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41 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klassiker der Wissenschaftsgeschichte und -theorie
Kuhns "Struktur" ist ohne Zweifel ein echter Klassiker geworden, die Termini "Paradigma" bzw. "Paradigmenwechsel" sind aus der wissenschaftstheoretischen Diskussion nicht mehr wegzudenken und haben ihren Weg in den allgemeinen akademischen Sprachgebrauch gefunden. Leider werden sie häufig derart inflationär gebraucht, dass von...
Am 9. September 1999 veröffentlicht

versus
3 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nachhaltig
Eines der meistzitierten Bücher in der populärwissenschaftlichen Literatur.
Deshalb: Lesen!!! Wegstellen. Nachdenken. Wieder Lesen. Nachdenken.
Popper lesen. Nachdenken. Wieder lesen.
Vernünftig und lesbar (!) geschrieben - auch wenn die Kapitelüberschriften
zuuuu verheißungsvoll sind. Er verliert sich manchmal.
Zu wenig...
Veröffentlicht am 5. Juli 2007 von Stefan C.


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41 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klassiker der Wissenschaftsgeschichte und -theorie, 9. September 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Kuhns "Struktur" ist ohne Zweifel ein echter Klassiker geworden, die Termini "Paradigma" bzw. "Paradigmenwechsel" sind aus der wissenschaftstheoretischen Diskussion nicht mehr wegzudenken und haben ihren Weg in den allgemeinen akademischen Sprachgebrauch gefunden. Leider werden sie häufig derart inflationär gebraucht, dass von der ursprünglichen Intention wenig übrig bleibt. Bei Kuhn hat das dazu geführt, dass er von einigen quasi als Legitimation für noch so fragwürdige Ansichten und Methoden benutzt wird, für andere sind seine Ausführung schon per se ein rotes Tuch. Schon deswegen lohnt sich die Lektüre des Originals, und der interessierte Leser wird belohnt. Kuhn, von Hause aus Physiker, ist ein nüchterner und spannend zu lesender Autor - seine Ausführungen haben Hand und Fuß, wenn auch vieles von dem, was im vorliegenden Buch steht, von ihm selbst im Lauf der Zeit relativiert, präzisiert und zurückgenommen wurde. Wer sich also ernsthaft mit ihm beschäftigen will, der sollte auch seine übrigen Bücher lesen.
Kuhns Kritik an der konventionellen Auffassung vom Wachstum wissenschaftlicher Erkenntnis läuft darauf hinaus, dass es seiner Meinung nach eine kontinuierliche Ansammlung von gesichertem Wissen nicht gibt, stattdessen verläuft Wissenschaft ähnlich wie soziale Revolutionen. In Zeiten der Normalwissenschaft beschäftigen sich Wissenschaftler mit dem "Lösen von Rätseln", funktioniert dies nicht, wird die Schuld dem Forscher gegeben, nicht dem zugrunde liegenden "Paradigma". Doch irgendwann kommt es zu einer solchen Krise, dass in einer Art "religiösen Konvertierung" Forscher ein neues "Forschungsparadigma" annehmen - dieser Schritt scheint nicht rational begründbar zu sein, da es keine objektive Möglichkeit des Vergleichs rivalisiernder Paradigmen gäbe ("Inkommensurabilität"). Dies ist extrem stark vereinfacht die Essenz des Buches, doch Kuhns Ausführungen sind bedeutend komplizierter und differenzierter.Spricht Kuhn noch von einer Logik der Forschung oder psychologisiert bzw. soziologisiert er den wissenschaftlichen Fortschritt? Gibt es überhaupt noch so etwas wie wissenschaftlichen Fotschritt bei Kuhn? Sind seine historischen Beispiele schlüssig oder lassen sie sich auch anders - nämlich als vernünftige Entscheidungen der wissenschaftlichen gemeinschaft - interpretieren? Nur wer selbst das Buch liest, kann diese heute noch andauernden Debatten kritisch beurteilen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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26 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was Wissenschaft zu leisten vermag - und was nicht, 18. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Wenn immer die Diskussion darauf kommt, was eine Wissenschaft zur Wissenschaft macht, wie wissenschaftliche Erkenntnisse entstehen und wie "sicher" sie sein können - ist es keine schlechte Idee, diesen Klassiker der Wissenschaftstheorie aus dem Bücherregal zu holen. Für mich war der Anlass die derzeit wieder aufflammende Diskussion um Kreationismus und die Frage, was Wissenschaft von Religion und Glaube unterscheidet, und wie gesichert die Evolutionstheorie sei.

