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54 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sprachlich hochklassiges Rollenspiel
Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie sich, während Sie die ersten Sätze eines Romans gelesen haben, einfach sagen: Das muss ich lesen? Oftmals entpuppt sich so etwas bedauerlicherweise als Mogelpackung, aber hier sei einmal ein Beispiel im positiven Sinne genannt, die ersten Sätze aus Max Frischs "Stiller":

"Ich bin nicht Stiller! - Tag für...
Veröffentlicht am 4. September 2006 von A. Wolf

versus
12 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wechselbad für den Leser
Es ist sicherlich nicht populär, ein Werk, das allgemein als Klassiker, ja sogar als Teil der Weltliteratur gilt, mit gerade mal 3 Sternen zu bewerten. Aber hier geht es nur um meinen persönlichen Eindruck. Und dieser Eindruck ist nun einmal nicht uneingeschränkt positiv.

Für mich war die Lektüre des Stiller ein Wechselbad. Auf eine...
Veröffentlicht am 4. Oktober 2008 von Nice2829


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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen universeller, internationaler Charakter, übertrifft alles..., 8. Juni 2001
Von Ein Kunde
Die Problematik der Identitätssuche übertrifft alle bisher gelesenen Bücher zum Thema. In einer unermüdliche Gründlichkeit vormuliert Frisch wer Stiller ist, wer er war und wer er gerne wäre und das letzendlich Identität austauschbar ist. Ob es die eigene Identität ist, (und was ist das schon...) oder ob man in eine andere Haut schlüpft, das Scheitern ist vorprogrammiert, denn was macht uns eigentlich aus? Wie kommen wir zu einem Ergebnis, das allgemeingültigen Charakter hat zu der Frage, wer wir sind und was wir sind? Sind wir nicht eigentlich das, was aus uns gemacht wird? Oder gibt es Eigenschaften, die uns von anderen Menschen unverwechselbar unterscheiden? Wir existieren nur in der Vorstellung der anderen, vor uns selbst Scheitern wir, finden keine Worte, keine Einstellung zu dem, was uns auszeichnet. Eine "Identität" nach außen hin, also vor und für andere zu vertreten, fällt leichter, als vor und für sich selbst. Das ist auch Stiller nicht gelungen.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gefangen im Körper eines Fremden- oder doch nicht ?, 30. Oktober 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Stiller: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Ich muss sagen: WAHNSINN! Max Frisch ist genial. Selten habe ich ein Buch verschlungen wie dieses. Vor 2 - 3 Monaten habe ich diese Buch gelesen, seitdem einige andere (u.a. Ransmayr, Kafka) und ich muss sagen kein anderes hat mich so fasziniert wie jenes. Der Charakter Stiller istleidgeprüft, jedoch nicht unbegingt durch seine Umwelt, als durch sich selbst. Er akzeptiert sich selbst nicht, wodurch es schwer wird andere zu akzeptieren. Er wehrt sich vehement gegen alle und jeden, wird aber in eine bestimmte Rolle gezwungen, bis er resigniert.
Sehr empfehlenswert!!!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Stiller - Sinnsuche, Identitätssuche und Resignation, 12. Mai 2001
Rezension bezieht sich auf: Stiller: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Stiller ist ein gescheiterter Mann; gescheitert vor allem an seiner Liebe zu seiner Frau Julika. Man könnte diesen Roman als einen schlichten Eheroman bezeichnen, doch er ist weit mehr - Er ist Sinnsuche, Identitätssuche und letztendlich Resignation in der Einsicht immer nur der Mensch sein zu können, der man in Wirklichkeit auch ist.Der Gedanke der diesem Buch wohl den Anstoß gab geschrieben zu werden: Ich definiere mich neu und will neu definiert werden. Doch ist es in unserer heutigen Welt noch möglich sich neu zu definieren? "Stiller" ist wohl Max Frisch's bedeutendstes Werk. Es ist eine Quelle der Vergleiche, der Metaphern und der Fragen. Wer bin ich? Wer ist die Welt, dass sie mich zu kennen glaubt? Dies sind die Hauptfragen dieses beeindruckenden, gefühlvollen Buches.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Ich bin nicht Stiller", 1. September 1999
Von Ein Kunde
"Ich bin nicht Stiller", so beginnt dieser Roman von Max Frisch, der 1954 veröffentlicht wurde. Dieser Anfangssatz zieht sich als Programm durch den ganzen Roman. Der angebliche Amerikaner White hat die Schweizer Grenze mit einem gefälschten Paß überschritten und hat dazu einen Paßbeamten tätlich angegriffen. Nun sitzt er in Untersuchungshaft und wird verdächtigt, ein sowjetischer Spion zu sein. Sein Anwalt gibt ihm den Auftrag, seine Lebensgeschichte niederzuschreiben. Sechs Jahre zuvor war Stiller verschwunden. Niemand wußte wohin. Nun ist man bemüht, die Identität von White und Stiller nachzuweisen. Doch White leugnet hartnäckig, Stiller zu sein, erfindet immer neue Episoden eines fiktiven Lebenslaufes. So sehr sich Stiller jedoch auch wehrt, seine Vergangenheit zu akzeptieren, er kann sich letzten Endes der Identifizierung nicht entziehen. Immer schält sich die Gestalt jenes Mannes Stiller heraus, der in einer entscheidenden Phase seines Lebens versagt hat. Stiller, ein von Zweifeln getriebener Mensch, der die Wahrheit sucht und an seinem unerfüllten Dasein leidet. "Wir sind Fernseher, Fernhörer, Fernwisser", lautet ein zentraler Satz des Romans. Manfred Orlick, Halle (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Macht Euch kein Bild, 24. Oktober 2000
Von Ein Kunde
Max Frisch hat mit dem Roman STILLER (1954) Weltliteratur geschrieben. Als Brecht-Schüler fragt auch er in diesem Werk nach der möglichen Identität des Menschen mit sich und seinem Umfeld. Die Hauptfigur STILLER versucht mit einer Flucht die Schwierigkeit zu überwinden, sich selbst wählen zu können.
