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53 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auch eine Studie über die menschliche Natur, 22. Dezember 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Formen des Religiösen in der Gegenwart (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Der Text ist eine dreiteilige Vorlesungsreihe. Sie bezieht sich auf: William James: "Die Vielfalt der religiösen Erfahrung. Eine Studie über die menschliche Natur". Dieses Buch war 1901 erschienen.
Das Buch von Taylor ist aber auch gut verstehbar und interessant zu lesen, wenn man die Vorlage nicht kennt.
James hatte 1901 definiert, dass Religion ein individuelles Gefühl, Handlungen und Erfahrungen sind, von denen der Gläubige annimmt, dass sie sich auf eine Beziehung zu Gott beziehen. James lehnte Kirchen ab. Sie seien Religion aus zweiter Hand. Religion liege im Erleben, nicht in Theorien. Er argumentierte individualistisch.
Taylor ordnet die Definitionen und Ansichten von James geistesgeschichtlich ein, damit hilft er dem Leser, auch seine eigenen Ansichten kulturell einzuordnen und zu erkennen, wie zeitbedingt und regional sie sind.
Taylor erkennt bei James eine Entwertung des Rituals. Rituale seien anmaßend, weil man Gott für steuerbar halte. Diese Ansicht ist nach Taylor eine Folge der Reformation.
Die Trennung von Staat und Kirche macht Taylor für die religiöse Individualisierung verantwortlich. Heute liege der Nachdruck auf der inneren Verpflichtung. Er nennt das "Ethik des Glaubens".
Taylor verbessert James, insofern er überzeugt ist, dass ein religiöses Leben nicht auf ein gemeinschaftliches Erleben und formulierte Inhalte auskomme.
In Anlehnung an James listet Taylor psychologische Ursachen für Glauben auf: Die Melancholie, die Menschen die Welt als bedeutungslos empfinden lässt, die Angst und das Gefühl, Schuldbeladen zu sein. Taylor geht davon aus, dass heute die HEmmschwelle hoch sei, religiös zu sein, weil man sich dabei selbst als irrational empfindet. Andereseits vermutet er in den MEnschen ein Bedürfnis nach Religiösem.
Als moderne aber schon bei James erwähnte Tendenz des Religiösen scheint Taylor die "Ethik der Autentizität, die Aufforderung, einen eigenen, religiösen, individuellen Weg zu finden.
Das rezensierte Buch lehnt Religion nicht ab, ist aber aus keiner missionarischen oder frommen Perspektive verfasst. Es ist eine wissenschaftlich-philosophische Schrift, die man auch als Atheist oder Agnostiker mit Gewinn lesen kann - Geisteshaltungen, für die Taylor Verständnis hat.
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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Man kann sich nur durch Leidenschaft mit Gott verbinden., 20. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Formen des Religiösen in der Gegenwart (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Charles Taylor (geboren 1931 in Montreal) ist ein kanadischer Politikwissenschaftler und Philosoph. Er lehrte an verschiedenen Universitäten, derzeit lehrt er an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Themen mit denen Taylor sich beschäftigt liegen in folgenden Bereichen: Moralphilosophie, Identität, Individualität, Gemeinschaft, Multikulturelle Gesellschaft, Werte- und Sinnbestimmungen. Als praktizierender Katholik wendet er sich zwar gegen die Vorherrschaft einer einzigen Religion, plädiert jedoch für einen christliches Humanismus, wonach der Mensch nach einem sinnvollen Leben streben soll. Seine Weltanschauung ist die des Kommunitarismus: Das Individuum trägt gegenüber seiner Umgebung Verantwortung; die soziale Rolle der Familie wird darin betont.

In diesem Buch setzt sich Taylor mit dem religiösen Werk von William James Die Vielfalt religiöser Erfahrung: Eine Studie über die menschliche Natur (insel taschenbuch) (1902) auseinander. William James (1842-1910) war ein US-amerikanischer Psychologe und Philosoph. Er gilt als Begründer des Faches Psychologie in den USA sowie als Mitbegründer der Denkrichtung des "Pragmatismus".

Taylor analysiert das Werk von William James, transponiert einige Erkenntnisse in die Gegenwart und übt an manchen Stellen aber auch Kritik an seinem Denken. Zum Beispiel kommt die Vorstellung eines kollektiven religiösen Lebens in James Werk gar nicht erst vor. James geht in seinem Werk nur auf individuelle Beziehungen, die zu Gott und zu einer Religion möglich sind, ein.

