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62 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ausdehnung der Psychoanalyse auf die Gesellschaft, 12. August 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Anti-Ödipus: Kapitalismus und Schizophrenie I (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Ausgehend von den Problemen, die auftreten, wenn man Schizophrenie mit den klassischen psychoanalytischen Begriffen beschreiben will, entwickeln der Philosoph Gilles Deleuze und der Psychiater Félix Guattari eine umfassende Theorie des sogenannten "Unbewußten", seiner historischen Entwicklung und seiner freudschen Deutung. Die Kernthese: "Das Unbewußte ist so wenig struktural wie imaginär, noch symbolisiert, imaginiert oder figuriert es. Es läuft, es ist maschinell." Was die Psychoanalyse beobachtet, so Deleuze/Guattari, ist nicht das Unbewußte, sondern die Spuren seiner Unterdrückung, genau wie eine abgrenzbare Persönlichkeit überhaupt erst entsteht durch Verbote, die den Wunschmaschinen aufgezwungen werden. Also ist auch der ganze Ödipuskomplex ein Scheinproblem, bei dessen Lösungen wir vor verschiedene Arten der Unterdrückung gestellt sind: Die Freiheit haben wir verloren, als wir den Konflikt zu unserem Hauptproblem gemacht haben. Aus der verengten familiären Sichtweise befreit, versuchen Deleuze/Guattari eine Art gesellschaftliche Psychoanalyse, eine Betrachtung von möglichen Organisationsformen der Psyche in Zusammenhang mit Machtstrukturen, Medien und Produktionsverhältnissen. Man hat beim Lesen große Probleme, den sprunghaften Gedanken zu folgen, und ganz sicher ist es nicht das Vorhaben der Autoren, eine stringente Theorie zu schaffen. Wenn man sich aber auf den oft verwirrenden, immer lebendigen Text einläßt, spürt man, daß die Abwesenheit von Logik schon ein Stück Abschied vom theoretischen Terrorismus ist. Oder wie sagen die Autoren: "In Wirklichkeit gibt es keine Widersprüche, weder scheinbare noch reale, sondern nur Stufen des Humors". (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anti-Ödipus, 8. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Anti-Ödipus: Kapitalismus und Schizophrenie I (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Der erste Band von Kapitalismus und Schizophrenie „Anti-Ödipus“ ist eine Kritik an der Psychoanalyse von Sigmund Freud. Die Psychoanalyse wird hier als ein Instrument der Aufrechterhaltung von Dominanz und Repression beschrieben. Ihre Wirkung entfaltet sie durch die Unterwerfung des Subjekts unter Strukturen wie den „Ödipuskomplex“, der die Wirkungen der menschlichen Psyche auf die familiären Instanzen „Mutter“ und „Vater“ beschränkt. Dagegen entwerfen Deleuze und Guattari das Konzept der Wunschmaschinen, eines maschinell gedachten Unbewussten, welches, anders als in der Psychoanalyse, vielfältige Einflüsse erfährt. Das Subjekt ist so nicht vom negativen Mangel gekennzeichnet, sondern durch das positive Wünschen bestimmt.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Befreier des "Schizophrenen", 20. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Anti-Ödipus: Kapitalismus und Schizophrenie I (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Vor einiger Zeit, erinnert sich der Rezensent, äußerte sich in einer Staffel eines namhaften Privatsenderfernsehlagers ein Eingeschlossener zu einer eingschleusten Nachricht über den Amoklauf eines "als nett und freundlich und zuvorkommend" beschriebenen jungen Mannes mit den Worten "der war schizophren".
Was diese Anektdote veranschaulicht, ist, wie sehr, in Begriffen Foucaults gesprochen, die Macht der Psychiatrie und ihr Macht-Wissen-Haushalt im Begriffsverständnis des Alltags verankert stehen.
Diffuses ist da am Werk: Schizo-multiple Persönlichkeit-das Andere, alles einerlei, solange es in Verteidigung der Gesellschaft gut und sicher verwahrt wird und an den versumpften Außengürteln der Stadtränder sich abspielt.
Was bei Foucaults Bemühungen in der Analyse der Machtmechanismen von Ein- und Ausschließung noch als besessenes Nachzeichnen der neurotischen Strukturen, demnach als Anerkennung der Positivtät der Macht und ein Gegen-diese-Anschreiben erfahrbar wird, stellt für die Autorenkopplung Deleuze/Guattari eine Nichtigkeit dar, denn sie befreien die Begrifflichkeit des von Bleuler definierten "Schizophrenen" von jeglicher Negativität.
Liest man bei Bleuler noch unter Weiterführung des Begriffes "dementia praecox" wahrhaftes über das stetig flüchtige Treiben des "Schizophrenen" in seinem Gedankenwesen, so wird das, was dieser dennoch als "Verblödung" unbedingt zu Psychiatrisierendes diagnostiziert, unter der Feder Deleuze/Guattaris erkannt als Positivität eines Fluchtmechanismus.
Aufmerksam betrachtet wird dem Leser, der mit der Praxis von Psychiatrie und Psychotherapeutischer Arbeit vertraut ist, zunächst aufstoßen, dass lediglich auf 3 Seiten des Buches von den Negativformen der "Schizophrenie", von den Umstandsformen der Psychiatrisierung also, nur geringfügig gesprochen wird. Warum dies, wenn doch im psychiatrischen Alltag der sichtbare Corpus des "Schizo" sich als jener erweist, der sich der Stammelsprache, der Zerfahrenheit syntaktischer Ordnung verschreibt; der der als Begriffe durcheinanderwerfend, verkümmert-verwahrlost, hin- und herschaukelnd, wie aus einem Lehrbuch Bleulers, erscheint.
Warum diese Befreiung von seiner Negativität bei Deleuze/Guattari? Weil sie den "Schizo" in seiner Positivität erkennen: als jemand, der sich in Wirklichkeit dem System, das den Körper bindet, das ihn als Begriff im Vorhinein abtötet und zum Corpus macht, ständig entzieht.
Statt den "Schizo" aufs "Triangulier"bett der freudschen Analyse ("Mama-Papa-Ich") zu spannen, wird der Neurotisierung desselben Einhalt geboten. All diese Fluchtgeschwindigkeiten, Zersetzungen der "gebotenen" Sprache, die Verkopplungen mehrerer Worte ineinander, die dem schizophrenen Denken eigen sind, stellen nichts anderes dar, als Positivitäten eines Denkens, das sich der Habe des geschaffenen Territoriums der Geld-Werte-Körper entzieht und, besessen von diesen Körpern, ihre Beschleunigung und Verflüchtigung aus ihren inneren Kreisen sucht. Die "Schizophrenie" bildet daher für Deleuze/Guattari eine Antwort des Denkenden auf die aufkommenden Mechanismen der verwobenen Beschleunigungen: die Zeit der Industrialisierung, der beschleunigten Geschäftigkeit des Geldes; und tatsächlich wurde an anderer Stelle festgestellt, dass dieses Phänomen der "Abart" seine Konjuntur erlebt in jenem Moment, da dem ursprünglichen Territorium der Erde Vereinnahmungs- und Beschleunigungsapparate überstellt werden, die deren Natur weitestgehend verunsichtbaren oder ersetzen.
Für den Philosophen/Anti-Psychiater, der den 68ern niemals abgeschworen hat, ist daher stilistisch nahegelegen, ihr Werk als Mit-Denken in einem kommunistischen Gespann einem "einzelnen" Wortführerautoren und Einzelverführer entgegen zu halten. Der Autor Deleuze/Guattari schneidet Textkörper ineinander, die verschiedenen Stimmen angehören und die dennoch als "ein" Körper begriffen werden; so erfährt man stilistisch eine Reproduktion des Buches als Abbild ineinander aufgehobener Differenz, des einen Körpers zum nächsten: das Denken des sogenannten Schizophrenen, dessen Innen=Außen, als Nichtdifferenz eines wütenden Weltganzen, erfahren wird.
