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5.0 von 5 Sternen Die Sprache rückt in den Mittelpunkt philosophischer Überlegungen.
Die Fragen, die Wittgenstein sich stellt sind folgende: welche Bedeutung hat die Sprache für die Philosophie? Gibt es einen Missbrauch der Sprache? Für Wittgenstein ist das meiste, was Philosophen je geschrieben haben nicht falsch sonder unsinnig. Ihre tiefsten Probleme sind keine Probleme. Die herkömmliche Philosophie beruht auf einem logischen Missbrauch...
Veröffentlicht am 20. Juni 2009 von Mag Sarah Krampl

versus
1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Logik auf der Suche nach Wahrheit und Seele
Ludwig Wittgenstein (1889 - 1951), Sohn eines österreichischen Großindustriellen in Wien, schwankte lange, ob er Ingenieur, Pilot, Volksschullehrer oder Philosoph werden solle. Durch seinen "Tractatus logico-philosophicus" bewies er, dass er Letzterer geworden war.
Das Werk wurde 1918 fertig gestellt. 1921 erschien es in einem ersten, fehlerhaften Druck...
Vor 7 Monaten von Basileus Bibliophilos veröffentlicht


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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Sprache rückt in den Mittelpunkt philosophischer Überlegungen., 20. Juni 2009
Von 
Mag Sarah Krampl "sarahkrampl" (Villach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Tractatus logico-philosophicus (Gebundene Ausgabe)
Die Fragen, die Wittgenstein sich stellt sind folgende: welche Bedeutung hat die Sprache für die Philosophie? Gibt es einen Missbrauch der Sprache? Für Wittgenstein ist das meiste, was Philosophen je geschrieben haben nicht falsch sonder unsinnig. Ihre tiefsten Probleme sind keine Probleme. Die herkömmliche Philosophie beruht auf einem logischen Missbrauch der Sprache. Deshalb beruhen viele Probleme in der Philosophie auf sprachliche Missverständnisse. Die Gedanken, die normalerweise eher verschwommen und trüb sind, sollen durch die Philosophie eine Klärung und scharfe Abgrenzung erfahren. Nur Sätze der Naturwissenschaft sind sagbar und sinnvoll. Wittgenstein geht sogar so weit, dass er behauptet dass die alleinige Tatsache, dass die Welt ist, etwas Mystisches ist. Was sich sagen lässt, so Wittgenstein, das lässt sich klar sagen und über das "Nicht Sagbare" muss überhaupt in der Wissenschaft geschwiegen werden. Wittgensteins Philosophie durchläuft zwei Stadien. Die erste Phase seines Philosophierens besteht in der genauen Analyse des Sagbaren und schlägt sich in seinem Hauptwerk "Tractatus logico philosophicus" nieder. Die zweite Phase ist bedingt von einer Infragestellung seiner bisherigen Ergebnisse und ist gekennzeichnet durch die Annahme einer doch metaphysischen Welt. Die Philosophie seiner zweiten Phase ist in dem zweiten Werk "Philosophischen Untersuchungen" enthalten.
Wittgenstein I: Der "Tractatus logico philosophicus" (1918 abgeschlossen, 1921 mit Hilfe von Bertrand Russell zunächst als Zeitschriftenbeitrag unter dem Titel "Logisch-Philosophische Abhandlung publiziert, später auf Vorschlag George Edward Moores, anlehnend an Spinozas Tractatus Theologico-Politicus, mit heutigem Titel versehen) besteht aus einer Reihe von Tagebucheintragungen. Deshalb ist das Werk nicht in Kapiteln eingeteilt sondern besteht aus einer Folge nummerierter Abschnitte, die oft nur einen einzigen Satz enthalten. Der Tractatus umfasst 80 Seiten und beginnt mit dem ersten Satz "Die Welt ist alles, was der Fall ist". Im Vorwort schreibt Wittgenstein: "Das Buch behandelt die philosophischen Probleme und zeigt, ... dass die Fragestellung dieser Probleme auf dem Missverständnis der Logik unserer Sprache beruht. Man könnte den ganzen Sinn des Buches etwas in die Worte fassen: Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen".Ich bin also der Meinung, die Probleme im Wesentlichen endgültig gelöst zu haben.".
Wittgenstein beschäftigt sich im Tractatus mit den Beziehungen zwischen der Sprache und der Wirklichkeit. Ein Hauptmerkmal seiner Philosophie ist, dass die Welt uns nur durch den Filter der Sprache zugänglich ist. Die Logik benutzt Wittgenstein dazu, Grenzen und Möglichkeiten der Sprache aufzuzeigen. Ursprünglich hatte er seinem Werk den Titel "Der Satz" zugedacht. Es geht einerseits um logisch-grammatikalische Strukturen bzw. um die Zuordnung von Satzelementen zueinander, andererseits um die "abbildliche Beziehung zwischen Sprache und Wirklichkeit". Für Wittgenstein ist der Elementarsatz, die kleinste Erkenntniseinheit. Auf dem Elementarsatz können alle komplexen Strukturen zurückgeführt werden und über die Analyse von Sätzen ist es möglich zur Erfassung der Wirklichkeit und somit zur Erfassung der Welt der Sachverhalte zu gelangen. Sachverhalte sind Tatsachen. Eine Tatsache ist das, was in einem wahren Satz behauptet wird. Wenn man hingegen etwas behauptet, dass noch nicht als Wahrheit erwiesen ist, dann spricht Wittgenstein von Sachverhalte. Die Aussage: "Der Baum vor meinem Fenster ist kahl", beschreibt einen Sachverhalt, nämlich "Kahlsein des Baumes vor meinem Fenster". Hat sich dieser Sachverhalt als wahr erwiesen, ist der Baum also tatsächlich kahl, ist der Sachverhalt zu einer Tatsache geworden". Eine Tatsache ist zum Beispiel, dass ein Tisch braun ist. Nicht der Tisch selbst ist eine Tatsache, sondern dass er bestimmte Eigenschaften hat. Deshalb wehrt sich Wittgenstein auch gegen das Modell von Platon, wo jeder Tisch an einem idealen Tisch teilhat. Für Wittgenstein bedeutet die Existenz des Tisches etwas Metaphysisches. Der Satz besteht somit aus nicht weiter analysierbaren Namen. Zeichen bzw. Namen sollten als Symbole der Wirklichkeit fungieren: Bei einem Satz wie "Der Tisch ist sauber" sind die einzelnen Zeichen und die Verbindung dieser Zeichen Wirklichkeitsnahe, man kann sich den sauberen Tisch vorstellen. Bei einem Satz wie z.B. "Sokrates ist identisch" ergibt die Verbindung der Symbole keinen Sinn, d.h. der Satz ist unsinnig. Der Satz muss laut Wittgenstein auf Ja oder Nein hin über den Vergleich mit der Wirklichkeit überprüft werden, was Wittgenstein wiederum Verifikation eines Satzes nennt. Der Satz muss die Möglichkeit seiner Wahrheit enthalten aber nicht mehr als die Möglichkeit. Kein Satz ist a priori, also von vornherein wahr. Wittgenstein unterscheidet zwischen Sätzen und Namen insofern, dass bei ihm Sätze bipolar sind, das heißt sie können entweder wahr oder falsch sein, während Namen einpolig sind und entweder einen Sinn haben oder keinen. Der Unterschied zwischen einem Namen und einem Satz besteht darin, dass der Name in seiner Bedeutung verstanden werden muss, während der Satz auf seinem Sinn verstanden werden soll. Die Beziehung zwischen Sprache und Welt bezeichnet Wittgenstein mit dem Wort "Abbild-Bild". Mit Bild meint er nicht ein Gemälde sondern eher Bilder die auch bei Gericht verwendet werden um Tathergänge nachzuspielen. Steine, oder Kegeln z.B., die für Menschen oder Dinge stehen und die dazu verwendet werden den Tathergang nachzuspielen. "Bei der so genannten Abbildtheorie von Wittgenstein geht es zum einen um die interne logische Struktur des Satzes, den Satzbau, zum anderen um die Beziehung der logischen Struktur zum Sinn des Satzes, der zunächst immer nur ein möglicher ist und wahr wie falsch sein kann, und zum dritten um die Beziehung dieses Sinnes des möglichen Satzes zum wirklichen Sachverhalt, um die Frage nach der Wahrheit oder Falschheit des Satzes als Bild der Wirklichkeit." Wittgenstein hat eine Logik entwickelt, die sich mit der Wahrheit und Falschheit von Sätzen beschäftigt. Philosophie wird mit Wittgenstein zur reinen Sprachanalyse. In Anlehnung an Bertrand Russell geht Wittgenstein davon aus, dass sich sowohl die Welt als auch die Sprache in kleinste Einzelbestandteile wie die Atome zerlegen lassen. Im Tractatus nimmt Wittgenstein immer wieder Bezug auf die Unterscheidung zwischen dem "Sagen" und dem "Zeigen". Im Zeigen und nicht im Sagen liegt für Wittgenstein der Zugang zu ethischen und religiösen Problemen. In Kunst und Religion werden immer wieder Dinge sichtbar und erfahrbar, die sich nicht sagen sondern nur zeigen lassen. Über diese Erfahrungen soll geschwiegen werden. Wittgenstein vergleicht den Tractatus mit einer Leiter, die man besteigt und dann wegwerfen kann. Er entwickelt seine Philosophie als Sprungbrett zur unsagbaren Welt. Mit dem Tractatus ist schon alles gesagt, aber die wirklichen Probleme wie Tod, Glaube, Gott, Hoffnung sind damit noch nicht einmal berührt. Diese Lebensprobleme, wie auch der Sinn des Lebens, liegen jenseits von Wissenschaft und Philosophie. "Wie in Dantes Göttlicher Komödie Vergil als Repräsentant der menschlichen Vernunft den Menschen nur bis zum Rand des Paradieses begleitet und dort seine Führung abgeben muss, so kann die Logik im Tractatus den Menschen nur bis zum Rand des Sagbaren bringen ... Das Ethische ... fängt also erst an der Außengrenze dessen an, was Wittgenstein Welt genannt hat. ...Der Sinn der Welt muss außerhalb ihrer liegen.". Sprache und Welt sind eng miteinander verbunden.

