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4.0 von 5 Sternen Die moderne Gesellschaft hat ihre Religion noch nicht gefunden
Das Werk ,Die Religion der Gesellschaft' aus dem Nachlass des Bielefelder Soziologen Niklas Luhmann setzt die Reihe der gesellschaftskritischen Schriften einzelner Funktionsbereiche der Gesellschaft, wie z.B. Recht, Politik, Wissenschaft fort.

Woran erkennt man Religion? Diese Frage bildet den Ausgangspunkt von Luhmanns Überlegungen. Eine begriffliche...
Veröffentlicht am 28. Dezember 2009 von M. Thomas

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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Literaturstudium wie bei der Echternacher Springprozession: zwei Schritte vor, einer zurück
Das Buch wurde nach dem Tode Luhmanns (1927 - 1998) aufgrund eines umfangreichen Fragmentes zusammengestellt und herausgegeben. Basis sei, so die Notiz des Editors, ein Computerausdruck aus dem Jahr 1997. Das Sachregister wurde daher auch erst nach Luhmanns Tod erstellt.

Wie die meisten Publikationen Luhmanns ist auch dieses Buch für soziologische Laien...
Vor 20 Monaten von Kritischer Leser veröffentlicht


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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die moderne Gesellschaft hat ihre Religion noch nicht gefunden, 28. Dezember 2009
Das Werk ,Die Religion der Gesellschaft' aus dem Nachlass des Bielefelder Soziologen Niklas Luhmann setzt die Reihe der gesellschaftskritischen Schriften einzelner Funktionsbereiche der Gesellschaft, wie z.B. Recht, Politik, Wissenschaft fort.

Woran erkennt man Religion? Diese Frage bildet den Ausgangspunkt von Luhmanns Überlegungen. Eine begriffliche Abgrenzung aus ontologischer oder analytischer Sicht wird der Sache nicht gerecht. Dem phänomenologischen Ansatz fehlt der allgemeingültige Rahmen und fokussiert zu sehr auf den Menschen. Luhmanns Lösungsansatz ersetzt den Begriff Mensch durch den Begriff Kommunikation.

Sinn

"Sinn ist ... die Einheit der Differenz von Wirklichkeit (Aktualität) und Möglichkeit (Potenzialität) ... Sinn hat etwas ..., wenn im aktualen Erleben oder Kommunizieren ... auf andere Möglichkeiten verwiesen wird; und zwar so, dass ohne diese Verweisung auch die Aktualität als sinnhafte Aktualität gar nicht möglich wäre." Sinn ist negierbar, man bezeichnet dies als paradox. Deshalb ist der Tod auch nicht sinnlos, sondern eine Form des Mediums Sinn. Paradoxie ist aber kein Hindernis für Kommunikation. Auf die Religion bezogen folgert Luhmann: "Es gibt keinen Sinn, dem Existenz (z.B. Gott) als notwendiges Prädikat zukäme." Religion hat aber auch nichts mit Sinnkrise zu tun, und es geht ihr nicht darum, ein Bedürfnis zu befriedigen oder Sorgen und Unsicherheit zu kompensieren. Sie bietet auch keine Lösung von Problemen, welche die Logik nicht lösen kann. "Religion hat es nach all dem mit Sinnproblemen als Paradoxieentfaltungsproblemen zu tun."

Gott

Da eine Antwort auf die Sinnfrage schwerfällt, folgt Luhmann der Spur nach dem ,wer' oder ,was' der Religion. Obwohl die Weltreligionen sehr unterschiedlich sind, verfolgen die bedeutendsten unter ihnen doch ein gemeinsames Ziel: die Erlösung. Viele Religionen kennen einen oder mehrere Götter, denen Geister und Heilige zur Seite stehen. Der Vergleich mit einer Königsherrschaft und Adelsgemeinschaft drängt sich auf.

In sozialen Systemen unterscheidet man zwischen Selbstreferenz (System) und Fremdreferenz (Umwelt). Ein Beobachter kann sich entweder im System selbst oder in der Umwelt befinden. In der Religion ist Gott der allmächtige Beobachter: "Sobald man annimmt, dass Gott alles beobachtet und er sich deshalb von allem unterscheiden muss, kann er in oder auch an der Welt nicht beobachtet werden; an Weltlichem kann man nicht unterscheiden, ob Gott existiert oder nicht. Die Gottesbeweise geraten in Widerspruch zu dem, was sie beweisen wollen."

Wenn Gott alles sieht und lenkt, dann fällt ihm auch eine moralische Verantwortung zu. Luhmann hält es andererseits für pervers, dass es einem allmächtigen Gott gefallen könnte, "wenn ihm die moralischen Defekte seiner Schöpfung in der Form von Beichten immer und immer wieder vor Augen geführt werden". Religion und Moral bildeten über Jahrhunderte eine Allianz. Die Religion behielt sich aber immer ein differenziertes Urteil der weltlichen Moral und eine endgültige Entscheidung im Jüngsten Gericht vor.

