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29 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wichtig für das Leben sind geliebte Menschen.
Diesen Roman Hesses halte ich persönlich für einen der gelungensten. Die Hauptfigur, Peter Camenzind, ist, wie alle Figuren Hesses, ein "Sucher"; dessen individuelle Rückschau auf sein Leben läßt den Leser zunächst noch hoffen, Camenzind möge im herkömmlichen Sinne zu seinem Lebensglück finden: die Liebe zu...
Am 4. Juli 1999 veröffentlicht

versus
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Im Vergleich mäßig...
Dieses Erstlingswerk von Hermann Hesse handelt bereits wie seine nachfolgenden Romane/Erzählungen von der Suche nach sich selbst, dem inneren Ich. Peter Camenzind wächst in einem kleinen Alpendorf auf, bricht jedoch in die große Welt auf, um sein Glück zu finden. Er erlebt die unerwiderte Liebe, die er wiederum in einem Schwerbehinderten findet, den...
Veröffentlicht am 21. November 2012 von Emil Sinclair


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29 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wichtig für das Leben sind geliebte Menschen., 4. Juli 1999
Von Ein Kunde
Diesen Roman Hesses halte ich persönlich für einen der gelungensten. Die Hauptfigur, Peter Camenzind, ist, wie alle Figuren Hesses, ein "Sucher"; dessen individuelle Rückschau auf sein Leben läßt den Leser zunächst noch hoffen, Camenzind möge im herkömmlichen Sinne zu seinem Lebensglück finden: die Liebe zu Elisabeth jedoch erfüllt sich nicht. Die Fährnisse, die Camenzind durchlebt und durchleidet, lassen ihn nicht zerbrechen, sondern reifen; der Leser sieht mit Erstaunen, daß Camenzind, in dessen Schublade die Anfänge einer großen Dichtung schlummern, als dieser schon alt ist, eine durchaus positive Bilanz seines Lebens zieht und keineswegs glaubt, etwas verpaßt zu haben.Das große Credo ist auch hier die Liebe, von der Camenzind geleitet wird.Ganz nebenbei- durch den auktorialen Ich- Erzähler relativiert- werden dem Leser sehr subjektiv erscheinende Lebensweisheiten vermittelt. Ein ästhetisches Vergnügen ist auch in diesem Hesse- Roman die sprachliche Gestaltung.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Herrliches Fruehwerk, 18. Juni 2007
Erst dadurch, dass ich Stefan Zweigs Brief an Hermann Hesse gelesen habe, in dem er Hesses Fruehwerk, den Peter Camenzind, ueberschwaenglich lobt, bin ich auf das Buch aufmerksam geworden.

Welch eine Freude, es zu lesen.

Eigentlich doch aehnlich zu Hesses "Klingsor", wenngleich letzterer ein spaeteres Werk ist und moderner, geht es auch hier um Naturerfahrung und den Menschen in der Natur.

Peter, ein Junge aus einem Bergdorf, waechst in der urspruenglichen Natur auf, die Wolken und Berggipfel zum Freunde. Erst durch einen Zufall geraet er hinaus, in die Welt der Bildung und schliesst Freundschaften, liebt, leidet und trinkt, reist, und erwacht zum Dichter.

Dieser Prozess wird uns durch Hesse aus der Ich-Perspektive Peters nahgebracht in fast romantisch-elegischen Worten, in einfuehlsamen Szenen und guten Charakteren.

Das Buch ist weich und schaeumend geschrieben, geballt und hingelegt und naturhaft und so schoen, dass man sich in jedem Satz eingraben moechte.

Mir hat der Peter Camenzind (genau wie Zweig) ausserordentlich gut gefallen. In gerade mal etwas mehr als 100 Seiten ersteht eine Welt vor uns auf: die Welt derer, die noch wirklich suchen nach dem, auf das sie ihr Leben gruenden moechten, die alles ernst nehmen und an der Welt verzweifeln und auch wachsen: wunderschoen.
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26 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf der Suche nach dem Glück, 23. Februar 2005
Von 
Christian von Montfort (Barcelona, Katalonien) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Peter Camenzind (Taschenbuch)
Das Buch startet mit der Anekdote von dem Dörfler, der das Abenteuer suchte und mit einem selbstgebauten Segelboot über einen großen See segeln wollte. Nach einer kleinen Havarie kehrt er spät nachts wieder Heim und darf sich auch noch den Spott anhören. So ähnlich verläuft im Großen auch die Geschichte von Peter Camenzind.

