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55 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Wille zum Wissen ist der Wille zur Macht
Diskurs, Wille zum Wissen, Macht: Rund um diese Begriffe dreht sich nahezu das gesamte Denken Michel Foucaults. Doch was verbirgt sich hinter diesen Bezeichnungen, mit denen Foucault so unterschiedliche Themengebiete wie Kliniken, Psychiatrien, Gefängnisse oder eben Sexualität analysiert? "Der Wille zum Wissen - Sexualität und Wahrheit" ist eines der...
Veröffentlicht am 1. September 2008 von Michael Dienstbier

versus
6 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen äX
Das Manko dieser Ausgabe ist wohl, dass Suhrkamp aus "ökologisch-nachhaltigen" oder ökonomisch vorteilhaften Gründen den Satzspiegel geändert und so die Seitenzahlen enorm reduziert hat. Das heißt für alle Zitierenden, man wird es sich wohl kaufen müssen und alte Quellenangaben funktionieren nicht mehr. Anstrengend bei so einem...
Veröffentlicht am 6. Januar 2010 von das


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55 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Wille zum Wissen ist der Wille zur Macht, 1. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Sexualität und Wahrheit: Erster Band: Der Wille zum Wissen (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Diskurs, Wille zum Wissen, Macht: Rund um diese Begriffe dreht sich nahezu das gesamte Denken Michel Foucaults. Doch was verbirgt sich hinter diesen Bezeichnungen, mit denen Foucault so unterschiedliche Themengebiete wie Kliniken, Psychiatrien, Gefängnisse oder eben Sexualität analysiert? "Der Wille zum Wissen - Sexualität und Wahrheit" ist eines der zentralen Werke Foucaults, da er hier näher auf seine Terminologie eingeht, um sie dann direkt auf den von ihm untersuchten Gegenstand anzuwenden.

Was will Foucault? Ihm geht es mitnichten darum, die diversen von Menschen benutzten Sexualpraktiken darzustellen. Foucault untersucht vielmehr, welche Normalitäten von Sexualität im Laufe der Geschichte konstruiert wurden, wie sich diese Normen in gesellschaftlichen Institutionen manifestierten, wie man Menschen behandelte, die sich außerhalb dieser Norm bewegten und wie dieses konstruierte Wissen der Norm Grundvoraussetzung für die Ausübung von Macht ist: "Daher wird es darauf ankommen, zu wissen, in welchen Formen, durch welche Kanäle und entlang welcher Kanäle die Macht es schafft, bis in die winzigsten und individuellsten Verhaltensweisen vorzudringen, welche Wege es ihr erlauben, die seltenen und unscheinbaren Formen der Lust zu erreichen, und auf welche Weise sie die alltägliche Lust durchdringt und kontrolliert [...] kurz, man muß die polymorphen Techniken der Macht erforschen" (19).

Foucaults These ist, dass der Sex in den vergangenen 200 Jahren nicht unterdrückt und zum Schweigen gebracht wurde. Genau das Gegenteil sei der Fall: "Die modernen Gesellschaften zeichnen sich nicht dadurch aus, daß sie den Sex ins Dunkel verbannen, sondern daß sie unabhängig von ihm sprechen und ihn als das Geheimnis geltend machen" (40). Laut Foucault gibt es ein grundlegendes Dispositiv, auf dem die Konstruktion der sexuellen Norm, also der Wahrheiten über den Sex, basiert: Das Geständnis: "Das Geständnis war und ist bis heute die allgemeine Matrix, die die Produktion des wahren Diskurses über den Sex beherrscht" (66). Lange Zeit war das Geständnis an die Institution der Kirche und dort ganz konkret in die Praxis der Beichte eingebaut. Seit dem 19. Jahrhundert veränderten sich die Beichtpraktiken. Nun spielte sich das Geständnis auch auf anderen gesellschaftlichen Ebenen, zwischen Eltern und Kindern oder Psychiater und Patient, ab. Gerade der letzte Punkt ist von entscheidender Bedeutung. Im 19. Jahrhundert begann man, Abweichungen von der Norm zu pathologisieren, also zu einer Krankheit zu erklären. Das so produzierte Wissen über den Sex manifestierte sich in den Institutionen der Klinik und der Psychiatrie, wo die Normabweichler interniert wurden. An diesem Beispiel sieht man genau, wie der Wille zum Wissen mit dem Willen zur Macht zusammenhängt. Durch das im 19. Jahrhundert konstruierte Wissen, dass Homosexualität eine Normabweichung darstelle und diese zeitgleich pathologisierte, gewann man Macht über die Menschen. Man erklärte sie zu Kranken, zu einer Gefahr für die Gesellschaft und nahm ihnen die Freiheit in extra für diesen Zweck geschaffenen Institutionen.

