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47 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Übungsmensch als Übermensch?, 4. August 2010
Von 
Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Scheintod im Denken: Von Philosophie und Wissenschaft als Übung (edition unseld) (Taschenbuch)
Du mußt dein Leben ändern rief Peter Sloterdijk im vergangenen Jahr seinen Lesern zu. In dieser monumentalen Darstellung zeichnet der Philosoph ein Bild des Menschen als ein seit der Antike stets nach Perfektion strebendes Wesen. Der Mensch als ein übendes Wesen, welches eine "Konversion zum Können" (in: Du mußt dein Leben ändern, S. 306) anstrebe, stellt für Sloterdijk eine Grundkonstante menschlichen Daseins dar. In seinem neuen Buch "Scheintod im Denken - Von Philosophie und Wissenschaft als Übung" vertieft und erweitert er das Konzept der Übung und dessen Bedeutung für uns Menschen.

Zuerst scheint es so, als stelle "Scheintod im Denken" lediglich eine kurze Zusammenfassung der in "Du musst dein Leben ändern" aufgestellten Thesen dar, zuallererst dem Konzept der Übung: "Üben ist die älteste und folgenreichste Form der selbstbezüglichen Praxis [...]. Das Ergebnis von Übung zeigt sich in der aktuellen 'Kondition', das heißt in der Könnensverfassung des Übenden" (16f.). Jedoch geht Sloterdijk nun noch einen Schritt weiter und beschreibt die seiner Ansicht nach anzustrebende Lebensform eines übenden Menschen. Diese bestehe in einer Art Abstandnehmen vom Leben, für die er den von Husserl geprägten Begriff der epoché verwendet (vgl. S. 37). Damit ist jedoch kein einsam geführtes lebensfeindliches Eremitendasein gemeint. Vielmehr bedeutet es, dem aktuellen Geschehen mit einer auf Distanz bedachten Haltung der sanften Ironie zu folgen: "Die epoché entspricht hier der Einstellung des Kunden, der über den Markt spaziert, ohne zu kaufen" (38). Das bedeutet nicht jeden Quatsch mitzumachen, neue Trends bewusst abzulehnen, sich auch mal die Frage nach dem Sinn und Zweck von Neuerungen zu stellen. I-Pod, Auto, Wohnung, Beförderung - brauch ich das alles eigentlich in neuer, größer, schneller, teurer oder ist es nicht vielleicht doch so, dass die Kollateralschäden der Segnungen der Moderne deren angepriesenen Nutzen um ein vielfaches überschreiten? Der epochéfähige Mensch ist auch ein zur Entschleunigung fähige Mensch.

Es bleibt die Frage, wie man als Mensch zur epoché-Fähigkeit gelangen kann. Die im besten Sinne konservative Antwort Sloterdijks lautet: Lesen, lesen, lesen: "Der alteuropäische Zugang zur Erfahrungswelt hingegen ist durch grammatische Dressuren vorgeformt, ja, der Weltstoff selbst wird in den Schriftkulturen nach Buchstabe, Silbe, Zeile, Seite, Absatz und Kapitel formuliert mit dem Effekt, daß wir als Leser, die in Büchern wie in Situationen blättern, und Situationen wie Buchseiten auffassen, von vornherein die Disposition von abstandhaltenden Beobachtern mitbringen [...]. Das Lesen gilt folgerichtig als Ernten auf den Feldern des Wissens. Der homo legens wird so auf unauffällige Weise zu allgemeiner epoché-Fähigkeit erzogen" (90).

Fazit: Ein Muss für alle, die auch mit Begeisterung "Du musst dein Leben ändern" gelesen haben. Sloterdijks kunstvolle Sprache ist ein Genuss und sein Hauptthema vergangener Jahre geht uns alle an: Welche Möglichkeiten haben wir als Individuen, unserem Leben im Zeitalter des Tod Gottes einen Sinn zu geben? Der Geist Nietzsches weht deutlich spürbar durch Sloterdijks Denken und Übungsmensch und Übermensch sind sicherlich nicht nur phonologisch sondern auch semantisch zumindestens verwandter Natur.
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29 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der coole Philosoph, 16. Juli 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Scheintod im Denken: Von Philosophie und Wissenschaft als Übung (edition unseld) (Taschenbuch)
"Wo sind wir, wenn wir denken?" fragt sich Hannah Arendt und mit ihr Peter Sloterdijk (S. 52). Denn wer in Gedanken versunken ist, scheint anderswo zu sein. Und es ist darüber hinaus offensichtlich sogar wichtig für das Denken, nicht ganz da zu sein. Man solle, so z.B. Husserl, "einen Schritt zurück" tun, um nicht als Beteiligter am Weltgeschehen darüber zu sinnen (S. 37). Husserl benutzt den Begriff der epoché, den die griechischen Skeptiker als "eine Vorstufe der modernen Coolnesskultur" (S. 38) in die Welt gebracht hatten. "Die epoché entspricht hier der Einstellung des Kunden, der über den Markt spaziert, ohne zu kaufen." (S. 38) Die für den Denker typischen Absencen erscheinen wie ein kleiner Tod, ein Rückzug aus dem Leben, der das Denken über es erst erlaubt.

