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Kundenrezensionen

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am 25. November 2006
Die Voltmedia-Ausgabe von Hegels "Phänomenologie des Geistes" ist für Studierende oder solche, die sich mit dem Text wissenschaftlich auseinandersetzen wollen/müssen, ausdrücklich NICHT zu empfehlen. Entscheidenster Mangel: dem Buch fehlt eine Seitenkonkordanz, die es mit anderen, in der Sekundärliteratur zitierten, Hegel-Ausgaben vergleichbar machen würde. Das zufällige Durchblättern des Buches auf der Suche nach der entsprechenden Textstelle ist eine Zumutung. So wird die Voltmedia-Ausgabe für wissenschaftliches Arbeiten faktisch unbrauchbar. Für Studierende oder andere wissenschaftlich Arbeitende gilt hier: Hände weg.
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am 28. März 2014
" Das Bekannte ist darum, weil es bekannt ist, noch nicht erkannt "

Die Phänomenologie des Geistes, die das " werdende Wissen ", zur Wissenschaft hinführen möchte, bedient sich dabei eines Prozesses, der sich selber schon als wissenschaftlich zu legitimieren vermag. Doch ein Weg führt bekanntlich nur dann an sein Ziel , wenn dieser Bestimmungsort schon vorgegeben ist. Für die Phänomenologie bedeutet dies, dass der wissenschaftliche Standpunkt und seine Erreichung, schon als realisierbar vorausgesetzt werden muss, um die Reise zu ihm stattfinden zu lassen. Die Fundierung der Wissenschaft im Selbstbewusstsein demonstriert Hegel in seiner Vorrede damit, dass diese ihm eine zu erklimmende Leiter hinunterreicht, die den sich stetig vervollkommnenden Erfahrungsprozess seiner selbst, von der bloßen sinnlichen Gewissheit, über das Selbstbewusstsein, bis zum absoluten Wissen symbolisch darstellt. Hierbei stellt die Wissenschaft jedoch keinen unbeteiligten Zuschauer dar, sondern sie integriert in sich jede Sprosse und ihren damit verknüpften Platz im Prozess. Diesen Erfahrungsprozess des Subjekts, beschreibt Hegel mit seiner bekannten dialektischen Vermittlung, die man sich nicht als eine Hebammenkunst des Gesprächs, im Sinne Sokrates vorstellen sollte, sondern als eine Art Bewegungsgesetz des Lebens, eine Kraft des Kampfes, die die unterschwellige Essenz des unaufhaltsamen Fortschrittes ausmacht. Hegel verweist als Beisspiel auf eine Knospe, welche durch die hervorbrechende Blüte verschwindet, oder dialektisch formuliert, wiederlegt wird. Die ursprüngliche Wahrheit ist also verschwunden und bringt sich auf eine andere Weise wieder hervor. Das sich gegenseitige Verdrängen beider Formen stellt aber gerade auch eine Notwendigkeit der organischen Einheit dar, wie es Hegel sagt. Schon Heraklit hat diesen grundlegenden Motor erkannt wenn er sagt " Das Widerstreitende zusammentretend und aus dem Sichabsondernden die schönste Harmonie " .

Die Phänomenologie des Geistes beginnt zunächst als die sich dem Subjekt passiv zugefallene Geschichte, bis diese sich als das Produkt, der eigenen Subjektivität, mittels der Vernunft erkennt. Doch der Weg dorthin, den man auch als logische Evolution bezeichnen könnte, verlangt dem eifrigen Leser ein ungeheures Durchhaltevermögen ab, um in dem als dunkelstes und tiefsinnigstes bezeichnete Werk nicht unterzugehen.