Doch die Frage bleibt: Was genau ist diese Macht? Wodurch zeichnet sie sich aus? "[D]ie Macht ist nicht eine Institution, ist nicht eine Struktur, ist nicht eine Mächtigkeit einiger Mächtigen. Die Macht ist der Name, den man einer komplexen strategischen Situation in einer Gesellschaft gibt" (94). Die Macht ist allgegenwärtig, die durchdringt alle Institutionen und alle zwischenmenschlichen Beziehungen. So bald wir den Mund aufmachen, befinden wir uns in den Fängen der Macht: "Nicht weil sie alles umfasst, sondern weil sie von überall kommt, ist die Macht überall" (ebd.).

Konkret weist Foucault der Macht folgende Eigenschaften zu. Sie ist, erstens, immanent, dass heißt, sie bildet nicht den Überbau von gesellschaftlichen Prozessen, sondern formiert sich aus diesen heraus. Sie kommt, zweitens, von unten, was bedeutet, dass es die klassische Unterteilung in Herrschende und Beherrschte nicht mehr gibt: "Man muß eher davon ausgehen, daß die vielfältigen Kraftverhältnisse sich in den Produktionsapparaten, in den Familien, in den einzelnen Gruppen und Institutionen ausbilden und auswirken" (95). Sie ist, drittens, intentional, das heißt, dass die Macht sich nicht "ohne eine Reihe von Absichten und Zielsetzungen entfaltet" (ebd.). Das bedeutet aber nicht, dass irgendeine Gruppe eine bewusste Entscheidung trifft, um die Macht zu steuern. Sie ist anonym und die, die sie steuern, sind sich dessen oftmals nicht bewusst. Und sie ist, viertens, relational, das heißt, dass, wo es Macht gibt, es auch Widerstand geben muss. Dieser Widerstand ist jedoch Bestandteil der Macht und geht aus ihr selbst heraus. Es ist schlichtweg unmöglich, sich außerhalb der Macht zu bewegen. Die Matrix lässt grüßen...

Foucault lehnt die Metaerzählung der Aufklärung strikt ab. Für ihn ist das Leben kein stetiger Fortschritt. Das Individuum und die Vernunft haben keinerlei schaffenden Kräfte. Der Mensch ist umgeben von allgegenwärtigen Machtrelationen, die unser Handeln und Denken steuern, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Das geniale an der Macht ist, dass sie uns überzeugt, freie Individuen zu sein, die ihr Leben selbst bestimmt führen können und auch in der Lage sind, Widerstand zu leisten. Alles Illusion, so Foucault. Die Macht steuert die Produktion von Wahrheiten und Normen, an denen wir unser Leben ausrichten, ohne uns dessen bewusst zu sein. Für einen freien Willen bleibt da kein Platz.

Fazit: Düster-faszinierende Analyse der gesellschaftlichen Prozesse, die unsere Wahrheiten und Normen produzieren. Foucault ist einer der einflussreichsten Vertreter der Poststrukturalisten überhaupt. Ihm geht es nicht primär um eine Analyse des Wissens in einer Gesellschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt. Vielmehr analysiert er die Grundbedingungen und Kräfte, die es uns erst ermöglichen, ein bestimmtes Wissen zu produzieren oder eben auch nicht. Sein Buch fasziniert bis heute und hat nichts von seiner Aktualität verloren.
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80 von 93 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Etwas andere Geschichte der Sexualität, 1. September 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Sexualität und Wahrheit: Erster Band: Der Wille zum Wissen (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Nicht wir unterdrücken Sex, sondern der Sex unterdrückt uns - das ist, auf den Punkt gebracht, die These dieses Büchleins. Was erst wie eine theoretische Spielerei anmutet, wird von Foucault umfassend untermauert. Statt einer "ars erotica", einer Liebeskunst vergleichbar dem Kamasutra, habe das christliche Abendland eine "Scientia sexualis" hervorgebracht, eine Wissenschaft, die Sex untersucht, hinterfragt, und die uns dazu bringt, Sex hinter allem und jedem zu vermuten. Nur ein Viktorianer, so Foucault, kommt auf die Idee, die Frage "Was bin ich?" an seine Sexualität zu richten. Zur Zeit der gestrengen Königin, als sogar nackte Stuhlbeine verkleidet wurden, war der Sex nicht verbannt, sondern im Gegenteil überall präsent. Die Psychoanalyse stellt aus diesem Blickwinkel nur den Gipfel jener Prüderie dar, die hinter allem Unausgesprochenen Sex vermutet. Foucault unternimmt einen Streifzug durch die bürgerliche Geschichte und zeigt dabei, wie Erziehung, Psychiatrie und Selbstbilder immer mehr durch Sex dominiert werden. Außerdem stellt er Beziehungen zu Formen der Machtausübung dar. Das Buch will sicher provozieren, und es enthält, wie der Umfang schon vermuten läßt, eher Denkanstöße als detaillierte historische Untersuchungen. Man kann es auch als Reaktion auf die in weiten Teilen gescheiterte '68er Revolte, an der Foucault sich aktiv beteiligt hatte, lesen: Die freie Sexualität hatte offenbar zur Freiheit nicht gereicht. Man muß der Grundaussage nicht zustimmen, um viele Beobachtungen Foucaults bemerkenswert klug zu finden. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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49 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein unentbehrlicher Klassiker der Sexualitaetsgeschichte, 12. Januar 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Sexualität und Wahrheit: Erster Band: Der Wille zum Wissen (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Michel Foucaults Einfluss auf die Geschichtswissenschaft (und andere Geisteswissenschaften ebenso) des spaeten 20. Jahrhunderts ist unverkennbar. "Der Wille zum Wissen" ist der erste Band des (dreibaendigen) Werkes "Sexualitaet und Wahrheit" (die anderen Baende, "Der Gebrauch der Lueste" und "Die Sorge um sich", sind ebenfalls bei Suhrkamp erschienen). Foucault unternimmt hier den Versuch, die Geschichte der Auffassungen von Sexualitaet seit dem 18. Jahrhundert neu zu schreiben. Seiner Meinung nach fand nicht, wie man im allgemeinen annimmt, eine immer staerker werdende Verdraengung von Sexualitaet statt, sondern Sexualitaet stand zunehmend im Zentrum von wissenschaftlichen und anderen Auseinandersetzungen. Das unablaessige Sprechen ueber und Kategorisieren von Sexualitaet ist ihm Hinweis auf diese Entwicklung. "Sexualitaet und Wahrheit" steht somit in enger Verbindung zu Foucaults frueheren Arbeiten, wie z. B. "UEberwachen und Strafen". Ein wenig problematisch ist die UEbersetzung, die, wie die UEbersetzer auch selbst anmerken, viele Bedeutungsnuancen des franzoesischen Originals nur bedingt wiedergeben kann. Dennoch ist es dringend zu empfehlen fuer alle, die sich fuer Geschichte der Sexualitaet oder einfach nur Mentalitaetsgeschichte interessieren. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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27 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Homo sexualis und Bio-Politik, 1. Juni 2006
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Sexualität und Wahrheit: Erster Band: Der Wille zum Wissen (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
"Dispositiv" heisst nach Foucault eine Diskursformation, in der Macht, Recht und Wahrheit verknüpft und Praktiken institutionalisiert sind, die menschliches Begehren und gesellschaftliche Not befriedigen. Foucaults zentrales Interesse gilt dem Sexualitätsdispositiv. Er analysiert den Weg, uns als Wesen mit einer Sexualität zu verstehen und zu definieren, uns auf unsere Neigungen und Lüste hin zu kontrollieren, Verhaltensweise zu isolieren, zu klassifizieren und zu problematisieren: Homosexualität, Masochismus, Masturbation. Schlussendlich bleibt die Frage, wie wir dazu gebracht werden, unserer Lust ein System und eine Norm zu geben. Die Lust wird, und das ist die zentrale Leistung eines Dispositivs, nicht unterdrückt, sondern gestaltet. Das Sexualitätsdispositiv entwickelte sich, weil der Sex gleichzeitig den Zugang zum individuellen Körper und zur Bevölkerung ermöglicht, weil über die Erzeugung und Organisation einer Sexualität wirksam das Leben auf ökonomische Zwänge hin gestaltet werden konnte. Damit sind Individuation und Sozialisation konvergent.