Vorurteile und "Bilder" von seinem Nächsten machen es ihm fast unmöglich, seine eigene Identität anzunehmen. Was passieren kann, wenn ein Mensch sich skrupellos Bildern und Klischees seiner Mitmenschen aussetzen muss, schildert diese Roman eindringlich mit vielen Gleichnissen und Parabeln.
Die Erkenntnis, dass sich Jeder früher oder später selbst erfindet und sein Leben mit Bildnissen lebt, die andere von ihm haben, zeigt Stiller, wie schwer es ist, seine personale Identität zu finden - ohne eine Rolle für sich und andere spielen zu müssen.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Frisch aufgefrischt, 23. April 2011
Von 
Renate Koerble - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Stiller (Audio CD)
Spiritualisten haben wahrscheinlich ihre wahre Freude daran. An Geburtstagen nämlich, die bereits verstorbene Persönlichkeiten reanimieren sollen, die deren Bedeutung posthum in den Vordergrund stellen und die in besonders runden Feierjahren Hochkonjunktur haben. Max Frisch, der mit 79 Jahren 1991 in Zürich gestorbene Großmeister schweizerischer Nachkriegsliteratur, wäre im Mai 2011 einhundert Jahre alt geworden. Die Spiritualisten würden wahrscheinlich sagen: er wird hundert Jahre, nur ist das materiell nicht mehr sichtbar. Egal von welcher Seite man aus es betrachtet, die Feierlichkeiten sind in vollem Gange und vollständig neu redigierte Auflagen an der Tagesordnung. Wie passend und gut obendrein, dass der Hörverlag nun eine frische, so noch nicht veröffentlichte Hörspielbearbeitung des Romans für uns bereit hält.
Eine Hörbuchlesung von Stiller ist erstmalig vor einigen Jahren erschienen. Acht pralle CDs versuchten damals das Unmögliche: nämlich ein nicht leicht verdauliches Festmahl über den auditiven Weg jedermann zugänglich zu machen. Es gelang, ja, aber immer noch war's ein dicker Happen; ein stundenlanger, wiewohl psychologisch interessanter Weg, um der tiefgründigen Freilegekunst des Schweizer Poeten nahe zu kommen. Dieses Mal ist das anders, und das sollte alle Frisch-Begeisterten, wie auch die Frisch-Geschädigten interessieren: Gerade einmal drei CDs benötigt Norbert Schaeffer, der schon seit fast dreißig Jahren diverse Hörspiele bearbeitet und arrangiert hat, um den spannenden Wahnsinn, den Frisch mit seinem Stiller zur Schau stellte, zu inszenieren.
Dabei kommen Freunde auditiver Spielereien, phonetischer Impressionen und verschachtelter Hörspielkunst auf ihre Kosten. Manchmal mehrere Stimmen, zumeist immer aber übereinander gelagerte Geräuschebenen oder Mitteilungsstufen werden ineinander verwoben. Das ist nicht immer leicht zu hören, aber wohl dennoch hohe Kunst. Die Sprecherinnen und Sprecher sind ausgewiesene Experten, vor allen Dingen Samuel Weiss als Stiller (oder eben nicht Stiller) begeistert mit seinem Timbre, das an akademische Abgeklärtheit, aber auch an Alkohol und Abenteuerwahn erinnert. Eine gute Wahl, wie insbesondere die Bearbeitung in vielen Details die Liebe zur Kunst und die Kenntnis derselben offenbart.
