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43 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles geht
Es ist schade, dass das ganze Potential dieses Buches nie ausgeschöpft werden konnte, da Imre Lakatos leider zu früh verstarb. Das Buch war eigentlich als ein Schlagabtausch zwischen Feyerabend und Lakatos geplant, wobei Feyerabend die Seite des Methodenpluralismus und des Anarchisten einnehmen sollte und Lakatos, als Schüler Poppers, die des kritischen...
Veröffentlicht am 16. März 2007 von Max Doerfer

versus
3.0 von 5 Sternen Anarchistische Erkenntnistheorie
Trotz großer Belesenheit und Bildung des Autors: abenteuerliche Folgerungen und Abstraktionen. Man muß dieses wilde Denken mögen, um es auszuhalten. Wenn man die strenge Argumentation von Popper, Lakatosh, Hegel und Albert kennt, fühlt man sich plötzlich im Dschungelcamp. Mein Sohn findet das aber gerade gut und anregend. Ich bin zu alt...
Vor 16 Monaten von juritlewski veröffentlicht


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43 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles geht, 16. März 2007
Von 
Max Doerfer (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Wider den Methodenzwang (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Es ist schade, dass das ganze Potential dieses Buches nie ausgeschöpft werden konnte, da Imre Lakatos leider zu früh verstarb. Das Buch war eigentlich als ein Schlagabtausch zwischen Feyerabend und Lakatos geplant, wobei Feyerabend die Seite des Methodenpluralismus und des Anarchisten einnehmen sollte und Lakatos, als Schüler Poppers, die des kritischen Rationalismus (auch wenn er sich von Popper entfernt hatte). Da sich Lakatos Part nicht mehr aufnehmen ließ, werden vielleicht viele Leser nicht mehr die Seitenhiebe gegen den kritischen Rationalismus in Poppers Fassung oder in Lakatos Abwandlung wahrnehmen. Das trübt trotz des vorbildlichen Stils Feyerabends den Lesegenuss in meinen Augen doch ein. Ich kann daher nur empfehlen, wenigstens die ersten 100 Seiten von Poppers "Logik der Forschung" zu lesen, um das Buch noch besser nachzuvollziehen. Um Feyerabends Pluralismus zu verstehen, bzw. seine Position zum Pluralismus, ist das aber nicht nötig. Ein weiteres Highlight ist für mich auch das Kapitel über die Position der Kirche zu Galilei. Hier ist Feyerabend eine Entmystifizierung des empirischen Helden Galileis der modernen Naturwissenschaften gelungen, ohne Galileis Leistung auch nur im Geringsten Herabzuwürdigen. So war mir z.B. nicht klar, dass die Berechnungen der Kirche auf Basis des ptolemäischen Weltbildes wesentlich genauere Prognosen erlaubten als Galileis Berechnungen, da sie ein paar Rechenfehler enthielten. Nachahmenswert finde ich auch Feyerabends Inhaltsverzeichnis: Auf Überschriften verzichtet er gänzlich, stattdessen findet man nur ein kleines Abstract über jedes Kapitel, dass die Kernaussagen griffig zusammenfasst. Wissenschaftstheoretiker wie Ernest Nagel haben Feyerabend zwar schon einige Jahre vor dem Erscheinen dieses Buches die Zurechnungsfähigkeit abgesprochen, für mich bleibt Feyerabend aber dennoch einer der einfallsreichsten Theoretiker, der sich ' meiner Meinung nach - gar nicht einmal soweit vom kritischen Rationalismus entfernte: Denn mit seinem provokativen und leicht lesbaren Schreibstil wird er sowohl der Forderung nach Einfachheit als auch nach provozierenden Hypothesen sehr wohl gerecht.

Trotz des vielen Lobes hat das Buch auch seine Schwächen. Erstens hatte Feyerabend eine chaotische Arbeitsweise, sodass das Buch eher ein Bündel verschiedener Essays mit stellenweise wissenschaftshistorischen Exkursen ist. Zweitens gibt es ungefähr in der Mitte des Buches einige dieser historischen Exkurse, die doch sehr langatmig sein können. Drittens fehlt Lakatos Teil, weshalb der Leser evtl. zu stark in eine Richtung beeinflusst werden könnte. Feyerabend hat stellenweise bewusst seine Rolle des Anarchisten in diesem Buch sehr stark betont, obwohl er es mit der Anarchie in der Wissenschaft, bzw. einen Methodenpluralismus genauso hält wie mit dem Schweinebraten und der Vernunft: "Gegen die Vernunft habe ich nichts, ebenso wenig wie gegen Schweinebraten. Aber ich möchte nicht ein Leben leben, indem es tagaus tagein nichts anderes gibt als Schweinebraten". Das gleiche betont er an einer Stelle in "Wider den Methodenzwang" auch für das Schlagwort "Anything Goes". Wenn es nur noch ein "Anything Goes" gäbe, wäre Feyerabend auch dagegen gewesen.
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17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre für Sozialwissenschaftler und Psychologen, 20. Februar 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Wider den Methodenzwang (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Dieses brilliante Buch stellt eine absolute Pflichlektüre für jeden dar, der in wissenschaftstheoretischen Diskussionen mitsprechen will. Feyerabend gibt hier eine Skizze seiner methodologisch-anarchistischen Erkenntnistheorie. Diese Skizze stellt er anhand vieler Beispiele aus der (vor allem physikalischen)Forschung dar. Daher ist das Buch an einigen Stellen für Sozialwissenschaftler und Psychologen, die mit der klassischen Physik und der Quantentheorie wenig vertraut sind, schwer zu verstehen. Feyerabend stellt die "klassischen Sichtweisen" der methodischen und erkenntnistheoretischen Ansätze dar und zeigt hierbei anschaulich Schwächen der verschieden Ansätze auf. Dabei kritisiert er auch die Kuhn'sche Phasenlehre und Lakatos' Methodologie der wissenschaftlichen Programme, die beide in der Methodologie einen hohen Stellenwert eingenommen haben. Der Ausweg, den Feyerabend anbietet erscheint sicherlich radikal, wenn er schreibt: "Der einzige Grundsatz, der den Fortschritt nicht behindert, lautet: Anything goes." Ein kleiner Tipp noch: Lest die Fussnoten, hier verstecken sich bissige Kommentare gegenüber Kritikern von Feyerabend's Buch, die zwar nicht wissenschaftlich sind, aber auf jeden Fall sehr amüsant.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für die Methoden ist nun Feyerabend, 17. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Wider den Methodenzwang (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Aus der Betrachtung der Wissenschaftsgeschichte heraus, stellt Feyerabend fest, dass es keine einzige Regel gibt, die nicht bereits einmal verletzt wurden ist; diese Regelverletzungen sind keine Zufälle, sondern für den Fortschritt notwendig. Nachdem Feyerabend, Lenin darin zustimmt, dass es nicht genügt einzelne Methodologien zu verstehen, sondern dass man auf jede nur vorstellbare Abwandlung davon, eingestellt seinen muss, kritisiert er die einseitige Ausbildung der heutigen Wissenschaftler. Durch die „Abkapslung“ der Wissenschaften voneinander wird die Einbildungskraft der Wissenschaftler begrenzt; selbst die Sprache ist nicht mehr die eigene. Eine Wissenschaft, die so vorgeht verdient es nach Feyerabend nicht, dass „Alleinvertretungsrecht auf dem Gebiet der Erkenntnis“ zu haben. Da die Welt an sich ein relativ unbekanntes Forschungsobjekt ist, behindern feste Methoden in den Wissenschaften nur; denn ebenso unbekannt wie die Welt ist, ist auch die beste Methode für ihre Untersuchung. Während Kinder noch unschuldig sind und selbständig denken können , sind für Feyerabend Rationalisten nicht viel intelligenter als dressierte Hunde; beide folgen blind ihrem Herrn. Feyerabend kritisiert aber nicht nur die Vernunft als „kausale Nachwirkung“ einer instrumentalisierenden wissenschaftlichen Ausbildung, sondern denkt sogar, dass „Interessen, Macht, Propaganda und Gehirnwäsche in der Entwicklung der Erkenntnis und der Wissenschaft“ eine große Rolle spielen. Für Feyerabend ist klar, dass „der Gedanke einer feststehenden Methode oder einer feststehenden Theorie der Vernünftigkeit auf einer allzu naiven Anschauung vom Menschen und seinen sozialen Verhältnissen beruht.“ Alle Regeln und Methoden wurden in Laufe der Geschichte bereits einmal verletzt; deshalb gibt es für Feyerabend nur einen Grundsatz der sich bewährt hat und immer gültig ist: „Anything goes“.
