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am 10. Mai 2010
"Ich möchte nicht mit meiner Schrift Andern das Denken ersparen.
Sondern, wenn es möglich wäre, jemanden zu eigenen Gedanken anregen."
(Ludwig Wittgenstein, 1945)

Im Tractatus 5.6 heißt es: "Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt." In diesem Satz ist ein Wort von besonderer Bedeutung: "bedeuten". Es ist nicht die Grenze der Welt, vielmehr wird den Wörtern der Sprache eine Bedeutung gegeben. "Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache." Es geht in den Philosophischen Untersuchungen im weitesten und engsten Sinne um eben dieses "Sprachspiel", jenes in den Bekenntnissen des Augustinus angelegte Muster, in dem Sprache, Bedeutung und Seele verwoben scheint. Wörter, die den Dingen ihre Bedeutung geben, durchaus im jeweiligen Kontext unterschiedlichen Gebrauchs, aber auch in der Verbindung zu Wünschen. Sprache und ihre Wörter geben Bedeutung den Dingen, die uns und unseren Alltag bestimmen. Jede Bedeutung ist einem Wort zugeordnet. Nur über diese eineindeutige, manchmal auch mehrdeutige Weise gelingt es, über Sprache Verständigung zu erzielen, weil im jeweiligen sozialen, kulturellen Kontext dieselben Bedeutungen allgemein bekannt sind. So wie Augustinus ein System der Verständigung beschreibt, ist Sprache ein Teil des Systems, jedoch nicht alles. Denn diese Sprache bedarf einer gewissen Regelung, einer Grammatik, einem Regelwerk, in welchem der gültige Rahmen definiert ist. Sprache zu erlernen, ist ein nahezu Pawlow'scher Effekt. Man wird abgerichtet, um diese Regeln zu beherrschen. "Wenn wir als Kind eine Sprache erlernen, so werden wir an ein bereits bestehendes System angeschlossen," (Thomas Nagel, 1937-). Beherrscht man sie, erkennt man Logik im Dreiklang der Propädeutik: die logische, die logisch-semantische wie auch die logisch-pragmatische Propädeutik.

Ganz anders als im Tractatus, jener logisch-philosophischen Abhandlung, die die Welt in eine Struktur des logischen Diesseits zwingt, um nur im Darüberhinausgehenden Philosophie als relevant zu definieren, schreibt Wittgenstein in diesen Untersuchungen in einer üblichen, sehr verständlichen Weise. Anstelle der untergeordneten Paragraphen-Darstellung im Tractatus verwendet er hier diese als nur fortlaufende Nummerierung seiner Gedanken und Feststellungen. Er zielt auf eine Revision des Tractatus, nämlich die aus dem wiederholten Lesen heraus gefilterten Unklarheiten zu eliminieren und den Rest mit neuen Gedanken zusammenzufassen. Damit folgen diese Untersuchungen der ursprünglichen Stringenz in allgemeiner Weise, klar in der Sprache und integrativ zu den Denkern der Modernen. Frege, Russell, Whitehead sind keine Unbekannten auf dem Gebiet der Logik. Sie zerlegen, wie auch Wittgenstein die Sätze der Sprache in ein System wie ein Werkzeugkasten seine Werkzeuge präsentiert. Jedes auf seine Weise gehört zu einem Gebrauch, jedes hat seine Bedeutung als Nutzen und Wirkung und einige sind durchaus mehrschichtig anzuwenden. So ist es mit den Wörtern, deren Bedeutung als Subjekt, Prädikat usw. ein Etwas näher bezeichnen. Ein Zeichen setzen, wie der Name ein Ding bezeichnet, indem durch die Sprache das Ding benannt wird. Und jedes Wort verliert die Bedeutung, wenn ihm nichts entspricht.

So gesehen kann man Ludwig Wittgenstein (1889-1951) als einen großen Sprachanalytiker bezeichnen und doch war er mehr. Denn in seiner Art zu fragen: "In wiefern ist die Logik etwas Sublimes?", verläßt er den Boden aller Wissenschaften und die Basis des Realen in eine neue Metaebene. Den Dingen auf den Grund sehen, ist ein Bestreben, das Kausale zu verlassen, um in das Wesen der Dinge einzutauchen. Nicht Neues wird man lernen, vielmehr setzt dieser Punkt auf das "Verstehen". Es geht um das, was man weiß, aber nicht mehr weiß, wenn man es zu erklären hat. Auch hier steht Augustinus Pate in der Antwort der bekannten Frage nach der Zeit. Es wird in diesen Fällen keine Antwort der Naturwissenschaft erwartet, sondern alle Kraft meta-philosophischer Bemühungen ist hier gefragt. In einer Sprache, deren Worte unbekannt sind, wie Hofmannsthal im Chandos Brief schrieb, "in welcher die stummen Dinge zu mir sprechen, und in welcher ich vielleicht [...] vor einem unbekannten Richter mich verantworten werde". In Sloterdijks "Philosophischen Temperamenten" finden wir eine gute Beschreibung Wittgensteins, der "die Hochspannung eines Menschen, der der ständigen Konzentration auf seine Ordnungsprinzipien bedarf, um nicht den Verstand zu verlieren. Als Borderliner des Seins hat es der Philosoph nie mit weniger zu tun als mit dem Block der Welt im Ganzen, auch wenn er nur über die korrekte Verwendung eines Wortes in einem Satz nachdenkt"

Bei Leibe, es ist keine leichte Lektüre, die uns Wittgenstein serviert. Aber eine lohnenswerte, ein - wie er unter §658 sagt - Bild, welches leuchtend ausmalt, "wie man etwas zu sich selbst sagt". Und in §32 konnte man lernen, dass denken hieße: etwas zu sich selber sagen. Schließlich wird man nach der langen Lektüre feststellen, was zwischen Verstehen und Erinnerung liegt und vor allem, das man mit dem Ohr erfassen kann, wenn man sich selbst laut vorliest. Geist und Gebärde begleiten die Wörter unterschiedlich, das ist bekannt. Wittgenstein bringt eine Vielfalt der Betrachtungsweisen auf die Wörter, die Sätze, Zeichen und die Grammatik. Nichts hat er glossiert, wie Strawson feststellt, seine Gedanken hat er in eine Ordnung gebracht. Oder in ein "Sprachspiel", mit diesem Wort hebt er hervor, das Sprechen der Sprache eine Tätigkeit ist oder eine Lebensform. Nun, dieses ist der Punkt des Autors Wittgenstein; alles, was zu benennen unterschlagen wurde, liest sich im Bewusstseins des Lesers. Oder wie Sartre sagte: Der Leser vollendet das Werk.
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am 6. November 2004
Zugegeben, einfache Bücher lesen sich anders. Besser gesagt, Wittgenstein zu lesen, und das trotz seiner ziemlich einfachen Sprache, ist sogar ausnehmend harte Arbeit. Aber ich verspreche, die Mühsal lohnt. Wittgensteins Opus Magnum ist ein Werk, dessen Lektüre außerordentlich gewinnbringend ist.
Naturgemäß hat das vor allem mit dem Inhalt zu tun. Die „Philosophischen Untersuchungen" gehören zu der Handvoll wirklich großer Texte der Philosophiegeschichte. Die Bedeutung der normalen Sprache für Entstehung wie für die Lösung philosophischer (Schein-) Probleme auf der einen Seite, das Konzept der Regelfolge auf der anderen sind die zwei zentralen, naturgemäß zusammenhängenden Themen dieses Buches. Das Bewußtsein für die Sprache ist inzwischen selbstverständlich, auch wenn sich damit nicht alle philosophischen Fragen erledigt haben, wie man (vielleicht mehr noch in Oxford unter dem Einfluss von Austin) in den 50er Jahren hoffte. Es ist Wittgensteins Entwicklung des Problems der Regelfolge, die einem nach wie vor den Atem nimmt. Wenn entgegen Platon eine sprachliche Regelfolge nicht notwendig ist, löst sich in letzter Konsequenz irgendwie unsere Welt auf und wir gleich dazu.
Aber da ist noch etwas anderes. Der Mann kann schreiben. Es geht um große Dinge, irgendwie um's Ganze halt, und trotzdem präsentiert Wittgenstein seine Argumentation nebenbei, aphorismenhaft mit leichter Hand, oftmals im Stil einer fiktiven Konversation, die die Reaktionen des Lesers bereits antizipiert und aufnimmt. Wittgenstein ist nicht nur ein großer Philosoph, unter diesen ist er außerdem einer der großen Schriftsteller. Wenn man also die übliche deutsch-philosophische Kost gewöhnt ist, darf man aufatmen. Hier schreibt einer mit Bilderreichtum und ohne wissenschaftlichen Apparat, unprätentiös, lebendig und das alles in einem wunderbar lakonischen Stil. Selbst wenn man bei der ersten Lektüre nicht alles versteht (so ging es mir jedenfalls), Wittgenstein zu lesen macht auf jeden Fall Spaß.
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Als Ludwig Wittgenstein die "Philosophischen Untersuchungen" schrieb, war er durch seinen "Tractatus logico-philosophicus" in Fachkreisen bereits ein berühmter Mann. Nach jahrelanger Abstinenz vom philosophischen Denken wandte er sich ab 1929 wieder der Materie zu - um schließlich in 693 Paragrafen seine frühere Theorie zu korrigieren. Sein Interesse richtete sich nun nicht mehr auf eine formal logische, konstruierte Idealsprache, sondern auf die normale, gesprochene Alltagssprache. Was macht das Wesen unserer Sprache aus? Woran lässt sich die Bedeutung eines Wortes oder Satzes erkennen? Wie lernen Kinder ihre Muttersprache? Aufgrund welcher Regeln und Vereinbarungen gelingt es Menschen überhaupt, miteinander zu kommunizieren? In immer neuen Anläufen umkreist Wittgenstein diese Fragen, leidenschaftlich, akribisch und ohne dabei fertige Antworten zu liefern. Die vielen Beispiele und Situationen aus dem Alltag, mit denen er seine Argumentation untermalt, sind gerade durch ihre Banalität erhellend und dabei sogar oft erheiternd. Wittgensteins Spätwerk ist ein schwieriges, aber sehr lohnenswertes Buch, weil es zum Nachdenken über etwas für uns so Selbstverständliches wie unsere Sprache anregt.
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am 30. Januar 2015
Hatte Wittgenstein im Tractatus (1918) noch das Ziel verfolgt, die Struktur der Sprache so klar wie möglich zu artikulieren und im Wesentlichen eine dem Programm Freges und Russells verpflichtete Bildtheorie der Bedeutung ausgearbeitet, so findet sich in § 43 der posthum (1953) erschienenen "Philosophischen Untersuchungen" die Auffassung, dass in vielen Fällen bei der Benützung des Wortes "Bedeutung" gilt: „Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache.“ Statt weiterhin abstrakt nach der Bedeutung von Wörtern oder Sätzen zu fragen und von der Vorstellung auszugehen, dass Zeichen Gegenstände vertreten, orientiert sich Wittgenstein hier an der Rolle, welche der Sprachgebrauch für das Verständnis und sprachlichen Ausdrücken spielt.

Indem Wittgenstein hier davon ausgeht, dass die Bedeutung eines Ausdrucks die Art und Weise ist, wie er gebraucht wird, eröffnet er dem Lesenden die Augen für die Vielfalt der Funktionsweisen von natürlicher Sprache. Den Ausgangspunkt seiner Untersuchung bilden Einsichten in die schwerwiegenden Probleme aller sprachphilosophischen Theorien, welche vom Prinzip der Vertretung von Gegenständen durch Namen ausgehen, um zu einer Charakterisierung der Bedeutung sprachlicher Ausdrücke zu gelangen. Für Wittgenstein ist die Tatsache entscheidend, dass wir sprachliche Ausdrücke je nach Situation unterschiedlich verwenden, so dass die allgemeine Frage nach der Bedeutung der fraglichen Ausdrücke keinen eindeutigen Sinn ergibt.

Wittgenstein führt deshalb seinen berühmten Begriff des „Sprachspiels“ ein. Sprachspiele sind seines Erachtens Zusammenhänge von sprachlichen und nichtsprachlichen Tätigkeitsformen, d.h. das Hervorbringen bestimmter Äußerungstypen und das Vollziehen bestimmter nichtsprachlicher Tätigkeitstypen. „Befehlen, fragen erzählen, plauschen gehören zu unserer Naturgeschichte so wie gehen, essen, trinken, spielen.“ (§ 25) So wie die Ähnlichkeit zwischen den Mitgliedern einer Familie jeweils aufgrund von verschiedenen Merkmalen bestehen, so auch die Ähnlichkeiten von Sprachspielen untereinander. Zu einem Sprachspiel gehören auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die sich nicht im Sprechen erschöpfen, wie z.B. Autoritätsverhältnisse, Verpflichtungen und Verantwortungsverhältnisse.

Sprachspiele sind insofern auch als normative Praktiken zu verstehen, die aufgrund bestimmter Spielregeln erfolgen. Auf die Frage, worin eine Sprachspiel-Regel besteht, spricht Wittgenstein von „Gepflogenheiten (Gebräuche[n], Institutionen)“ und davon „eine Technik [zu] beherrschen.“ (§ 199) Einer Regel zu folgen ist, einer Gepflogenheit gemäß zu handeln. Das Regelfolgen wird von ihm also als eine „Praxis“ bestimmt, und diese Praxis wiederum als „Institution“ spezifiziert. Mit der Praxis-These behauptet Wittgenstein, dass Regeln nicht von ihren Anwendungen unterschieden werden können: die Konstitution der Regel und ihre Anwendung fallen für ihn zusammen. Mit der Institutions-These wird behauptet, dass eine Institution die Praxis festlegt, wie ein bestimmtes Sprachspiel funktioniert.

Obwohl Wittgenstein hier von der Idee abrückt, dass der Zweck der Sprache allein darin besteht, Tatsachen abzubilden, ist der Gedanke einer philosophisch motivierten Sprachkritik weiterhin ein Grundpfeiler seines Denkens. Der Philosophie obliegt die therapeutische Rolle, eine Darstellung unserer Sprache zu geben, aus der deutlich wird, wie man ein Wort auf die richtige Weise verwendet, um so zu verhindern, dass dort Probleme entstehen, wo es eigentlich keine gibt. Es kennzeichnet Wittgensteins Philosophie, sie als eine auf das Leben und das menschliche Zusammenleben bezogene Tätigkeit aufzufassen und nicht bloß als eine theoretische Lehre. Als Tätigkeit kämpft die Philosophie gegen die Verhexung des Verstandes durch die Mittel unserer Sprache (vgl. § 109). Sie entdeckt die „Beulen, die sich der Verstand beim Anrennen an die Grenze der Sprache geholt hat.“ (§ 119).

Dies sind nur einige Gedankensplitter aus Wittgensteins tiefgründigem Buch, das so unterschiedliche Theoretiker wie Austin, Searle, Kripke, Cavell, Foucault usw. geprägt hat und bis heute eine enorme Strahlkraft besitzt.
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am 13. Januar 2015
Dieses Buch muß man mit hoher Konzentration und großem Interesse lesen/ durcharbeiten. Sonst ist nichts zu machen. Wittgenstein gehört zur ersten Liga unter den Philosophen. Großartig !
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am 4. Februar 2012
Da ich mein altes Exemplar verloren hatte, musste ich es neu bestellen . Diese Ausgabe ist sehr schoen! Der Inhalt ist natuerlich wunderbar und ein Klassiker.
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