Thomas Kuhns Essay wurde ausgiebig rezensiert. Ich möchte hier auf einen Aspekt hinweisen, den ich kaum kommentiert fand: Thomas Kuhn sieht eine Analogie zwischen der Evolution (der Organismen) und der Evolution wissenschaftlicher Ideen.

Thomas Kuhn definiert eine Periode normaler Wissenschaft, während der die herrschenden Meinungen, Theorien und Methoden (die gültigen Paradigmen) vertieft werden. Diese Wissenschaft strebt nicht nach "Tatsachen" und nicht nach neuen Theorien, sondern lotet aus, welche Probleme mit dem herrschenden Paradigma zu lösen sind. Aber genau dadurch, dass Paradigmen definiert werden finden Wissenschaftler Ergebnisse, die unerklärlich bleiben. Da diese Rätsel mit dem herrschenden Paradigma nicht gelöst werden können, entsteht eine Krise.

In der Krise kommen neue Paradigmen auf, die miteinander konkurrieren. Allerdings kann kein Paradigma alle Rätsel lösen. Es setzt aber sich jenes Paradigma durch, das für diejenigen Rätsel eine Erklärung bietet, die als die wichtigsten eingeschätzt werden. Dieser als Paradigmenwechsel bezeichnete Vorgang ist somit weder notwendigerweise ein Schritt näher zur "Wahrheit", noch ist es ein *gezielter* Schritt zur "Wahrheit". Der Paradigmenwechsel versucht lediglich, eine Erklärung für ausgesuchte Rätsel zu finden.

Und hier zieht Thomas Kuhn die Parallele zu der Theorie Darwins, die zu seiner Zeit (und teilweise auch noch heute) am heftigsten bestritten wird: Die Evolution ist *nicht* zielgerichtet; sie schreitet voran durch Veränderung und Auslese. Und so wenig wie die Evolution "zielgerichtet" voranschreitet (um die "Krone der Schöpfung zu schaffen"), so wenig zielgerichtet schreitet Wissenschaft voran, "um der Wahrheit näher zu kommen".

Der Essay liefert, trotz der skizzierten Beispiele aus den Naturwissenschaften viel Theorie und ist nicht immer ohne weiteres nachzuvollziehen. Wer anschaulich beschriebene praktische Beispiele aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen nachlesen möchte, sei als Ergänzung Heinrich Zankl "Der große Irrtum - Wo die Wissenschaft sich täuschte" empfohlen.

Wer profitiert von dem doch anspruchsvollen wissenschaftstheoretischen Buch? Nun, zunächst jeder, der wissenschaftlich tätig ist. Naturwissenschaftlern möchte ich es besonders ans Herz legen. Und dann ist es für jeden ein Gewinn, der sich mit der Frage, was Wissenschaften zu leisten vermögen (und was nicht), auseinandersetzen möchte.
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13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lesen und dabei ständig "Aha!" denken, 20. Januar 2003
Rezension bezieht sich auf: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Dieses Werk eignet sich meiner Meinung nach für alle diejenigen nicht, denen es egal ist, was "Wissenschaft" eigentlich ist, wofür sie steht und was für Erkenntnisse sie für sich reklamiert.
Da aber fast jeder, der auch nur entfernt mit wissenschaftlichem Streben in Kontakt kommt, irgendwann denkt "Hoppla, was hab ich davon eigentlich zu halten?", kommt dieses Buch für einen sehr großen Leserkreis in Frage.
Die z.T. heftigen Reaktionen auf dieses Werk zeigen, wie sehr Kuhn den Finger in die Wunde zu legen vermag. Kuhn behandelt allerdings im Wesentlichen den historischen Prozess der Erkenntnisvermehrung, dieses Buch ist nicht so sehr eine Wissenschaftskritik per se.
Das Buch ist gut und spannend zu lesen, was natürlich immer nett ist.
Wer nicht so recht weiß, ob es nicht noch was allgemeineres gibt, sollte sich ein wenig bei Paul Feyerabend umsehen!
Noch etwas anders, weil soziologischer, aber unbedingt zu empfehlen ist das suhrkamp-Buch "Zur Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache" von Ludvik Fleck!
Einfach mal vergleichen!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bedeutendes wissenschaftstheoretisches Werk, 28. November 2008
Von 
Lulu "Penny" - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Bei "Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen" handelt es sich um ein bedeutendes wissenschaftstheoretisches Werk, welches nicht nur den Begriff des Paradigenwechsels in die Wissenschaftstheorie einführte, sondern selbst so etwas wie einen Paradigmenwechsel innerhalb der eigenen Disziplin einläutete.

Von Karl R. Popper Karl Popper: Logik der Forschung stammt der Begriff der Falsifizierbarkeit als wissenschaftliches Kriterium: Wissenschaftliche Hypothesen lassen sich nicht beweisen, sondern bestenfalls falsifizieren. Und genau diese Falsifizierbarkeit unterscheidet sie dann auch von Metaphysik. Ferner: Je mehr Möglichkeiten zu ihrer eigenen Widerlegung eine Theorie bietet, desto größer ist ihr empirischer Gehalt, desto wissenschaftlicher könnte man sie folglich nennen. Eine Theorie, die einen größeren Anwendungsbereich abdeckt oder die präziseren Prognosen macht, wäre in dem Sinne dann einer anderen überlegen und somit auch vorzuziehen.

Thomas S. Kuhn behauptet in seinem Buch nun aber, dass in den Wissenschaften eine Theorie im Allgemeinen keineswegs sofort als falsifiziert gilt, wenn ihr widersprechende Resultate auftauchen. Stattdessen geht man zunächst eher konservativ vor und prüft, ob die Resultate reproduzierbar bzw. eventuell sogar ganz anders zu erklären sind (und folglich keinen Widerspruch zur Theorie darstellen). Wenn dies zu keinem Ergebnis führt, lässt man die Sache oftmals einfach links liegen, und zwar solange, bis es zum sog. Paradigmenwechsel kommt.

Gemäß Kuhn beruhen wissenschaftliche Gemeinschaften nämlich auf gemeinsam akzeptierten Grundannahmen, dem sog. Paradigma. Versucht ein Wissenschaftler dieses Paradigma einzureißen und durch ein anders zu ersetzen, dann dürfte er zunächst den Widerstand der eingeschworenen Forschergemeinschaft zu spüren bekommen, die vom bisherigen Paradigma profitiert. Deshalb würden Paradigmenwechsel in erster Linie von Personen vorgeschlagen, die relativ neu (jung oder von außen kommend) im Forschungsgebiet sind, und die sich vor allem in einer Sache auszeichnen, nämlich die bereits festgestellten Widersprüche ernstzunehmen. Erst wenn sich ein Paradigma wirklich nicht mehr aufrechterhalten ließe und es Alternativen gäbe, die die Beobachtungsdaten besser erklären könnten, käme es zu einem Paradigmenwechsel.

Kuhn versteht Wissenschaft folglich als einen evolutionären Prozess, der ganz wesentlich durch den Wettbewerb unter den Wissenschaftlern vorangetrieben wird. Gemäß Sandra Mitchell (Komplexitäten, S. 136) behaupteten manche Wissenschaftssoziologen daraufhin, "das Ziel der Wissenschaft sei nicht mehr die Wahrheitsfindung ..., sondern Autorität und Macht in den gesellschaftlichen Wissenschaftsinstitutionen".

