpretation dieses wunderbaren Stoffes zu Beginn des 21. Jahrhunderts gelungen, die dem Autor selbst vermutlich auch Freude machen würde.
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78 von 85 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Roman der Psychoanalyse, 27. Mai 2005
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Steppenwolf (Gebundene Ausgabe)
Harry Haller ist eine gespaltene Persönlichkeit. Er glaubt aus zwei Naturen zu bestehen, Mensch und Wolf, Kultur- und Triebwesen. In der bürgerlichen Gesellschaft ist er ein Intellektueller und Außenseiter, der zunehmend depressiv wird und an Selbstmord denkt. Doch eines Nachts bekommt er scheinbar zufällig den mysteriösen Text "Tractat vom Steppenwolf" in die Hände, in dem von ihm selbst die Rede ist. Schonungslos wird Harry auf seine persönlichen Irrtümer hingewiesen und er wird aufgefordert, zu seiner Heilung das "Magische Theater" aufzusuchen. Er macht die Bekanntschaft der Prostituierten Hermine, die sein Triebleben aufblühen lässt, und des Saxophonspielers Pablo, der ihm Drogen verabreicht und ihm eine Art Seelenspiegel vorhält. Harry sieht in sein eigenes Unterbewusstsein und muss erkennen: Er ist nicht nur Mensch und Wolf, sondern ein noch weit vielfältigeres Wesen. Ihm fehlen nur der Humor und die Gelassenheit, sich als solchermaßen gespalten zu akzeptieren. Hesse zergliedert im Roman die Seele seines Helden, der wohl nicht zufällig die gleichen Initialen hat wie der Autor. Ein vielschichtiges Buch, das Hesses internationalen Ruhm begründete und das auch heute noch fasziniert.
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36 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Poetisch, modern und inspirierend, 15. April 2007
Von 
A. Wolf (Wiesbaden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Steppenwolf (Gebundene Ausgabe)
Zwischen den Jahren 1925 und 1927 entstand "Der Steppenwolf", einer der bis dato experimentellsten Romane in deutscher Sprache. Vergleiche mit James Joyce' "Ulysses" sind nicht fehl am Platze - Hesse hat ohne Zweifel einen hochmodernen, poetischen Roman voller ethischer Fragestellungen geschaffen. Bedauerlicherweise sahen das die Zeitgenossen nicht so. Von wenigen Schriftstellerkollegen Hesses abgesehen, stieß das Werk bei einem breiten Publikum auf keine allzu positive Resonanz. In der NS-Zeit war der Roman zwar nicht verboten, aber er erlebte auch keine neuen Auflagen. Und nach Kriegsende geriet der "Steppenwolf", trotz des Nobelpreises seines Schöpfers (1947) in Vergessenheit. Bis, ja bis ihn schließlich die Nach-Vietnam-Generation in den USA wiederentdeckte. Die Wirkung hat bis heute angehalten, wo Hesse nun aufgrund seiner ethisch-spirituellen Sichtweisen enorm populär ist.

"Der Steppenwolf" ist die Geschichte Harry Hallers - eines Künstlers. Harry Haller, Schriftsteller, taucht eines Tages in einer deutschen Stadt auf, führt ein zurückgezogenes Leben und verschwindet plötzlich wieder. Hinterlassen hat er ein Manuskript, genannt "Harry Hallers Aufzeichnungen. Nur für Verrückte". Darin offenbart sich die Geschichte einer vereinsamten Existenz, die sinnentleert erscheint. Harrys Suizidgedanken verflüchtigen sich, als er, angeregt durch die Bardame Hermine, die Amüsierwelt kennenlernt. Sinnenfreuden und Triebhaftigkeit erwachen in dieser Welt aus Musik, Tanz und Erotik. Das Freudenmädchen Maria bringt ihn auf den Höhepunkt dieser Genusswelt. Doch Harry ist sich darüber im Klaren, dass der völlige Gegensatz zu seinem bisherigen Leben auch nicht "seine" Welt ist. Er muss sich finden, neu erfinden. Und gelangt schließlich ins "Magische Theater". Einem Seelenspiegel gleich werden ihm hier die Ausformungen seines Ich vor Augen geführt. Eine Reise in die Abgründe und lichten Höhen der menschlichen Existenz.