Camenzind, ein etwas schwermütiger, einzelgängerischer Junge aus den Schweizer Alpen, zieht nach dem Tod seiner Mutter in die Welt hinaus. Er studiert, dichtet, erlebt einige unerfüllte Liebesschwärmereien und tragische Freundschaften. Immer wieder zeigt sich, dass Camenzind, ein ausgesprochener Naturbursche, bei den Menschen die Naturverbundenheit und die Menschlichkeit vermisst. Sehr schön beschrieben ist die liebevolle Freundschaft zu dem gelähmten Bonni, den Camenzind intensiv pflegt - bis auch er stirbt. Camenzind ist enttäuscht von der Oberflächlichkeit der Welt, unter anderem ruft der Dichter aus "Ich wollte erreichen, dass ihr euch schämt, von ausländischen Kriegen, von Mode, Klatsch, Literatur und Künsten mehr zu wissen als vom Frühling" oder auch ganz schlicht "Ein Dichter versteht die Natur und hat sie lieb". In den Vorgängen der Natur sieht er das wahre Leben. Die Geschichte schließt sich, als er geläutert in sein Bergdorf zurückkehrt und ein wenig um den Spott seiner Nachbarn bangt.

Hesse hatte mit diesem Werk von 1904 seinen Durchbruch. Bereits hier zeigt sich der Leitgedanke von der Suche nach dem Lebenssinn, Liebe und dem wahren Selbst des Menschen, der sich durch alle seine Bücher zieht. Hesse wünscht sich ein "Menschsein ohne Schale, ohne Maske". Es ist eine durchaus realistische und eher traurige Geschichte, und neben dem "Steppenwolf" für mich eines seiner schönsten Werke.
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20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dichter durch Bestimmung, 24. August 2003
Rezension bezieht sich auf: Peter Camenzind (Taschenbuch)
Ein weiterer Klassiker des Jahrhundertschriftstellers Hermann Hesse. Die Charakterstudie des Peter Camenzind ist bis heute eins der eingängigsten und kunstvoll geschriebensten Werke der deutschen Literatur.
Peter Camenzind, ein Bauernjunge aus dem Nimikon, zieht aus um die Welt und die Liebe für sich zu entdecken. Er verlässt nach dem Tod seiner Mutter die von ihm geliebten Alpen in Richtung Großstadt. Auf seinen Fahrten durch Europa begeht er allerhand Bekanntschaften. Er wird Freund einiger weniger Auserwählter, von denen ihm einer nach dem anderen entweder stirbt oder auf andere Art verloren geht. Seine einzig wahre Liebe findet er in der zarten und wunderschönen Elisabeth, die er aber später durch seine Unentschlossenheit an einen anderen verliert. So bleibt ihm nach seinen unzähligen Reisen und Tragödien bis zu seiner Rückkehr ins heimatliche Camenzindsche Dorf einzig der Glaube an Franz von Assissi, seinen Lehrmeister, der Gott des Weines und sein ihm wenig geliebter Vater. Schlussendlich findet Camenzind sich mit dem Gedanken ab das er dazu berufen ist von den Schönheiten der Natur und seiner Liebe zu den Menschen zu künden. Er erkennt seine Bestimmung....er ist ein Dichter.
Hesse gelingt es, wie in jedem seiner Roman, durch seine kunstvolle Erzählweise zu gefallen jedoch ist "Camenzind" in meinen Augen keineswegs perfekt. An einigen Stellen hatte ich das Gefühl das Hesse ein wenig übertreibt, dies ist lediglich meine subjektive Meinung!
Für Hesse Fans ist Camenzind ein Pflichtkauf und die anderen sollten ihm zumindest eine Chance geben.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein kleines Stück vom Glück, 8. Oktober 2010
Von 
Maik Hoffmann (Zwickau) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Man verzeihe mir meine sehr subjektive Rezension, doch dieses Buch ist ein Idyll für mich, ein Kleinod. Nachdem ich früher einiges von Hesse las und dann länger nichts mehr, ist dieses Buch wie eine Heimkehr für mich. Ein echtes Juwel, ein Stück Geborgenheit.
Es ist kaum zu glauben, dass dies Hesses erster Roman ist. Eine so vollendete Sprache findet man selten. Klar und leicht formuliert sind die Beschreibungen der Natur, der Menschen und der Gefühle des Protagonisten. Deutlich geprägt von der Romantik, verfällt sie doch nie ins Kitschige oder zu Verspielte.
Inhaltlich ist das Buch autobiographisch geprägt und gibt deutlich die Richtung der späteren Werke Hesses an: Unverkennbar ist dies ein Entwicklungsroman, in dem die geistige Entwicklung des Protagonisten den zentralen Platz einnimmt. Dabei wird der Leser mit romantischen Naturbeschreibungen, amüsanten Begebenheiten und interessanten Begegnungen bestens unterhalten.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Im Vergleich mäßig..., 21. November 2012
Dieses Erstlingswerk von Hermann Hesse handelt bereits wie seine nachfolgenden Romane/Erzählungen von der Suche nach sich selbst, dem inneren Ich. Peter Camenzind wächst in einem kleinen Alpendorf auf, bricht jedoch in die große Welt auf, um sein Glück zu finden. Er erlebt die unerwiderte Liebe, die er wiederum in einem Schwerbehinderten findet, den er bis zu dessen Tode pflegt.

Im Vergleich zu Hesses späteren Werken finde ich den "Camenzind" etwas enttäuschend. Das soll nicht heißen, dass ich abrate, dieses Buch zu lesen! Ich würde es nur hinter die alternativen Hesse-Werke einordnen, namentlich "Unterm Rad", "Siddharta" und "Der Steppenwolf" (in dieser Reihenfolge).
Es ist ja nachvollziehbar, dass die literarische Qualität eines Autors im Alter zunimmt.

Insgesamt überzeugt mich der ihm typische Stil, sowie die bereits frühe und intensive Auseinandersetzung mit dem Ziel des Lebens. Doch leider bleibt das Werk hinter meinen Erwartungen zurück, die - da Hesse mit diesem Werk seinen Durchbruch gefeiert hat - recht hoch waren.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie kann ein Mitte-Zwanzig-Jähriger ein derart tiefes,..., 27. August 2013
Von 
Happyx - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
... alle Schattierungen der Seele ausleuchtendes Buch schreiben?

Peter Camenzind ist angewidert durch die sogenannte Gesellschaft bzw. das intellektuelle Leben. Nirgendwo sonst findet er derartig überzogene, verlogene Rollenbilder, die man sich überstülpt, sie sind in diesen Kreisen sogar gewalttätiger und irrsinniger als anderswo.

Er sucht die Natur - und findet über diesen Weg einfache Seelen voller Schönheit, unverkünstelt und echt. Die Schilderung von Wolken-Bildern als kleines Beispiel - nirgendwo habe ich etwas vergleichbar Zutreffendes gelesen, alle Draußen-Skizzen sind ein einziger Genuss.

Hermann Hesse ist zeitlebens vor allem Rezensent gewesen, hat sich damit seine ersten Sporen verdient (köstlich seine Anmerkungen dazu in diesem Buch), er möchte sein Leben über das Schreiben und ein einfaches Leben voller Entsagungen zubringen, im Fluss seiner inneren Werte, wolkenverhangen oft, und auf ursprüngliche Art glücklich sein. Peter Camenzind ist ein autobiografischer Roman, die Grundlage dafür, dass Hesse vom Schreiben leben kann, ein Zielfeld für alles, was kommen sollte.

Seine Wanderungen im Freien, die Annäherung an den menschlichen Krüppel am Ende, dort, wo er tiefste Schönheit findet: hier ist das Bemühen um Gott und die Welt tiefergehend, eindrücklich greifbar. Hesse ist als Mitte-Zwanzig-Jähriger deshalb soweit, weil er früher als andere die Verlogenheit von Gemeinschaften (seine Eltern waren pietistische Missionare) erkennt, die sich wie Fesseln um die freie Entfaltung von Seelen legen (können), sein Werk ist ein einziger Befreiungsakt dagegen.

Das Leben im Jetzt, ohne Notwendigkeit auf Anerkennung von anderen, ein freier Geist, am Grund der Dinge, abgekoppelt von Rollen- und Sittenbildern, ganz sich selbst fühlend, mit dieser Art kann es jeder schaffen, Beziehungen zu leben, die nicht von Tauschgeschäften geprägt sind, sondern von tiefer, kooperativer Menschlichkeit und natürlicher Schönheit.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die scheue Sehnsucht und das Leiden an der Leidenschaft., 9. August 2012
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Peter Camenzind (Taschenbuch)
"Vorwärts, Wanderer! Es sind noch viele Meere und Länder für
dich übrig: wer weiß, w e m Alles du noch begegnen mußt?"
(Friedrich Nietzsche)

Wie viele Bedeutungen hat Literatur? Was vor den Augen des Lesers geschieht, ist Ereignis und ist Zeichen. Die Bedeutung zu setzen, ist Aufgabe des Lesers; der Autor hat zu schweigen, wenn der Leser autonom wird. Der Text bleibt und wirkt als Gefüge anderer Zeiten und doch mit dem Leser im Kairos der Zeit.