Aus dem Tractatus logico-philosophicus:

Alle Philosophie ist Sprachkritik
Der Zweck der Philosophie ist die logische Klärung der Gedanken.
Die Philosophie begrenzt das bestreitbare Gebiet der Naturwissenschaft.
Es gibt allerdings Unaussprechliches. Dies zeigt sich, es ist das Mystische.
Die Welt ist alles was der Fall ist.
Die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen.
Wir machen uns Bilder der Tatsachen.
Der Satz ist ein Bild der Wirklichkeit.
Alles, was überhaupt gedacht werden kann, kann klar gedacht werden. Alles was sich aussprechen lässt, lässt sich klar aussprechen.
Die Gesamtheit der wahren Sätze ist die gesamte Naturwissenschaft.
Die meisten Sätze und Fragen, welche über philosophische Dinge geschrieben worden sind, sind nicht falsch, sondern unsinnig.
Wir fühlen, dass selbst, wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind.
Die Lösung des Problems des Lebens merkt man am Verschwinden dieses Problems.
Meine Sätze erläutern dadurch, dass sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie - auf ihnen - über sie hinaus gestiegen ist.
Die Lösung des Rätsels des Lebens in Raum und Zeit liegt außerhalb von Raum und Zeit.
'nicht wie die Welt ist, ist das Mystische, sondern dass sie ist.
An einen Gott glauben heißt, die Frage nach dem Sinn des Lebens verstehen. An einen Gott glauben heißt sehen, dass es mit den Tatsachen der Welt noch nicht abgetan ist. An Gott glauben heißt sehen, dass das Leben einen Sinn hat.
Gott offenbart sich nicht in der Welt.
Gott ist wie sich alles verhält.
Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.
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35 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Die Logik muß für sich selber sorgen.", 24. September 2003
„1. Die Welt ist alles, was der Fall ist." So beginnt das wohl bekannteste Werk Wittgensteins, in dem den Lesern Sätze der Logik, aufeinander aufbauend, man kann sagen: häppchenweise dargebracht werden. Wenn jemand aber glaubt, solche Häppchen seinen nun „mundgerecht" oder gar leicht verdaulich, der irrt gewaltig.
Es braucht wohl mehrere Ansätze, um dieses Buch in seiner Gänze zu bewältigen, obwohl es im Kern nicht viel mehr als hundert Seiten umfasst, denn man wird kaum im ersten Anlauf den Zugang dazu finden. Hat man aber einmal einen dieser Gedanken Wittgensteins zu fassen bekommen, so eröffnet sich eine Welt.
Obwohl man das Buch sehr wohl dazu ge- bzw. missbrauchen könnte, ging es Wittgenstein wohl weniger um das Verfassen von Sinsprüchen, als vielmehr um das Aufeinanderfolgen von logischen Schlüssen (wie der Titel schon sagt - logisch!). Dennoch bietet dieses Werk sehr wohl auch äußerst eingängige Sätze wie: „Alles, was überhaupt gedacht werden kann, kann klar gedacht werden. Alles, was sich aussprechen läßt, läßt sich klar aussprechen", bei dem einen ein tiefes Aufseufzen durchfährt und der Wunsch übermächtig wird, dass sich doch recht viele Menschen daran halten mögen...
Leider lässt sich der Charakter eines so inhaltsschweren Buches nicht in wenigen Zeilen darlegen, denn „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt"; eine Tatsache, die uns nicht erst seit Orwells „new speak" klar geworden sind. So endet Wittgensteins „Abhandlung" auch dementsprechend mit dem Satz: „7. Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen". Eben.
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41 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Alle Philosophie ist Sprachkritik", 8. Februar 2007
Die "Logisch-philosophische Abhandlung", auch als "Tractatus logico-philosophicus" bekannt, zählt zu den bemerkenswertesten philosophischen Errungenschaften des zwanzigsten Jahrhunderts. Ludwig Wittgenstein schrieb das Buch während des Ersten Weltkrieges und arbeitete dann als Volksschullehrer und Architekt, bevor er an das Trinity College in Cambridge berufen wurde.

Das Werk "äußerster sprachlicher Konzentration und formaler Strenge" setzt auf den Arbeiten Freges und Russels auf. Immer wieder erweist Wittgenstein im Text seinen geistigen Vordenkern und Lehrern die Ehre.

Im Vorwort skizziert Wittgenstein den Grundgedanken des Buches mit den Worten: "Das Buch behandelt die philosophischen Probleme und zeigt - wie ich glaube - dass die Fragestellung dieser Probleme auf dem Missverständnis der Logik unserer Sprache beruht. Man könnte den ganzen Sinn des Buches etwa in die Worte fassen: Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen."

Bereits aus diesen eingehenden Worten wird ersichtlich, welche Bedeutung Wittgenstein den Begriffen Sprache und Logik beimisst. Den Wert des Buches leitet er aus der Unantastbarkeit und Endgültigkeit der Gedanken ab: "Ich bin also der Meinung, die Probleme im Wesentlichen endgültig gelöst zu haben." Wohl ist er sich bewusst, "wie wenig damit getan ist, dass diese Probleme gelöst sind."

Analysieren wir zunächst den Begriff Sprache. Die Sprache ist die Gesamtheit aller Sätze. Sie legt die Grenze zwischen dem, was gesagt werden kann, und dem, was unsagbar bleibt, fest. Der Satz ist der sinnlich wahrnehmbare, ausgedrückte Gedanke. Die einfachste Form des Satzes ist der Elementarsatz. Wittgenstein betont, wie wichtig es ist, exakt zu formulieren: "Alles was überhaupt gedacht werden kann, kann klar gedacht werden. Alles was sich aussprechen lässt, lässt sich klar aussprechen." Doch der Satz ist auch ein Bild der Wirklichkeit, wie jeder Gedanke ein logisches Bild der Tatsachen ist: "Was denkbar ist, ist auch möglich. Wir können nichts unlogisches Denken, weil wir sonst unlogisch denken müssten." Durch den Vergleich mit der Wirklichkeit können wir auch den Wahrheitsgehalt des Satzes erkennen: "Die Gesamtheit der wahren Sätze ist die gesamte Naturwissenschaft."

In einem zusammengesetzten Satz können wir für jeden Elementarsatz den Wahrheitsgehalt bestimmen: "Jeder Satz ist das Resultat von Wahrheitsoperationen mit Elementarsätzen." Ein Satz, dessen Elementarsätze sämtlich wahr sind, bezeichnet Wittgenstein als Tautologie: "Ich weiß z.B. nichts über das Wetter, wenn ich weiß, dass es regnet oder nicht regnet." Im gegenteiligen Fall spricht er von Kontradiktion.

Wodurch entstehen Unklarheiten in der Sprache?

Die Sprache benutzt Schrift- oder Lautzeichen. "Jeden Teil des Satzes, der seinen Sinn charakterisiert, nenne ich einen Ausdruck (ein Symbol)." Verwechslungen entstehen dadurch, dass einem Zeichen verschiedene Symbole zugeordnet werden. Wittgenstein führt die eingangs erwähnten philosophischen Probleme auf eben jene Sprach-Missverständnisse zurück.

Welche Rolle spielt die Logik?

"Die Logik ist keine Lehre, sondern ein Spiegelbild der Welt. Die Logik ist transzendental", schreibt Wittgenstein. "Die Logik erfüllt die Welt; die Grenzen der Welt sind auch ihre Grenzen." Er weist darauf hin, dass die Logik nicht nur vor jeder Erfahrung steht, sondern dass die Sätze der Logik weder durch Erfahrung bestätigt oder widerlegt werden können. Die Hypothese, dass morgen die Sonne aufgehen wird, ist demnach nicht logisch; sie ist zufällig gültig: "Wir wissen nicht, ob sie aufgehen wird." Wittgenstein warnt davor, aus gegenwärtigen Ereignissen auf die Zukunft zu schließen: "Der Glaube an den Kausalnexus ist der Aberglaube."

Logik, das ist für Wittgenstein auch das Maß an Berechenbarkeit, denn "außerhalb der Logik ist alles Zufall." Jeder logische Satz stelle eine Tautologie dar. Da aus Tautologien wieder Tautologien entstehen, sagen alle Sätze der Logik eines aus - nichts! "Die Mathematik ist eine logische Methode. Die Sätze der Mathematik sind Gleichungen, also Scheinsätze."

Wie definiert Wittgenstein den Begriff "Welt"?

Gleich im ersten Satz des Tractatus lesen wir: "Die Welt ist alles, was der Fall ist. Die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge." Und im zweiten Hauptsatz führt Wittgenstein weiter aus: "Was der Fall ist, die Tatsache, ist das Bestehen von Sachverhalten." Er unterscheidet zwischen der Welt als solcher und meiner Welt: "Die Welt und das Leben sind eins. Ich bin meine Welt."

Grenzerfahrungen

"Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt." Ähnlich dem Auge, das beobachtet, sich aber nicht selbst sehen kann, gehört das Subjekt nicht zu seiner Welt sondern bildet deren Grenze.

Wenn Wittgenstein über die Grenze der Welt und des Sagbaren philosophiert, berührt er auch die metaphysischen Fragen. Über den Tod schreibt er: "Der Tod ist kein Ereignis des Lebens. Den Tod erlebt man nicht." Die zeitliche Unsterblichkeit der Seele des Menschen besitzt für Wittgenstein keinen Wert: "Die Lösung des Rätsels des Lebens in Raum und Zeit liegt außerhalb von Raum und Zeit". Den Sinn der Welt sieht Wittgenstein nicht innerhalb ihrer Grenzen liegen, da alles Geschehen zufällig ist und deshalb keinen Wert darstellt. Konsequent lehnt er die Frage nach der Existenz eines absoluten Wesens ab: "Zu einer Antwort, die man nicht aussprechen kann, kann man auch die Frage nicht aussprechen ... Gott offenbart sich nicht in der Welt."

Gleichwohl weiß Wittgenstein um die Schwächen der Wissenschaft: "Wir fühlen, dass selbst, wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind. Freilich bleibt dann eben keine Frage mehr; und eben dies ist die Antwort." Diese Problem lassen sich nicht mit der Sprache und der Logik lösen: "Es gibt allerdings Unaussprechliches. Dies zeigt sich, es ist das Mystische."