Harrys Lebenskrise speist sich teilweise aus dem Ungenügen der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Ein Krieg ist gerade vorüber und die Menschen haben nichts anderes im Sinn, als den nächsten Krieg vorzubereiten. War diese Welt immer so, ist sie überhaupt veränderbar? Die Antwort kann ein jeder aktiv geben. In diesem Sinne schreit der Roman nach Veränderungen und wurde deshalb nicht umsonst von einer kriegs- und patriotismusmüden Generation wiederentdeckt. Letztlich ist "Der Steppenwolf" eine Verehrung des Menschen: Seine Möglichkeiten sind, genau wie sein Seelenreichtum, gewaltig. Es gilt, diese Fähigkeiten zu entdecken und voranzutreiben. Und wenn man auch dabei versagt, so kann die Einsicht über das Versagen immer zur Weiterentwicklung führen. Oder, wie es Harry sagt: "Einmal würde ich das Figurenspiel besser spielen. Einmal würde ich das Lachen lernen."

Existenzialistisch in der geistigen Ausrichtung. Poetisch in der Sprache, komplex in der Erzählstruktur. Herausfordernd und hinterfragend. Hermann Hesses "Steppenwolf" ist vieles. Und ohne Zweifel einer der besten Romane, die in deutscher Sprache geschrieben wurden.
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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Steppenwolf, 11. März 2002
Von Ein Kunde
Nie hat ein Mensch ein fieferes, leidenschaftlicheres Bedürfnis nach Unabhängigkeit gehabt als er. In seiner Jugendzeit, als er noch arm war und Mühe hatte, sein Brot zu verdienen, zog er es vor, zu hungern und in zerrissenen Kleidern zu gehen, nur um dafür ein Stück Unabhängigkeit zu retten.Er hat sich nie für Geld und Wohlleben, nie an Frauen oder an Mächtige verkauft und hat hundertmal das, was in aller Welt Augen sein Vorteil und Glück war, weggeworfen und ausgeschlagen, um dafür seine Freiheit zu bewahren.Keine Vorstellung war ihm verhasster und grauenhafter als die, dass er ein Amt ausüben, eine Tages- und Jahreseinteilung innehalten, anderen gehorchen müßte.......
Und so ging der Steppenwolf an der Unabhängigkeit zugrunde.Er errichte sein Ziel, er wurde immer unabhängiger, niemand hatte ihm zu befehlen, nach niemandem hatte er sich zu richten, frei und allein bestimmte er über sein Tun und Lassen. Denn jeder starke Mensch erreicht unfehlbar das, was ein wirklicher Trieb ihn suchen heißt.Aber mitten in der erreichten Freiheit nahm der Steppenwolf plötzlich wahr, dass seine Freiheit ein Tod war, dass er allein stand, dass die Welt ihn auf unheimliche Art in Ruhe ließ, dass die Menschen ihn nichts mehr angingen, ja er selbst sich nicht, dass er in einer immer dünner und dünner werdenden Luft von Beziehungslosigkeit und Vereinsamung langsam erstickte. Denn nun stand es so, dass Alleinsein und Unabhängigkeit nicht mehr sein Ziel und Wunsch war, sondern sein Los, seine Verurteilung, dass der Zauberwunsch getan und nicht mehr zurückzunehmen war, dass es nichts half, wenn er voll Sehnsucht und guten Willens die Arme ausstreckte und zu Bindungen und Gemeinsamkeiten bereit war: man ließ ihn jetzt allein...........
Lesen Sie selbst, ein grandioses Werk !!
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Essentiell, tiefgründig, anrührend, 19. August 2007
"Der Steppenwolf" ist Hermann Hesse's bedeutendster Roman. Erschienen ist er erstmals 1927. Er war der Anlass dazu, dass der Autor schliesslich den Nobelpreis für Literatur erhalten hat. Nach der Veröffentlichung wurde das Werk sehr widersprüchlich beurteilt. Einerseits wurde es von vielen Lesern aufgrund seiner schonungslosen Darstellung des "exzessiven Drogenmissbrauchs und der sexuellen Perversionen" abgelehnt, aber in literarischen Kreisen auch begeistert aufgenommen. Heute ist das Werk unheimlich populär. In Schulen wird es oft als Pflichtlektüre behandelt. Mit seinem Inhalt über das spirituelle Suchen seiner Selbst und des existenziellen Bedürfnisses nach Leben ist dieses Buch für jung und alt zeitlos.