Die Erfahrungen des Bewusstseins beginnen bei der sinnlichen Gewissheit, welche den unendlichen Reichtum, der sich in Raum und Zeit ausbreitet, zu besitzen vermag. Dieses wird jedoch die Erfahrung machen, dass das ausgebreitete Sein sich sprachlich nicht erfassen lässt und daher resignierend, lediglich die Allgemeinheit eines Dinges betrachten könnend, zur Wahrnehmung übergehen. Das ursprünglich gemeinte Diese, wie z.b. dieses Auto, lässt sich so zwar nicht mehr unmittelbar wissen, stattdessen beginnt das Bewusstsein das Seiende nun als Allgemeines wahrzunehmen. Der Wiederspruch der auf dieser Stufe auftaucht, geht aus der Problematik hervor, ob der in seiner Einheit auftauchende Begriff, durch das Bewusstsein in viele Eigenschaften zerlegt wird, oder ob die Vielfalt dem Gegenstand zukommt und die Einheit daher in das wahrnehmende Bewusstsein fällt. Dieser Zwiespalt soll nun, durch die Betrachtung des Unbedingt-Allgemeinen im Inneren des Gegenstandes, im Verstandeskapitel untersucht werden. Für Kant war es unmöglich, vorbei an der Erscheinung, in die innere Seinsverfassung des An-Sich zu blicken, doch Hegel schaut hinter die Kulissen und erblickt dabei ein " Spiel der Kräfte ", dass sich anstatt der Sinne, nur durch den Verstand erschließen lässt. In dieser " Übersinnlichen Welt ", dem Ort der Gesetzte, herrscht eine latent zurückgehaltene Kraft, die auf eine sich äußernde sinnliche Kraft bezogen ist. Wenn mir z.b. durch die Schwerkraft ein Apfel auf den Kopf fällt, so offenbart sich für uns eine Kraft, die allerdings durch ihr Wirken nicht verbraucht wird, sondern als Kraft unthematisch, weiterhin präsent bleibt. Sie ist also ein ruhiges Reich der Gesetzte, ein Abbild, die den wahrgenommenen Veränderungen in der Welt zugrunde liegt. Der Sinn dieses Kapitells, war es zu zeigen, dass durch die Spiegelung der sinnlichen Welt, der Verstand durch seine eigene Beteiligung und seinem Wissen davon, sich nun seiner selbst bewusst wurde. Anders als bei Kant, der das Selbstbewusstsein, als synthetische Einheit der Apperzeption schon vorausgesetzt hatte, geht es Hegel um den geschichtlichen Prozess, wie das Selbstbewusstsein sich selber entdeckt.

In diesem von Hegel als " einheimisches Reich der Wahrheit " bezeichneten Gebiet, befinden wir uns an einem Schlüsselpunkt, den es gilt nicht falsch zu interpretieren, speziell das einflussreiche Kapitel Herrschaft und Knechtschaft. Zusammenfassend sollte noch einmal erwähnt werden, dass der Gegenstand des Bewusstseins, dieses Bewusstsein jetzt selbst ist, was Hegel so formuliert, " das Bewusstsein hat in dem Selbstbewusstsein, als dem Begriff des Geistes, seinen Wendepunkt, auf dem es aus dem farbigen Schein des sinnlichen Diesseits und aus der leeren Nacht des Übersinnlichen Jenseits, in den geistigen Tag der Gegenwart einschreitet ". Das Selbstbewusstsein begnügt sich mit dieser Gewissheit jedoch nicht, es möchte ein Wissen über sich in Erfahrung bringen und dafür verwendet Hegel den Begriff der Begierde in einer ungewöhnlichen Weise, als Begierde nach Wirklichkeit. Das folgende Gleichnis von Herrschaft und Knechtschaft und der daraus resultierenden Bildkräftigkeit, bot den nachfolgenden Geistesgrößen einen Anlass, sich durch die unterschiedlichsten Interpretationen, eine Auslegung anzueignen, die oftmals den hegelschen Gesamtbau verzerrte. Speziell Kojève und Marx, bedienten sich einer einseitig sozialen Interpretation, die die Exegese von Herrschaft und Knechtschaft als eine Propädeutik für das Wesen der Klassenkämpfe auslegten und dabei die Subjektivität des Geschehens vernachlässigten. Es darf nicht vergessen werden, dass das Selbstbewusstsein sich auf sich selber bezieht. Ich verweise hierbei auf die, meiner Meinung nach exaktere Interpretation von George Armstrong Kelly, der darauf aufmerksam macht, dass sich das Selbstbewusstsein in diesem Stadium noch keiner Intersubjektivität bewusst ist, sondern lediglich auf die im Geist erscheinende Gesellschaft und ihr Fundament vorausdeutet und begründet. Wenn Hegel also von einer " Verdopplung des Selbstbewusstseins " spricht, dann geht er von einem Zustand innerhalb eines Ich aus.