Fazit: Wittgensteins Logik besticht durch ihre Klarheit. Seine Sätze sind einfach und dennoch nicht leicht. Oft umweht sie der kalte Wind formaler Vernunft, der den Betrachter frösteln und nach emotionaler Wärme sehnen lässt.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was lässt sich klar sagen?, 18. Februar 2010
Von 
Heino Bosselmann "Heino Bosselmann" (Rützenfelde, Mecklenburg-Vorpommern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
In Kürze und mal unkonventionell: In ähnlicher Weise wie Kant in den apriorischen Kategorien des Verstandes ein nicht zu hintergehendes Raster für unsere Erkenntnismöglichkeit und -grenze sieht, befragt Wittgenstein die Möglichkeit der Sprache auf deren Vermögen hin, überhaupt zu klaren Aussagen zu kommen. Das ist legitim, wenn man in Rechnung stellt, dass unser Denken der Zeichen und Begriffe bedarf. Offenbar wünscht sich der damals junge Philosoph dabei eine logische Struktur, findet die allerdings nur in den naturwissenschaftlichen und mithin mathematischen, logischen oder tautologischen Sätzen. Alles darüber Hinausweisende muss "mystisch" resp. nicht klar bleiben. Insofern die Philosophie mit ihren Fragen und ihren versuchten Antworten aber erst jenseits der Naturwissenschaft beginnt, steht sie in dem Dilemma, nichts klar sagen zu können. Gewissermaßen eine Bankrotterklärung für das Vermögen der Philosophie und insofern eine Neuauflage ihres alten Skandals. Aber: Wo die Antworten ausbleiben, da schwinden deswegen die Fragen nicht, auch wenn der Rest, wie in Wittgensteins siebenten Satz, eben Schweigen bleibt. Der Trost: Im Spätwerk relativiert er das. Für mich ist der Tractatus ein Beispiel an gedanklicher Folgerichtigkeit und Stringenz. Klar sagbar ist eben wenig, sicher noch weniger. In einem Zeitalter des Geschwätzes über alles und nichts tut es gut, das zu wissen.
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19 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Traktat für Denker und alle, die auf dem Weg dazu sind!, 22. Mai 2001
Von Ein Kunde
0.) "Dieses Buch wird vielleicht nur der verstehen, der die Gedanken, die darin ausgedrückt sind - oder doch ähnliche Gedanken - schon selbst einmal gedacht hat." So beginnt L. Wittgenstein sein Vorwort zu diesem Traktat, und wie recht muss man ihm geben! 1.) Man sollte nicht über den Traktat sprechen, wenn man ihn nicht gelesen hat (Auslegung von: "Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen."). Das passiert aber immer wieder (Philosophieunterricht, Zeitungsberichte, ...); schon allein deshalb ist dieses Buch lesenswert, weil man eben einen wirklichen Einblick in die Intentionen Wittgensteins bekommt. Dieser Einblick scheint mir sehr wichtig zu sein - während des Lesens stieß ich sowohl auf allgemeinbekannte Gedanken, als auch traf ich auf neue, die mindestens ebenso interessant sind. 2.) Selbst wenn man für einen Studenten überdurchschnittliche Logik "besitzt", ist die Lektüre nicht einfach - der Traktat wird von Punkt zu Punkt schwieriger zu verstehen (wenn man sich aus Zeitgründen nicht intensiv damit beschäftigen kann). Wobei die Gedanken, die man selber in ähnlicher Weise schon gedacht hat/haben könnte, verstehbar und sehr interessant sind - vielleicht deswegen, weil die eigenen Gedanken nicht dermaßen intelligent/logisch/kompliziert sind. 3.) Auf jeden Fall - für Denker (im wörtlichsten Sinne) oder solche, die auf dem Weg dazu sind - zu empfehlen, nicht zuletzt, weil diese Ausgabe über ein ästhetisches Äußeres verfügt.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Foundation Stone of Mechanistic Reductionism by our Greatest Descriptive Psychologist, 24. November 2012
" But I did not get my picture of the world by satisfying myself of its correctness: nor do I have it because I am satisfied of its correctness. No: it is the inherited background against which I distinguish between true and false."(OC 94).

"Superstition is nothing but belief in the causal nexus." TLP 5.1361

"Now if it is not the causal connections which we are concerned with, then the activities of the mind lie open before us." "The Blue Book" p6 (1933)

"We feel that even when all possible scientific questions have been answered, the problems of life remain completely untouched. Of course, there are then no questions left, and this itself is the answer." TLP 6.52 (1922)

"Nonsense, Nonsense, because you are making assumptions instead of simply describing. If your head is haunted by explanations here, you are neglecting to remind yourself of the most important facts."
Z 220

"Philosophy simply puts everything before us and neither explains nor deduces anything...One might give the name `philosophy' to what is possible before all new discoveries and inventions." PI 126

"The more narrowly we examine actual language, the sharper becomes the conflict between it and our requirement. (For the crystalline purity of logic was, of course, not a result of investigation: it was a requirement.)"PI 107

"The wrong conception which I want to object to in this connexion is the following, that we can discover something wholly new. That is a mistake. The truth of the matter is that we have already got everything, and that we have got it actually present; we need not wait for anything. We make our moves in the realm of the grammar of our ordinary language, and this grammar is already there. Thus, we have already got everything and need not wait for the future." (said in 1930) Waismann "Ludwig Wittgenstein and the Vienna Circle (1979)p183

"Here we come up against a remarkable and characteristic phenomenon in philosophical investigation: the difficulty---I might say---is not that of finding the solution but rather that of recognizing as the solution something that looks as if it were only a preliminary to it. We have already said everything.---Not anything that follows from this, no this itself is the solution!....This is connected, I believe, with our wrongly expecting an explanation, whereas the solution of the difficulty is a description, if we give it the right place in our considerations. If we dwell upon it, and do not try to get beyond it." Zettel p312-314

When thinking about Wittgenstein (W),I often recall the comment attributed to Cambridge Philosophy professor C.D. Broad (who did not understand nor like him). "Not offering the chair of philosophy to Wittgenstein would be like not offering the chair of physics to Einstein!" I think of him as the Einstein of intuitive psychology. Though born ten years later, he was likewise hatching ideas about the nature of reality at nearly the same time and in the same part of the world and, like Einstein, nearly died in WW1. Now suppose Einstein was a suicidal homosexual recluse with a difficult personality who published only one early version of his ideas, that was quite confused, but became world famous; completely changed his ideas but for the next 30 years published nothing more, and knowledge of his new work, in mostly garbled form, diffused slowly from occasional lectures and students notes; that he died in 1951 leaving behind over 20,000 pages of mostly handwritten scribblings in German, composed of sentences or short paragraphs with, often, no clear relationship to sentences before or after; that these were cut and pasted from other notebooks written years earlier with notes in the margins, underlinings and crossed out words, so that many sentences have multiple variants; that his literary executives cut this indigestible mass into pieces, leaving out what they wished and struggling with the monstrous task of capturing the correct meaning of sentences, which were conveying utterly novel views of how the universe works, and that they then published this material with agonizing slowness (not finished after half a century) with prefaces that contained no real explanation of what it was about; that he became as much notorious as famous, due to many statements that all previous physics was a mistake and even nonsense, and that virtually nobody understood his work, in spite of hundreds of books and tens of thousands of papers discussing it; that many physicists knew only his early work, in which he had made a definitive summation of Newtonian physics stated in such extremely abstract and condensed form that it was difficult to decide what was being said; that he was then virtually forgotten and that most books and articles on the nature of the world and the diverse topics of modern physics had only passing and usually erroneous references to him, and that many omitted him entirely; that to this day, over half a century after his death, there were only a handful of people who really grasped the monumental consequences of what he had done. This, I claim, is precisely the situation with Wittgenstein.