Im letzten Kapitel seines Werkes nähert sich Michel Foucault dem Recht über den Tod und der Macht zum Leben. Aus historischem Blickwinkel entwickelt er den Versuch, moderne Bio-Macht als Ergebnis der absoluten souveränen Macht, dem Recht über den Tod, zu definieren. Denn Macht ist nicht etwas, was man erwirbt, wegnimmt, teilt, was man bewahrt oder verliert; Macht ist etwas, was sich von unzähligen Punkten aus und im Spiel ungleicher und beweglicher Beziehungen vollzieht. Für Foucault hat Macht keine Substanz, sondern wird als eine Kraft begriffen, die durch die Subjekte wirkt und Effekte in der Gesellschaft bewirkt. Bis zum 18. Jahrhundert hatte sich der Begriff Macht im Sinne einer Erzwingungschance auf den Staat bezogen (Machiavelli, Hobbes, Kant). Foucault aber sieht den Staat nur als einen Punkt im Netz der Machtbeziehungen, nicht aber als Quelle der Macht, denn diese hat für ihn keine Lokalisation, sondern konstituiert sich in Form eines komplexen Netzes von Strategien und Taktiken in der Multiplikation von Einzelstrategien. In Form zahlreicher Beispiele werden die Thesen des Autors transparent. Dieses Werk ist ein Begleiter von Giorgio Agamben Buch "HOMO SACER". Agamben entwickelt mit und um Foucault eine Zusammenführung der Verhaltensweisen und Bestimmungen von vogelfrei (Sacer) und souverän, welche letztendlich in die Idee der Bio-Politik aufgehen konnte. Das ursprünglich nackte Leben ist in beiden Werken über die Berührung mit der Wahrheit auf den Punkt gebracht.

