Kundenrezensionen


1 Rezension
5 Sterne:
 (1)
4 Sterne:    (0)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

15 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ich ist ein anderer. (Rimbaud), 31. Dezember 2006
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Nadja (Gebundene Ausgabe)
"Ein Gegenstand lässt vermuten, dass es andere hinter ihm gibt." (René Magritte: Die Wörter und die Bilder) Surrealismus? Will man dahinterkommen, worin die Eigenart und die spezifische Intention einer literarisch-künstlerischen Bewegung bestehen, so liegt es nahe, beim Namen dieser Bewegung anzusetzen. Der Begriff >Surrealismus< wurde 1917 von Guilleaume Apollinaire geprägt, André Breton wurde dessen Hauptvertreter. Sur-realismus ist mehr als Realismus, die französische Vorsilbe >sur< zeigt, dass etwas über dem Realismus seinen Ort habe, und zwar, weil das, womit er sich befasst, eine Über-Realität sei.

"Ich glaube an die künftige Auflösung dieser scheinbar so gegensätzlichen Zustände von Traum und Wirklichkeit in einer Art absoluter Realität, wenn man so sagen kann: Surrealität. Nach ihrer Eroberung strebe ich, sicher, sie nicht zu erreichen, zu unbekümmert jedoch um meinen Tod, um nicht zumindest die Freuden eines solchen Besitzes abzuwägen." (Andre Breton)

Und so beginnt Breton, 1928 in "Nadja" die einfach klingende Frage: "Wer bin ich? [...] Warum sollte tatsächlich nicht alles darauf hinauslaufen, zu wissen, mit wem ich umgehe?" Er entwirft ein Bild, in dem er rückwärtsgehend glaubt, voranzuschreiten und in diesem Voranschreiten das Wiedererkennen von Erfahrungen wahrnimmt. Erfahren möchte er jedoch wie einst Malte (Rilke, 1910) und Monsieur Teste (Valery, 1927) die Unterschiedenheit zu anderen Menschen, in dem er sich selbst kennenlernt, "warum er auf dieser Welt ist und mit welcher Botschaft."

Seine Freunde und Bekannte haben ihm Themen gegeben, so einst Hugo die Anekdote einer Kutschenfahrt, Huysmans in seinen Büchern (Tief unten, Gegen den Strich) und vor allem Rimbaud (Gesammelte Werke) mit seinen Gedichten. So wie er feststellt, dass sein Ich eine Erfahrung wechselnder Momente ist, so hat dieses bereits Rimbaud festgestellt, in dem er seinem Ich wechselnde Andersartigkeit unterstellte. Mit der Subjektivierung beginnt die Aufhebung des Ichs.

Bretons Streifzüge durch Paris offenbaren ein schönes Leben, in dem das Gegebene mit dem Gewünschten in Zusammenhang gebracht wird, wo die Wirklichkeit auf Phantasie trifft, wo Hoffnung geboren wird für die Hoffnungslosen. Und jede Episode ist wie ein Bild Dalis, jenes wunderbare >Die Beständigkeit der Erinnerung<, wo der Augenblick wie ein Blitzlicht-Foto festgehalten wird und sich in die Erinnerung einbrennt. Breton nutzt genau diese Art, in dem er seinen Tagebuchtexten (Rilke) Bilder beimengt, Photos von Menschen, denen er begegnet ist, Bilder von Schriften und Orten sowie Zeichnungen von Nadja, um deren imaginierte Existenz ins Reale zu führen.

Seine Wanderungen durch Paris bringen ihn auch zu einer zufälligen Begegnung (Zufall) mit einer jungen Frau, die sich selbst den Namen NADJA gegeben hat. "Nadja, weil im Russischen das Wort für Hoffnung damit anfängt, und weil es nun der Anfang ist." Und vielleicht direkt das Ende der Wirklichkeit (Traum). Denn die Phantasie um Nadja scheint da erst aufgehoben, wo der Ruf: "Wer da?" beantwortet wird: "Ist es wahr, dass das ganze Jenseits in diesem Leben steckt? Ich verstehe Sie nicht. Wer da? Ich allein? Ich selbst?"

Will oder soll man die Welt anhalten mit aller illusorischen Macht, die sie schenkt? Ebensogut leugnen, dass >Jeder besser sein will und besser zu sein meint als diese seine Welt, aber dass, wer besser ist, diese Welt nur besser ausdrückt als andere<. (Hegel) Und dieser bessere Ausdruck ist der der Schönheit um der Leidenschaft willen, die gilt im Augenblick des Sehens. (Die Integration des Sehens ins Dasein ist bei Rilke Vollendung.) Analog einer Menge von Stößen, wo doch nur EIN einziger von Bedeutung ist. Der reine Geist (Valery) maßt sich über all Rechte an, die er nicht hat. Die Phantasie bezwingt die Wirklichkeit, sie zwingt sie, über sich hinauszugehen; sie ist das Jenseits im Diesseits. Jean Cocteaus "Kinder der Nacht", 1929, geben ein weiteres wunderbares Beispiel.

Traum und Zufall repräsentieren den Surrealismus. Der Traum als Katalysator zur Vereinigung paralleler Welten, der Zufall als Begriff für die Konstitution des Subjekts und seiner Beziehung zur Wirklichkeit. Und die Schönheit; denn Breton beschließt sein Werk mit dem bekannten Satz: "Die Schönheit wird KONVULSIV sein oder nicht sein." Schönheit ist Poesie!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Nadja (Bibliothek Suhrkamp)
Nadja (Bibliothek Suhrkamp) von André Breton (Gebundene Ausgabe - 14. November 2011)
EUR 11,00
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen