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Soziale Systeme: Grundriß einer allgemeinen Theorie (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
Format: TaschenbuchÄndern
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35 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Sinn ist überall in der Welt. Die Gesellschaft besteht aus Kommunikation, nicht aus Menschen. Ziel der Kommunikation ist nicht Konsens, sondern Fortsetzung der Kommunikation. Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme ist nicht nur abstrakt, sondern wirkt auf den ersten Blick auch recht exotisch. Seine Thesen waren eine Provokation für die traditionelle Soziologie - und Anstoß für weitere Forschungen auf den unterschiedlichsten Gebieten. "Soziale Systeme", die Grundlage von Luhmanns Systemtheorie, ist eine Herausforderung für mutige Leser, die sich von hochtheoretischen Texten nicht abschrecken lassen. Wer das Buch nicht gleich nach den ersten Abschnitten wieder zur Seite legen möchte, muss einiges auf sich nehmen: Luhmann verwendet alltägliche Begriffe ganz selbstverständlich in neuer Bedeutung und gibt sich wenig Mühe, seine Theorie sprachlich klar und übersichtlich darzustellen. Dafür aber bietet er dem Leser eine völlig neue und ungewohnte Perspektive auf scheinbar Bekanntes. Dieses Buch ist kein Lesevergnügen, aber ein aufregender Blick über den Tellerrand altgewohnter Denkmuster.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. Dezember 2010
Die Lektüre von "Soziale Systeme" war für mich eine Offenbahrung und ich konnte nicht mehr verstehen, wieso Luhman bisher nur eine periphere Bedeutung für mich gehabt hatte. Über weite Strecken las ich das Werk wie ein Lehrbuch und ich hatte das Gefühl, dass es ziemlich genau den Punkt markiert, wo die Soziologie von einem kollektiven Diskurs in Wissenschaft umschlägt.
Der Stil ist manchmal etwas dröge, doch fast immer präzise und sogar humvorvoll. Das Buch kommt (für L. nicht selbstverständlich) fast ohne Redundanzen aus und bezüglich der Tiefenschärfe seiner Analysen sucht es seinesgleichen.
Das klingt sehr elogisch, doch ich glaube zu Recht.

Ich möchte, um das zu veranschaulichen, eine Stelle zitieren:

"'Person' ist die Bezeichnung dafür, dass man nicht beobachten kann, wie es zustande kommt, dass Erwartungen durch Zusammenhang in einem psychischen System an Wahrscheinlichkeit gewinnen (...).'Intelligenz' ist die Bezeichnung dafür, dass man nicht beobachten kann, wie es zustande kommt, dass das selbstreferentielle System im Kontakt mit sich selbst die eine und nicht die andere Problemlösung wählt. 'Gedächtnis' ist die Bezeichnung dafür, dass man nicht beobachten kann, wie der komplexe aktuelle Zustand in den nächsten übergeht (...). 'Lernen' ist die Bezeichnung dafür, dass man nicht beobachten kann, wie Informationen dadurch weitreichende Konsequenzen auslösen, dass sie in einem System partielle Strukturänderungen bewirken, ohne dadurch die Selbstidentifikation des Systems zu unterbrechen (S.158)"

Dieses längere Zitat sei mir nachgesehen, ich habe es ausgewählt, weil es typisch ist. Wen es anspricht, für den ist dieses Buch geeignet, wen nicht, für den eher nicht.

Nun zum Inhalt.
Das Buch operiert an der Grenze zwischen einer Allgemeinen Systemtheorie und einer Theorie sozialer Systeme. Nicht zu Unrecht gilt der Autor als Antiphilosoph, weil er gern (und gut) philosophische Grundanahmen mit einer gewissen Nonchalance zertrümmert.
Die Systemtheorie beginnt mit einer Setzung ("Es gibt Systeme!") und distanziert sich so zunächst von allen Reflexionsphilosophie vom Typ Descartes'. Der Ausgangspunkt des denkens besteht in einer System-Umwelt Differenz, die unaufhebbar ist. So grenzt sich L. einmal von der Dialektik ab (die auf die Identität von Einheit und Differenz zielt anstatt - wie die Systemtheorie - auf die Differenz von Einheit und Differenz) und genauso von der Ontologie (indem er die Analyse unter eine konsequente Temporalisierung zwingt und eine Totalität ablehnt, weil diese eben die Differenz von System und Umwelt überschreiten würde). Das Verhältnis von Elementen und System ist eben etwas grundsätzlich anderes als das von Teil und Ganzem.
"Soziale Systeme" ist zu komplex und zu dicht, als dass es in diesem Rahmen auch nur ansatzweise rekapituliert werden könnte. Einige Thesen seien dennoch angeführt:

- Systeme bestehen aus der Selektivität ihrer Operationen. Operationen, müssen, da sie bereits im Entstehen vergehen in diesem Vergehen Anschlussoperationen produzieren. Wie diese Anschlüsse aus dem Horizont der Möglichkeiten ausgewählt werden, hängt von früheren Operationen ab, sodass in der strukturierten Abfolge der Elemente die Systematizität zu finden ist.