Gläubig schreiben Gott unendliches Wissen zu, während Menschen nur über gegrenztes Wissen verfügen. Luhmann sieht darin aber keinen Nachteil, da Systemanpassungen immer nur temporärer Natur sind und keine "tiefenschärfere Bestandsaufnahme der Welt" erfordern.

Codierung

"Ein Code ist eine Leitunterscheidung, mit der ein System sich selbst und sein eigenes Wertverhältnis identifiziert", schreibt Luhmann. Die Religion bedient sich - wie andere System auch - eines binären Codes (gut/böse, wahr/falsch, sakral/profan, transzendent/immanent). Ein Kanon legt den positiven Wert fest. Die Transzendenz (Gott) erscheint geheimnisvoll, zuweilen paradox, will geliebt und gefürchtet werden. In Jesus überschreitet Gott die Grenze zwischen Transzendenz (Jenseits) und Immanenz (reale Welt). Kants säkularisierte Transzendentalphilosophie und der deutsche Idealismus führten zu "peinlichen Tendenzen zur Vergötterung des Subjekts" mit der Folge einer "Realitätsverdopplung" des Individuums (Immanenz und Transzendenz).

Funktion der Religion

Religion wird heute von den anderen Funktionen der Gesellschaft nicht mehr als Vermittler benötigt. Kann man deshalb von einem Funktionsverlust reden? Luhmann verneint die Frage; er spricht von einer Umgestaltung der Funktion. Das "Erscheinungsbild religiöser Phänomene (ist) in den letzten Jahrzehnten vielfältiger, ja bunter geworden". Während sich Religion aus Funktionen wie Politik (Religionskrieg, Missionierung) zurückzieht, erobern sich Meditationstechniken und Buddhismus neue Refugien.

Religiöse Kommunikation

Die Entwicklung religiöser Kommunikation kann als historischer Prozess verstanden werden, der bei gleichen Ausgangsbedingungen zu gleichen Resultaten führt. Luhmann bevorzugt aber die Evolutionstheorie, mit Variation (in Form von Kommunikation), Selektion (Ja/Nein Entscheidung) und Restabilisierung. Die Entwicklung der Schrift förderte die Kommunikation, indem Abwesende einbezogen und Ablehnungen begünstigte werden. "Aber nicht nur die Menschen schreiben, auch Götter führen Buch" oder diktieren Propheten. Spannungsgeladen ist das Verhältnis einer sich rasch ändernden Umwelt, die auf eine starre kirchliche Dogmatik trifft.

Säkularisation

Trotz der zunehmenden Verweltlichung der modernen Gesellschaft hat Religion nicht an Bedeutung verloren. Menschen lassen sich jedoch nicht mehr ein religiöses Weltbild überstülpen, sondern wählen aus der Vielfalt die Puzzleteile aus, die sie überzeugen. Die Gesellschaft weist bei der Einbeziehung von Individuen in Funktionssysteme (Inklusion) große Freiheitsgrade aufweist, beim Ausschluss aus der Gesellschaft dagegen wirkt jedes Defizit verstärkend: Beispiel: ein erfolgreicher Arzt kann wahlweise Mitglied in verschiedenen Vereinen sein, während für einen Obdachlosen alle Tore verschlossen bleiben. Die Religion als Sammelbecken auch für Ausgestoßene bildet hier eine Ausnahme. Ein Anzeichen dafür, dass die moderne Gesellschaft ,ihre' Religion noch nicht gefunden hat, ist die Variationsvielfalt, die von fernöstlicher Meditation bis hin zum islamischen Fundamentalismus reicht. Die Säkularisierung bereitet den Boden vor.

Selbstbeschreibung

Zur Religion gehört ein inneres Ergriffensein (Heiliger Geist) gehört ebenso, wie das zelebrieren von Riten, Gesängen und wiederholten Handlungen. Sie unterstützt die Distanzierung zur Gesellschaft bzw. die Erlösung von der Gesellschaft durch ihre Heilsbotschaft und das Versprechen eines Lebenssinns. Die Aufklärung hat Zweifel an den Tatsachen der Heiligen Schrift geweckt: "Für die Religion hat das die Konsequenz, dass der Offenbarungsglaube jetzt im Individuum selbst verankert werden muss".

Allen Religionen gemeinsam ist die Codierung, Funktion und Abgrenzung gegenüber nichtreligiöser Kommunikation. "Kommunikation verunsichert zunächst, und schon die Entscheidung zur Teilnahme erzeugt Verletzbarkeit". Doch gibt es nach Luhmann keine Alternative zu dem Sicheinlassen auf Zuhören, Verstehen, und Offenheit.
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3.0 von 5 Sternen Literaturstudium wie bei der Echternacher Springprozession: zwei Schritte vor, einer zurück, 25. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Religion der Gesellschaft (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Das Buch wurde nach dem Tode Luhmanns (1927 - 1998) aufgrund eines umfangreichen Fragmentes zusammengestellt und herausgegeben. Basis sei, so die Notiz des Editors, ein Computerausdruck aus dem Jahr 1997. Das Sachregister wurde daher auch erst nach Luhmanns Tod erstellt.

