wintersale15_finalsale Hier klicken Reduzierte Hörbücher zum Valentinstag Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More Einfach-Machen-Lassen Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip WSV

Kundenrezensionen

4,7 von 5 Sternen3
4,7 von 5 Sternen
5 Sterne
2
4 Sterne
1
3 Sterne
0
2 Sterne
0
1 Stern
0

Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel

Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 5. Januar 2012
Ich beziehe mich hier auf die noch nicht erweiterte Ausgabe von 2001. Das Buch besteht aus zwei unabhängigen Texten: aus einem am 9. September 2000 an der Universität Zürich hervorgegangenen Vortrag und einer Ausarbeitung der Christian-Wolf-Vorlesung, die Habermas am 28. Juni 2001 an der Universität Marburg gehalten hat. Nach Habermas drängen uns die neuen Bio-Technologien einen öffentlichen Diskurs "über das richtige Verständnis der kulturellen Lebensform als solcher auf. Und Philosophen haben keine guten Gründe mehr, diesen Streitgegenstand Biowissenschaftlern und Science-Fiction-begeisterten Ingenieuren zu überlassen" (33). Er sucht nach einem "minimalen gattungsethischen Selbstverständnis" (74), das ohne "die Errichtung künstlicher Tabuschranken, also eine Wiederverzauberung der inneren Natur" als Begründung gegen eine molekulargenetische Programmierung menschlicher Natur auskommt (49). Sein Kredo lautet, dass es aus der Sicht einer "gattungsethisch erweiterten Sorge um sich selbst", darum gehen muss, "unsere kommunikativ strukturierte Lebensform intakt zu halten" (122).

Auf der einen Seite sieht Habermas mit der "Moralisierung der menschlichen Natur" (46) die Gefahr eines "dumpfen antimodernistischen Widerstandes" verbunden; auf der anderen Seite möchte er jedoch der Verschmelzung der elterlichen Chromosomensätze ein gewisses Maß an Kontingenz und Naturwüchsigkeit" sichern (49). Auch wenn ein Embryo als vorpersonales Wesen laut Habermas keine Menschenwürde besitzt und damit den Status einer Rechtsperson nicht erreicht, so ist er dennoch insoweit "unverfügbar" (59), als er für eine "Technisierung der menschlichen Natur" (ebd., 46) nicht zur Verfügung stehen darf. In diesem Sinne spricht sich Habermas entschieden dagegen aus, durch "merkmalsverändernde gentechnische Eingriffe in den Modus unseres Lebens" einzugreifen (123).

Habermas ist davon überzeugt, dass es einen internen Zusammenhang zwischen einer Unverfügbarkeit der biologischen Grundlage personaler Identität und unserem Selbstverständnis als Gattungswesen gibt. Es besteht darin, "uns auch weiterhin als ungeteilte Autoren unserer Lebensgeschichte verstehen zu können und uns gegenseitig als autonom handelnde Personen anerkennen" zu können (49). Mit der "liberalen Eugenik" kommt es dagegen zu einer Entdifferenzierung von bisher selbstverständlichen kategorialen Unterscheidungen: zwischen "Subjektivem" und "Objektivem", zwischen "Naturwüchsigem" und "Gemachtem". Eine genetisch programmierte Person verbleibt in einer uneinholbaren Asymmetrie gegenüber ihren Erzeugern, auf die sie nur mit Ressentiment oder Fatalismus reagieren kann.

Habermas erweist sich auch hier wieder als ein Intellektueller im besten Sinne, der es versteht, sich stets auf's Neue zu zeitgeschichtlich relevanten Themen zu äußern - und zwar dann, wenn sich Wahrheiten öffentlich breit machen, die demokratische Grundlagen unserer Gesellschaft angreifen. Mit seinem Buch warnt er eindringlich vor dem Verlust individueller Freiheit durch die Möglichkeiten der Biomedizin. Er erteilt allen Fantasien von "Menschenzüchtung", wie sie "eine Hand voll ausgeflippter Intellektueller" (43) in Vorträgen und Artikeln damals medienwirksam propagierten, eine heftige Absage. Ihren Versuchen gegenüber, uns Mut zur Ausübung von Selektionsmacht einzuflüstern, indem sie den Unterschied zwischen "Erziehen" und "Züchten", "Heilen" und "Optimieren" einziehen, begegnet er zu Recht mit Verachtung.
0Kommentar5 von 7 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 11. Mai 2014
Habermas nimmt eine hohe Herausforderung an. Wie lassen sich die vorhandenen Philosophischen Ansätze z.B. von Sojrates, Kant Kierkegaard und weiteren gängig machen für eine moralische Grundlage des themas Eugenik. Bar jeglicher Naturwissenschaftlichkeit und ohne Berücksichtigung der heute so wichtigen wirtschafltichen Aspekte regt diese Buch auf jeden Fall zu Nachdenken und Überdenken an.
0Kommentar0 von 1 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 12. September 2003
Dieses Essay ist ein glänzendes Beispiel dafür, wie ein Intellektueller (siehe das Buch von Roland Baader „Totgedacht“) sich bemüht, uns allen die Zukunft zu verdunkeln. Schon und allein aus diesem Grunde verdient das Buch fünf Sterne. Der Text erhält keinerlei Tabelle, Formel oder graphische Darstellung und hat keinerlei Bezug zu aktueller Wissenschaft und ihren Möglichkeiten und Problemen. Dennoch glaubt der Verfasser, ohne irgendein spezielles fachliches Wissen über Genetik und Humangenetik, von einer erhabenen Position aus auf die menschlichen Ameisen herabblickend, Ihnen vordenken zu können, was sie zu tun und zu lassen haben. Seine Satzbildung ist relativ allgemeinverständlich. Der Text ist deshalb hervorragend geeignet für Theologen, Sozialpädagogen und ähnliche Leser, die in ihrem Berufsleben ohne Mathematik auskommen können und die sich um alles Sorge machen und am meisten um das, wovon sie am wenigsten verstehen. Sie werden nach dem Lesen ihre berechtigte Urangst, daß vielleicht doch der Übermensch und nicht der Mensch der Sinn der Erde sei, bestätigt bekommen haben. - Naturwissenschaftler und die Macher des wirtschaftlichen Lebens können den Text nach raschem Umblättern der Seiten weglegen bzw. ihrem Wahlkreisabgeordneten oder einem öffentlichen Bedenkenträger widmen. Ein weit besseres Buch für diesen Zweck und zu diesem Thema ist aber Steven Pinkers „Das unbeschriebene Blatt“.
66 Kommentare37 von 112 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden