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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der lächerliche Ehrenkodex des Militärs bloßgestellt
Österreich um 1900: Während in den Kaffeehäusern von Wien über den Untergang der Welt schwadroniert wird, stemmt sich vor allem das Militär den Auflösungserscheinungen des Fin de Siècle entgegen und hält seinen Ehrenkodex hoch. Ausgerechnet diesen Ehrenkodex der kaiserlichen und königlichen Armee wählt der Wiener Arzt...
Veröffentlicht am 25. Februar 2005 von Rolf Dobelli

versus
2.0 von 5 Sternen ach je, das ist ein monolog...
... in heutzutage ungewöhnlicher Sprache zu einem heutzutage ungewöhnlichen Problem - es geht um einen Ehrbegriff, der in der heutigen Zeit eher Unverständnis hervorruft. Ich habe viele Seiten überschlagen, mich hat das Buch und das Thema nicht erreicht.
Vor 18 Monaten von 123 veröffentlicht


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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der lächerliche Ehrenkodex des Militärs bloßgestellt, 25. Februar 2005
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Lieutenant Gustl: Berlin 1901 (Taschenbuch)
Österreich um 1900: Während in den Kaffeehäusern von Wien über den Untergang der Welt schwadroniert wird, stemmt sich vor allem das Militär den Auflösungserscheinungen des Fin de Siècle entgegen und hält seinen Ehrenkodex hoch. Ausgerechnet diesen Ehrenkodex der kaiserlichen und königlichen Armee wählt der Wiener Arzt und Literat Arthur Schnitzler als Thema für seine revolutionäre Novelle. Revolutionär ist sie vor allem aufgrund der Erzählperspektive: Erstmals ermöglicht ein deutschsprachiger Schriftsteller seinen Lesern den direkten Blick in die Gedanken seines Helden. Dieser Held, der Leutnant Gustl, wird an der Garderobe eines Konzertsaals von einem Bäckermeister angepöbelt. Gustl stockt der Atem: Wie soll er auf eine solche Unverfrorenheit angemessen reagieren? Der Ehrenkodex des Militärs befiehlt: Duell oder Selbstmord. Ein Duell mit dem rangniederen Bäcker ist nicht möglich. Bleibt nur das andere ... Schnitzler treibt seinen Helden in einer nächtlichen Odyssee durch Wien, die schließlich zu einem überraschenden Ende führt. Was für die Helden von James Joyce' Roman "Ulysses" Dublin ist, ist für Schnitzlers Gustl Wien: Kulisse für ein raffiniertes "Kopftheater".
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannende Geschichte über Ehre und Psyche, 6. September 1999
Von Ein Kunde
Dies ist fast so etwas wie der Vorläufer eines "Psychothrillers". Leutnant Gustl ist im Konzert und fängt aus Langeweile an, über Dinge nachzudenken, die sein Leben momentan bewegen. Dies sind vor allem Frauengeschichten und andere zwischenmenschliche Beziehungen. Er verfällt in immer dekadentere und überheblichere Überlegungen, bis das Konzert zu Ende ist. An der Garderobe fährt er aus seiner überheblichen Traumwelt heraus einen Bäckermeister an, der ihm aber den Säbel festhält und ihn privat demütigt. Niemand hat etwas gesehen, doch Leutnant Gustl ist überzeugt davon, daß er sich jetzt umbringen muß. Er erlebt seine letzte Nacht bis am nächsten Morgen die große Überraschung passiert. Die Standardgeschichte zum Begriff "Ehre", denn Leutnant Gustls Monologe sind charakteristisch für die Zeit und die damals auch herrschende Dekandenz der österreichisch-ungarischen Monarchie. Dieses Buch erinnert außerdem stark an einige Szenen in Theodor Fontane's Effie Briest, in welchem Ehre auch einer der zentralen Begriffe ist. Ein sehr empfehlenswertes Buch, welches nicht umsonst auf den Leselisten der Kollegstufen an oberster Stelle steht. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spiegelbild der österreichischen Gesellschaft des 19. Jhs., 27. Oktober 2004
Von Ein Kunde
Ich mußte das Buch für eine Seminararbeit auf der Uni lesen und es wurde promt zu einem meiner Lieblingsbücher. Schnitzler gibt in diesem Buch einen wunderbaren Einblick in eine Zeit, in der Standesdünkel und ein völlig überzogener Ehrbegriff dominieren. Die Gedankengänge Gustls sind teilweise völlig absurd und drehen sich nur um sein Satisfaktionsrecht, Frauen, seine Freizeit, sein Bedauern, nie in einer Schlacht gekämpft zu haben und die Frage, wie er sich am Besten das Leben nehmen könnte. Das völlig überraschende Ende lässt ihn dann in seinen alten Trott zurückfallen.
Vielleicht sei noch anzuführen, dass Schnitzler mit der Veröffentlichung des Buches einen Skandal auslöste, sein Leutnantsrang in der K.u.K.-Armee wurde ihm aberkannt, er zum Sanitätsgefreiten degradiert, weil er "...die Ehre der Armee aufs tiefste verletzt..." hatte. Daß er eigentlich nur Tatsachen aufzeigte, naja.
Habs also nicht wirklich bereut, das Buch in die Hand zu nehmen! Vorschlag: Kaufen und lesen!
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Moral und Ehre, 3. Mai 2007
Von 
Michael Kahnt (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Lieutenant Gustl: Berlin 1901 (Taschenbuch)
Moral und Ehre. Zwei Begriffe, die in diesem kleinen Buch eine große Rolle spielen. Zwei Begriffe, die für Lieutnant Gustl der Inbegriff des Lebens sind. Doch ist es wirklich so?

