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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Klassiker der Rechtssoziologie
Das Buch "Legitmation durch Verfahren" ist ein beeindruckendes Frühwerk Luhmanns, das bereits sein begriffliches Instrumentarium und seine maßgeblichen Gedanken aus späteren Schriften in einer vergleichsweise einfachen Sprache enthält. Mit welchem Scharfblick hier gesellschaftliche Institutionen ihrer normativen Fassade enthüllt, ihrer...
Veröffentlicht am 17. Dezember 2002 von stallbe

versus
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Von Komplexitätsreduktion zu Technokratie
Mit "Legitimation und Verfahren" findet sich eine frühe Luhmann-Schrift, die noch Restbestände der Juristenausbildung des Autors durchschimmern, aber bereits (das Buch ist 1969 erstmals veröffentlich worden) seine Ernüchterung oder auch Wandlung zum blasierten Analytiker der Rechtsgesellschaft erkennen lassen. Die zentrale These des Buches ist schnell...
Vor 22 Monaten von A. Leipold veröffentlicht


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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Von Komplexitätsreduktion zu Technokratie, 22. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Legitimation durch Verfahren (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Mit "Legitimation und Verfahren" findet sich eine frühe Luhmann-Schrift, die noch Restbestände der Juristenausbildung des Autors durchschimmern, aber bereits (das Buch ist 1969 erstmals veröffentlich worden) seine Ernüchterung oder auch Wandlung zum blasierten Analytiker der Rechtsgesellschaft erkennen lassen. Die zentrale These des Buches ist schnell referiert: Moderne Gesellschaften haben eine Vielzahl an Informationen zu bewältigen, sind demnach notwendig komplex in ihren Interaktionsbeziehungen. Weil das so ist, müssen sich von Luhmann so bezeichnete vormoderne Formen der Legitimation politischer Herrschaft (Gerechtigkeit, Moral) strukturell am weithin entwickelten politischen und Rechtssystem erschöpfen. Es muss auf Mittel der Komplexitätsreduktion zurückgegriffen werden, um überhaupt so etwas wie Entscheidungs- und Steuerungsfähigkeit im modernen bürokratischen Wohlfahrtsstaat ermöglichen zu können. Hierzu dient das mehr oder minder institutionalisierte Verfahren (z.B. Gerichtsverfahren), da es einen Raum zur Darstellung von Recht (Rechtsprechung durch die Jurisprudenz) sowie Performanz unterschiedlicher Rollen von Teilnehmern am Rechtsstreit ermöglicht. Indem jedem seine getreue Rolle zugewiesen ist und so etwas wie Erwartungssicherheit im Lauf der Zeit vorausgeschickt werden kann, schöpft ein weitgehend auf normative Setzungen verzichtendes Rechtssystem Stabilität und Legitimität aus sich selbst und ist gewappnet vor voluntaristischer Kritik von außen.

Eine solche Kritik kann bspw. die politische Kritik oder auch moralische Empörung gegenüber als ungerecht oder ausbeuterisch erfahrener Rechtsprechung oder Regierungspolitik sein. Für Luhmann ist dies Regression, jedenfalls nicht systemadäquate Reaktion gegenüber den weitgehend verselbstständigten Sphären der Öffentlichkeit oder auch Teilsystemen. So taugt bspw. auch das Instrument der Wahl in Luhmanns Augen nichts, um politischen Wettstreit garantieren zu können. Er schreibt: „Die politische Wahl eignet sich nicht für den Ausdruck konkreter Interessen, sowenig wie für die Entscheidung konkreter Konflikte." (162). Wahlen bieten insoweit für ihn nichts anderes als "die künstliche Dramatik eines sportlichen Ereignisses“ (ebd.). Eine Einschätzung, die Luhmann durchaus mit älteren Skeptikern der Demokratie teilt, ohne ihn gleich als konservativen Technokraten deuten zu müssen. Denn auch Marxisten schätzen die mit der politischen Wahl einhergehenden Veränderungsmöglichkeiten konkreter Politik als gering, wenn nicht gar systemstabilisiernden Effekt, der eher den kritisierten Mächten/Akteuren zuspielt. Genau darin ist denn auch die entscheidende politische Differenz zu sehen, die Luhmann dann doch als Konservativen bestimmen lassen: Weil die politische Wahl ebenso wenig taugt wie andere, institutionalisierte Verfahren der politischen Beteiligung oder auch der Streitschlichtung (Konsensfindung), ist das politische System als solches garantiert und also überlebensfähig. Doch Marxisten ziehen daraus den Schluss der informierten Wahlkritik und also Forderung nach Revolution des Herrschaftssystems, für Luhmann indes ist die Nivellierung von Konflikt qua Verfahren als solches bereits Wert an sich, weil es den Status quo erhält.