Der Bezug zur Darwinschen Evolutionstheorie wird von Kuhn ausdrücklich selbst hergestellt (S. 184):

"Die Analogie zwischen der Evolution von Organismen und der Evolution wissenschaftlicher Ideen kann leicht zu weit getrieben werden. Doch im Hinblick auf die Fragen dieses Schlussabschnitts ist sie fast vollkommen. Der Prozess ... ist die durch einen Konflikt innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft herbeigeführte Selektion des geeigneten Weges, die zukünftige Wissenschaft zu betreiben. Das Ergebnis einer Folge solcher revolutionären Selektionen, die mit Perioden normaler Forschung abwechselten, ist das wunderbar geeignete System von Werkzeugen, das wir moderne wissenschaftliche Erkenntnis nennen."

Genau an diesem Punkt deutet sich nun aber ein weiterer Paradigmenwechsel an, denn bislang hat sich die Darwinsche Evolutionstheorie nicht auf nichtbiologische Bereiche ausweiten lassen. Erweiterungen, wie die Memetik Richards Dawkins (Das egoistische Gen), beschritten meist einen ganz anderen Weg.

Mersch hat in Evolution, Zivilisation und Verschwendung: Über den Ursprung von Allem eine Systemische Evolutionstheorie vorgestellt, die sich in entscheidenden Punkten von der Darwinschen Theorie unterscheidet, und die den Anspruch erhebt, alle eigendynamischen Evolutionen (die keinen externen Schöpfer benötigen) erklären zu können, indem sie die Systemeigenschaften der Individuen evolutionsfähiger Populationen benennt (eigenständige Selbsterhaltungs- und Reproduktionsinteressen). Entsprechend beschreibt er die Evolution des Wissens (S. 179ff.) auf Basis der Systemischen Evolutionstheorie. Das Ergebnis ist verblüffend und deckt sich vollständig mit vielen Vorstellungen Kuhns: Weder die Technik, wissenschaftliche Hypothesen, Melodien, Äpfel noch Ameisenhügel können eigendynamisch evolvieren, sondern lediglich Technologiekonzerne, Wissenschaftler/Forschungsinstitute, Komponisten, Apfelbäume und Ameisen. Beispielsweise evolvieren Technologiekonzerne auf ihren jeweiligen Märkten, auf denen sie auf Wettbewerber treffen, mit denen sie um den Zugang zu Ressourcen (Geld durch Verkäufe) auf Basis ihrer Kompetenzen/Adaptionen (Produkte) konkurrieren. Laut Mersch evolvieren wissenschaftliche Hypothesen also nicht durch "Selektionen", wie es noch Kuhn behauptet, sondern eine solche "Evolution" ist nur ein Nebeneffekt der Evolution der Forscher. Oder anders ausgedrückt: wissenschaftliche Hypothesen evolvieren, weil sie einen Schöpfer (!) besitzen. Dies relativiert im gewissen Sinne auch die Forderung Poppers: "Lasst Theorien sterben anstelle ihrer Anhänger". Die Ablehnung einer Theorie ist nämlich keineswegs eine neutrale Sache, die die sie vertretenden Wissenschaftler überhaupt nicht tangiert, im Gegenteil. Und genau deshalb kommt es zu den von Kuhn beschriebenen Widerständen oder gar Fehlentwicklungen, auf die auch Sandra Mitchell hinweist.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen pflichtlektüre, 30. Mai 2008
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
...hätte ich dieses buch doch nur früher gelesen, habe ich mir nach der lektüre von kuhns klassiker gedacht. er erklärt das wesen der wissenschaft in gut verständlicher form und bringt einen dadurch zum staunen. kein zweifel kann daran bestehen, dass es sich mit der wissenschaft so verhält wie kuhn es beschreibt. endlich versteht der leser/die leserin was wirklich unter einem paradigmenwechsel zu verstehen ist und wie er zu stande kommt: es ist nicht eine frage der wahrheit, sondern resultiert vielmehr aus einem machtkampf der beiteligten wissenschaftler. auch ist die entwicklung der wissenschaft keine stetige entwicklung oder ein prozess in dem wissenslücken vorangehender gerationen durch die forschungen nachfolgender in harmonie geschlossen werden...man lasse sich überraschen von einem großartigen buch
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4.0 von 5 Sternen Evolution des Wissens, 19. Februar 2013
Von 
FMA - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
T. S. Kuhn fokussiert in seinem nach der ersten Publikation äußerst kontrovers diskutierten Buch
"Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen" die Bedeutung von Basistheorien, so genannten Paradigmen, für die darauf aufbauende Forschung.

Paradigmen, so Kuhn, signalisieren dem Wissenschaftler, welche Entitäten es in der Natur gibt und welche nicht, und wie sie sich verhalten. Durch diese Informationen entsteht eine Landkarte, deren Einzelheiten durch reife wissenschaftliche Forschung aufgehellt werden. Und da die Natur viel zu komplex und vielfältig ist, um auf gut Glück erforscht zu werden, ist diese Landkarte genauso wichtig für die kontinuierliche Weiterentwicklung der Wissenschaft wie Beobachtung und Experiment." Im Gegensatz zu Popper vertritt Kuhn die Ansicht, dass Paradigmen nicht falsifiziert werden können.

Ein Paradigma wird erst dann aufgegeben, wenn es wissenschaftlichen Erkenntniszuwachs im Sinne der dominierenden Weltsicht nicht mehr konsistent integrieren kann, und ein alternativer Entwurf in Sicht ist. Auch dann geschieht es nicht widerstandslos, gewissermaßen infolge einer allgemeinen Einsicht in seine Ungültigkeit. Es wird vielmehr gewissermaßen überlebt". Dennoch kann man von einer Art wissenschaftlicher Revolution reden.

Wenn in der Entwicklung einer Naturwissenschaft ein einzelner oder eine Gruppe erstmalig eine Synthese hervorbringt, die in der Lage ist, die meisten Fachleute der nächsten Generation anzuziehen, verschwinden allmählich die alten Schulen. [...] Das neue Paradigma impliziert eine neue und strengere Definition des Gebietes."

Als Beispiele führt Kuhn u. a. den Übergang vom Ptolemäischen zum Kopernikanischen Weltbild, der Aristotelischen zur Newtonschen Mechanik oder von der mechanistischen Physik Newtons zur Physik Einsteins und Heisenbergs an.

Selbst auf der scheinbar deskriptiven Ebene hatten die Aristoteliker wenig mechanische Kenntnisse besessen, viele ihrer Aussagen waren einfach falsch. [...] Auf anderen Gebieten als der Physik war Aristoteles ein scharfer und naturnaher Beobachter gewesen, und auch seine Deutungen der Erscheinungen waren oft scharfsichtig und tief. Wie konnten ihn diese Fähigkeiten auf dem Gebiet der Mechanik so im Stich gelassen haben? Wie konnte er hier so viel anscheinend absurdes behaupten? Und vor allem, warum wurden seine Auffassungen so lange von so vielen seiner Nachfolger so ernst genommen?"

Entscheidend für die Übergänge ist dabei nicht ein Mehr an Evidenz, das diese zur Folge hätten, sondern an Konsistenz zu den aktuellen Forschungsergebnissen. Wissenschaft ist somit auch kein linearer Prozess fortschreitender Wissensakkumulation, sondern eher der zeitgeistigen Wissensintegration. Dennoch gesteht Kuhn zu, dass auf diesem Wege, oder genauer auf diesen Umwegen, eine Tendenz hin zu einem genaueren und differenzierteren Wirklichkeitsverständnis erkennbar ist.
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5.0 von 5 Sternen Bekehrung, 14. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Die "Struktur wissenschaftlicher Revolutionen" ist in zweifacher Hinsicht eines der wesentlichen Bücher ist 20. Jahrhunderts. Erstens hat es die Wissenschaftstheorie mit einem grundlegend neuen Modell (Paradigmenwechsel, Inkommensurabilität von Auffassungen unterschiedlicher Paradigmen) verändert, zweitens hat es durch dieses neue Konzept die Wissenschaftstheorie der breiten Öffentlichkeit bekanntgemacht und diesem Wissenschaftszweig in der öffentlichen Wahrnehmung eine vorher nicht bekannte Attraktivität verliehen. Es greift deshalb bei der heutigen Bewertung des Werkes zu kurz, wenn man zu nah über den Buchstaben die Thesen Thomas Kuhns zustimmend oder mäkelnd wahrnimmt, wie es die ersten Wissenschaftler (damals vor allem Physiker) nach der Veröffentlichung im Jahr 1962 getan haben. Thema dieser Rezension ist auch nicht die heutige Wahrnehmung des Essays aus dem Jahr 1962 in Wissenschaftstheorie und Philosophie oder Kuhns spätere Abwandlung verschiedener Begriffe seiner ursprünglichen Veröffentlichung, sondern die Rezeption seiner 1962 publizierten wissenschaftlichen Arbeit im Original (und nicht etwa einer vereinfachenden populärwissenschaftlichen Darstellung) durch die breite Öffentlichkeit.

