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Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne
Format: TaschenbuchÄndern
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131 von 132 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. Juli 2008
Ich bin selbst kein Sozialwissenschaftler und will nicht die fachliche Qualität des Buches bewerten. Persönlich hatte ich nach der Lektüre jedenfalls den Eindruck, ein paar Dinge klarer zu sehen.

Rosa geht in seinen Ausführungen immer wieder auf zwei Sachverhalte ein, die auf den ersten Blick paradox erscheinen. Das ist einmal der Befund, dass eine wachsende Zahl von Menschen die Wahrnehmung hat, über immer weniger Zeit zu verfügen, obwohl der technische Fortschritt zunehmende Möglichkeiten bietet, Prozesse verschiedenster Art in immer weniger Zeit abzuwickeln. Zum anderen ist es die Charakterisierung unserer gesellschaftlichen Entwicklung als "rasender Stillstand", ein Ausdruck, der allerdings nicht von Rosa, sondern von Paul Virilio bzw. seinen Übersetzern stammt.
Wer das Buch aufmerksam durchliest, dürfte am Ende wissen, wie sich diese Widersprüche erklären und wie sie miteinander zusammenhängen. Ein wenig Vorwissen sollte man allerdings schon mitbringen, wer beispielsweise mit den Namen Max Weber, Reinhart Koselleck oder Niklas Luhmann gar nichts verbindet, könnte irgendwann frustriert sein.

Bei mir persönlich haben vor allem zwei Erklärungsversuche zu Aha-Erlebnissen geführt. Einmal der so genannte kulturelle Motor der Beschleunigung des Lebenstempos als quasi "säkularer Ewigkeitsersatz", will sagen, dass die Menschen seit dem Verlust der Jenseitsgewissheit und des Ewigkeitsglaubens am Ende des Mittelalters in der Neuzeit und Moderne sich zunehmend darauf angewiesen sehen, ein erfülltes Leben in ihrer begrenzten Zeit im Diesseits zu realisieren und das am ehesten zu schaffen glauben, in dem sie in immer kürzerer Zeit immer mehr zu leisten und zu erleben versuchen: Beschleunigung gegen unendlich also - leider eine Falle...
Zum andern die These, dass Depressionen eine zunehmende individuelle Reaktion auf die soziale Beschleunigung darstellen, weil immer mehr Menschen das Gefühl haben, ihr Leben gleite ihnen von anonymen Kräften fremdbestimmt und ohne jedes erkennbare Ziel zunehmend aus der Hand während die Zunahme der Wahlmöglichkeiten bei immer ungewisseren Rahmenbedingungen sie überfordert oder gar lähmt...

Zu fragen bleibt natürlich auch bei dieser skeptischen Zeitdiagnose, ob die Sicht des Autors nicht zu pessimistisch ist, ob es sich bei den geschilderten Problemen nicht letztlich um Anpassungsschwierigkeiten in einer spezifischen Übergangsphase handelt, die sich irgendwann wieder einpendeln werden. Ob die Geschichte anstatt an ihr Ende zu kommen oder einem Abgrund entgegen zu steuern nicht letztlich doch immer wieder zu Kurskorrekturen in der Lage ist. Die Antworten darauf muss allerdings jede/r selbst finden.

Mein Fazit: eine lohnende Lektüre. Wer das Buch sorgfältig durcharbeitet, hat übrigens selbst schon einen Beitrag zur Entschleunigung geleistet - das dauert halt ein Weilchen, wenn man selbst kein Experte ist. Ich möchte aber Mut machen und behaupte: "So viel Zeit muss sein..."
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40 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. Januar 2011
Rosa beabsichtigt mit dieser Habilitationsschrift eine Rekonzeptualisierung der aktuellen Gesellschaftstheorie. Ausgehend von der Grundannahme, daß die Art und Weise unseres In-der-Welt-Seins in hohem Maße von den Zeitstrukturen der Gesellschaft abhängt, in der wir leben, stellt er die Hypothese auf, "daß die in der Moderne konstitutiv angelegte soziale Beschleunigung in der 'Spätmoderne' einen kritischen Punkt übersteigt, jenseits dessen sich der Anspruch auf gesellschaftliche Synchronisation und soziale Integration nicht mehr aufrechterhalten läßt." (S. 49/50)
Im Zentrum steht die Ambivalenz der Beschleunigung, die von Anfang an sowohl als 'Weg zum wahren Leben' als auch als 'allesverschlingender Abgrund' erfahren wurde.

Verbindendes und antreibendes Prinzip der vier bekannten Modernisierungstendenzen nebst ihrer Paradoxa ist die Beschleunigung: (1) Struktur (Differenzierung), Paradox: Desintegration; (2) Kultur (Rationalisierung), Paradox: Erosion der Sinnressourcen; (3) Persönlichkeit (Individualisierung), Paradox: Vermassung; (4) Naturverhältnisse (Domestizierung), Paradox: Ökokatastrophe.
Rosa beschreibt technische und soziale Beschleunigung sowie die Beschleunigung des Lebenstempos als einen "Akzelerationszirkel", einen sich selbst antreibenden Prozeß, der aber auch noch von externen Triebkräften angetrieben wird: Dem ökonomischen Motor (Geld = Zeit). Dem kulturellen Motor: Angst (den Anschluß zu verpassen) und der Verheißung (immerwährender Prosperität) - Geldvermögen als Kontingenzbewältiger und Beschleunigung als säkulares Äquivalent des 'ewigen Lebens'. Dem sozialstrukturellen Motor (Temporalisierung von Komplexität). Ganz besonders fungierten Nationalstaat und Militär als moderne Akzeleratoren.

Tiefgehende Analysen von Vormoderne, 'klassischer' Moderne und Spätmoderne zeigen einen Entwicklungstrend zu immer stärkerer Beschleunigung auf, der mit der Landkarte und der mechanischen Uhr begann und dessen gegenwärtiger Höhepunkt das Internet ist. In der 'klassischen' Moderne entwickelte sich eine lineare Zeitvorstellung. Geschichte ist ein verstehbarer, gestaltbarer und gerichteter Prozeß (Fortschrittsidee, Verzeitlichung der Geschichte). Es gibt die Perspektive einer stabilen, planbaren, selbstbestimmten und narrativ als Entwicklungsgeschichte angelegten Identität. (Verzeitlichung des Lebens) In der Spätmoderne geht bei hoher Wandlungsgeschwindigkeit der politische Richtungsindex verloren. Nur situative Politik ist noch möglich. (Entzeitlichung der Geschichte) Eine stabile Identität im Sinne eines "Lebensprojektes" wird preisgegeben. Nur situative Identität und Lebensführung bleiben möglich. (Entzeitlichung des Lebens)

Detailreich und anschaulich entwickelt Rosa die vielfältigen Desynchronisationsphänomene der Spätmoderne aus allen vier Modernisierungsperspektiven. Obwohl die technische Beschleunigung Zeit frei setzt, erfahren Individuen Zeitdruck aufgrund von 'Verpassensangst' und Anpassungszwang. Der 'Primat des Befristeten' und die exponentiell sich vermehrenden Optionen erlauben nur eine situative Identität, was einerseits zum Verzicht auf den Entwurf einer langfristigen Lebensplanung und zur Lebensstilfigur des 'zeitjonglierenden Spielers', andererseits zur Erfahrung des zeitlichen Stillstands, zu Fatalismus und massiven Depressionserkrankungen führt.
In der Moderne hat die Politik einen Gestaltungsauftrag. In der Spätmoderne schrumpft der Zeitraum für Entscheidungen, während die Zahl notwendiger Entscheidungen wächst. Alle Versuche, Entscheidungen in schnellere Systeme zu verlagern, verhindern nicht, daß Zeit- und Planungsbedarf pro Entscheidung und die Reichweite von Entscheidungswirkungen wachsen. Folge: Die Politik agiert nicht mehr, sie reagiert nur noch.

Der gleichzeitige Verlust einer referenzstiftenden Vergangenheit und einer sinnstiftenden Zukunft ist die Wurzel der kulturellen Krisenerfahrung. Der aufgeklärte Säkularismus mit seinem Doppelengagement für Selbstbestimmung und Großtechnologie verabschiedet sich vor unseren Augen in einer globalen Verwahrlosung. Die Dinge laufen jetzt, wie sie wollen. Rosa entwirft als wahrscheinlichstes Zukunftsszenario ein ungebremstes Weiterlaufen in den Abgrund mit nuklearen und klimatischen Katastrophen und einem Zusammenbruch der modernen Wert- und Sozialordnung.