Had W lived into his 80's he would have been able to directly influence Searle, Symons, Habermas and countless other students of behavior. If his brilliant friend Frank Ramsey had not died in his youth, a highly fruitful collaboration would almost certainly have ensued. If his student and colleague Alan Turing had become his lover, one of the most amazing collaborations of all time would likely have evolved. In any one case the intellectual landscape of the 20th century would have been different and if all 3 had occurred it would almost certainly have been very different. Instead he lived in relative intellectual isolation, few knew him well or had an inkling of his ideas while he lived, and only a handful within philosophy have any real grasp of his work today. He could have shined as an engineer(he has an aviation patent), a mathematician (he sketched out a proof of Euler's theorem, since shown to be valid, and grasped the psychological foundations of math , incompleteness, infinity etc., as perhaps no one else has to this day), a physiologist (he did wartime research in it), a musician (he played instruments and had a renowned talent for whistling), an architect (the house he designed and constructed for his sister still stands), or an entrepreneur (he inherited one of the largest fortunes in the world but gave it all away). It is a miracle he survived the trenches and prison camps (while writing the Tractatus) in WW1, many years of suicidal depressions (3 brothers succumbed to them), avoided being trapped in Austria and executed by the Nazis (he was partly Jewish), and that he was not persecuted for his homosexuality and driven to suicide like his friend Turing. He realized nobody understood what he was doing and might never (not surprising as he was half a century ahead of psychology and philosophy, which only recently have started accepting that our brain is an evolved organ like our heart.)

Before TLP there is a ProtoTractatus and a few desultory comments made even earlier. It is a remarkable document which continues to seduce some the best minds in philosophy, with new books and articles dealing partly or entirely with it appearing frequently over a century after it was first conceived. The first thing to note is that W later rejected it entirely for reasons he spent the rest of his life explaining. You can see the review of S Guha above for a splendid précis of some of what TLP means IF you assume phrases like "propositions are pictures of reality" have a clear meaning (they don't). He was doing philosophy (descriptive psychology) as though the mind was a logical mathematical machine that processed facts, and behavior was the result. Thus, long before computers W gave the ultimate statement of what was half a century later to become known as strong AI, CTM (Computational Theory of Mind) and most recently DSM (Dynamic Systems Theory). Eventually, W realized that perception and memory were the raw material acted upon by our innate psychology (EP) and logic and math were some of the results. Being able to say or understand anything presupposed EP and trying to make logic primary leads to incoherence, as is evident throughout TLP (and the explanation for its many bizarre statements-see e.g. Hutto). Even so, one can "understand" TLP in the sense that one can state the confusions he labored under and which most of the world still does.

In the decades after TLP, W evolved slowly and his ideas crystallized into a unique and amazingly deep and prescient description of behavior not yet fully appreciated by even his brightest and most ardent admirers (e.g. Hutto, Stern, DMS etc.). Although W wrote thousands of pages and is the most discussed philosopher in modern times, only a few have any real grasp of what he did and how it anticipates in detail many of the latest advances in psychology and philosophy (descriptive psychology). It is essential to first read some of the commentaries on his later work by others. One of the best is that of Daniele Moyal-Sharrock (DMS) whose 2004 volume "Understanding Wittgenstein's On Certainty" is mandatory for every educated person, and perhaps the best starting point for understanding Wittgenstein, psychology, philosophy and life, since it explains the unconscious, axiomatic structure of animal behavior. Next I would suggest the writings of Daniel Hutto, especially his "Wittgenstein and the End of Philosophy"(2004). However (in my view) like all analyses, they fall far short of grasping his unique and revolutionary advances in describing behavior by failing to put them in a broad evolutionary and contemporary scientific context, which I will attempt in skeletal outline here. Finally, all of Searle should be read, with special attention to "Rationality in Action" and his more recent works. Though Searle does not say and seems to be unaware, most of his work follows directly from that of W.
To say that Searle has carried on W's work is not to say that it is a direct result of W study, but rather that because there is only ONE human psychology (for the same reason there is only ONE human cardiology), that anyone accurately describing behavior must be voicing some variant or extension of what W said (assuming W is correct). I find most of Searle foreshadowed in W, including versions of the famous Chinese room argument against Strong AI. Incidentally, if the Chinese Room interests you then you should read Victor Rodych's xlnt ,but virtually unknown, supplement on the CR--"Searle Freed of Every Flaw". Rodych has also written a series of superb papers on W's philosophy of mathematics --i.e., the EP (Evolutionary Psychology) of the axiomatic System 1 Primary Language Games (PLG's) of counting as extended into the endless System 2 SLG's (Secondary Language Games) of math. I will also note that nobody who promotes Strong AI, CTM or DSM seems to be aware that W's Tractatus is the most striking and powerful statement of their viewpoint ever penned (i.e., behavior as the logical processing of facts--i.e., "information processing"--see the work of Hutto and Searle for a lovely dissection of this rats nest). Of course decades later (but before the digital computer was a gleam in Turing's eye) he described in great detail why CTM was an incoherent description of mind that must be replaced by psychology (or you can say this is all he did for the rest of his life).

Wittgenstein is for me easily the most brilliant thinker on human behavior and TLP and Philosophical Investigations(PI) are his most famous works. His work as a whole shows that all behavior is an extension of innate true-only axioms (see "On Certainty" for his final extended treatment of this idea) and that our conscious ratiocination emerges from unconscious machinations. His corpus can be seen as the foundation for all description of animal behavior, revealing how the mind works and indeed must work. The "must" is entailed by the fact that all brains share a common ancestry and common genes and so there is only one basic way they work, that this necessarily has an axiomatic structure, that all higher animals share the same evolved psychology based on inclusive fitness, and that in humans this is extended into a personality based on throat muscle contractions (language) that evolved to manipulate others (with variations that can be regarded as trivial). This book, and arguably all of W's work and all useful discussion of behavior, is a development of or variation on these ideas. Another major theme here, and of course in all discussion of human behavior, is the need to separate the automatisms which underlie behavior from the effects of culture. Though few philosophers, psychologists, anthropologists, sociologists etc., explicitly discuss this, it can be seen as the major problem they are dealing with. I suggest it will prove of the greatest value to consider W's work and most of his examples as an effort to tease apart not only fast and slow thinking (e.g., perceptions vs dispositions--see below), but nature and nurture.
What he eventually laid out are the foundations of evolutionary psychology (EP), or if you prefer, psychology, cognitive linguistics, intentionality, higher order thought or just animal behavior. Sadly, few realize that his works are a vast and unique textbook of descriptive psychology that is as relevant now as the day it was written. He is almost universally ignored by psychology and other behavioral sciences and humanities, and even those few in philosophy who have more or less understood him, have not carried the analysis to its logical (psychological) conclusion, nor realized the extent of his anticipation of the latest work on EP and cognitive illusions (TOM, framing, the two selves of fast and slow thinking etc.,--see below). His heir apparent, John Searle, refers to him periodically and his work can be seen as a straightforward extension of W's, but he does not really get that this is what he is doing. Other leading W analysts such as Hutto and Moyal-Sharrock do marvelously but (in my view) stop short of putting him in the center of current psychology, where he certainly belongs.

His last works describe the two selves and the multifarious language games of fast and slow thinking, and, by starting from them and reading backwards to the proto-Tractatus, one sees how he became the first to grasp the identity of language, thought and reality. It should be clear that insofar as they are coherent and correct, all accounts of behavior are describing the same phenomena and ought to translate easily into one another. Thus the recently fashionable themes of "Embodied Mind" and "Radical Enactivism" should flow directly from and into W's work. However almost nobody is able to follow his example of avoiding jargon and sticking to perspicuous examples, so even the redoubtable Hutto (see below) has to be heavily filtered to see that this is true, and even he does not get how completely W has anticipated the latest work in fast and slow, two-self embodied thinking (acting).

W can also be regarded as a pioneer in evolutionary cognitive linguistics--the Top Down analysis of the mind and its evolution via the careful analysis of examples of language use in context, by exposing the many varieties of language games and the relationships between the primary games of the true-only unconscious, axiomatic fast thinking of perception, memory and reflexive emotions and acts (often described as the subcortical and primitive cortical reptilian brain first-self functions), and the later evolved higher cortical dispositional conscious abilities of believing, knowing, thinking etc. that constitute the true or false propositional secondary language games of slow thinking that are the network of cognitive illusions that constitute the second-self or personality. He dissects hundreds of language games showing how the true-only perceptions, memories and reflexive actions of system one grade into the thinking, remembering, and understanding of system two dispositions, and many of his examples also address the nature/nurture issue explicitly. With this evolutionary perspective, his later works are a breathtaking revelation of human nature that is entirely current and has never been equaled. Many perspectives have heuristic value, but I find that this evolutionary two systems view not only lets me understand W, but cuts like a hot knife through the frozen butter of all discussions of higher order behavior. To repeat Dobzhansky's famous comment: "Nothing in biology makes sense except in the light of evolution." And nothing in philosophy makes sense except in the light of evolutionary psychology.

The failure (in my view) of even the best thinkers (with a few possible exceptions) to fully grasp W's significance is partly due to the limited attention "On Certainty" (OC) and his other 3rd period works have received, but even more to the inability to understand how profoundly our view of philosophy, anthropology, sociology, linguistics, politics, law, morals, ethics, religion, aesthetics, literature (all of them being descriptive psychology), alters once we accept this evolutionary point of view. The dead hand of the blank slate view of behavior still rests heavily on most people, pro or amateur and is the default of the second self of slow thinking conscious System 2,(which is oblivious to the fact that the groundwork for all behavior lies in the unconscious, fast thinking axiomatic structure of System 1). System 1 overlaps with "mirroring"(Goldman), "neural resonance"(Gallagher), "biosemantics"(Millikan), and "biosemiotics"(Hutto). Steven Pinker's brilliant `The Blank Slate: the modern denial of human nature' is highly recommended preparation, even though it is now dated and limited in various ways, and he has no clue about Wittgenstein, and hence of what can be regarded as the first and best really deep investigation into the foundations of human nature. Also, he seems not to grasp that the Blank Slate view is an expression of the cognitive illusions that constitute our mental life.

The common ideas (e.g., the subtitle of one of Pinker's books "The Stuff of Thought: language as a window into human nature") that language is a window on or some sort of translation of our thinking or even (Fodor) that there must be some other "Language of Thought" of which it is a translation, were rejected by W, who tried to show, with hundreds of continually reanalyzed perspicacious examples of language in action, that language is the best picture we can ever get of thinking, the mind and human nature, and his whole corpus can be regarded as the development of this idea. He rejected the idea that the Bottom Up approaches of physiology, experimental psychology and computation could reveal what his Top Down deconstructions of Language Games (LG's) did. The difficulties he noted are to understand what is always in front of our eyes and to capture vagueness ("The greatest difficulty in these investigations is to find a way of representing vagueness" LWPP1, 347). And so, speech (i.e., oral muscle contractions, the principal way we can interact) is not a window into the mind but is the mind itself, which is expressed by acoustic blasts about past, present and future acts (i.e., our speech using the later evolved Secondary Language Games (SLG's) of the Second Self--the dispositions --imagining, knowing, meaning, believing, intending etc.). As with his other aphorisms I suggest one should take seriously his comment that even if God could look into our mind he could not see what we are thinking--this should be the motto of the Embodied Mind. That is, since all higher behavior originates in the neural automatisms of system 1, even I don't know specifically what I am going to say.

Some of W's favorite topics in his later second and his third periods are the different (but interdigitating) LG's of fast and slow thinking (System 1 and 2 or roughly PLG's and SLG's), the epiphenomenality of our second self and mental life (i.e., of our personality), the impossibility of private language and the axiomatic structure of behavior. The PLG's are utterances by and descriptions of our involuntary, System 1, fast thinking, true only, nonpropositional, untestable mental states ("it hurts") - our perceptions and memories and involuntary acts (including System 1 Truths and Understanding Of Agency -UOA1), while the evolutionarily later SLG's are expressions or descriptions of voluntary, System 2, slow thinking, testable true or false, propositional, Truth2 and UOA2, dispositional (and often counterfactual) imagining, supposing, intending, thinking, knowing, believing etc. A useful heuristic is to separate behavior and experience into Intentionality 1 and Intentionality 2 (e.g., Thinking 1 and Thinking 2 etc.) and even into Truths 1 (T only axioms) and Truths 2 (empirical extensions or "Theorems" which in some cases can be False). He recognized that `Nothing is Hidden'--i.e., our whole higher psychology and all the answers to all truly philosophical questions (i.e., ones not scientific) are here in our language (our life) and that the difficulty is not to find the answers but to recognize them as always here in front of us--we just have to stop trying to look deeper (e.g., "The greatest danger here is wanting to observe oneself." LWPP1, 459). Introspection gives nothing but language gives everything.

W makes these points throughout his works in countless examples and again his whole corpus can be regarded as the effort to make them clear. W showed that standard ways of describing behavior (i.e., most of philosophy, and much of descriptive psychology, anthropology, sociology, economics, etc.) are either demonstrably false or incoherent. Once we understand W, we realize the absurdity of regarding "language philosophy" as a separate study apart from other areas of behavior, since language is just another name for the mind. And, when W says that understanding behavior is in no way dependent on the progress of psychology (e.g., his oft-quoted assertion "The confusion and barrenness of psychology is not to be explained by calling it a `young science' --but cf. another comment that I have never seen quoted "Is scientific progress useful to philosophy? Certainly. The realities that are discovered lighten the philosophers task. Imagining possibilities." (LWPP1, 807). So, he is not legislating the boundaries of science but pointing out that our behavior (mostly speech) is the clearest picture possible of our psychology and that all discussions of higher order behavior are plagued by conceptual confusions. FMRI, PET, TCMS, iRNA, computational analogs, AI and all the rest are fascinating and powerful ways to extend our innate axiomatic psychology, but all they can do is provide the physical basis for our behavior and facilitate our analysis of language games, while our EP remains unchanged (unless genetic engineering is unleashed to change it--but then it won't be us anymore). The true-only axioms most thoroughly explored in `'On Certainty'' are W's (and later Searle's) "bedrock" or "background" (EP), which is traceable to the automated true-only reactions of bacteria, which evolved and operates by the mechanism of inclusive fitness (IF). See the recent works of Trivers and others for a popular intro to IF or Bourke's superb "Principles of Social Evolution" for a pro intro.

Beginning with their innate true-only, nonempirical (automated and nonchangeable) responses to the world, animals extend their axiomatic understanding via deductions into further true only understandings ("theorems" as we might call them, but of course like many words, this is a complex language game even in the context of mathematics). Tyrannosaurs and mesons become as unchallengeable as the existence of our two hands or our breathing. This dramatically changes ones view of human nature. Theory of Mind (TOM) is not a theory at all (see Hutto) but a group of true-only Understandings Of Agency (UOA a term I devised 10 years ago) which newborn animals (including flies and worms if UOA is suitably defined) have and subsequently extend greatly (in higher eukaryotes). However W noted that for much of intentionality there are System 1 and System 2 versions (language games)-the fast unconscious UOA1 and the Slow conscious UOA2 and of course these are multifaceted phenomena.