So wird aus dem Lob der Routine oder dem abstrakten Lob des Verfahrens zugleich eine Apologie bestehender Verhältnisse und der Ausweis, mit der Systemtheorie sei ein Mechanismus der objektiven - weil um normative Rudimente entlastete - Sozialtheorie gefunden, nichts mehr als Tautologie, die Luhmann denn auch (!) bestätigt. Das politische System ist darin eine Black box, ein leerer Regelungskreislauf, der allein Inputs und Outputs in Informationen für das je bestätigte Regierungspersonal bereitstellt, gleich, wie diese ihre Handlungen begründen. In dieser Lesart müsste eine heute weithin diskutierte zunehmende Politisierung der Justiz oder auch Verrechtlichung des politischen Handelns (vgl. die Interventionen des ehem. Verfassungsrichters H.J. Papier über eine überbordende Beanspruchung des BVerfG durch handlungsunwillige Regierungen!) als gänzlich ungeeignet erscheinen, Struktur- oder in Luhmanns Termino­logie – Formelkonflikte zwischen unterschiedlichen moralischen Ansprüchen ans politische Handeln aufzuheben. Im Gegenteil wird die Erfolgsaussicht politischer Steuerung gänzlich negiert, denn was für die Diffusion juristischer Imperative in das politische System, gilt rekursiv auch für die Rückkoppelung politischer Einflussnahme auf andere gesellschaftliche Teilbereiche (z.B. Infrastrukturplanung, Bildungsexpansion, Integration): Die Systemtheorie leitet damit über zur Analyse von Struktur­problemen des kapitalistischen Staates, wie sie ungefähr zeitgleich zur Veröffentlichung Anfang der 1970er von Jürgen Habermas und Claus Offe angeführt worden ist (siehe dazu auch die zwischen Habermas und Luhmann ab 1970 geführte Debatte mit dem Titel "Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie. Was leistet die Systemforschung?, Ffm., Suhrkamp 1971; vgl. ferner den von G. Kneer und S. Moebius herausgegeben Band über "Soziologische Kontroversen" und den darin enthaltenen einschlägigen Aufsatz von M. Füllsack, Berlin, 2010). Luhmanns Arbeit selbst kann dabei nur als Material dienen, nicht jedoch als "großer Wurf" einer angeblich erforderlichen Demaskierung bürgerlicher Institutionen im säkularen Interventionsstaat: eine solche Demaskierung braucht allein der, welcher Verfahren per se idealisiert hat. Die technokratische Ableitung eines Luhmann hingegen lässt diese Idealisierung mit einem Augenzwinkern bei den Betroffenen sogar fortwirken, was als ideologisch zu kritisieren und als Apologie zu bezeichnen ist.
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Klassiker der Rechtssoziologie, 17. Dezember 2002
Rezension bezieht sich auf: Legitimation durch Verfahren (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Das Buch "Legitmation durch Verfahren" ist ein beeindruckendes Frühwerk Luhmanns, das bereits sein begriffliches Instrumentarium und seine maßgeblichen Gedanken aus späteren Schriften in einer vergleichsweise einfachen Sprache enthält. Mit welchem Scharfblick hier gesellschaftliche Institutionen ihrer normativen Fassade enthüllt, ihrer vorgeblich zur Schau gestellten Zwecke entkleidet werden, ist nicht nur faszinierend mitanzusehen, sondern gibt zugleich Aufschluß über die vielen widerspruchsvollen Prämissen, die diesen Institutionen untergeschoben werden. Gerade weil das Buch ein Musterbeispiel an wertfreier Analyse darstellt, wünscht man sich indes, Luhmann möge hier und da eine bewertende Aussage abgeben. Denn auch wenn vieles in den von Ihm analysierten Institutionen funktional der Reduktion von Komplexität dient, sei doch die Frage erlaubt, ob nicht auch andere Funktionsäquivalente denkbar sind, die diese Aufgabe besser, und, obschon dies nicht zu erwarten ist, widerspruchsfreier erfüllen können. Ein Parlamentarismus, der Luhmann zufolge zur Erfüllung der offziell und historisch verlautbarten Zwecke weder imstande noch intendiert ist, sorgt meines Erachtens dort für einen Einbruch von unbestimmter Komplexität, wo immer größere Gruppen sich dieser Tatsache bewußt werden und im Ringen mit Zweckverwirklichung und Festhalten der tradierten Werte einerseits und Schaffung neuer institutionell-verankerter Zweckmechanismen andererseits einem unlösbaren Konfliktpotential ausgeliefert sind.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Wert der wertfreien Analyse, 31. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Legitimation durch Verfahren (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Luhmann zeigt auf eindrucksvolle Weise wie eine systemtheoretische Blickrichtung Verfahren und Institutionen erklären kann, ohne auf Moral und Wertvorstellungen Bezug nehmen zu müssen (dass die Moral selbst wiederum systemtheoretisch betrachtet werden kann, zeigt Luhmann in einer Reihe anderer Schriften). Es ist ein verbreiteter Irrglaube anzunehmen, dass Verfahren und Institutionen deshalb bestehen würden, weil sie "gut" oder "gerecht" seien. Ihr Sinn besteht vielmehr in den Anpassungsleistungen, die sie ermöglichen.
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Legitimation durch Verfahren (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
Legitimation durch Verfahren (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) von Niklas Luhmann (Taschenbuch - 24. Oktober 1983)
EUR 16,00
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