Wie die meisten Publikationen Luhmanns ist auch dieses Buch für soziologische Laien keine leichte Kost. Die Antwort auf die Frage, was Religion sei, lautet daher im Soziologensprech: (S. 309) Religion ist „ein autonomes, strukturdeterminiertes, autopoietisches System“; und: (S. 320) „Alle Versuche das Wesen der Religion objektiv zu bestimmen, können als gescheitert gelten.“ Religionen wird deshalb von Luhmann auch nicht untersucht aufgrund ihrer Inhalte. Religion ist für Luhmann eines von vielen Funktionssysteme einer Gesellschaft, die (S. 316) „unter enorm gesteigerten Komplexitätsdruck“ geraten sind. Luhmanns Religionssoziologie (S. 14) „behandelt Religionen als soziale Tatsachen oder soziale Formen mit dem Anspruch, eine nicht religiöse Beschreibung liefern zu können.“ Der Wahrheitsgehalt einer Religion ist also nicht entscheidend, sondern allein der Umstand, dass Menschen daran glauben, macht Religion zu einer sozialen Tatsache. Daher ist (S. 44) „Soziologie und nicht Psychologie oder Anthropologie die eigentlich zuständige Religionswissenschaft.“

Soziale Systeme, und damit auch Religionen, sind eigentlich Kommunikationssysteme. Denn (S. 168) „Kommunikation ist die einzige Form, in der Gesellschaft sich realisieren kann.“ Wobei bei der religiösen Kommunikation eine (S. 58) „Realitätsverdoppelung“ derart stattfindet, dass Dingen oder Ereignissen aus der Umwelt eine besondere Bedeutung zugeschrieben wird. Deshalb ist der Religionscode (Luhmann arbeitet mit zweiwertigen „Codes“): Immanenz und Transzendenz. Religion als „autopoietisches System“ (ein System, das sich durch Kommunikation immer wieder selbst reproduziert) braucht Kriterien für die Zugehörigkeit und den Ausschluss von Menschen. Dogmen und Glaubensätze übernehmen diese Aufgabe. Religion überführt die prinzipielle Unbestimmbarkeit der Welt in Bestimmbarkeit, (S. 147) „unendliche Informationslasten“ werden in „endliche Informationslasten“ übergeführt. Gott ist aus dieser Sicht für Luhmann eine „Kontingenzformel“. Mit ihr könne man andere Möglichkeiten unterdrücken. Neben der Kontingenzformel Gott für die (christliche) Religion gibt es z.B. für das Rechtssystem die Gerechtigkeit, für das Wirtschaftssystem die Knappheit oder für die Politik die Legitimität.

Ein bedeutsamer Unterschied heutiger Religionssysteme zur denen vor einigen Jahrhunderten sieht Luhmann darin, dass man heute nicht mehr Mitglied des Funktionssystems Religion sein muss, um an anderen Funktionssystemen der Gesellschaft teilzunehmen. (S. 305) „Die Exklusion aus der Religion schließt nicht, wie noch im Mittelalter, aus der Gesellschaft aus.“

Neben knochentrockener Argumentation, der man teilweise nur mit großer Lesekonzentration folgen kann, gibt es auch Andeutungen von Ironie und vielleicht sogar Humor. Beispiele: (S. 264) „Man kann die Einführung der Moral als Werk des Teufels ansehen und entsprechend die Hölle als durchgeführte Moral.“ (S. 176) „Erstaunen mag die Perversität des Priesterglaubens, dass es Gott besonders gefalle, wenn ihm die moralischen Defekte seiner Schöpfung in Form von Beichten immer und immer wieder vor Augen geführt werden.“ (S. 291) „Nicht jeder sorgt sich um sein Seelenheil, und jedenfalls ist das Seelenheil kein Menschenrecht.“

Zu seinem Lieblingsthema Kommunikation meint Luhmann zum Schluss (S. 356): „Im Sicheinlassen auf Kommunikation wird Zuhören und Verstehen zugemutet und auch Offenheit für Annahmen oder Ablehnen des Sinnvorschlages. Kommunikation erzeugt Verletzbarkeit.“ Der Leser wird vielleicht bei der Lektüre nicht verletzt werden, an der einen oder anderen Stelle ob der umständlichen oft Substantiv strotzenden Formulierungen etwas frustriert sein. Das Studium von Luhmanns Büchern, so auch dieses, gleicht einer Echternacher Springprozession: zwei Schritte vor, einer zurück.
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3.0 von 5 Sternen Fürs Studium!, 4. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Religion der Gesellschaft (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Ich musste es vom Studium aus lesen. Da es ein Manuskript ist, das nach Luhmanns Tod veröffentlicht wurde, liest es sich leider stellenweise redundant. Aber trotzdem empfehlenswert.
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Die Religion der Gesellschaft (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
Die Religion der Gesellschaft (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) von Niklas Luhmann (Taschenbuch - 27. Mai 2002)
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