Manche Epochen (besonders die Geniegläubigen) haben in der Fähigkeit zum zeitweiligen Scheintod "die unmittelbare Erscheinung Gottes in der Welt" (Fichte) (S. 115) sehen wollen. Es ist bekannt, was aus solcher Hybris wird: "Von dieser Philosophie geht keine Einladung zum beschaulichen Leben mehr aus: Sie sendet Einberufungen in den heiligen Krieg zur vernunftmäßigen Weltgestaltung aus." (S. 116)

Zurück also zum Wesentlichen: "Alles theoretische und ethische Leben ist in gewisser Weise sezessionistisch, da es auf dem Beschluss beruht, das Wahrscheinliche, das die meisten eint, hinter sich zu lassen, um sich im Unwahrscheinlichen neu anzusiedeln." (S. 126)
Doch die Moderne hat von mehreren Seiten schwere Attacken gegen das entrückte Denker gefahren. Sloterdijk nennt derer zehn. Dabei sind u.a. : 1. "Vorrang der common sense vor dem heroischen Denken", 2. die Verführung zahlreicher moderner Denker "sich zu Organen ... der Geschichte" machen zu wollen, 3. die Wissensoziologie, die "die Gebundenheit von Erkenntnissen an Interessen" durchschaut etc.

Besonders bemerkenswert ist für mich, dass Sloterdijk aktuellen Netzwerk-Theorien am Ende seines Essays einige Aufmerksamkeit schenkt (S. 144). Sie scheinen die Möglichkeit zu bieten, den Denkenden und das Bedachte auf neue Art miteinander in Relation zu setzen. Vielleicht ist das keine Lösung. Aber bedenkenswert.
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21 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Lesen ist ernten auf den Feldern des Wissens, 26. Juni 2010
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Scheintod im Denken: Von Philosophie und Wissenschaft als Übung (edition unseld) (Taschenbuch)
"Die Kontemplation und die Tätigkeit haben ihre Scheinwahrheit; aber erst die von der
Kontemplation ausgesendete oder vielmehr die zu ihr zurückkehrende Tätigkeit ist die Wahrheit."
(Franz Kafka in: Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande)

Wer Peter Sloterdijk (1947-) liest, öffnet ein Buch, welches eine Liaison mit allen Büchern eingeht. Diese bravouröse Essayistik entsteht aus der Lässigkeit eines scheinbar hingeworfenen Zitats oder eines Gleichnisses antiker Zeiten und führt als Konvolut weitverzweigter Gedanken zu einem Leseerlebnis, welches einem Bauer gleichkommt, der seinen Acker erntet. Dieses Lesen ist ernten auf den Feldern des Wissens.

So liegt es nahe, intertextuelle Zusammenhänge zu erwarten. Der letzte Satz in Platons "Phaidon", dem Äskulap einen Hahn schuldig zu sein, wird zur Parodie des Lamms als agnus dei. Es verschmelzen Sokrates und Jesus in eine Lebenszone am Rande des Todes. Diese nahe Grenze erwirkt auf beide eine Reinigung und wie Sokrates es selbst sagte, bewirkt der Tod die Heilung von der Krankheit des Lebens. Dieses im Leben bereits zu denken ist jene Phase, die Sloterdijk als "Scheintod im Denken" bezeichnet, die in äußerster Kontemplation einen neuen Sinn des Lebens bewirkt, eben jenes Eins-Sein, wie es Ovid in seinen dritten Buch der Metamorphosen am Beispiel Dianas und des Jägers Aktaion zeigte. Giordano Bruno nahm genau jene Szene zur Begründung des Aufgehen-Wollens im Vorgestellten. All diese Scheintode im Denken im Sinne einer beschaulichen Kontemplation oder eines In-sich-gekehrt-Seins fernöstlicher Prägung, von Pythagoras über Cicero, Bruno u.a. findet im deutschen Idealismus eine deutlich andere Prägung. Fichtes aufgeben des Welt-Ichs zugunsten eines Ichs, welches sich selbst reflektiert ohne Spiegelung des Äußeren, wird, so Sloterdijk, "zu einer "Einberufung in den heiligen Krieg zur vernunftgemäßen Weltgestaltung". Der Aufbruch ins Geisterreich Fichtes scheint dann für jenen der Sieg über alle Übel. Und dennoch findet sich genau an der Grenze zwischen Leben und Tod jene Übereinstimmung aller, nämlich dort "ist die Todesstunde Stunde der Geburt zu einem neuen herrlichen Leben" (Fichte).

Das Interesse am Scheintod, an jenem "bios theoretikós" ist nicht weniger als jenes Streben nach Heiligkeit zu Lebzeiten. Der Mensch tritt zurück aus seiner Welt und wird zum Beschauer derselben. Der profane Verstand, der das vorstellbar Göttliche nur gegenständlich betrachten konnte, wird abgelöst dadurch, dass er die hohen Wahrheiten selbst erfasst (Bruno), er selbst wird in das Erfaßte verwandelt wie im Gleichnis des Ovids. Der Tausch des trivialen Lebens gegen das Leben des Geistes war über die Jahrtausende mehr oder weniger die Lust am Leben, es die Annäherung an den Zustand des Erkenntnis fördernden Beinah-Todes und selbst im 20. Jahrhundert hat diese Idee seine Bewunderer. Goethes Todessehnsucht in den Gedichten des Divans wie in Hölderlins Empedokles und bei all den Romantikern ist die Chiffre des Verlangens nach höherem Leben, ein Leben im sterblichen Körper einquartiert, wie auch Platon bereits entdeckte. In der Modernen ist Valerys Idee des intellektuellen Monsieur Teste jener erste Mann ohne Eigenschaften aber aller Möglichkeiten, wie die Idee auch bei Robert Musil und mit Fernado Pessoa ihre deutlichen Ausprägungen fand. Valerys Cahiers wie vielleicht auch Kafkas Oktaven sind Beispiel jener Exerzitien und Übungen des Geistes, die letztendlich ein Design-Verfahren darstellen als die Kunst am Menschen im reinen und banalen Ort (vgl. Valery ebd.)

Was diese Menschen am Rande des Lebens erreicht haben, ist, Epochen gestaltet oder eingeleitet zu haben. Sie haben sich aus dem Leben geschlichen, aus der Arena der Teilhabe und sind in die Beobachtung ausgewichen. Wie der Melancholische sich dem Leben entschleicht und in seiner Gedankenwelt unverstellbares gebiert, so können eben diese Gedanken in der Unendlichkeit aller Möglichkeiten zu dem zusammen kommen, was man die Einheit nennt. (vgl De docta ignorantia, Cusanus) Der Scheintote ist eben jener, der dem eigenen Lebensprozeß nur beiwohnt, der auch sich selbst vom Posten des Beobachters aus betrachtet, jener homo interior, der wie Rilke den Weltinnenraum besitzt und letztendlich unter Abzug des Menschen zur geistigen Instanz wird.

Jene seiner selbst entfernten Haltung auf dem Posten der Beobachtung wird hier von Sloterdijk bestens entwickelt. Will man die Gedanken so abschließen, dann wäre es Akzeptanz oder Toleranz, vielleicht schweigende Gleichgültigkeit gegenüber den Konsequenzen des bios theoretikós. Was sagt die Moderne oder die mangels eines besseren Wortes genannte Postmoderne zu diesem auch dem Selbst gegenüber neutralen Beobachter? Max Bense empfiehlt, sich immer wieder aus der abstrakten Reflexion hinauszustehlen, "um jene kaum eingestandene Unmenschlichkeit des Geistes in eine schöne Unmittelbarkeit zu verwandeln". Sloterdijk geht in seiner Tübinger Vorlesung weiter. Er nimmt wieder jene Anamnesis auf, die auf die Texte der Zeiten und ihre Verbindungen sich bezieht. Damit wird es nichts Neues unter der Sonne geben, sondern alles bleibt in einem Prozeß im Laufe der Geschichte, beschienen von den manigfaltigsten Seiten. So wie Sartre die Idee der engagieren Existenz (Was ist Literatur?) nutzte, so mußte er von der Geschichte losgelöst die reine Existenz zur Wahl stellen und damit jede Kontemplation unterbinden. Diese und weitere "Attentate gegen den neutralen Beobachter" zeigt Sloterdijk auf als eine "Zehn-Dolche-Synopse" als eine "Kritik der theoretischen Vernunft". Seine Entfaltungsstufen des platonischen Scheintod-Schemas sind welt- und geschichtsumfassend. Sie zeigen auf, wie Platons In-Szene-Setzung "des besonnenen Lebens als Vorlaufen in den schönen Tod" ungeheure, epochemachende Konsequenzen auf die historische Zeit und das Denken in ihr hatte. Der Logos war in Philosophie und Wissenschaft verarmt, weil er die Weltbezüge in der Fatalität des Todes verengte. Weltwissen aus der Literatur, der Poesie, den Mythen und Religionen führten ein Schattendasein. Die Integration ist eine Aufgabe. Denn, so sein Ansinnen, ist es durchaus angebracht, die Wiedereingliederung der Wissenschaft in die Lebenswelt anzugehen wie auch die Wiedererweckung der wissenschaftlich oder philosophisch Erkennenden zum "verkörperten Dasein" ins Allzumenschliche voranzutreiben. Glück und Elend des theoretischen Lebens lesen sich, wie Pessoa schrieb, im Erkennen der Erhabenheit des Mönchs Einsamkeit und im Betrachten seiner selbst: "Und an meinem Tisch [...] schreibe ich namenloser kleiner Angestellter Worte, die die Rettung meiner Seele sind [...]"

Eine sehr lesenswerte Vorlesung, in Folge seines letzen Groß-Essays "Du mußt dein Leben ändern" entstanden und mit jenem lediglich verbunden über den Gedanken der Exerzitien und der Übung, es ist keine Kurzfassung. Dieses Buch (wie auch Sloterdijks letztes) hat konstruktive Aufmerksamkeit verdient.
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17 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Poesie statt Philosophie, 1. September 2010
Von 
Thomas Holtbernd "Thomas Holtbernd" (Bottrop) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Scheintod im Denken: Von Philosophie und Wissenschaft als Übung (edition unseld) (Taschenbuch)
In diesem Band ist ein Vortrag enthalten, den Peter Sloterdijk 2009 in Tübingen gehalten hat. In gewisser Weise ist es die Fortführung und Zusammenfassung seines Buches "Du mußt dein Leben ändern".
Die Genialität Sloterdijks ist es, große Linien zeichnen zu können. Ausgehend vom Begriff epoché, der für Edmund Husserl und die Phänomenologie wichtig war, geht Sloterdijk der Frage nach, wie seit Sokrates, genauer müsste man sagen seit Platon, Philosophie gedacht wurde. Es war, so Sloterdijk, die Abkehr vom Politischen und die in verschiedenen Varianten geformte Auffassung, dass das denkende Subjekt sich von der Welt abkehren muss. Der Körper stört beim vorurteilsfreien Denken. Die Geistesgeschichte ist davon gekennzeichnet, dass eine denkende Instanz im Körper vorgestellt wird, die erst ihre Genesung erreicht, wenn der Denkende stirbt. Diese Linie zeichnet Sloterdijk nach und beschließt seinen Vortrag mit zehn modernen "Terroristen" des Denkens, die das Theoriesubjekt des Denkens von ihrem Sockel holen. Da wird es eigentlich erst richtig interessant, doch da macht Sloterdijk Schluss. Sein vorläufiges Ergebnis ist, dass die Poesie die moderne Form des Denkens ist.
Will man die Abhandlung Sloterdijks bewerten, so muss man zunächst all die Verzierungen, die ästhetisierenden Worthülsen streichen. Da bleibt dann nicht unbedingt viel übrig. Und an einigen Stellen stellt sich die Frage, ob auf Kosten der großen Linie nicht manche Ausführungen ungenau oder sogar unrichtig sind, ob über manche Theorien nicht doch eine vorgefasste Meinung gestülpt wurde. Auch wenn Sloterdijk die Phänomenologie zum Ausgangspunkt seiner Überlegungen macht, geht er doch nur peripher auf das Leibkonzept dieser philosophischen Richtung ein. Scheler wird zwar erwähnt, doch nicht weiter behandelt. Gehlen findet gar keine Erwähnung. Zudem kann gefragt werden, ob der Leib-Seele-Konflikt nicht auch schon eine Anfrage an das Denksubjekt war. Und im Christentum wird auch immer wieder die Frage nach dem Denksubjekt gestellt, die Gott-ist-tot-Theologie ist die Frage nach einer Pragmatik, also keine Abkehr von der Welt. Die Vorläufer dieser Theologie finden sich nicht nur im Marxismus, sondern vor allem in der Mystik. Geht man diesen kritischen Pfaden in der Lektüre Sloterdijks nach, bekommt man ein wenig den Verdacht, dass dieser Philosoph auch ein großer Blender sein könnte, der mit seinem immensen Wissen und seiner Eloquenz die jugendlichen Marktbesucher verführt und nach dem Schierlingsbecher schielt, um von einem Platon reanimiert zu werden.
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11 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kleines_Meisterstückchen, 12. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Scheintod im Denken: Von Philosophie und Wissenschaft als Übung (edition unseld) (Taschenbuch)
folgendes 'Meisterstückchen' möchte ich wärmstens empfehlen:

'Scheintod im Denken. Von Philosophie und Wissenschaft als Übung' von Peter Sloterdijk -

eine Vorlesung, die er 2009 in Tübingen gehalten hat.

- phantasievoll

- heiter

- unruhestiftend

- bösartig

- horizonterweiternd

- diskussionsfördernd

- Emergenz unerwarteter Zusammenhänge

Resumee: was will man von einem kleinen Büchlein mehr erwarten?
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