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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interessant, doch wo blieb die Sexualität?
In seinem Buch präsentiert Michael Tomasello eigene Thesen zur Entstehung der menschlichen Kooperation, wobei sein Begriff der Kooperation sowohl den Altruismus als auch die Kollaboration umfasst.

Grundlage seiner Thesen sind in erster Linie Ergebnisse diverser Studien, die mit Kleinkindern und Primaten durchgeführt wurden.

Tomasello...
Veröffentlicht am 22. März 2011 von Lulu

versus
4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Einblick in aktuelle Forschungsergebnisse
Ich persönlich finde das Büchlein recht anregend und interessant. Es ist eine schriftliche Zusammenfassung einer Vorlesung (Tanner Lectures) an der Stanford University und bietet Einblick in die Forschungsergebnisse des Autors. Es ist auch so gehalten, dass ein Fachfremder (so wie ich) die wesentlichen Inhalte ohne große Schwierigkeiten erfassen kann...
Veröffentlicht am 6. Januar 2011 von Dr. Robert Singer


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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interessant, doch wo blieb die Sexualität?, 22. März 2011
Von 
Lulu "Penny" - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Warum wir kooperieren (edition unseld) (Taschenbuch)
In seinem Buch präsentiert Michael Tomasello eigene Thesen zur Entstehung der menschlichen Kooperation, wobei sein Begriff der Kooperation sowohl den Altruismus als auch die Kollaboration umfasst.

Grundlage seiner Thesen sind in erster Linie Ergebnisse diverser Studien, die mit Kleinkindern und Primaten durchgeführt wurden.

Tomasello untergliedert Altruismus in die folgenden drei Unterformen:
1. Helfen (bei der Lösung eines Problems)
2. Informieren (über etwas, was für den anderen wichtig sein könnte)
3. Teilen (z. B. Nahrung)

Ein solcher Altruismus darf nicht mit dem sog. biologischen Altruismus (Reduzierung des eigenen Fortpflanzungserfolges zugunsten anderer) verwechselt werden.

Die Studien zeigten, dass sich Menschen bereits im Kleinkindalter bezüglich allen drei Unterformen altruistisch verhalten, Schimpansen dagegen nur beim Helfen. Beim Teilen von Nahrung waren die Ergebnisse jedoch nicht ganz so eindeutig wie beim Informieren. Tomasello spricht hier von graduellen Unterschieden und weist darauf hin, dass hungernde Menschen sich gleichfalls mit dem Teilen schwer tun.

Der Autor merkt dann an, dass sich die Annahme, der Altruismus von Kleinkindern sei das Ergebnis einer kulturellen Prägung, kaum begründen lasse. Seine These ist, dass Kinder von klein an eine Art soziale Rationalität besitzen. Allerdings würden die altruistischen Tendenzen mit zunehmendem Alter immer stärker durch die Sozialisation bestimmt. So würde der generelle Altruismus der Kleinkinder später einem eher selektiven Altruismus weichen. Gleichzeitig lernten die Kinder ihren sozialen Status (ihren Eindruck auf andere) zu gestalten.

Im zweiten Teil von Tomasellos Artikel geht es um die Schaffung sozialer Institutionen. Dabei betont der Autor, dass er den Altruismus keineswegs für die Grundlage menschlichen Zusammenlebens hält, sondern den Mutualismus (alle profitieren von den gemeinsamen Handlungen). Als wesentliche psychologische Prozesse, die ein Zusammenleben in kleinen und großen Gruppen ermöglichen, nennt er
- Koordination und Kommunkation
- Toleranz und Vertrauen
- Normen und Institutionen

Zwar glaubt er nicht (74f.), "völlig neue Antworten auf die grundlegende Frage der Sozialwissenschaften - die Suche nach dem Ursprung und der Funktionsweise dieser Kooperationsnormen - zu haben", schlägt aber vor, "die heute bei Kindern zu beobachtenden kollektiven Handlungen" als "die natürliche Wiege gesellschaftlicher Kooperationsnormen" in Betracht zu ziehen.

Seine Hauptthese für das Entstehen der für Menschen typischen Lebensform ist, dass sie mit kollektiven Handlungen begonnen hat (81), die "durch ein gemeinsames Ziel und verschiedene, allgemein anerkannte Rollen gekennzeichnet" sind, und bei denen allen Beteiligten bewusst ist, "dass ihr Erfolg von ihrem gegenseitigen Einsatz abhängt". Für Tomasello haben hierin auch der Altruismus und die spezifisch menschliche Form der kooperativen Kommunikation ihren Ursprung. Sein Fazit ist (81): "Die menschliche Kultur entstand somit, indem sich Menschen zu gemeinsamen Aktivitäten zusammenschlossen. (...) Man könnte (...) spekulieren, dass die Menschen im Zuge der gemeinsamen Nahrungssuche (...) zunehmend zur Zusammenarbeit gezwungen waren - anders als alle anderen Primaten."

Dem Artikel von Tomasello schließt sich noch ein Forum mit kürzeren Beiträgen (jeder ca. 5-15 Seiten) von Joan B. Silk, Carol S. Dweck, Brian Skyrms und Elisabeth S. Spelke an, die seine Thesen zum Teil unterstützen, stellenweise jedoch auch zu anderen Ergebnissen kommen.

Das Buch ist insgesamt sehr informativ und lesenswert, zumal es sehr dicht verfasst ist. Es bietet eine Fülle an interessanten Informationen auf engstem Raum. Beispielsweise ist Tomasellos Artikel nur ca. 80 Seiten lang.

Dennoch haben mich seine Hypothesen letztlich nicht wirklich überzeugen können, da sie meiner Meinung nach auf einem viel zu hohen Level ansetzen.

Kultur ist auch im Tierreich anzutreffen, allerdings ausschließlich bei sexueller Selektion. Charakteristisch für die sexuelle Selektion ist das Recht des Besitzenden (bzw. die Gefallen-wollen-Kommunikation), wie es die Systemische Evolutionstheorie ausdrückt. Anders gesagt: Alle Beteiligten akzeptieren, dass die weiblichen Fortpflanzungsressourcen den Weibchen gehören, und sie allein darüber bestimmen können, wer ihre Ressource bekommt. In Populationen, in denen die Weibchen im Besitz einzelner Männchen sind (Haremsbildung) oder sonstwie regelmäßig vergewaltigt werden, kann Kultur nicht gedeihen.

Erste Voraussetzung für die Entstehung von Kultur scheinen also allseits anerkannte Besitzrechte zu sein. Tomasello macht dies an verschiedenen Stellen auch indirekt deutlich (34): "Ihr [gemeint sind an dieser Stelle Schimpansen] natürliches Verhalten ist aber, sich bei der Nahrungsaufnahme einige Meter weit von anderen zu entfernen und Futter nur dann abzugeben, wenn sie direkt angebettelt oder belästigt werden. Kinder wiederum geben gern Dinge an andere ab - sie bieten sie sogar an -, und bei diesen Dingen handelt es sich oft um Nahrungsmittel. Gleichzeitig hängen sie aber auch an bestimmten Gegenständen und weigern sich dann hartnäckig loszulassen."

Menschen haben einen Begriff von Eigentum und Eigentumsrechten und setzen diese Rechte auch durch. Aus diesem Grund können sie sich zusammensetzen und in Ruhe gemeinsam speisen. Wer etwas von einem Menschen will, muss ihn normalerweise fragen und ihn überzeugen (ihm gefallen), so wie es bei der sexuellen Selektion in Hinblick auf die weiblichen Fortpflanzungsressourcen gehandhabt wird. Das schafft Sicherheit, Toleranz und Vertrauen, und damit eine der Grundvorraussetzungen für Kooperation, die Tomasello anführt.

Bei der Frage, wie sich kooperatives und altruistisches Verhalten in menschlichen Gesellschaften durchgesetzt haben könnte, sollte man sich meiner Meinung nach gleichfalls stärker auf die sexuelle Selektion fokussieren. Altruismus stellt - biologisch betrachtet - ein Handicap dar. Und von solchen Handicaps wissen wir, dass sie Fitnessindikatoren im Rahmen der sexuellen Selektion sein können. Wenn die Weibchen in der Natur schon in der Lage sind, ihren Männchen traumhaft schöne Schweife zu verpassen oder gar das Singen beizubringen, warum sollten frühmenschliche Frauen den Männern dann nicht Kooperation und altruistisches Verhalten "angezüchtet" haben? Bei der Dauerschwellung der Brüste oder der Verdeckung des Eisprungs gelang dies umkehrt ja auch.

Beim Thema Kooperation schließlich geht es maßgeblich um Zusammenarbeit und Arbeitsteilung. Michael Tomasello konzentriert sich in seinem Artikel nach meinem Dafürhalten zu stark auf die Arbeitsteilung bei der Jagd. Bei ursprünglich lebenden menschlichen Populationen ist aber auch eine in der Natur äußerst ungewöhnliche und intensive sexuelle Arbeitsteilung zu beobachten. Bevor man sich an eine Erklärung für alle anderen Arbeitsteilungen heranwagt, sollte man sich erst einmal um eine Erklärung für die spezifische menschliche Geschlechterkooperation bemühen.

Auch darüber wird intensiv geforscht. Beispielsweise gehen Bienenforscher der Frage nach, wie den Bienen die Arbeitsteilung zwischen Arbeiterinnen und Königinnen gelingen konnte. Eine besonders provokante These fand ich in einer Arbeit von Rebecca Basile in Emergenz: Zur Analyse und Erklärung komplexer Strukturen (384): "Bei der sozialen Wespenart Polybia occidentalis sind Konflikte sogar ein wichtiger Teil der Arbeitsteilung. In ritualisierten aggressiven Verhaltensweisen werden Tiere aus dem Zentrum des Stockes vertrieben und so zur Sammeltätigkeit angeregt, während die verbleibende dominante Partei im bzw. auf dem Nest zurückbleibt. In einem Modell der holländischen Forscher Hogeweg und Hesper wurde dominant-submissives Verhalten von Hummeln simuliert. Die Konflikte führten dazu, dass sich die dominanten Tiere eher im Zentrum des Nestes und in der Nähe der Brut aufhielten, während sich die Verlierer an der Peripherie des Nestes bzw. außerhalb des Nestes auf Sammelflügen bewegten."

Auf den Frühmenschen übertragen hieße das: Dominante (Haus-)Frauen verblieben mit ihren Kindern in der geschützten Höhle dicht am Feuer. Ihre unterdrückten Männer trieben sie hinaus in die Kälte und den Regen, um für sie und ihre Kinder Nahrung zu beschaffen. Das wäre nun also meine These für die Entstehung der ersten menschlichen Arbeitsteilung, mit der dringlichen Bitte, davon niemals etwas Alice Schwarzer zu verraten...
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Umwerfend, 25. Oktober 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Warum wir kooperieren (edition unseld) (Taschenbuch)
"Ich will nicht den Anschein erwecken, völlig neue Antworten auf die grundlegendste Frage der Sozialwissenschaften - die Suche nach dem Ursprung und der Funktionsweise (der) Kooperationsnormen - zu haben," (S. 75) schreibt Tomasello. Nun, das ist wohl, was man Bescheidenheit nennt. Denn in Wirklichkeit stellt der kleine Band Ergebnisse aus der vergleichenden anthropologischen Forschung zusammen, die folgende Schlussfolgerung mehr als nachvollziehbar machen: "Die Menschen sind biologisch daran angepasst, in einem kulturellen Kontext heranzuwachsen. Durch unsere gemeinsamen Bemühungen haben wir unsere eigenen kulturellen Welten geschaffen, und wir passen uns ihnen an." (S. 83)
Im Vergleich zum sozialen Handeln unserer nächsten Verwandten im Tierreich stellt Tomasello fest, dass 1. Schimpansen nur dann kooperieren, wenn für sie etwas dabei herausspringt, 2. sie das vorzugsweise dann tun, wenn sie sich mit ihren Partnern nicht um Anteile streiten müssen (was bei Menschen schon ganz anders aussieht) und 3. schon Kleinkinder dazu angelegt sind, als geltend anerkannte Normen auch gegenüber Dritten durchzusetzen; eine Idee, auf die ein Schimpanse nie käme.
Es liegt also offenbar in der Natur des Menschen, ein kulturelles Wesen zu sein, Normen (und damit verbundene Rollenvorstellungen etc.) aufzustellen und sich daran zu halten. Mit seinen Entdeckungen wirft Tomasello in all seiner Bescheidenheit so manches soziologisches Konstrukt über den Haufen. Aber wahrscheinlich sagt ihm seine Kultur, dass Bescheidenheit eine Zier sei ...
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5.0 von 5 Sternen In der Regel sind Menschen intelligent und nett, 31. Dezember 2013
Von 
Benedictu - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Warum wir kooperieren (edition unseld) (Taschenbuch)
Allen gegenteiligen kulturpessimistischen Meinungen zum Trotz vertritt der aus den USA stammende Direktor des Max-Planck-Institutes für evolutionäre Anthropologie in Leipzig eine sehr positive Sicht auf den Menschen. Als Anthropologe und Verhaltensforscher hat er Erfahrungen in der Primatenforschung gesammelt und leitet heute auch das Wolfgang-Köhler-Primaten-Forschungszentrum in Leipzig.
Tomasellos verhaltenspsychologische Studien mit Primaten und Kleinkindern haben erstaunliche Unterschiede zwischen den Menschen und ihren nächsten tierischen Verwandten zutage gefördert. So konnte er in vergleichenden Experimenten mit Schimpansen und kleinen Kindern zeigen, daß allein Menschen eine spezielle Form des Helfens praktizieren, nämlich das Weitergeben notwendiger Informationen. Kinder informieren andere schon im Alter von 12 Monaten, also noch bevor sie sprechen können oder bevor sie zur Hilfsbereitschaft erzogen worden sein konnten, durch Zeigegesten, um zu helfen. Es widerspricht der landläufigen Meinung, aber in der Tat haben alle Zeigegesten bei Schimpansen, Bonobos, Gorillas und Orang-Utans nur einen auffordernden Charakter.

Der Leser gewinnt mit diesem Büchlein nicht nur neue Einsichten in die unterschätzen Unterschiede zwischen Menschen und Affen, sondern bekommt auch einen Eindruck in die experimentelle Akribie, die vonnöten ist, um präzise Schlußfolgerungen ziehen zu können. So hatten Forscher behauptet, daß bereits Menschenaffen ein Gefühl von Fairneß besäßen. Da hatte nämlich eines ihrer Äffchen eine ungeliebte Gurke nur dann angenommen, wenn nicht ein anderes eine viel beliebtere Weintraube bekam. Daraus entstand der voreilige Schluß auf das angebliche Fairneßgefühl. Tomasellos Forschungsgruppe ging sorgfältiger vor und zeigte dem Äffchen nur die Weintraube, ohne daß gleich ein zweites im Spiel war. Und siehe da: Das Sehen der Weintraube reichte schon, daß es die Gurke ablehnte.

Zum Schluß diskutiert Tomasello evolutionäre Thesen, die erklären, wie es zu der im Tierreich einzigartigen Fähigkeit zu prosozialem Verhalten und Kooperation bei den Menschen gekommen sein könnte. Interessant dabei ist ein kultureller Verstärkungsmechanismus, nämlich die These, daß die Menschen eine Art Selbstzähmungsprozeß durchliefen, bei dem habgierige oder aggressive Individuen aus den Gruppen, die ihr Überleben auf der Kooperationsbereitschaft gründeten, eliminiert wurden.

FAZIT
Leicht lesbarer und höchst aufschlußreicher Beitrag zum Bild des Menschen.
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Einblick in aktuelle Forschungsergebnisse, 6. Januar 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: Warum wir kooperieren (edition unseld) (Taschenbuch)
Ich persönlich finde das Büchlein recht anregend und interessant. Es ist eine schriftliche Zusammenfassung einer Vorlesung (Tanner Lectures) an der Stanford University und bietet Einblick in die Forschungsergebnisse des Autors. Es ist auch so gehalten, dass ein Fachfremder (so wie ich) die wesentlichen Inhalte ohne große Schwierigkeiten erfassen kann.

Als besonders wertvoll betrachte ich die ausführlichen Kommentare durch angesehene Fachkollegen des Autors im Unfang von etwa 30 Seiten, die auch teilweise - auf kollegiale Art und Weise - recht kritisch ausfallen und den wissenschaftlichen Anspruch des Buches damit betonen. Zusätzlich bekommt man auch ein umfangreiches Literaturverzeichnis, das sicher nützlich ist, wenn man sich weiter mit dem Thema beschäftigen möchte.

Als Kritikpunkt von meiner Seite ist anzuführen, dass der Autor keinerlei Hintegrund- bzw. Kontextinformation bietet, sodass es kaum möglich ist, die Ergebnisse eigenständig kritisch zu bewerten. Durch die Kommentare wird dieser Mangel allerdings doch deutlich gemildert. Ein insgesamt empfehlenswertes Buch.
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2 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Affen und die Webervögel oder Sprache als Ausdruck eines Wirgefühls, 10. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Warum wir kooperieren (edition unseld) (Taschenbuch)
Sprache als Ausdrucks eines Wir-Gefühls
Von Manfred H. Freude, Philosoph

Von Affen und Webervögeln
Weil wir die Dinge finden in der Natur machen wir sie, legen sie hinein in die Natur. Ja, kann man nach dieser Theorie, Tomasellos, Sätze kritisieren? Tiere kennen kein Wir sagt er. Man fragt sich, woran Tomasello das festmacht, wenn er lediglich Affen beobachtet hat. Wenn er Hühner beobachtet hätte, würde er feststellen, dass sie, sobald ein Korn entdeckt ist, darum herum gackern, bis die Anderen kommen und es wegfressen. Was sagt das? Richtig, es sagt ebenso wenig, wie die Beobachtungen Tomasellos; auch wenn er diese sehr uneigennützig aus einem WIR heraus gemacht hat? 'Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation' hierin erklärt er die Entstehung der menschlichen Sprache. Auch wenn dieses Thema von Herder bis Chomsky besprochen ist, so wissen wir, dass wir hier nur glauben und raten können. Das Schließen von Affen auf Menschenkinder ist schwach. Das die menschliche Sprache nicht aus vokalen Urformen ist, sondern Zeigespiel, ist seit der Argumentation der Perlokution, dem das Sprechen ein Handeln ist wissenschaftliche Theorie. Am Anfang war nicht die Stimme, sondern der Zeigefinger, das wusste schon Michelangelo bei der Ausmalung der sixtinischen Kapelle. Zum Zeigen (meint Wittgenstein) muss man schon Sprache beherrschen, (und Austin) man muss sagen, was man tun muss, statt etwas zu tun; das heißt die Dinge zeigen sich selbst. Wenn wir in ein fremdes Land gehen, verständigen wir uns mit allem was uns zur Verfügung steht, und zwar allem, auch der Sprache oder Geräuschimitation. Selbst wenn wir versuchen mit Affen oder anderen Tieren zu kommunizieren. Der Mensch spricht weil er ein soziales Wesen ist und er ist ein soziales Wesen weil er spricht. Also was? Wir wollen ebenso kooperieren und Gefühle teilen, wie Tiere im Rudel. Die Menschheit in ihrer Urgeschichte hat durch Gesten das kommunizieren mittels Stimme erweitert. Sicher mussten die Urmenschen auf der Jagd mit ihrer Stimme vorsichtig sein. Vieles könnte einleuchten, aber Tomasello dichtet Mythen und Märchen und das, warum nicht? Nur durch Mythen und Märchen kommen wir zu Vorstellungen, alles Logische wäre Hybris. Logik ist eine Frage der Evolution sie zeigt sich nicht im Sprechen; vielleicht in der Sprache, aber das ist eine andere Wissenschaft. Natürlich hat auch Chomsky zum Teil recht, die Sprache sei entstanden, damit die Menschen besser miteinander kommunizieren können. Man kann nur kommunizieren wenn man miteinander spricht. Das ist eine bekannte Weisheit. Man kann nicht mit der Sprache kommunizieren (SIC) diese Erkenntnis wäre Preisverdächtig! Die Sprache kommuniziert über die in ihr enthaltene Historie von Ereignis zum Rezipienten! Sie ist (Achtung) nicht nur eindeutig. Die Sprache ist immer undeutlich und ohne Sinn. Der sinn wir immer in das Sprechen hineingelegt und muss erst neu erschaffen werden. Das heißt jedes Sprechen ist ohne Sinn, ist UNSINN. Wie Chomsky sagt: 'Es passiert uns häufig, dass wir einfache Intentionen und Gefühle, die wir einem anderen mitteilen wollen, nicht auszudrücken vermögen.' Herder wies die These vom sozialen Zweck zurück. Meiner Ansicht hat Sprache nur die Funktion von Kommunikation. Aber nicht zur Übermittlung eigener Ideen, vielmehr, das wissen wir seit Kant ist jeder alleine, jeder muss selber denken. Die Idee man könnte Denken weitergeben ist Hybris! Vielleicht würde der Wilde, der Einsame im Wald auch sprechen, wir machen es auch, wenn wir alleine im Wald sind, man nennt es Angst, dann sage ich, wir sprechen nur weil wir Angst haben. Die beobachteten Affen hatten keine Angst und wenn sie Angst hatten, dann schrien sie im ersten Sprechen. Ludwig Wittgenstein hat viel gesagt. Auch, das wir über was wir nicht wissen können, schweigen sollen. Die ursprüngliche Kommunikation, darüber können wir nichts sagen, versuchen es aber immer wieder. Aber wie wir jetzt sprechen, darüber könnten wir viel sagen und auch spekulieren, wohin wir uns entwickeln im Sprechen (unter Berücksichtigung historischer Differenz). Von Hegel bis Tomasello, so kann man nun sagen ist viel Falsches gesagt worden. Mit Tomasello wird auch Hegel nicht weiter aufgewertet, mit einem Preis nur sonderbare Thesen fortgeschrieben. Wo alleine soll, ein Gedanke, Bedeutung, etwas worauf wir zeigen, wo wir handeln und sprechen, denn sein, wenn es nicht in einem einzelnen Kopf ist, und das nicht einmal bis zur letzten Begründung. Das wir unsere Gebärden und Handbewegungen mit Lauten unterstützen, scheint mir selbstverständlich. Das Aufheben einer Monstranz. Etwas hinzusprechen, lässt den Menschen noch immer in die Knie gehen. Aber nicht wegen der Monstranz, nicht wegen der Worte. Es sind die Erfahrungen und die Historie, die Geschichte in jedem Einzelnen. Lautliche Sprache entwickelt sich nicht durch Übereinstimmung von Bedeutung, Erfahrung und Kooperation, vielmehr Sprechen, (Bedeutung, Erfahrung und Kooperation) als Schweigen einer Differenz innerhalb eines Sprechens, einer Rede oder einer Schrift. Die Wurzel der menschlichen Kultur als Ganzes liegen in dem Denken des einzelnen Menschen. Der Mensch denkt an sich, selbst zuletzt. Im Alltag sind wir alle Realisten. Es gibt keine Wahrheit ohne uns. Tomasella projiziert unsere Welt in die Welt der Affen, wären sie aber so wie wir, wären sie in unserer Welt. Das 'Schweigen' (die nichtgesagte Differenz) innerhalb des Sprechens ist als Gelingen des Sprechens ebenso wie in der Reflexion des Geltendmachens eigener Gedanken. Der Lernprozess setzt nicht ein, wenn Mütter ihre Kinder auf Objekte Hinweisen (da hat Tomasello etwas falsch interpretiert) oder? Vielmehr ist es bekannt, dass die Kinder die Mütter auf etwas hinweisen oder auch täuschen, woran sie lernen! Das hat Habermas an Hegel richtig erkannt, das sich der menschliche Geist im Horizont eines sprachlich artikulierten Hintergrundwissens und im eingewöhnten Netzwerk sozialer Praktiken, bewegt. Das verstehe ich aber, das dies ALLES im Hintergrund des Sprechens entwickelt, also im Nicht gesagten, also im Schweigen. Versucht Tomasello eine Sprachtheorie oder eine Moraltheorie aufzubauen? Grundsätze lassen sich nicht bloß mit der Beobachtung von Affen herleiten, wenn es aber beobachtete Herleitungen gibt, gibt es grundlegenderes, also keine Grundsätze. Gleichheit wird nur unterschiedlich verstanden. Gerechtigkeit heißt bei Platon mehr Gesellschaft und bei Nietzsche sind es zwei Klassen. Empirische Beobachtung erklären nur was man beobachtet, nicht ob es diese oder jene Erkenntnis beweist. Der Mensch ist nicht Mensch, weil er spricht, vielmehr Mensch, weil er als Mensch geboren ist.

Von Webervögeln
Fragen wir uns nach Lernmethode von Tomasello, wer sich nun zum Affen macht? Webervögel haben, wie wir sehen können, aus unserer Sichtweise ein Spatzenhirn. Doch schaffen sie mit ihren Nestern unnachahmliche Kunstwerke. Eine Leistung der Natur, die wir nicht auf ein hoch entwickeltes Gehirn zurückführen könnten. Aber was heißt dies nun für uns Menschen wissenschaftlich betrachtet? Das hieße doch; man kann eine hervorragende Leistung vollbringen durch Lernen und Tun. Es lernt der nur, wer es schon kann. Also ohne viel Gehirn und ohne eine soziale Leistung (Wissenschaftler können im Übrigen sehr unsozial sein.) Ja, ich denke, man könnte es sogar mit diesen Bedingungen zum Weltpokal bringen. Ohne viel Verstand und Vernunft und menschliche soziale Einstellung. Man kann sich Dinge aneignen, eben wie diese Webervögel, oder diese Schimpansen mit dem Stöckchen. Man kann ganze Bücher auswendig lernen und es an die Universitäten bringen, ohne seinen Verstand zu verwenden. Lernen nur, wer es schon kann. Dies zu erkennen, hieße wahre Aufklärung und das wäre eine neue, paradigmatische, Copacobanische Wende!
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Warum wir kooperieren (edition unseld)
Warum wir kooperieren (edition unseld) von Michael Tomasello (Taschenbuch - 20. September 2010)
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