Mit Peter von Matts Luftgeister im Gedächtnis, ist Lesen eine Freude. Mit Hermann Hesses (1877-1962) "Peter Camenzind" zu wandern, heißt die Natur im langsamen Takt zu durchschreiten; Berge, Höhen, Bäche, Schnee und Sonne im aufmerksamen Blick zu sehen, um sich allmählich des eigenen Alltags entreißen und irgendwie merkwürdig berühren zu lassen. Eine Spannung fehlt, die der moderne Alltag aufrecht erhält und in dem er jede Ablenkung garantiert. Es entsteht eher jene berühmte Langeweile, die wir von Büchner kennen, wenn sein Lenz durch die Wälder geht. Da sieht oder geht einer in seiner Heimat, einer jener vielen Camenzinds aus einem kleinen Dorf mit festen Regeln und Abläufen und besticht dadurch, dass er gegen die Geschwindigkeitszwänge der Zivilisation, gegen das Tempo der Großstädte lebt und doch sich angezogen fühlt, jenes zu erleben, um im Wissen darum, sich neu zu bestimmen. Hesse verbirgt nicht Nietzsches Auftrag zum Finden des eigenen Weges, lesen wir kurz Nietzsche: "Es giebt in der Welt einen einzigen Weg, auf welchem niemand gehen kann, außer dir: wohin er führt? Frage nicht, gehe ihn!"

Der Leser liegt wie einst Werther oder Droste Hülshoff mit ihrer Lektüre eben mit Hesses Peter Cammenzind im Gras und erfährt von den Möglichkeiten dieser Welt, von den Schrecken, den Gefahren und dem Lärm. Heute noch bestimmen die kleinen und winzigen Dinge des jungen Menschen Leben, die kleinen Blicke auf mögliche Liebschaften, die zarten Wünsche und die begehrende Jugend liegen zwischen Ich und Welt, noch nicht wissend, dass in diesem Schicksal der Weg zu sich selbst liegt, ein Weg der Erkenntnis seiner und der Welt wahren Beschaffenheit.

So muss Peter Cammenzind seine Heimat verlassen, wohl wissend, dass sein Vater mit dem Tode seiner Mutter alleine ist. Doch es ist Zeit für den Aufbruch. Und dieser Aufbruch ist mehr als ein Gehen, es ist die vehemente Öffnung seiner Selbst in eine andere noch unbekannte Welt. Und dieser Weg in die Stadt ist der Weg in eine zweite Welt, in der Wahrheit, Liebe, Lust und Glück zu suchen und zu finden sind. Er wird zum Kind des Lichts, wie es immer die Menschen waren, die unbedacht in Apfelkörbe liefen. Wie Hoffmanns Anselmus verliert Camenzind auf dem Weg seine Erinnerung und geht dem Neuen, dem Unbestimmten, den neuen Spiegeln dieser Welt entgegen, um über sich zu lernen.

Nicht mehr allein die Natur wird sein Führer. Er entdeckt, dass es Menschen sein müssen, die Neues ermöglichen; er erlebt, wie lohnend es ist, "statt einer abstrakten Menschheit Einzelne zu kennen und zu studieren"; er spürt, dass Freundschaft etwas Besonderes und Beständiges sein kann; er lernt, dass es Liebe gibt zu Menschen und dass Liebe in der höchsten Form ohne Vollzug eine wahre sein kann; er lernt, dass in den Büchern dieser Welt soviel Erweiterndes zu lesen und zu empfinden ist; er lernt in seiner Legitimation neue Welten sein eigen zu nennen, durch die er geht und denkt. Alles funktioniert in ihm selbst, ihm wird das Ich zur Welt und die Welt zum Ich. Seine Erfahrungen werden erweitert durch Erkenntnisse, seine Naturempfindung erweitert im Diskurs und Erleben mit Mensch und Buch.

Ihm schwebt vor, wie Franz von Assisi alle Menschen und Tiere zu lieben auf einer höheren Ebene, er probiert es in Wirklichkeit und wie der Heilige Franz sich durch die tiefe Vorstellung seiner Stigmata in eine Imitatio Christi verwandelt, so scheint auch Hesses Camenzind sich anzulehnen an seine Vorbilder, sich in seiner Seele selbst überzeugend gar so sein zu wollen bis zur vollständigen Hingabe. In der Tat mutet es an, als wenn Hesse seinen Camenzind verwandelt durch dessen Vorstellungen und Gedanken in diesen Erlebnissen von Menschen, Reisen und städtischem Gehabe. Und auch scheint dieser Weg ein notwendiger gewesen zu sein, damit der Herzschlag der Erde hörbar, das Leben als Ganzes erfahrbar und die Erkenntnis reift, Kind der Erde und des kosmischen Ganzen zu sein.