Stiller selbst wird in seiner Bekanntheit in Frischs Oeuvre höchstens noch von Homo Faber übertroffen. Beide zeichnet eine starke Fixierung auf Identitätsfindungen und gesellschaftliche Dissonanzen aus, mit der Folge eingeschränkter und deprimierender Lebensfähigkeit ' auch Stiller ist ein eigensinniger, engstirniger, für sich selbst jedenfalls heroischer Charakter, der wie alle andere Personen in diesem Roman auch, mit zahlreichen Makeln und Beschränkungen ausgestattet ist - ein nicht allzu selten anzutreffendes Literaturmotiv in den Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg. Das Spannende bei Stiller: Die für Frischs Schaffen typische "Bildnisproblematik" macht aus diesem Werk einen Jahrhundertroman. Kein Bild darf zur Rolle werden, die übergestülpt und manipuliert, der tatsächlichen Identität vorgezogen wird, rezitiert Frisch in seinen Tagebüchern bedeutende Stellen aus der Bibel. Die Befreiung der Bildnisse und die Umsetzung dieser Referenz wird nirgends so deutlich wie im ständig widerholten Einstiegssatz: Ich bin nicht Stiller.
Die Zeiten, in denen Gymnasialschüler dieses üppige Stück deutschsprachiger Hochkultur verzehren mussten, sind beileibe nicht vorbei; in Ansätzen angenehmer, auf jeden Fall künstlerisch hochwertiger und anwenderfreundlicher ist da doch diese Hörspielbearbeitung. Grundsätzlich ist es wie auf modernen Theaterbühnen. Statt stundenlangem Erzählmonolog kommen viele interpretatorische Aspekte des Regisseurs zum Tragen, die nicht immer leicht verdaulich sind und die in diesem Fall auch kakophone Tendenzen aufweisen. Vielleicht liegt gerade darin aber auch die Kunst; vielleicht sind die Dissonanzen, die mir beim Hören aufgingen, unbewusst in Harmonien verwandelt worden, auf das ich die Bedeutung manch exponierter Stelle des Originals nun viel besser verstehen kann. Fakt ist jedenfalls, dass Max Frisch heuer eine 20-Franken-Gedenkmünze seines Heimatlandes geprägt bekommen hat und der Hörverlag eine, nennen wir es abschließend avantgardistische Vertonung seines 1954 erschienen Meisterwerks veröffentlicht hat. Sein Geist wird sich freuen.
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12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Suche nach dem wahren "ICH", 8. November 2004
Rezension bezieht sich auf: Stiller: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Ein ziemlich anspruchsvolles Buch, nicht gerade einfach zu lesen, aber zugleich auch ein Buch, das einem sicherlich die Seele bereichert... Urteilt am besten selbst!
In Frischhs erstem Roman "Stiller" geht es um einen gleichnamigen Bildhauer, der ausbricht, nach Amerika fährt, um seine Identität neu zu definieren. Stiller erlebt dort mehr Enttäuschungen, als Positives. Er erlebt in Amerika nicht die notwendigen Impulse, die er sich als Künstler dort erhofft hat. Der Roman beginnt damit, dass Anatol Stiller als der amerikanische Staatsbürger Jim White zurückkommt, und als der verschollene Bildhauer an der Grenze erkannt wird. Er leugnet jedoch seine Identität, wird verhaftet und ins Staatsgefägnis geführt. Angeklagt von eigener Vergangenheit versucht er, seine "wahre Identität" zu finden. Im Gefängnis schreibt er eine Art von Tagebuch in Heften, in denen er sich verteidigt, Rechenschaft ablegt, genauso wie "Homo Faber".
Aus einzelnen Protokollen bildet sich dann "die Geschichte". Auffallend ist, dass das Protokoll keineswegs objektiv scheint, genauso wenig wie der "Bericht" Homo Fabers, sondern subjektive Überlegungen aufweist. Er rechtfertigt sich durch seine "Hefte" vor sich selbst und vor der Gesellschaft. Stiller beginnt endlich auch seine Frau Julika zu schätzen und zu lieben...