Im Laufe der Handlung zeigt sich doch sehr deutlich, daß man hier eher von Doppelmoral sprechen muss, und daß Ehre mehr ein leeres Wort ist.

Ein wirklich gelungenes Buch. Voller Schwung begleitet der Leser Gustl durch 12 Stunden seines Lebens voller Höhen und Tiefen, ausgelöst durch einen scheinbar banalen Vorfall im Theater.

Dem Leser wird schnell deutlich, daß die Kritik bezüglich der Frage nach Moral und Ehre sich nicht nur auf Gustl bezieht, sondern auf das gesamte System. Nicht ohne Grund wurde Schnitzler nach der Veröffentlichung aus dem Offiziersstand enthoben.

Ein gelungenes Buch. Ein innerer Monolog ohne Langeweile.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leutnant Gustl mit interessantem Charakter, 4. November 2008
Leutnant Gustl ist ein ausgesprochenes interessantes Buch. Ich habe es zu schulischen Zwecken gekauft, aber lieber zur Freizeit gelesen.
Da sich alle auf das Buch selber bezogenhaben, beziehe ich mich dieses mal auf den besonderen Charakter für die Kaufentscheidung:

Gustl ist ein Leutnant der österreichischen Armee, der Anfang zwanzig ist, in Wien lebt und kaum Kontakt zu seinen Eltern und seiner Schwester hat. Seine Statur ist eher klein und schmächtig, was daran erkennbar wird, dass er den Bäckermeister selbst als "zehnmal stärker" mit einer "Faust wie Eisen" bezeichnet.
Eigentlich wollte Gustl viel lieber zur Kavallerie, doch dieser Traum scheiterte am geringen Vermögen seiner Familie, da jeder Kavallerist ein eigenes Pferd besitzen musste, und so wurde der junge Gustl zur Kadettenschule geschickt. Auf Grund von regelmäßigen Pokerrunden und seines geringen Verdienstes, lebt Gustl fast immer sehr sparsam und hat nie viel Geld.
Darum wird er und auch der Rest seiner Familie von einem reichen Onkel, der Plantagenbesitzer ist, finanziell unterstützt. Es ist Gustl sehr wichtig, was andere von ihm denken und er verhält sich immer so, wie es von ihm erwartet wird, weil er sich immer beobachtet fühlt.
Durch den inneren Monolog dieser Novelle und den schon genannten, kurzen Handlungsstrang, erfahren wir nicht viel über Gustls soziale Beziehungen. Die Sprache ist spontan und mundartlich gefärbt, die Sätze sind oft kurz, abgehackt und unvollständig. Gustl erlebt, begreift und kommentiert das ihm Zugestoßene zur gleichen Zeit, schweift ab in die Vergangenheit, knüpft lockere Assoziationen, um dann wieder abrupt in das Gegenwärtige und die Realität zurückgeholt zu werden.
Dadurch wird die Unstrukturiertheit seiner Gedankengänge und Überlegungen sehr deutlich, weil er oft anfängt über etwas nachzudenken, jedoch kaum einen Gedankengang vertieft um stattdessen wiederum bis zum nächsten Gedankenbruch über etwas anderes nach zu denken.
An seinen Gedanken lässt sich jedoch erkennen, dass er kaum enge soziale Beziehungen und Bindungen hat, sondern nur viele flüchtige
Bekanntschaften, vor allem Frauen, von denen er die meisten noch nicht einmal mehr namentlich kennt.
Das Wichtigste ist für Gustl das Militär und dessen Ruf und Ansehen zu wahren.
Aus diesem Grund verehrt er seine Vorgesetzten und verachtet das einfache Volk, also die Zivilisten.
Hiermit wären auch schon Gustls zwei Hauptthemen genannt, seine Affären und natürlich das Militär. Hierüber denkt er die ganze Zeit nach und hält sich auch ständig vor Augen, wie attraktiv die Frauen um ihn herum sind, so zum Beispiel auch im Oratorium, wo er sich unter anderem damit ablenkt, ein Mädchen in der Loge zu beobachten, das er als "sehr hübsch" bezeichnet.