Einige Schriftsteller wie Tolstoi und Baudelaire werden herangezogen, um zu zeigen wie sich Religion negativ oder positiv auswirken kann. Religion beinhaltet auch immer die Frage nach dem Bösen. Baudelaire ästhetisiert das Böse um damit nicht wirklich in Berührung zu kommen. Heute tendiert man eher zu einem radikalen, gewalttätigen Moralismus oder man flüchtet sich ins Nichts. Der Begriff der „Melancholie“ gilt als negativer Begriff insofern, als melancholische religiöse Menschen, wie Tolstoi einer war, mit dem Verlust von Bedeutung zu kämpfen haben. Bedeutung und Sinn zu verlieren gilt aber als Sünde und das führt dann ins Problematische. Einen einfachen Ausweg aus diesen negativen Begleiterscheinungen von Religion findet der Mensch heute im Agnostizismus, das heißt, man glaubt zwar nicht an Gott oder an religiöse Erscheinungsformen, aber man lehnt sich auch nicht dagegen auf, nach dem Motto: möglich wäre es, aber ich beschäftige mich nicht damit, weil das nicht zu beweisen ist. Für James und Taylor kommt der Glaube vor dem Beweis und nicht umgekehrt. Der Mensch muss zuerst Gott lieben, um ihn zu erkennen und nicht erst seine Existenz bewiesen haben, um ihn überhaupt lieben zu können.
Um zu Glauben muss sich der Mensch außerdem zunächst öffnen, eine gewisse innere Bereitschaft mitbringen können. Im Grunde befindet sich der Mensch heute in einer Zwickmühle, denn einerseits spürt jeder ungläubige Atheist, dass es irgendetwas über der reinen Materie und Endlichkeit gibt und geben muss, andererseits spürt auch der Gläubige, dass sein Glauben womöglich eine reine Einbildung ist, die nichts mit der Realität zu tun hat. Das Bedürfnis nach Sinn und Bedeutung des eigenen Lebens ist streng mit Glaubenseinstellungen und Glaubensfragen verbunden und auch unerlässlich für unser Leben. Intuition und Gefühl bestimmen viel mehr unser Denken, als die reine Rationalität, deshalb plädiert Taylor, wie auch James sich in religiösen Fragen und im Glauben nach dem Gefühl zu richten und nicht so sehr nach institutionalisierten Glaubenssätzen.
Heute ist bei vielen die Tendenz zur Vermischung der Religionen ersichtlich: Buddhistische Elemente werden mit christlichem Glauben in Einklang gebracht.

Fazit: Das Individuum, der Mensch wird erst dann religiös, wenn er seine Gefühle und Leidenschaften für Gott zulässt. Jede Objektivierung und Institutionalisierung von Religion - die nichts anderes als den Versuch bedeutet, Gefühle religiöser Menschen jedem zugänglich zu machen - schwächt die Religion.

Sätze aus dem Buch:

Die Religion hat also ihren wirklichen Ort in der individuellen Erfahrung und nicht im körperschaftlich verfassten Leben. Das ist der eine Aspekt der Jamesianischen These. Der andere Aspekt besagt, der wirkliche Ort der Religion liege in der Erfahrung, das heißt im Erleben, und nicht in den Formulierungen, mit denen die Menschen ihre Gefühle definieren, rechtfertigen, rationalisieren (alle Prozeduren, die natürlich oft in den Händen der Kirchen liegen).

Denn "verglichen mit dieser Welt lebendiger individualistischer Gefühle ist die Welt allgemeiner Gegenstände, die der Verstand betrachtet, ohne Substanz bzw. Lebendigkeit".

Der Rationalismus liefert nur für einen Teil unseres geistigen Lebens eine Erklärung, und noch dazu eine, die "relativ oberflächlich ist".
"Zweifellos ist er der Teil, der das Prestige hat, denn er verfügt über Beredsamkeit, er kann von Ihnen Beweise fordern und Logik handhaben und Sie mit Worten niederringen. Aber trotz allem wird er nicht in der Lage sein, Sie zu überzeugen oder zu bekehren, wenn Ihre dunklen Intuitionen sich seinen Schlussfolgerungen widersetzen. Wenn Sie überhaupt Intuitionen haben, dann kommen diese aus einer Schicht Ihres Wesens, die tiefer liegt als die geschwätzige Schicht, die der Rationalismus bewohnt. Ihr gesamtes unterbewusstes Leben, Ihre Antriebe, Ihr Glauben, Ihre Bedürfnisse, Ihre Ahnungen haben die Prämissen vorbereitet, deren Ergebnis Ihr Bewusstsein nun zu fühlen bekommt; und etwas in Ihnen weiß absolut, dass dieses Ergebnis wahrer sein muss als irgendeine logisch gliedernde, scharfsinnige rationalistische Rede, wie klug auch immer sie jenem widersprechen mag."

"Man hat keine Zeit mehr, sich darum (um die Religion) zu kümmern, es gibt zu viel Arbeit. Man braucht Geld, Komfort, alles das, alle stürzen sich darauf, und der Rest - was soll’s!"
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Die Formen des Religiösen in der Gegenwart (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
Die Formen des Religiösen in der Gegenwart (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) von Charles Taylor (Taschenbuch - 15. Dezember 2001)
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