Diese grundlegende Analyse unserer spätmodernen Gegenwartskultur ist eine gewaltige, ehrfurchtgebietende Leistung. Sie ist allgemeinverständlich und üppig mit veranschaulichenden Beispielen angereichert. Dem Werk ist die weiteste Verbreitung zu wünschen. Wären doch alle rein akademischen Arbeiten von dieser Qualität!
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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Es ist ein Modewort, zugegeben. Aber es ist auch ein Begriff, der die Lebenswirklichkeit von mehr und mehr Menschen zu treffen scheint: Entschleunigung! Denn obwohl wir in einer Welt leben, die durch mannigfache technische Innovationen unser aller Leben angenehmer und entspannter gestalten sollten, haben viele den genau entgegengesetzten Eindruck. Es scheint so, als ob uns immer weniger Zeit bliebe, die Herausforderungen des Alltags zu bewältigen. Handelt es sich hierbei lediglich um ein subjektives und nicht zu bestätigendes Gefühl, oder lassen sich in unserer Gesellschaft Strukturen entdecken, die dieses Phänomen erklären können? In seiner grundlegenden Habilitationsschrift "Beschleunigung - Die Veränderungen der Zeitstrukturen in der Moderne" beschäftigt sich der Soziologe Hartmut Rosa mit dieser Fragestellung und kommt zu Ergebnissen, die zentrale Strukturelemente unserer Gegenwart auf den Punkt bringen.

"Wir haben keine Zeit, obwohl wir sie im Überfluss gewinnen" (11) beschreibt Rosa den offensichtlich erscheinenden Widerspruch, dass uns trotz aller technischen Hilfsmittel zur Zeitersparnis, die Zeit immer schneller davon zu rennen scheint. Für Rosa stellt diese technische Beschleunigung aber nur einen, und bei weitem nicht den wichtigsten, Aspekt der Beschleunigung dar. Beschleunigung, so Rosa, stelle ein "Grundprinzip" (15) dar, welches sich auf drei Arten der Beschleunigung zurückführen lasse: "Sie haben es zum Ersten mit technischer Beschleunigung zu tun, die sich [...] abstraktlogisch betrachtet entschleunigend auf das Tempo des Lebens auswirken sollte. Tatsächlich stellt aber die Beschleunigung des Lebenstempos eine zweite, angesichts der technischen Beschleunigung paradoxe Form sozialer Akzeleration dar, die [...] möglicherweise mit einer dritten, analytisch unabhängigen Erscheinungsweise sozialer Beschleunigung zusammenhängt: mit der Beschleunigung der sozialen und kulturellen Veränderungsraten" (16).

Beschleunigung dürfe also nicht nur als ein lediglich technisches Phänomen verstanden werden, frei nach dem Motto: Da vom Auto bis zur Internetverbindung alles immer schneller wird, beschleunigt sich auch unser Leben, denn eigentlich sollte ja genau das Gegenteil der Fall sein. Rosa legt dar, dass die technische Beschleunigung nur die Voraussetzung "für die Vielfalt an sozialen Beschleunigungsprozessen [darstellt], welche jenen Veränderungen zugrunde liegen und heute vor allem unter dem Stichwort der Globalisierung diskutiert werden" (174).

Es bleibt die Frage, wodurch genau sich die soziale Beschleunigung, die unserer Moderne zugrunde liegt, auszeichnet. Rosas Definition verlangt einiges an geistiger Mühe, liefert aber ein messerscharfes Analyseschema zum Verständnis unserer Gegenwart: "Beschleunigung des sozialen Wandels lässt sich damit definieren als Steigerung der Verfallsraten von handlungsorientierenden Erfahrungen und Erwartungen und als Verkürzung der für die jeweiligen Funktions-, Wert- und Handlungssphären als Gegenwart zu bestimmenden Zeiträume" (133). Als Prozess der "Erlebnisverdichtung" (201) bezeichnet Rosa dieses Phänomen. Die Beschleunigung unseres Lebenstempos zeichnet sich demnach dadurch aus, dass die "Erlebnisepisoden pro Zeiteinheit" (ebd.) ständig zunehmen.