In diesem, von zwei geprägten Momenten, dargestellten Szenarium, stellt der Herr die Identität mit sich selber dar und verzichtet dabei auf eine nach außen gerichtete Beziehung, wodurch es jedoch infolgedessen zu einer Verkümmerung der Selbstrealisierung kommt. Der Knecht hingegen, stellt das unselbständige Bewusstsein dar, dass sich auf seine gegenständliche Umgebung bezieht und von ihr beeinflusst wird. Das sind demnach die beiden Protagonisten, die sich in ihrem fortlaufenden Kampf um Anerkennung synthetisieren, denn beide Aspekte des Selbstbewusstsein sind füreinander wichtig.
Die voranschreitende Reise des werdenden Wissens kommt mit dem Erlangen der Vernunft nun zu seiner Selbstverwirklichung. Dabei bereiten schließlich die einzelnen Momente, wie Weltgenuss, Weltverbesserung und Weltbekämpfung das Reich der Sittlichkeit vor. Aus der beobachtenden Vernunft geht so das vernünftige Moralische Selbstbewusstsein hervor, das Reich des Geistes beginnt. Es folgt ein langer Prozess, der durch das Aufzeigen der letzten Wiedersprüche und deren neuen Synthesen, vorbei an der vorletzten Stufe, der Religion, zum absoluten Wissen gelangt. Es ist der Bereich, in dem sich das Subjekt von seinen Entfremdungen, und Entäußerungen entäußert und sie zugleich als seine begriffene Geschichte in sich integriert. Es ist nun als absolutes Für-Sich, nach einer langen dialektischen Reise Substanz geworden.

Doch was passiert danach, ist dies das Ende der Geschichte, können wir als Menschen nun auf unsere Zeit zurückblicken und sagen was der Sinn des Seins war, oder stellt dieser zurückgelegte Prozess, selber nur ein Glied einer noch unvorstellbareren Geschichte dar ?. Mit diesem Ausblick möchte ich mich nun mit einer Anekdote über Alexandre Kojeve verabschieden, der nach seiner Vorlesung über die Phänomenologie gesagt habe soll, in diesem Buch stünde alles drinnen, mehr gäbe es nicht zu sagen, worauf er sich zurückzog und schwieg. Und so werde nun auch ich nach dieser doch etwas länger ausfallenden Rezension schweigen und dem Leser Mut, Durchhaltevermögen, aber an erster Stelle Respekt für dieses gigantische Meisterwerk aussprechen.