Der Übergang zwischen zwei Paradigmen (alles, worüber Konsens besteht, und das damit verbundene Weltbild) erfolgt durch eine wissenschaftliche Revolution, altes und neues Paradigma sind inkommensurabel. Weil die wissenschaftliche Geschichtsschreibung heutige Ergebnisse in die Vergangenheit projiziert und der Idee des kumulativen Anwachsens der Erkenntnis frönt, bleiben diese Revolutionen für Wissenschaftler und Öffentlichkeit verborgen. Da der kumulative Fortschnitt nur innerhalb eines Paradigmas stattfindet und durch wissenschaftliche Revolutionen unterbrochen wird, muss man sich von der Vorstellung lösen, dass sich eine Wissenschaft in ihrer Entwicklung kumulativ einer Wahrheit annähert. Wissenschaft führt nirgendwo hin.

Thomas Kuhn belegt seine Thesen durch die Darstellung verschiedener Umbrüche in der Geschichte der Physik, die nach einem Muster erfolgten, das genau mit seinem neuen Ansatz verträglich ist. Dabei ist klar: Mit Kuhns Modell verträgliche Tatsachen findet man nicht rein zufällig in der historischen Forschung. Man muss zunächst den Ansatz kennen (erfinden), dann findet man auch die erforderlichen Belege. Die "Struktur wissenschaftlicher Revolutionen" ist ein Bekehrungsbuch, ein neuer wissenschaftlicher Ansatz und die zugehörigen Belege werden gleichzeitig geliefert, zugleich erfolgt eine Einordnung in Wissenschaftstheorie, Philosophie und Geschichtsschreibung. Die Rezeption durch die breite Öffentlichkeit erfolgt nicht, weil die Beweise so erdrückend sind, sondern weil der theoretische Ansatz neu, einfach, attraktiv und verständlich ist. Nicht alle Aspekte einer Bekehrung müssen voll verstanden werden. Durch die breite öffentliche Rezeption findet zugleich eine Demokratisierung der Wissenschaftstheorie statt, der Leser wird von einem brillanten Ansatz überzeugt und erfährt en passant von ihm (in seiner Mehrheit) zuvor unbekannten, jetzt aber als überholt wahrzunehmenden Vorstellungen verschiedener Disziplinen, die einer Korrektur bedurften.

Viele Intellektuelle, vor allem in den USA, die in den 60er, 70er und 80er Jahren studierten, geben an, dass sie durch das Hauptwerk Thomas Kuhns aus dem Jahr 1962 in ihrem Verständnis darüber, was Wissenschaft ist, entscheidend beeinflusst worden sind. Somit dürfte die "Struktur wissenschaftlicher Revolutionen" zu den am häufigsten partiell gelesenen wissenschaftlichen Texten des 20. Jahrhunderts gehören.

