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Das wilde Netzwerk: Ein ethnologischer Blick auf Facebook (edition unseld)
Format: TaschenbuchÄndern
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am 18. Dezember 2012
Sind Sie noch auf der Suche nach einer entspannenden Lektüre? Nun, hier habe ich einen perfekten Vorschlag: Der Ethnologe Daniel Miller reiste in den Karibik-Staat Trinidad und beobachtete vor Ort und virtuell, wie die Menschen dort mit Facebook umgehen. Spätestens beim Wort Ethnologe" kommen die ersten Bedenken auf: Ist da nicht die Gefahr, das in einem schwer verdaulichen fachwissenschaftlichen Jargon die üblichen Klischees und Vorurteile gegenüber neue Medien nochmal präsentiert werden?

Nicht bei Daniel Miller, denn er schreibt in einem lockeren Reportage-Stil, der die Menschen, über die er berichtet, so lebendig und anschaulich vorführt, als ständen sie direkt vor uns. In sieben Kurzporträts beschreibt er Menschen, die alle auf eine eigene Art das soziale Netzwerk Facebook nutzen: Um ihre Beziehungen zu pflegen, um sich neue Lebensräume zu erobern, um ihre Identität zu finden.

Der Autor zeichnet seine Skizzen liebevoll, aber auch ironisch und witzig, aber auch mit großem Respekt. Wie unter einem Mikroskop wird ihr Verhalten untersucht. Das für uns exotische Setting - der Inselstaat Trinidad - sorgt dabei noch für einen besonderen Verfremdungseffekt: Auf den ersten Blick wirkt der Umgang der beobachteten Menschen mit Facebook ursprünglich und naiv - nicht Datenschutz oder Geschäftsmodelle sind das Thema, es wird nicht über abstrakte Zielgruppen oder Erlöspotenziale gesprochen.

Wir sehen Menschen, die das Netzwerk für ihre ganz persönlichen Zwecke nutzen. Es hilft den schüchternen Altenpfleger, sich eine Reputation als hilfsbereiter Pixel-Bauer aufzubauen, die weit über die Grenzen des Spiels Farmville" in das reale Leben hinausragen. Es hilft der jungen Studentin, eine nächtliche Lerngruppe zu organisieren, wenn ihre Familie schon lange schläft und sich niemand mehr auf die Straße traut. Es hilft einer jungen selbstbewussten Frau, ein Bild von ihrem Leben zu zeichnen, das ihrem Potenzial entspricht und nicht den etwas trostlosen Umständen, in die sie zufällig hineingeboren wurde.

Dieser unverkrampfte und unverkopfte Umgang mit Facebook liefert uns einen erfrischenden Blick auf das Phänomen - jenseits aller gängiger Medienkritik oder unserer professionellen Kommerz-Brille, mit der alle Menschen nur noch wie Zielgruppen aussehen. Daniel Miller stellt seinen Personenbeschreibungen aber auch noch 15 Thesen über den Einfluss von Facebook auf unser Zusammenleben bei. Hier ist er schon etwas analytischer, aber auch diese Texte sind keine wissenschaftlichen Abhandlungen.

Dass dabei ein eher positive Tendenz zu bemerken ist (zum Beispiel, wenn er schreibt: Mit Facebook enden zwei Jahrhunderte der Flucht aus Gemeinschaften"), kann man ihm nicht vorwerfen. Das wilde Netzwerk" ist keine erschöpfende Abhandlung zum Thema Nutzung von Facebook, sondern ein fokussierter Blick auf die Aspekte, die wir in Deutschland zu gerne vergessen: Interaktion auf Facebook ist keine minderwertige Art von Kommunikation, sondern das pralle Leben. Denn das menschliche Zusammenleben ist immer spannend und authentisch, egal ob es in einer Dorfgemeinschaft in der Karibik oder auf den Servern von Facebook stattfindet.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 100 REZENSENTam 30. April 2012
Ich bin zwar von der Wirksamkeit des Internets überzeugt und lebe diese Überzeugung tatsächlich im Kontakt mit Personen in der ganzen Welt. Dies ist jedoch fernab von von sozialem Geplapper gerichtet auf den monetären Rückfluss meiner Leistungen auf eine faire, nachvollziehbare Weise. Ich halte wenig von kostenlosen Leistungen, die man für Firmen erbringen sollte. Über dieses Crowd Sourcing wurde schon viel geschrieben, es funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip wie Facebook seine Plattform bzw. die Daten milliardenschwer verkauft, ohne die eigentlichen Betreiber (=Nutzer) fair daran zu beteiligen.