Harry Haller, ein 50-jähriger Mann, der stets auf der Suche nach einer Welt ist, die es nicht wirklich gibt, ist ein Charakter mit unzähligen verschiedenen Persönlichkeiten. Eine Seite bildet der Mensch, das intellektuelle, geistig reich interessierte, offenherzige und bürgerliche Wesen. Die andere Hälfte ist der Wolf, die biedere, triebgesteuerte, wilde und weltverachtende Seite. Haller kann sich mit der gegenwärtigen Weltlage nicht anfreunden, fühlt sich in der unmittelbaren Umwelt nicht wohl, irgendwie deplatziert. Er kennt all die grossen Künstler aus früheren Jahrhunderten wie Mozart oder Goethe sehr gut, lebt gedanklich lieber in dieser Zeit. Diesen grossen Persönlichkeiten fühlte er sich schon immer sehr nahe. Er verbringt sein Leben als einsamer Aussenseiter, bis die lebenshungrige Hermine in sein Leben tritt. Sie eröffnet ihm, dass sie ihn in sich verliebt machen will, damit der Steppenwolf das Leben und Lachen lernt. Weiterhin bringt sie ihm das Tanzen bei und stellt ihm ein Mädchen vor, welches ihm Vergnügen bereiten sollte. Diese Dinge fangen mit der Zeit dann plötzlich an, ihm zu gefallen, er erkennt sich auf einmal selbst nicht mehr und sein Innenleben befindet sich abrupt in einem grossen Zwist, welcher dann letztendlich in sich kollidiert.

Der Roman stellt die Frage, wozu und warum man existiert, wo man hingehört. Wo das spirituelle Ziel eines jeden Individuums liegt, wer man überhaupt ist. Das Buch ist in einer traumhaften, lebendigen Sprache geschrieben und versteht es, wünderschöne, poetische Bilder des Alltags im Leser wach zu rufen. Es erinnert uns an die vielen unvergänglichen und wichtigen Momente, die das Leben auszeichnen und wirklich lebenswert machen, aber auch daran, dass man erst ganz glücklich und lebensfreundlich werden kann, wenn man sich selbst im Innern versteht und gefunden hat.

