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48 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nur die Wirklichkeit hat recht
Diese Erzählung zeigt das Schicksal eines begabten Buben, dem der Ehrgeiz seines Vaters und der Lokalpatriotismus seiner Heimatstadt eine Rolle aufnötigen, die ihm nicht entspricht, die ihn "unters Rad" drängt.
Manchmal meint man, das Buch lebt: man riecht das Laub, man fühlt das kühle Wasser des Dorfbaches in der Sommerhitze an der...
Veröffentlicht am 26. September 2005 von Franz Waditzer

versus
15 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Aktuelles Thema, lyrisch erzählt
Hermann Hesses zweiter Roman ist 1903 entstanden und schildert die Kindheit und Jugend Hans Giebenraths. Der begabte Junge wird von Lehrern und Pfarrer überfordert und um seine Kindheit gebracht, schliesslich, nach dem psychischen Zusammenbruch fallen gelassen. Dies ist kurz erzählt der Inhalt des Romans und bereits Zeitgenossen ist aufgefallen, dass der Roman...
Veröffentlicht am 14. Oktober 2005 von sonaleu


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48 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nur die Wirklichkeit hat recht, 26. September 2005
Von 
Franz Waditzer "waditzer" (St.Veit an der Glan) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Unterm Rad: Erzählung (Taschenbuch)
Diese Erzählung zeigt das Schicksal eines begabten Buben, dem der Ehrgeiz seines Vaters und der Lokalpatriotismus seiner Heimatstadt eine Rolle aufnötigen, die ihm nicht entspricht, die ihn "unters Rad" drängt.
Manchmal meint man, das Buch lebt: man riecht das Laub, man fühlt das kühle Wasser des Dorfbaches in der Sommerhitze an der Stirn, man leidet mit Hans mit, man denkt an die eigene Mittelschulzeit.
Der Roman enthält ungefähr eine Anleitung für Eltern und Lehrer, wie man einen begabten jungen Menschen am zweckmäßigsten zugrunde richtet.
"Unterm Rad" ist neben "Die Verwirrung des Zöglings Törless" von Robert Musil, die nachhaltigste Anklage gegen das Erziehungsritual jener Jahre (um 1900). Auch das Buch "Der Schüler Gerber" von Friedrich Torberg behandelt fulminant die selbe Thematik.
Das Buch wurde 1903 geschrieben und ist absolut aktuell.
"Ein paar Wochen ist es her, da entdeckte ich in einem Abteil der Berliner S-Bahn zwei junge Leute. Ihre Gesichter waren über dasselbe Buch gehängt, das einer der beiden in Händen hielt. Sie lasen, sie waren verzaubert, von ihrer Haltung ging eine fast greifbare Aura der Verwandlung aus, sie blickten nicht auf, sie waren vollkommen unempfindlich für die Umwelt.
Ich habe weder vorher noch danach wieder Menschen so lesen sehen. Sie lasen Hermann Hesses "Unterm Rad". Nur die Wirklichkeit hat recht.", meinte Rolf Schneider einst.
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25 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interessant und gut geschrieben, 2. Juli 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Unterm Rad (Gebundene Ausgabe)
"Unterm Rad" ist das erste Buch von Hermann Hesse, das ich gelesen habe, und es hat mich ziemlich beeindruckt. Der geistige Verfall des Hans Giebenrath, verursacht zum einen Teil durch die gestohlene Kindheit, die ihm mit ständigem Lernen und dem Verbot der kindlichen Vergnügungen geraubt wird, zum anderen Teil durch den enormen Druck und die Erwartungen, die der Vater und die Lehrer in ihn setzen, bzw. der ganze Prozess, mit dem dem begabten Schüler das Leben zu Grunde gerichtet wird, ist so lebensnah beschrieben, dass man alles "am eingenen Leib" erfährt, zumal Hesse ja genau wusste, was man in solchen Situationen empfindet, da er ja selber aus dem Kloster Maulbronn geflohen ist und auch ihm eine normale Entwicklung versagt worden ist (seine Eltern haben ihn ja sogar in die Klapsmühle gesteckt ! Das waren noch Zeiten...)Wie Arthur Eloesser ganz richtig sagte, ist das Buch :"Eine Anleitung [...]wie man einen begabten jungen Menschen zweckmässig zugrunde richtet." Die Geschichte bringt einen auch zum Nachdenken über : Wo sind die Grenzen zwischen Arbeit und Vergnügen ? Wieso ist es wichtig, dass Arbeit und Spass immer im Gleichgewicht zueinander stehen ? usw. Der langen Rede kurzer Schluss: Kurz : Ein Buch, das man lesen muss !