- Systeme finden ihre Elemente nicht in der Umwelt, sondern produzieren sie selbst. L. nennt das die operative Geschlossenheit der Systeme. Aus dieser Selbstproduktion der Elemente folgt, dass in den Selektionsmodi der Anschlussoperationen die Selbstreferenz der Systeme begründet liegt.

- Erst die Selbstreferenz ermöglicht die Differenzierung zu Subsystemen. Systeme können, da sie vor allem Anschlussoperationen suchen (sich also vornehmlich um ihre Autopoiesis kümmern) sich gegenseitig nicht kausal beeinflussen. Die Inter-System-Strukturen untersucht L. unter den Begriffen Interdependenz, strukturelle Kopplung und strukturelle Drift.

- Die Gesellschaft besteht nicht aus Menschen, sondern aus Kommunikationen. Menschen sind keine Systeme. Psychische Systeme bestehen aus Bewusstseinsoperationen. Psychische und gesellschaftliche Systeme sind einander gleichwertig, indem sie eben Systeme sind und je ihrem eigenen Operationsmodus folgen. Die Kopplung zwischen ihnen ist innerhalb des Paradigmas der Systemtheorie zu beschreiben (wie etwa auch die Kopplung zwischen Nerven- und psychischem System). Luhmann nimmt das von Husserl so schlecht gelöste Problem der Intersubjektivität neu auf und bindet es in eine generelle Theorie ein.
Das soll hier genügen. Das Lesen des Buches ist anstrengend, aber es ist der Mühe wert. Wer also Abstand gewinnen möchte vom Seichten und wissen will, was die Welt zusammenhält, der kommt um diese Perle der Wissenschaft nicht herum.
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66 von 81 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. November 2001
Für die Uni sollte ich es lesen. Für meine mündliche Nebenfachprüfung. Die Voraussetzungen, um Vergnügen und Entspannung zu finden standen also äußerst schlecht. Nach und nach, Kapitel für Kapitel fand ich aber Gefallen an den logischen und doch tiefgehenden Gedankengängen eines Niklas Luhmann. Und liest man aufmerksam wird man zwischen den Zeilen einen unendlichen Wortwitz, eine regelrechte Sprachverliebtheit und Verweilen im Detail finden. Luhmanns Theorie sozialer Systeme ist übrigens auch seine Fußnoten wert - die man üblicherweise gerne bei "Pflichtlektüren" überspringt. Aber gerade hier versteckt Luhmann bekanntlich seine gewitztesten Anmerkungen. Wenn er zum Beispiel über die Gefährlichkeit von Moralisierungen gerade in Intimbeziehungen schreibt, merkt er in einem kurzen Satz an, dass schon Schriftsteller des 19. Jahrhunderts gefordert haben, dass die Frau den Mann auch mit seinen moralischen Defekten lieben solle. Während sich die umgekehrte Tatsache erst wesentlich später einstellte. Prägnant, spitz, man würde gern mit ihm plaudern - wenn man noch könnte.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. Oktober 2010
Die wichtigsten Erkenntnisse in dem Buch, die selbstreferentiell dasselbige tragen, sind:

1) dass die Analyse von Sachverhalten und Gegenständen immer nur anhand von selbst konstruierten Leitdifferenzen erfolgen kann, die im Hinblick auf ihren Erklärungswert verglichen werden können (funktionale Analysen),

2) dass die Leitdifferenzen System/Umwelt, Relationen/Elemente ergiebiger ist als die Differenz Ganze/Teile und zwar aufgrund der dadurch bedingten Möglichkeiten, Prozesse/Strukturen besser "anzutäuen" (Kognition als Gesamtheit neuronaler Aktivität ist wesentlich schwerer zu fassen als durch die Vorstellung von "Vorstellungs-Ketten") und das einfache Erklärungsprinzip "durch die nie an sich erkennbare Umwelt pertubiert" zu etablieren,

3) dass die Anwendung der Autopoiesis-Konzeption nur dann funktioniert, wenn man die System/Umwelt statt die Ganze/Teile-Differenz anwendet und für soziale Systeme die prozessualen basalen Elemente im Rahmen ihrer Autopoiesis (selbsterhaltende und selbstreferentielle Organisation) die Kommunikation ist: Kommunikation schließt immer nur an Kommunikation an und kann nicht auf die beteiligten Bewusstseinsprozesse reduziert werden.