Fazit: Ich weiss nicht, ob meine Worte dem Roman überhaupt gerecht werden. Es ist ein Buch voller grosser Poesie, geschrieben in einer wunderschönen, warmherzigen Sprache. Die Erzählstruktur ist intelligent und anspruchsvoll.
"Der Steppenwolf"ist sicherlich einer der essentiellsten Romane, die im 20. Jahrhundert erschienen sind und eines der wenigen Bücher, die es echt wert sind, mehr als einmal gelesen zu werden.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Heute noch so wichtig wie damals, 5. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Steppenwolf (Broschiert)
Dieser Roman ohne eigentliche Gattungsbezeichnung begründete den Weltruf des Autors. Er erschien schon 1927 und ist heute noch so aktuell wie damals - ein Kultbuch eben.
Es gehört zu den wenigen bis heute gelesenen Texten aus dem Umkreis jener zivilisationskritischen Strömung, die auf die Philosophie Friedrich Nietzsches zurückgreifend, als Reflex auf die Erscheinungen der modernen Massen- und Industriegesellschaft die zwanziger Jahre durchzieht.
Die Studenten- und Jugendbewegung der sechziger Jahre fand im "Steppenwolf" und in seiner Stilisierung des einsamen und verkannten Künstler-Ichs Identifikationsmuster für ihren Protest gegen das Establishment.
Trotz seiner scheinbar fehlenden Struktur mit einer mehrfach wechselnden Erzählperspektive, einem eingeschobenen Essay und der verwirrenden Visionenfolge des »Magischen Theaters«, mit dem der Roman schließt, ist das Werk literarisch doch streng gegliedert.
Schon das Vorwort führt in die neurotische Persönlichkeitsstruktur des späteren Ich-Erzählers Harry Haller ein - einem vereinsamten Mann mittleren Alters, der sich in einem Zustand der völligen Entfremdung sich selbst und der kleinbürgerlichen Umwelt um ihn herum befindet. Isoliert und verbittert zieht er sich zurück und hält Zwiegespräche mit seinem von Goethe inspirierten Geist. Die Nächte verbringt er in heruntergekommenen Spelunken.
Auf dem Höhepunkt seiner Verzweiflung und nahe am Selbstmord begegnet Haller der Kurtisane Hermine, die den puren Lebensgenuss symbolisiert -
die Haller mütterlich umsorgt und in ihm die kindliche Sehnsucht nach Leben wieder erweckt.
Trotz des Bestrebens nach innerlicher und äußerlicher Integration muss der Hauptdarsteller letztlich seine Gefangenschaft im Intellektualismus erkennen und seine Lebensuntüchtigkeit, bedingt durch seine gespaltene Persönlichkeitsstruktur. Nach der Einnahme eines Halluzinogens ist er schließlich bereit für die Konfrontation im »Magischem Theater« - das Auseinanderfallen seines Ichs in die psychische Mannigfaltigkeit zu erleben.
Haller beginnt zu verstehen, doch verstrickt sich immer mehr in sein eigenes Gedankengefüge - halluziniert und kann Wirklichkeit und Traum kaum noch unterscheiden.
Zum Schluss ein kleiner Silberstrahl mit dem Ausblick, sich selbst befreien zu können aus dem menschlichen Leid - so endet der Roman - und so endet das Leben eines jeden Menschen - in der Erkenntnis: Ein versöhnliches Verhältnis zwischen den Gegenpolen der Endlichkeit des Ichs und der göttlichen Unendlichkeit aufzubauen.
Dieses Werk ist mit Sicherheit ein Bestseller der Weltliteratur.
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21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Join The Steppenwolf, 13. April 2002
Ich habe selten ein gelungeres Buch als dieses gelesen! Hermann Hesse präsentiert uns mit dem Steppenwolf namens Harry Haller eine Persönlichkeit, dessen psychologische Züge und Facetten extrem tiefgreifend sind und dessen soziale Kompetenz sehr unter seiner überdurchschnittlichen geistigen Intelligenz leidet. Ein Mann zwischen zwei Welten hin und hergerissen...
Unglaublich auch, wie gut man sich mit der Person Harry Hallers identifiezieren kann. Das kommt natürlich auf die Persönlichkeit des Lesers an, aber eine derart genaue und intelligente Beschreibung Harry Hallers Innenlebens ist doch mehr als ansprechend.
Die Sprache an sich ist zum Glück relativ einfach gehalten, auf den Inhalt muss man sich aber gut konzentrieren. Aber bei einer so packenden und tiefen Erzählung bleibt einem eh keine andere Wahl.
Hermann Hesse beweist mit diesem Buch, dass er ein Seher, ein Spiegel der Gesellschaft ist/war.
Ein sehr wertvolles Buch! Lesen!
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20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Inhaltskräftig und bildkräftig haucht der Steppenwolf, 3. November 2002
Rezension bezieht sich auf: Der Steppenwolf, 2 Cassetten (Hörkassette)
Eine sehr gute Hörbuchumsetzung der Geschichte vom vereinsamten Harry Haller der zwischen Selbstzweifel/Selbstaufgabe und neuen
Anregungen/Perspektiven hin und her gebeutelt wird. Eine sehr gefühlvolle Geschichte, die das Innerste und die Emotionen, die Zukunftsängste und den Existenzzweifeln der menschlichen Psyche nach außen kehrt. Suizid als Befreiung von der Lasst des Lebens ?
Die Geschichte zeigt auch die Vielfältigkeit der menschlichen Persönlichkeit, die oft gespalten und mit vielen polaren Unterschieden strukturiert ist.
Gestalterisch spannend und mit den richtigen Musikeinsätzen an den wichtigen Stellen.Sprachlich in Stimme, Tempo und Betonung
vorzüglich.
Das Hörbuch führt behutsam und zugleich brutal in einzelnen Szenen durch die Handlung.Beschreibung der Orte sehr frisch und anschaulich wiedergegeben. Auch die Handlungsaktuere kann man/frau sich bildlich vorstellen und s e h e n.
Monologe der Sprecher sind deutlich und stimmungsvoll. Dialoge sind spannend, frisch und interaktiv. Auch der Umgang mit den alten Meistern der Literatur ist kritisch, interessant, zum Teil respektlos deutlich und auch in die Zeitgeschichte eingebettet.
Unbedingt hörenswert in ruhiger Atmosphäre. Meines Erachtens geeignete Jahreszeiten Herbst/Winter. Kaufen und hören - ein unbedingtes Hörbuch-Muß.
Großer Bilderreichtum und mit viel Empathie versehen. -- und mehr wird hier nicht verraten.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Poetisch, modern und inspirierend., 15. April 2007
Von 
A. Wolf (Wiesbaden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Steppenwolf (Broschiert)
Zwischen den Jahren 1925 und 1927 entstand "Der Steppenwolf", einer der bis dato experimentellsten Romane in deutscher Sprache. Vergleiche mit James Joyce' "Ulysses" sind nicht fehl am Platze - Hesse hat ohne Zweifel einen hochmodernen, poetischen Roman voller ethischer Fragestellungen geschaffen. Bedauerlicherweise sahen das die Zeitgenossen nicht so. Von wenigen Schriftstellerkollegen Hesses abgesehen, stieß das Werk bei einem breiten Publikum auf keine allzu positive Resonanz. In der NS-Zeit war der Roman zwar nicht verboten, aber er erlebte auch keine neuen Auflagen. Und nach Kriegsende geriet der "Steppenwolf", trotz des Nobelpreises seines Schöpfers (1947) in Vergessenheit. Bis, ja bis ihn schließlich die Nach-Vietnam-Generation in den USA wiederentdeckte. Die Wirkung hat bis heute angehalten, wo Hesse nun aufgrund seiner ethisch-spirituellen Sichtweisen enorm populär ist.