Der Herkunft und der Zeit der Erfahrung folgt die Rückkehr. Peter Camenzind ist naturverbunden, Menschen nah und neu erfahren durch seine Zeit außerhalb seiner Heimat. Was bleibt, ist das Wissen, dass die Welt, egal wo man ist, dem selben Gesetz gehorcht. Nirgendwo geht die Welt in eine andere über. Nur, und das wird deutlich, der Mensch kann seine innere Welt verändern. Sei es in der lauten Welt, in der Wüste oder in der Askese seiner Heimat. Novalis spricht von der "Sonne der Nacht". Diese ist nicht im Weltall, sie gehört nicht der Vernunft. Sie leuchtet in der Seele und da trifft sie auf Hermann Hesse, der mit seinem Erstling den Prozess des aufrechten Gangs als eigene Schöpfung erneuert. Er zeigt, dass im Prozess zur Identität sowohl Natur wie Menschen notwendig sind, letztere sogar in den Ausprägungen von Liebe, Lust und deren Verweigerung. Im Scheitern zu lernen, ist nicht leicht, aber es bietet die Chancen, des "inneren Universums" (Novalis) gewahr zu werden. Hesses Botschaft mit dem Ich-Erzähler Peter Camenzind prägt alle Werke. Die Botschaft heißt: "Sei Du selbst". Dass er diese Erneuerung so nah an die Natur anlehnt, heißt, so meint der Rezensent, auch: Werde wesentlich. Die Natur entspricht ihrem Wesen, was fehlt dem Menschen dazu?

"Einer, / der darin lebte, neuen Aufgaben sich zuzuwenden"(Robert Frost).
Hesse wie Peter Camenzind sind auf dem Wege, Dichter zu werden. Dieses ist ein ausgeprägter Wunsch Hesses im Jahre 1903 und dieser Wunsch wird transferiert auf Camenzind. Diese Erzählung in der Perspektive der Zeile aus dem Gedicht von Frost bedeutet auch, dass sowohl Hesse wie Camenzind leben wollen für alles, insbesondere für Gedichte und Erzählungen, wie auch für Romane, die noch geschrieben werden wollen.

Denn hier lesen wir den Anfang von Hesses Erzählkunst, Vieles folgt, sogar Nobelpreis und sonstige Auszeichnungen. Und tief, sehr tief in Hesses Thema um Natur, Leben und Selbstbestimmung steckt - mit Robert Frost gesagt -, eine Herausforderung: gewünscht "Sei nicht die eigene Liebe als Kopie zurück, / Sondern Gegenliebe, echte Resonanz".

Am 9. August 1962, heute vor fünfzig Jahren starb Hermann Hesse. Verdient hat er eine Würdigung, wie es diese Besprechung eine sein soll.

Sils Maria u. Como, im August 2012
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hesse ist zwar später noch gewachen, doch war er schon mit Peter Camenzind groß, 6. Juli 2008
Von 
Eines seiner ersten Werke, macht lust auf die folgenden und mit Sicherheit auch größeren Werke, jedoch liegt in diesem Buch die Wurzel der weiteren und mit Interesse verfolgte ich die Entwicklung seines Stils.

Für Hesse Fans kein unbedingter "Muss", aber eine absolute Bereicherung!!!!
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Frühwerk von Hesse, 18. Oktober 2004
Rezension bezieht sich auf: Peter Camenzind (Taschenbuch)
Hesse's "Peter Camenzind" von 1905 erzählt die Geschichte eines in der Provinz aufgewachsenen Bauernsohnes, der auszieht um mehr (was ist mehr?) aus seinem Leben zu machen. Dabei begegnet er verschietenen Charakteren, die seine Weltanschauung prägen und sowie ihn wie auch den Leser zum Nachdenken ermahnen.
Das Buch lebt von seiner Naturalistischen Sprache, der Intensität der erzählten Bilder und einer nachdenklichen Weltbetrachtung eines fein fühlenden jungen Mannes um die Jahrhundertwende.
Ein guter Einstieg in die Literatur des Nobelpreisträgers. Es empfielt sich meiner Ansicht nach den "Peter Camenzind" vor den bekannten Werken zu lesen!
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Peter Camenzind (Suhrkamp BasisBibliothek)
Peter Camenzind (Suhrkamp BasisBibliothek) von Hermann Hesse (Taschenbuch - 26. November 2007)
EUR 7,50
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