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am 7. Dezember 2011
Man sieht es dem Buch von außen nicht an ("Band 2" von "Studien": Zusammengesammeltes, so scheint es). Aber Nassehis Buch bringt die Diskussion um die Weiterentwicklung der Systemtheorie - und auch die inhaltlichen Fragen - einen Riesenschritt voran!

Sehr schön klar und jenseits etablierter Scheuklappen erklärt der in München lehrende Soziologe die Hauptstoßrichtung der theoretischen Ambition einer systemtheoretisch orientierten verstehenden Soziologie. Den Abstand von Parsons und Levi-Strauss, von Ansätzen, die von vermeintlich festliegenden Codes und Strukturen ausgehen, um auf der Grundlage die gesellschaftliche Empirie zu erklären. Dagegen Nassehi mit Luhmann: Vorgängig ist das empirisch fassbare Prozedere der gesellschaftlichen Kommunikation, die sich nur zum Teil an fertige Regeln hält, sondern Regeln vor allem von Moment zu Moment neu produziert. Diese Kombi aus Prozess und prozedural vermittelte Regelkonstruktion der Prozesse ist das, was die Soziologie empirisch fassen kann und muss.

Der zunächst für Soziologen, und daneben auch für Literaturwissenschaftler, wirklich bahnbrechende Vorstoß Nassehis besteht aber in den Kommentaren zum Verhältnis von Organisationen und sozialen Systemen und zur Exklusion und Inklusion von Personen. Der organisationssoziologische Ansatz betont insbesondere die These, dass Organisationen - anders als es ein gängiges Klischee behauptet - nicht einem einzigen sozialen Subsystem zuzuordnen sind. So als wäre ein Wirtschaftsuntnehmen rein wirtschaftlich oder eine Partei rein politisch. Das ist, so Nassehi, nicht nur empirisch leicht zu widerlegen. Nein, der Soziologe geht weiter: Organisationen sind, so die fruchtbare These, der Bereich, in dem die Perspektiven der verschiedenen sozialen Systeme auf engem Raum aufeinander treffen. Organisationen sind geradezu als der Raum zu fassen, in dem wirtschaftliche Entscheidungen (kaufen!) auf engste mit juristischen Entscheidungen (Kauf juristisch absichern!) und politischen Entscheidungen (flankierend zum Kauf bitte Lobbyarbeit in Berlin!) gekoppelt werden, ohne dass die jeweiligen Perspektiven (Rentabilität, Vermeidung eines Rechtsstreits, Beeinflussung politischer Entscheidungsträger) zu einer einzigen Perspektive verschmelzen würden.

Und hinsichtlich der sozial generierten Semantik von Individualität erinnern wir uns: Luhmanns Beitrag zum Thema bestand vor allem im Hinweis auf den Zusammenhang zwischen Individualitätssemantik und der Umstellung der Differenzierung von Schichten auf funktional orientierte Systeme. Das war nicht schlecht. Im Grunde aber nicht ganz so weit weg von Adornos Vorstellungen vom Zusammenhang von Individualitätsvorstellungen und Gesellschaftsstruktur im Ganzen. Beide bezogen die Konstruktion von Individualitätsvorstellungen nicht auf Einzelaspekt der Gesellschaft, sondern auf die Struktur der Gesellschaft insgesamt. Anders nun Nassehi, der das Thema der sozialen In- und Exklusion von Personen nicht direkt auf die funktionale Differenzierung bezieht (die hier vorausgesetzt wird), sondern deutlich trennschärfer mit Überlegungen zur Bedeutung von Organisationen innerhalb der modernen Gesellschaft in Beziehung setzt. Inkludiert ist man in soziale Subsysteme auch als jemand, der mit einigem Recht als "ausgeschlossen" registriert wird. Ein "Outlaw" steht nicht einfach neben dem Funktionssystem Recht, sondern erscheint aus spezifisch legaler Sicht als Person mit Rechten, die ihm aberkannt werden. Die spezifischen Aspekte des Ein- und Ausgeschlossensein von Personen treten erst zu Tage, wenn man organisationssoziologische Überlegungen mit berücksichtigt. Luhmannn hat diese Richtung vor allem in der posthum erschienenen Organisation und Entscheidung zwar vorbereitetet. Nassehi weist jedoch zu Recht darauf hin, dass auch in diesem eigens der Organisationstheorie gewidmeten Werk noch viele Fragen insbesondere zur Beziehung zwischen Organisation und Gesellschaft offen geblieben sind.

Nassehis Thesen sind zunächst natürlich soziologisch ambitioniert und interessant. Als Antwort auf zu kurz gegriffene Thesen über die vermeintliche Exklusion von Personen aus der Gesellschaft, eine Exklusion, die nicht zu sehen scheint, wie viel Inklusion auch die explizite Exklusion noch implizitert. Wichtig sind diese Überlegungen aber auch für Literaturwissenschaftler, die sich beispielsweise für die Stilisierung von Individualität in der Moderne interessieren. Für Phänomene wie die des Dandyismus, für die Semantik des Elitären, des Snobismus, der Avantgarde u.ä. Für diese Forschung bietet sich hier endlich ein Rahmen, der spezifische soziale Bezüge benennen kann, vor deren Hintergrund die Texte der Modernisten als ambivalenten Reflexion über Formen der Vergesellschaftung von Personen zu lesen sind: Die eigenwillige Pflege der Ambivalenz zwischen dem Ringen um soziale Partizipation und Distanz, die auf ganz unterschiedliche Weise von Wilde und Woolf, von Rilke und George, von Yeats und T. S. Eliot artikuliert und reflektiert wurde. Gerade für Literaturwissenschaftler, die textuelle Formen als Arbeit an der Semantik von Individualität deuten, ist Nassehis Buch ähnlich revolutionär wie der Durchbruch bei einem großen Tunnelbauprojekt. Hier eröffnen sich Perspektiven für einen engen und absehbar äußerst fruchtbaren Dialog zwischen Soziologie und Literatur- und Textwissenschaft.

Ein wichtiges Buch, das nebenbei bemerkt auch noch wirklich angenehm und flüssig zu lesen ist. Meine Hochachtung vor dem Autor! Und eine Empfehlung für alle, die sich für das Verhältnis von Personen, Organisationen und Gesellschaft interessieren.
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am 27. Dezember 2011
Vor dem Kauf dieses EBooks muss gewarnt werden. Es ist nicht zu gebrauchen. Es kostet einen Cent weniger als die gedruckte Fassung, hat dafür aber kein Inhaltsverzeichnis, kein Register. Man kann im Text nicht vernünftig navigieren. Das mag für einen Krimi ausreichen, nicht aber für ein wissenschaftliches Buch, in dem man eben nicht nur einfach linear "durchliest". Die vielen Verweise, die ein wissenschaftliches Werk enthält, sind doch gerade in einem elektronischen Text wunderbar umzusetzen. Es ist nicht zu verstehen, warum der Suhrkamp Verlag das derartig schlecht gemacht hat. Dann lieber gar nicht. Aber versuchen sie mal ein Ebook zurückzuschicken! Das ist nicht so einfach möglich wie bei einem gedruckten Buch. Da ist auch Amazon gefordert.
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