Warum partiell gelesen? Machen wir uns nichts vor: zwar ist der Übergang vom ptolemäischen zum kopernikanischen Weltbild für die meisten von uns noch verständlich, der Übergang von der Newtonschen zur Einsteinschen Mechanik für Physiker noch nachvollziehbar. In wieweit wir den anderen Belegen Thomas Kuhns für wissenschaftliche Revolutionen folgen können, hängt jedoch stark von der Vorbildung im Fach Physik ab. Von wissenschaftlich ausgebildeten Physikern können wir zwar annehmen, dass sie wissen, worum es bei den verschiedenen von Kuhn genannten Beispielen geht, in einem Studium der Physik werden jedoch nicht unbedingt vertiefte Kenntnisse der Geschichte der Physik vermittelt. Wir müssen daher annehmen, dass es nur wenige Leser gibt, die die Schlüssigkeit der Belege für wissenschaftliche Revolutionen wirklich nachvollziehen können. Es ist davon auszugehen, dass die Mehrheit der Leser die erwähnten Beispiele überschlagen oder, soweit es ihr Vorverständnis erlaubte, gläubig zur Kenntnis genommen hat. Es ist auffällig, dass auch in der wissenschaftstheoretischen und philosophischen Kritik auf die von Kuhn genannten Beispiele kaum eingegangen wird.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klassiker der Wissenschaftstheorie, 22. Februar 2007
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Kuhns Essay gilt als Klassiker der Wissenschaftstheorie. Er ist nicht nur überaus spannend zu lesen, die Erkenntnisse, die Kuhn in minutiöser Kleinarbeit aus dem Studium der naturwissenschaftlichen Entwicklung gewinnt und didaktisch geschickt diskutiert, lassen sich - mit Einschränkungen, die er selbst nennt - auch auf die Sozial- bzw. Geisteswissenschaften übertragen. Sogar in Politik und Wirtschaft hat der Begriff des Paradigmenwechsels, eine Erfindung Kuhns, Eingang gefunden. Das Hauptverdienst von Kuhns Buch besteht in der Erkenntnis: Die eigene Sicht auf die Welt ist meist von Einflüssen geprägt, die uns längst nicht mehr bewusst sind - deshalb ist sie sehr beschränkt. Das erklärt einerseits, warum die Vertreter verschiedenartiger Wirklichkeitsmodelle fast notwendigerweise aneinander vorbeireden, und das nicht nur in den Wissenschaften. Andererseits gibt es Aufschluss darüber, warum ausgerechnet wissenschaftliche Gemeinschaften sich oft derart erbittert dagegen stemmen, die gewohnte Wahrnehmungs-, Denk- und Arbeitsweise aufzugeben. Auch wenn Kuhn seine Erkenntnisse aus dem Wissenschaftsbetrieb bezieht und sein Buch von wissenschaftlichen Revolutionen (Kopernikus, Newton, Einstein etc.) handelt, bestätigt der amerikanische Autor en passant etliche Einsichten der zeitgenössischen Psychologie und Philosophie.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen (suhrkamp taschenbuch..., 30. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Der Stil ist sehr anspruchsvoll. Ich kämpfe mich durch! Aber da Kuhn so wegweisend für das 21. Jahrhundert war möchte ich durchhalten.
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1 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Paradigmenwechsel, was gestern falsch war ist morgen richtig, 8. Dezember 2003
Rezension bezieht sich auf: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Taschenbuch)
Das Buch beschreibt, wonach Fortschritt in der Wissenschaft sich nicht durch allmägliche Veränderung vollzieht, sondern durch revoluzionäre Prozesse, wo ein bisheriges Erklärungsmodell verworfen wird und durch ein anderes ersetzt wird. Offenbar kommt von dem Auto die Bezeichnung "Paradigmenwechsel. Der Autor forscht und lehrt an der Harvard Universität U.S.A. Das Thema ist insoweit aktuell, daß eben gerade heute ein Paradigmenwechsel auf vielen Kapiteln des Deutschen Systems ansteht, weil das was bisher erfolgreich war oder zum Erfolg geführt hat, jetzt eben genau zum Mißerfolg führt. Und genauso was gestern falsch war, ist morgen plötzlich richtig. Das Auto fuhr gestern noch vorwärts, morgen muss es rückwärts fahren. Es ist genau andersherum. Das Buch beschreibt hoch wissenschaftlich und intellektuell die Umkehr, den Paradigmenwechsel
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