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15 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbehagen - Feierabend... - Vergnügen, 24. April 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Wider den Methodenzwang (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
"anything goes" - sagt uns der Herr Feyerabend mit einem Augenzwinkern und meint damit nichts anderes als die Methode zum (vergnüglichen) Erfahrungsgewinn. Sein Argument gegen unsere zum Standard erhobenen "Heilmittel" ist zwar nicht wirklich neu - aber mit zum Teil spitzbübischer und vor allem (für mich) großer, angenehmer Gelehrsamkeit trägt uns Feyerabend die Wahnidee unserer Wissenskultur vor: wir kämen nur so an ordentlichen Erkenntnisgewinn - oder zu unserem Glück - wie wir uns das genau vorstellen bzw. mit modisch bis zwanghaft verwendeten Werkzeugen.
Hin und Her wird dem (rationalistischen) Leser seine Wahnidee gewendet und vorgeführt, mit vielen Beispielen aus Geschichte, Politik und Naturwissenschaft und schmackhaft für anspruchsvolle "Rationalisten".
Am Anfang las ich das Buch mit etwas Unbehagen. Aber wie das so ist, der Schritt in die Freiheit macht erfahrungsgemäß auch Angst und neue Sorge. Nach und nach kommt man auf den Geschmack und will mehr davon haben? Wunderbar jedenfalls, dass bei Feyerabend weder das herrlich lustvolle Lesevergnügen auf der Strecke bleibt, noch der so wohltuende Erfahrunggewinn.
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19 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre für Physiker, 4. September 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Wider den Methodenzwang (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Neben A. Koestlers "Sleepwalkers" das zweite Buch, das jeder Physiker (und eigentlich jeder Naturwissenschaftler) gelesen haben sollte. Der Titel des Buches sagt schon aus, was Feyerabend in zahlreichen Beispielen schildert: Eine strenge Methodologie ist oft kontraproduktiv. Fortschritt in der Wissenschaft ist auch und besonders dann möglich, wenn man kontrainduktiv vorgeht, wenn man Hypothesen verwendet, die gut bestätigten Theorien und/oder Experimenten widersprechen. "Das Prinzip von heute kann die Idiotie von morgen sein und der Mythos von vorgestern die 'Grundlage allen Denkens' von übermorgen." Besonders zu denken geben sollte die Tatsache, dass ausgerechnet der Held und "Märtyrer" Galilei in methodologischer Hinsicht so ziemlich alles falsch gemacht hat, was er nur falsch machen konnte und trotzdem zu - aus heutiger Sicht - richtigen Ergebnissen gelangt ist. Nach den Maßstäben unserer heutigen "scientific community" müsste Galilei freilich heute genau wie damals verurteilt werden. Leider kommt Wissenschaftstheorie in der naturwissenschaftlichen Ausbildung an unseren Universitäten, wenn überhaupt, nur ganz am Rande vor. Die Lektüre dieses Buches kann da sehr viel wieder wettmachen.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein philosophischer Skandal, 5. September 2008
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Wider den Methodenzwang (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Paul Feyerabends Wider den Methodenzwang löste bei seinem Erscheinen 1970 in philosophischen Kreisen wahre Schockwellen aus. Da forderte doch ein renommierter Wissenschaftstheoretiker und ehemaliger Schüler des großen Karl Popper ernsthaft, alle Regeln und methodischen Vorgaben in der Wissenschaft aufzugeben und stattdessen dem Slogan 'Anything goes' zu folgen. Jede noch so absurde Idee soll man weiterverfolgen, auch wenn empirische Studien dagegen sprechen. Das Wort eines Laien soll ebenso viel gelten wie das Urteil eines Spezialisten. Forscher sollen so lange Unsinn reden, bis es Sinn ergibt. Klarheit, Präzision, Objektivität ' die Lieblingskinder des kritischen Rationalismus ' sind bloß ein fauler Zauber. Provokante Thesen, die in der Fachwelt als Skandal empfunden wurden. Trotzdem avancierte das Buch rasch zu einem Klassiker. Zu Recht, denn bei aller Polemik gegen die etablierten Wissenschaften, gegen eitle Forscher, arrogante Nobelpreisträger und autoritätshörige Studenten rührt Feyerabend an die Wurzeln unseres Selbstverständnisses, nämlich an die Bedingungen menschlicher Erkenntnis.