Kurzum: ich habe wenig Zeit für Facebook, Twitter oder ähnliche soziale Netzwerke. Trotzdem können sie natürlich Sinn machen, wenn sie gezielt und richtig eingesetzt werden. Mit sieben Portraits von Menschen aus Trinidad versucht der Autor Thesen für die Facebook-Sinnstiftung abzuleiten, d.h. mögliche Nutzendimensionen für die Teilnehmer zu generieren. Ein eher stiller Junge findet über ein Online-Spiel endlich Anerkennung, ein älterer Herr im Rollstuhl entflieht seiner Einsamkeit und kann sich endlich, wie früher, wieder mit Gleichgesinnten unterhalten, ein Unternehmen setzt seine komplette Marketing-Strategie im Internet um. Und es gibt Ajani, eine Art Künstlerin die gezielt und bewusst postet, um Anstöße zu geben. Sie agiert, statt passiv zu konsumieren, sie ist eine Künstlerin im besten Sinne, die Facebook als Ausstellungs- und Kommunikationsraum selbst-bewusst nutzt.

Die abgeleiteten Thesen über Facebook sind lesenswert und richtig, letzten Endes handelt es sich um ein Medium, das unserem sozialen Bedürfnis nach Gehörtwerden, Anerkennung, Austausch, Klatsch und Tratsch entspricht bzw. dieses auf Regionen weit über den eigentlichen lokalen Freundeskreis hinaus verbreitert. Auf Facebook könnte man (wenn dort nicht nur sozial erwünschte Antworten gegeben würden) einiges über potentielle Bekannte in Erfahrung bringen, vorab, bevor man sich möglichen Missverständnissen aussetzt etc. etc. Allerdings verändert das Medium auch die Gewohnheiten: in Trinidad hat sich die Kommunikation vom Text zur Visualisierung verschoben, ein durchaus problematisches Verhalten, wenn man zudem die Manipulationsmöglichkeiten von Bildern mit einbezieht.

Dieses Buch ist ein wichtiger, positiver Beitrag zur Auseinandersetzung mit Facebook, mit Informationen darüber, wo Nutzen und Gefahren liegen. Es geht in diesem Umfeld vor allem darum, nicht zum Getriebenen oder Alles-Ausplapperer zu werden, sondern aktiv, selbstbestimmt relevantes Wissen und Erfahrungen zu teilen. Niemand muss sich für alle öffentlich stellen, sondern kann in besonderen (auch nicht-öffentlichen) Gruppen an bestimmten Hobbies oder auch Berufen arbeiten. Es scheint so, dass hier jenes kreative Potential gefördert werden kann, das Menschen bisher in einer wettbewerbsorientierten Gesellschaft lieber für sich behalten haben, ohne jemals umfassend davon profitieren zu können. Der Austausch von Wissen führt immer und logischwerweise dazu, dass man mehr dazugewinnt als verliert. Dies zumindest ist meine Erfahrung. Richtig genutzt ist Facebook ein Instrument, um weltweit Krisen besser bewältigen zu können, Menschen zum verdienstvollen Überleben zu bringen und sie insgesamt hin zum eigentlichen Ziel aller Kommunikation, allen Wirtschaftens zu bringen: die Überwindung von Hunger und Versklavung.
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