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am 28. Oktober 2009
Was die Phänomenologie des Geistes betrifft, so ist es in der für Hegel durchaus gewöhnlichen, ungewöhnlichen und komplexen Weise geschrieben. Das bedeutet für den Schnellleser und die Schnellleserin, die einen kurzen Einblick gewinnen wollen, ist das Werk vollkommen ungeeignet. Die wirklich fordernde Stil Hegels und die extreme Dichte der Daten macht es notwendig einerseits Begleitliteratur zu lesen und andererseits (im Optimalfall) die Lektüre im philosophischen Freundes- bzw. Kollegenkreis zu diskutieren. Doch nun zum Inhaltlichen. Hegel setzt sich umfassend mit Bewusstsein, Selbstbewusstsein, dem Unbewussten, dem Individuum und der Gesellschaft auseinander. In geradezu atemberaubenden Argumentationen verweist Hegel auf die Problematik des sich selbst begreifenden, erfahrenden Menschen und zwar in den Dimensionen des Wir (Gesellschaft) und des Ich (Individuum), ausgehend von der menschlichen Wahrnehmung und dem menschlichen Bewusstsein. Sehr bemerkenswert ist das Kapitel Beobachtung der Beziehung des Selbstbewusstseins auf seine unmittelbare Wirklichkeit; Physiognomik und Schädellehre. Hier nimmt Hegel Erkenntnisse vorweg, die erst Ende des 20. Jahrhunderts belegt wurden. Es kommt mir als Leser unwillkürlich die Frage warum bei einem solchen Denk-Stand zu Hegels Zeiten ein so unermesslicher Irrweg zu Beginn des 20. Jahrhunderts möglich war, der solche tragischen Blüten wie die Eugenik und anderes schreckliches mehr beinhaltet hat. Hegel stößt in diesem Werk eindrucksvoll das Tor zur Psychologie, Soziologie und zur Erkenntnistheorie auf. Als ergänzende Bücher kann ich dazu Tor Norretranders Spüre die Welt und Lloyd de Mousse Das emotionale Leben der Nationen empfehlen. Für jeden philosophisch tiefer interessierten Menschen ein absoluter Gewinn. Ein wirklich lesenswertes Buch, das aber entsprechende Aufmerksamkeit verlangt um tatsächlich zu wirken.
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Hegels "Phänomenologie des Geistes" ist kompliziert. Es ist vielleicht sogar das komplizierteste, unverständlichste Buch der ganzen Philosophiegeschichte. Hegel unternimmt auf etwa 600 Seiten den Versuch, die Erscheinungsweisen des menschlichen Geistes zu untersuchen: von Wahrnehmung über Verstand, Bewusstsein, Selbstbewusstsein, Vernunft, Geist und Religion bis zum "absoluten Wissen", der Philosophie. Hegel vollendete die Schrift in Jena gerade zu jener Zeit, als Napoleon sich anschickte, den Preußen in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt eine vernichtende Niederlage beizubringen. Kein Wunder, dass Hegel in Napoleon den "Weltgeist zu Pferde" vorbeireiten zu sehen meinte. Hegels Werk ist nicht nur - neben Fichtes und Schellings - eine weitere Ausformung des deutschen Idealismus, sondern außerdem eines der bekanntesten und meistkommentierten Werke der Philosophie überhaupt. Vor allem dank des Prinzips der Dialektik: Aus einer Folge von Negationen entwickelt sich der Geist, aber auch die Wirklichkeit zu immer höheren Formen. Dies lässt sich in den kleinsten Erscheinungen der Natur ebenso beobachten wie in der Geschichte der Menschheit. Hegels Ruhm mehrte sich mit seinen Kritikern und Interpreten. Zu den bekanntesten gehört Karl Marx, der einige Elemente von Hegels Systems "vom Kopf auf die Füße" stellen wollte.
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am 26. Januar 2006
Wenn ein Buch gegen einen Kopf schlägt und es klingt hohl, dann liegt das wohl eher am Kopf als am Buch. Kaum einem Philosophen ist eine derart verzerrte und entstellte Rezeption zuteil geworden wie Hegel. Als bestes Beispiel kann wohl das Buch von Karl Popper: "Die offene Gesellschaft" gelten, in welchem man auf engstem Raume die größtmöglichen Fehlinterpretationen bezüglich Hegel nachlesen kann. Man soll doch, bitte schön, Hegel selbst einmal lesen und nicht, nur weil dies schwierig und arbeitssam ist, sich in einem selbstgefälligen Egoismus gefallen und Behauptungen nachplappern, die mal jemand in die Welt gesetzt hat. Hegels Philosophie, allem voran die "Phänomenologie des Geistes" gehört zu dem Anspruchvollsten, was die Philosophie zu bieten hat und bereichert Jeden, der sich daran vorurteilsfrei abarbeitet. Die philosophische Durchdringung und Auflösekraft Hegels ist bis heute unerreicht.