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einfach Inspirierend, 20. Mai 2008
Von 
Damian Sicking (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Wider den Methodenzwang (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Es ist jetzt ungefähr 25 Jahre her, dass ich dieses Buch von Paul Feyerabend gelesen habe. Es gibt nicht viele Bücher aus meinem Studium, die einen derart langanhaltenden Eindruck auf mich gemacht haben. Feyerabends Buch hat mich schon damals sehr inspiriert. Ich bin heute als Wirtschaftsjournalist tätig, und schon lange habe ich mir vorgenommen, Feyerabends Thesen versuchsweise und natürlich mutatis mutandis auf die Führung von Unternehmen zu übertragen.
Ich werde heute Abend auf den Dachboden steigen und es in den alten Bücherkisten aus meinem Studium suchen. Wenn ich es nicht finde, kaufe ich mir ein neues.
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13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Feyerabend lesen heißt noch nicht selber denken!, 24. Februar 2006
Von 
Kankin Gawain "Bis übermorgen dann..." (Eutopia) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Wider den Methodenzwang (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Dies ist ein Buch für freie Geister. Der Inhalt: Feyerabend beweist anhand der Forschung Galileis, dass Wissenschaft praktisch und faktisch keineswegs so funktioniert, wie es uns die Wissenschaftstheorie weismachen will. Er zeigt auch deutlich auf, dass die Umwege und Holzwege, welche die Wissenschaftler gehen, jene Aspekte darstellen, die eine Theorie der Öffentlichkeit erst glaubhaft und schmackhaft machen.
Aber: Feyerabend geht zu weit, wenn er glaubt, man könne durch jede x-beliebige Art des Denkens zu entscheidenden Durchbrüchen in der Wissenschaft kommen. Schließlich hat Galilei die Fallgesetze letztlich nur gefunden, weil er, wie die Wissenschaftstheorie empfiehlt, die experimentellen Variablen sorgfältig manipulierte, seine neugierigen Fragen geschickt operationalisierte und dergleichen mehr... Fazit: nicht alles glauben, was in diesem Büchlein steht, sondern auch selber nachdenken.
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3.0 von 5 Sternen Anarchistische Erkenntnistheorie, 18. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wider den Methodenzwang (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Trotz großer Belesenheit und Bildung des Autors: abenteuerliche Folgerungen und Abstraktionen. Man muß dieses wilde Denken mögen, um es auszuhalten. Wenn man die strenge Argumentation von Popper, Lakatosh, Hegel und Albert kennt, fühlt man sich plötzlich im Dschungelcamp. Mein Sohn findet das aber gerade gut und anregend. Ich bin zu alt dafür, um diesen absurden Denkstil zu ertragen. Und Recht hat der Autor mit manchen Forschungsdarstellungen auch nicht.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Den Rationalismus schärfen, festigen und im Niveau heben, 8. August 2012
Von 
Thorwald Franke (Frankfurt am Main) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wider den Methodenzwang (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Das Buch "Wider den Methodenzwang" von Paul Feyerabend und seine Kritik am Rationalismus, vor allem an Karl Popper, ist ein wichtiges Werk zur Wissenschaftstheorie. Allerdings nicht deshalb, weil es Feyerabend gelingen würde, den Rationalismus zu widerlegen, sondern deshalb, weil dieses Werk für jeden Rationalisten eine große Hilfe dabei sein kann, die Denkfallen eines allzu einfach gedachten Rationalismus zu überwinden.