Dies habe nicht nur grundlegende Auswirkungen auf das Individuum, welches durch diese Entwicklung gnadenlos überfordert werde (Rosa zieht hier einen Zusammenhang zwischen Beschleunigung und zunehmenden Depressionserkrankungen, vgl. S. 43), sondern auch auf die Institutionen unserer Gesellschaft, die den Beschleunigungskräften der Moderne nicht mehr widerstehen können und somit zu "Beschleunigungshemmnissen" (157) werden, die drohen, ein Opfer dieses Prozesses zu werden.

Fazit: Den Prozess der Beschleunigung bewertet Rosa als mit das wichtigste zu bewältigende Problem für unsere Zukunft. Sein Fazit ist alles andere als optimistisch und entfaltet gerade deshalb eine besondere emotionale Überzeugungskraft: "Den Verlust der Fähigkeit, Bewegung und Beharrung zu balancieren, so steht zu vermuten, wird die moderne Gesellschaft schließlich mit der Erzeugung nuklearer oder klimatischer Katastrophen, mit sich rasend schnell ausbreitenden neuen Krankheiten oder neuen Formen des politischen Zusammenbruchs und der Eruption unkontrollierter Gewalt bezahlen, die uns besonders dort zu erwarten stehen, wo die von den Beschleunigungs- und Wachstumsprozessen ausgeschlossenen Massen sich gegen die Beschleunigungsgesellschaft zur Wehr setzen" (489).
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. Juni 2013
Das Buch ist im Grunde eine Habilitationsschrift und als solche natürlich sehr inhaltsträchtig. d.h., wer Zeit hat, sich intensiv mit einem Thema zu beschäftigen, der wird einen wahren Fundus an Wissen und Anregungen für sein eigenes Studium des Phänomens Beschleunigung vorfinden.
Ansonsten steht dieses Werk tatsächlich in der langen Tradition des Humboldtschen Bildungsideals. Diesem Ideal müssen die Vor- und Nachteile gleichermaßen zugeschrieben werden.

Die Vorteile aus meiner Sicht sind:
- sehr strukturierter Aufbau
- gute theoretische Fundierung
- hoher argumentativer Aufwand
- unglaubliche Informationsdichte
- viele Anregungen und Quellen zum Weiterforschen/Weiterstudieren

Die Nachteile:
- zum Teil muss der Kern des Pudels wirklich aktiv gesucht werden
- der Leser sollte einiges an sozialwissenschaftlichem Vorwissen mitbringen
- hoher Zeitaufwand beim Lesen (es ist nicht für zwischendurch gedacht)
- der Adressat des Buches ist wahrscheinlich im rein akademisch-sozialwissenschaftlichen Milieu zu finden, die Adressatenmenge ist sehr eingeschränkt und das obwohl das Phänomen Beschleunigung jeden Menschen betrifft