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zuerst langweilig aber dann doch recht gut, 8. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Unterm Rad: Erzählung (Taschenbuch)
Hallo! Ich musste diese Buch gezwungener Maßen im Deutschunterricht lesen. Als ich mir den Klappentext durch gelesen hab, hätte ich das buch am liebst wieder zurück geschickt. Nach dem ersten Lesen war ich immer noch nicht sehr beeindruckt, weil das alles sehr kompliziert geschrieben ist und eine Weile braucht bis sich das alles "gesetzt" hat.
Aber jetzt, wo ich mich mit dem Inhalt auseinander gesetzt hab, Sachen interpretiert habe und mich über den Autor besser informiert habe, scheint es mir, als wäre es einfach eine Pflicht für jeden, dieses Buch zu lesen. Es ist nicht nur ein Junge, der mit den Erwartungen nicht zurecht kommt, ich finde da steckt mehr dahinter, denn es ist so etwas wie eine kleine Autobiografie von Hermann Hesse mit allen Einzelheiten aus seiner Zeit, als er zur Schule ging.
Es ist auf alle Fälle wert dieses Buch zu lesen.
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28 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zeichen der Zeit, 12. Januar 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Unterm Rad (Gebundene Ausgabe)
Hans Giebenrath ist einer der klügsten Schüler der Stadt, der Stolz seiner Lehrer, die ihn für das theologische Seminar drillen. So stehlen sie ihm seine Jugend. Seine Kaninchen werden ihm genommen, er darf nicht mehr basteln, angeln, schwimmen gehen, er muß lateinische und griechische Vokabeln pauken. Auch auf dem Seminar ist er bald einer der Besten. Doch allmählich läßt seine Leistung nach, und als man ihm gar die Freundschaft mit einem aufsässigen, genialisch-eigenwilligen Schüler verbietet, fällt er ganz ab. "Nur nicht matt werden", ermahnt ihn der Schulleiter, "sonst kommt man unters Rad." Aber der Junge ist längst "unterm Rad" einer reaktionären Pädagogik, die eine Sorge um den Menschen nicht kennt, und wird zugrunde gerichtet. Hermann Hesse gestaltet hier realistisch und mit konsequenter Logik den verfall der bürgerlichen Pädagogik der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, wie er ihn selbst als Schüler erfahren hat. Der genialische Außenseiter Hermann Heilner ist ein jugendliches Selbstporträt des Dichters. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf heute noch übertragbar, 26. November 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Unterm Rad: Erzählung (Gebundene Ausgabe)
Auch wenn das Buch schon ein paar Jährchen alt ist, hat es dennoch nicht an Aktualität einbüßen müssen. Es erzählt die Geschichte des begabten Jungen Hans, der den Erwartungen der Erwachsenen gerecht werden muss und schließlich unter dem Druck "zerbricht". Eine eindringliche Geschichte und manchmal musste ich dabei an die heutige Schulzeit denken... wie viele Kinder von ihren Eltern unter Druck gesetzt werden. Das Buch sollte zu denken geben.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anbetungswürdiger Stoff von Herrn Hesse, 9. Januar 2010
Von 
Josephine Sterner "Bücher-Liebhaberin" (Hillershausen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Unterm Rad: Erzählung (Taschenbuch)
Ich liebe dieses Buch! Alle anderen aus meiner Klasse sahen und sehen es immernoch als Zwang an ein Buch lesen zu müssen, doch ich liebe es Bücher zu lesen (was mir kein Vrständnis von den anderen einbringt). Ich habe dieses Meisterwerk in der neunten Klasse gelesen und war hin und weg.

Hans Giebenrath ist ein Junge, der unter dem Druck leidet erfolgreich sein zu müssen, da ihm sein Vater dies immer deutlich aufträgt. Er absolviert Prüfungen, muss Latein, Griechisch und vieles mehr perfekt können um sie zu überstehen. Er leidet ebenfalls unter dem Lokalpatriotismus der bei ihm im Dorf herrscht. Das Geschehen ist ungefähr um 1900 rum eingesetzt. Er versucht mental aus diesem Druck zu entfliehen, will lesen und sich die Natur ansehen und Angeln, weil dies seine Lieblingsbeschäftigung ist, doch dies wird ihm sogar verwehrt, weil er für das Lernen verpflichtet ist. Dieses Buch endet tragisch mit Hans Giebenrath.

Ich kann nur empfehlen, dass Sie, liebe Amazon-Kunden dieses Buch lesen und sich von Hermann Hesse in eine viel strengere Zeit als die heutige entführen lassen. Dieses Buch ist auch für junge literaturinteresierte Menschen. Und nun mache ich wieder meinen berühmten Appell an Jugendliche:

LIEBE JUGENDLICHE, VERGESST DIE (WELT-)LITERATUR NICHT, LESEN IST NICHT UNCOOL, LESEN MACHT BELESEN, ERHABEN UND ÜBERLEGEN. ES ÖFFNET EUCH DIE TORE IN EINE GEPFLEGTERE, ANGEMESSENERE SPRACHE! ICH HABE DIE LIEBE ZUM LESEN ENTDECKT UND KANN ES AN EUCH, LIEBE JUGENDLICHE, NUR WEITEREMPFEHLEN. VERSUCHT ES! :)

~Bücher-Liebhaberin~
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Musterschüler auf Abwegen, 12. Juli 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Unterm Rad (Gebundene Ausgabe)
Ob sich das Schicksal des jungen Hans Giebenrath wirklich verallgemeinern läßt und die beißende Kritik Hesses am Bildungswesen seiner Zeit somit wirklich in der dargestellten Intensität angezeigt ist, will ich dahingestellt lassen. Möglicherweise spielt auch Hesses durch seine Lehrer verletzte eigene Eitelkeit eine gewisse Rolle bei seiner Sicht der Dinge. Vieles in der Erzählung ist ja bekanntlich autobiographisch.
Wenn aber die Geschichte nicht mit Interpretationsversuchen überfrachtet wird, zeigt sich - ganz schlicht - ein sehr interessant und einfühlsam gezeichnetes Bild eines begabten Schülers, dessen Berufung es ist, die Erwartungen zu erfüllen, die alle möglichen Leute in ihn setzen. Und der sich in dieser Rolle gefällt! Daß ihm die Kindheit geraubt wird, merkt er nicht.
Erst in seiner Pubertät beginnt er an seinem bisherigen Lebensinhalt zu zweifeln, gänzlich überfordert durch den Leistungsdruck, den seine "Förderer" erzeugen. Plötzlich entdeckt er romantische Gefühle, wagt es schließlich sogar, offen zu seiner Freundschaft zu dem bei den Lehrern als Quertreiber verhaßten Schöngeist Herman Heilner zu stehen. Hiermit nimmt seine Geschichte einen Wendepunkt, er wird von seinen Lehrern fallengelassen...