Die Kritik:

Feyerabend wendet sich gegen die falsche Auffassung, dass man neue Erkenntnisse gewissermaßen zwangsläufig "ausrechnen" könnte, wenn man nur von den Gegebenheiten ausgehend rational regelgerecht - methodengerecht - weiterdenken würde. Vielmehr sind neue Erkenntnisse gerade dadurch entstanden, dass Forscher die rationalen Regeln ihrer Zeit gebrochen hatten. Rationalität sei gewissermaßen abhängig vom Sprach- und Weltansschauungssystem: Was nach dem alten Paradigma rational war, ist es nach dem neuen nicht mehr, und umgekehrt. Sehr lesenswert Feyerabends Ausführungen zum Welt- und Menschenbild der homerischen Epen. Feyerabend zeigt auch sehr überzeugend, dass die Theorie der Hexenprozesse im Rahmen der damaligen Theologie und Philosophie sehr rational war. Auch heute unterscheide sich die Wissenschaft nach Auffassung von Feyerabend im Kern nicht von der Kirche und habe ihre Dogmen.

Die rationalistische Lehre von der Falsifikation von Thesen würde zu Dogmen führen, wenn eine Falsifikation schwierig ist, auch wenn vieles für andere Thesen spräche, die genauso wenig falsifizierbar seien, aber das Pech haben, nicht etabliert zu sein oder nicht dieselbe Zeit zur Entwicklung eingeräumt bekommen zu haben. Manche Auffassung hat sich dadurch durchgesetzt, dass die Forscher bewusst mogelten und geschickt darin waren, eine gute Propaganda für ihre neuen Thesen zu machen. Hier verweist Feyerabend z.B. auf Galileo Galilei. Nicht alles neue ist auch besser. Feyerabend lobt hier die Traditionelle Chinesische Medizin gegenüber der Schulmedizin.

Die Kritik der Kritik:

Viele der Kritiken Feyerabends sind berechtigt und geben wertvolle Hinweise darauf, wie Wissenschaft funktionieren sollte - und wie nicht. Im Kern jedoch scheint Feyerabend seine Kritik auf einem falschen Verständnis von Rationalismus aufgebaut zu haben.

Was die Regelüberschreitung und die Begrenzung durch Sprache und Weltanschauung anbelangt, so ist es der Standpunkt des Rationalismus im Sinne Poppers, dass neue Thesen mithilfe von Phantasie geboren werden. Darin, in der Phantasie, ist jede mögliche Überschreitung von Regeln praktisch bereits enthalten. Dass die Vernunft in sich eine gewisse abstrakte, kulturunabhängige Regelhaftigkeit hat, hätte man bei Feyerabend gerne gelesen ("Dass da eins zum anderen passt" könnte man als die innerste Regel der Rationalität formulieren), doch Feyerabend schweigt dazu. Die Auffassung, es gäbe nicht die eine Vernunft, ist falsch; was verschieden ist, sind die Ausgangspunkte, auf die man sie anwendet, die Vernunft ist aber immer dieselbe.

Feyerabend tut so, als glaubten Rationalisten, dass sie völlig rationale Wesen seien. Nicht dass sie Vernunft hätten, sondern dass sie Vernunft seien. Doch das ist falsch. Der Mensch ist keine Vernunft, er hat Vernunft; und er kann sie gebrauchen oder auch nicht. Und er kann sie nur auf dieses anwenden oder nur auf jenes oder auch auf alles. Vor allem aber hat der Mensch auch noch andere Fähigkeiten, z.B. Phantasie. Der Mensch sollte eben versuchen, diese andere Dimension und die Vernunft in Einklang zu bringen. Es ist das alte Ideal des Weisen. Aus diesem steten Wechselspiel erwächst dann ein Erkenntnisfortschritt.

Bei Feyerabend hat man öfter den unabweisbaren Eindruck, er plädiere für völlige Irrationalität, für haltlose Anarchie. Doch wenn Phantasie und Kreativität, die auch vorübergehend gegen vermeintlich rationale Sichtweisen verstoßen dürfen, nicht immer wieder mit der Vernunft eingefangen und zu einem neuen rationalen System konsolidiert werden, kommt dabei auf Dauer keine Erkenntnis, sondern Chaos heraus. Erst das ständige, nie endende Wechselspiel beider Seiten, das Bemühen, beidem gerecht zu werden, macht die Erkenntnis aus und hält den Prozess lebendig.

Auch ist der Rationalismus nicht auf eine simple Scheidung der Erkenntnis in Wissen und Unwissen festgelegt. Vielmehr zeigt sich gute, rationale Wissenschaft häufig gerade daran, wie sie mit verschiedenen Graden von Ungewissheit umgeht und vernünftige Abwägungen trifft, indem sie einzelne Unwägbarkeiten gegeneinander abgleicht und zu einem plausiblen, wahrscheinlichen Gesamtbild integriert. Richtig ist allerdings auch, dass es viele "rationale" Menschen gibt, die nur "hartes Wissen" gelten lassen wollen, und damit in die Irre laufen, denn je sicherer das Wissen, desto seltener ist es.

