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am 4. September 2011
Abseits aller Metaphysik versucht der amerikanische Philosoph John R. Searle nichts weniger, als die 'Ontologie der gesellschaftlichen Tatsachen' mit den klaren Mitteln der Sprachphilosophie zu beschreiben. Es gelingt und wäre Pflichtlektüre für alle politischen Programmatiker. Searle weist nach, daß politische Institutionen ihre Existenz vor allem performativen Sprechakten in Form von Deklarationen verdanken: 'Wir ernennen X zum Vorsitzenden'; Hiermit ist der Krieg erklärt'; Wir verurteilen Sie zu '' Damit verhält es sich ebenso wie mit der sonstigen 'Wirklichkeit', die für uns erst dadurch besteht, daß wir Objekten und Personen ihre Bedeutung in Sprechakten zuschreiben: 'Geld ist Geld, weil die Teilnehmer an der Institution es als Geld ansehen.'
Gesellschaftliche Tatsachen beruhen nach Searle auf einer 'kollektiven Intentionalität', indem wir uns denkend und sprechend auf Objekte und Vorgänge beziehen, gemäß unserer Absichten und Überzeugungen. Politische Tatsachen werden durch deklarative Sprechakte geschaffen, denen wir 'deontische Macht' beilegen, in der wir uns gesichert meinen. Allerdings sind ohne Sprache derlei Verpflichtungen nicht vorstellbar, während die Sprache selbst in sich eben nicht durch Deklarationen geschaffen ist.
Searle verteidigt den externen Realismus, der immer klarstellt, daß es eine von unseren Repräsentationen unabhängige Wirklichkeit gibt, eine Ansicht, die durch die idealistische Tradition immer wieder bezweifelt wird. Er stellt klar, daß ohne die Realität der uns umgebenden Welt auch die Realität einer sozialen Welt ohne Bestand wäre, da diese letztlich auf physischen Tatsachen beruht. Der Philosoph schließt so die Korrespondenztheorie der Wahrheit an: Wahre Aussagen sind über das, was wir Tatsachen nennen, möglich. Sobald wir sprechen, 'haben wir schon die Existenz der wirklichen Welt vorausgesetzt.'
Dennoch sind unsere zwar für ehern gehaltenen, aber lediglich deklarierten Institutionen sozusagen spirituell aufgeladene Gebilde, denen Geltung und Macht nur zukommt, solange wir den jeweiligen Zuschreibungen trauen. Werden sie unglaubwürdig, endet ihre Funktion und Tauglichkeit. Anhand der US-Hypothekenkrise analysiert Searle, auf welche Weise das System in Frage stehen kann. Politik sollte das wissen, insofern sie vor Unwägbarkeiten steht, mit denen sich Zuschreibungen schnell ändern und im Sprechakt ganz neue Vereinbarungen geschlossen werden.
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TOP 500 REZENSENTam 16. November 2013
John R. Searle, Professor für Philosophie an der University of California in Berkeley, beschäftigt sich mit Grundlagen der Sozialwissenschaften aus philosophischer Sicht. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist die Feststellung, dass einerseits die reale Welt so funktioniert, wie sie von den Naturwissenschaften beschrieben wird, es andererseits aber geistige bzw. gesellschaftliche Wirklichkeiten gibt, die nicht naturwissenschaftlich erklärbar sind. "Wie passt eine geistige Wirklichkeit, eine Welt des Bewusstseins, der Intentionalität und anderer geistiger Phänomene in eine Welt, die vollkommen aus physischen Teilchen in Kraftfeldern besteht?" (7)

Das Buch lässt sich, unabhängig von den Kapiteln, in vier Teile gliedern. Im ersten Teil geht es um die Frage, wie eine objektive gesellschaftliche Wirklichkeit konstruiert wird. Searle entwickelt eine allgemeine Theorie der Ontologie gesellschaftlicher Tatsachen und gesellschaftlicher Institutionen. Der Sprache kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Die Struktur menschlicher Institutionen ist eine Struktur konstitutiver Regeln. Kurioserweise sind uns diese Regeln nicht bewusst. Folgen wir den Regeln unbewusst? Die Antwort ist kompliziert, wie Searle im zweiten Teil des Buches deutlich macht, sie erinnert an eine evolutive Anpassung.

Autor Searle verteidigt im dritten Teil des Buches die Hypothese des externen Realismus. Darunter versteht er eine Wirklichkeit, die unabhängig von unseren Repräsentationen von ihr ist. Mit dieser Auffassung steht er prinzipiell im Einklang mit der Evolutionären Erkenntnistheorie und in Opposition zum Konstruktivismus. Er spricht von Konstruktion nur im Zusammenhang mit (beobachterabhängigen) sozialen Realitäten. Das Thema behandelt er auf ca. 50 Seiten, wohl wissend, dass eine ausführliche Diskussion Bücher füllen würde. Seine Theorie über das Soziale beruht auf dem externen Realismus. "Ich habe nicht bewiesen, dass der externe Realismus wahr ist. Ich habe versucht zu zeigen, dass er durch die Verwendung von sehr großen Teilen einer öffentlichen Sprache vorausgesetzt wird." (203)

Im vierten Teil des Buches rechtfertigt Searle eine bestimmte Version der Korrespondenztheorie als methodologisches Hilfsmittel für die Untersuchung gesellschaftlicher Tatsachen. Nach der Korrespondenztheorie der Wahrheit sind subjektive Aussagen genau dann wahr, wenn sie mit den Tatsachen in der objektiven Welt übereinstimmen. Searle diskutiert ausführlich Einwände gegen die Korrespondenztheorie und begründet seinen Standpunkt.

Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit" ist ein Buch für Fachleute. Es enthält keine populärwissenschaftliche Aufbereitung von Searles Theorie. Die Kenntnis von Fachbegriffen wird vorausgesetzt, sie werden nicht erklärt. Es handelt sich um ein Grundlagenwerk über Searles Theorien.
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am 13. Dezember 2012
Der Philosoph Searle versucht in dieser Abhandlung, neben dem knappen und einleitenden Entwurf einer allgemeinen Sozialontologie, besonders die Ontologie gesellschaftlich-institutioneller Tatsachen offenzulegen. Angefangen mit ontologischen Grundannahmen, die jedoch leider erst am Ende der Abhandlung ausgeführt, begründet und argumentativ untermauert werden, begibt er sich nach diesen Grundlegungen zur speziellen (sozialen) Ontologie. Nachdem er in dem Bereich der sozialen Ontologie ein begriffssystematisches Fundament sowie einige allgemeine Grundannahmen dargelegt hat, widmet er sich nun vornehmlich der institutionellen Wirklichkeit und versucht diese, ganz im Stile analytischer Philosophie, durch genaue und detaillierte Argumentationen sowie begriffliche Differenzierungen zu beschreiben. Hierbei sind seine Argumente im Großteil nachvollziehbar und in gewisser Weise plausibel.
Im letzten Drittel der Abhandlung legt Searle seine ontologischen Grundannahmen ("externer Realismus", wie er seine Position bezeichnet) dar, auf welche aufbauend er in den vorangegangenen Kapiteln seine soziale sowie institutionelle Ontologie aufbaute. Dabei verteidigt der Philosoph Searle eine Variante des Realismus und setzt sich mit möglichen Einwänden meist konstruktiv und auf argumentativ hohem Niveau auseinander. Aufbauend auf der Verteidigung dieser ontologischen Position, plädiert er nun für eine Korrespondenztheorie der Wahrheit, welche seiner Ansicht nicht nur kompatibel mit einem ontologischen Realismus ist, sondern diesen letztlich voraussetzt. Insgesamt sind die Argumentationen Searles in diesen beiden letzten Kapiteln nachvollziehbar und verständlich dargelegt, jedoch scheint es für die Rezeption des Textes sinnvoller, diese Überlegungen an den Anfang der Abhandlung zu stellen, da diese ontologisch-epistemologischen Grundpositionen Searles seine gesamten Gedanken zur gesellschaftlichen Wirklichkeit bestimmen und somit als Grundannahmen zu Beginn offen gelegt werden sollten, damit der Leser weiß, worauf und warum Searle sich gerade auf diese basalen Überzeugungen in seiner Argumentation stützt. Andernfalls tendiert der philosophisch spitzfindig-genaue Leser dazu, gewisse am Anfang vorgenommene Grundansichten der Sozialontologie sowie im weiteren Verlauf der Argumentation immer wieder auf ebendiese übergeordneten ontologischen oder epistemologischen Theorien aufbauenden Argumente nicht in Gänze nachvollziehen zu können. Neben dieser suboptimalen Textstrukturierung lassen sich gelegentlich, trotz der zumeist auf außerordentlich hohem argumentativ-philosophischem Niveau basierenden Darlegungen, Schwächen bezüglich argumentativer Klarheit und philosophisch-begrifflicher Strenge ausmachen. Non-argumentatives Desavouieren von alternativen Grundpositionen, begriffliche Unklarheiten sowie stellenweise zirkulär anmutende Argumentationen, welche auf nicht hinreichend begründeten Prämissen aufbauen, mindern das insgesamt hohe philosophische Niveau.
Trotz dieser relativierenden Komponente bleibt Searles ontologische Abhandlung, besonders aufgrund der argumentativen Stärken, erkenntniserweiternd und damit empfehlens- und lohnenswert zu lesen.
Die Sprache, derer er sich bedient, erscheint zuweilen unnötig verkompliziert und damit nicht immer sehr leserfreundlich. Besonders für philosophische Laien dürfte sowohl die Terminologie als auch der Sprachstil nicht ganz einfach zu lesen und auf Anhieb verständlich sein. Bei konzentrierter und genauer Lektüre sollte jedoch nicht nur der philosophisch erfahrene und geschulte Leser folgen und die Darlegungen Searles in ihrer intellektuell-philosophischen Gänze nachvollziehen können.
Insgesamt ist die Lektüre dieses Werkes aus soziologischem, philosophisch-ontologischem sowie sozialanthropologischem Interesse heraus empfehlenswert.
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