Die Geschichte des Hans Giebenrath ist immer wieder ergreifend zu lesen. Man merkt, daß Hesse beim Schreiben mit ganzer Seele bei der Sache war. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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16 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hermann Hesse - ein Autor für junge Menschen, 17. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Unterm Rad: Erzählung (Taschenbuch)
Wie kein anderer Schriftsteller hat Hermann Hesse mit seinen Werken einen regelrechten "Boom" ausgelöst: Egal ob "Steppenwolf", "Demian" oder "Unterm Rad": Hesse ist ein Autor für junge Menschen. Alle Werke drehen sich um die Findung des eigenen Ich, um Probleme des eigenen Denkens. Deshalb sind Hesses Werke auch so zeitlos. Was schon für Hesses Schulzeit gültig war, ist heute umso aktueller: Leistungsdruck, Versagungsängste, die bis zu Selbstmordgedanken führen.
"Unterm Rad" ist eine Hilfe für sensible Schüler und ebenso eine Warnung für Lehrer.
Hesse ist und bleibt der Autor, der sich mit dem Innern eines Menschen beschäftigt. Das macht ihn so besonders und beliebt.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine kleine Offenbarung, 11. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Unterm Rad: Erzählung (Gebundene Ausgabe)
Unterm Rad ist zunächst eine gemütliche kleine Erzählung aus dem bäuerlich-handwerklich geprägten Schwarzwald um die Jahrhundertwende. Es erzählt die Geschichte von Hans Giebenrath, dem besten Schüler eines beschaulichen Dorfes, der ob seiner Fähigkeiten im Lateinischen und Griechischem vor allem von den Lehrern und Gelehrten geachtet wird, jedoch vor geraumer Zeit den Kontakt zu Gleichaltrigen verloren hat. So viel Potential in ihm steckt, so wenig Zeit lässt ihm sein Umfeld für seine Kindheit. Er wird auf ein Landesinternat geschickt, die einzige Möglichkeit für ein Kind ohne reiches Elternhaus zu einer Gelehrtenfamilie, und während ich als Leser schon befürchtete einen Paukerroman in den Händen zu halten, dreht und windet Hesse den Erzähler zum Ankläger.

Zunächst die Anklage, weil Hans seine sechswöchigen Ferien nicht am Fluss beim Angeln verbringen kann, sondern genötigt wird Privatstunden beim Lehrer und Stadtpfarrer zu nehmen, die natürlich nur das Beste für ihn wollen. Dann wieder die homoerotische Beschreibung des Jungeninternats, letztendlich wieder das Handwerkerdorf. Ein Plot, der sich nie zu lange an einer Stelle aufhält sich agil windet und doch den roten Faden des Niedergangs eines überdurchschnittlich begabten Jungens nie aus den Augen verliert. Im Internet lernt Hans den jugendlichen Schöngeist und Außenseiter Hermann Heilner kennen und die doch schwüle Beschreibung ihres Verhältnisses ist natürlich nicht der einzige Hinweis auf ein gewisses Autobiographisches Element in diesem Charakter. Letztendlich wird Heilner aber von der Schule geworfen und Hans hat dort niemanden mehr. Was ihn am Ende genau unters Rad bringt - die Lehrer, Hermann Heilner, oder eine kurze Affäre mit dem Nachbarsbesuch Emma - es bleibt das Geheimnis dieser wundervollen Geschichte.

Es ist ein Anti-Bildungsroman, den uns Hesse hier mit einer erstaunlich engagierten Erzählweise präsentiert. In seinen Werken wimmelt es ohnehin von Stilformen des Bildungsromans - allerdings ist er immer dabei die klassischen Elemente der Belehrung zu durchbrechen und stattdessen den humanistischen Weltgeist in den Vordergrund zu stellen. So ist Hesse zurecht einer der meist gelesenen deutschen Autoren weltweit.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen an seiner Umgebung zerbrechen..., 7. April 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Unterm Rad: Erzählung (Taschenbuch)
Mir war die Geschichte noch aus dem Deutschunterricht in Erinnerung. Fast die einzige Pflichtlektüre, die ich in der Schule auch tatsächlich gelesen habe. Allerdings hatte ich schon so ziemlich alles wieder vergessen. Also musste ich mein Gedächtnis auffrischen. Und es hat sich gelohnt. An die Sprache musste ich mich beim Lesen zwar erst etwas gewöhnen - sie klingt doch sehr altbacken - aber die Geschichte ist es wert:
Hans Giebenrath verbringt seine Kindheit in einer Kleinstadt, in deren Schablone jeder Bewohner hineinzupassen hat, falls er nicht schief angesehen werden will. Auf finanziell schlechter gestellte wird herabgesehen, besser gestellte werden (mit heimlichem Neid) als „Protzen" beschimpft. Da man sich in diesem Städtchen aber doch ganz gerne mit Leuten schmückt, die es zu was gebracht haben („Einer von uns..."), und H.G. aufgrund seiner aus dieser Kleinstadtschablone herausragenden Begabung Anlass zu der Hoffnung gibt, er könne so ein Aushängeschild werden, wird alles zur „Förderung" seiner Fähigkeiten getan.