Foucault ist viel beachteter Philosoph. Sein zu früher Tod hat manchen Gedanken offen lassen müssen.
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5.0 von 5 Sternen Sexualität und Wahrheit, 21. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sexualität und Wahrheit: Erster Band: Der Wille zum Wissen (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Foucault hat sich immer für die Macht interessiert und was sie aus den Menschen macht. Der Akt der Subjektivierung ist ein Akt der Macht. Foucault hinterfragt die Vorstellung der Moderne von Sexualität. Er will mittels seiner historischen Analyse beweisen, dass die Vorstellungen von Sex und Sexualität nicht einer repressiven Machttechnologie entsprungen waren, sondern, dass der Mensch, wie der Titel es schon ankündigt einen Willen zum Wissen über den Sex durch Diskurse generiert hatte. Und diese Generierung kommt nicht von irgendwo her. Sie hat ihre lokalen Erzeugungspunkte, die Foucault anhand der Orte festmacht, an denen zu einem gewissen Zeitpunkt in der Geschichte postprägende Aussagen zu dem Thema Sex gemacht worden sind. Dabei gibt es Brüche im Denken der Menschen an historischen Orten zu einer Zeit. Das was die Griechen und Römer nach als Ausdruck einer Körperkunst gelebt hatten - in Form einer "ars erotica" (Foucault:75) - wurde im Abendland zu einer "scentia sexualis" - und damit zu einer regulativen Institution, die uns allen sagt, wie wir Sex zu machen haben bzw. was unter einer Sexualität zu verstehen ist. Einen Bruch im Denken der Menschen datiert Foucault in das MA und benennt eine neue "Ermittlungsmethode", die uns bis in die neue Zeit begleiten wird - das Geständnis. Wer schon mal auf der Couch gesessen hat oder ein Bewerbungsgespräch oder Assessmentcenter durchlebt hat, der musste versuchen sich im Gespräch zu offenbaren. Das ist die Funktion des Geständnisses. Menschen wollen von Menschen etwas wissen. Sie wollen wissen - ob wir in unseren Einstellungen und einem daraus prognostizierten Verhalten einer kulturellen Strategie entsprechen. Die zwei Fragen sind dann: Wer schätzt mich ein und wie und welche Konsequenzen hat dies für meine zukünftige Handlungsfreiheit?
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5.0 von 5 Sternen kompakt, 10. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sexualität und Wahrheit: Erster Band: Der Wille zum Wissen (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
für foucault-einsteiger zu empfehlen. es war in der bibo lange vergriffen und für mich hat es sich gelohnt es hier zu erwerben!
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3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein viel diskutiertes Tabu, 2. April 2008
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Sexualität und Wahrheit: Erster Band: Der Wille zum Wissen (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
In Sexualität und Wahrheit analysiert Foucault, wie die Macht der Gesellschaft unsere Vorstellung von Sexualität bestimmt. Die abendländische Kultur und insbesondere das Christentum haben den Sex durch Beichte, Geständnis und Kontrolle gezähmt. Das Problematische daran ist nicht, dass Sex zum Tabu geworden wäre - das ist nur ein Teil der Wahrheit, denn Sexualität wurde und wird stark thematisiert: in der Kirche durch die Beichte, in der Schule durch Verbote, in der Politik durch Heiratskontrollen und in den Jugendrebellionen durch den ständigen Ruf nach Freiheit. Das Problem ist, dass wir gar nicht merken, wie stark unsere Vorstellung von Sex, davon, was „normal“ und „pervers“ ist, durch genau diese Diskurse bestimmt wird, in denen sich die Machtstrukturen unserer Gesellschaft entfalten. Gibt es einen Ausweg? Möglicherweise ja, meint Foucault: Philosophie und Gesellschaftstheorie müssen sich auf die Antike besinnen, als sich die Menschen als freie Subjekte entwarfen, die sich ihre Auffassung von Sexualität selbst gaben. Was immer man von dieser Rückbesinnung halten mag - Foucaults Werk ist zweifellos ein Klassiker des postmodernen Denkens.
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6 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen äX, 6. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Sexualität und Wahrheit: Erster Band: Der Wille zum Wissen (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Das Manko dieser Ausgabe ist wohl, dass Suhrkamp aus "ökologisch-nachhaltigen" oder ökonomisch vorteilhaften Gründen den Satzspiegel geändert und so die Seitenzahlen enorm reduziert hat. Das heißt für alle Zitierenden, man wird es sich wohl kaufen müssen und alte Quellenangaben funktionieren nicht mehr. Anstrengend bei so einem Standartwerk.
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3 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wider die Repression, 28. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Sexualität und Wahrheit: Erster Band: Der Wille zum Wissen (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Michel Foucault ist einer der bedeutendsten Denker Europas. Er analysierte Zeit seines Lebens Macht und prägte Begriffe wie Regierung, Herrschaft und Gouvernementalität. Seine Machtanalyse in diesem Buch widerlegt die Repressionshypothese, welche besagt, Macht sei hierarchisch und wirke unterdrückend.
Mit Hilfe der Geschichte der Sexualität zeigt er auf, dass Macht vielmehr folgende Eigenschaften besitzt:
- kommt von unten
- ist produktiv und nicht repressiv
- ist ein Verhältnis
- wird nicht besessen/ ist nicht subjektbezogen
- ist intentional
- es gibt kein "außen" der Macht.
Er zeigt weiterhin den Zusammenhang von Wissen und Macht auf, der weitergeht als die Floskel "Wissen ist Macht". Denn:
"Der Wille zum Wissen ist der Wille zur Macht."
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12 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Pansexualismus, 11. Mai 2004
Rezension bezieht sich auf: Sexualität und Wahrheit: Erster Band: Der Wille zum Wissen (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
ist zwar das letzte große Wort dieses Bandes, aber macht ihn nicht aus. Foucault ist der wohl meißtgemiedene, am stärksten gefürchtete Querdenker seiner Fachbereiche.
Ich bezweifel das dieses Buch zum Verständinis angelegt ist, weder zum sofortigen noch zum späteren. Wer behauptet es verstanden zu haben ist schlicht ein Lügner.
Es ist auch nicht genial, sondern Foucaults erstes Brainstorming zum Thema, das er im zweiten Band nocheinmal sorgfältiger vorbereitet.
Ich bezweifel auch, dass Foucault eine Intention verfolgt hat, weder eine Meinung zu verstärken, Toleranz zu fördern, noch einen Lebensstil zu rechtfertigen.
Er dringt vielmehr in ein neues Gebiet vor, das er sich von anderen, die es laut ihm evtl. besser wissen, erforscht zu wissen wünscht.
Und das ist ihm gelungen. Er hat eine Diskussion losgetreten (keine Lawine, spontan fällt mir nur Judith Butler ein), die dieses Embryo gebärt. Seine Fehler beseitigt und mit diesem Rohstoff etwas schafft, das fernab jeder bisherigen Disziplin ist. Sei es Psychologie, Geschichtswissenschaft oder Sexualwissenschaft.
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