Freud, dem Deleuze an anderer Stelle vorhält, vor der "Schizophrenie" gekniffen zu haben, weil sie sich der Korrektur entzieht, wird daher enttarnt; dessen Systematisierung des Unterbewussten in Übersetzung eines Klarsicht verschaffenden Schemas ("Mama-Papa-Ich") versteht auf dem entkreisenden Boden der Schizo-Wunschmaschinen nicht zu greifen. Und was, ist die Frage, leistet die Psychoanalyse anderes, als der Chimäre der Verirrung des Leidenden Grenzen zu setzen im kleinen Familiengeschäft, um ein größeres, dessen Abbild es ist, zu sichern: die nutzbare Komprimierung des Menschen auf einen Teil der Geschäftigkeit einer Industrie unter einem Vater-Boss, einer Herrschafts-Maschinerie?
Der Anti-Ödipus ist neben den Schriften Basaglias sicherlich eines der wichtigsten Werke zum Verständnis des Un-Sinns einer Zivilisations"krankheit", die als solche, nämlich als Krankheit, als Mythos und Emblem der Irre, verwaltet, aber im Kern ihres Seins ein besessenes und sich entziehendes Sein von Besessenheit ist, das den Werte-Produktionsmaschinen (de lira=aus der Rille fahrend) entgleist. Zugleich ist es ein nietzeanisches "Lieber sterben als hier leben!", dem Gläubiger geschlossener Systeme engegen, der im Wörterbuch Utopie mit '68 verkreist,.
Dem Interessierten seien wärmstens zu einem tieferen Verständnis die Essays in Gilles Deleuzes Band "Schizophrenie und Gesellschaft" sowie, entlegener, die wunderbare DVD "Abécédaire de Gilles Deleuze" empfohlen.
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14 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wir Schizos, 27. April 2009
Von 
Michael Baumann "Michael Baumann" (Uedem, Niederrhein) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Anti-Ödipus: Kapitalismus und Schizophrenie I (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Es ist schon ein eigentümliches Gefühl, diese Rezension über dieses Buch hier zu veröffentlichen. Denn ich fürchte, dass die endlosen Diskussionen, die über die bösen postmodernen Denker, die sich an den heiligen Kühen der Mathematik und Logik vergreifen,die bereits geführt wurden, durch eine positive (wohlwollende) Bewertung dieses Buches explodieren könnten; dass man totgepostet wird, ein solches Machwerk, das in dieser Form, nämlich nach einem exzentrischen Interpretationsstil, geschrieben ist, vollgestopft mit Anleihen bei Mathematik, Logik, Kybernetik, Marxismus, Linguistik usf., dass man da nicht entsetzt "Missbrauch !" ruft und jeden ungespitzt in den Boden rammt, der diesem "Unsinn" was abgewinnen kann. Jetzt kommts: ich mache diesen Fehler. Ich halte es für ein sehr interessantes Buch, das einen zwar arg,arg ins Nachdenken stürzt, aber ob seiner Ungewöhnlichkeit einen Silberstreif am Horizont derer sein kann, die sich ausserhalb der Welt der sektenhaft in sich abgeschlossenen Geisteswissenschaftler befindlichen, dastellt. Inwiefern durch dieses Buch der Ödipuskomplex tatsächlich überflüssig wird, ist schwierig mit drei Sätzen zu sagen (man lese selbst), eigentlich wird er durch den schizophrenmachenden Kapitalismus aufgefressen, aber - zum Trost für alle, die schon lange darauf warten - der bitterböse Thesenklauer und zu hängende Mathematikschänder Lacan (leider ist er schon tot) wird kräftig zur Strecke gebracht; was eines der Hauptziele der Autoren war. Es gibt gewiss viele Dunkelheiten im Text, worauf man lange rumkauen muss, aber das gibts auch bei Hegel oder Schelling. Wer schwierige, ergiebige Lektüre mag, greife zu.
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5 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Hauptwerk, 16. Juni 2003
Rezension bezieht sich auf: Anti-Ödipus: Kapitalismus und Schizophrenie I (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
der beiden. Was sie hier zusammen schaffen ist zwar nur ein Philosophiebuch, aber es hält sich wenig an Konventionen (bis auf dieses massenhafte Zitieren anderer Autoren), so das es sich an seinen besseren Stellen, wie ein Roman liest. Später haben die beiden selber eingeräumt den Ödipuskomplex nicht ganz "verdrängt" zu haben -haben ihn meiner Meinung nach sogar verstärkt-, aber darum geht es nicht. Ein so großes Vorhaben mußte scheitern, aber es mußte ebenso gewagt werden.
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