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am 8. Juli 2015
Georg Bertram geht es in seinem Buch um nichts Geringeres, als einen theoretischen Neuentwurf im Kontext ästhetischer Theorien. Er wendet sich vor allem gegen Kunsttheorien, die in 'einer zu einseitigen Weise die ästhetische Autonomie' (19) betonen.Seine Ausgangsfrage lautet demgegenüber: 'Wie kann man Kunst als autonom begreifen, ohne sie in ihrer Spezifik von der sonstigen menschlichen Praxis abzusondern?' (58) Bertram betrachtet Kunst als eine Praxis, für die ein Bezug auf andere Praktiken wesentlich ist. Kunstwerke, so sein Kredo, müssen daher 'im Rahmen der Praxis begriffen werden, in der sie stehen.' (15) Mit Martin Seel, dessen ästhetische Schriften bei ihm nur kurz und allzu kritisch Erwähnung finden, teilt er eine schriftstellerische Begabung, die das Lesen zu einem Vergnügen macht. Während Seel in seinen Schriften jedoch oft mit veranschaulichenden Beispielen hilft, entlässt Bertram den Lesenden so gut wie nie aus seinem abstrakten begrifflichen Gehäuse. Das mag vielleicht nicht jedem gefallen.

Das Buch besteht aus vier Kapiteln Im ersten nimmt sich Bertram mit Christoph Menke und Arthur Danto zwei Vertreter einer kontinentaleuropäisch und einer analytisch geprägten Ästhetik vor. Beide stehen seiner Meinung nach für das 'Autonomie-Paradigma', das sie mit vielen anderen Theoretikern der Ästhetik teilen. Wie Adorno u.a. gelingt es ihnen laut Bertram nicht, die Spezifik (Autonomie) der Kunst so zu erläutern, dass mit ihr auch der Wert der Kunst im Rahmen der menschlichen Lebensform deutlich wird: Während Menke den Zusammenhang von Kunst und sonstiger menschlicher Praxis in eine Metaphysik des Lebendigen aufhebt, situiert Danto Kunst allzu heterogen innerhalb der menschlichen Praxis und vermag ihren spezifischen Gehalt nicht mehr zu erklären. Bertram plädiert mit Heidegger dafür, einen Begriff von Kunstwerken zu entwickeln, der nicht mehr von ihnen als Gegenständen ausgeht. Stattdessen solle man von einer gegenstandsbezogenen Kunst weg zu einer 'konkreteren Bestimmung von Praktiken' kommen, 'die Rezipierende in Auseinandersetzung mit Kunstwerken ausführen. Anhand dieser Praktiken müsse verständlich werden, worin der Beitrag der Kunst zu sonstigen Praktiken liegt.' (51)

Im zweiten Kapitel geht Bertram auf die Positionen Kants und Hegels zurück. Mit ihrer Hilfe geht es ihm darum, ein Motiv des ästhetischen Denkens wiederzugewinnen, das systematisch aus dem Autonomie-Paradigma hinausführt. Der Wert der Kunst besteht laut Kant darin, dass Menschen in Auseinandersetzung mit schönen Gegenständen im freien Spiel ihr Erkenntnisfähigkeit reflektieren, allerdings nicht eine spezielle Form der Erkenntnis, sondern Erkenntnis im Allgemeinen. Das freie Spiel von Erkenntnisvermögen, so Kant, kann nicht unabhängig von Begriffen erfolgen; Hegel fügt hier hinzu, dass Begriffe ihre Bestimmtheit nur in historisch-kulturell gebundenen Praktiken erhalten. Im Unterschied zu Kant begreift er das reflexive Geschehen in der Kunst nicht als Resultat eines autonomen Spiels, sondern als eine in sittlichen Kontexten geführte Auseinandersetzung mit konkreten Kunstwerken. Letztlich leiden beide Ästhetiken jedoch laut Bertram daran, dass in ihnen ein theoretisches Verständnis von Kunst als Reflexion vorherrschend und nicht eine Reflexion als praktisches Geschehen.