Hier wiederum zeigt sich Gustls sexueller Trieb, der als einer seiner Haupttriebe bezeichnet werden kann. Gustls zweiter Impuls sind seine aggressiven Neigungen.
Diese Impulse hängen bei ihm jedoch sehr eng zusammen, was sich an dem Beispiel des Mädchens in der Loge sehr gut zeigen lässt. Da er im Moment nicht die Möglichkeit hat, seinem Trieb, mit diesem Mädchen evtl. eine Affäre zu beginnen oder zumindest mit ihm zu sprechen, nachzukommen, möchte er diese angestaute sexuelle Energie am liebsten auf aggressiven Wege loswerden, und zwar bei dem Duell mit dem Herrn Doktor am nächsten Tag .
Im Foyer jedoch ärgert er sich wieder darüber, dass Steffi nicht bei ihm ist und dass eine Frau, die ihm als "bildhübsch" aufgefallen ist, von einem anderen Herrn abgeholt wird. Es hat sich nun also in ihm sowohl sexuelle, als auch aggressive Energie gestaut, die mit einem Mal nach außen tritt, als er schon wieder warten muss. Dies ist die Situation mit dem Bäckermeister, wo er sofort merkt, dass er zu grob reagiert hat und seinen rauen Umgangston deshalb bereut.
Gustls Verhalten ist also stark, wenn nicht sogar rein Triebgesteuert und viele seiner Handlungen passieren im Affekt, ohne dass er darüber nachdenkt.
Er ist insgesamt als völlig orientierungslos zu bezeichnen, da er es nicht schafft, eine seiner Energien auf eine Person zu konzentrieren und somit soziale Beziehungen einzugehen.
Darum hat er außer zu Steffi, die ironischerweise an diesem Abend nicht bei ihm ist, weil sie mit einem anderen Herren zu Abend isst, kaum Bindungen zu anderen. Denn seine einzigen Bindungen sieht er in der Beziehung zu Steffi und in der Repräsentation der Armee. Außerdem ist er eine sehr labile Persönlichkeit, weil er sich sehr von der jeweiligen Situation leiten lässt, und keine Ziele hat, die er verfolgen kann.
Der auffälligste Punkt an Gustls Charakter ist jedoch, dass er während der gesamten Novelle zwar eine unbewusste Entwicklung durchlebt, er am Ende jedoch wieder in sein altes Lebensmuster zurückfällt und es so ist, als sei gar nichts gewesen.
Gustl macht im Laufe der Handlung deutlich, dass er nicht mit der Schande der Verletzung seiner Ehre weiterleben will, selbst wenn nur er davon wüsste, "['] ich muss mich umbringen, es bleibt mir ja nichts anderes übrig - ['] so ein Kerl wie ich, der dasteht und sich einen dummen Bub heißen lässt ['] - und selbst wenn er sich vorgenommen hat, er red't nicht davon, so sagt er's übermorgen' und wenn er's übermorgen nicht sagt, in einer Woche' Und wenn ihn heut Nacht der Schlag trifft, so weiß ich's' ich weiß es ' und ich bin nicht der Mensch, der weiter den Rock trägt und den Säbel, wenn ein solcher Schimpf auf ihm Sitzt! ' So, ich muss es tun, und Schluss!" .
Sein Entschluss, die Ehre durch Selbstmord zu retten, entpuppt sich also als leere Versprechung und Gustl verfällt in seine alten Gewohnheiten, indem er den Herrn Doktor am Ende "[']zu Krenfleisch [hauen will]" .
Für Leutnant Gustl ist dies alles so, als wäre es gar nicht passiert und er lebt normal weiter, indem er die hier gesammelte Erfahrung verdrängt oder sogar vergisst.
Es ist für den Leser jedoch sehr amüsant, dass ein Leutnant nur wegen seinem Ehrgefühl und einer sehr unbedeutenden Begegnung wie die mit dem Bäckermeister solch lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann, da Gustl sich wahrscheinlich umgebracht hätte, wenn der Bäckermeister nicht vom Schlag getroffen worden wäre .