Fazit:
Es ist ein wirklich interessantes und lohnenswertes Buch, welches aber einem breiten Publikum vorenthalten bleiben wird, weil es sich an Akademiker mit Vorwissen richtet, die sich dieses Werk erarbeiten möchten. Die dort getroffenen Aussagen sind weder inhaltlich trivial noch einfach zu exzerpieren. Ich wünschte, die deutsche Bildungslandschaft und dabei spreche ich vor allem die deutschen Geisteswissenschaften an, würden sich an der angelsächsischen Tradition und den dortigen Autoren orientieren, die es trotz einer hohen Informationsdichte schaffen, verständlicher und damit insgesamt leserfreundlicher zu schreiben, deshalb leider nur vier Sterne.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. Februar 2012
Dieses kluge Buch hat Maßstäbe in meinem politik- und sozialwissenschaftlichen Studium gesetzt. Für mich ist es die Zeitdiagnose schlechthin.
Im Gespräch mit Freunden und Bekannten, im Arbeitsalltag, in beruflichen Zusammenhängen des Politikbetriebes, im Beobachten politischer Entwicklungen komme ich immer wieder auf Hartmut Rosa und die Argumentationsstränge aus seinem Beschleunigungs-Buch zurück; so vieles ist damit erklärbar.
Erwartungsvoll stimmt die Ankündigung einer "Soziologie der Weltbeziehungen" von Hartmut Rosa, für welches die Beschleunigungs-Theorie Grundlage sein soll.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Hartmut Rosa ist es gelungen, auf eine sehr elegante Weise ein hochinteressantes Thema, nämnlich die Zeit in der Moderne und Postmoderne, darzustellen.
Dabei gelingt es ihm, die Schriften bzw.Gedanken sowohl der Klassiker(Marx, Weber usw.), als auch die der moderneren Autoren (Luhman, Parsons usw. )darzustellen bzw. miteinzubeziehen.
Es ist eine äußerst interessante und scharfsinnige Analyse, die die vielen Facetten dieses wichtigen Themas (wenn nicht gar eines der wichtigesten Themen überhaupt) beleuchtet.Vieles mag ja schon vorher in Teilen dazu gesagt und geschrieben worden sein, aber Hartmut Rosas Kunst ist es, das ganze Material zusammenzufassen und strukturiert zu analysieren.
Als ehemaliger Soziologiestudent bin ich sehr erfreut darüber, daß es möglich ist, auch hochkomplexe Sachverhalte in einer angenehmen Sprache darzustellen. Man möge doch nur mal z.B. ein Buch von Luhmann! zu lesen versuchen, dann weiß jeder was ich damit meine. Hätte der doch nur etwas von Rosas Leserfreundlichkeit...
Kurz gesagt: wer über das Phänomen ZEIT in unserer hochkomplexen Zeit! nachdenken will, der ist mit diesem Buch bestens bedient, und dies auf einem sehr hohem Niveau, in einer sehr gut verständlichen und lesefreundlichen Sprache. Für die Lektüre und das Nachdenken braucht man bei diesem Buch tatsächlich Zeit, aber ist das etwa schlecht?
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 12. Januar 2014
Hartmut Rosa trifft in seiner umfassenden Abhandlung zu zeitsoziologischen Phänomenen den Nerv der Spätmoderne. Der "rasende Stillstand" ist eine treffende Beschreibung für jene Erscheinung, die als Ursache und Symptom zugleich die Gesellschaft des beginnenden dritten Jahrtausends so präzise beschreibt: Nichts hat Bestand, Planung wird immer schwieriger, Entscheidungen werden vielfach aus der Situation heraus getroffen. Wir verharren und erstarren im Moment. Wir sind Gefangene in von uns selbst geschaffenen Hamsterrädern, wir kämpfen uns bergwärts gegen immer schneller rutschende Abhänge voran. Wir bewegen uns immer schneller und kommen doch nicht vom Fleck. Das frustiert uns. Rosa geht sogar so weit, die Depression als "Zeitkrankheit" zu diagnostizieren, die sich in einem Gefühl des absoluten Stillstands äußert. Gleichzeitig werden aber auch Ansatzpunkte aufgezeigt, wie der sich teilweise selbst antreibende Beschleunigungszirkel von Außen beeinflusst werden kann: Glauben wir einfach nicht mehr daran, dass "Beschleunigung" die Verheißung für ein ein ewiges Leben bedeutet, indem wir möglichst viele Aktivitäten in möglichst kurzer Zeit unterbringen und die Ewigkeit im Moment suchen. Glauben wir nicht mehr daran, dass eine höhere Spezialisierung und Differenzierung in Hinsicht auf Tätigkeiten und Funktionen automatisch unser Leben verbessert. Glauben wir vielmehr daran, dass es unsere ureigene Aufgabe ist, einen Beitrag zur Verbesserung der Gesellschaft insgesamt zu leisten. Hartmut Rosa hilft uns mit seiner Diagnose, die Krankheit der Gesellschaft als unsere eigene zu erkennen und möglichst heute noch mit einer Therapie zu beginnen, indem wir unsere Einstellungen ändern...
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. Januar 2010
Ich bin durch eine Sendung in SWR 2 und durch einen Beitrag von Hartmut Rosa in der ZEIT auf ihn und das Thema Beschleunigung aufmerksam geworden. Wir alle kennen ja dieses diffuse Gefühl, dass uns trotz steigender Effizienz und rasanter "zeitsparender" technischer Innovationen, die Zeit davon rennt. Time Bandits, wo man hinschaut.