Charakteristisch in "Stiller", wie in "Homo Faber", ist die Identitäts, Beziehungs- und Bildnisproblematik. Letztere kommt in "Stiller" besonders zur Geltung, denn seine Frau Julika macht sich Gedanken darüber und ist der Ansicht, dass ihre Ehe daran scheiterte. Sie meint, "dass es das Zeichen der Nicht-Liebe" sei, also Sünde, "sich von seinem Nächsten oder überhaupt von einem Menschen ein fertiges Bildnis zu machen, zu sagen: so und so bist du, und fertig ... war es nicht so, dass Stiller, ihr Mann sich ein Bildnis von Julika machte?" (aus Stiller, S. 116)
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4.0 von 5 Sternen Identitätsprobleme, 13. August 2014
Stiller, die Geschichte um einen Mann auf der Suche nach sich selbst, beinhaltet ein an sich spannendes Thema. Ich finde es sehr interessant, wie er versucht, sich gegen eine Festlegung seiner Persönlichkeit durch die Außenwelt zu wehren. Die Annahme eines "neuen" Namens soll ihm dabei helfen. Ob sich seine Hoffnung erfüllt? Nach der Antwort muss man in einem ziemlich komplizierten Buch mit Rückschauen, Perspektivwechseln und teilweise etwas langatmigem Erzählstil suchen. Noch positiv zu erwähnen ist, dass sich Frisch hier seine sonst unverhohlenen Belehrungen spart und dem Leser die Suche nach Antworten selbst überlässt.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen selten gutes Buch, 15. Oktober 2002
Von Ein Kunde
Stiller, Max Frisch
Wirklich ein unvergessliches Buch. Was mich an der Person Stiller am meisten beeindruckte, war seine innere Gewissheit, vom Standpunkt des gesamten Freundes - und Bekanntenkreises keinerlei Verständnis für sein Handeln erwarten zu können, und deshalb einen Weg wählt, der ihn mit sich selbst in Einklang bringen soll. Er für sein Teil gibt zu, im Leben versagt zu haben, obendrein kann er es nicht ertragen, eine so viel gelobte und überaus liebenswerte Frau zu besitzen. Es sind seine Schuldgefühle, die ihn zwingen, seine Frau zu verlassen. Völlig sicher, von seiner Umwelt unverstanden zurückzubleiben, und von inneren Zweifeln zerfressen, setzt er sich einer lebensgefährlichen Situation aus, indem er im stickigen Maschinenraum eines Schiffes als blinder Passagier vor seinem bisherigen Leben flüchtet. Es ist ihm in dem Moment gleich, was ihn dort erwartet. Meiner Meinung nach zeigt sein Handeln die totale ausweglose Verzweiflung eines Menschen, der, ohne je etwas verbrochen zu haben, sich schuldig fühlt, und sich, um sein schlechtes Gewissen zu entlasten, von seiner Frau, sowie von seinem bisherigen Leben lautlos verabschiedet. Er ist sich sicher, denen, die er für besser als sich selbst hält, einen Gefallen zu tun wenn er aus ihrem Leben verschwindet.
Auch wenn es im ersten Moment seltsam anmutet, so komme ich nicht umhin, Stiller mit „Nora" von H. Ibsen zu vergleichen. Nora ist sich ihrerseits ebenso sicher, vor der Welt falsch zu handeln, indem sie ihren Mann verlässt. Ihre Argumente, es trotzdem zu tun, sind ähnlich. Es geht ihr in erster Linie darum, sich endlich selbst achten zu lernen, vor sich selbst zu bestehen, oder wie Stiller: sich selbst anzunehmen; und das ist ihr in dem bisherigen Umfeld unmöglich. Auch sie flüchtet in eine ungewisse Zukunft, was für tiefe innere Konflikte spricht, von denen sie sich befreien will.
Petra, Köthen
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf der Suche..., 27. August 1999
Von Ein Kunde
In „Stiller" prägt, wie auch in „Mein Name sei Gantenbein" und „Homo Faber", die Suche nach dem Ich das Buch und - den Leser. Frisch benutzt die Selbstverleugnung des Erzählers, um die Person Stiller praktisch von außen zu betrachten, ohne in Sentimentalität zu verfallen. Ein trockener, mitleidsloser Ton prägt die Suche nach Stiller. Durch die Trennung vom eigenen Ich wird es möglich, ein schonungsloses, offenes und oft genug verletzend eindringliches Bild von Stiller zu zeichnen.
„Stiller" wird heute oft in der Schule behandelt, was oft nur zu einem lächerlichen Fehlschlag führt. Dieses Buch kann man nicht in zwei, drei Unterrichtsstunden „abhandeln", weil es den gesamten Kosmos Frisch'scher Logik und Tragik enthält - und wer den nicht bereit ist zu suchen, für den wird dieses Buch sehr schnell langweilig. Was ist an der Oberfläche schon zu finden? Ein Mann erzählt von seinen gescheiterten Beziehungen, während er in einem Schweizer Gefängnis einsitzt. Nicht unbedingt der Stoff, aus dem Zehntklässlerträume sind... So wird einem Max Frisch eher verleidet.
Wer aber bereit ist, einen Urlaub, einen Wintermonat, hin und wieder einen Moment an dieses Buch zu verschenken - der wird es so schnell nicht wieder vergessen können. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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Stiller: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Stiller: Roman (suhrkamp taschenbuch) von Max Frisch (Taschenbuch - 1. April 1973)
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