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am 30. September 2004
Ganz klar festzulegen ist, dass eine Rezension in diesem Rahmen kaum möglich sein kann. Hegel ist zweifellos einer der bedeutendsten Denker und demnach waren/sind auch seine Werke für die Entwicklung der Gesellschaft (zumindest in Europa) ausschlaggebend. Philosophen und Philosophieinteressierte können die Phänomenologie des Geistes nicht ignorieren, genauso wenig wie andere Werke von Platon über Kant bis Adorno. Tatsache ist, die Phänomenologie des Geistes ist schwer zu lesen und ohne Begleitliteratur oder ausreichendes Hintergrundwissen kaum zu verstehen; angemerkt sei, dass Hegel seine Philosophie als System versteht, wie beinahe jeder andere Philosoph und eben die Phänomenologie des Geistes als Lesestoff allein nur bedingt Licht ins "Verstehen" bringt. Wer hinter die Kulissen der menschlichen Entwicklung blicken möchte, wird dieses Buch nicht ausschlagen können, - und wer von Literatur begeistert ist, verschlingt diese sprachlichen Stacheldrahtgeflechte ohne murren, mit Freude. Ich würde das Buch jederzeit empfehlen; Weltunterhaltung, fast umsonst!
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am 30. August 2004
Hegel: kann als der eigentliche Begründer dessen angesehen werden, was im Zeitalter des deutschen Idealismus (also etwa der Hochzeit des "Dreigestirns": Fichte, Schelling, Hegel) als "spekulative Philosophie" bezeichnet wurde, gelten. Und das heißt: daß das von Kant ausgegebene Diktum, das Seiende im Ganzen (Welt, Freiheit, Mensch, Gott) sei nicht wissbar, wird bestritten. Und nicht nur das: die "Phänomenologie", so meinte Hegel - man müsse nur lesen... - beweise, daß jene "intellektuelle Anschauung" durchaus möglich sei.
So ist also jenes Buch - eines der schwierigsten überhaupt - eine Untersuchung über die Erfahrungen des Bewusstseins mit sich - Wissen genannt-. Und um auch das sehr beliebte - weil Furore machende - Wort "Dialektik" ins Spiel zu bringen: jene bewirkt, daß in jenem dialektischen Fortgang des Bewusstseins, das ständig seine Erfahrungen mit sich "aufhebt", irgendwann die Welt, dieses in "Negativitäten" zersplitterte Eine wieder in seiner Ganzheit erkannt wird. Zitat: "Das Wahre ist das Ganze." Und das nennt sich : das Wissen vom Wissen, oder: Das Wissen, das sich selbst weiß, oder, schlicht: das absolute Wissen, Weltgeist.
Unnötig zu sagen, daß die Phänomenologie schon wegen des äußerst geschichtsträchtigen IV. Kapitels - Stichwort Herr-Knecht-Dialektik- seine Stellung als Hauptwerk der Philosophie nicht zu unrecht innehat.
Zu-letzt sei noch eine Bemerkung zur "feministischen" Auslegung gestattet, daß es solche -zu schwierigen- Texte nicht brauche, außer um kommerziell ausgebeutet werden zu können: damit wird man der gesamten Strömung der Philosophie des 20. Jahrhunderts - von Kant bis Marx - nicht gerecht; zwei von vielen möglichen Beispielen: der gesamte sog. Marxismus mit seinem "dialektischen Materialismus"; Sartre mit seinem "Das Sein und das Nichts" : alles das würde es ohne die Phänomenologie des Geistes nicht geben (gegeben haben), und kann, das ist der Horror schlechthin, strenggenommen, ohne jene nicht verstanden werden.
Zugegeben: ohne trifftige und tiefgehende Vorbildung ist es in der Phänomenologie des Geistes "zappenduster", keine Hoffnung: das kann aber doch wohl nicht darüber wegtäuschen, daß es sich um eine der wichtigsten Schriften in der Philosophie handelt und eine der größten Leistungen, die der menschliche Geist vorzuweisen hat. Und damit sollte man nicht verschwenderisch sein; so etwas gibt es (schon gerade heute) nicht mehr so oft. Und übrigens: Wer sagte, daß Philosophie einfach sein muß ?