Likewise, the Theory of Evolution ceased to be a theory for any normal, rational, intelligent person before the end of the 19th century and for Darwin at least half a century earlier. One CANNOT help but incorporate T. rex and all that is relevant to it into our innate background via the inexorable workings of EP. Once one gets the logical (psychological) necessity of this it is truly stupefying that even most of the brightest do not grasp this most basic fact of human life (with a tip of the hat to Kant, Searle and a few others) which was laid out in great detail in "On Certainty". Incidentally, the equation of logic and our axiomatic psychology is essential to understanding W and human nature (as DMS, but afaik nobody else, points out).
So, most of our shared public experience (culture) becomes a true-only extension of our axiomatic EP and cannot be found mistaken without threatening our sanity. A corollary, nicely explained by DMS and elucidated in his own unique manner by Searle, is that the skeptical view of the world and other minds (and a mountain of other nonsense including the Blank Slate) cannot really get a foothold, as "reality" is the result of involuntary fast thinking axioms and not testable true or false propositions.

I think it is clear that the innate true-only axioms W is occupied with throughout his work, and almost exclusively in OC (his last work), are equivalent to the fast thinking or System 1 that is at the center of current research (e.g., see Kahneman--"Thinking Fast and Slow", but he has no idea W laid out the framework some 75 years ago), which is involuntary and unconscious and which corresponds to the mental states of perception (including UOA1) and memory and involuntary acts, as W notes over and over in endless examples. One might call these "intracerebral reflexes"(maybe 99% of all our cerebration if measured by energy use in the brain). Our slow or reflective, more or less "conscious" (beware another network of language games!) second-self brain activity corresponds to what W characterized as "dispositions" or "inclinations", which refer to abilities or possible actions, are not mental states, and do not have any definite time of occurrence. But disposition words like "knowing", "understanding", "thinking", "believing", which W discussed extensively, have at least two basic uses or language games. One is a peculiar philosophical use (but graduating into everyday uses) exemplified by Moore (whose papers inspired W to write OC), which refers to the true-only sentences resulting from direct perceptions and memory, i.e., our innate axiomatic System 1 psychology (`I know these are my hands'), and their normal use as dispositions, which can be acted out and which can become true or false (`I know my way home').

The investigation of involuntary fast thinking has revolutionized psychology, economics (e.g., Kahneman's Nobel prize) and other disciplines under names like "cognitive illusions", "priming", "framing", "heuristics" and "biases". Of course these too are language games so there will be more and less useful ways to use these words, and studies and discussions will vary from "pure" System 1 to combinations of 1 and 2 (the norm as W made clear), but presumably not ever of slow System 2 dispositional thinking only, since any System 2 thought or intentional action cannot occur without involving much of the intricate network of "cognitive modules", "inference engines", "intracerebral reflexes", "automatisms", "cognitive axioms", "background" or "bedrock" (as W and later Searle call our EP).

One of W's recurring themes was TOM, or as I prefer UOA (but of course he did not use these terms), which is the subject of major research efforts now. I recommend consulting the work of Ian Apperly, who is carefully dissecting UOA1 and 2 and who has recently become aware of Hutto, since Hutto has now characterized UOA1 as a fantasy (or rather insists that there is no `Theory' nor representation involved in UOA1--that being reserved for UOA2). However, like other psychologists, Apperly has no idea W laid the groundwork for this between 60 and 80 years ago.

Another point made countless times by W was that our conscious mental life is epiphenomenal in the sense that it does not describe nor determine how we act. It is an obvious corollary of his descriptive psychology that it is the unconscious automatisms of System 1 that dominate and describe behavior and that the later evolved conscious dispositions (thinking, remembering, loving, desiring, regretting etc.) are mere icing on the cake. This is most strikingly borne out by the latest experimental psychology, some of which is nicely summarized by Kahneman in the book cited (see e.g., the chapter `Two Selves', but of course there is a huge volume of recent work he does not cite and endless other books and papers). It is an easily defensible view that much of the burgeoning literature on cognitive illusions, automatisms and higher order thought is wholly compatible with and straightforwardly deducible from W.

Probably the leading exponent of W's ideas on the language games of inner and outer (the `Two Selves' operation of our personality or intentionality or EP etc. ) is the prolific Daniel Hutto (DH), whose `Radical Enactivism' is explained in numerous recent books and papers. It is a development of or version of the Embodied Mind ideas now current and, cleansed of its jargon, it is a straightforward extension of W's 2nd and 3rd period writings (though Hutto seems only intermittently aware of this). He is also author of the best deconstructions I know of Dennett's preposterous claim to be following in W's footsteps (in fact he is just repeating many classic mistakes (e.g. those in TLP!!) in grandiose fashion and hasn't a clue about W) and of Fodor's LOT and other nonsense. But of course one must read Searle too and the title of his famous review of Dennett's book says it well "Consciousness Explained Away". Incidentally, unlike most philosophers and other scholars, who make little or no effort to give the general public access to their papers, Hutto has put nearly every paper (though of course often just proofs and not the final paper) free online at [...]

Throughout W's works, understanding is bedeviled by possible alternative and consequently often infelicitous translations from often unedited and handwritten German notes, with "Satz" being frequently incorrectly rendered as "proposition"(which is a testable or falsifiable statement) when referring to our nonfalsifiable psychological axioms, as opposed to the correct "sentence", which CAN be applied to our axiomatic true-only statements such as "these are my hands" or "Tyrannosaurs were large carnivorous dinosaurs that lived about 50 million years ago"(and since this is an unavoidable extension of our psychology, what does this imply about creationists?).

Regarding my view of W as the major pioneer in EP, it seems nobody has noticed that he very clearly explained several times specifically and many times in passing, the psychology behind what later became known as the Wason Test--long a mainstay of EP research.

Those wishing some specific comments on W's later works can see my reviews of OC, PI and books by Hutto and Searle which I will post soon.

