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4.0 von 5 Sternen "Man lernt, um wieder verlernen zu müssen", 22. August 2010
Dieter Lenzen hat im Jahre 2001 das Manuskript aus dem Nachlass des 1998 verstorbenen Bielefelder Soziologen Niklas Luhmann unter dem Titel ,Das Erziehungssystem der Gesellschaft' veröffentlicht. Luhmann hatte in der letzten Dekade des zwanzigsten Jahrhunderts verschiedene Teilsysteme der Gesellschaft beschrieben und das Manuskript zum vorliegenden Werk fast vollendet.

Das Buch beginnt mit einem Rückblick auf die Antike, in der die Adelserziehung als Begleitung des Heranwachsenden aufgefasst wurde. Aufklärung und Neuhumanismus richteten dann das Augenmerk der Erziehung auf das Subjekt und den Menschen als Ganzes. Aus humanistischer Sicht soll ein Erziehungssystem für Kompatibilität von Mensch und Gesellschaft sorgen, zugleich aber auch eine Weiterentwicklung der Gesellschaft ermöglichen.

Ist der Mensch überhaupt erziehbar?

Um diese Frage beantworten zu können, beleuchtet Luhmann das Erziehungssystem aus verschiedenen Perspektiven.

Mensch und Person

Wenn man den Menschen als autopoietisches, d.h. selbstreproduzierendes, geschlossenes System betrachtet, übt er auf die Umwelt Einfluss aus und wird durch die Umwelt beeinflusst. Der Mensch besitzt die Fähigkeit zu vergessen, kann jedoch im Gegensatz zum Lernen das Vergessen nicht steuern. Ebenso wenig weiß er wie sein Gehirn arbeitet. Auch die Erziehung kann an dieser Tatsache nichts ändern. Ist der Mensch also nicht erziehbar?

Die Gesellschaft benötigt in der Kommunikation eine Form, die vom einzelnen Menschen abstrahiert. Hierfür wurde der Begriff Person eingeführt. Luhmann nennt drei Attribute der Person. Sie verfügt über ein Gedächtnis, ist motivierbar und erlaubt deshalb Rückschlüsse auf künftiges Handeln und sie besitzt "Doppelte Kontingenz", d.h. sie kann in einer konkreten Situation auch anders handeln. Obwohl Erziehung auf vorhersagbares Verhalten abzielt, sind Menschen eben keine trivialen Maschinen. Erziehung kann somit als Aufgabe betrachtet werden, aus Menschen Personen zu machen.

Erziehung und Selektion

Selektion ist eine zwangsläufige Folge des Erziehungssystems, wenn man den Erfolg der Erziehung mittels Noten und Prüfungen messbar machen will. Die Startbedingungen der Schüler sind unterschiedlich, aber das Erziehungssystem beruht auf der Gleichbehandlung der Teilnehmer, da nur so eine gerechte, vom Sozialstatus abgekoppelte Selektion gewährleistet ist: "Das Erziehungssystem behandelt also Ungleiches als gleich, um die daraus entstehenden Ungleichheiten sich selbst zuzurechen und mit den Mitteln seiner Selektionsverfahren markieren zu können".

Eine objektive Selektion darf nicht verlangt werden. Luhmann weist auf das Paradox hin, dass der Transparenz des Selektionsresultats - der Note - oft die Intransparenz des Selektionsvorgangs gegenübersteht.

Luhmann kritisiert das mangelnde Feedback der Gesellschaft: "Zwar gibt es Produkte in der Form von ausgebildeten Personen, Diplomen und Zensuren; aber es gibt keine Rückmeldung des gesellschaftlichen (oder auch nur marktmäßigen) Erfolgs dieser Produkte, so dass die Organisationen aus ihrem Ausstoß keine Informationen gewinnen können."

Medium und Form

Die Form ist die konkrete Ausgestaltung einer im Medium Form noch unbestimmten zukünftigen Form. Medium und Form werden gleichzeitig reproduziert. Kinder lernen so das Medium Sprache, indem sie konkrete Formen als Sätze bilden. Umgesetzt auf das Erziehungssystem stellt der Schüler das Medium dar, während die Erziehung die konkrete Form ist.

Erziehung produziert Wissen. Was aber ist Wissen?

Diese Frage lässt sich nicht leicht beantworten. Der so schwer definierbare Begriff "ist immer ein sozial validiertes Verhältnis von Organismus bzw. psychischem System und Umwelt" und kann deshalb nicht isoliert auf ein Individuum bezogen betrachtet werden. Wissen erzeugt Sicherheit und ermöglicht das Erkennen von Neuheiten. Das Erziehungssystem ist kein statisches System, sondern bedarf der Reformen, als Ersatz für Evolutionen. Schlagworte wie ,Lebenslanges lernen' verdeutlichen einerseits die Reformbereitschaft des Systems, bedeuten aber andererseits auch, dass in Zukunft das Lernen des Entscheidens gegenüber dem Lernen des Wissens an Bedeutung gewinnt. "Man lernt, um wieder verlernen zu müssen, wenn es auf Genauigkeit und Aktualität ankommt, und behält im übrigen ,Bildung' als Kondensat zurück. Hier zeigt sich auch der Vorteil des heute kaum noch angebotenen altsprachlichen Unterrichts. Bei Griechisch und Latein gibt es nichts zu verlernen; es genügt zu vergessen."

Handeln Lehrer und Schüler rational?

Im privaten Leben handeln wir nicht rational. Organisationen und Profession verlangen jedoch rationale Entscheidungen. Der Pädagoge besitzt durch seine Ausbildung Wissen, das aber in Praxis scheitern kann. Unterricht ist immer ein spontaner, offener Prozess und der routinierten Vorbereitung des Pädagogen steht die individuelle tagtägliche Situation im Klassenraum gegenüber. Schüler sind nun einmal keine Maschinen, die immer gleich reagieren. Sie nehmen wahr, dass sie wahrgenommen werden und können z.B. durch Stören auf sich aufmerksam machen. Unterschiedliche Schulformen verlangen auch unterschiedliche Talente des Pädagogen. In Elementarschulen wird professionelles Wissen, d.h. pädagogisches und dialektisches Geschick verlangt, während in Fachschulen die reine Wissensweitergabe im Vordergrund steht: "Es ist das fachliche, nicht so sehr das pädagogische Können, das dem Lehrer die Sicherheit gibt, etwas sagen zu können, wenn er vor der Klasse steht. In der Schul- und Hochschulhierarchie nimmt daher die professionelle Komponente von unten nach oben ab."
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5.0 von 5 Sternen sehr gut, 11. August 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Erziehungssystem der Gesellschaft (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
alles super. gerne wieder! klasse amazoner. soviel kann mensch ja gar nicht schreiben. ich finde diesen zwang doof und unnötig.
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Das Erziehungssystem der Gesellschaft (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
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