Also, habe ich mir das Buch gekauft. Aber ich muss sagen, dass es mich nicht wirklich überzeugt hat. Obwohl ich selbst eine sozialwissenschaftliche Ausbildung habe, habe ich keinen richtigen Zugang zum Text gefunden. Das mag daran liegen, dass ich natürlich nicht in der Thematik drin bin und auch die Moderne/Postmoderne-Debatte nicht richtig kenne. Schließlich ist das ein Kernstück des Buches.

Man muss aber auch berücksichtigen, dass es sich hierbei um die Habilitation von Hartmut Rosa handelt. Das heißt, das Buch hat seine eigene Mechanismen, die den Spielregeln wissenschaftlicher (Abschluss-)Arbeiten entsprechen: zu viele und zu lange Fußnoten, eine extrem umfangreiche Aufarbeitung der Literatur zum und um das Thema herum. Dies ist kein Buch, dass für den breiteren Markt geschrieben wurde. Es ist ein genuin wissenschaftliches Werk für ein wissenschaftliches (Fach-)Publikum. Das sollten interessierte Fachfremde wissen.

Mit Kritik sollte man immer vorsichtig sein, wenn man nicht im Thema drin ist. Aber ein wenig Kritik muss ich doch äußern. Auch wenn Hartmut Rosa argumentiert, dass das Thema "Beschleunigung" (technisch, sozial, lebensweltlich) empirisch schwer zu handhaben ist, hätte man sich doch einige mehr empirische Beispiele und Evidenzen gewünscht. so verbleibt das Buch - gut, es ist eine Habilitation - zu stark auf der theoretischen Ebene verhaftet. Darüber hinaus gibt es doch einige Redundanzen im Buch. Irgendwann hat man zum x-ten Mal von der Verzeitlichung der Zeit gelesen. Darüber hinaus zitiert Rosa phasenweise zu stark und zu umfangreich andere Autoren. Während und nach der Lektüre habe ich mich zeitweilig gefragt, ob ich nicht die oft zitierte empirische Studie von Robinson/Godbey eher zur Hand nehmen sollte.

Aber wie gesagt, ich bin zu wenig im Thema drin. Daher mein Fazit: Wenn das Thema interessiert und wer die Zähigkeit besitzt und die Zeit hat (da haben wir es wieder), sich durch diese umfangreiche Habilitation durchzuarbeiten, für den ist das Buch ein wirklicher Gewinn mit vielen wertvollen Gedanken.

Man stellt sich aber trotzdem die Frage, warum in den kontinental-europäischen Sozialwissenschaften extrem lange Sätze formuliert werden müssen, in denen man sich auch als geübter Leser leicht verliert. Warum nicht ein bisschen mehr angelsächsischer Pragmatismus in der Schreibe. Aber wahrscheinlich bin ich nicht geduldig genug für die Lektüre komplexer Sätze. Time Bandits halt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. Januar 2013
als Grundlage für die Weltbeziehungen absolut empfehlenswert; Durchdringt die problematik in beeindruckeder Weise; hat sehr viel Spaß gemacht es zu lesen und immer wieder Anknüpfungen im eigenen Arbeits- und Lebenszusammenhang zu finden
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Ein hervorragendes, einzigartiges Werk in einer (auch für einen Wirtschaftsingenieur) durchaus verständlichen Sprache. Das Buch sollte von jedem gelesen werden, der seine/unsere Zeit verstehen will. Es sollte Pflichtlektüre für jeden professionellen Gestalter (Manager, Politiker!) werden. Die Zeit als Kernproblem unserer Zeit... und der auf unsere Zeit folgenden Zukunft.

Solange eine Gesellschaft in der Lage ist, soziologische Gedanken und Analysen mit einem derartigen Scharfsinn und Tiefgang hervorzubringen, habe ich keine Sorge, dass sich die von Rosa dechiffrierte 'Zeitkrise' zu einer finalen Zeitkatastrophe auswachsen könnte. Ich bleibe nach der Lektüre optimistisch, aber nur wenn wir uns mit diesem Thema auseinandersetzen und es in unseren Alltag mit hinüber nehmen. Ökonomen empfehle ich, sich von Mathematik und Statistik zu lösen und sich mehr den Soziologen (z. B. Luhmann, Gross und Rosa) zuzuwenden.
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