Finally, let me suggest that with this perspective, W in his later works is not obscure, difficult or irrelevant but scintillating, profound and crystal clear, that he writes aphoristically and telegraphically because we think and behave that way, and that to miss him is to miss one of the greatest intellectual adventures possible.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Bibel der Sprachphilosophie, 3. Oktober 2008
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Man könne die knapp hundert Seiten dieses Buches an einem Nachmittag lesen ' und dennoch Jahre darüber grübeln, ohne sie völlig verstanden zu haben, so schrieb einmal ein Interpret über Wittgensteins Tractatus logico-philosophicus. Gewiss: Das Buch, das der junge Philosoph z. T. in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges verfasste und das ihm schon bald nach Erscheinen den Ruf eines Genies eintrug, ist keine einfache Lektüre. So mühsam es aber ist, sich durch die mathematischen Formeln und logischen Ausführungen hindurchzuarbeiten, so bestechend ist das Werk in seiner klaren, schnörkellosen, bisweilen schroffen Sprache und seiner formale Strenge. Seine philosophiegeschichtliche Bedeutung ist kaum zur überschätzen: Das schmale Büchlein läutete den so genannten 'linguistic turn' ein, die Erkenntnis, dass man das Denken nur durch die Analyse der Sprache verstehen kann. Bei aller Logik ist der Tractatus auch ein Buch der Widersprüche: strikt antimetaphysisch und zugleich beseelt vom Glauben an etwas Höheres, Unaussprechliches; nüchtern im Stil und doch von spürbarer, leidenschaftlicher Intensität. Die Lektüre des Jahrhundertwerks bleibt bis heute ein anstrengendes, aber faszinierendes Erlebnis.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Gedicht..., 11. November 2009
Es gibt Produkte des menschlichen Geistes, die von einer so durchdringenden Schönheit sind, dass man den Schmutz der Welt und das Elend des Menschseins für kurze Zeit zu vergessen im Stande ist, wenn man sich mit ihnen auseinandersetzt. Der Tracatus Wittgensteins ist eines jener Werke: Prosa musischen Zaubers, Zeugnis vergeistigter Reflexion und ästhetischster Abstraktion und gleichzeitig so rational, wie die Philosophie als Wissenschaft nur sein kann. Ich beschäftige mich seit Jahrem mit dem Werk und immer und immer wieder entdecke ich neue Aspekte, Unbekanntes, das mich trotz seiner Nüchternheit menschlich berührt. Philosophie als Kunst und Kunst als Philosophie; Ethik und Ästhetik sind eins.
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87 von 128 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bitte ignorieren Sie getrost alle vorherigen Rezensionen., 24. Mai 2003
Von Ein Kunde
Die Logisch-Philosophische Abhandlung ist Ludwig Wittgensteins (1889-1951) einzige zu seinen Lebzeiten publizierte Monographie. Das relativ kurze Buch entstand in den Jahren von 1911 bis 1917 in Cambridge, Skjolden (Norwegen) und zuletzt an der vordersten Ostfront des Ersten Weltkrieges und besteht im weitestgehenden aus aphorismenhaften Versatzstücken, die Wittgenstein in seinen Notizbüchern während des Krieges auf einem Kanonenboot niederschrieb.
Die unten aufgeführten Beschreibungen und Kommentare zu diesem wichtigen Buch lassen einem die Haare zu Berge stehen. Sie können sie getrost vergessen. Es wird da einmal von Stil geredet, der allein schon die Lektüre des Buches lohnenswert machen soll. Die spezielle, spektakuläre Numerierung wird erwähnt. Es ist auch vom "Genre" der analytischen Philosophie die Rede. Anderenorts wird Tolkiens Buch mit der Logisch-Philosophischen Anhandlung verglichen. Eine Bemerkung weiter unten meint, man müsse überdurchschnittliche Logikkenntnisse besitzen, um den Zugang zum Buche zu erlangen. Man frage sich, ob nicht Amazon bei einigen einzelnen Fällen einschreiten und offensichtlich stümperhafte Buchbesprechungen nicht einfach ohne weiteres löschen sollte.
Ich möchte nur einige wichtige Ratschläge zur Lektüre von Wittgensteins erstem Buch mit auf den Weg geben. Ohne eine detaillierte Kenntnis der Arbeiten Gottlob Freges und Betrand Russells ist es nicht nur fast, sondern ganz und gar unmöglich das Buch auch nur einigermaßen richtig zu verstehen. Diese Kenntnisse zu erwerben, nimmt im besten Fall einige Monate, bei Lesern, die mit der allgemeinen Geschichte der Ursprünge der analytische Philosophie nicht vertraut sind Jahre in Anspruch. F. P. Ramsey, einer der begabtesten jungen Mathematiker in Cambridge in den 1920er Jahren und Mitübersetzer des Buches ins Englische, studierte zusammen mit Wittgenstein selbst die Logisch-Philosophische Abhandlung äußerst intensiv kurz nach ihrem Erscheinen. Die Treffen waren jeden Tag von 14 bis 19 Uhr angesetzt und für jede einzelne Seite brauchten die beiden wenigstens eine Stunde.
Ich möchte nur sagen, daß ich nicht glaube, daß ausserhalb wissenschaftlicher Beschäftigung mit dem Buch irgendjemand irgendeine fruchtbare Erkenntnis daraus ziehen könnte, die gleichzeitig in Wittgensteins Absicht lag. Selbstverständlich soll das niemanden, der einfach nur unbestimmtes Interesse an dem Buch hat davon abhalten es einmal aufzuschlagen und verdutzt zu sein über Numerierungen und kantige Sätze in ungewohntem Vokabular.
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6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Knochentrockenes Brot, 28. April 2009
Von 
Serenus Zeitblom (Köln, Europa) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
"Meine Sätze erläutern dadurch, daß sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie - auf ihnen - über sie hinausgestiegen ist (Er muss sozusagen die Leiter wegwerfen, nachdem er auf ihr hinaufgestiegen ist) [...]" (6.54).

Meta-Betrachtungen (wie die eigene) werden von Wittgenstein nämlich fast paradoxerweise kritisch beäugt. Er steht in der Tradition der analytischen Philosophie etwa eines Bertrand Russell - die Hoffnung, mathematische "Präzision" in diese schwammige Philosophie einziehen zu können. Diese (scheinbare) Präzision will Ludwig Wittgenstein durch definierte Begriffe, kurze klare Aussagesätze und eine durchnumerierte, logische Konstruktion seines Texts erzwingen. Doch Wittgenstein sieht auch eine Beschränkung durch die Wände der Sprache.
Der Anspruch des österreichisch-englischen Jung-Philosophen ist hoch: "Die Angabe aller wahren Elementarsätze beschreibt die Welt vollständig" (Kurt Gödel (der von Gödel, Escher, Bach) sollte auf diese Auffassung kurz darauf ein anderes Licht werfen).

Gerade die lakonische, behauptende Kürze vieler Sätze macht das Verständnis gerade nicht leichter (Verzeihung übrigens an dieser Stelle, wenn ich nicht der akademische Großmeister des Wittgenstein'schen Denkens sein sollte). Die "Logisch-philosophische Abhandlung", popularisiert als "Tractatus logico-philosophicus", ist knochentrockenstes Brot, und nur langsamst zu lesen.

Wenn es übrigens nur um das Auffüllen des Zitatenfundus' gehen sollte, hier einfach auch noch der bekannte Schlusssatz 7 im Wortlaut: "Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen" (beim Kabarettisten Dieter Nuhr klingt das heutzutage weitaus weniger mathematisch: "Einfach öfter mal die Fr*sse halten")

Ludwig Wittgenstein (1889-1951) war nach Abschluss des Tractatus, teils im Krieg verfasst, Volksschullehrer, Architekt und Cambridge-Dozent.
Das Buch folgt in dieser Ausstattung der kritischen Suhrkamp-Edition von 1989. Es sind etwas mehr als hundert Seiten. Hinzufügungen Wittgensteins sind im Anhang kurz aufgeführt. Das zweieinhalbseitige Nachwort geht allein auf die Textedition ein.

... Meine Rezension sei jetzt auch nur die Leiter zum Fortwerfen: Lesen Sie selbst die "Logisch-philosophische Abhandlung" - und für Sie selbst.
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Tractatus logico-philosophicus
Tractatus logico-philosophicus von Ludwig Wittgenstein (Gebundene Ausgabe - 28. Juni 1999)
EUR 13,95
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