"Der Steppenwolf" ist die Geschichte Harry Hallers - eines Künstlers. Harry Haller, Schriftsteller, taucht eines Tages in einer deutschen Stadt auf, führt ein zurückgezogenes Leben und verschwindet plötzlich wieder. Hinterlassen hat er ein Manuskript, genannt "Harry Hallers Aufzeichnungen. Nur für Verrückte". Darin offenbart sich die Geschichte einer vereinsamten Existenz, die sinnentleert erscheint. Harrys Suizidgedanken verflüchtigen sich, als er, angeregt durch die Bardame Hermine, die Amüsierwelt kennenlernt. Sinnenfreuden und Triebhaftigkeit erwachen in dieser Welt aus Musik, Tanz und Erotik. Das Freudenmädchen Maria bringt ihn auf den Höhepunkt dieser Genusswelt. Doch Harry ist sich darüber im Klaren, dass der völlige Gegensatz zu seinem bisherigen Leben auch nicht "seine" Welt ist. Er muss sich finden, neu erfinden. Und gelangt schließlich ins "Magische Theater". Einem Seelenspiegel gleich werden ihm hier die Ausformungen seines Ich vor Augen geführt. Eine Reise in die Abgründe und lichten Höhen der menschlichen Existenz.

Harrys Lebenskrise speist sich teilweise aus dem Ungenügen der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Ein Krieg ist gerade vorüber und die Menschen haben nichts anderes im Sinn, als den nächsten Krieg vorzubereiten. War diese Welt immer so, ist sie überhaupt veränderbar? Die Antwort kann ein jeder aktiv geben. In diesem Sinne schreit der Roman nach Veränderungen und wurde deshalb nicht umsonst von einer kriegs- und patriotismusmüden Generation wiederentdeckt. Letztlich ist "Der Steppenwolf" eine Verehrung des Menschen: Seine Möglichkeiten sind, genau wie sein Seelenreichtum, gewaltig. Es gilt, diese Fähigkeiten zu entdecken und voranzutreiben. Und wenn man auch dabei versagt, so kann die Einsicht über das Versagen immer zur Weiterentwicklung führen. Oder, wie es Harry sagt: "Einmal würde ich das Figurenspiel besser spielen. Einmal würde ich das Lachen lernen."

Existenzialistisch in der geistigen Ausrichtung. Poetisch in der Sprache, komplex in der Erzählstruktur. Herausfordernd und hinterfragend. Hermann Hesses "Steppenwolf" ist vieles. Und ohne Zweifel einer der besten Romane, die in deutscher Sprache geschrieben wurden.
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Der Steppenwolf
Der Steppenwolf von Hermann Hesse (Broschiert - 30. April 1974)
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