Wenn Feyerabend kritisiert, dass sich die Wissenschaft gerne Dogmen schafft und alternative Thesen nicht in angemessener Weise würdigt, kritisiert er eher den real existierenden Wissenschaftsbetrieb als die Idee der Wissenschaft. Natürlich ist es richtig, dass eine Theorie nicht deshalb besser ist, weil sie etabliert ist, weil sie zuerst da war oder weil sie die größere Zahl an Fürsprechern hat, die gar nicht daran denken, ernsthaft nach einer Falsifikation zu suchen, weil eine Falsifikation ihren Status gefährden würde. Und natürlich ist es völlig richtig, dass man einer alternativen Theorie auch Zeit zur Entwicklung geben muss: Man muss eine Hypothese, die man zunächst nicht belegen kann und die wackeliger aussieht als andere Thesen, auch eine Zeitlang in der Schwebe halten und an ihr arbeiten und mit ihr spielen können. Aus diesen Überlegungen kann man Maßnahmen zur Ausbildung von Wissenschaftlern und zur Organisation des real existierenden Wissenschaftsbetriebes ableiten, damit die nötige Weite des Geistes (oder wenigstens Toleranz) herrscht. Eine Kritik am Rationalismus ist das jedoch nicht.

Die Kritik Feyerabends am real existierenden Wissenschaftsbetrieb ist im Übrigen zu hart und gerät teilweise rabulistisch. Die Gleichsetzung mit der Kirche ist doch stark übertrieben. Es gibt zwar auch in der Wissenschaft Phasen der Erstarrung und der Wissenschaftsgläubigkeit, aber diese Phasen sind meist auf eine Generation beschränkt, was eine grundsätzliche Reformfähigkeit belegt. Die Kirche jedoch kann ihre Dogmen über Jahrhunderte durchhalten, wenn die Umstände ihr kein Um- und Weiterdenken aufzwingen. Feyerabends Einschätzung des Prozesses von Galilei, dass nämlich die Kirche im damaligen Rahmen durchaus rational und richtig urteilte, während Galileo noch zu schwache Argumente hatte, mag zwar in Ordnung sein, aber Feyerabend hätte klarer hinzufügen sollen, dass es unabhängig von der Frage der Richtigkeit des Urteils ein Problem ist, wenn sich die Kirche ein solches Urteil anmaßt und Denkverbote erlässt.

Sehr unappetittlich ist es, dass Paul Feyerabend sein 1970 veröffentlichtes Buch mit längeren Zitaten von Lenin beginnt. Auch Engels, Ilja Ehrenburg und Mao kommen zu Wort. Es ist grausig, diese naive Unbefangenheit gegenüber mehr oder weniger verbrecherischen Charakteren zu sehen, die offenbar aus einer linksideologischen Verblendung Feyerabends herrührt: Hegel und Marcuse werden auch zitiert. Hier zeigt sich, dass Paul Feyerabend nicht immer erfolgreich darin gewesen sein kann, enge Denksysteme zu überwinden, sonst hätte er wenigstens eine menschenfreundliche Distanz gewahrt. Zudem handelt es sich um Zitate, die man in dieser Form und mit diesem Sinn sicher auch und besser bei anderen und gewiss größeren Persönlichkeiten gefunden hätte. In der bei Linken üblichen Weise unausgegoren ist auch Feyerabends Idee einer Instanz, die nach den sozialen Folgen von Wahrheit fragt; von der Liebe zur Wahrheit oder von einer Sensibilität gegen subtile Zensurmechanismen zeugt dies leider nicht. Wenn man die Unbekümmertheit von Feyerabends Linksdrall betrachtet, bekommt seine heillose Relativierung der Vernunft einen gefährlichen Zug; hatte nicht auch Lenin ein weltverneinendes Faible für Dada, eine Grundverzweiflung an Ordnung und Sinn? Aus dem Urgrund der Seele erwächst unvermutet das Böse.

Fazit:

Ein wichtiges Buch für alle Rationalisten, um ihren Rationalismus zu schärfen, zu festigen und im Niveau zu heben: Vernunft ist nicht alles, aber ohne Vernunft ist alles nichts. Letztlich ist es trotz vieler richtiger Einzeleinsichten ein aufs Ganze gesehen irriges Buch.
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Wider den Methodenzwang (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
Wider den Methodenzwang (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) von Paul Feyerabend (Taschenbuch - 26. Mai 1986)
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