Alles andere scheint mir auf diesen Erkenntnissen aufzupropfen: so die Interpenetrationsthematik (Systeme bieten sich gegenseitig ungeordnete Komplexität und können so parallelisierte Eigenwerte entwickeln), die doppelte Kontingenz als Erklärung für das Entstehen sozialer Systeme (weil zwei Bewusstseinssysteme nicht wissen, was sie erwarten können und wissen, dass sie jeweils nicht wissen, was sie erwarten können, entsteht eine emergente Ordnung zur Stabilisierung von Erwartungen) oder die funktionale Differenzierung als Teilsystembildung.

Ab und an scheint Luhmann ganz nebenbei mal einige hochphilosophische Problemlagen wegwischen zu können. Da schien er mir etwas übermütig. Husserls Intersubjektivitäts-Apriori in ein paar Sätzen abhandeln zu wollen, ermangelt einfach der notwendigen Tiefe. Die häufigen "es kann nur..."-Sätze sollte man auch mit vorsichtig genießen und wohl eher als Metapher für "meine Konstruktionsambitionen lassen nicht anderes zu, als es so zu sehen als ob es nur..."

Insgesamt ein genialer Systementwurf, gerade weil viele Anleihen bei T. Parsons, H. von Foerster, Maturana/Varela, G. Spencer Brown, G. Günther, G. Bateson etc. gemacht werden, die passend ineinandergewoben werden.

Dennoch ist das Buch eben auch manchmal zäh und m.E. nicht so präzise geschrieben wie "Die Gesellschaft der Gesellschaft" oder "Die Wissenschaft der Gesellschaft". Daher insgesamt 4 Sterne.
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5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. April 2009
Aus meiner Sicht ist das Werk sehr empfehlenswert für Personen, die sich mit Systemtheorie, systemischen Denken, Dialektik und ähnlichem intensiv Auseinandersetzen. Die Abstraktheit der von Luhmann umrissenen Theorie erfordert diese intensive Auseinandersetzung. Das Buch ohne Vorbereitung und weitere, begleitende Literatur zu lesen führt aus meiner Sicht unweigerlich zu Frust. Empfehlenswert als begleitende Literatur sehe ich hier Werke von H. v. Foerster, H. Willke, D. Krieger, J. O'Connor/I. McDermott, F. B. Simon zu dem Thema Systemtheorie. Unter den genannten Einschränkungen halte ich das Buch von Luhmann für ein ausgezeichnetes sehr tiefgreifendes Werk.
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1 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. September 2013
Schon das Vorhandensein dieses Buches wirft ein helles Licht auf den Anbieter. Es überrascht daher nicht, dass ich zusätzlich zur Buchsendung noch Wissenswertes über das Buch und weitere Literaturtipps, die für die Erschließung des Themas wichtig sind, bekommen habe. Gäbe es mehr von diesen Anbietern, wäre das soziale System Weltgemeinschaft und sicherlich einige partikulare Teilsysteme deutlich belesener!

D. Thiel
(Heidelberg)
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0 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. August 2012
alles super. gerne wieder! klasse amazoner. soviel kann mensch ja gar nicht schreiben. ich finde diesen zwang doof und unnötig.
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7 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. Juni 2004
- so Luhmanns Grundannahme. Das wirkt erleichternd in einer so komplexen Welt. Ist es aber nicht, wie L. in langwierigen, komplizierten Begriffsmeditationen beweist. Die Differenz Umwelt/System scheint mir eine nützliche. Auch den Menschen nicht zum System, sondern zu dessen Umwelt gehörig zu erklären.
Dies ist durchaus eine Aufwertung des Menschen (und keine Abwertung, wie Luhmann zT unterstellt wird), denn Systeme lassen sich vielleicht erklären, nicht aber die Umwelt.
Das beweißt, den Erfolg der "Grünen" und der CDU in Deutschland.
Erstere, weil sie diesen Umstand erkannt haben, die zweiten, weil sie eine "laisse-faire" Politik "betreiben"(der nur böse Zungen "wirtschaftsgläubigkeit" unterstellen, in Wahrheit tun sie(gewissenlos hin oder her): gar nichts). Die SPD dagegen rechnet den Menschen fälschlicherweise dem System zu und muß eine Wahlpleite nach der anderen einstecken, weil Soziale Gerechtigkeit (hier erlaube ich mir ein: leider) nicht mehr als sozial empfunden wird.
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