Im dritten Kapitel entwickelt Bertram seinen Begriff von 'Kunst als einer reflexiven Praxis'. Dabei gibt er den letztlich aporetischen Versuch auf, die Spezifik der Kunst allein mit Blick auf Kunstwerke bestimmen zu wollen. Stattdessen richtet er den Blick auf den Zusammenhang von Kunstwerken und außerästhetischen Praktiken. Kunstwerke, so Bertram, sind in ihrer Selbstbezüglichkeit zwar autonom, das heißt aber nicht, dass die ästhetische Praxis von den übrigen Praktiken isoliert werden kann. Für Bertram liefert Kunst einen spezifischen Beitrag zur menschlichen Praxis, weil mittels ihrer Erkenntnis diese Praxis auf sinnlich-materiale Weise erweitert wird. In Auseinandersetzung mit Hegel und Nelson Goodman behauptet Bertram, 'dass Kunst zu einer Aushandlung von Praktiken beiträgt.' (98) Er spricht davon, dass Kunstwerke zu 'interpretativen Aktivitäten' herausfordern. Seine weiteren Fragen lauten: 'Worin also besteht der Zusammenhang zwischen interpretativen Aktivitäten in der Auseinandersetzung mit Kunstwerken und anderen Praktiken in der Welt?' (142) Inwieweit entfalten sie 'ihren imaginativen Charakter' (143), der zu einer Neuformation von Praktiken führen kann?

Im vierten Kapitel zeigt Bertram, inwieweit es sich bei der Kunst um eine normativ-evaluativ funktionierende Praxis handelt, die gelingen kann oder auch nicht. Kunst heißt für ihn also 'Aktivität der Neuaushandlung menschlicher Praxis.' (150) Dabei legt er Wert darauf, auf die ethische Bedeutung der interpretativen Aktivität des Rezipierenden hinzuweisen. Die Auseinandersetzung mit Kunstwerken hat so gesehen für ihn 'einen normativ-praktischen Charakter [...] im Rahmen umfassender Dispute, in denen die von Kunstwerken ausgehenden Herausforderungen diskutiert werden.' (191, 203) 'Kunstwerke leisten einen Beitrag zur Freiheit dadurch, dass sie menschliche Praktiken herausfordern. Sie werfen die Frage auf, welche Ausprägungen einzelne menschliche Praktiken haben sollen." (216) Am Ende vermag Bertram Spezifik und Wert der Kunst zusammenzuführen: Die Spezifik von Kunstwerken ist es, dass sie Teil dynamischer Interaktionen sind, mittels deren normativ-evaluativ Neuaushandlungen von Bestimmungen menschlicher Praxis angestoßen werden. Ihr Wert besteht darin, dass sie für die Aushandlung von Bestimmungen menschlicher Praktiken bereichernd sind.

Mich hat das Buch sehr beeindruckt.
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am 27. Juli 2014
Ein wichtiger Gedanke, dem in diesem Buch ausführlich nachgegangen wird, ist, dass wir die Frage "Was - das soll Kunst sein?" nicht gegen die Kunstobjekte richten, sondern mit ihnen, dass es also zur Kunst selbst gehört, dass sie sich selbst nach dem Charakterzug von Kunst befragt. Was macht Kunst aus, was ist das Besondere von Kunst, haben Kunstgegenständen besondere Eigenheiten, Eigenschaften, die sie zur Kunst machen oder erheben wir nur bestimmte Atefakte zur Kunst. Kann man sagen was Kunst von Nichtkunst unterscheidet? Gibt es Kriterien, allgemeingültiger "Natur", die darüber befinden was Kunst ausmacht, was steht im Zentrum, was ist der tiefste Bodensatz und Grund, dass es Kunst gibt und dass uns Kunst berührt und beschäftigt? Der Autor hat eine direkte Sprache, die weite theoretische Horizont eröffnet, ohne abstrak toder bloß intellektuell zu werden. Er geht konkret zur Sache. Sehr Anspruchsvoll und teilweise komplex, aber gleichzeitig immer einer Verständlichkeit und Klarheit verpflichtet. Super! (Persönlich würde ich, was die philosophische Position betrifft, wohl eher zu der ästhetischen Richtung gehören, die Bertram grundlegend kritisiert. Siehe sein Kapitel: Eine Kritik des Autonomie-Paradigmas)
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