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am 28. August 2003
Dieses Buch ist ein, wie man es vom Akademie Verlag erwarten kann, solides. Es ist nicht der Meilenstein der Hegelforschung, aber es bietet äußerst anregende Interpretationsansätze und vor allem eine handfeste Einführung in die Phänomenologie. Man kann darauf vertrauen, dass das was man in diesem Buch liest nicht falsch ist, was sich bei diesen Autoren, von selbst versteht. Für den Hegelkenner ist genauso spannendes dabei, wie für den/die fortgeschrittene/n Anfänger/In, für /dendie es wohl auch in erster Linie geschrieben ist. Es ersetzt aber auf keinen Fall die eigene Lektüre des Hegel Textes, sondern ist vielmehr eine hilfreiche ERgänzung dazu. Es werden nahezu alle gröberen Probleme des Hegeltextes aufgeklärt und das erleichtert ein (erstes) Verständnis der Phänomenologie. Dieses Buch empfehle ich allen die sich näher mit der Phänomenologie auseinandersetzen wollen, aber nicht auf die überwuchernde Spezialliteratur (die oft unverschämt teuer ist) zurückgreifen wollen, auch wenn dies für eine ernstahfte Auseinandersetzung mit dem Hegelschen System notwendig sein wird.
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am 30. September 2004
Ganz klar festzulegen ist, dass eine Rezension in diesem Rahmen kaum möglich sein kann. Hegel ist zweifellos einer der bedeutendsten Denker und demnach waren/sind auch seine Werke für die Entwicklung der Gesellschaft (zumindest in Europa) ausschlaggebend. Philosophen und Philosophieinteressierte können die Phänomenologie des Geistes nicht ignorieren, genauso wenig wie andere Werke von Platon über Kant bis Adorno. Tatsache ist, die Phänomenologie des Geistes ist schwer zu lesen und ohne Begleitliteratur oder ausreichendes Hintergrundwissen kaum zu verstehen; angemerkt sei, dass Hegel seine Philosophie als System versteht, wie beinahe jeder andere Philosoph und eben die Phänomenologie des Geistes als Lesestoff allein nur bedingt Licht ins "Verstehen" bringt. Wer hinter die Kulissen der menschlichen Entwicklung blicken möchte, wird dieses Buch nicht ausschlagen können, - und wer von Literatur begeistert ist, verschlingt diese sprachlichen Stacheldrahtgeflechte ohne murren, mit Freude. Ich würde das Buch jederzeit empfehlen; Weltunterhaltung, fast umsonst!
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am 25. November 2010
Dies ist es also, das Werk, das Karl Marx so stark inspirierte. Entstanden ist das Buch auch als Antwort auf die vielfältigen philosophischen Strömungen seiner Zeit, die Hegel bündeln und überwinden wollte. "Dieser Band stellt das werdende Wissen dar. Die Phänomenologie des Geistes soll an die Stelle der psychologischen Erklärungen oder auch der abstrakten Erörterungen über die Begründung des Wissens treten." Berühmt geworden ist Hegels Idee, dass der Fortschritt in der Geschichte der Menschheit sich in dem Dreischritt aus These, Antithese und Synthese in der Geschichte vollzieht. Heute spielt diese Idee nur noch im Marxismus, der sie übernommen hat, und in der Theologie eine namhafte Rolle. Bei der Theologie kommt es daher, dass sie die Bibel nicht mehr als klare Quelle der Erkenntnis gelten lässt und sich bei der Philosophie bedient, um in Wissenschaftskreisen anerkannt zu werden.
Hegel wird von manchen als Theologe bezeichnet, denn in der Phänomenologie des Geistes hagelt es von Aussagen, die seine religiöse oder auch anti-religiöse Meinung prägen. Geschichte ist für Hegel die dialektische Vermittlung Gottes mit sich selber. Dazu bedient er sich des Menschen. Aber nicht um ihn von seinem Unwissen zu erlösen, sondern ums sich selber durch ihn zu entfalten. Darum geht es im Ganzen.
Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen. Es ist von dem Absoluten zu sagen, dass es wesentlich Resultat, dass es erst am Ende das ist, was es in Wahrheit ist; und hierin eben besteht seine Natur, Wirkliches, Subjekt oder Sichselbstwerden zu sein."
Die Geistesgeschichte des Menschen spiegelt die Entwicklung des Menschen wider, sagt Hegel und viele würden ihm auch heute noch recht geben, besonders diejenigen, die sich der historisch-kritischen Theologie verschrieben haben. Wer nicht von der Historizität der biblischen Geschichten ausgeht, aber dennoch an einem Restbestand an biblischen Wahrheiten festhalten will, muss sich auf eine abstrakte Geistesgeschichte zurückziehen.
Bei Hegel geht es nur um die Geschichte des absoluten Geistes. Da Gott mit sich selber Geschichte macht, ist er weniger ein Lenker der Geschicke als ein Entwickler seiner selbst. Es ist klar, dass der Gottesbegriff Hegels mit dem biblischen Gott nicht mehr viel gemein hat. Er ähnelt eher dem Brahman der Brahmanen. Denn auch ihnen erschien das Selbstbewusstsein als die erste Ursache und der absolute Grund der Welt. Und so verwundert es auch nicht, wenn Hegel das Erscheinen Jesu Christi als Offenbarung der Einheit des menschlichen Selbstbewusstseins mit dem Göttlichen versteht.
Bei Hegel ist alles vergeistigt. Es geht ihm darum aufzuzeigen, dass seine Phänomenologie des Geistes " die verschiedenen Gestalten des Geistes als Stationen des Weges in sich, durch welchen er reines Wissen oder absoluter Geist wird" erfasst. Auch die fernöstlichen Denker der Antike hatten bereits diese Vorstellung von einem absoluten Geist, der sich alles vorstellt, bis er sich selber wieder in aller Klarheit erkannt hat. Hegel bedient sich nur eines abendländischen, genauer gesagt abendländisch-christlichen Vokabulars.
Hegel verfremdet die Vorstellung über den christlichen Gott mehr oder weniger markant. Allein das Geistliche ist für Hegel das Wirkliche. Im Endergebnis leugnet er Gott als geschichtlicher Gott, als Schöpfer, Erhalter, Souverän und Erlöser. So gesehen lässt er einen tatsächlichen Dualismus nicht gelten. Das schlichte Evangelium ist ihm zu schlicht, zu wenig erhaben, ein gedankliches Ärgernis eben. Die Offenbarung Gottes ist für Hegel daher das jeweilige Endergebnis des geistesgeschichtlichen Entwicklungsprozesses.
Hegel nahm an, dass man die Aussagen der Bibel in einen geistesgeschichtlichen Zusammenhang stellen müsste und dann erst zu einem tieferen geistlichen Verständnis kommen könnte. Dazu wäre es aber notwendig die Bibel zu entmythologisieren. An die Möglichkeit, dass die Entmythologisierung vielleicht gerade der geistlichen Erkenntnis im Wege stehen könnte, kam er nicht.
Hegel unterscheidet stattdessen zwischen dem was Geschrieben steht und dem was der Geist - welcher eigentlich?- daraus zu ziehen befähigt wird.
Wie bei vielen Idealisten und Aufklärern seiner und vor seiner Zeit feststellbar, bedient er sich eines theologischen Vokabulars, dass er aber mit anderen Inhalten belegt. Hegels Werk enthält eine Fülle von richtigen aber auch völlig falschen Denkansätzen, die der erfahrbaren Wirklichkeit keineswegs ausreichend Rechnung tragen.
Die Sprache ist für der philosophischen Fachsprache nicht mächtige Leser eher unverständlich. Das Hegelsche Vokabular ist lern- und gewöhnungsbedürftig. Das lohnt sich vermutlich nur für Fachleute, welchen Faches sie auch immer angehören mögen.
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