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5.0 von 5 Sternen Foucaults Discours de la Méthode, 10. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Archäologie des Wissens (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Tastend, fragend, proklamierend gibt hier Foucault 1969 den vom damaligen Publikum ersehnten und vorweg umstrittenen Bericht über die Methode seiner empirischen Arbeiten "Die Geburt der Klinik", "Wahnsinn und Gesellschaft" und der "Ordnung der Dinge". Er macht deutlicher als zuvor, dass sein Interesse dem Diskontinuierlichen in der Geschichte gilt. Die Diskurse, die er beschreibt, sollen nicht die Totalitäten der Transzendentalphilosophie des 19. Jahrhunderts ersetzen. Die Diskursanalyse betont die Praxis des Sprechens und Schreibens als einer konditionierten aber nie geschlossenen, ihre Kontingenz nie verlierenden Produktion sozialer Formen.

Dabei knüpft Foucault an die Arbeiten von Georges Canguilhem und Gaston Bachelard an. Seine Thesen erinnern dagegen auch an die ebenfalls in den 60ern erschienen Thesen Kuhns zu einer Theorie der Paradigemwechsel und der Inkommensurabilität der Paradigmen. Anders als der etwas vorsichtigere Kuhn nimmt Foucault die Inkommensuarbilität der Diskurse zum Anlass die Möglichkeit einer sich entfaltenden Vernunft auszuschließen. Was Foucault interessiert ist die Selbständigkeit des (handlungsleitenden) Wissens gegenüber seinen Träger. Nur gelegentlich auf die vorausgegangenen empirischen Arbeiten verweisend, ist dieser Bericht über die Methode eine durch den Strukturalismus vorbereitete, abstrakte Kritik an allen Vorstellungen einer Einheit der Geschichte, ja an Subjektivität und Identitätsdenken überhaupt. Damit steht Foucault neben einer Reihe anderer französischer Philosophen auf der Schwelle zu dem, was später Poststrukturalismus genannt werden wird und als Postmoderne zum kulturellen Emblem der 1980er aufsteigt.

Als Theorie der Praxis des Wissens bleibt die Diskurstheorie Teil einer allgemeinen Theorie der Produktionen. Obgleich fast keine Literaturhinweise gegeben werden, ist die Auseinandersetzung mit dem Strukturalismus Althussers und anderer Marxismen durchweg präsent. Sich von diesem Erbe des 19. Jahrhunderts zu befreien, ist das Anliegen des durch Nietzsche geläuterten Exhegelianers Foucault. Typisch für dieses Buch sind daher Aufzählungen, was die Diskursanalyse alles nicht ist, nicht meint.

Obgleich diese Buch als ein Einschnitt in die Philosophiegeschichte gelten darf, bleibt es kryptisch und verschroben. Mal im Stile eines Erfahrungsberichts, mal als proklamierendes Manifest auftretend lässt es den heutigen Adepten auf der Suche nach dem Werkzeug der Diskursanalyse weitgehend im Stich. Auch wenn Foucault sein Ziel damit beschreibt, die Positivitäten, welchen die Diskurse für ihn sind, zu beschreiben, gibt er außer ein paar schwammigen Begriffen, deren Verhältnis zueinander mehr oder minder ungeklärt bleibt, wenig Anhaltspunkte, die geeignet wären, seine Diskursanalyse als solche zu wiederholen. Was bleibt ist ein Appell an den Forscher, niemals in der Geschichte nach ihrer Vernunft oder gar ihrer Teleologie zu graben, sondern stets die Kontingenz und Diskontinuität ihrer Produktion im Auge zu behalten.
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55 von 75 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Philosophie als Ausgrabung, 12. September 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Archäologie des Wissens (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Archäologie weckt zunächst Assoziationen von staubigen Gruben in Ägypten, in denen nach Zeugnissen vergangener Kulturen gegraben wird. Doch Foucault glaubt, daß man auch im menschlichen Geist Ausgrabungen machen kann, wenn nicht muß. Denn alles menschliche Handeln ist durch Denkmuster - oder im Begriff Foucaults: diskursive Praktiken - geprägt. Und deren Aufdeckung kann nur im Modus der Archäologie gelingen. Ein Aspekt dieser Praktiken, des Wissens, ist es nämlich, daß es sich nicht kontinuierlich entwickelt, sondern eine Folge von Brüchen für es prägend ist. Insofern ist der Versuch, frühere Praktiken - im Modus der Genealogie - aus jetzigen zu entwickeln nicht nur zum Scheitern verurteilt, er führt in die falsche Richtung: Denn Altes kann auch vom Neuen verdeckt werden, das Entdecken der vergangenen Diskurse ist nicht möglich, wenn man sie durch die Brille der heutigen betrachten will. Am Ende der archäologischen Arbeit steht das Archiv, eine Sammlung historischer Denkmuster, die unser Denken und Handeln prägen, die als kollektive Erfahrung die gesellschaftliche Praxis steuern. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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Archäologie des Wissens (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
Archäologie des Wissens (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) von Michel Foucault (Taschenbuch - 3. Mai 1981)
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