Und natürlich erwartet man von ihm die entsprechende Leistung. Das Landexamen soll er bestehen und es kommt gar nicht in die Tüte, dass er da durchfällt.
H.G. nimmt den Druck, der sich dadurch aufbaut, an und ist fest entschlossen, die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Es bleibt ihm keine Zeit, sich Gedanken zu machen, was er selbst von sich und dem Leben erwartet und wo er hin will.
Natürlich besteht er das Examen (obwohl er zwischendurch stark an sich zweifelt, als ein anderer Teilnehmer mit seinem Wissen umherprahlt). So kommt er auf die Klosterschule. Bei der Abreise ist er festentschlossen, auch hier der Beste zu werden. Nur einmal ganz kurz fragt er sich, warum. Leider ist dieser Gedanke nur flüchtig und die Frage bleibt unbeantwortet.
Auch in seiner neuen Umgebung begegnet H.G. wieder hohen Erwartungen an seine Leistungen und dran, sich in die bestehende Ordnung einzufügen. Er selbst ist zu schwach, um sich dagegen zu wehren. In Hermann Heilner begegnet er jedoch jemandem, der dazu in der Lage ist. Natürlich wird das bei den Lehrern nicht gerne gesehen. Auch die Freundschaft zwischen H.G. und H.H. wird missbilligt, denn dadurch verliert H.G. den ihm eingetrichterten Ehrgeiz. Einschneidend ist für H.G. die Flucht seines Freundes aus dem Seminar. Er fällt in ein seelisches Loch, denn sein Ehrgeiz ist verschwunden und alleine ist er nicht in der Lage dem Druck gegen ihn stand zu halten. Leistungsabfall und Konzentrationsstörungen, physische Schwäche folgen. Letztendlich entlässt man ihn aus dem Seminar und schickt ihn nach Hause.
H.G. ist auch eigentlich ganz froh darüber, doch kann er nicht so richtig glücklich sein, denn zu Hause wartet der sehr enttäuschte Vater. Mit seinem kleinen Geist in seiner kleinen Welt erkennt er natürlich nicht die gebrochene Seele seines Sohnes, Ärzte werden bemüht, die aber auch nichts ausrichten können. So schickt er ihn in eine Mechanikerlehre, damit er überhaupt noch irgendwas macht. Aber Hans fühlt sich als Versager und dieses Gefühl wird von seiner Umgebung noch bestärkt. Niemand macht den Versuch, ihm Verständnis entgegen zu bringen. Niemand macht sich die Mühe, einen Blick in seine Seele zu werfen. Aber was will man auch von einem Haufen Kleingeistern erwarten?
Eine Geschichte für alle Eltern und Lehrer, die sich nicht die Mühe machen, sich mit ihren Kindern und Schülern konstruktiv auseinander zu setzen und ihnen satt dessen ihre eigenen Vorstellungen aufdrücken und sie in eine Rolle drängen, die sie für sie vorgesehen haben. Fragt sich nur, ob die sich darin auch wiedererkennen würden...
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Unterm Rad: Erzählung
Unterm Rad: Erzählung von Hermann Hesse (Taschenbuch - 31. Mai 1972)
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