Fazit: ein sehr interessantes Buch mit ausgesprochen interessantem Charakter.

Ps:An Herr Jander das ist von Daniel Weber
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom »Erfinder des Inneren Monologs«, 31. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Lieutenant Gustl (Taschenbuch)
Die Erzählform, in der »Lieutenant Gustl« verfasst wurde, wird als innerer Monolog bezeichnet. Der Leser wird dabei von Schnitzler ausschließlich mit den ungefilterten Gedanken eben jenes Lieutenants Gustl konfrontiert. Dieser sitzt bei einsetzender Handlung in einer Gesangsaufführung und langweilt sich. Dabei schweifen Gustls Gedanken in alle möglichen Richtungen ab und schwanken zwischen belanglos und entlarvend. Mal fragt sich Gustl, ob eine hübsche Frau Blickkontakt zu ihm sucht, oder doch nur zu einem anderen Mann neben ihm. Dann ruht Gustls Aufmerksamkeit wieder auf einer anderen schönen Frau im Publikum, bis er bemerkt, dass ihm ihre Nase zu »jüdisch« ist.
Arthur Schnitzler (1862-1931) war selbst ein jüdischer Arzt und Reserveoffizier. Sein »Lieutenant Gustl« war teils eine Anklage des Antisemitismus seiner Zeit und schlug nach Veröffentlichung hohe Wellen in der österreichischen Gesellschaft. Es reicht jedoch nicht das Werk auf eine bloße Anklageschrift zu reduzieren.
Die Handlung erreicht ihren Höhepunkt als Gustl an der Theatergradrobe von einem Zivilisten gedemütigt wird. Um seine Ehre wiederherzustellen, hätte Gustl diesen, nach geltenden Militärgesetz, sogleich erschlagen müssen. Da er jedoch zögert, verliert er so seine Möglichkeit zu Genugtuung. Einsam zeiht er durch das nächtliche Wien und denkt über seine Möglichkeiten nach: Wird der Zivilist die Ehrverletzung publik machen? Soll Gustl sich unehrenhaft aus der Armee verabschieden lassen? Oder soll er den Freitod wählen, um sich ein letztes bisschen Würde zu bewahren? Schnitzler gelingt so die Darstellung eines moralischen Konflikts zwischen Ehreauffassung und der Wahrung des äußeren Scheins.
Ein wichtiger Aspekt des inneren Monologs »Lieutenant Gustl«, ist das von Schnitzler definierte Wesen des »Mittelbewusstseins«. Hinter dem Begriff verbirgt sich ein Gegenentwurf zu Sigmund Freuds Modell der Aufteilung der Persönlichkeit in »Ich«, »Es« und »Über-Ich«. Gemeint ist beim Mittelbewusstsein ein Zustand des »sich Selbst nicht bewusst werdens«. Bei »Lieteunant Gustl« ließe sich dies daran festmachen, dass Gustl zum Beispiel zwar antisemitische Gedanken hegt, aber diese nicht reflektiert, beziehungsweise sich selbst nicht als Antisemit empfindet.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Literarisches Äquivalent zu Sigmund Freud, 17. April 2015
Von 
helmut seeger "liberaler" (karlsruhe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Leutnant Gustl (Kindle Edition)
Schnitzler wurde nicht zu Unrecht als literarisches Äquivalent zu Sigmund Freud gesehen. Er verwendet hier die Technik des inneren Monologs, um gleichzeitig ein Psychogramm des jungen Leutnants Gustl als auch ein Soziogramm seiner Beziehungen sowie zum dritten ein Porträt der Habsburger Monarchie zu zeichnen. Während der junge Leutnant sein gesamtes Leben Revue passieren lässt, lässt Schnitzler die Leser sowohl an der Sprunghaftigkeit der jugendlichen Psychologie als auch an Reflektionen über Freundschaft, Liebe und Familie teilhaben und zeichnet ein präzises Bild des militärischen Ehrenkodex der Zeit.
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5.0 von 5 Sternen Eine der wenigen Novellen, die man auch als Schüler gerne liest, 15. Dezember 2014
Von 
realkenai & family (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Leutnant Gustl (Kindle Edition)
Arthur Schnitzler schrieb diese Novelle in der Zeit vom 13.-17.07.1900. In mehrfacher Hinsicht stellte sie damals wie (teils) auch heute etwas Besonderes dar:
- ,Leutnant Gustl' war einer der ersten, wenn nicht sogar DER erste Text, der ausschließlich die Gedankengänge der Hauptperson, also einen inneren Monolog, wiedergibt.
Da kaum ein Mensch all seine Gedanken, schon gar nicht gegenüber anderen, laut aussprechen würde, aber auch weil man selbst diese nicht wirklich und bewusst steuern kann, wird die Geschichte quasi aus einer neben sich selbst stehenden Ich-Perspektive erzählt.
- Das erlaubt Herrn Schnitzler gnadenlos die seltsam verworrenen Ehrbegriffe der damaligen Zeit bloßzustellen. Leutnant Gustl schwelgt zwischen Selbstüberschätzung und Selbstmitleid, sieht sich dabei trotzdem voller Egoismus Dank der getragenen Uniform als eine Art Mittelpunkt der Welt. Nahezu alle anderen vorkommenden Personen, ob Familie, andere Militärs oder auch seine Gespielinnen (denn als nichts anderes sieht er Frauen an) dürfen froh sein das er lebt und werden sicherlich vor Unglück vergehen wenn er sie verlässt oder gar stirbt.
Und um genau diese Möglichkeit geht es. Zutiefst beleidigt von einer weit unter seinem Rang stehenden Person, die er freilich durch sein unsäglich überhebliches Gebaren selbst dazu herausgefordert hat, scheint ihm nur der Selbstmord zu bleiben. Den allerdings schiebt er immer wieder hinaus bis, ja bis....es zu einem sehr überraschenden und doch offenen Ende kommt.
Doch bis dahin erfahren wir, die heimlichen Gedankenleser, was für oberflächliche, selbstverliebte Feiglinge sich doch hinter der Fassade von Helden- und Ehrbegriffen tatsächlich verstecken können.
- Daher wurde die Novelle seinerzeit als Skandal, vor allem aber auch als Frontalangriff auf die Ehre des Militärs angesehen, was u. a. dazu führte, das Arthur Schnitzler in der Folge sein militärischen Rang (Leutnant der Reserve) aberkannt wurde.

Die Umsetzung auf Kindle ist gut gelungen
Lesezeit etwa 40 Minuten (lt. Kindleanzeige 57 Minuten) /// Keine Seitenangabe /// Positionsnummern: 523
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5.0 von 5 Sternen Sittenbild der k.u.k.-Monarchie, 23. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Leutnant Gustl (Kindle Edition)
Der innere Monolog des jungen Leutnants Gustl ist ein Sittenbild der k.u.k-Monarchie vor dem 1. Weltkrieg. Schnitzler bringt auf wenigen Seiten die ganze Verachtung der Militärs gegenüber allem Zivilen zum Ausdruck und deckt die Doppelmoral besonders der adeligen jungen Offiziere dieser Zeit auf. Ein Abgesang auf den Ehrbegriff, der hier in aller Perversion dargestellt wird.

Muss man das heute noch lesen? Nein, man muss nicht - aber man sollte.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Psychologische Facetten, 27. November 2002
In dem Band "Leutnant Gustl" sind 17 Erzählungen aus den Jahren 1892 bis 1907 zusammengefaßt, die ganz unterschiedliche Einblicke in das Seelenleben der Protagonisten gewähren. In der Titel-Erzählung geht es um den Begriff der Ehre; Schnitzler verwendet zum ersten Mal ausschließlich den '"Inneren Monolog" und zeichnet damit ein objektives Bild der Angst, der Minderwertigkeitskomplexe und der Standesdünkel, was die militärische Gedankenwelt der Lächerlichkeit preisgibt und den Autor die Offizierswürde als Reserveoffizier kostete - wegen "Verletzung der Standesehre", eine reale Fortsetzung der Novelle.
Jede einzelne Erzählung hat ihren eigenen Reiz, Schnitzler läßt den Leser am Innenleben seiner handelnden Personen teilhaben und mitleiden.
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Lieutenant Gustl
Lieutenant Gustl von Arthur Schnitzler (Taschenbuch - 25. Juni 2007)
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